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Set Kaualluunel.

Günstigere Beurteilung des Projekts tu England.

Nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten er­wägt man das Projekt einer Untertunnelung des Aer- melkanals, da die, wenn auch nur sehr kurze Seefahrt, doch mancherlei Gefahren in sich bergen kann und vor allem aber auch mchr oder minder von der Witterung abhängig ist. Vor allen Dingen könnte der Verkehrs­dienst dann regelmäßiger und bei weitem schneller ge­staltet werden, und es liegt auf der Hand, daß eine der­artige Regelung beiden beteiligten Ländern nach den verschiedensten Richtungen hin zugute kommen würde. Bei dem heutigen Stande der Technik können über die Ausführbarkeit des Projektes irgendwelche Zweifel Nicht obwalten, und der Bau würde sich, da nach den ange­stellten Forschungen der Untergrund keine sonderlichen Schwierigkeiten bieten soll, in verhältnismäßig kurzer Zeit bewerkstelligen lassen. _ . ,

Wenn trotzdem an die Ausführung des Pro;ektes nicht herangetreten wurde, fo hatte das seinen Grund in der Opposition der englischen Regierung, welche militä­rische Bedenken hegte. Man glaubte, daß im Kriegs­falle einer französischen oder anderen Armee eine In­vasion nach England ungemein erleichtert werden würde. Nachdem nunmehr aber die Beziehungen zwischen Eng­land und Frankreich, die früher manches zu wünschen übrig ließen, sich zu einer recht intimen Entente gestal­tet haben, können die militärischen Bedenken nicht mehr derartig schwer ins Gewicht fallen, wenngleich sie sich nicht gänzlich aus der Luft schaffen lassen, zumal zs kei­neswegs gänzlich ausgeschlossen ist, daß eines Tages die englisch-französische Freundschaft angesichts eines Wi­derstreits der Interessen in die Brüche geht. Immerhin müssen die Bedenken zurücktreten, wenn es möglich ist, durch ein derartiges Projekt dem beiderseitigen Handel und Wandel die größten Vorteile zu verschaffen. Diese sind so einleuchtend, daß man sie nicht erst mehr in das

'' Licht zu setzen braucht, und es ist daher begreiflich, _______jetzt eine neue Bewegung sich auftut, um das Tun­nelunternehmen in die Wirklichkeit umzusetzen.

Allem Anschein nach findet der Plan jetzt in wei­ten Kreisen Englands mehr und mehr Zustimmung, und eine in London im Unterhause stattgefundene Versamm­lung von Geschäftsleuten, an der auch Vertreter des Kriegsministeriums und anderer Regierungsstellen teil- nahmen, nahm einstimmig einen Beschluß an zugunsten des Baues eines Kaiialtunnels, wobei der Ansicht Aus­druck gegeben wurde, daß ein solcher Tunnel die herz­lichen Beziehungen Englands zu Frankreich und ande­ren Festlandsmächten steigern würde. In einer ganzen Reihe von Zustimmungsschriften hervorragender Per­sönlichkeiten wurde betont, daß der Tunnel für den Handel Englands von großem Nutzen sein würde, wäh­rend er in Kriegszeiten leicht durch Dynamit zerstört

rechte wenn

werden könnte.

Tatsächlich würde der Tunnel nicht nur für den Ver­kehr zwischen England und Frankreich von Nutzen sein, sondern auch andere kontinentale Staaten würden da­von Nutzen haben; nicht zuletzt Deutschland, da auch für uns der Seeweg nach England keine unbedingte Not­wendigkeit mehr wäre, sondern man mit der Eisenbahn über Frankreich nach dort gelangen könnte.

was zahlt der Kaiser siir seine Leisen.

