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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Weiber Äreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redattion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 41

Mittwoch, den 18. Februar

1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat»

* (Gesangunterricht in den Volks­schulen.) Der Minister der geistlichen und Unter­richtsangelegenheiten hat an die Regierungen einen Erlaß gerichtet, dahin zu wirken, daß der Gesang­unterricht in den Volksschulen eine eingehende Pflege erfahre. Durch diesen Unterrichtsgegenstand soll bei den Kindern die Freude am deutschen Volksliede wie an edler Musik geweckt und so die Gemütsbildung gefördert werden. Die Volkslieder sind so einzu- prägen, daß sie von den Kindern schön, bewußt und selbständig gesungen werden können. Bei mehr- klassigen Schulen soll schon auf der Unterstufe das Singen nach Noten geübt und auf Ton- und Laut­bildungsübungen ein Hauptgewicht gelegt werden.

* (D i e Fleischbeschau.) Im vierten Viertel­jahr 1913 stellte sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 886 (gegen 566 im dritten Vierteljahr 1913), Ochsen 7523 (8523), Bullen 1859 (2283), Kühe 16,671 (15,107), Jungrinder (über 3 Monate alte) 12,143 (12,668), Kälber (bis zu 3 Monaten alte) 39,809 (43,690), Schweine 307,228 (137,943), Schafe 14,214 (11,521), Ziegen 3980 (1644).

):( Hersfeld, 17. Februar. Herr Gutspächter R e i n i ck e auf H e i s e n st e i n schlachtete ein Schwein, welches ausgeschlachtet das respektable Gewicht von 631 Pfund hatte.

):( Hersfeld, 17. Februar. Das in der Breiten­straße gelegene Haus des Herrn Metzgermeisters Ernst Otto ging zum Preise von 23000 Mark in den Besitz der Frau Metzgermeister H r ch. Otto Witwe hier am Linggplatz über. Der Verkauf er­folgte durch Vermittlung des Herrn I. Schanöua.

§ Hersfeld, 17. Februar. (Der technische B e - r u f.) Nur noch wenige Wochen trennen uns von dem Zeitpunkt, wo Tausende von jungen Männern vor die Berufswahl gestellt werden. Da erscheint zur rechten Zeit ein Schriftchen des Dipl.-Jng. Wilh. Stiel überDie Aussichten des technischen Berufes", das vom Jndustriebeamten-Verlag, Berlin NW 52, an alle Interessenten kostenfrei versand wird. An Hand von einwandfreiem Material wird in der Schrift nachgewiesen, daß die technischen Privatangestellten zurzeit unter einer außerordentlichen Ueberproduktion an technischen Kräften zu leiden haben. Alljährlich strömen Tausende der Technik zu. Vor allem ist es der Nimbus, der wie ein geheimnisvoller Schleier die Industrie, die Technik umwebt, die Meinung, daß dem Techniker die ganze Welt mit ihren Schätzen offenstehe, daß mit einem bißchen Glück und das erhofft doch jeder der Techniker ohne weiteres ein gemachter Mann sei. Der Ruhm einzelner reizt, und man bedenkt doch nicht, daß es eben nur einzelne sind, die das Glück erjagen, während die große Mehrzahl aller Ingenieure und Techniker sich mit völlig unzu­reichenden Gehältern begnügen muß und zeitlebens in unbefriedigter Lage verbleibt. Jeder, der sich dem technischen Berufe widmen will, sollte auf alle Fälle obengenanntes Schriftchen lesen, bevor er sich endgültig entscheidet.

