hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld HerzWer Armblatt
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschluh Nr. 8
Nr. 4V. Mittwoch, den 35. Februar 1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat«
§ Hersfeld, 24. Februar. (Ein exotischer G a st). Ein Jndier, Herr Suphia Caderawail aus Colombo, welcher zur Zt. auf einer Europareise als Angestellter der bekannten Importfirma Kathreiners Nachfolger Hessen-Nassau bereist, verabreicht Proben des bekannten Marco Po lo Tees, welcher nach dem Urteil von Teetrinkern einen ausgezeichneten Geschmack haben soll. Der Teeausschank erfolgt am kommenden Mittwoch und Donnerstag in den Geschäftsräumen der Firma G. W. Schi mmelpseng gratis und es besteht keinerlei Kaufzwang. Wir machen alle Interessenten auf diesen vorzüglichen Tee aufmerksam. Man lasse sich auch von Herrn Caderawail zeigen, wie ein guter Tee zubereitet werden muß, denn die Zubereitung spielt bei diesem Artikel eine Hauptrolle.
* Die Gartenbesitzer seien darauf aufmerksam gemacht, daß das Beschneiden lebenderHecken mit Rücksicht auf das Nistgeschäft unserer einheimischen Vögel in der Zeit vom 1. März bis 31. Juli verboten ist. Ebenso ist während dieser Zeit das Abbrennen von Hecken und Sträuchern untersagt. Während der übrigen Zeit darf letzteres nur mit Genehmigung der Ortspolizeibehörde geschehen.
- f- Hersfeld, 24. Februar. Der Hersselder Landwirtschaftliche Kreisverein veran- staltet in Gemeinschaft mit der Landwirtschaftskammer in Cassel in den Tagen vom 8.-5. Juli d. Js. in Hersfeld eine dreitägige Bezirks -Ausstellung. Die Tierausstellung erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schweine, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Geflügel und Bienen. Außer Tieren können auch Erzeugnisse der Tierzucht, des Acker-, Garten- und Obstbaues sowie landwirtschaftliche Maschinen und Geräte ausgestellt werden. Zur Beteiligung an der Tierausstellung sind Viehbesitzer berechtigt, welche im Reg. Bez. Cassel Grundbesitz bewirtschaften oder Mitglied einer Zuchtgenossenschaft sind. Die auszustellenden Tiere müssen aber der von der Landwirtschaftskammer für die einzelnen Kreise festgesetzten Zuchtrichtung entsprechen. — Die Landwirte des Kreises Hersfeld können demnach ausstellen in Gruppe 1: Pferde, die dem Typus der rheinischen Belgier resp, dem der Originalbelgier entsprechen. Gruppe 2: Rindvieh mit Simmenthaler Charakter. Gruppe 3: Schweine, die der Rasse des weißen Edelschweines oder der des veredelten Landschweines angehören. Gruppe 4: weiße oder bunte hornlose Ziegen. Gruppe 5: schwarzköpfige oder fuchsköpsige Rhönschafe. Gruppe 6: Geflügel, das einer von der Landwirtschaftskammer anerkannten Rasse angehört! Für die Ausstellung von Kaninchen sind die Bestimmungen des Verbandes der Kaninchenzüchter für den Reg. Bez. Cassel maßgebend. Prämiert werden nur Pferde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen, die vom Aussteller selbst gezogen sind oder sich mindestens ein halbes Jahr im Besitze desselben befinden. Die Anmeldung der auszustellenden Tiere hat unter Benutzung der von der Landwirtschaftskammer vorgeschriebenen Formulare schriftlich und mit Angabe der Abstammung bis zum 1. April d. Js. an die Landwirtschaftskammer in Cassel, Weißenburgstraße 12, zu erfolgen. Um den Landwirten des Kreises Hersfeld die Anmeldung zu erleichtern, wird der Vorstand des landwirtschaftlichen Kreisvereins Anmeldeformulare von der Landwirtschaftskammer be-
"lese an die Interessenten abgeben, die aus- gesullten Formulare wieder in Empsang nehmen und sie gemeinsam der Landwirtschaftskammer über- senden. — Auf Wunsch ist der Direktor der land- wrrtschaftlichen Schule, Herr Fürst, bei Ausfüllung der Formulare gerne behilflich. Den Ausstellern soll auch eine Beihilfe zu den Ausstellungsunkosten gewahrt werden. — In der morgen, Mittwoch den 25. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, im Hotel Stern statt- findenden Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins ist den Landwirten Gelegenheit geboten, sich eingehend über die Organisation und Bedeutung der Bezirks-Ausstellung zu unterrichten. Der Besuch dieser Versammlung ist daher angelegentlichst zu empfehlen.
