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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^»^^ für den Kreis Hersfeld Weiber Äreisbldtt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8

Nr. 51. (Erstes Blatt) Sonntag, den 1. März 1014.

Bus der Heimat

*(LehrverhältniszwischenVaterund Sohn.) Handwerksmeister, die ihre eigenen Söhne als Lehrlinge in ihren Betrieb aufnehmen, haben über dieses Lehrverhältnis nicht, wie noch vielfach angenommen wird, einen Lehrvertrag abzuschließen, sondern eine sogenannteLehranzeige" an die zu­ständige Handwerkskammer zu erstatten. Paragraph 126 b der Reichsgewerbeordnung schreibt vor, daß über das Lehrverhältnis im allgemeinen ein Lehrvertrag abzuschließen ist. In ihm ist ferner anzugeben, was dieser Lehrvertrag enthalten muß. Absatz 3 dieses Paragraphen bestimmt jedoch, daß diese den Lehr­vertrag betreffenden Bestimmungen für Lehrverhält- nisse zwischen Eltern und Kindern keine Anwendung finden, falls der Handwerkskammer das Bestehen des Lehrverhältnisses, der Tag des Beginns, das Gewerbe oder der Zweig der gewerblichen Tätigkeit, in welchem die Ausbildung erfolgen soll, und die Dauer der Lehr­zeit schriftlich angezeigt wird. Zu beachten ist ferner, das Lehrherren, die ihre eigenen Söhne in die Lehre nehmen wollen, diese ohne ein Arbeitsbuch nicht be­schäftigen dürfen. Die Ausstellung desselben ist bei der Gemeindebehöröe zu beantragen. Nach dem In­krafttreten der Bestimmungen der Reichsversicherungs­ordnung über die Krankenversicherung sind sämtliche Lehrlinge (auch Lehrmädchen) ohne Rücksicht darauf, ob sie etwas verdienen oder nicht, krankenver- sicherungspflichtig. Es muß daher der Vater seinen Sohn auch zur Krankenkasse innerhalb drei Tagen anmelden.

8 Hersfeld, 28. Februar. (Vom März.) Der Frühling naht mit Brausen! Die Lenzstürme, die seine Ankunft vorherkünden, fangen langsam an, sich bemerkbar zu machen,' und in ihrem Zeichen steht der ganze März, dem wir jetzt entgegengehen. Wie eine Art Generalreinigung in der Natur zieht der März durch die Lande. Die Kraft seiner Stürme reißt das winterliche Eis auf Seen und Flüssen auf. Die vom Schneewasser durchfeuchtete Ackerkrume wird trocken und rissig und harrt des Pfluges, der sie zu künftiger Bestellung und Ernte vorbereiten soll. An den Bäumen und Sträuchern jedoch reißt der März überall die Schutzhüllen von den Knospen. Wenige Zeit nur wird es dann noch währen, bis in frischem, lichtem Grün ein neues Blütenjahr entsteht.-- Als erster Frühlingsmonat trägt der März ein auch sonst eigenartiges Gepräge. Durch das stete Zu­nehmen der Tage, die gegen Ende des Monats die Nächte bereits an Länge übertreffen, wird das ganze Charakterbild des Märzes Heller und lichter als das seiner Vorgänger, der Wintermonate. Dazu tritt das meist beständige und trotz aller Früh­lingsstürme doch gelinde Märzwetter und schließlich draußen in Wald und Flur jene herbe, keusche Schön­heit des Vorfrühlings, die wie ein unberührter Hauch auf allem liegt, soweit das Auge reicht. Dadurch wird dann auch im Menschen die Stimmung fröhlicher und heiterer und man atmet ordentlich erleichtert auf, daß Winterdruck und Stubenhockerei wieder einmal für ein Jahr vorüber sind. Möge der diesjährige März in dieser Hinsicht den Erwartungen entsprechen, die jeder Naturfreund auf ihn setzt, und möge er vor allem auch unserer Landwirtschaft hinsichtlich der Witterungsverhältnisse in das Konzept passen!

