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-rin; hetntichsahrl «ach Südamerika.

Ihre politische «nd wirtschaftliche Bedeutung.

Am 10. März wird Prinz Heinrich im Kieler Hafen die Anker lichten lassen, um die geplante Fahrt über den Atlantischen Ozean anzutreten. Der Hohenzollernprinz, den seine erste Reise in die neue Welt nach Nordamerika führte, will diesmal Südamerika in Augenschein neh­men und dort als Pionier für weitere umfangreiche wirtschaftliche Betätigung Deutschlands wirken. Wer könnte hierzu mehr geeignet sein, als der Bruder des Deutschen Kaisers, der als Admiral der deutschen Flotte und als eifriger Förderer jeglicher deutscher Kulturar­beit so viele nennenswerte Erfolge aufzuweisen hat! Die Entwickelung -er Technik interessiert den Prinzen Hein­rich in besonderem Maße, und aus diesem Grunde läßt er sich durch einen von Berlin in das Kieler Schloß be­rufenen Fachmann in kinematographischen Aufnahmen unterweisen, da er die Absicht hat, die wichtigsten Mo­mente seiner Fahrt im Bilde dauernd festzuhalten. Dem­zufolge wird man wohl auch in ganz Deutschland nach oer Rückkehr des Prinzen ein schönes und zusammen­hängendes Bild von seinen Reisen und Erfahrungen ge­winnen können, wenn der Film sich der Sache bemäch­tigt hat. Das deutsche Geschwader, das zurzeit die süo- amerikanischen Häfen anläuft, findet dort eine so vor­zügliche Aufnahme, daß auch auf ein herzliches Will­kommen des Prinzen Heinrich zu rechnen ist.

Die wirtschaftlichen Beziehungen zu den germani­schen Ländern bleiben in den hervorragendsten Staaten Südamerikas die bedeutendsten, und gerade Deutschland befindet sich dort im Vordringen. England hat nicht we­niger als 16 Milliarden Mark in Staatsanleihen, Eisen­bahnen und den verschiedensten anderen'Unternehmun­gen in Südamerika angelegt. Die deutschen Aufwen-un-

& wurden vor einigen Jahren zuverlässig mit zwei arden angegeben. Sie haben sich seitdem vermehrt und können jetzt mit gut 8 Milliarden berechnet werden. Gerade in den letzten zwei Jahren hat sich immer deut­licher gezeigt, daß die großen Republiken Südamerikas, die weit über die Hälfte der Gesamtbevölkerung umfas­sen, auf die Freundschaft Deutschlands hohen Wert le­gen. Brasilien und Argentinien haben in deutschen Waffenfabriken umfangreiche Bestellungen ausfübren lassen und auch unseren Werften Aufträge zu Schiffs- bauten gegeben. Chile und Argentinien nahmen seit Jahren deutsche Militär-Instrukteure bei sich auf, die Die Heere ganz nach deutschem Muster einrichteten, und auch Brasilien schloß sich diesem Vorgehen an.

Die Nordamerikaner und Engländer verfolgen diese Entwickelung in Südamerika mit wachsendem Interesse und es wird die Frage der Zukunft sein, an welches Reich sich die Sitdamerikaner wirtschaftlich am engsten anschließen. Die lateinischen Staaten Südamerikas weh­ren sich gegen politische Ausnutzung und Bevormun­dung. Gerade weil Deutschland keine politische Macht­stellung in Südamerika erstrebt, ist den Republiken die Handelsverbindung mit uns in besonders reichem Maße wünschenswert. In der hoheitsvollen und leutseligen Art des Prinzen Heinrich werden die Südamerikanischen Staaten weitere Gewähr erhalten, daß wir sie als be­freundete und freie Nationen zu schätzen wissen. Die vielen in Südamerika lebenden Deutschen sind durch den Besuch der heimatlichen Flotte und durch das bevor- stehMde Eintreffen des Hohenzollernfürsten hoch be-