-ck- Heringen a. W>, 16. Februar. Der Lehrerbe­zirksverein Werratal hielt am gestrigen Sonntag im Saale des HotelsGlückauf" zu Heringen sein dies- W^lles Wintervergnügen ab. In launiger ^tede begrüßte der Vereinsvorsitzende, Herr Lehrer B a r st -Ausbach die zahlreich Erschienenen. Die Zeit vor und nach dem solennen Festessen, welches der Küche des Hotels alle Ehre machte, war in erster Linie Terpftchoren gewidmet. Herr Lehrer F e tz i n g zeigte sich in mehreren Musikvorträgen wiederum als vol­lendeter Künstler auf dem Klavier, der seinesgleichen sucht, die lebhaftesten Ovationen wurden ihm zuteil. Gegen Mitternacht trennte man sich in dem Bewußt­sein, einige recht gemütliche und genußreiche Stunden in geselligem Kreise verlebt zu haben.

Aus dem Haunegrund, 15. Febr. In Meißenbach hat die Polizei endlich einen Helfershelfer einer Falschmünzerbande erwischt. Es handelt sich um einen Fremden, der sich als Vorkäufer eines Fuldaer Metz­germeisters ausgab und überall das Draufgeld mit falschen Hundertmarkscheinen gab, aus die er 6070 Mk. zurückbekam. Das Vieh natürlich ließ er stehen, bis es angeblich der Metzger gegen Erlegung der Restkaufsumme abholen lassen werde. In vielen Fällen ist dieser Schwindel gelungen, sodaß die darauf hineingefallenen Bauern mit ihren falschen Hundert­markscheinen die Geprellten sind.

Marburg, 16. Febr. Wie bereits gemeldet, wurden

am Montag am Klärbecken einige Teile einer Kinbes- leiche angeschwemmt. Am letzten Sonntag gelang es, auch die übrigen Leichenteile dort zu bergen. Es handelt sich um eine kräftige ausgewachsene Geburt weiblichen Geschlechts. Allem Anschein nach hat das Kind auch gelebt. Der Rumpf ist in drei Teile, der Kopf in zwei Teile getrennt, außerdem sind Beine und Arme abgeschnitten. Die Zerstückelung muß mittels eines scharfen, ungeeigneten Werkzeuges von unkundiger Hand ausgeführt sein. Die Vermutung, daß es stch um eine in einer Anstalt sezierte Leiche handelt, ist danach unbegründet. Die Geburt des Kindes dürfte kaum länger als 8 Tage zurückliegen.

Oberurff, 14. Febr. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute im hiesigen Ort. Der Landwirt Grimmel fiel beim Strohabwerfen so unglücklich die Scheune herunter, daß er sich schwere Kopfverletzungen zuzog. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Hungen, 16. Febr. Bei dem hiesigen Vorschuß- und Kreditverein ist unter der Geschäftsführung des früheren Rechners Schmidt ein Defizit von 87 000 Mark entstanden. Durch Hypothekeneintrag auf den Besitz des Genannten sind 31000 Mark gedeckt. Zur Deckung des restlichen Defizits wurde die Erhöhung der Geschäftsanteile der Mitglieder von 100 auf 1000 Mark beschlossen.

Dillenburg, 15. Febr. Gestern abend wurde dem Direktor Schulz von der GewerkschaftConstanze" bei Langenaubach durch einen seiner Arbeiter, einen Kroaten, in seinem Zimmer mit einer Axt die Schädeldecke zertrümmert. Das Motiv der Tat ist Rache wegen Entlassung. Der Zustand des Direktors ist hoffnungslos.

Hana», 16. Februar. Unter den Mannschaften des 1. Bataillons des 3. Eisenbahnregiments, demselben Bataillon, das im Vorjahre die Typhusepidemie zu überstehen hatte, tritt gegenwärtig eine influenza- artige Erkrankung auf, von der zahlreiche Soldaten befallen worden sind. Die Krankheit nimmt jedoch bis jetzt einen ungefährlichen Verlauf und soll bereits wieder im Zurückgehen begriffen sein. Erkrankt sind 80 Soldaten. Die hier umgehenden Gerüchte von einer gefährlichen Epidemie sind, wie derF. G. A." durch Erkundigungen an maßgebender Stelle erfährt, übertrieben.

