Einzelbild herunterladen
 

Llinvdarmenlzandung eine kullmkranlheit.

Man hört so oft in Laienkreisen das Wort: Blind­darmentzündung ist heute Mode. Aber die Blinddarm- entzündung, die furchtbare Krankheit, der alljährlich in Deutschland Tausende erliegen, ist vielmehr als Kultur­krankheit zu bezeichnen, wie der Breslauer Professor Hermann Kültner, einer der ersten Chirurgen Deutsch­lands, an der Hand der neuesten Forschungen, Erfah­rungen und Statistiken in einem langen, gehaltvollen Aufsätze nachweist, den er für dieDeutsche Revue" geschrieben hat. Insofern, als die Blinddarmentzündung seit den neunziger Jahren erschreckend angenommen hat, kann man sie freilich eine Modekrankhert nennen; die Zunahme ist tatsächlich: die große zahlenmäßige Zu­nahme, die die Statistik zeigt, läßt sich nur zum Teil auf Fortschritte in der Diagnose erklären. Die große Sammelforschung, die die Berliner Medizinische Gesell­schaft angestellt hat, hat das gleiche Ergebnis, kurz, man hat es mit einer periodischen Endemie zu tun, die fast alle Kulturländer der Erde überzieht.

Woran liegt das nun, welches sind die wirklichen Ursachen der Blinddarmentzündung? Ins Reich der Fabel gehört es, Kirsch- und Apfelsinenkerne, Email­splitter vom Kochgeschirr, Metallteile der Konserven­büchsen, verschiedene Obstkerne usw. für die Entzündung veranwortlich zu machen. Küttner selbst hat in seiner Klinik eine außerordentlich große Zahl von Blinddarm­entzündungen behandelt, hat dabei aber nur zweimal Fremdkörper im Wurmfortsätze angefunden, nämlich ein Schrotkorn und eine Fischgräte. Eine Rundfrage bei bedeutenden Chirurgen hat dieses Ergebnis bestä­tigt. Eingeweidewürmer können in seltenen Fällen echte Blinddarmentzündung hervorrufen, meistens aber ist die Kultur die Ursache der Krankheit.

Wichtig unter ihren Ursachen ist die chronische Ver­stopfung, die chronische Dicköarmkatarrhe verursacht, die ihrerseits wieder Blinddarmentzündung hervorrufen. Ein starker Beweisgrund für die Richtigkeit dieser An­sicht ist das fast völlige Fehlen der Krankheit im Säug­lingsalter und die relative Häufigkeit bei angeblich kräftigen, mit Eiern und Fleisch ernährten Kindern, sowie das Ueberwiegen der Erkrankung bei den im Auslande wohnenden Europäern im Gegensatz zu der eingeborenen Bevölkerung. In Nordamerika ist die Appendizitis bei den Weißen überaus häufig und fehlt bei den Negern fast völlig. Naturvölker, die unter na­türlichen Bedingungen leben, sind fast frei von Blind­darmentzündung. Sobald sie mit der europäischen Kul­tur beglückt werden, oder sobald Landbewohner in die Stadt ziehen, steigt die Häufigkeit der Krankheit.

Als Erklärung hierfür kommt in erster Linie der Uebergang zu einer neuen unzweckmäßigen Lebensweise in Frage. Es handelt sich nicht nur um die Unzweck- mätzigkeit der Nahrungsaufnahme, zu der das hastende Leben der Gegenwart häufig verleitet, sondern vor allem um die Unzweckmätzigkeit der Ernährung selbst, und zwar in erster Linie um die übermäßige Fleischkost. Der Genuß von Fleisch und Fisch ist bei den Völkern westlicher Kultur bedeutend höher als bei den Orien­talen und Naturvölkern: er ist bei der Stadtbevölkerung höher als auf dem Lande, er ist bei uns heute größer als vor hundert Jahren und steigt noch immer an. Für die deutsche Marine ist festgestellt, daß die Heizer, die wegen ihrer anstrengenden Arbeit mehr Fleisch bekom­men, häufiger erkranken als die Matrosen.