-h- Hersfeld, 28. Februar. Man schreibt uns: Immer wieder sieht man in den Händen von Kindern und Erwachsenen abgerissene Zweige und e von Haselnußstrüuchern und Weiden. Möchte lebet Mensch beöenken, daß die Kätzchen die für die armen Bienen sind, die ihnen langen Monaten wieder bietet. Ebenso ^^st^ die Zeitungen schreibenGedenket ^6^ , so sollten sie jetzt schreibenGe­denket der armen Bienen".

. -h-Mengshausen, 27 Febr. Dem kleinen Februar tut es gewiß auch leid, daß die übrigen Monate ihm, als dem ehemaligen letzten Monat so wenig Tage zugewresen haben, daß er nicht jedem Erdenbürger '.euren Geburtstag schenken kann, sodaß dieser nicht jedes Jahr fern Wiegenfest feiern und die Geburts- tagsglückwünfche entgegen nehmen kann. Anch hier in unserem Orte sind Personen, die sich damit be­gnügen müssen, daß das Ende des Februar sie an ihren Geburtstag erinnert. Möchte doch die alles be­lebende Frühlingssonne, die jetzt die ganze Natur erfreut, auch diesen Leuten für den fehlenden Tag einen Ersatz bieten und ihr Herz auf rechte Weise erfreuen.

-n- Widdershanfen a. d. W., 27. Febr. Gestern Abend gegen 8 Uhr kam es im sog. Schindgraben zu einer wüsten Schlägerei, die einen blutigen Ver­lauf nahm. Die Brüder Peter und Konrad Eitzert lauerten dem Bergmann Konrad Schäfer, der auf dem Wege zum Schacht war und auf den sie schon seit

längerer Zeit nicht gut zu sprechen waren, auf. In dem nun entstandenen Handgemenge biß der Peter Eitzert dem K. Schäfer derart in die Nase, daß sich die Nasenspitze loslöste. Außerdem bearbeiteten die rabiaten Brüder den Bergmann mit Knüppeln, sodaß der Ueberfallene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Hoffentlich erhalten die rohen Ge­sellen, die kaum erst aus dem Gefängnis, in dem sie Freiheitsstrafen wegen Körperverletzung, begangen an Bürgermeister Schäfer, abbüßen mußten, entlassen worden waren, eine exemplarische Strafe.

Heringen, 27. Februar. Der Forstaufseher Körner zu Heringen in der gleichnamigen Oberförsterei wurde zum Förster ohne Revier ernannt.

Cassel, 27. Febr. Eine für Gastwirte interessante Entscheidung fällte die hiesige Strafkammer als Be­rufungsinstanz. Ein hiesiger Gastwirt ließ sich von einem ihm unbekannten Gäste für eine gemachte Zeche mangels baren Geldes die Taschenuhr als Pfand aushändigen mit der ausdrücklichen Abmachung, daß das Pfandstück nach Ablauf von zehn Tagen be­stimmt seine Wiedereinlösung finden müsse, andern­falls der Wirt anderweit darüber verfügen könne. Da nun der Gast mehrere Wochen hindurch sich nicht sehen ließ, verkaufte der Wirt die verpfändete Uhr und hielt sich an dem Erlös in Höhe seiner Forde­rung schadlos, während er den Mehrbetrag für den Gast zur Abholung bereit hielt. Letzterer erstattete jedoch Strafanzeige gegen den Wirt wegen Unter­schlagung, und das hiesige Schöffengericht verurteilte denn auch den Angeklagten zu einer Geldstrafe von zwanzig Mark und zu den nicht unbedeutenden Ge­richtskosten. Die Strafkammer hob jedoch gestern das Urteil auf unter der Begründung, daß dem Gastwirt im Hinblick auf die gurt^en mündlichen Verein­barungen eine rechtswidrige Handlung nicht zum Vorwurf gemacht werden könne.

Marburg, 25. Febr. Wie der Polizeibericht meldet, kam es gestern abend und in der Nacht im Anschluß an den gestrigen Fasching wieder hier und da zu tumultarischen Szenen. In einer ganzen Reihe von Fällen mußten Streitsüchtige auseinander gebracht werden, trotzdem kam es mehrfach zu Schlägereien. In verschiedenen Lokalitäten wurden die Fenster­scheiben zertrümmert, ferner wurden Straßenschilder abgerissen und Laternen eingeschlagen.