Es ist eine im großen Publikum fast allgemein ver­breitete Anschauung, daß der Kaiser als Staatsoberhaupt innerhalb des Reichsgebiets für feine Reisen keinerlei Kosten zu bezahlen habe und daß ihm die Hofzüge mit ihren prachtvollen Salonwagen ohne Vergütung an die Eisenbahn zur Verfügung stehen. Diese Ansicht ist be­greiflich, deswegen aber nicht weniger falsch. Im Ge­genteil sind die Kosten einer Eisenbahnfahrt für den Monarchen recht erheblich und erreichen oft eine über­aus stattliche Höhe. Wie jeder Privatmann, der sich den Luxus eines Extrazuges leisten kann, hat der Kaiser für die Benutzung des Schienenwegs usw. die reglement- mäßig sestgelegte Gebühr an die Eisenbahnverwaltung zu entrichten. Die dadurch entstehenden Reisekosten sind oft so enorme, daß der Monarch es begreiflicherweise vorzieht, manche feiner Fahrten lieber im Automobil zu unternehmen. Aber naturgemäß ist die Verwendung des Kraftwagens als eines Reiseverkehrsmittels für den Herrscher nur eine beschränkte, da bei allen offiziellen Gelegenheiten das Fahren auf der Eisenbahn ein ab­solutes Erfordernis darstellt.

Man bekommt einen Begriff von den gewaltigen Kosten, die jede Eisenbahnfahrt dem kaiserlichen Ver­mögen verursacht, wenn man hört, daß für die Reisen von Potsdam über München nach Donaueschingen an­nähernd 20 000 Mark an Gebühren für Benutzung und Bewachung der Bahnlinien zu zahlen waren. In Bayern mußte der Kaiser sogar einmal für die doch verhältnismäßig sehr kurze Strecke München-Ulm (146 Kilometer) 3500 Mk. entrichten. In Preußen verbilligen

8i$.

Eine Herzensgeschichte von Walter Kabel.

4) (Nachdruck verboten.)

Herr Doktor," sagte er mit vertraulichem Lächeln und zwinkerte dein Referendar dabei verständnisinnig zu,heute kann ich Ihnen nun auch endlich die Auskunft geben, die Sie letztens von mir erbaten. Sie erkun­digten sich doch nach zwei Damen, nicht wahr'? Erin­nern Sie sich nur! Die eine sollte schlank, groß, stets schwarz gekleidet sein und die andere, die jüngere . . ."

Ja, ja, ich besinne mich schon!" unterbrach ihn Ja- rotzki hastig und merklich verlegen.Aber so wichtig ist mir das wirklich nicht . . . Vielleicht sprechen wir ein andermal darüber. Ich habe heute wellig Zeit." Er hatte aber doch einen roten Kopf bekommen und suchte diese ihm höchst unangenehme Geschichte jetzt schnell zu vertuschen, damit nur Benters nicht aufmerksam wurde. Für diesen schien der Strand plötzlich alle Anziehungs­kraft verloren zu haben. Und mit deutlichem Spott sagte er jetzt zu dem Referendar, der vergebens dem etwas schwerfälligen Herrn Lenz einen heimlichen Wink zu geben versuchte . . .

Sehen Sie einmal an, Sie alter Sünder! Also auf solchen Schleichwegen muß man Sie ertappen . . .' Nun, zur Strafe erzählen Sie uns jetzt gerade, was der Doktor von Ihnen gewollt hat," richtete er das Wort wieder an den Kommissar, der nun leider zu spät - merkte, daß er mit dem Berühren dieser delikaten An­gelegenheit arg hereingefallen war und allerhand Aus­flüchte gebrauchte, die Benters Neugierde aber nur noch erhöhten. Schließlich mischte sich der Referendar selbst ein:

Sagen Sie's bloß schon!" sagte er ärgerlich.Sie sehen ja, der Assessor läßt ja doch nicht locker!"