- e- Hersfeld, 23. Febr. In den festlich dekorierten Räumen des Gasthofes „zum Stern" feierte am vorigen Sonntag Abend die hiesige Metzgerinnung, welche dem Bezirksverein „Beide Hessen und Nassau" im Deutschen Fleischerverband als Mitglied angehört, das Fest ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Dasselbe wurde eingeleitet durch ein Essen abends 6 Uhr, an dem ca. 100 Personen und zwar die Jnnungsmitglieder mit ihren Damen sowie
eine Anzahl geladener Gäste teilnahmen. Während desselben stellte die Ottersche Kapelle die Tischmusik und leistete vorzügliches. Der Jnnungsobermeister Herr Ernst Herda hieß zunächst die erschienenen Gäste, worunter als Vertreter des Deutschen Fleischerverbands Herr Obermeister Schwarz-Fulda, ferner Vertreter des hiesigen Gewerbevereins, der Schuhmacher- und Schneiderinnung, herzlichst willkommen, dankte ihnen für ihr zahlreiches Erscheinen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die silberne Jubiläumsfeier einen schönen Verlauf nehmen möge und ersuchte die Jnnungsmitglieder alles aufzubieten, damit den Gästen das Fest in schöner Erinnerung verbleiben möge. Namens des Deutschen Fleischerverbands beglückwünschte Herrn Obermeister Schwarz aus Fulda die Fleischerinnung und betonte, daß er seiner Freude nicht genug Ausdruck geben könne über die schöne Harmonie, welche die Innung beseele. Als Erinnerungszeichen überreichte erderJubilarin einen silbernen Pokal mit dem Wunsche, daß er dazu beitragen möge, die Mitglieder noch enger zusammen zu führen. Im Namen der hiesigen Schneiderinnung überbrachte Herr Obermeister Conrad Vogel deren Glückwünsche. Herr Obermeister Conrad Wolfs beglückwünschte das Jubiläumskind namens der Schuhmacherinnung. Im Auftrage des hiesigen Gewerbevereins übermittelte dessen Vorsitzender Herr Jerome Schüßler die Grüße und drückte in warmen schönen Worten dessen Glückwünsche aus. Hierauf ergriff Herr Schlachthofverwalter Tierarzt Friedrich das Wort, dankte im Namen der übrigen Gäste für die Einladung und sprach den Wunsch aus, daß das zwischen der Innung und ihm schon lange Jahre bestandene schöne Verhältnis noch viele Jahre weiter bestehen möge. Auch Herr Stadtrevisor Möller, als erster Schriftführer der Metzgerinnung, welcher sich ma das Zustandekommen derselben sehr verdient gemacht hatte, gratulierte ihr zu dem heutigen Silbertage in herzlichen Worten. Eine nicht geringe Freude wurde der Innung durch die Verleihung einer prächtigen Fahnenschleife durch den Vorsitzenden des Metzger-Gesellen- Vereins „Brüderschaft", Herrn H a p p e l zu teil, unter dem Gelöbnis, daß dessen Mitglieder auch fernerhin treu zur Fahne halten werden. Herr Obermeister Herda dankte allen für die großen Ehrungen und machte dem anwesenden ersten Obermeister und Mitbegründer der Innung Herrn Rentner H. H. W o l f f, welcher das große Opfer gebracht habe und erschienen sei, die Mitteilung, daß ihn die Innung aus -Anlaß seiner Verdienste um dieselbe, in der letzten Versammlung einstimmig zum Ehrenober- meister ernannt habe und händigte ihm Namens der Innung die von Herrn Fr. D e m m e künstlerisch hergestellte Urkunde hierüber aus. Hierauf ergriff der stellvertretende Obermeister