8«r Äufwandsentschä-igung an soldatenreiche Familien.
Der Reichstag hatte im vorigen Jahre bei 5er Beratung 6er Wehrvorlage einen Beschluß gefaßt, nach dem soldatenreichen Familien eine jährliche Entschädigung von ‘240 Mark für den Fall gewährt werden soll, daß drei Söhne bereits ihrer gesetzlichen Dienstpflicht genügt haben. Zu diesem Zwecke wurden in den Reichshaushaltsetat 480 000 Mark eingesetzt. Man ging bei der Bemessung dieser Summe von der Voraussetzung aus, daß man mit etwa 2000 derartigen Fällen pro Jahr zu rechnen habe. Nun hat sich in der Zwischenzeit durch die Ermittelungen ergeben, daß ungefähr 30 000 Familien vorhanden sind, die einen solchen Anspruch erheben können. Man sah sich daher genötigt, die genannte Etatsposition auf 7% Millionen Mark zu erhöhen.
Etatsüberschreitungen werden meist mit gemischten Gefühlen begrüßt, nur eben unter dem Zwange der Billigkeit wird man ihnen zustimmen. Es dürfte im vorliegenden Falle zum ersten Male vorkommen, daß eine erhebliche Höherdotierung im Etat bet allen Beteiligten (Regierung, Reichstag, Volk) dasselbe Gefühl der Genugtuung auslöst. Ist dieses Ergebnis doch ein Beweis, welche Fülle gesunder Volkskraft in unserem Volke vorhanden ist. Zugleich gibt uns diese Feststellung eine gewisse Beruhigung- denn ein Volk mit solchen sittlichen Anschauungen, mit solch einem Ueberflutz an Kraft wird weder von den inneren Feinden, noch von den äußeren Widersachern eine ernste Gefahr zu befürchten haben. Hoffentlich ist dieser Zustand ein bleibender. Hoffentlich muß dieser Etatstitel in Zukunft immer wieder erhöht werden- darin würde die beste Gewähr für die Zukunft unseres deutschen Volkes liegen.
Das in Rede stehende Gesetz hat ferner noch eine Verbesserung erfahren, daß man die Auszahlung nicht von der Zahl der ihrer Dienstpflicht genügenden Söhne abhängig macht, was bei -er verschieden langen Dienstzeit der einzelnen Waffengattungen für manche Familien gewisse Ungleichmützigkeiten und Härten im Gefolge hätte, sondern von der Zahl der geleisteten Dienstjahre. Es wird also die Aufwandsentschädigung an solche Familien gezahlt, deren Söhne im Reichsheer oder in der Marine als Unteroffiziere oder Gemeine eine Gesamt- dienstzeit von 6 Jahren geleistet haben, und zwar 240 Mark pro Jahr für jedes weitere Dienstjahr eines seiner Dienstpflicht genügenden Sohnes.
Das Gesetz sollte bereits mit dem 1. Oktober vorigen Jahres in Kraft treten, infolge technischer Schwierigkeiten jedoch ist seine Ausfiihrung bisher noch nicht erfolgt. Es dürfte sich empfehlen, das Geld nicht etwa in monatlichen Raten auszuzahlen- denn die Befürchtung liegt sehr nahe, daß der geringe Betrag von 20 Mark leicht in unzweckmäßiger Weise verbraucht wird. Vor -er Hand kommt ja, da die Entschädigung seit dem 1. Oktober 1913 fällig ist, nur eine nachträgliche Zahlung für ein halbes Jahr in Frage. Dieser Art der Befriedigung der Entschädigungsansprüche beizutreten, hat viel für sich, da einmal den Empfängern sogleich eine größere Summe zur Verfügung steht, mit der größere notwendige Ausgaben bestritten werden können- andererseits ließe es sich dadurch ermöglichen, die erforderlichen Schreibund sonstigen Arbeiten ohne Vermehrung der Beamten zu bewältigen. Immerhin dürfte es noch der Erwägung bedürfen, ob nicht doch, da meist Arbeiter, Handwerker und kleinere Beamte für den Empfang der Aufwandsentschädigung in Frage kommen, eine vierteljährliche Auszahlung am Platze wäre, weil die Meitszahlung den Familienvätern oft große Kopfschmerzen bereitet.