Nehmen Sie's mir nur nicht übel, Herr Doktor, daß ich diese unsere Privatangtzlegenheit erwähnt habe,"

sich allerdings die Eisenbahnfahrkosten des Kaisers et­was, da hier gewisse Vergünstigungen zugebilligt sind. Innerhalb des Bereiches der preußischen Monarchie fällt die Zahlung der Taxe für den Lokomotivengebrauch fort. Dadurch tritt schon eine sehr wesentliche Ermäßigung ein, da die Lokomotivengebühr allein 1,20 Mk. für den Kilo­meter beträgt. Auch werden ihm, solange sich die Hof- züge auf preußischen Linien bewegen, statt einer Taxe von 0,40 Mk. pro Achse nur Fahrkarten 1. Klasse, min­destens aber 12 Stück berechnet.

Da tatsächlich der Monarch zu den häufigsten Fahr- gästen auf unseren Eisenbahnlinien gehört, kann man aus den genannten Ziffern ungefähr entnehmen, mit welchen Summen allein die Reisen das Budget des Kaisers belasten. Nimmt man noch hinzu, was die ständige Unterhaltung des außerordentlich großen Auto­mobilparks, wie die der auf den Seereifen in Dienst genommenen JachtHohenzollern" kosten, so gelangt man noch zu einem bedeutenden ständigen Steigern der jährlichen Ausgaben, die die Reisen des Kaisers ver­ursachen.

Der Tod am Südpol.

Die Schrecken der Südpolexpedition Mawsons.

Mawson, der Führer der australischen Südpolexpe­dition, der, wie schon gemeldet, mit seinem SchiffAu­rora" nach Port Adelaide (Südaustralien) zurückgekehrt ist, hat von dort an die Londoner Times ein Telegramm gesandt, in dem er seine Abenteuer beschreibt.

Um das Kaiser Wilhelm-H.-Land und dessen Hinter­land zu untersuchen, war er mit dem Schweizer Mertz und dem Leutnant Minnis mit 16 Hunden und zwei Schlitten auf dem Marsche gegen Osten. Am 15. De­zember 1912 befand sich die Expedition unter dem 68. Breitengrad und dem 151. Längengrad auf einer Hoch­ebene, die sich 9000 Fuß über dem Meeresspiegel binzog. Das Land war vielfach von Klüften durchzogen, die zum Teil von Schnee überbrückt waren. Mertz, der ein aus­gezeichneter Schneejchuhläufer war, befand sich einen halben Kilometer voraus und war eben über einen mit Schnee bedeckten Spalt gefahren, als ihm auch schon Mawson mit seinem von sechs Hunden gezogenen Schlit­ten folgte. Auch dieser kam glücklich über den Spalt und rief dem ihm mit dem größten, von zehn Hunden gezo­genen Schlitten folgenden Leutnant Minnis die War­nung zu, sehr vorsichttig beim Ueberfahren der Schlucht zu sein. Als sich Dr. Mawson einige Augenblicke später nach dem Leutnant umsah, war Minnis im Abgrund verschwunden, samt Schlitten und Hunden. Mawson und Mertz eilten sogleich nach dem Spalt zurück und sahen, daß die gewaltige Schneemassen, die eine Brücke gebildet hatte, zusammengebrochen war. Von dem abge­stürzten Leutnant aber, von seinen Hunden und seinem Schlitten war keine Spur mehr zu sehen. Nur ein Hund lag heulend und schwer verletzt auf einem Eisvorsprung, verstummte aber ebenfalls bald. Der Abgrund war min­destens 150 Fuß tief, Seile von solcher Länge waren nicht vorhanden, und ein Abstieg somit unmöglich.