Soziale $tie6ensmML

für das Jahr 1918 ist dem Reichstag zugegangc ein Bild von der von Jahr zu Jahr wachsend

Der Geschäftsbericht des Reichsversicherungsamtes für das Jahr 1918 ist dem Reichstag zugegangen. Er gibt ein Bild von -er von Jahr zu Jahr wachsenöen sozialen Frieöensarbeit, -ie in unserer staatlichen Arbeiterver­sicherung geleistet wird. Aus dem Inhalt des Berichtes sei nachstehendes hervorgehoben:

Zur Durchführung der Unfallversicherung haben im Berichtsjahre 116 Berufsgenossenschaften und v61 Ausführungsbehörden mit 6,196,703 Betrieben und rund 27 Millionen versicherten Personen bestanden. Nach einer vorläufigen Ermittelung belief sich die Zahl aller im Jahre 1918 bei den Trägern der Unfallversicherung angemeldeten Unfälle auf 787,674, die der erstmalig ent­schädigten auf 139,076. Die verausgabten Entschädigun­gen betrugen nach einer vorläufigen Ermittelung 176.793,700 JL In der Invalidenversicherung belief sich der Gesamtbetrag der bis Ende 1912 gezahlten Entschädigungen auf 2,477,490,316 X davon kommen auf das Jahr 1912 205,191,857 JL Die Einnahme aus Beiträgen kann für 1913 auf etwa 290 Millionen Mark veranschlagt werden. Das Vermögen der Versicherungs­träger dürfte Ende 1912 2 Milliarden Mark übersteigen.

Die Zahl -er in Jnvalidenhäusern und ähnlichen Anstalten untergebrachten Personen ist von 4431 im Jahre 1912 auf 5031 im Jahre 1913 gestiegen. Eigene Jnvalidenhäuser besaßen 10 Berficherunasträger. Zu gemeinnützigen Zwecken sind bis zum Schlüsse 1913 her­gegeben worden: zum Bau von Arbeiterwohnungen und

Bix.

Eine Herzensgeschichte von Walter Kabel.

2) (Nachdruck verboten.)

Und stets glitt in solchen Augenblicken über deren schwermütiges Gesicht ein sonniges Lächeln, das ihr Antlitz wunderbar verschönte und in ihre dunklen Augen den Ausdruck stillen Glückes zauberte. Bisweilen entlockten ihr auch die drolli­gen Bemerkungen der Kleinen ein silberhelles Lachen, und Jarotzki hatte wohl nicht zuviel vermutet, wenn er es dann auch in des Assessors Gesicht wie den Widerschein dieses seltenen Frohsinns aufleuchten zu sehen glaubte.

Denn regelmäßig waren die beiden Freunde in der vergangenen Woche nach Erledigung des Vormittags­dienstes an den Strand geschlendert und hatten sich — ein seltsamer Zufall! — ebenso regelmäßig in der Nähe jenes Strandkorbes in den Sand gestreckt, ohne daß einer von ihnen jemals dazu eine besondere Anregung zu geben schien. Und der Referendar konnte sich von Tag zu Tag innerlich mehr darüber freuen, wie Ben- ters stets neue Ausflüchte erfand, nur um sich nicht an­merken zu lassen, was ihn, der bis dahin den Trubel des Badelebens nach Möglichkeit gemieden hatte, jetzt plötzlich immer wieder an die leise rauschende See unter die lärmenden Kinder und verführerischen Frauenge- stalten zog. Der Assessor war es auch, der den Referen­dar zuerst auf die beiden Damen aufmerksam machte, — allerdings auf eine Weise, die möglichst harmlos erschei­nen sollte, indem er Mnächst von dem blondlockigen Mädelchen zu sprechen begann, das sich eines Tages wenige Schritte vor ihnen in kindlichem Eifer mit dem Bau einer Burg beschäftigte.

