hersfeld er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Herrscher
für den Kreis Hersfeld
Mlott
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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 49. Freitag, den 27. Februar 1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat»
* (W e t t e r a u s s i ch t e n.) Seither stand unsere Witterung unter dem Einfluß von Randwirbeln der westlichen Depression, die in schneller Aufeinanderfolge über den Kontinent zogen. Sie brachten uns veränderliches Wetter. Auf ihrer Vorderseite traten Trübung und Niederschläge ein, auf der Rückseite vorübergehend Aufklären. Die westliche Depression ist nun im Abziehen begriffen; gleichzeitig dringt von Nordosten ein kräftiges Hochdruckgebiet vor. Dasselbe dürfte uns in den nächsten Tagen heiteres, trockenes und kälteres Wetter bringen. In höheren Lagen wird wohl Nachtfrost eintreten.
);( Hersfeld, 26. Februar. Die gestern nachmittag im Hotel zum Stern abgehaltene Versammlung öesLanöwirtschaftlichenKreisvereins, in welcher Herr Dr. Sprenger von der Landwirt- schaftskammer in Cassel einen Vortrag über die in der Zeit vom 3.-5. Juli d. Js. hier stattfindende Bezirks-Ausstellung hielt, war außerordentlich zahlreich besucht, ein Zeichen, daß der Ausstellung in den Kreisen unserer Landwirtschaft das größte Interesse entgegengebracht wird. In Vertretung des am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisvereins, Herrn Landrats von Grunelius, eröffnete der stellvertretende Vorsitzende, Herr Bürgermeister Großkurth aus Unter- Haun, die Versammlung und gab seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck. Besonders hieß er Herrn Landrat von Jerin-Hünfeld und Herrn Dr. Sprenger-Cassel willkommen. Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung ergriff Herr Dr. Sprenger das Wort und bemerkte, daß die hier in Hersfeld geplante Ausstellung alle früheren an Größe übertreffen würde. Während die seitherigen Bezirksausstellungen immer nur einen Tag gedauert hätten, habe die Landwirtschaftskammer beschlossen, diesmal die Ausstellung auf drei Tage auszudehnen. Es sei dadurch den Besuchern mehr Gelegenheit geboten, die ausgestellten Tiere eingehender zu besichtigen, was seither infolge des großen Andranges an einem Tage nicht möglich gewesen wäre. Eine derartige Ausstellung solle aber nur alle drei Jahre stattfinöen. Da die ausgestellten Tiere nunmehr drei Tage stehen bleiben sollen, so müsse die Landwirtschaftskammer auch' für entsprechende Unterkunftsräume sorgen. Die Kammer habe deshalb mit einem Unternehmer einen Vertrag auf Lieferung von wasserdichten Zelten abgeschlossen, die denen auf der großen Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft benutzten ähnlich seien. Herr Dr. Sprenger gab dann noch bekannt, welche einzelnen Rassen ausgestellt werden können. (Näheres hierüber berichteten wir bereits in der vorgestrigen Nummer.) Außer der Tierausstellung ist auch eine Ausstellungvon Maschinen Geräten und landwirtschaftlichen Erzeugnissen geplant. Die Anmeldung der Tiere zu der Ausstellung muß unbedingt bis zum 1. April erfolgen, da der betr. Unternehmer seine Vorbereitungen für die Stallungen treffen muß. Die Anmeldung von Geflügel und Kaninchen muß bis zum 1. Mai und diejenige für Maschinen und Geräte bis zum 15. Mai erfolgen. Da die Unkosten für die Ausstellung sich auf ea. 14 000 belaufen, so muß ein Teil derselben durch Er- Standgeldern wieder eingebracht werden. m^^^^^ÄEuöen Tiere müssen mindestens sechs des Ausstellers sein, und dürfen amL^w^J ^ drei Ausstellungstage nicht vom Platze Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbuße von 10 Mark für jedes Tier belegt. Ferner sei bei der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M.
