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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 50. Sonnabend, den 28. Februar 1014.

Bus der Heimat.

* (Die Reklameschilder an den Eisen­bahnstreck en.) Die Säuberung der Eisenbahnstrecken von unschönen Reklameschildern wird gegenwärtig in erhöhtem Maße durchgeführt. Nachdem dahinzielende Verfügungen und Erlasse der maßgebenden Stellen höchstgerichtlich als zu Recht bestehend anerkannt wurden, werden die Reklame-Veranstalter zur Be­seitigung der Reklameschilder aufgefordert. Kommen sie innerhalb einer bestimmten Frist der Aufforderung nicht nach, dann wird die zwangsweise Beseitigung der Schilder vorgenommen. Fast allgemein war der erste Februar als Endtermin der Frist bezeichnet; jetzt kann man vielfach sehen, wie die Schilder zwangs­weise entfernt werden.

* (Die gewerbliche Schulgeld frage.) Eine wichtige Entscheidung für die gewerblichen Kreise in Stadt und Land hat der 7. Senat des preußischen Oberverwaltungsgerichts getroffen. Nach dem Urteil dieser Instanz dürfen die Lehrherren der Lehrlinge der gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungs­schulen zur Zahlung des Schulgeldes von der Kommune nicht herangezogen werden, wie in letzter Sitzung des Jnnungsausschusses ausgeführt wurde, da sie gesetz­mäßig nicht als zahlungspflichtig anzusehen sind. Einziehungsversuche der Kommune können rechtsgemäß zurückgewiesen werden. In Cassel werden nach altem Brauch die gewerblichen Schulgeldbeträge, wenn die Eltern der Zöglinge nicht zahlen wollen oder können, von den Lehrherren erhoben. Das ist nach der neuer­lichen Entscheidung des preußischen Oberverwaltungs­gerichts unzulässig. Den Lehrherren steht es frei, das zu Unrecht erhobene Schulgeld' von der Kommune zurückzufordern. Welche Stellungder Casseler Magistrat zu dieser wichtigen Frage nehmen will, ist zurzeit unbekannt, jedenfalls muß er sich dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts fügen, wenn sich die gewerb­lichen Kreise darauf berufen.

§ Hersfeld, 27. Februar. Nächsten Montag nach­mittag 4 Uhr findet eine vertrauliche und 125 Uhr eine öffentliche Sitzung der S t a d t v e r o r d n c t e n im Rathaussaale statt. Tagesordnung für die öffent­liche Sitzung: Jahresrechnung der städtischen Spar­kasse für 1912. Ergänzungswahl für den Magistrat. Ersatzwahlen für verschiedene Kommissionen. Wahl der Beisitzer und Stellvertreter für die Ersatz­wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung. Flucht- linienplan für das Gemarkungsgebiet am Wendeberg. Dienstkaution. Kostenbewilligung. Ortsstatut über die Straßenreinigung. Sonstiges. Erstattung des Verwaltungsberichts durch den Magistrat. Be­ginn der Etatsberatung.

):( Hersfeld, 27. Februar. Vor der Straf­kammer in Cassel hatten sich am Mittwoch zwei hr f 'UEHefrauen wegen Vergehen gegen das Für- sor . , >setz zu verantworten. Die beiden Angeklagten wu > ten jedoch freigesprochen.

):( Hersfeld, 27. Febr. In der vorgestrigen Nacht wurden in einem Garten am Eisfeld daselbst zum Trocknen aufgehängte Wäsche st ücke g e stöhlen.