„Haben Sie schon jemals ein liebreizenderes, fri­scheres Kindergesicht gesehen wie dieses?" hatte Benters daumts gefragt und ganz begeistert auf die Kleine hin-

zur ArbeiterwohnungSfürsorge überhaupt 482,637,581 X zur Befriedigung des landwirtschaftlichen Kreditbedürf­nisses (Bodenverbesserung, Aufforstung, Hebung der Viehzucht u. a.) 119,675,614 X für Wohlfahrtseinrich­tungen überhaupt 561,856,047 X zusammen 1,164,169,242 Mark.

Politische Rundschau.

Dem Kreisdirektor Mahl von Zabern ist am 21. Februar von dem reichsländischen Ministerium bekannt­gegeben worden, daß das auf seinen Antrag am 28. De­zember eingeleitete Disziplinarverfahren wegen des Versagens der Zivilbehörden im Falle Forstner gegen ihn keinerlei Beweise für eine fahrlässige oder wissent­liche Unterlassung von Amtshandlungen ergeben habe.

Das Einjährige des sozialdemokratischen Bericht­erstatters. Der Berichterstatter der soztaldemokratischen „Rheinischen Zeitung", Walter Stoecker, war vom Ge­neralkommando des 8. Armeekorps und vom Oberprä- siöenten der Rheinprovinz die Berechtigung zum ein­jährig-freiwilligen Dienst entzogen worden. Auf die hiergegen erhobene Beschwerde ging vom Kriegsminister und vom Minister des Innern folgender Bescheid ein: Wir sind nicht in der Lage, die Entscheidung der Ersatz- behörde dritter Instanz in Koblenz, durch welche Ihnen die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst ent­zogen worden ist. abzuändern, weil die Art Ihrer agi­tatorischen Betätigung in staatsfeindlichem Sinne die nach dem Wehrgesetz für den einjährigen Dienst nötige moralische Qualifikation Ihnen zuzusprechen nicht ge­stattet.

Beunruhigende Meldungen über die angebliche Ein­berufung von Reservisten, die eine Antwort auf russische Rüstungen sein soll, gehen seit einigen Tagen durch die Blätter. Wie an unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, sind diese Alarmmeldungen anscheinend darauf zurück- zuführen, daß bereits seit dem Winter 1912/13, einer An­regung des Reichstages entsprechend, die Uebungen Der Reservisten in größerem Umfange auf den Winter ver­legt worden sind. Das ist auch in diesem Jahre wieder beabsichtigt, bedeutet also keine außerordentliche Maßre­gel, sondern ein Entgegenkommen Der Heeresverwaltung gegenüber den Wünschen der Reservisten und des Reichstags.

50 Millionen Mark Nachtragsforderung für die eng­lische Flotte. Der Ergänzungsetat für Die englische Ma­rine ist veröffentlicht worden. Er beziffert sich im gan­zen auf 50 Millionen Mark. Premierminister Asquith teilte im Unterhause mit, daß das KomMe für die Reichsverteidigung seine Ueberprüfung des Jnvasions- problems beendet und sich über die allgemeinen Linien eines Berichtes geeinigt habe. Der Bericht werde binnen kurzem fertiggestellt und eine Mitteilung darüber ver­mutlich noch im Laufe Der Session gemacht werden.

Die Wichtigkeit der Flugzeuge im Kriege. Bei Be­ratung des Ergänzungsetats für das englische Heer er­klärte der Kriegsminister, daß das Heer und die Flieger­abteilung gegenwärtig 161 Flugzeuge besäßen. Es sei beabsichtigt, insgesamt 250 Flugzeuge einzustellen. Die Frage, eme genügende Anzahl von Flugzeugen und Motoren in England zu beschaffen, sei gelöst worden. Der Kriegsminister erläuterte sodann Die Wichtigkeit der Flugzeuge im Kriege und gab Der Ueberzeugung Aus­druck, daß eine Armee ohne solche, wenn sie einem Heer von gleicher Stärke mit Flugzeugen gegenüberstände, dem Untergang geweiht sei.