Neuerdings hat man auch einen Zusammenhang der Blinddarmentzündung, die epidemisch auftritt, mit Influenza-Epidemien nachgewiesen. Dieser erklärt sich nicht daraus, daß die Erreger der Influenza oder der Angina auf dem Blutwege in den Wurmfortsatz ge­langen und hier Entzündungen hervorrufen, sondern daraus, daß der Wurmfortsatz nach Bau und Funktion ein Organ ist, das mit den Gaumenmandeln und ähn- lichen Gebilden auf gleicher Stufe steht.

Vermischtes.

Der Roman einer Hochstaplert«. Mittwoch früh wurde eine junge, elegant gekleidete Dame in der Beet- Hovenstratze zu Berlin besinnungslos und aus einer Stichwunde am Halse blutend aufgefunden und nach der Cbaritee gebracht. Nachdem die Aerzte sie zum Bewußt­sein zurückgerufen hatten, gab sie an, die Komtesse von Stawslowka aus Ratibor zu sein. Sie habe seit längerer Zeit ein Verhältnis mit einem Arzt unterhalten, das sie jetzt lösen wollte, da sie sich mit einem Herrn des Hochadels in den nächsten Tagen zu verloben gedenke. Als sie im Laufe der Nacht dem Arzte dies auf einem Spaziergange mitteilte, habe er ein Messer gezogen und sie in den Hals gestochen. Die Verwaltung des Kran­kenhauses erstattete darauf der Polizei Anzeige, und es stellte sich heraus, daß es sich um eine Hochstaplerin han­delt. die wahrscheinlich nicht im Vollbesitze ihrer geistigen Kräfte ist. Anfang Januar wohnte sie zwei Tage in einem erstklassigen Hotel der Friedrichstadt: doch vergaß sie, die Zeche zu begleichen. Wie sie zu der nicht gefähr­lichen Verletzung gekommen ist, konnte noch nicht fest­gestellt werden, ebenso war auch noch nicht der richtige Name der Verhafteten zu ermitteln.

Verhaftn^ eines Darkebuschwindlers. Unter dem dringenden Verdacht, zahllose Darlehnsschwindeleien verübt zu haben, ist durch die Schöneberger Kriminal­polizei der 64jährige Kaufmann Otto Iahn in seinem Bureau Nollendorfstraße 35 verhaftet und in das Un­tersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert worden. Iahn veröffentlichte in zahllosen Zeitungen Anzeigen, in de­nen er Darlehen anbot und als Selbstgeber auftrat. Das Geld sollte, wie es hieß,auf die Möbel stehen bleiben". Der ZusatzKein Vorschußnepp" machte das Angebot so verlockend, daß sich zahllose Leute an Iahn wandten. DerSelbstgeber" teilte dann mit, daß er zur ^Ergäbe eines Darlehens bereit sei, aber die Höhe des au bewilligenden Betrages von der Vorlegung einer Taxe über den Wert der Möbel oder anderer als Sicher- hett axgebotmer Gegenstände abhängig machen müsse. ^?,^sem Schreiben empfahl I. den Geldsuchenden auch gleich einen geeigneten Taxator. Am nächsten Tage er- schien dann bei denBetreffenden derTaxator", der scheinbar eine Abschätzung vornahm und sich für seine Tätigkeit 5 bis 10 Mark zahlen ließ. Dann hörten die Darlehnssurber lange Zeit nichts mehr von Iahn. Erst nach einiger Zeit gingen ihnen Prospekte einer Firma in Hamburg zu und gleichzeitig das Ersuchen um Ein­sendung eines Vorschusies. Schließlich erstattete man Anzeige bei der Schöneberger Kriminalpolizei. Bei 5er Durchsuchung der Geschäftsräume fielen den Beamten zahllose Schrittstücke in die Hände, aus denen hervor- geht, daß der Darlehnsbetrieb des Verhafteten sehr um­fangreich gewesen sein muß. .