):( Hersfeld, 27. Februar. (Fernsprechmeldung.) Heute fand vor der Strafkammer in Cassel die Verhandlung gegen die drei Einbrecher Berlinski, I a g u s ch und M o d z e l e w s k i, welche bekanntlich in 6er Nacht vom 16. zum 17. Dezember v. Js. bei Herrn Uhrmacher Schade und bei Herrn Restaurateur eingebrochen hatten, statt. Die Anklage E.^e Segen Jagusch und Modzelewski auf ge- Drebstahls in zwei Fällen, während bei Einbruch bei Neuhaus vorlag und in der gliche Schade Hehlerei angenommen wurde. Alle drei Angeklagten sind bereits mehrfach vorbestraft, und zwar i|t der Bergmann Paul Jagusch, geboren am 27. Januar 1891 zu Bochum, bereits siebenmal wegen Diebstahls mit insgesamt 5 Jahren Gefängnis bestraft, davon zuletzt mit 2 Jahren 8 Monaten, der Handlungsgehrlfe Michael Modzelewski, geb. am 15. Oktober 1893 in Bochum, hat ebenfalls bereits zwei Strafen von 11 und 9 Monaten wegen Diebstahls ver­büßt, der Arbeiter Paul Berlinski, geb. am 24. Juli 1891 zu Bochum ist wegeG kleinerer Vergehen zwei mal vorbestraft. Das Urteil lautete gegen Jagusch auf fünf Jahre Zuchthaus, gegen Modzelewski auf 3JahreZuchthaus unb^ße,i Berlinski auf ein Jahr Gefängnis: ferner wurde bei allen drei Angeklagten auf Aberkennung der bürger­lichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren erkannt.

):( Hersfeld, 27. Februar. Am gestrigen Tage fand die mündliche Reifeprüfung am hiesigen Gym­nasium ihr Ende. Von den 18 Oberprimanern, welche sich dieser Prüfung unterziehen mußten, be­standen drei nicht. Von Hersfeld bestanden die Ober­

primaner Braun, Heinmüller, Huth und v. Stenglin, ferner Bücking-Lora, Bürger-Kempten a. RH., Falke- Großselheim, Heil-Breitenbach b. Bebra, Herterrich- Herfa, Hoehl-Fulöa, Kienzler-Neuenkronau, Pfalzgraf- Oberaula, Schmidt-Kirchhain, Schönewald-Spangen­berg und Weishaar-Bergshausen. Außerdem waren 6 Oberprimaner von der mündlichen Prüfung befreit.

-n Heringen a. d. Werra, 26. Febr. (Eingesandt.) Im ersten Blatte von Nr. 45 dieser Zeitung wird be­hauptet, die hiesige Privatschule werde Ostern besonders aus Mangel an Schülern eingehen. Auf Grund einer genauen Nachfrage muß hiermit festge­stellt werden, daß im neuen Schuljahre mindestens dieselben Schülerzahlen an den hiesigen fremdsprach­lichen Abteilungen teilnehmen werden, als ihnen im jetzigen Schuljahre angehören. Die Abgänge durch Konfirmation und Entlassung werden durch die bis jetzt angemeldeten Eintritte neuer Kinder schon voll­ständig ausgeglichen. Jedenfalls wäre der Einsender obiger Nachricht der Wahrheit näher gekommen, wenn er berichtet hätte, die Loslösung der hiesigen fran­zösischen Schülerabteilungen von der Ortsschule und ihre Sonderung zu einer wirklichen Privatschule werde voraussichtlich zu nächsten Ostern noch nicht geschehen, da erstere vorderhand den hiesigen Verhältnissen besser entsprechen. Eigentümlich berühren die Anführungs­striche beieinem dringenden Bedürfnisse." Sollen sie dasselbe in Zweifel ziehen oder gar bespötteln? Wer selber Kinder hat, die einer höheren Schulbildung benötigen, und die Uebelstände der Eisenbahnfahrt zum Schulorte kennt, wird jede Einrichtung mit Freuden begrüßen, die solche Fahrten erspart. Die Zahl dieser Eltern ist hier und in der Umgegend nicht klein und nimmt vM Jahr zu Jahr noch zu, daß eine Privatschule der Gemeinde Heringen jeden­falls die achte und auch die neunte Lehrerstelle werde sparen können, und daß daraus für alle nötigen Schulbauten weitere Vorteile erwachsen würden, wird von allen Kennern der hiesigen Schulverhältnisse zu­gegeben, kann aber hier nicht weiter erörtert werden.

Marburg, 25. Febr. Der Marburger Karneval ist diesmal ziemlich geräuschlos vorübergegangen. Eine große Anzahl von Studenten hat sich schon in der Frühe des Tages nach Gießen, Laasphe usw. be- geben, um dort ihren Mummenschanz zu treiben. Die Marburger Polizei hats am vorjährigen Fastnachts­tag mit ihnen verdorben, daher der Narrenstreik.