Orankfurt a. M., 15. Februar. In einer Bäckerei tadtteils Bockenheim vergiftete sich eine 22jährige Verkäuferin mit Salzsäure. Das Mädchen hatte mit einem Manne ein Verhältnis. Als es erfuhr, daß derselbe bereits verheiratet war, griff es zu der Giftflasche.

Frankfurt a. M., 15. Februar. Gerüchten zufolge sollte in der Maschinengewehrabteilung der 81er zu Bonames Genickstarre aufgetreten sein. Das Kom­mando erklärt dazu, daß wohl ein Soldat unter dem Verdacht der Genickstarre in das Lazarett eingeliefert sei, daß aber die Untersuchung den Verdacht nicht be­stätigt habe.

Mainz, 15. Febr. Seit gestern nachmittag zeigen die Türme des Westchors verschiedene Sprünge, Risse und einige klaffende Stellen. Die Polizei hat die Stellen bereits besichtigt, aber irgend welche direkte Gefahr für die Bedrohung von Menschenleben ist nicht vorhanden. Auch umgibt die Kathedrale ein ziemlich breiter Jnnenhof, so daß namentlich Vorübergehende nicht ängstlich zu sein brauchen.

Mainz, 14. Febr. Eine unnatürliche Mutter ist die 26jährige Frau des Schiffsheizers Gg. Thalmann geborene Paulsen aus Lorchhausen, wohnhaft hier. Sie hat wiederholt ihr 3jähriges Mädchen in der barbarischsten Weise mißhandelt. Am 20. Dezember wurde sie vom hiesigen Schöffengericht zu zwei Mo­naten Gefängnis verurteilt, das Kind wurde ihr abgenommen und kam zu Pflegeeltern. Gegen die Höhe der Strafe legte sie Berufung an die Straf­kammer ein. Das Gericht erhöhte aber die Strafe auf drei Monate Gefängnis.

Wiesbaden, 16. Febr. Beim Spatzenschietzen in der Gärtnerei Müller wurde die 20jährige Tochter des Eigentümers durch einen Schuß in die rechte Seite schwer verletzt. Ihr Zustand ist bedenklich.

Gemünden a. Wohra, 16. Febr. Gestern abend sprang das etwa vierjährige Kind einer hiesigen Arbeiterin aus dem Fenster des zweiten Stockes, aus einer Höhe von etwa 8 Meter, auf die Straße. Die Mutter war ausgegangen und hatte das Kind, welches schon schlief, allein gelassen. Die Türe hatte sie beim Weggehen abgeschlossen. Als das Kind gegen seine Gewohnheit aufwachte und niemand sah, fing es an zu schreien und nach seiner Mutter zu rufen. Es kletterte ins Fenster und auf ein davor befind­liches Blumenbrett. Von hier sprang es in die Tiefe. Es erlitt nur geringe Verletzungen. Am selben

Abend stürzte in Schiffelbach der 14jährige Sohn des Landwirts E. aus der Scheune herab in die Tenne und blieb schwer verletzt liegen. Er hat schwere Schädelbrüche und einen Armbruch davongetragen und dabei eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. An dem Aufkommen des Knaben wird gezweifelt.

Eisenach, 16. Febr. Durch amtliche Ermittelungen ist festaestellt worden, daß infolge des Unwetters in der Rhön den Gemeinden des Etsenacher Oberlandes an den Straßen und Wegen ein Schaden von 140 000 Mark entstanden ist.