Antrag aus freie Rückbeförderung der ausgestellten Tiere gestellt worden, der jedenfalls genehmigt roiiri)e. Die Anmeldung der Tiere muß auf den vor- geschrrebenen Formularen der Landwirtschaftskammer erfolgen, die für den hiesigen Kreis von dem Hers- felöer Landwirtschaftlichen Kreisverein an die Aussteller abgegeben werden. Diese Zettel sind dann mit dem Betrage für das Standgeld an Herrn Direktor Fürst zurückzugeben, der sie an die Kammer einsendet. Den Ausstellern geht hiernach ein Einlaßschein zu, der beim Auftrieb der Tiere in die Ausstellung daselbst vorgezeigt werden muß. Die Tiere werden von der Landwirtschaftskammer gegen Feuer und sonstigen Schaden versichert. An Preisen sind für Pferde 1400 Mark, für Rindvieh 8500 Mark, für Ziegen und Schafe je 300 Mark und für Geflügel und Kaninchen ebenfalls einige hundert Mark vorgesehen, insgesamt stehen für die Prämiierung rund 12 300 Mark zur Verfügung. Sollte der Auftrieb der Tiere ein außergewöhnlich starker sein, so tritt noch eine Erhöhung
der Preise ein. Es stehen gegen die früheren Ausstellungen dreimal soviel Preise zur Verfügung. Eine Ausstellungsordnung wird in den nächsten Tagen zur Ausgabe gelangen, die jedem Aussteller zur genausten Kenntnisnahme empfohlen wird. Zum Schluß bat Herr Dr. Sprenger nochmals den Anmeldetermin'am 1. April unter allen Umständen inne zu halten. Es wurden dann noch aus der Mitte der Versammlung eine ganze Anzahl Fragen gestellt, die Herr Dr. Sprenger bereitwilligst beantwortete. Herr Direktor Fürst teilte alsdann noch mit, daß den Mitgliedern des Landwirtschaftlichen Kreisvereins, welche ausstellen wollen, eine Beihülfe zu den Unkosten gewährt werden soll, deren Höhe noch festgelegt wird. Nachdem Herr Bürgermeister Großkurth namens der Versammlung Herrn Dr. Sprenger für seine Ausführungen gedankt hatte, folgten Vorträge von drei Schülern der Landwirtschaftlichen Wtnterschnle. Alle drei Schüler entledigten sich der ihnen gestellten Aufgaben auf das Beste und bewiesen damit glänzend die vorzügliche Ausbildung, welche sie auf der Schule unter der Leitung des Herrn Direktors Fürst erhalten. Letzterer gab dann am Schlüsse der Versammlung noch dem Wunsche Ausdruck, daß die Landwirtschaftliche Winterschule noch zahlreicher besucht werden möge, die kleine Ausgabe mache sich reichlich bezahlt. — Mit Worten des Dankes an die drei Schüler schloß dann Herr Bürgermeister Großkurth die Verfammlung.
):( Hersfeld, 26. Februar. In dem heutigen amtlichen Anzeiger befindet sich die Bekanntmachung betreffend Abhaltung desdiesjährigenEr- satz-Geschäfts, auf welche alle Militärpflichtigen besonders hingewiesen seien.
):( Hersfeld, 26. Februar. Vor dem hiesigen Schöffengericht fand heute eine größere Sitzung statt, in der 8 Strafsachen und 3 Privatklagesachen verhandelt wurden. Eine jugendliche Fabrikarbeiterin, die früher hier in Hersfeld gewohnt hat, sich jetzt in Eisenach aufhält und auf ihren Antrag vom Erscheinen in der heutigen Hauptverhandlung wegen weiter Entfernung entbunden war, wurde wegen Diebstahls zu 2 Tagen Gefängnis verurteilt. — Verschiedene Einwohner von Kalkobes hatten wegen Uebertretung (Benutzung eines nicht gekörten Ziegenbocks zur Ziegenzucht) Strafbefehle erhalten und gegen diese Einspruch erhoben. In der heutigen Hauptverhandlung wurden sie sämtlich freigesprochen. — Ein hiesiger Fabrikarbeiterhatte sichwegen Körperverletzung zuver- an tworten und wurde mit 14 Tagen Gefängnis bestraft. — Gelegentlich einer öffentlichen Tanzmusik sollte sich ein Einwohner von Friedlos durch ruhestörenden Lärm strafbar gemacht haben. Er erhielt deshalb eine Strafverfügung, gegen die er Einspruch erhob. In der heutigen Sitzung erkannte das Gericht auf Freisprechung. — Ein Arbeiter aus Rotensee wurde wegen Diebstahls zu einem Tag Gefängnis verurteilt. — Ein hiesiger Gewerbetreibender wurde wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 4 Wochen verurteilt. — Die beiden anderen Strafsachen richteten sich gegen Bettler, die sich wegen Landstreichens bezw. wegen Bettelns zu verantworten hatten. — Schöffen waren die Herren Kupferschmiedemeister Schüßler von hier und Bürgermeister a. D. Eidam aus Wippershain.