Duderstadt (Eichsfeld), 25. Februar. In Rüders- Hausen hatte die Ehefrau des Landwirts Siegel zum Waschen siedendes Wasser in einen Waschkübel ge­schüttet. Während sie die Wäsche herbeiholte, fiel ihr vierjähriger Sohn kopfüber in das siedende Wasser, wurde vollständig verbrüht und verstarb bald an den erlittenen Verletzungen.

Hanau, 25. Februar. Einen dummen Spaß, dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, erlaubten sich zwei Burschen in dem unterfränkischen Orte Geroldshausen. Während der 29 Jahre alte Schneider Jung auf einem Stuhl stand, zogen die beiden Burschen den Stuhl weg, Jung kam zu Fall und brach das Genick.

Hanau, 25. Febr. Die Strafkammer verurteilte heute den früheren Lithographen, jetzigen Heilkundigen Karl Müller aus Hanau-Kesselstadt wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Gefängnis bei sofortiger Ver­haftung. Müller hatte den 34jährigen Gastwirt Ll.m- bach aus Niedereschbach, der an Unterleibstyphus litt, behandelt und ihm starke Abführmittel verordnet. Auf Veranlassung eines Arztes wurde der Schwer­kranke schließlich ins Städtische Krankenhaus zu Frankfurt gebracht, wo er nach einigen Tagen starb. Nach dem Gutachten der in dem Prozeß vernommenen ärztlichen Sachverständigen ist der Zustand des Lrm- bach durch die Behandlung Müllers verschlimmert und der Eintritt des Todes beschleunigt worden.

Hemfurth. 26. Februar. Die Edertalsperre enthält gegenwärtig ca. 38 Millionen Kubikmeter Wasser. Voraussichtlich wird jedoch im Laufe der kommenden Woche auf besondern Wunsch des Ministers v. Brerten- bach das im Staubecken vorhandene Was,er noch ein­mal abgelassen werden, um nochmals die Schieber an der Sperrmauer zu prüfen. Der Minister durfte zu dieser Prüfung ins Sperrgebiet reifen.

Battenbera, 26. Febr. Die üble Angewohnheit, eine Nadel im Munde zu halten, hat die Näherin S. schwer büßen müssen; sie hatte in Gedanken eine Sicherheits­nadel hinuntergeschluckt und mußte sich fofort in ine Klinik begeben, wo sie sich einer schweren Operation unterziehen mußte.

Wiesbaden, 26. Februar. Aus dem gestrigen Vieh­markt wurde bei einem Transport Rinder aus Nord- deutschland Maul- und Klauenseuche festgestellt. In­folgedessen mußte der ganze Auftrieb abgeschlachtet werden.

Abgeordnetenhaus.