Theaterdonner in der Kirche. Aus emer Ortschaft des schlesischen Kreises Bunzlau wird demBunzlauer Tageblatt von einem Einsender folgende nette Geschichte erzählt: Vor einigen Tagen stieß ich bei der Besichtl- gung einer Dorfkirche im Turm auf eine alte Kessel­pauke. Da ein solches Instrument nicht gerade zu den Jrwentarst-ücken einer Kirche zu gehören pflegt, so er­kundigte ich mich nach der Geschichte der Pauke, und der Klgtt«k E W« tür MmkÄLL UM testen: Es war noch

zu Zecken des alten Pfarrers, der ein behäbiger, die Ruhe liebender Herr war. Aber auch ihm war die Bit­terkeit des Lebens beschieden, und zwar dann, wenn die Sommersonntage schon morgens so schwül waren und jeder sich ausruhen konnte, nur er nicht, da er die Predigt halten mußte. Da war er denn aus eine ingeniöse Idee gekommen. Während der Liturgie mußte der Küster oben im Turm dumpfe Schläge aus die Pauke tun, sodatz es sich anhörte, als grolle der Donner in der Ferne. In der Meinung, es ziehe ein Gewitter herauf, drückte sich dann heimlich einer nach dem andern, um sein Heu oder Getreide noch schnell trocken in die Scheune zu holen. Bis dann das allgemeine Kirchenlied gesungen war, hatte sich die Kirche entleert und der Pfarrer ersparte sich da­durch die Predigt.

Der versuchte Massenbetrug gegen Berliner Ar­beitslose und die Verhaftung desDirektors Barium" beschäftigt immer noch die Berliner Kriminalpolizei. Der 33 Jahre alte Mechaniker Friedrich Deiner, der als der gefährliche Gauner entlarvt und in München festgenommen wurde, hat jetzt der dortigen Kriminal- polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Deiner räumt ein, daß er Deutschland kreuz und quer durch­reist habe und überall Schwindeleien, besonders aber den Logis- und Heiratsschwindel, betrieben habe. Wenn er gezwungen war, irgendwo kurz Aufenthalt zu neh­men, so hielt er sich in der Regel bet Kellnerinnen aus und legte sich meistens den Namen Friedrich Blessin und Friedrich Bingen bei. Nach seinen Angaben ist er zuletzt am 27. November 1910 zu Straßburg i. E. wegen Betruges im Rückfalle zu zweiundeinhalb Jahren Ge­fängnis verurteilt worden. Am 6. Februar vorigen Jahres wurde er wegen seiner Krankheit vorläufig aus dem Gefängnis entlassen. Als er am 6. Juni seine Rest­strafe von fünf Monaten antreten sollte, war er ver­schwunden. Dreiundeinhalb Monate will er wegen Lungen- und Rippenfellentzündung bei seinen Eltern in Augsburg zugebracht haben. Interessant ist beson­ders, daß Deiner auch längere Zeit in Berlin geweilt hat. Auf seinen Reisen kam er im Herbst vorigen Jah­res dorthin und suchte in verschiedenen Gastwirtschaf­ten am Schloßplatz Unterkunft. Dort erzählte er, daß er Bartels heiße und im Königlichen Schloß als Bild­hauer beschäftigt sei. Um dies glaubhafter zu machen, trug er auch einen langen weißen Kittel, in dem er sich auch nach dem Schloß begab. Er ging jedoch nie in dieses hinein, weil er ja dort nichts zu suchen hatte, sondern immer rund um das Schloß herum. Mit der Tochter eines Wirts und einem Dienstmädchen knüpfte er zu gleicher Zeit ein Liebesverhältnis an, betrog beide um beträchtliche Beträge und verschwand schließlich, ohne seine Logisschuld beglichen zu haben. Dann lernte er ein Dienstmädchen kennen, versprach ihm die Ehe und fuhr mit ihm nach seiner Heimat in Gr.-Rominten. Dort lebte er längere Zeit aus Kosten der zukünftigen Schwiegereltern", verschwand aber auch von dort, nach­dem es ihm geglückt war, denSchwiegervater" um einige Hundert Mark anzuborgen. Auf seinen Reisen durch Deutschland kam er nach Schlesien, Sachsen, Bayern, dem Rheinland usw. Ohne Zweifel hat der gefährliche Gauner noch mehr Opfer gefunden, als bis­her ermittelt worden sind.

