Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^D^ für den Kreis Hersfeld SersfeWet WW Kreisblatt
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-llnschlzitz Nr. 8
Nr. 35 Mittwoch, den 11 Februar 1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat«
* Es sind gegenwärtig im Regierungsbezirk Cassel 34 freie Schulstellen ausgeschrieben, und zwar werden 1 evangelischer Rektor, 29 evangelische und 4 katholische Lehrer gesucht.
- r- Hersfeld, 10. Februar. (Vom Vaterländischen Frauenverein.) Am 5. d. Mts. fand im Auguste Viktoria-Haus die Generalversammlung des Vaterländischen Frauenvereins Hersfeld statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung brächte Herr Landrat von Grunelius mit herzlichen Worten der Vorsitzenden, Frau Engelhardt, den Dank und die Anerkennung für ihre 25jährige erfolgreiche Tätigkeit im Vorstand zum Ausdruck und zugleich deu Wunsch, daß ihr Kraft und Gesundheit zur Leitung des Vereins noch lange erhalten bleibe. Dann erstattete der Schriftführer, Herr Pfarrer Scheffer, Bericht über Wachstum und Wirksamkeit des Vaterländischen Frauenvereins im Fahre 1913. Um Freunden wie Fernstehenden einen Einblick in den Kreis der Aufgaben zu geben, welche sich der hiesige Vaterländische Frauenverein gestellt hat, mag aus dem Jahresbericht nur hervorgehoben werden, daß der Verein in 6 Wohlfahrtseinrichtungen sich betätigte. Außer seiner vornehmsten Pflicht, Mittel bereit zu stellen, damit er im Kriegsfall hier sofort ein Reservelazarett einrichten kann, einer Pflicht, die ihn nötigt, in jedem Jahr einen festen Betrag aus seinen Einnahmen als „eisernen Bestand" anzulegen, verwandte er in 1913 die Summe von 221 Mk. zur Unterstützung und Pflege armer Wöchnerinnen, 291 Mk. zur Gewährung einer Solkur in Bad Sooden an 6 arme skrophulöse Kinder der Stadt, 195 Mk. zu Weihnachtsbescherungen an Bedürftige. Er unterhält ferner eine Näh- und Flickschule, unterstützt die Kleinkinderbewahranstalt, welche in den Räumen des Auguste Viktoria-Hauses untergebracht ist, und hat, was besondere Beachtung verdient, im vorigen Jahre mit großen Opfern in seinem Vereinshaus eine Einrichtung geschaffen, welche schwächlichen, solkurbedürftigen Kindern eine große Wohltat zu werden verspricht. Mit einem Kostenauswand von fast 900 Mk. ist nämlich ein besonderer Baderaum mit Wannen für Solbäder eingerichtet, in einem anderen sind Liegestühle aufgestellt, ja es wurden, obwohl erst Mitte Juli die Sache beginnen konnte, noch im Sommer 1913: 1177 Solbäder an 102 Kinder verabfolgt, nach jedem Bad ein Ausruhen in Liegestühlen mit Darreichen von Milch und Brot. Allerdings hat der Betrieb dieses Solbades allein eine Ausgabe von über 600 Mk. verursacht. Der Vaterländische Frauenverein mußte, um für alle diese gemeinnützigen Unternehmungen die Mittel aufzu- bringen — er erfuhr freilich von Freunden manche dankenswerte Unterstützung — im Januar 1913 ein Konzert, im November einen Unterhaltungsabend, im Dezember eine Handarbeitsausstellung mit Verkauf veranstalten, und wird auch zur Durchführung seiner Wohlfahrtseinrichtungen in diesem Jahre wieder mit einer größeren Veranstaltung, vielleicht einem im Juni stattfindenden Sommerfest, an die Bürgerschaft Hersfelds herantreten. Er hofft, daß seine Absicht freundliche Aufnahme und allseitige Unterstützung findet.
