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Hersfeld er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Weiber WHatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Zernsprech-elnschlutz Nr. 8

Nr. 48.

Donnerstag, den 26. Februar

1914.

Bus der Heimat.

* (Sonnen- und Mondfinsternisse im Jahre 1914.) Gelegentlich der vor zwei Jahren beobachteten Sonnenfinsternis am 17. April 1912 wurde schon auf die in diesem Jahre zu beobachten­den Sonnenfinsternisse hingewiesen. In diesem Jahre finden nun je zwei Sonnen- und zwei Mondfinster­nisse statt, von denen die erste Mondfinsternis und die zweite Sonnenfinsternis für uns sichtbar sein wird. Die erste Sonnenfinsternis ist ringförmig und erscheint am 24. Februar von 3/dl Uhr abends bis 3/«8 Uhr früh. Sie ist sichtbar in den südlichen Polar­gegenden. Die erste Mondfinsternis ist partiell und am 12. März von 3/d bis 3/4? Uhr morgens zu beob­achten. Etwa 9/io der Mondscheibe werden verfinstert. Die Finsternis ist sichtbar in Kleinasien, Europa, Afrika, im Atlantischen Ozean, in Amerika und der östlichen Hälfte des Großen Ozeans. Die zweite Sonnenfinsternis ist zwar total, jedoch in Mittel­europa nur partiell, so daß für uns nur 7 bis 8 Zehntel des Durchmessers verfinstert sein werden. Sie tritt ein am 21. August und ist sichtbar in Nordamerika, Nordafrika, Europa und der westlichen Hälfte Asiens. Die zweite Mondfinsternis am 4. September ist partiell und zu beobachten im westlichen Nordamerika, im stillen Ozean, Australien, fast ganz Asien und an der Nordküste von Afrika.

* (Wichtig für Vereine. Ein Turnverein hatte in gewohnter Weise zu seinem Stiftungsfeste befreundete Turnvereine in corpore eingeladen. Die Polizeibehörde erblickte darin die Veranstaltung einer öffentlichen Tanzlustbarkeit, zu der eine polizeiliche Erlaubnis nicht eingeholt worden war, und nahm deshalb sämtliche Vorstandsmitglieder des Vereins in Strafe. Diese beantragten gerichtliche Entscheidung und trieben den Streitfall bis zur höchsten Instanz. Das Kammergericht erkannte auf Freisprechung. Es entschied: Unter denselben Voraussetzungen, unter denen einzelne Personen als Gäste eingeführt, einge­laden oder zugelassen werden können, kann auch eine solche Zuziehung von Personenkreisen, insbesondere von anderen Vereinen, erfolgen, sofern nur auch diese Vereine als geschlossene Gesellschaften anzu- sehen sind.

* Die Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1913 liegen jetzt für Preußen vor. Sie sind sehr günstig. Pferde wurden gezählt 8,2 Millionen Stück, oder 22 978 mehr als im Dezember 1912, an Rindvieh 12,26 Mill. oder 391324 mehr, an Schweinen über 18 Mill. oder 2,5 Mill. mehr. Auch die Ziegen weisen mit 2,17 Mill. ein Mehr von 67130 Stück auf. Allein die Schafe haben mit 3,8 Mill. einen Rückgang von 282 044 Stück zu verzeichnen.

*(GünstigeVerhältnissefürMilitär- anwärterbeiderEisenbahnverwaltung.) Der neue Etat der Preußischen Eisenbahnverwaltung sieht u. a. 600 neue Zugführer- und 2000 Schaffner­stellen vor, die zu sieben Achtel den Militäranwärtern vorbehalten sind. Militäranwärter, die sich als Aspiranten für den Zugbegleit- und Ladedienst melden, sollen bestimmt darauf rechnen können, sofort nach der sechsmonatigen Probedienstzeit etatsmäßig an­gestellt zu werden. Die Eisenbahndirektionen haben die Stellen bereits ausgeschrieben.