DerBauernschreck" noch nicht erlegt! Die Mel­dung von der Erlegung desBauernschrecks" in Gestalt eines Silberlöwen (Puma) auf der Westseite der Kor- alpe bewahrheitet sich nicht. Somit ist also das unheim­liche Tier, das nun schon seit Monaten die Bauern der Koralpe und Stubalpe in Steiermark in Schrecken ver­setzt, noch am Leben und die Streifzüge müssen fort­gesetzt werden. An Bemühungen, den Viehräuber zu erlegen, hat es bisher nicht gefehlt. Nur wurden alle Unternehmungen dadurch erschwert, daß man sich selbst über die Art des Räubers nie im klaren war. Einmal war es ein aus einer Menagerie ausgebrochenes Raub­tier (Wolf, Puma, Löwe, Tiger), das andere Mal wie­der ein großer Hund, der die Bauern in Angst und Schrecken versetzte und unter den Viehherden gehaust haben sollte. Nun kann das Raten also weitergehen.

Deutschland im Flugwesen voran.

Infolge des förderlichen Einflusses der zugesicherten Prämiierungen durch die deutsche Nationalflugspende haben sich, wie das Kuratorium der Spende feststellt, die Leistungen so gesteigert, daß der Vorsprung Frankreichs heute sowohl im Fernflug innerhalb vierundzwanzig Stunden, wie auch rm ununterbrochenen Dauerflug wett überboten und Deutschland in den Besitz der wichtigsten Weltrekorde gekommen ist. Durch die Leistungen Stöff- lers, Langers und Jngolds ist das deutsche Flugwesen an Die erste Stelle gerückt.

Die Nationalflugspende ist kein Hilfsfonds, sondern sie soll ein Fonds zu systematischer Förderung des deut­schen Flugwesens sein." So hat denn dieser Satz, der im Jahresbericht 1913 der National-Flugspende den wich­tigsten Inhalt des KapitelsDas Wirken der National­flugspende" bildete, überraschend schnell seine Bestäti­gung gefunden. Die Förderung, die das deutsche Flug­wesen durch die National-Flugspende erfahren hat, liegt klar auf der Hand. Die Zahl der Flugzeugführer ist stetig gewachsen: unstreitig ist es auch, daß die Ausbil­dung der Piloten eine bedeutend sorgfältigere und ein­gehendere geworden ist. Fast noch wichtiger erscheint die zweite erfreuliche Feststellung: Die Steigerung der Flugleistungen. Deutschland war, als die Tätigkeit der Nationalflugspende einsetzte, namentlich in Bezug auf die Leistungen im Ueberlandflug, dem Auslande gegen­über bedeutend im Rückstand. Heute, nach einem Zeit­raum von wenigen Monaten, hat sich Deutschland, wie selbst die französische Presse mit begreiflichem Schmerz feststellen muß, mit einem Schlage an die Spitze der für das Flugwesen in Betracht kommenden Nationen gestellt. Meisterflieger wie Jngold, Langer und Stöffler noch eine große Zahl von Namen müßte man hier in diesem Zusammenhang aufführen haben den Vorsprung un­serer westlichen Nachbarn eingeholt.

Jetzt gilt es, die einmal eingenommene führende Stellung zu bewahren und in ruhiger und stetiger Ar­beit, auch ohne die Prämien, das nationale Flugwesen weiter auszubauen.

Ein Sechzehnstnndenflug Langers.

»-* Berlin, 12. Februar. Der Flieger Bruno Langer, der gestern morgen um 7 Uhr 40 auf dem Flugplatz Johannisthal startete, um einen neuen Dauerflugwelt­rekord aufzustellen, ist um 11 Uhr 45 Minuten nachts bet Kreuz wegen Benzinmangels glatt gelandet. Den Weltrekord hält Jngold mit 16 Stunden 20 Minuten. Langer war nur 16 Stunden in der Luft.

Der Kanzler an die Landwirte.

