Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^A^_ für den Kreis Hersfeld Melier WW Sreisilitt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 44.
Sonnabend, den 21. Februar
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
us der Heimat«
* Die preußischeBeamtenbesoldungs- Novelle, die dem Abgeordnetenhaus soeben zugegangen ist, sieht u. a. vor: 1. für Bahnwärter, Polizeidiener usw. 1200 bis 1400 Mark noch 18 Dienstjahren, bisher 1100 bis 1300; 2. Eisenbahnschaffner, Brückenwärter, Stationsschaffner 1200 bis 1600 in 18 Dienstjahren, bisher 1100 bis 1500; 3. Amtsdiener bei Ministerien und Seminaren, Eisenbahngehilfinnen, Schleusenmeister 1200 bis 1700 in 21 Dienstjahren, bisher 1100 bis 1600; 4. Gerichtsdiener, Kreisboten, Kanzleidiener, Lokomotivheizer 1300 bis 1800 Mk. in 21 Jahren, bisher 1200 bis 1700; 5. Katasterassistenten, Zollassistenten, Zolleinnehmer, Betriebssekretäre, Eisenbahnschaffner, Gerichtsschreibergehilfen, Gerichtsvollzieher, Gerichtsassistenten, Eisenbahnassistenten, in 21 Dienstjahren 1800 bis 3600, bisher 1650 bis 3300; nach 18 Dienstjahren sollen das gleiche End- gehalt erhalten: Zolleinnehmer 1. Klasse, Eichmeister, Meliorationsbausekretäre, Fahrsteiger, mittlere Werksbeamte: die vollbeschäftigten Waldwärter sollen erhalten 1200 bis 1400 Mark, bisher 1100 bis 1300 Mk.
* (Unterschriften bei dem gewerblichen L e h r v e r t r a g.) Daß bei dem Abschluß von Lehr- verträgen äußerste Sorgfalt erforderlich ist, ergab sich in einem Prozeß, den ein Fabrikant vor dem Gewerbegericht gegen einen Lehrling wegen Kontraktbruches auf Zahlung einer Entschädigung von 12 Mk. wöchentlich für die Zeit vom 27. November 1913 bis 31. März 1914 führte. Der Beklagte machte geltend, daß der Lehrvertrag nicht den Bestimmungen der Gewerbeordnung entspreche, da er wohl von dem Lehr- Herrn und dem Vater, nicht aber von dem Lehrling unterzeichnet worden sei. Die erhobene Klage des Lehrherrn wurde aus diesem Grunde abgewiesen.
§ Hersfeld, 20. Februar. (Von der Mitteldeutschen Privat-Bank.) In der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrats der Mitteldeutschen Privat- Bank, Aktiengesellschaft in Magdeburg wurde der Abschluß für das Jahr 1913 vorgelegt. Das Brutto- erträgnis beziffert sich bei einem Aktienkapital von Mk. 60 000 000.— auf Mk. 10 011948.35 gegen Mk. 9 742197.21 im Vorjahre. Der auf den 25. März d. Js. einzuberufenden Generalversammlung sollen 70/0 Dividende wie in den letzten 7 Jahren vorgeschlagen werden.
):( Hersfeld, 20. Februar. In dem heutigen amtlichen Anzeiger werden die Termine zur Vergebung der LandwegeunterhaltungsMaterialien für das Etatsjahr 1914 bekannt gemacht, worauf wir besonders Hinweisen möchten. In Hersfelö findet der Termin am nächsten Mittwoch den 25. Februar in der Stiftsschenke statt.