Leimbach bei Mansfeld, 13. Febr. Auf dem hiesigen Walzwerk ereignete sich gestern abend ein gräßliches Unglück. Der unverheiratete Arbeiter Paul Holzapfel aus Großörner geriet in das im Gange befindliche Walzwerk, wurde hineingezogen und sofort getötet.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus setzte am Montag die Be­sprechung der nordschleswigschen Frage fort. Abg. Wittrock (fortschrittl.) bedauerte die Verschärfung der politischen Gegensätze in der Nordmark, erkannte aber an, daß viel zur kulturellen Hebung derselben ge­schehen sei. Abg. Ströbel (Soz.) nannte die Politik in der Nordmark eine Vergewaltigung eines Teiles der preußischen Staatsbürger und meinte, Preußen habe den Raub ganz allein eingesteckt. Gegen diese Auffassung legte Minister von Dallwitz Verwahrung ein: darin bekunde sich nur der Tiefstand des nationalen Empfindens des Vorredners. Wenn der Vizepräsident des dänischenFolkethings an einer sozialdemokratischen Versammlung teilnahm, so habe er sich damit ange­sichts der gespannten nationalen Verhältnisse in Nord- schleswig eine dreiste Herausforderung und Ver­höhnung der staatlichen Autorität und der preußischen Behörden, sowie der deutschen Bevölkerung schuldig gemacht. Abg. Graf von Bernstorff (kons.) empfahl eine energische und stetige Politik in der Nordmarck, die allein dem Deutschtum dienen könne. Nach weiterer kurzer Debatte wurde die Besprechung geschlossen, und das Haus wandte sich der Sparkassenfrage zu. Ein Antrag der Rechten und Nationalliberalen wünschte die Abänderung der Ausführungsanweisung zum Gesetze über die Anlegung der Sparkassenbestände in Jnhaberpapieren dahin abzuändern, daß die preußi­schen Sparkassen den Pflichtbestand nach dem An­schauungswert in die Bilanz einstellen und die Kurs­verluste so lange dem Reservefonds abzuschreiben, als dieser nicht unter 2 Prozent der Einlagen sinkt. Abg. v. Kries (kons.) erklärte, daß ein Teil seiner Freunde für den Antrag sich nicht erwärmen könne. Die erste Forderung lasse sich nicht mit der kauf- männischenSolidität vereinbaren. Einer Kommissions­beratung sei er jedoch nicht abgeneigt. Abg. Reinhard (Ztr.) bekannte sich als Gegner des Spar- kassengesetzes. Eine große Zahl von Sparkassen müßten ihre Tätigkeit, die sie mit Hilfe der Ueber- schüsse entfaltet haben, einstellen, wenn die Bestim­mungen für die Anlage in Staatspapieren nicht er­leichtert werden. Minister von Dallwitz teilte mit, daß er die Oberpräsiöenten angewiesen habe, Er­leichterungen da, wo es nötig sei, eintreten zu lassen. Dem Wunsche, Jnhaberpapiere zum Anschaffungswert in die Bilanz einzustellen, könne er nicht entsprechen. Nach weiterer kurzer Aussprache vertagte sich das Haus auf Dienstag: Fortsetzung.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag begann am Montag die allgemeine Besprechung des Justizetats. Abg. Cohn-Nordhausen (Soz.) bemängelte, daß bei Auswahl der Geschworenen die Arbeiter zu wenig berücksichtigt werden und bezeichnete den geplanten Schutz der Arbeitswilligen als einen Kampf gegen die Arbeiterschaft. Eine Klassenjustiz fei unverkennbar zu verzeichnen. Für die Bemerkung, daß, falls der Reichstag aufgelöst werde, die Regierung schon einen Wahlschwindel erfinden würde, rief ihn Präsident Dr. Kaempf zur Ordnung. Abg. Dr. Belzer (Ztr.) lehnte die Stelle eines sechsten Reichsanwalts ab und bedauerte, daß die internationale Regelung des Luftschiffahrtsgesetzes nicht gelungen sei. Eine Beschleunigung des Zivil­prozesses müsse angestrebt werden. Das Jrrenwesen müsse einer Neuregelung unterzogen, besonders aber der Schutz gegen geisteskranke Verbrecher verstärkt werden. Abg. Schiffer wies den Vorwurf einer Klassen­justiz zurück. Dienstag: Fortsetzung.

Wetterausfichten für Mittwoch den 18. Februar.

Vorwiegend trüb, zeitweise Negenfälle, keine Temperaturänderung, westliche Winde.