Die Petersburger Reise des Prinzen zu Wied. In den Berliner diplomatischen Kreisen bezeichnet man die Unfreundlichkeit, mit der ein Teil der russischen Presse den Besuch des Prinzen zu Wied in Petersburg auf- nimmt, als Mache. In den offiziellen Kreisen Rußlands denke man darüber anders, da man recht gut wisse, daß ein Besuch des Prinzen zu Wied am russischen Hofe von vornherein in Aussicht genommen war. Ebensowenig wie dieser Besuch auf besondere Einwirkungen von Ber­lin aus jetzt erfolge, fei davon Die Rede, daß man in Ber­lin dem Prinzen zu Wied die Reise nach Petersburg dringend nahegelegt habe.

Hnertas Anklage gegen die amerikanische Regierung. Die mexikanische Zeitung „El Diario", das Organ Huer­tas, schreibt zur Ermordung des Engländers Benton: Bor der blutigen, mit Kugeln durchlöcherten Leiche Ben- tons entrüsten sich die Mächte; ihre Interessen liegen jetzt in den Händen eines von dem amerikanischer! Koloß geschützten Mannes. Sogar aus dem Norden von Me- xiko richten sich anklagende Blicke nach dem Weißen Hause, denn dort sitzt der wahre Schuldige des Ver­brechens.

Kleine Radiricfiten.

Ein Opfer des Karnevalrausches. Der Friseur Jeckel in Bochum kam Mittwoch morgen in angetrun­kenem Zustande von einem Maskenball nad) Hause. Er legte seine brennende Zigarre auf einen neben seinem

gewiesen, deren Wangen, Hals und Nacken und die drallen Beinchen von Seeluft und Sonne leicht gebräunt waren. Und Jarotzki konnte aus ehrlichem Herzen nur zustimmen. War ihm die Kleine doch selbst schon des öf­teren aufgefallen.

„Die Dame in dem Strandkorb scheint Die Mutter zu sein," bemerkte Der Assessor dann nach einer Weile so nebenbei. Und wieder nach einer Pause:

„Seltsamer Kosename für ein Kind, finden Sie nicht auch, Jarotzki? — Sie hörten doch, nicht wahr? Die Dame rief ja eben die Kleine an. — „Bix" nennt sie sie! Ob das die Abkürzung für irgendeinen weiblichen Vornamen ist?"

Und die beiden hatten dann ganz ernsthaft versucht, das merkwürdige „Bix" irgendwie abzuleiten, einigten sich schließlich rcach vielem Kopfzerbrechen auf Beatrix als Stammwort. — So hatte dieser Strandroman im leuchtenden Somrenschein begonnen, als die Wellen träge gegen das Ufer brandeten und der Wind vom Nord- varke her die einschmeichelnden Klänge eines neuesten Walzers herübertrug. „Bix" hieß das erste Kapitel . . . Und das letzte sollte auch „Bix" heißen, — trotzdem Jarotzki das damals noch nicht wissen konnte, wenn er auch bald Grund genug hatte, alles mögliche zu ver­muten. —

Während der blonde Referendar jetzt durch Den grünen Blätterrahmen der Linden scheinbar gedankenlos in die Ferne starrte und dabei spielend seinen Schnurr- ! bart durch die Finger zog, reihte er seine bisherigen i Beobachtungen ganz logisch aneinander und gelangte so ; zu der festen Ueberzeugung, daß Benters zweifellos auf dem besten Wege war, sich unsterblich zu verlieben. Denn anders ließ sich dessen jetzt beinahe schon aufdringliches Interesse, mit dem er jede Bewegung der stets in Schwarz gekleideten Dame verfolgte, gar nicht deuten. Außerdem zeigte auch seine Gemütsstimmung in den letzten Tagen eine merkliche Umwandlung. Er war wo-

Bett stehenden Stuhl und begab sich zur Ruhe. Bald fingen Die auch auf dem Stuhl liegenden Kleider JeckelS Feuer und der Brand griff auf die ganze Wohnungs­einrichtung über. Jeckel wurde mit schweren Brand­wunden am ganzen Körper erstickt aufgefunden.