Obwohl Mawson sowohl wie Mertz stundenlang am Abgrunde verharrten und immer und immer wie­der den Leutnant anriefen, vernahm man kein Lebens­zeichen mehr und kam schließlich zu der Ueberzeugung, daß er tot war. Da der verschwundene größte Schlitten auch die meisten Vorräte, Instrumente usw. getragen hatte, mußten Mawson und Mertz umkehren. In kurzer Zeit waren die Vorräte zu Ende, und die abgemagerten Hunde mußten einer nach dem anderen getötet und ge­gessen werden. Mertz, der infolge der nun folgenden un­geheuren Strapazen erkrankt war, starb am 10. Januar. Halb wahnsinnig vor Hunger Entbehrungen und Kälte bewegte sich Mawson allein mühsam weiter; Haut, Haare und Nägel lösten sich von seinem Körper. Auch er war dem Ende nahe, als er einen Lebensmittelvorrat ent­deckte, den eine von derAurora" ausgesandte Hilfsex- pedition unter einem Schneehaufen zurückgelassen hatte. Diesem glücklichen Zufall verdankte es Mawson, daß er das Schiff lebend wieder erreichte.

Politische Rundschau.

Der Beginn der Korfureise des Kaisers ist, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, auf den 22. März an­gesetzt. Nach den bisherigen Dispositionen wird die Kaiserin an der Reise teilnehmen und den Kaiser am 24. März in Venedig treffen. Auch kann es nunmehr als sicher betrachtet werden, daß der Kronprinz seine Reise in die deutschen Kolonien im Laufe dieses Som­mers antreten wird.

Die erste Lesung der Beamtenbesoldungsnovelle ist im preußischen Abgeordnetenhause vorläufig auf unbe­stimmte Zeit verschoben worden. Sie sollte ursprüng­lich am Montag, 2. März, stattfinden. Es besteht bei den Fraktionen die Absicht, über den Rahmen der No­velle hinaus für bestimmte Beamtenklassen Gehaltser­

meinte der Beamte ganz zerknirscht.Ich hätte ja auch nie davon angefangen, wenn nicht Ihre Beschreibung von den beiden Damen und dem kleinen blonden Mädel- chen so ganz genau auf jene Mietpartie des Wernerschen Pensionats passen würde, bei der der Diebstahl verübt ist. Gerade der Dame in Schwarz, der Frau Traut, sind ja die Schmuckfachen gestohlen worden."

Der Kommissar konnte nicht völlig ahnen, was er mit dieser in so entschuldigendem Tone vorgebrachten Eröffnung angerichtet hatte. Jarotzki blickte schuldbe­wußt zu Boden. Nun war es ja heraus, wie sehr auch er sich für den Strandkorb Nr. 72 interessierte, und sein so sorgfältig bewahrtes Geheimnis verraten. Und Ben­ters brach jetzt plötzlich in ein so herzliches Gelächter aus, daß Lenz ihn ganz verdutzt anschaute. Das war er von dem stets so gemessenen und ernsten Assessor gar nicht gewöhnt! Er beruhigte sich aber schnell, als nun auch des Referendars noch eben stark verstimmtes Ge­sicht sich glättete, dieser ihm die Hand hinstreckte und anscheinend wieder in bester Laune sagte:

Keine Sorge, Herr Kommissar! Von Uebelnehmen ist nicht die Rede. Im Gegenteil! Wir beide sind Ihnen gleichmäßig zu Dank verpflichtet, da Sie uns durch Ihre weiteren Angaben über die Person der geschädig­ten Dame die Untersuchung sehr erleichtern. Man kann sich dann doch schon vor der Lokalbesichtigung ein un­gefähres Bild von den Verhältnissen machen und ent­geht so am Mittwoch einer zeitraubenden Ausfragerei. Wenn's Ihnen recht ist, begleiten Sie uns ein Stück und berichten das Nötige."

Benters konnte zu dieser diplomatischen Aeußerung des wirklich mit allen Hunden gehetzten Freundes nur bedenklich den Kopf schütteln, verlor aber dann auch nicht ein einziges Wort von dem, was Lenz ihnen jetzt erzählte, während sie langsam unter den grünen Linden der Promenade dahinschienderten. Frau Käti Traut war die Witwe eines Regierungsbaumeisters und das

höhungen zu beantragen. Das Staatsministerium ist» wie verlautet, bereit, unter gewissen Bedingungen über den Rahmen der vorgelegten Besoldungsnovelle Hinaus­zugehen. Wie weit dies möglich ist, wird sich erst in den nächsten Tagen beurteilen lassen.