Herr Conrad Sander das Wort und gab bekannt, daß ihm von der Innung der ehrenwerte Auftrag geworden sei, dem Herrn Obermeister Ernst Herda in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Innung zu danken und überreichte ihm als ein kleines Erinnerungszeichen einen silbernen Pokal mit entsprechender Widmung. Unter anderem erwähnte auch Herr Sander, daß Herr Herda Mitbegründer der Innung und in den fünfundzwanzig Jahren keiner Versammlung fern geblieben sei, was einzig im Jnnungsleben dastehen dürste. Tief gerührt nahm Herr Obermeister Herda das Ehrengeschenk entgegen und erwähnte, daß er eine solche Ehrung nicht verdient habe. Gegen 8 Uhr war das Festessen, welches - wie auch der Wein - allen Teilnehmern aufs vorzüglich,te gemundet hat und somit Herrn Hoflieferant Reinh. Kniese und Frau Gemahlin alle Ehre machte zu Ende und füllte sich der Saal mit den übrigen eingeladenen Gästen. Dre Bühne war geschmückt mit der alten Zunftfahne forme mit der neuen Jnnungsfahne, welche mit dem Spruch: „Vereinter Kraft gar oft gelingt, was einer nicht zu Stande bringt," geziert ist. Die eigentliche offizielle Feier wurde mit einem kleinen Prolog eröffnet, welchen die Tochter des stellvertretenden Obermeisters Herrn Conrad Sander, Fräulein Lotti Sander sehr ausdrucksvoll zu Gehör brächte. Derselbe - verfaßt vom Ehrenmitglied Herrn H. H. R e h n — hatte folgenden Wortlaut: Vereinter Kraft gar oft gelingt, was einer nicht zu Stande bringt. Der Spruch sagt jedem von uns klar, wie nötig hier die Eintracht war! Denn in dem Kampf um's liebe Brot, hat jeder seine eigne Not! Es ward geraten hm und her, wie uns wohl hier zu helfen wär, bis zeigte sich die Retterhand und unsre Innung kam zu Stand! Zuerst war mancher wohl dagegen, auch Neid und Mißgunst tat sich regen, doch schließlich wurde sich befchieden und einigt alles sich in Frieden und heute feiert alt und juna öiesilberneVerbruderung! Und brächte sie uns bessere Zeiten, daß andere Zünfte uns beneiden, ist nur erfolgt, weil für den F r i e d e n ein jeder von uns strebt hinieden! So kann mit vollem Gottvertrauen, die Innung in die Zukunft schauen! Vereinte Kraft vermag gar viel, zur Arbeit
und zum frohen Spiel! Hierauf entbot Herr Obermeister Herda den weiter erschienenen Gästen einen herzlichen Willkommengruß, an welchen sich die eigentliche Festrede, welche wohl durchdacht und der Gründung und den Werdegang der Innung geweiht war, auschloß. Miteinemdreifachen bcgeistertaufgenommcnen Hoch auf den Schirmherrn des Handwerks Se. Majestät den Kaiser endigten des Redners schöne Worte. — Unterdessen hatte sich der Vertreter der Genossenschaft für Häute- und Fellverwertung in Cassel, Herr Grische eingefunden, um die Glückwünsche derselben zu überbringen und ein sinniges Geschenk zu überreichen. — Nunmehr wechselten Theater- und Coupletvorträge miteinander ab.— Alle Aufführungen waren gut einstudiert und ernteten reichen Beifall. Erst gegen Mitternacht konnte dem Tanze, der sich bis früh morgens ausdehnte, gehuldigt werden. Die Metzgerinnung, welcher es vergönnt sein möge, in 25 Jahren das goldene Jubiläum zu feiern, kann auf eine schöne fünfundzwanzigjährige Feier mit Stolz zurückblicken.