Eine Mehreinstellung von Beamten kann vermieden werden, da man durchaus an der Forderung festhalten muß, daß den Empfängern nicht eine Fülle Schreibwerks und eine Menge Scherereien aufgebürdet werden darf. Für ihre Anträge würde ein möglichst einfaches und kostenlos zu lieferndes Formular, das bei ihren Gemeindeämtern erhältlich ist, vollauf genügen. Von diesen Gemeindestellen müssen dann die Angaben durch Rückfragen bei den Truppenteilen oder Landwehrbezirkskommandos auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Mit einigem guten Willen lassen sich derartige praktische Ausführungsbestimmungen aufstellen- für ihre beschleunigte und genaue Durchführung zu sorgen, ist alsdann die Aufgabe -er Behörden. Dann wird die Bereitwilligkeit, ja die Freude der Steuerzahler, zu den Lasten dieses Gesetzes beizutragen, noch größer werden, selbst wenn diese Lasten — was wir aus den bereits angegebenen Gründen nur hoffen und wünschen können — sich noch erheblich steigern sollten.
Verschärfung der Varleigegensätze im Reichstage?
Die schwache Mehrheit der Linken im Reichstage scheint, so schreibt man der „N. G. C." von parlamentarischer Seite, ernsthaft erschüttert. In ihrer Gesamtheit hat sie, aus den Nationalliberalen, den Fortschrittlern
Die Dame im Schleier*
Spionage-Roman von Matthias Blank.
44) _ ri _ (Nachdruck verboten.)
„Warum hast Du es mir nicht gesagt? Ich würde lieber betteln gegangen sein, würde mir lieber die Finger wund genäht haben."
„Hast Du das schon versucht?" klang nun die Stimme fast wie Hohn. „Mit Worten ist das leicht!"
^Jch werde es tun!" war die sofortige Entgegnung. »Für mich ist kein Platz mehr hier!"
An dieser sicheren Ruhe war die Baronin von Theben doch erschrocken- aber sie verstand sich zu beherrschen: „Das kannst Du nicht! Was denkst Du, daß die Menschen dazu sagen würden?"
„ „ -Ich frage nicht danach! Bor mir selbst will ich bestehen. Und da weiß ich keinen anderen Weg als den einen, der mich von hier fortführen muß."
„ -Ich denke, Du wirst es Dir noch überlegen. Es stud schon so viele Entschlüsse gefaßt worden, aber nicht ausgeführt."
, Mia von Theben schüttelte den Kopf: „Ich habe nichts mehr zu überlegen. Ich will keine Gemeinsamkeit mehr mit all dem haben, das mich daran erinnert. Es müßte denn — aber das ist nicht möglich'"
„Was Woran dachtest Du?"
„Ein Wunder geschehen!"
„Ein Wunder?"
„ 'Ä Daß Du selbst auf alles Verzicht leistest, auf alles! Daß Du den Lohn für solche - solche Taten zu- rückgibst, an die Armen, oder woher er gekommen ist. Dann wollte ich bei Dir bleiben. Arbeiten würde ich für Dich, daß Du nichts entbehren würdest, vergessen würde ich, und ich würde Dir mit meiner Liebe das zu ersetzen suchen, was -er Flitterglanz Dir nur vortäuschen kann."
und der Sozialdemokratie bestehend, rechnungsmäßig nur eine winzige Mehrheit von drei Stimmen. Nun ist auch noch 5er Abgeordnete Hestermann von den Nationalliberalen zur Rechten hinübergewanöelt. Ferner ist durch die letzte Nachwahl der Nationalliberale Kölsch durch einen Zentrumsmann ersetzt worden. Und in Jerichow kann der Vertreter der Rechten leicht den So- zialdemokraten aus dem Felde drängen.
Die Folge wäre, daß dann im Reichstag die beiden großen Gruppen: Rechte und Zentrum auf der einen Seite und die gesamte Linke auf der anderen Seite sich fast gleich stark gegenüberstehen. Das muß natürlich bei den Abstimmungen zu allerlei Erschwerungen des Geschäftsganges führen. Auszählungen werden die Regel sein. Und der parlamentarische Kampf wird erheblich schärfer werden, da jede Entscheidung auf des Messers Schneide stehen wird. Schon jetzt macht man sich daher im Reichstage auf allerlei Komplikationen und Zusammenstöße gefaßt.
Auch für die Reichsregierung ist die Lage nicht angenehm, da sie keine geschlossene Mehrheit findet, auf die sie sich stützen kann, sondern von Fall zu Fall auf Kompromisse angewiesen ist. Der Reichstag wird daher in den nächsten Wochen mehr als je die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken. Denn aus der Unsicherheit der Lage können sich mancherlei Ueberraschungen entwickeln.