):( Hersfeld, 26. Februar. Herr Kreissekretär Wessel wurde vom 1. April d. Js. ab an die Kgl. Regierung nach Cassel versetzt. Mit der Verwaltung der Kreissekretärstelle ist Herr Regierungssuper- numerar F u n k e aus M a r b u r g beauftragt worden.
Aus dem Werratal, 25. Febr. In den zahlreichen Kalibergwerken des Werratales herrscht augenblicklich ein flotter Geschäftsgang. Die Bestellungen auf Kalr sind so bedeutend, daß die Ersenbahnverwaltung dre Zahl der Güterzüge auf den Strecken des Kaligebietes wesentlich vermehren mußte. Auch nach dem Aus- lande (Italien, Oesterreich) tft der Kalrversand sehr rege. In einzelnen Kalibergwerken werden fast täglich über 100 Eisenbahnwagen Kalyalz versandt. In den Kalifabriken und auch in den Kalibergwerken mußte darum die Zahl der Arberter wesentlich erhöht werden, nachdem im Herbste Arberter in größerer Zahl entlassen worden waren. Der starke Kaliversand ist eine Folge der bevorstehenden Aufnahme der Frühjahrsarbeiten auf dem Lande.
Caffel, 25. Februar. Eine große Handwerkerversammlung protestierte gestern abend öffentlich gegen die Gepflogenheit des hiesigen Stadtbauamts, die Arbeiten für das Caffeler Handwerk regelmäßig so spät zur Ausschreibung zu bringen, daß diese Arbeiten dann kaum hier angefertigt werden konnten. Anlaß gab die anfangs dieses Monats erfolgte Vergebung von 734 schwarzpolierten Stühlen für die Stadthalle an eine Berliner Möbelfabrik, dre noch um 1000 Mk. teurer war als ein hiesiger, sehr leistungsfähiger Schreinermeister, der auch bereits zur Lieferung aufgefordert worden war und eine tadellose Probearbeit
abgegeben hatte. Die Handwerkerversammlung nahm eine scharfe Resolution an, in der sie dem Vorgehen der verstärkten Baukommission ihre Mißbilligung ausspricht, zumal dieser Baukommission nicht unbekannt war, daß in Cassel im Schreinerhandwerk augenblicklich Arbeitslosigkeit herrscht, die Stadtverordnetenversammlung aus diesem Grunde auch die nach Berlin vergebenen Arbeiten als Notstandsarbeiten für das heimische Handwerk behandelt wissen wollte. Die ganze Angelegenheit wird nunmehr auch noch am Freitag abend in der Stadtverordnetenversammlung zur Erörterung kommen. Oberbürgermeister Koch hat sich bereits zur Beantwortung dieser Dringlichkeitsanfrage bereit erklärt.
Caffel, 24. Febr. Um das Anrücken der Feuerwehr zu betrachten, steckte der 16jährige Friseur- lehrling Adam Kvtzinke aus Niederhoue am 29. Oktober eine Scheune in Allendorf a. W. in Brand, die nebst fünf anderen völlig niederbrannte und einen Sachschaden von über 30 000 Mk. verursachte. Die Strafkammer verurteilte den jungen Burschen zu 1 Jahr Gefängnis.