.-d- Hersfeld, 25. Febr. Nach bereits getroffener Bestimmung wird die Confirmation der Kinder der hiesigen evang. Kirchengemeinde in Jahre an den beiden Sonntagen Judica, 29. Palmarum, 5. April stattfinden. Es ge- "regen des spät fallenden Ostertermins T Am Sonntag Judica werden die 3- Pfarrbezirks (Sup. Feyerabend £»aCo ^?"""mann) ""ö am Palmsonntag die Un* 4 Piarrbezirks (Pfarrer Scheffer und ^leberknecht) und zwar icdesmal Knaben und Mädchen zusammen, konfirmiert werden.

-h- Hersfeld, 25. Februar. Man schreibt uns: Um der kolosialen Vermehrung der Spatzen entgegen zu treten, würde es sich empfehlen, daß jeder Haus­bewohner alle Nester, die er an seinen Gebäuden er­reichen kann, zerstörte, jedoch muß so lange gewartet werden, bis die Spatzen am Brüten sind. Dieses Mittel ist eher zu empfehlen wie das Schießen der Spatzen. Ein einfaches Herauswerfen der Eier wird schon genügen, doch muß es so oft wie erforderlich, wiederholt werden.

):( Hersfeld, 25. Februar. Unter dem Vorsitz des Kgl. Provinzialschulrats Herrn Kanzow aus Cassel fand heute am hiesigen Kgl. Gymnasium die Reifeprüfung statt. Derselben unterzogen sich 25 Oberprimaner, von denen folgende sechs auf Grund der guten schriftlichen Leistungen von der mündlichen i Prüfung befreit werden konnten: Bernhardt aus 1

Jmmichenhain, Lipphardt aus Leibholz, Oppermann aus Rotenburg, Rosenthal aus Berlin, Herrmann aus Altengronau und Ziegler aus Marburg.

-h- Niederaula, 24. Februar. Am vergangenen Sonnabend hielt der MännergesangvereinEintracht" hier einen Maskenball ab, welcher sich eines starken Besuches zu erfreuen hatte. Theater, Gesangs- und humoristische Vorträge wechselten in bunter Reihen­folge ab und hielten die Gesellschaft bis zum frühen Morgen beisammen.

-h- Niederaula, 24. Februar. Es war in diesem Jahre seit Menschengedenken das erste Mal, daß die Bewohner von Mengshausen bei Hochwasser trockenen Fußes nach Niederaula gelangen konnten. Diese Wohltat wird von der Bevölkerung auf das ange­nehmste empfunden und sehr geschätzt.

Fulda, 24. Febr. Reichstagsabgeordneter Rich. Müller-Fulda soll in Privatkreisen erklärt haben, er lasse sich für die nächste Reichstagswahl in keinem Falle wieder bestimmen, zu kandidieren; er könne auch in anderer Weise der Partei viel nützen.

Efchenstruth, 24. Februar. Ein erschütterndes Drama spielte sich gestern nachmittag in der Familie des Schneidermeisters D. ab. Der Mann war mit seiner Frau wegen ehelicher Differenzen in Zwistig- keiten geraten und griff dabei in der Erregung nach dem Revolver. Er feuerte mehrere Male auf die Frau, traf sie aber nicht. Als die Frau ohnmächtig zusammenbrach, glaubte D., daß er sie getötet habe. In der Verzweiflung richtete er die Waffe gegen sich selbst und jagte sich eine Kugel in die Schläfe. Er brach sofort tot zusammen k

Eisenach, 24. Februar. Wie berichtet, wurden im Stadtpark in Marksuhl die beiden Verkäuferinnen König und Seeber von hier erschossen aufgefunden, während der 17jährige Schlosserlehrling Linde, der mit den Mädchen im Automobil bis nach Marksuhl ge­fahren war, sich in Meiningen der Polizei stellte und erklärte, auf eine seiner Begleiterinnen geschossen zu haben. Wie nunmehr die Ermittelungen der Staats­anwaltschaft ergeben haben, haben beide Mädchen zu­nächst versucht, sich selbst zu erschießen. Linde hat die beiden auf ihr bitten vollends tot geschossen.