- o- Hersfeld, 10. Februar. Die am Sonntag abend in der neuen Turnhalle durch den hiesigen C h o r - verein veranstaltete Aufführung desOra- t o r r u m s „M a n a s s e" von Hegar bedeutete für den Verein einen großartigen Erfolg. Der große Raum der Halle war bis auf den letzten Platz ausverkauft und sämtliche Besucher waren begeistert von den Darbietungen sowohl des Chores wie auch der auswärtigen Solisten, und nicht minder von der vorzüglichen Leistung der Kapelle der 167er. Es ist außerordentlich hoch anzuerkennen, daß der hiesige Chorverein sich an die Aufführung eines derartigen Werkes herangewagt hat, das so große Anforderungen an alle Mitwirkenden stellt. In erster Linie gebührt dasLob für diese vollendete Aufführung demDirigenten des Chorvereins,HerrnGymnasialmusiklehrer Fischer, der keine Mühe gescheut hat, sich der schweren Ausgabe zu unterziehen, wobei er allerdings in hervorragender Weise durch alle Mitglieder seines Chors unterstützt wurde, die sich der zahlreichen Proben stets mit Liebe und Lust unterzogen hatten. Der Chorverein hat sich unter Leitung seines rührigen Dirigenten schon manches Verdienst um das Musikleben in unserer Stadt erworben und dasselbe auf eine Höhe gebracht wie es andere Städte größeren Umfanges bei weitem nicht aufweisen können. — Möge der Chorverein auf seiner heutigen Bahn so weiterschreiten, dann wird es ihm an immer zahlreicheren Gönnern und Freunden nicht fehlen.
- b- Hersfeld, 10. Febr. Die gestern abend im Hotel zum Stern stattgefundene Generalversammlung des Krieger-Vereins wurde kurz nach lÄ Uhr durch den Vorsitzenden Herrn Auel, eröffnet. Hierbei machte derselbe einige Angaben über den Mitgliederbestand des Vereins, welcher von Ende 1912 mit 440 auf 449 Ende 1913 gestiegen war. Hierauf erstattete Herr Kassierer Hrch. Lauser den Kassenbericht und die Versammlung erteilte ihm Entlastung. Es folgte sodann der Jahresbericht des Schriftführers Herrn Hieronymus Vätz, welcher in ausführlicher Weise ein klares Bild von dem Vereinsleben, Wirken und Schaffen des Kriegervereins gab. Der nächste Punkt der Tagesordnung, welcher die Vorstandswahl betraf, fand glatte Erledigung durch die einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes. — Für den in diesem Jahre in Sorga stattfindenden Kreiskriegerverbandstag wurden die Herren Ad.Sander, Sieberti., E. Mantz, Buge, Lämmerzahl, Moritz Kurz, Chr. Winter 1., Becker und Conr. Sander als Abgeordnete gewählt. — Für den durch Tod abgegangenen Herrn Carl Grebe wurde Herr Direktor Christian Hettler als Rechnungsprüfer neugewählt und die Herren Hirschberger und Hahn wiedergewählt. — Durch Beschluß des Deutschen Kriegerbundes, welcher im vorigen Jahre in Breslan getagt hatte, war der Bundesbeitrag um 30 Pfg. erhöht worden. Zur Ab- rundung der Summe beschloß die Versammlung in Zukunft statt vierteljährlich 90 Pfg. eine Mark zu erheben. — Bei der Besprechung über die Anschaffung zweier neuer Scheibenbüchsen für den Kriegerverein entspann sich eine recht lebhafte Debatte. Es wurden vielfach Wünsche laut den Schießsport im Kriegerverein mehr zu beleben und zwar durch zahlreichere Preise bei den Wettschießen etc. Die Versammlung beschloß alsdann die Anschaffung zweier neuer Wehrmannsbüchsen zum Preise von 180 Mark und roätjlte eine Kommission, welche das Prets- schießen veranstalten soll. Dieselbe besteht aus den Herren Lämmerzahl als Vorsitzenden Bernhard Limberger, Wilhelm Spangenberg, Becker, Jean Glas, Buge und Theodor Heer. — Die Feier des diesjährigen Stiftungsfestes soll in der seither üblichen Weise durch ein gemeinsames Essen mit nachfolgendem Kommers am 14. März im Hotel Stern stattfinden. — Von verschiedenen Seiten wurde dann noch zur Sprache gebracht, daß bei den in letzter Zeit stattgefundenen Beerdigungen von Veteranen der Kriegerverein, der mit der Fahne dem Verstorbenen das Ehrengeleit gibt, durch andere an der Beerdigung Teilnehmende fast bis an den Schluß des Leichenzuges gedrängt wurde. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, daß das Publikum doch hierin mehr Rücksicht nehmen und erst hinter dem Kriegerverein sich anschließen sollte. — Da weitere Anträge nicht vorlagen, so schloß der Vorsitzende kurz nach 11 Uhr die Generalver- sammlnng mit einem Kaiserhoch.