Die Zivilversorgung der Unteroffiziere in Frankreich.
Die Zivilversorgung der französischen Unteroffiziere läßt sehr viel zu wünschen übrig und muß durchaus traurig genannt werden, da die gesetzlichen Zusicherun- gen sehr wenig inne gehalten werden. Nimmt man den Sollbestand mit rund 36 000 kapitulierenden Unteroffizieren und 35 250 kapitulierenden Korporalen und Gemeinen an, wobei die Kolontalarmee nicht einmal mit eingeschlossen ist, so muß demgegenüber die Anzahl der Anstellungsposten der Militär-anwärter in Frankreich als iiberaus minimal bezeichnet werden. Während in Deutschland, wo auch schon über die Zivilversorgung der Unteroffiziere manche berechtigte Klage erhoben wird, 22 000 Zivilversorgungsstellen seit 1907 der Militärverwaltung vorbehalten sind, sind in Frankreich kaum 2000 Stellen für die Unteroffiziere vorhanden. Im Jahre 1910 suchten insgesamt 11492 Unteroffiziere um Zivilstellen nach. Davon wurden auf die Liste der Bewerber 8420 gesetzt. Anstellngen erhielten von ihnen nur 2112. Es sind also nur ein Fünftel der Anspruch erhebenden Unteroffiziere tatsächlich versorgt worden, ja, sogar von den auf die Bewerbungsliste gestellten Unteroffizieren bekam nur ein Viertel diejenigen Stellungen, die eigentlich allen 8000 Unteroffizieren hätten verschafft werden müssen. Es werden eben in Frankreich nicht alle Stellen den Unteroffizieren überlassen, die ihnen dem Gesetze nach vorbehalten bleiben sollten. In Deutschland dagegen werden alle Stellen, soweit angängig, nur mit Unteroffizieren besetzt. Der Rückgang des sranzösischen Unteroffiziersersatzes ist nicht zuletzt durch die schlechte Zivilversorgung zu erklären, die allmählich hier Platz gegriffen hat.
Politische Rundschau.
Besuch Kaiser Wilhelms in Wien? Wie in Wiener Hofkreisen dem „B. T." zufolge verlautet, wird Kaiser Wilhelm im Frühjahr dem Kaiser Franz Joseph einen kurzen Besuch in Wien machen. Der Kaiser wurde von dem Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand nach Ko- nopischt eingeladen und hat diesen Besuch zugesagt. Der Thronfolger will dem Kaiser die Konopischter Pflanzungen in der Blüte zeigen, insbesondere den prachtvollen Bestand von Kirschbäumen, der eine Sehenswürdigkeit ist und zur Zeit der Kirschblüte vom Thronfolger und seiner Familie ausgesucht wird. Bei Gelegenheit dieses Besuches will Kaiser Wilhelm dann auch nach Wien kommen, um einige Stunden bei Kaiser Franz Foievü in Schönbrunn zu verbringen. ° v
Die Reifedispositioneu der Kaiserin. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Kaiserin nur kurze Zeit in Braunsckweig bleiben und dann nach Homburg kommen wird. Die Reparaturarbeiten im kaiserlichen Schlosse werden sehr beschleunigt, selbst an den Sonntagen wird gearbeitet, damit bei Ankunft der Kaiserin alles fertia- gestellt ist.
Die Reichstagsersatzwahl in Cöln-Land. Bei der Reichstagsersatzwahl im Kreise Cöln-Land wurde Kuck- hoff (Ztr.) mit 35 648 Stimmen gewählt. Der sozialdemokratische Kandidat, Redakteur Sollmann, hatte 24 630 der nationalliberale Schlosser Scarupps 6563 Stimmen erhalten. 148 Stimmen waren zersplittert. Die Wahl Kuckhoffs war vom Reichstage für ungültig erklärt worden. Bei der letzten Reichstagswahl erhielt Kuckhoff 33 372 Stimmen, der Sozialdemokrat 24 288 und der Nationalliberale 8549 Stimmen. Insgesamt siegte Kuckhoff mit 189 Stimmen Mehrheit.
Die bittende Stimme von Mia von Theben strahlte eine Wärme aus, die zu Herzen gehen mußte- dabei hatte sie die Arme etwas erhoben, als wollte sie nach der Mutter greifen, um diese an sich zu holen.