-ck Widdershausen a. d. W., 23. Febr. Als vor einigen Jahren der Anschluß unserer Gemeinde an die Elektrizität-Zentrale beschlossen wurde, teilte der damalige Bürgermeister Sch. mit, die beauftragte Firma, die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, habe laut Versprechen eines die Firma vertretenden Ingenieurs sich erboten, die Lichtanlage in der Kirche kostenlos auszuführen. Nunmehr beträgt aber die Forderung der A.-E.-G. für diese Arbeit 650 Mk. Darob natürlich innerhalb hiesiger Kirchengemeinde große Entrüstung. Der frühere Bürgermeister behauptet auch heute «och, daß von der Firma das betr. Versprechen gemacht worden sei, während der betr. Ingenieur erklärt, n i e solche Versprechungen weder gejungt g,. haben noch überhaupt machen zu können. Da nun die Kirchengemeinde vorläufig sich sträubt, auf die Aussagen des früheren Bürgermeisters hin die Summe zu zahlen, darf man auf den weiteren Verlauf des Streites gespannt sein.
-ck- Süß (Kreis Rotenburg), 23. Februar. (Einbrecher an der Arbeit.) Heute nacht, als ein großer Teil unserer Bewohner einer Theaterauf- führung mit Tanz beiwohnte, wurde bei dem Fleischermeister und Gastwirt K., dessen Angehörigen sich ebenfalls auf dem Vergnügen befanden, e i n g e - b rochen. Der Einbrecher (oder vielleicht auch mehrere) zertrümmerte ein Fenster und stieg in die Gasträume ein. Hier sielen ihm ca. 500 Mk, in bar in die Hände. Als der Gastwirt K., dessen Schlafzimmer in der ersten Etage liegt, ein verdächtiges Geräusch vernahm, ging er hinunter in die Gaststube. In demselben Moment aber, indem er das Zimmer betrat, verschwand der Dieb durch ein hinten befindliches Fenster. Bei seiner Flucht verlor der Einbrecher den Deckel einer beim Einbruch benutzten Taschenlampe, der ihm hoffentlich zum Verräter werden wird. Heute soll ein Polizeihund an Ort und Stelle gebracht werden, um die Spuren des Einbrechers zu verfolgen. Man nimmt allgemein an, daß der Täter völlig mit den Oertlichkeiten vertraut war und auch sicherlich wußte, daß Geld in dem betr. Zimmer aufbewahrt wurde. Als der Einbruchsdiebstahl bekannt wurde, entstand in unserer Gemeinde begreiflicherweise eine nicht geringe Aufregung. Da vor Jahresfrist ein ähnlicher Einbruchsdiebstahl in unserem Orte begangen wurde, glaubt man, es mit ein und demselben Täter zu tun zu haben. Hoffentlich gelingt es diesmal, desselben habhaft zu werden.
Jesberg. 23. Febr. Heute nachmittag ließ sich an dem Bahnübergang der Straße Cassel-Zimmersrode ein unbekannter junger Mensch, der bessere Kleidung trug, von dem 4 Uhr 59 Min. hier abfahrenden Per- sonenzug nach Zimmersrvde überfahren. Der Unbekannte war sofort tot. Eine Kommission des Amtsgerichts hat sich bereits an Ort und Stelle begeben.
Arheiligen, 21. Februar. Hier ist heute früh das 8jährige Mädchen des Fabrikarbeiters Max Feldbauer infolge der Explosion eines Küchenlämpchens, das es ausblasen wollte, schwer verunglückt, und an den Brandwunden im Städt. Krankenhause in Darmstadt nach kurzer Zeit gestorben.
Weimar, 23. Februar. Unweit der Straße am Webicht bei Süßenborn wurde heute früh durch eine vorübergehende weibliche Person die Leiche eines Mannes aufgefunden, der durch schwere Schädelverletzungen und Stiche in den Hals ermordet worden war. Staatsanwalt und Polizei haben sich mit Polizeihunden an den Tatort begeben. Die Persönlichkeiten des Täters und des Ermordeten sind noch völlig unbekannt.
Wetterausfichten für Mittwoch den 25. Februar.
Ziemlich heiter, meist trocken, nachts kalter, schwache südwestliche Winde.