):( Hersfeld, 20. Februar. Am gestrigen Abend hielt die Hersfelder Schützengesellschaft im Lokal der Brauerei F. L. Steinweg die diesjährige Hauptversammlung ab. Dieselbe wurde durch den stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Reinhard Kniese eröffnet und geleitet. Nachdem derselbe des verstorbenen Schützenbruders Hermann Reuß gedacht und die Anwesenden dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt hatten, verlas Herr Kniese den Bericht des Vorsitzenden über das verflossene Vereinsjahr. Der Bericht gab ein übersichtliches Bild von allen Ereignissen des verflossenen Jahres. Mit L - reffe vernahm dann die Versammlung den Bericht des Kassierers Herrn Schneider, nach welchem die Fmanzen sich in erfreulichster Entwicklung befinden. Es konnte infolgedessen die Auslosung von vier An- terlscheinen, dre zum Schießhausbau gezeichnet sind, vorgenommen werden. Nachdem dann die Vorstandswahl, die außer der Wiederwahl der alten noch die Neuwahl des Herrn Carl Köhler ergab, erledigt war, entspann sich noch eine recht lebthafte Aussprache über einige Schießangelegenheiten, so daß die Versammlung erst nach 12 Uhr geschlossen werden konnte.
):( Hersfeld^M. Febr. Heute nachmittag 2.50 Uhr passierte Se. Majestät der Kaiser mittelst Sonüerzuges auf der Rückfahrt von Karlsruhe die hiesige Station.
Vacha, 20. Februar. Aus Anlaß seines 50jährigen Bestehens hat der Gewerbe-Verein Vacha eine Gewerbe-Industrie- und Landwirtschafts-Ausstellung (18. bis 28. Juli d. Js.) in Aussicht genommen, an welcher sich das gesamte Eisenacher Oberland beteiligen wird. Die Ausstellung soll ein Bild geben von der Entwickelung und der Leistungsfähigkeit des Gewerbe- und Handwerkerstandes in einem Teile der auch heute noch so oft verkannten Rhön. Die Ausstellung findet in allen Kreisen des Bezirkes lebhaftes Interesse und
wohlwollende Förderung: die Anmeldungen zur Beteiligung laufen zahlreich ein, so daß wohl schon jetzt festgestellt werden kann, daß kein wesentlicher Handwerkszweig in dem Gesamtbilde fehlen wird. Auch die im Werratale und in der Rhön seit Jahren heimische Kaliindustrie wird sich in weitgehendster Weise an der Ausstellung beteiligen. Durch dankenswerte Zuschüsse der Großherzogl. Staatsregierung, der Handwerkskammer und Handelskammer im Großh. Sachsen, der Stadt Vacha, der Kaligewerkschaften pp. dürfte die finanzielle Grundlage gesichert sein. Der Verband Thüringer Gewerbevereine hat sein Interesse für die Ausstellung dadurch bekundet, daß er seine Jahresversammlung an den Tagen der Ausstellung in Vacha abhalten wird. Auch andere gewerbliche Korporationen, Innungen und Handwerker-Vereinigungen haben den Besuch der Ausstellung bestimmt in Aussicht gestellt. Bei der außerordentlich günstigen Lage Vachas im Eisenbahnverkehr dürfte es auch an sonstigen Besuchern der Ausstellung nicht fehlen. Die Ausstellungsleitung ist unermüdlich tätig, bei den Vorbereitungen nichts zu versäumen, was zum Gelingen der Ausstellung beitragen könnte. Möchte daher der Ruf für alle Handwerker- und Gewerbetreibenden in Thüringen und Hessen zum Besuche der Ausstellung nicht ungehört verhallen, sondern für die Julitage nur die Losung gelten: Auf nach Vacha!
Eschrvege, 18. Februar. Gestern abend gerieten in einer Straße der Neustadt zwei schulpflichtige Jungen miteinander in Streit, in dessen Verlauf der Aeltere dem Jüngeren mehrere Messerstiche am Kopfe beibrachte. Der verletzte Knabe wurde dem hiesigen Landkrankenhaus zugeführt.
Schmalkalden, 19. Februar. Beim unvorsichtigen Hantieren mit einem Revolver, den er reinigen wollte, hat sich der Gastwirt Koch von hier erschossen. Plötzlich ging ein Schuß los und die Kugel traf den Mann ins Herz, soöaß er sofort eine Leiche war.
Heiligenstadt, 18. Februar. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer gestern abend abgehaltenen Sitzung u. a. die Herabsetzung der Zählermiete für die Elektrizitätszähler, was einen Einnahmeausfall von über 2000 Mark jährlich für das Elektrizitätswerk bedeutet. Ferner stimmten sie der Erhöhung der Gehälter der städtischen Beamten zu.