„Glaubst Du, daß die Arbeit der Hände auch nur -as tägliche Brot für uns beide schaffen kann? Kennst Du denn das Leben? Weißt Du, daß Du Glanz und Reichtum, ja sogar eine erfolgreiche Zukunft von Dir werfen willst, um ein elendes, erbärmliches Leben dafür einzutauschen?"
„Aber ein ehrliches!"
„Das ist nur ein Wort! Im Kampf siegt der Stärkere. Das Leben aber ist ein Krieg, in dem alle Listen erlaubt sind. Nur -as Geld schafft den Wert eines Menschen. Und wer erst das Geld besitzt, wird nie gefragt werden, wie er dazu gelangt ist."
„Du willst also nicht?"
„Ich will nur, daß Du erst überlegst. Kannst Du mit Deiner Jugend die Welt besser kennen? Ich habe noch verschiedenes zu arbeiten. In einer Stunde erwarte ich Dich!" Und dann rauschte die elegante Gestalt zur Türe hinaus.
Die Lippen Mia von Thebens hatten sich nochmals geöffnet, als wollten sie die Mutter zurückrufen- aber es war kein Laut zu hören.
Das war also bas Enöe gewesen! Sie hatte es nicht geleugnet! Die Scham hatte deren Wangen nicht gefärbt. Und trotzdem war sie ihre Mutter! Warum war Mia nicht so? Warum besaß sie den Ehrgeiz, der an einer solchen Schmach leiden mußte? War das in ihr das Blut ihres Vaters, von dem sie nie etwas gewußt und über den die Mutter nie etwas erzählt hatte?
Sie mußte fort. So erbarmungslos war das Schicksal gegen sie, daß sie schuldlos leiden und alles verlieren mußte. Schuldlos war sie an den Taten der Mutter. Und dennoch hatte sie an diesen ihr Glück verloren, ihre
Beratung der MMtäreisenhahttVe-örve«. Am Dienstag fand im Bürgersaal des Rathauses zu Frankfurt wie alljährlich die zweite Beratung der Militär- eisenbahnbehöröen statt. Es nahmen daran teil: Vertreter des Großen Generalstabes, der Generalstäbe sämtlicher Armeekorps des deutschen Reiches, des Admiral- stabes, der Marinestationen, der verschiedenen einzel- staatlichen Kriegsministerien und sämtlicher Linienkom- mandanten, ferner Vertreter des Retchseisenbahnamtes, des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, sämtlicher Eisenbahndirektionen und selbständigen Etsenbahnver- waltungen des Deutschen Reiches.
Wahlprotest in Offenburg-Kehl. Die Wahl des Zentrumsabgeordneten Dr. Wirth im Reichstagswahlkreis Offenburg-Kehl wird wegen verschiedener Verstöße gegen die Wahlordnung von den Nationalliberalen angefochten.
Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Bulgarien und Serbien. Am Dienstag überreichte der neuernannte serbische Gesandte dem König Ferdinand in feierlicher Audienz sein Beglaubigungs- fajreiüen und richtete dabei an den König eine Ansprache, in der er seiner früheren Tätigkeit in Sofia gedachte, und hervorhob, daß seine Mission das Ziel habe, die guten Beziehungen zwischen Bulgarien und Serbien wieder herzustellen und zu pflegen. Dr König dankte. und versicherte den Gesandten seiner Unterstützung und der Mitwirkung der Regierung, um ihm die Erfüllung seiner Aufgaben zu erleichtern.
Kleine Rachrichten.
Ein Zeppelin für das bayrische Heer. Die bayrische Heeresverwaltung beschloß die Erwerbung eines Zeppelinluftschiffes für die bayrische Armee. Als Luftschiffhafen ist, laut „Münch. N. N.", die Festung Germersheim in Aussicht genommen.
Tod eines der Netter von der Zeche „Minister Achen- bach". In Brambauer bei Dortmund wurde der 24jäh- rige Steiger Balzer in seiner Wohnung tot aufgefunden. Balzer war einer der ersten, die sich an den Rettungsarbeiten bei dem letzten Unglück auf der Zeche „Minister Achenbach" beteiligten. Man nimmt an, daß Balzer jetzt an den Folgen des Einatmens giftiger Gase gestorben ist.
Selbstmord aus Gram über die Wehrsteuer In Bachenberg bei Altenkirchen wurde der reichste Bauer des Dorfes, namens Burbach, in feiner Scheune erhängt aufgefunden. Vor seinem Tode hatte der Selbstmörder geäußert, die Heranziehung seines Besitzstandes zur Wehrsteuer habe ihm das Leben verleidet.