- h- Niederaula, 9. Februar. Als Industrie- lehrerin wurde von der hiesigen Gemeinde Frl. Eugenie Mahr angestellt.
- ck- Widdershavsen a. d. W., 10. Febr. Ein recht dreister Einbruchsdieb stahl wurde in der Nacht vom Sonntag auf Montag hier verübt. Während sich der Schachtarbeiter Bergmann auf der Hochzeitsfeier seines Sohnes im Hause der Braut befand, wurde von noch nicht ermittelten Burschen die Wurstkammer in seinem Hause mittelst Brecheisens geöffnet und ca. 30 Würste entwendet. Man vermutet als Täter halbwüchsige Bengels, denen man bereits auf der Spur ist. Hoffentlich gelingt es, die frechen Diebe zu ermitteln, damit sie der gerechten Strafe nicht entgehen.
- m- Breitenbach a. Hcrzberg, 9. Februar. Eine stimmungsvolle Kaisergeburtstags - Nachfeier fand gestern Abend durch den hiesigen Turn- Verein in der Schaacke'schen Gastwirtschaft statt. Nach einem Prolog hielt der Vorstand, Herr Lehrer Zimmermann, eine Ansprache an die zahlreich erschienenen Gäste, worin er in kurzen Zügen ein Lebensbild der Hohen- zollern und besonders unsers jetzigen Kaisers vor Augen führte. An die Ansprache schloffen sich mehrere humoristische Turner- und Soldaten-Aufführungen, die den ungeteilten Beifall bei dem Publikum fanden. Nach den um > 210 Uhr beendeten Aufführungen wurde der Jugend noch von der Lotz'schen Kapelle zu fröhlichem Tanz aufgespielt.
Cassel, 9. Februar. Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte heute die Strafkammer den Fahrburschen Brüßler aus Cassel, der im August v. I. ein Kind überfahren hatte, sodaß es bald darauf starb, zu einem Jahre Gefängnis. Dem Angeklagten war eine grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen worden. Der Vorsitzende betonte, daß das Urteil abschreckend auf leichtfertige Kutscher wirken möge. — Kunsthonig hatte der vielfach vorbestrafte Händler Brunner aus Wichmanns- Hausen im Kreise Eschwege in der Umgegend von
Cassel an den Mann gebracht. Er hatte den stark verfälschten Kunsthonig als reinen Bienenhonig angepriesen. Die Strafkammer verurteilte den Händler heute zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis.
Bierstein, 8. Februar. Außerordentlich groß ist die Not, die in diesem Jahre infolge von Schnee und Frost unter dem Wildstande herrscht. Bei einer Ab- suchung wurden 36 Rehe und 55 Hasen tot aufgefunden, obwohl an mehreren Stellen gefüttert wird.
Biedenkopf, 8. Febr. Auf der Grube Eisenzecher Zug bei Eiserfeld im Siegerland wurde der Bergmann Henrichs aus Neunkirchen durch abstürzende Gesteinsmassen erschlagen. Der Verunglückte hinterläßt eine kinderreiche Familie.
Grünberg, 6. Febr. Hier stürzte sich ein 21- jähriges Mädchen aus dem Fenster des dritten Stockes, nachdem sie kurz vorher Salzsäure getrunken hatte. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein.
Abgeordnetenhaus.