Am Donnerstag führte das Haus die Beratung des Bau-Etats fort. Abg. von Schuckmann (kons.) billigte den Standpunkt des Ministers in der Frage der Mosel-Kanalisierung. Ehe man an die Schaffung neuer Verkehrswege herantrete, müsse man die Er­fahrungen abwarten, die sich aus der Erledigung der schwebenden Projekte ergeben werden. Abg. Graf Moltke (freik.) betonte, daß nicht einseitige, sondern die Interessen der Allgemeinheit ausschlaggebend sein müßten. Minister von Breitenbach legte nochmals die Gründe dar, die gegen die Mosel-Saar-Kanalisierung sprachen. Abg. Tourneau forderte die Verbindung der Werra mit Main und Donau. Abg. Dr. Wend- land (Natl.) trat gleichfalls für das Werraprojekt ein und für den Bau von Talsperren zur Erzeugung elektrischer Kraft. Ein Regiernngskommiffar erklärte, die Regierung nehme schon jetzt bet der Anlage neuer Bahnen auf den Plan, die Werra schiffbar zu machen, Rücksicht und stehe dem Projekt nicht ablehnend gegen­über. Abg. Hasenclever (Natl.) kritisierte wieder die zu hohen Tarife, die den Kaliabsatz nach dem Aus­lande erschweren. Beim Titel Ministergehalt forderte Abg. Gerlach (Ztr.) größere Fürsorge für die Ostsee­fischer durch Anlage von Fischereihäfen, stärkere Ver­wendung des heimischen Granits bei öffentlichen Bauten und gesetzlichen Schutz des Baumeistertttels ein. Abg. Wohlfahrth (Natl.) empfahl dem Minister die deutschen Architekten bei Vergebung öffentlicher Bauten. Der Minister erwiderte, daß die Privat- architekten nach Möglichkeit berücksichtigt würden, doch könnten die Staatsarchitekten nicht ausgeschaltet werden. Dem Wunsche nach Schutz des Baumeister­titels könne er sich im wesentlichen anschließen. Für die Fischereibevölkerung sei in letzter Zeit viel getan worden, ihr Wohl liege der Regierung durchaus am Herzen. Statt des gewachsenen norddeutschen Steines bevorzugten die Architekten vielfach den Kunststein oder Kalksteine aus Mittel- und Süddeutschland. Abg. Dr. v. Woyna (freik.) wünschte eine Erklärung, wann das Wassergesetz in Kraft treten solle. Die Be­völkerung habe ein großes Interesse an der Rein­haltung der Flüsse und Wasserläufe. Als eine Pflicht des Staates bezeichnete Abg. Lippmann (Fortschr.) die Uebernahme des Küstenschutzes. Abg. Paul Hoffmann (Soz.) ersuchte den Minister, dahin zu wirken, daß die Arbeiterschutzbestimmungen genau durchgeführt würden. Minister v. Breitenbach gab bekannt, daß das Wassergesetz voraussichtlich am 1. April in Kraft treten würde. Für eine Regulierung der Weichsel sei Voraussetzung ein gemeinsames Vorgehen mit Rußland. Sonst könne sich kein Verkehr entwickeln. Nach wie vor lehne es die Regierung ab, Sachver­ständige aus Arbeiterkreisen zur Baukontrolle heran- zuziehen. Freitag, 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß 4 M

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die allge­meine Erörterung über den Etat des Reichsamts fort Abg. Stolle (Soz.) bezeichnete die Tätigkeit des Rerchs- eisenbahnamts für die Vereinheitlichung als unzu­reichend. Abg. List-Eßlingen (natl.) trat für die Vereinheitlichung ein. Abg. Siebenbürger (kons.) führte erneut Beschwerde über die Schädigung der Viehtransporte durch unzweckmäßige Fütterung. Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.) wünschte die Einführung von Schlafwagen 3. Klasse, während Abg. Fischer-Hann­over (Soz.) eine Beseitigung der 1. und 4. Wagen­klasse verlangte. Präsident Wackerzapp betonte, daß die Anforderungen an den Wagenpark fast ganz ge­deckt wurden. Wer die deutschen Eisenbahnen kenne, müsse zugeben, daß mit Energie an der stetigen Ver­vollkommnung gearbeitet werde. Das deutsche Eisen­bahnwesen sei gesund und in günstiger Vorwärtsbe­wegung begriffen. Abg. Dr. Oertel (kons.) gab zu, daß hier und da Mängel bestehen, jedoch das Eisen­bahnwesen sich sehen lassen könne. Er habe wohl früher manchmal über eine Benachteiligung Sachsens geklagt, aber Preußen nicht deshalb beschuldigt: Preußen sein keiner Illoyalität fähig. Seine Freunde lehnen Reichseisenbaü.nen immer noch ab, ebenso eine Finanzgemeinschaft.Du auf wurde das Gehalt des Präsidenten bewilligt, und das Haus wandte sich dem Etat der Reichseisenbahnverwaltung zu. Abg. Fuchs (Soz.) meinte, Wünsche aus den Reichslanden erfahren durch die Verwaltung eine schnoddrige Ablehnung. Präsident Dr. Kaempf rief den Redner deshalb zur Ordnung. Eine Besserung der Arbeitsverhältnisse sei notwendig. Freitag Fortsetzung.

Wetterausfichten für Sonnabend den 28. Februar. Wolkig, kühl, nördliche Winde, meist trocken.