Der Mann mit dem Doppelmagen. Bei einem 19- jährigen jungen Mann aus Grindelwald im schweizerischen Kanton Bern, der von Jugend auf über Magen- beschwerden klagte, wurde letzthin in den Spitälern von Jnterlaken und Bern die überraschende Entdeckung gemacht, daß er zwei Magen trägt. Der Kranke soll demnächst operiert werden.
Im Fieberwahn. Der Metzger Haas in Essen, dex an Lungenentzündung erkrankt war. versuchte im Fieberwahn die Krankenpflegerin aus dem Fenster des in der dritten Etage gelegenen Krankenzimmers zu stürzen- doch konnte die Pflegerin noch im letzten Augenblick sich an einem Möbelstück festhalten und befreien. Haas sprang dann selbst auf die Fensterbank und stürzte sich auf die Straße hinab, wo er tot liegen blieb.
Aushebung eines Spielernestes. In der Nacht zum Dienstag wurde in Gelsenkirchen von der Kriminalpolizei in der Wohnung eines Kaufmannes namens Schyma eine Spielgesellschaft aufgehoben. 21 Personen, darunter auch zweifelhafte Existenzen, die der Polizei hinlänglich bekannt sind, wurden festgenommen. Der Veranstalter der Glücksspiele wurde in einem Reisekorb versteckt aufgefunden.
Die Epidemien im französischen Heere fordern noch immer ihre Opfer. In Spinal sind jetzt wieder drei, in Le Mans ein neuer Todesfall zu verzeichnen. In 5er Garnison von Valence wütet Scharlach und Genickstarre. Man zieht jetzt bereits in Erwägung, die jetzt zu einer Uebung einberufenen Reservisten wieder in die Heimat zu entlassen.
Ueberschwemmnngen in Nordwestspanien. In der Nacht zum Dienstag ist ein überaus heftiger Wolken- bruch über Oviedo und Umgebung niedergegangen. Ein Teil der tiefer gelegenen Stadt ist völlig überschwemmt. Die Einwohner Haben sich auf die Dächer der Häuser geflüchtet. In anderen Orten sind mehrere Häuser fortgerissen worden. Die Straßen und die Eisenbahngleise sind teilweise zerstört worden. Die Bewohner leiden große Not.
Eine Prinzessin — die keine ist
Vor dem Gericht in London wird gegenwärtig ein Prozeß verhandelt, der das größte Aufsehen erregt, weil die Klägerin eine Prinzessin ist, — oder doch wenigstens behauptet, eine Prinzessin zu sein. Es ist die
Liebe, ihre Hoffnung am Leben. Eine Heimat hatte sie ja nie besessen.
Und wie es tausend andere empfinden mögen, die keine Mutter besessen haben, so war es ihr Leiden gewesen, daß ihr Vater so früh hatte sterben müssen. Er hatte es verhindern können, daß die Mutter, vielleicht un Kampf ums Leben, auf diese Bahn gesunken war.
Vater! Noch nie hatte sie die Sehnsucht nach einem wichen so empfunden, wie in ihrer heutigen Verlassen-
Umsonst! Für sie konnte es kein Glück mehr geben, reme Hoffnung! Um aber vor Haßfeld hinzutreten, um ihm zu sagen: Du bist ja ohne Schuld! war ihr Stolz zu groß. Betteln wollte sie nicht, wenn er das Vertrauen verloren hatte. Und sie hätte es auch
mehr tun können, da sie nun ohne Heimat war, ohne einen Namen, denn der, den sie trug, war für sie ein ehrloser, einer, an dem ein Makel haftete.
Mit schwerfälligen Schritten war sie bis zur Tür hmgegangen, um noch zum letzten Male auf ihr Zimmer zu gehen.
Da war das Dienstmädchen eingetreten, dem ein fremder Herr gefolgt war.
Dieser wandte sich an sie: „Verzeihen Sie, ich wünsche nur die Baronin von Theben sofort zu sprechen!"
„Mama ist auf ihrem Zimmer."
„So — so find Sie deren Tochter?"
Gepreßt klang diese Frage des Fremden, und in feinen Augen sah sie eine spannende, forschende Frage dre auf seinem Gesichte fast wie eine Qual zu lesen war
„Ja."
(Fortsetzung folgt.)