Am Montag begann das Haus die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Nachdem die Einnahmen ohne Debatte bewilligt waren, begann bet den Ausgaben, Titel Ministergehalt, eine allgemeine Aussprache. Abg. v. Kardorff (freif.) gab zunächst dem Wunsch nach früherer Einberufung des Landtags Ausdruck, der dann nicht über Mai hinaus tagen dürfe. Die Ablehnung der Ostmarkenzulagen im Reichstage sei ein bitteres Unrecht gegen die Beamten. In der Frage des preußischen Wahlrechts habe die Sozialdemokratie mit dem Generalstreik gedroht, er hoffe, daß die Regierung sich für diesen Fall stark zeigen möge. Mit der sozialen Versicherung müsse endlich Schluß gemacht werden. Die Hauptsache sei eine scharfe Bekämpfung der Sozialdemokratie. Nicht die Konservativen, sonoern die Demokratie erstrebe eine Verfassungsändernng an, dagegen müsse Front gemacht werden. sBeifall rechts!) Abg. Linz (Ztr.) wies auf den Kölner Polizeiprozeß hin und forderte sofortige Ausmerzung unlauterer Elemente. Ihm erwiderte Minister von Dallwitz, daß in der Tat in Köln 3 v. H. der Polizeibeamten Geschenke angenommen haben. Gegen 20 Beamte sei deshalb ein Strafverfahren eingeleitet worden und die in Betracht kommenden Vorschriften würden neu revidiert werden. Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, daß in Köln bald wieder geordnete Zustände eintreten werden. Das Verbot der Berliner Schutzmannsvereinigung sei durchaus berechtigt gewesen. Abg. Dr. Pachnicke (Fortschr.) besprach besonders die Auslösung der Berliner Schutzmannsvereinigung, die sich nur auf Vermutungen, nicht aber auf Tatsachen gestützt habe. Der Verein sei nicht politischer Natur gewesen. Der Brief des Herrn v. Jagow an die „Kreuzzcitung" sei ein Eingreifen in ein schwebendes Gerichtsverfahren gewesen. Abg. Dr. Lahmann sNatl.) wünschte, um die Sozialdemokratie einzudämmen, eine Stärkung der nationalen Arbeiterschaft und der christlichen Gewerkschaften, doch müßten diese den Grundsatz der politischen Neutralität aufrecht erhalten. Dem Fortschritt gab er den Rat, auf den manchmal „hundsgemeinen Ton" des „Berliner Tageblatts" einzuwirken, um politische Anständigkeit zu erhalten. Abg. Dr. Seyda (Pole) bemerkte, daß die Polen in ihrem Kampf gegen den Ostmarkenverein nicht innehalten werden. Das Haus vertagte sich auf Dienstag 11 Uhr: Fortsetzung.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag setzte am Montag die Einzelberatung des Etats des Innern beim Kapitel „Statistisches Amt" fort. Abg. Sivkovich lFortschr.) wünschte eine einheitliche Schulstatistik. Abg. Rühle iSoz.) fragte nach der Kinderarbeitsstatistik, deren Veröffentlichung wohl im Interesse der Agrarier hintangehalten werde. Die Behörden duldeten die Kinderarbeit in ganz gewissenloser Weise. Präsident Dr. Kaempf rügte den Ausdruck und rief den Abg. Rühle später zur Ordnung. Staatssekretär Dr. Delbrück teilte mit, daß das Material dafür noch nicht vollständig eingegangen sei. An der Veröffentlichung habe nicht nur die Regierung Interesse, um den Uebertreibungen ein Ende zu machen. Abg. Dr. Pieper (ZtrO wünschte eine Statistik über Handel, Industrie und Gewerbe, die Vergleiche ermögliche. Notwendig sei auch eine umfassende Arbeiterstatistik. Staatssekretär Dr. Delbrück erklärte, daß diese Statistik erweitert worden sei. Nach weiterer kurzer Erörterung wurde das Kapitel bewilligt. Es folgte das Kapitel Gesundheitsamt. Abg. Antrick iSoz.) besprach die Arbeitsverhält- niffe des Krankenpflegepersonals. Abg. Dr. Gerlach (Ztr.) betonte ebenfalls die Notwendigkeit einer Ber- besserung der Lage dieses Personals. — Dienstag Fortsetzung.