Hofgeismar, 27. Februar. Der Gesamtbetrieb der in Konkurs geratenen Firma J. Keseberg, G. m. b. H., Hofgeismar, ist käuflich in den Besitz der Buch- und Kunstdruckerei Hofgeismar, G. m. b. H., Hof­geismar, übergegangen. Die Hofgeismarer Zeitung ist ebenfalls mit übernommen worden.

Hettenhansen, 25. Februar. Nach dreitägigem Zeugenverhör durch den Untersuchungsrichter aus Hanau wurde dahier der Gastwirt H. verhaftet. Es handelt sich um den Totschlag an dem Sattler Müller; H. will den Müller bewußtlos auf der Kellertreppe liegend aufgefunden haben. Doch verschiedene Um­stände sprechen gegen diese Darstellung. H. ist nicht von hier gebürtig,- er stammt von der Ziegelhütte bei Gersfeld.

Eisenach. 27. Febr. Ein Thüringer Trachtenfest in großem Stile soll auf Veranlassung des Vereins zur Hebung Eisenachs und des Fremdenverkehrs, so­wie des hiesigen Thüringerwald-Zweigvereins am Sonntag, den 10. Mai d. J. hier abgehalten werden. An dem großen Festzuge, der für den 10. Mai geplant ist, werden über 1000 Personen in Trachtenkostümen teilnehmen.

Frankfurt a. M., 26. Febr. Die Polizei verhaftete drei vielfach vorbestrafte Einbrecher, die vor einem Monat in dem hiesigen Goldwarengeschäft Pletsch Goldwaren und Uhren im Werte von 29 000 Mark raubten. Ein Komplize ist mit den Uhren ins Aus­land geflüchtet und konnte bis jetzt nicht festgenommen werden. Die Einbrecher, von denen zwei aus Frank­furt und einer aus Hanau stammen, wurden auf ihrer Flucht in Aachen festgenommen Man fand in ihrem Besitz nur noch für 2500 Mk. Schmucksachen vor.

Wiesbaden, 26. Februar. Ein Doppeldecker der Militärfliegerschule in Darmstadt mußte heute Nach­mittag in der Nähe von Brerfiadt infolge Motor­defektes im Gleitfluge medergehen. Der Apparat blieb in dem weichen Ackerboden itecten und »verschlug sich. Der Führer des Flugzeuges, Sergeant Helm, wurde herausgeschleudertund erlitt lerchteVerletzungen am Auge, sein Begleiter blieb unverletzt. Das Fahr­gestell des Apparates wurde zertrümmert.

Avolda, 26. Februar. Der aus Apolda gebürtige Ingenieur Paul Veeh, Erfinder des LuftschiffesV 1", ist im Alter von 50 Jahren tut Marienhospital in Düsseldorf gestorben. Es ist ein tragisches Schicksal, daß Paul Veeh den erhofften Wiederaufschwung seines Lebenswerkes nicht mehr erleben kann.

Mainz, 27. Februar. Hier wurde gestern am Rheinufer eine Flaschenpost angctrieben. Die Flasche enthielt einen Zettel mit folgender Aufschrift:Wir sind zur Fremdenlegion verschleppt. Befreit uns schnell." Der Zettel war datiert Straßburg 1. De­zember 1918, und war unterschrieben von C. Cock- heimer, Adam Rauschgold, Ludwig Götke und Karl Harkenburg. Es ist festgestellt, daß der Unterzeichnete Götke seit dem Ende November vermißt wird. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.

Sonneberg, 27. Februar. Gestern morgen drang der Deckenstopfer Christian Zitzmann in die Wohnung seiner Schwiegermutter ein und brächte seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau mehrere schwere Stiche mit einem Messer bei. Z., der wegen Körperverletzung wiederholt vorbestraft ist, und der die in seiner Woh­nung stehenden Möbel mit einem Beile kurz und klein geschlagen hatte, wurde verhaftet.

Abgeordnetenhaus.