Cassel, 24. Februar. Ueber das Kaisermanöver 1914 erscheinen zurzeit Mitteilungen in den Blättern, die auf Erkundigungen an der für die großen Herbst­übungen maßgebenden militärischen Zentralstelle zurückgehen. Die Hauptmanövertage werden voraus­sichtlich zwischen den 14. und 18. September fallen. Gewisse Erwägungen weisen darauf hin, daß die beiden General-Inspekteure v. Bülow (Hannover) und Prinz Rupprecht von Bayern (München) die Führer sein werden, denen je ein Oberquartiermeister des Generalstabs der Armee als Chef des Stabes beige­geben wird. Verstärkte Arbeitstätigkeit der Zivil­behörden an den Wegen um den Vogelsberg herum weist auf die Wahrscheinlichkeit hin, daß in Oberhessen das Hauptschlachtfeld des 17. und 18. September zu suchen ist. Ob der Kaiser, wie unlängst gemeldet wurde, in Bad Homburg v. d. H. Quartier nimmt oder auf Schloß Romrod bei Alsfeld, das früher genannt wurde, ist wohl verfrühte Kombination. Immerhin geben diese beiden Orte einen weiteren Anhalt für das voraussichtliche Manövergelände nord­westlich des Rhöngebirges zwischen Fulda und Gießen.

Cassel, 25. Febr. An Stelle der üblichen Kommiß­brote werden jetzt in der hiesigen Garnison und in den übrigen Garnisonen des 11. .Armeekorps die sämtlichen Mannschaften auf etntge Wochen mit Kommißbroten versorgt, die gegenwärtig in kriegs- mäßiger Weise von den ca. Io0 A einer krregsmaßlgen Feldbäckerübung eingezogenen Reserve-Milrtarbackern beraestellt werden und zwar wahrend der Marfchbe- wegungen in den beweglichen und in Zelten unter­gebrachten Feldbäckereien. Die Brote und halb so groß als die gewöhnlichen, weshalb die Mannschaften jedesmal gleich zwei Brote erhalten. Durch drefe Uebungen soll festgestellt werden, ob die Feldbackereien im Ernstfalle fähig sind, das ganze Armeekorps mit Brot versorgen zu können. Die ständigen Garnifon- bäckereien liefern jetzt kein Brot.

Schweinsberg, 24. Februar. Bei der Verpachtung der Jagd in unserem Nachbarstäötchen Kirtorf wurde die ansehnliche Summe von 2300 Mark Jahrespacht erzielt, das bedeutet eine Steigerung von 1480 Mk. jährlich.

Hemfurth, 24. Febr. Im Edersee sind bisher etwa zwölf Millionen Kubikmeter Waffer gestaut. Ein Zweites für die Wasserbauverwaltung bestimmtes neues Motorboot ist auf dem See bereits vorhanden und wird in wenigen Tagen in Betrieb genommen werden Der Motorbootsverkehr auf dem Edersee wird voraussichtlich zum Pfingstfest eröffnet werden.

Eckartsberga, 24. Febr. Das Gewehr, mit dem kürzlich der Förster durch einen Wilderer erschossen wurde, ist jetzt als das eigene Gewehr des Ermordeten erkannt worden, das diesem vor etwa vier Jahren ge­stohlen worden war.

Stroit, 24. Februar.Ein Idyll im Schweinestall oder die Macht der Musik," so könnte man die Ge­schichte betiteln, die sich vor einigen Tagen hier ab­gespielt hat. Beim Landwirt B. hatte sich ein freudiges Ereignis" abgespielt, denn die Sau hatte 13 Ferkel geworfen. Das Tier schien jedoch über die zahlreiche Nachkommenschaft nicht erfreut zu sein, denn es weigerte sich beharrlich, die rosigen Sprößlinge an die Mutterbrust zu nehmen. Als alles gemütliche Zuredennichts half, sagte sich derBesitzer desSchwcines: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Mit Hilfe einiger Nachbarn wurde die Sau umgeworfen und gefesselt, damit die Ferkel ihre natürliche Nahrung erlangen konnten. Das ging aber nicht ohne Kampf ab, denn das Mutterschwein biß und strampelte wie toll und wandte sich wütend in den Fesseln. 9tun hatte einer der Teilnehmer an der Aktion zur Ver- scheuchung der Langeweile seine Ziehharmonika mit­gebracht und fing an zu spielen. Kaum erklangen die ersten Akkorde, als sich auch schon sichtbar die Er­regung des Tieres legte und es sich behaglich streckte. Auch als man es von seinen Fesseln befreite, nahm es die Jungen ohne Widerstreben an, sobald die melodischen Weisen der Ziehharmonika erklangen.