Volkmarshausen, 18. Februar. Der Zustand der schwer verletzten Opfer des wahnsinnigen Schlossers Franke ist noch immer bedenklich, die Meldung, daß das jüngste, 5 Monate alte Kind bereits gestorben sei, ist jedoch nicht zutreffend. Es soll jedoch bei diesem keine Hoffnung bestehen, es am Leben zu erhalten. Wie von ärztlicher Seite vermutet wird, hat Fr. das kleinste Kind nicht mit dem Beil geschlagen, sondern es an den Beinen ergriffen und gegen den Herd geschleudert. Frankes Verhalten wechselt zwischen ganz vernünftigen Reden, mit denen er seine Lebensgeschichte erzählt, und wirren Redensarten. Er meinte dann, der liebe Gott hätte alles so haben wollen: der Teufel habe ihn doch nicht besiegt. Der Kranke bildet sich ein, daß seine ganze Familie tot ist.
Erfurt, 18. Februar. Auf dem Bahnkörper der Strecke Erfurt-Nordhausen wurde in vergangener Nacht in der Nähe des Johannisplatzes die verstümmelte Leiche eines Mädchens gefunden, das sich von einem Eisenbahnzuge hatte überfahren lassen. Die polizeilichen Nachforschungen ergaben, daß die Tote mit der 16 Jahre alten Arberterin Hedwrg Wrümg in Erfurt-Nord identisch ist, die sich vor einigen Tagen nach einem Streit mit den Eltern aus deren Wohnung entfernt hatte.
Abgeordnetenhaus.
Das Preußische Abgeordnetenhaus versagte in der Sitzung vom Donnerstag zunächst dem Anträge dre Genehmigung auf Fortsetzung eines Privatbelerdrg- ungsverfahrens gegen den Abg. Dr. Cruger-Hagen (fortschr.) Der Gesetzentwurf über die Erweiterung des Stadtkreises Danzig wurde in zweiter und dritter Beratung angenommen. Das Haus setzte dann die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern bei dem Antrag Freiherr Schenk zu Schweinsberg: Bekämpfung der Unsittlichkeit in den Großstädten fort. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bezeichnete die Polizei als untauglich im Kampfe gegen die Unsittlrchkert das hätten die verschiedenen Prozesse gezeigt. Besonders griff er den Berliner Polizeipräsidenten an, der der Führer einer Kronprinzenkamarilla sei. Diesen Ausdruck rügte Präsident Graf Schwerin als ungehörig. Abg. Caffel (fortschr.) begründete einen Antrag Aronsohn, daß die Vereinigung Berliner Schutzleute wie allen zulässigen Beamtenvereinigungen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden dürfen. Minister von Dallwitz erwiderte, daß die
Auflösung der Berliner Schntzmannsvereinigung gesetzlich berechtigt und im Interesse des Dienstes notwendig war. Herr von Jagow sei ein durchaus befähigter Beamter, der sich glänzend bewährt habe. Die Angriffe des Abg. Liebknecht fänden erfreulicherweise das Maß von Nichtachtung, das sie verdienen. (Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Der Antrag Schenk zu Schweinsberg wurde angenommen, der Antrag Aronsohn abgelehut. Abg. Graef (kous.) befürwortete den Beschluß der Budgetkommission, die Einrichtung einer Druckerei bei dem Polizeipräsidium in Berlin nicht zu bewilligen, sie könne weder billiger noch schneller arbeiten als private Unternehmen. Im gleichen, ablehnenden Sinne sprachen sich die Abgg. Wenkebach (fortschr.), Baemeister (natl.) aus. Nach weiterer unwesentlicher Debatte nahm das Hans den Kommissionsbeschluß au. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) versuchte, obgleich die Besprechung über die Polizeiverhältnisse Berlins geschlossen war, erneut darauf einzugehen. Vizepräsident Dr. v. Kranse rief ihn schließlich zweimal zur Sache. Abg. v. Hennings- Techlin (kous.) begründete einen Antrag auf Regelung der Frage der Stadtrezesse der neuvorpommerschen Städte, dem Abg. Lippmann (fortschr.) zustimmte. Ein Regiernngskommissar erkannte die Reformbedürftigkeit an und stellte einen Gesetzentwurf in Aussicht. Abg. Hue (Soz.) beschäftigte sich mit dem Kölner Polizeiprozeß und begründete einen Antrag Braun auf Untersuchung, ob bei anderen Polizeibehörden ähnliche Mißstände bestehen. Ministerialdirektor Freund wies die Angriffe des Vorredners zurück und erklärte, man dürfe eine Verwaltung nicht nach einzelnen Füllen beurteilen, sondern danach, wie sie darauf reagiere. Abg. Dr. Wagner (freik.) gab der Meinung Ausdruck, daß der sozialdemokratische Antrag überflüssig sei, die Regierung würde von selbst mit eisernem Besen Auskehr halten, wenn es nötig sei. Ministerialdirektor Freund hielt eine Anstellung der Polizeibeamten durch eine Zentralstelle für untunlich. Abg. Heins (Wirtsch. Vgg.) forderte im besonderen ein Verbot der Einwanderung der russischen Juden. — Das Haus vertagte sich auf Freitag: Fortsetzung. — Schluß 5 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag führte am Donnerstag die Beratung des Justizetats zu Ende. Zur Erörterung stand lediglich der Fall der Witwe Hamm in Flandersbach, die der Beihilfe zur Ermordung ihres Gatten angeklagt und zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Abg. Dittmann (Soz.) schilderte den Fall und das Eingreifen des Kriminalkommissärs v. Tresckow 2. Abg. Dr. Pfeiffer (Ztr.) verlangte Abhilfe gegen das Treiben dieses Kommissars, der in Berlin die Fabrikation von Ehebrüchen betreibe und hoffte, daß das Wiederaufnahmeverfahren durchgesetzt werde. Dem schloß sich Abg. Dr. Heckscher (fortschr.) au, während Abg. Schultz iRp.) namens der Rechten Verwahrung gegen diesen Eingriff des Reichstages in ein schwebendes Verfahren einlegte. Damit endete die Aussprache und das Gehalt des Staatssekretärs wurde bewilligt. Eine Resolution Bassermann (nlJ auf Beschleunigung der Rechtspflege wurde abgelehnt, von einer weiteren Resolution, die eine besondere Novellengesetzgebung verlangte, die Teile angenommen, die eine Regelung der Behandlung der Geisteskranken, der religiösen Erziehung der Mischehenkinder sowie die Zulassung der Volksschullehrer zum Schöffeuamt fordern. Darauf bewilligte das Haus den vom Haushaltsausschusse abgelehnten sechsten Reichsanwalt, sowie auch den Rest des Etats und begann sodann die allgemeine Aussprache über den Marienetat. Abg. Noske (Soz.) bedauerte, daß die Frage der Rüstungsbeschränkung bisher immer mit schönen Worten abgetan wurde, und führte die Unfälle in der Marine auf die eingeführte militärische Schneidigkeit zurück. Staatssekretär v. Tirpitz betonte, daß der Marinedienst für den Offizier, der öurchhalten müsse, härter sei als für den Mann. Die Luftschiffunfälle seien durch unglückliche Zufälle hervorgerufen worden: die Kommandanten seien vorsichtig zu Werke gegangen. Den Hinterbliebenen werden die höchsten Kriegspensionen ausbezahlt. Der Kruppprozeß habe Belastendes für Angehörige der Marine nicht ergeben. Wenn russische Aufträge von deutschen Werken ausgeführt würden, so sei das im Interesse der deutschen Industrie zu begrüßen. Das Gefühl der Reichszusammengehörigkeit in der Marine zu stärken, werde auch in Zukunft alles getan werden. (Beifall.) Abg. Erzberger (Ztr.t führte aus, daß es eine Verständigung mit England um den Preis der deutschen Seewehr nicht geben könne. Das wäre die Bankerotterklärung öerdeutschen 17jährigen Flottenpolitik. — Freitag Fortsetzung.
Wetteranssichten für Sonnabend den 2L Februar.
Wechselnde Bewölkung, zeitweise Regenfälle, mno, westliche Winde. * • _