Beim Festessen des deutschen Landwirtschaftsrats am Mittwoch abend, an dem u. a. Herzog Johann Al­brecht von Mecklenburg, der frühere Regent von Braunschwetg, Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg, der Staatssekretär des Reichsamts des Innern Dr. Del- brück, Handelsminister Dr. Sydow, Finanzminister Dr. Lentze, Landwirtschaftsminister Freiherr v. Schorlemer- LikM, und der Staatssekretär des Reichskowntalamts

Dr. Solf teilnahmen, hielt der Reichskanzler eine An^ spräche, in der er ausführte:

Wir alle, die wir den heimischen Boden bebauen, sind es zufrieden, daß die Zeiten vorüber sind, wo die Landwirtschaft scharf um die Anerkennung ihrer Be­deutung im Wirtschaftsleben Deutschlands zu kämpfen hatte. Die Besserung der Zeiten hat die deutsche Land* wirtschaft um so offener anerkannt, als sie dabei gewiß sein wird, daß darum die Regierung in ihrer Fürsorge für die Landwirtschaft nicht nachlassen wird. Im Gegen­teil, der Erfolg der SHaBregeln zur Förderung und zum Gedeihen der landwirtschaftlichen Arbeit bestärkt sie nur in dem Vorsätze, auf dem bewährten Wege wetterzu- arbeiten. (Lebhafter Beifall.)

Auf das politische Gebiet übergehend, fährt der Reichskanzler weiter fort: Ich will die Schwierigkeiten unserer inneren Zustände nicht geringer darstellen, als sie sind. In einem, in dem Hauptpunkte, sind wir jeden­falls alle einig. Das ist der durch große Wahlerfolge gesteigerte Hochmut einer Partei, deren Bestrebungen darauf hinausgehen, die Fundamente des Reichs und unserer Monarchie zu unterhöhlen. Da gibt es kein Paktieren, sondern nur ein Kämpfen. Ich nehme die . entschieden mutigen und siegesbewußten Worte des Grafen Schwerin-Lömitz zum Pfande dafür, daß Die deutsche Landwirtschaft in diesem Kampfe immer in der vordersten Reihe stehen wird. Wir leben in einer Zeit der Unlust an dem Gange der innerpolitischen Geschäfte. In solchen Zeiten pflegen wir Deutschen uns leider be­sonders gern in unsere eigenen Schwächen zu vertiefen, und so haben sich auch jetzt wieder, ebenso wie es bet schlechtem Wetter alle Letbesschäden und vernarbte Wun­den tun, die alten deutschen Sünden des deutschen Par- ttknlarismns neu gemeldet.. Mit staatlicher Sonderung und Vereinzelnung legen wir nur die Kräfte, die wir gesammelt brauchen, in unfruchtbaren Gegensätzen fest. In diesem Kreise wird es denn auch richtig verstanden werden, wenn ich frage: Sollen wir gegen die Ausar­tung demokratischer Einrichtungen, die die Schöpfer des Reiches in der ausgesprochenen Absicht geschaffen haben, die partikularisttschen Neigungen der deutschen Stämme ntederzuhalten, sollen wir gegen sie Hilfe und Abwehr suchen in der Neubelebung ebensolcher partikularisti- scher Tendenzen? Erinnern wir nn3 doch an das, was uns in den letzten Jahrzehnten auch über die politischen Gegensätze hinweg geeinigt und stark gemacht hat und uns auch in der Gegenwart einig und stark erhält und erhalten muß. Das ist die Arbeit, in der die Gesamtheit der wirtschaftlichen und politischen Kräfte der Nation freigeworden ist.

Welche neuen Aufgaben jeder neue Tag bringt, da­rüber brauche ich mit Ihnen nicht zu sprechen. Die ge­waltigen Fortschritte der deutschen Landwirtschaft sind ein beredtes Zeugnis dafür, mit neuen Erfindungen, mit neuen Entwicklungen, mit neuen Zuständen sich nicht abzufinden, sondern sie auszunutzen, sie zu mei­stern. Das ist die täglich uns neu erwachsende Aufgabe. Der Geist solcher Arbeit, der auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens schaffend und neuaufbauend wirkt, der wird im Zusammenschluß aller besorgten und vom Staatsbewußtsein getragenen Elemente im ganzen Reiche auch stark genug sein, um Kräfte niederzuhalten, die in der gärenden Entwicklung unserer Zeit das Gefüge unseres staatlichen Baues nicht festigen, sondern lockern und niederreißen wollen.

w neuestes vom Uage.