Göttingen, 23. Februar. In einem Göttinger Blatte veröffentlicht ein Dr. L. und Frau folgendes Inserat: „Wir leisteten heute dem Reiche schon wieder einen Wehrbeitrag in Gestalt eines prächtigen Jungen.
Eisenach, 24. Febr. Der von dem Materialwaren- Händler Nortmann nach einem Wirtshausstreite mit einem Schlächtermesser mehrmals in den Unterleib gestochene Maurermeister Keutterling ist im Stranten« Hause seinen schweren Verletzungen erlegen.
Offenbach, 24. Febr. Heute morgen gegen 3 Uhr versuchte der hier zurzeit auf Urlaub weilende Soldat Andreas Hillenbrand nom 5. Bayerischen Infanterie- Regiment in Bamberg die Fabrikarbeiterin Anna Bachinger aus Offenbach nach vorausgegangenem Wortwechsel von der Mainbrücke in den Main zu stoßen.' Auf die Hilferufe des Mädchens eilten zwei Männer herbei, die den Soldaten an der Ausführung der Tat hinderten. Hillenbrand wurde der Polizei übergeben, die ihn der Militärbehörde auslieferte.
Wiesbaden, 25. Februar. Auch in Wiesbaden gab es bislang eine Anzahl Steuerdrückeberger. Die günstige Wirkung des Generalpardons erhellt aus der Tatsache, daß ein hiesiger Einwohner, der bislang 9000 Mk. Jahreseinkommen versteuerte und sich bet Anmahnungen seitens der Steuerbehörde stets beschwerte, nach seiner Einschätzung zum Wehrbeitrag ein jährliches Einkommen von über 100 000 Mark versteuern muß.
Niederfischbach, 24. Febr. An den Folgen von in Brand geratenen Frostbeulen erkrankte hier ein zehnjähriger Junge. Es trat schließlich Blutvergiftung hinzu. Nachdem verschiedene Heilversuche im Krankenhause gemacht worden waren, die erfolglos blieben, ist nun der Junge gestorben.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag nahm am Mittwoch zuerst die Abstimmung über die Forderung im Etat des Reichsamts des Innern vor, ein Reichsarchiv beim preußischen Archiv zu errichten. Ohne Erörterung wurde die Forderung gemäß dem Beschlusse des Haushaltsausschusses abgelehnt. Ueber eine Petition, zum gleichen Etat, die Bayreuther Bühnenfestspiele zu unterstützen, beschloß das Haus zur Tagesordnung Überzugehen. Eine weitere Petition, die die Bereitstellung größerer Mittel für den Ankauf von Radium für öffentliche Krankenhäuser forderte, wurde als Material über- wiesen. Darauf begann die Beratung des Etats des Reichseisenbahnamtes. Abg. Prinz von Schönaich- Carolath (natl.) forderte Besserstellung der Werkführer, während Abg. Hasenzahl (Soz.) die allgemeinen Arbeitsverhältnisse als ungenügend bezeichnete und Uebernahme der Eisenbahnen durch das Reich verlangte. Auch Abg. Schwabach (natl.) trat für diese Uebernahme ein. Abg. v. Boehn (kons.) führte Beschwerde über die Art des Umladens und Fütterns des zur Beförderung gelangenden Viehs. Das Füttern sei nur eine Quälerei, denn kein Tier nehme während des Transports Futter an. Abg. Dr. Haas (fortschr.) erkannte an, daß das Eisenbahnamt wirksam gearbeitet habe, wenn auch eine einheitliche Verwaltung noch weit im Felde liege. Präsident Wackerzapp ging auf einzelne Fragen der Vorredner ein und teilte mit, daß eine Regelung der Sachschädenhaftung vorbereitet werde. Die Fütterung von Tieren während des Transports geschehe durch sachverständige Männer. Bezüglich der Vereinheitlichung stehen die Regierungen noch immer auf dem bereits früher kundgegebenen Standpunkte. — Donnerstag Fortsetzung.