Ein Briefträger unter dem Verdacht des vierfachen Mordversuchs verhaftet. Unter dem schweren Verdacht, versucht zu haben, seine Frau und seine Drei Kinder durch Leuchtgas zu vergiften, wurde der Postbote Thtedtke in Schmargendorf bei Berlin verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert.

Ein verhängnisvoller Sprengschntz. Bei dem Bahn- bau Olpe-Meinerzhagen wurden durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschutz zwei Arbeiter getötet und ein dritter verletzt. Die Getöteten wurden durch die Ge­walt der Explosion 60 Meter weit geschleudert und furchtbar zugerichtet. Bis jetzt hat der Bahnbau, der vor einem halben Jahr in Angriff genommen wurde, sechs Arbeitern das Leben gekostet.

Bei einem Stratzenbahnnnfall in Manchester wur­den etwa dreißig Personen schwer verletzt. Die Wagen der elektrischen Bahn mußten auf provisorischen Gleisen durch Nebenstraßen geleitet werden. In einer Kurve sprang ein schwerer Wagen aus Den schienen, stürzte mitten auf der Straße um und wurde völlig zertrüm­mert. Außer den schwerverletzten Insassen wurden auch Passanten in Mitleidenschaft gezogen.

Ein neuer Fliegerrekord. Auf dem Flugplatz von Chartres (Frankreich) erreichte der Flieger Garreix auf einem Zweidecker mit vier Fluggästen eine Höhe von 3150 Metern und stellte damit eine neue Höchstleistung auf. Der russische Flieger Sikorsky flog achtzehn Mi­nuten mit sechzehn Passagieren und einem Hund in einer Höhe von dreihundert Metern auf einem neuen Flug­zeug. Die Belastung betrug 1310 Kilogramm ohne Ben­zin und Oel.

Eifersuchtstat einer Mutter. Eine 44jährige Ita­lienerin in Zürich erstach ihren Sohn, der den Tripolis­krieg mitgemacht hatte und Der sich mit einer jungen Schweizerin verloben wollte, angeblich aus Eifersucht.

Geridit und Recht«

Ein nachhaltiger Denkzettel. In einem Hotel ersten Ranges in München ist, wie wir seinerzeit meldeten, Mitte Januar im Zimmer des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin ein Dieb dadurch verunglückt, daß ihm das Schustermesser, mit dem er eine verschlossene Handtasche öffnen wollte, abglitt und ihm die Schlag­ader am Oberschenkel aufriß. Er fiel in Ohnmacht und wurde bald entdeckt. Er entpuppte sich als ein bekannter, schwer vorbestrafter Hotelöieb aus Berlin. Von dem Abenteuer wird er wahrscheinlich ein steifes Bein be­halten. Die Strafkammer des Landgerichts München hat ihn jetzt zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.

Wiederaufnahmeverfahren im Falle Hamm. Im Mordprozeß der Witwe Hamm hat Die erste Strafkam­mer des Landgerichts Elberfeld die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet. Frau Hamm, die im Jahre zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, wurde 1908 wegen Beihilfe bei der Ermordung ihres Gatten auf telegraphische Anordnung des Gerichts sofort aus der Strafanstalt in Siegburg entlassen.

Soldaten in der Schlacht.