Der Prinz zn Wied aus der Armee ausgeschieden.

w> Berlin, 12. Februar. Wie das Militärwochen- blatt meldet, ist dem Prinzen zu Wied der Abschied be­willigt worden. Gleichzeitig ist der Prinz unter Ver­leihung des Chrakters als Major a la suite des 8. Garde- Ulanen-Regiments gestellt worden.

Einberufung des preußischen Herrenhauses.

»e* Berlin, 12. Februar. Das preußische Herrenhaus ist zum 19. Februar zur vierten Plenarsitzung einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Entwurf einer Novelle zum Landesverwaltungsgesetz.

Drahtlos Nanen-Nenyork.

»s* Berlin, 12. Februar. (B. Z.) Zwecks Austau. sches drahtloser Depeschen zwischen Deutschland und Neuyork haben sich Vertreter Berliner Blätter auf Ein­ladung der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie in der Nacht nach Nauen begeben, während Vertreter von Neu- yorker Zeitungen sich auf der Telefunkenstation Cay- ville sich versammelten. Graf Arco gab selbst in Nauen technische Erklärungen. Der Telegrammaustausch fand zwischen 3 und 6 Uhr morgens statt. Mit Rücksicht da­rauf, daß die Station Cayville gerade heute zum ersten Male den Austausch mit der Station Carthagena in der südamerikanischen Republik Columbien vornahm und sich der Präsident der Republik Columbien auf dieser Station befand, sandte die Funkenstation ein Telegramm an den Präsidenten mit ehrerbietigen Grüßen. Im wei­teren Verlaufe kamen Grütze der Neuyorker Kollegen hier an, ebenso Telegramme der Zeitungen, welche von hier aus erwidert wurden.

Eine Familie auf dem Eise eingebrochen.

»s* Speyer, 12. Februar. (B. Z.) Die Frau des Brauereiarbeiters Uhrig ist mit ihren Kindern, einem Mädchen von 9 und einem Knaben von 11 Jahren, auf der Rückkehr vom Holzholen im Eise eingebrochen. Die beiden Kinder ertranken, während die Mutter gerettet werden konnte.

Eine Amertkafahrt König Ferdinands.

»s* Sofia, 12. Februar. König Ferdinand hat sich der amerikanischen Mission gegenüber, die hier einge­troffen ist, um Bulgarien zur Teilnahme an der Aus­stellung an San Franztsco einzuladen, dahin geäußert, daß er Amerika zu besuchen beabsichtige und dieser Wunsch im April d. J. auszuführen gedenke. Der König wird von mehreren bulgarischen Politikern, Kaufleuten und Industriellen begleitet werden.

Eine Thronrede König Nikitas.

** Cettnje, 12. Februar. Der .König hat die Skup- schtina mit einer Ansprache eröffnet, in der er sagte: Das heilige Feuer der serbischen Eintracht errang uns den Sieg. Unsere Erwerbungen sind bedeutend, ob­wohl sie durch die Entreißung Skntaris verkümmert worden sind. Es ist nicht bloß eine Hand, die uns Sku- tari abgenommen hat. Die Hauptsorge ist die Armee. Sie soll in gutem, kriegstüchtigem Zustande erhalten werden. Die Erhaltung unserer Erwerbungen und die weiteren nationalen Erfolge werden nur von dem dauernden Zusammenarbeiten mit unseren serbischen Brüdern und von unserer traditionellen Treue gegen­über Rußland abhängig. Die Beziehungen zu aßet- anderen Nationen sind korrekt und freundschaftlich. Die Regierung ist unablässig bemüht, an der Erhaltung des Friedens mitzuarbeiten.

Ein wackerer Kapitän.

*** London, 12. Februar. Nach einer Meldung aus New Orleans brach auf dem kleinen Küsterrdainpfer Gern" am Dienstag Feuer aus. Der 61 Jahre alte Kapitän blieb trotz des immer dichter werdenden Rauches und der Flammen am Steuer und ließ den Dampfer auf die Küste auflaufen. Hier langte er be­reits sterbend an, während die Manuwatt aacitti war.