Homburg v. d. H., 24. Februar. Im Obertauuus- kreis sind bei der Wehrsteuererklärung nach den vor­läufigen Berechnungen sechs Millionen Mark Kapital­vermögen mehr deklariert worden, als bisher versteuert waren.

Abgeordnetenhaus.

Am Dienstag begann das Haus die Beratung des Bauetats. Die Abgg. Schmedding (Ztr.) und Hirsch- Essen (natl.) forderten Auskunft über die Wasser­straßenbauräte und die neuen Wasserstraßentarife. Minister von Breitenbach erwiderte, daß diese Tarife auf der Grundlage des Wasserstraßengesetzes geschaffen würden. Ueber die Höhe der Abgaben ließe sich aber noch nichts sagen. Es sei die Meinung der Regierung zunächst die Wirkung des ganzen geschaffenen Wasser- straßensystems abzuwarten, ehe sie an die endgültige Gestaltung der Tarife gehe. Abg. Dr. v. Woyna (freik.) erklärte, daß seine Freunde der Wetterführung des Mittellandkanals nicht ablehnend gegenüberständen, doch möchten sie erst die vorhandenen Wasserstraßen voll ausgenutzt sehen. Eine wichtige Aufgabe des Staates sei es, die Wasserkraft zur elektrischen Ver­sorgung des Landes auszurrützen, ehe die Privatge­sellschaften ihm zuvorkämen. Abg. Lippmann (fortsch.) sprach die Befürchtung aus, daß die neuen Tarife zu hoch sein würden. Die Großinteressenten sähen der Eröffnung neuer Kanäle deshalb mit Sorge entgegen. Der Minister wies darauf hin, daß für die Bemessung der Befahrungsgebühren der Kanäle die Höhe der Eisenbahntarife entscheidend sein müsse. Nach ange­messenem Zeitraume würde die Regierung in eine Nachprüfung der Tarife eintreten. Ein besonderer Vorzug des Großschiffahrtsweges BerlinStettin sei der sich immer gleich bleibende Wasserstand. Die Ver­bindung der masurischen Seen mit der Weichsel sei ein hochbedeutendes Projekt, ob die veranschlagten 90 Millionen ausreichen würden, das müßte erst nach- geprüst werden. Abg.Frhr. v. Maltzahn (kons.) wünschte, daß im Interesse des Mittelstandes besonders kleine Firmen zu den Jnstallationsanlagen bei Ueberland- zentralen zugelaffen würden. Eine Tarifherabsetzung der Kanäle könne erst in Frage gezogen werden, wenn die wirtschaftlichen Erträgnisse dies gestatteten. Schiffahrtsabgaben seien unerläßlich, um die natürlichen Wasserwege schiffbar zu erhalten. Abg. Schreiner (Ztr.) trat für eine Regulierung der Mosel und Saar ein. Abg. Dr. Röchling (natl.) erhoffte von der Regierung einen beschleunigten Ausbau der Wasserstraßen und die Mosel-Saar-Kanalisierung. Minister v. Breiten­bach erklärte, daß eine Mosel-Saar-Kanalisierung diese beiden Flüsse doch nicht rentabel machen könnten, auch seien die Kosten höher als der Anschlag. Den wirtschaftlichen Bedürfnissen dieses Gebietes solle der Bau einer neuen, zweigleisigen Bahn gerecht werden. Den Interessen des Rheinlands komme die geplante Tarifermäßigung in bedeutendem Maße entgegen. Die Abgg. Dr. Glattselter (Ztr.), Dr. Herwig (natl.), Freiherr v. Steinaecker (Ztr.) traten erneut für die Kanalisierung von Saar und Mosel ein. Das Haus vertagte sich auf Donnerstag, 10 Uhr. Fortsetzung. Schluß V15 Uhr.

Wetterausfichten für Donnerstag den 26. Februar.

Wolkig, zeitweise heiter, trocken, kälter, ließen« weise Nachtfrost, östliche Winde.