Was empfindet der Soldat in der Schlacht, im Kugel­hagel, im Donner Der Geschütze? Alle Fragen, Die das Empfindungsleben des Soldaten in Der Schlacht betref­fen, hat jüngst ein italienischer Offizier, Oberstleutnant Mangiarotti, durch eine Erhebung unter Den Soldaten des 77. Infanterie-Regiments zu beantworten gesucht, das in Tripolis gekämpft hat. Die Antworten werden in Der „Newista Militärs Jtaliana" mitgeteilt. '

Mangiarotti hat 2000 Soldaten einzeln ausführlich befragt. 1700 darunter gaben an, Der schlimmste Augen­blick der Schlacht sei der des ersten Gewehrfeuers, wenn einem die ersten feindlichen Kugeln um die Ohren sau­sen. Doch haben Die meisten hinzugefügt, der Eindruck sei viel schwächer gewesen, als sie vor Der Schlacht ge­glaubt hätten, und je mehr Schlachten sie bereits mit­gemacht hatten, um so schwächer sei das Gefühl ge­worden. Andere Soldaten gaben an, sie hätten das größte Angstgefühl dann gehabt, wenn sie in der ersten Reihe dem Gewehr-feuer Der Feinde ausgesetzt standen und sich nicht bewegen durften. In solchem Falle wurde der Marschbefehl geradezu als Befreiung empfunden. Sicherlich, so schließt Der italienische Offizier daraus, emfindet Die stehende Truppe als Ganzes dieses nieder- drückende Gefühl, während es sich lindert, sobald Der Marschbefehl gegeben wird.

Die Soldaten haben auch über andere seelische und körperliche Erscheinungen Angaben gemacht, so über die Durstempfindungen, über das Tränen Der Augen, das Heiserwerden Der Stimme, zwangsmäßiges Gähnen, Erbleichen und Zittern der Glieder. Besonders wenn

möglich noch träumerischer und einsilbiger geworden, hatte dabei aber sonderbarerweise seine wütenden Aus­fälle auf die holde Weiblichkeit fast ganz eingestellt. — All diese auffälligen Erscheinungen hätten jeden anderen wohl noch früher stutzig gemacht. Aber des Referendars Gedanken waren in derselben Zeit ebenso stark mit zwei leuchtenden, schwermütigen Singen beschäftigt, die zufällig zu dem frischen Gesichtchen jenes jungen Mädchens ge­hörten, das man ständig in Begleitung der schwarz ge­kleideten Dame antreffen konnte. Und aus diesem Grunde stieß ihm die plötzliche Veränderung des Freun­des erst auf, als diese schon ein höchst bedenkliches Sta- dium^erreicht hatte. —

y f So wurde denn zwischen ihnen ein lustiges, aber höchst überflüssiges Versteckspiel getrieben, da jeder im stillen hoffte, seine Teilnahme für den Strandkorb Nr. 72 dem anderen äußerst geschickt verborgen zu haben, sich dabei jedoch arg verrechnet hatte. Denn auch dem Assessor war es nicht entgangen, daß Jarotzkis Blicke immer wie­der zu den Damen zurückkehrten, trotzdem es ihm zu sei­nem stillen Mißbehagen nicht gelingen wollte, festzu­stellen, welcher von ihnen diese Aufmerksamkeit galt.

Und beide schauten jetzt gedankenverloren vor sich hin, beide überlegten wunderbarerweise aber dasselbe — nämlich wie man am unauffälligsten Die Bekannt­schaft der Damen machen könnte, — eine Aufgabe, Die trotz der vielgerühmten Badefreiheit gar nicht so leicht zu lösen schien.

Benters hatte gerade nach längerem Kampf zwischen Pflicht und Neigung Dem Referendar Den Vorschlag machen wollen, heute einmal — natürlich nur des herr­lichen Wetters wegen! — früher als gewöhnlich aus- zubrechen, räusperte sich bereits leise, um nachher möglichst gelassen und harmlos mit seinem Plänchen Herausrücken zu können.

(Fortsetzung folgt.)