Keine Reform der Fahrkartensteuer. Bei Beratung des Etats des Reichseisenbahnamtes sind im Reichstage Gerüchte erwähnt worden, wonach die Fahrkartensteuer für die 1. und 2. Klasse ermäßigt, für die 3. Wagenklasse erhöht und für die 4. Klasse eingeführt werden soll. Wie eine parlamentarische Nachrichtenstelle erfährt, besteht nicht die Absicht, in absehbarer Zeit eine Reform der Fahrkartensteuer vorzunehmen.

Gegen die graue Felduniform. In der General­debatte über den Militäretat machte in der bayrischen Reichsratskammer Frhr. v. Bassus überraschende Be­merkungen über die graue Felduniform, die er für den Krieg nicht als zweckmäßig bezeichnen kann, besonders in der Hitze des Kampfes. Er erinnerte an einen Vor­gang vom 18. Juni 1912 im türkisch-bulgarischen Kriege, bei dem Bulgaren auf 15 Meter Distanz von eigenen Leuten erschossen worden seien, weil die graue Uni- sorm einen Unterschied unmöglich gemacht habe.

Für die allgemeine Wehrpflicht in England. Mini­sterpräsident Asquith empfing eine Abordnung von Vertretern verschiedener Parteien. Vertreter der Kirche und verschiedener Berufsstände, die sich für eine allge­meine Wehrpflicht in England aussprachen. Der Mini­sterpräsident erklärte, das Unterkomitee des Reichsver- teidiaungsausschusses sei in dieser Frage einmütig zu der Ansicht gekommen, daß die Flotte wie bisher im­stande sei, das Land gegen einen Einfall zu schützen. Er selbst glaube, daß im Hinblick auf den gegenwärtigen Zustand der Flotte und des Heeres die Befürchtung vor einem Einfall grundlos sei. Er sei nicht für eine obli­gatorische Dienstpflicht und glaube nicht, daß diejenigen Länder, in denen sie seit ein oder zwei Generationen durchgeführt sei, körperlich oder geistig höher ständen als England.

Russische Millionenbestellttngen im Auslande. Wie der PariserTemps" aus Petersburg erfährt, wird der russische Minister der öffentlichen Arbeiten den Mini­sterrat um die Ermächtigung ersuchen, im Auslande 9600 Tonnen Panzerplatten, 8200 Tonnen Eisenhahn­material und 6120 Tonnen Spezialwagen zu bestellen. Diese Maßnahme wird damit begründet, daß die russi­schen Werke mit Aufträgen überhäuft Ind und daher die vom russischen Staate ausgeschriebenen Arbeiten nicht rechtzeitig fertigstellen könnten. Es sollen bereits mit bedeutenden ausländischen Firmen Verhandlungen begonnen worden sein, die die vertraglichen Lieferzeiten einhalten und sogar zu billigeren Preisen liefern können als die russischen Werke.

Kleine Iladiridife»

Kundgebung der Berliner Schutzmannschaft. Die Abreise des gemaßregelten Schutzmanns Fuhrmann aus Berlin gestaltete sich zu einer Kundgebung der Kamerad­schaft des Genannten. Aus der Mitte der anwesenden Beamten, die zum großen Teile von ihren Familien begleitet waren, ergriffen fünf Redner das Wort, um dem Scheidenden die Fortdauer der kameradschaftlichen Gesinnung der gesamten Berliner Schutzmannschaft kundzugeben.

Beim Anwerfeu eines Propellers schwer verletzt. Der Monteur Rudolf Lukas von den Albatrotzwerken wollte am Freitag kurz nach 12 Uhr den Propeller einer Albatrotz-Taube anwerfen. Hierbei wurde er von dem Propeller erfaßt und erlitt schwere Verletzungen an den Armen und am Kopfe.