Das Preußische Abgeordnetenhaus nahm am Freitag in zweiter und dritter Lesung zwei Gesetz­entwürfe an über Grenzregelung zwischen Preußen und Bayern und Preußen und Rußland. In der fortgesetzten Beratung des Bau-Etats erbat Abg. Freiherr v. Maltzahn (kons.) größere Mittel zum Bau von Luftschiffhallen. Sehr zu wünschen sei, daß die anderen Bundesstaaten dem preußischen Beispiel folgen möchten und Wassergesetze schüfen zum Schutz der Wasserläufe gegen Verunreinigung. In der Frage des Kanalbaues ließen sich die Konservativen nicht von politischen, sondern nur von wirtschaftlichen Erwägungen leiten. Abg. Geister (Ztr.) erbat größere Verwendung des heimischen Baumaterials. Minister von Breitenbach erwiderte, daß dies bei staatlichen Bauten bevorzugt werde. Abg. Dr. Keil (natl.) wandte sich gegen die Heimatschutzbewegung, der es nicht darauf ankomme mit dem Kampf gegen das flache Dach eine ganze Industrie zu vernichten. Abg. Flathmann (natl.) begründete einen Antrag auf Revision eines Staatsvertrages mit Bremen, der der Gemeinde Lehe schwere Volksschullasten gebracht habe.

Unterstaatssekretär Coels v. d. Brüggen sagte eine solche Nachprüfung zu und bemerkte dann, daß ihm Beschwerden über die Anwendung des Heimatschutzes nicht zugegangen seien, der Minister würde sonst ein­schreiten. Abg. Dr. Jderhoff (freik.) stimmte dem AntragFlathmann zu, der an die Unterrichtskommission verwiesen wurde. Das Ministergehalt wurde be­willigt. Beim Kapitel Bauverwaltung brächte Abg- Conradt-Breslau (kons.) Handwerkerwünsche vor. Die Vergebung öffentlicher Arbeiten sollte in kleinen Losen erfolgen, nicht aber an einen Generalpächter. Abg. v. Bttlom-Hamburg (natl.) wandle sich gegen die Ausdehnung der Mietskasernen auf dem flachen Lande, während Abg. Hue (Soz.) Forderungen der Bauarbeiter vorbrachte. Der Unterstaatssekretär bemerkte, daß auch der Minister dem Anwachsen der Mietskasernen nicht freundlich gegenüberstehe, doch könnten dagegen nur die Gemeinden einschreiten. In der nun folgenden Debatte wurden besonders kleine Wünsche laut. Abg. v. Wenden (kons.) ersuchte um eine Verbesserung der Hafeneinfahrt in Kolberg, Abg. Grnndmann (kons.) eine Eindeichung der Rega. Die Abag. Dr. Krause und Graf v. der Groeben (kons.) forderten besseren Dünenschutz. Ein Regierungs- kommissar sagte allen diesen Wünschen wohlwollende Berücksichtigung zu. Abg. Baerecke (kons.) wünschte eine Regulierung der Nougat und Anlage von Stau­becken zur Erzielung von elektrischer Kraft. Abg. Schmidt (Ztr.) wünschte eine Verbesserung der Lohn- verhältnisse der Strombauangestellten. Der Unter­staatssekretär sagte diesen Wünschen wohlwollende Prüfung zu. Ueber eine Nougatregulierung seien Erwägungen im Gange. Abg. Malle (kons.) forderte den Ausbau der Oberpegel, Abg. Ostau (kons.) den der märkischen Wasserstraßen, Abg. Wodarz (Ztr.) den der oberen Oder. Mehrfach sagte ein Regierungs- vertreter Prüfung der Wünsche zu. Nach weiterer unwesentlicher Aussprache vertagte sich das Haus auf Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß »/i6 Uhr.

Wandervorschläge für Sonntag:

a. r/L T a g e s t o u r: Hersfeld-Alpen-Tageberg-Lax- turm - Drei Platten -Auerhahnskopf- Kingsberg - Kleba (3V2 Std.) Rückfahrt mit der Bahn.

b. Ve Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Mittel- kopf-Tann-Hohe Buche-Rotenburg (34 Std.) Rückfahrt mit der Bahn.

Wetteraussichten für Sonntag den 1. März.

Wolkig, zeitweise heiter, trocken, tagsüber mild, Nachtfrost, nördliche Winde.