Das LuftschiffSachsen" war Freitag um 9 Uhr in Hamburg zu einer großen Fahrt zur Ostsee unter Füh­rung des Korvettenkapitäns Strasser aufgestiegen. Es überflog Rostock, Wilmar, Stnrlsund und kehrte nach Ueberfliegen der Insel Rügen nach Hamburg zurück. Nach zehnstündiger Fahrt erfolgte gegen 7 Uhr die glatte Landung auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel. An der Fahrt hatte der Kommandierende General des neunten Ar­meekorps Exzellenz von Quast teilgenommen.

Zum Rummelsburger Unglück. Bei den Aufräu­mungsarbeiten auf dem Gelände der Aktiengesellschaft für Anilinfabriken in Lichtenberg, wo sich die furchtbare Explosionskatastrophe ereignete, wurden Freitag nach- Mittag die noch fehlenden Leichen der Arbeiter Par- lowski und Bottke geborgen. Das Kaiserpaar hat an den Bürgermeister von Llchtenberg ein herzliches Bei­leidstelegramm gerichtet.

Selbstmord eines Soldaten. Der Kanonier Weber vom Feldartillerieregiment Nr. 43 in Wesel sprang von der Rheinbrücke aus, nachdem er sich seiner Waffe und einzelner Uniformstücke entledigt hatte, in den Rhein und ertrank. Wegen des hohen Wasserstandes konnte die i Leiche noch nicht geborgen werden.

Rampollas Kammerdiener verhaftet. Wie erst jetzt bekannt wird, ist der langjährige Kammerdiener des verstorbenen Kardinals Rampolla vor einiger Zeit ver-

blonde Kind ihr einziges Töchterlein, das blieb für Benters vorläufig die Hauptsache. Ob ihre Schwester, jenes junge Mädchen mit den übermütigen Augen, Elisabeth Döring hieß und die jüngere Tochter des Baurats Döring war, interessierte ihn schon bedeutend weniger. Dafür nahmen aber die Einzelheiten des Diebstahls wieder seine ganze Aufmerksamkeit in An­spruch. Der Fall lag wirklich sehr merkwürdig, bot nach der Schilderung des Kommissars auch nicht den geringsten Angriffspunkt, von dem aus man hätte wei­ter operieren können. Genau vor einer Woche, am Abend des letzten Monats, war Frau Traut gegen 2410

abends mit ihrer Schwester aus dem Kurgarten nach Hause gekommen, und hatte auf der geschlossenen Glasveranda, die zu ihrer aus drei Zimmern bestehen- und in der ersten Etage gelegenen Wohnung ge- hörte, ihre Ringe, darunter zwei kostbare Brillant- und die beiden glatten Eheringe, Armbänder, Uhr und Kette m ein kleines Körbchen gelegt, das auf einem Tischchen dicht neben dem offenen Fenster stand, wie sie dies aus alter Gewohnheit stets zu tun pflegte, bevor sie sich an den Flügel setzte, um den Rest des Tages ihren Gesangsstudien zu widmen. Als sie dann nach einer halben Stunde ihre Schmucksachen mit in das Schlaf­zimmer nehmen wollte, war das Körbchen mit seinem wertvollen Inhalt spurlos verschwunden und auch trotz des eifrigsten Suchens nicht wiederzufinden. Am näch­sten Morgen erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Doch die sofort aufgenommenen Nachforschungen hatten kei­nen Erfolg. Es wurde nun festgestellt, daß die Flurtür auch an jenem Abend verschlossen und außerdem noch mit einer Sicherheitskette verwahrt gewesen war, sodaß der Dieb unmöglich durch das Haus in die Wohnung eingedrungen sein konnte, da diese nur den einen Ein­gang von der Haupttreppe aus besaß.

(Fortsetzung folgt.).