wem. Bei der Landung war der Flieger in bester Verfassung. Er hat mit seinem Fluge die jüngste von Bruno Langer in Johannisthal aufgestellte Leistung um zwei Stunden 39 Minuten geschlagen. Sein Flugzeug trug einen 100 PS. Mercedesmotor und zwar mit 600 Liter Benzin und 60 Liter Del belastet. Die durchslogene Strecke dürfte etwa 1700 Kilometer lang sein. Jngold überflog u. a. die Städte: Naumburg, Mühlhausen i. Th., Riesa, Torgau, Kottbus, Forst i. Lausitz. Der Flieger erklärte, daß er hauptsächlich wegen Nebels niederge- gangen sei. Sein Benzin- und Oelvorrat hätte noch für zwei Stunden gereicht.
Der erste deutsche Kopfflieger.
Die Kopf- und Sturzflüge Pegouds hatten in Deutschland bislang nur zur Hälfte Nachahmung gefunden, indem der Flieger Sablatnig in Johannisthal wohl die Sturzflüge, nicht aber die Kopfflüge ausgeführt hat. Nunmehr ist es aber auch einem deutschen Flieger gelungen, den Vorsprung, den auch hierin wieder die Franzosen hatten, einzuholen. Auf dem Flugplätze in Bork in der Mark hat der Magdeburger Hans Grade in den letzten Tagen einen neuen Apparat ausgeprobt, der so konstruiert ist, daß er sowohl in nor- maler Lage, als auch in der Rückenlage geflogen werden kann. Die Kurven der etwa 24 Quadratmeter großen Tragflächen sind etwas flacher genommen. Die obere Verspannung der Flügel ist ebenso stark, wie die untere. Der Sitz des Führers befindet sich im Gegensatz zu den älteren Gradetyps nicht unter den Tragflächen, sondern ist hochliegend angebracht. Der Motor ist ein Zweitakt- Grade-Motor mit vier beweglichen Zylindern, der 40 Pferdestärken stark ist. Das Gesamtgewicht des Flugzeuges beträgt 200 Kilogramm. Die ersten Kopfflüge von etwa 7 Minuten Dauer sind Grade in 25 Meter- Höhe auf seinem Flugplatz Bork gelungen. Auch ein halbstündiger Flug in normaler Lage. Am 21. und 22. März ö. J. wird Pegoud seine Künste in erhöhtem Maße wieder in Johannisthal zeigen. Vielleicht können wir dann ein kleines luftiges Duell zwischen dem Deutschen Grade und dem Franzosen Pegoud erleben. Grade ist deshalb schon gegenüber Pegoud im Vorteil, weil er auch auf dem Kopfe starten und landen kann. Pegoud hat also im Grunde schon in einer Beziehung seinen deutschen Meister gefunden.
Gericht und Recht«
Wegen Durchstechereien im Speisewagen -er D-Züge Berlin-Eydtkuhnen wurden vom Berliner Landgericht der Oberkellner Freibank und der Kellner Günther zu je vier Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, der Kellner Schliebener zu einem Monat und öas Kü- chenmädchen Matiayszyk zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Angeklagten haben sich in ben D-Zügen Unterschlagungen zuschulöen kommen lassen, indem sie minderwertiges Fleisch den Gästen vorsetzten, und aus dem ihnen übergebenen Kaffee eine erheblich höhere Anzahl Tassen herstellten, sowie den Tee zweimal aufgossen.
Sein eigenes Kind zu Tode gequält. Der Arbeiter Gustav Otto Weihmann aus Halle, der sein 11 Monate altes, ihm von seiner Frau unehelich geborenes Töch- terchen zu Tode mißhandelt hatte, wurde vom Schwurgericht Halle zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Bei öer Untersuchung der Kindes- leiche waren Blutungen, Arm-, Bein- und Rippenbrüche und ein Sprung der Schäöeldecke des Hinterkopfes festgestellt worden, auch verheilte Knochenbrüche.
Eine ganze Familie znm Tode verurteilt. Das Schwurgericht von Pontevedra in Spanien verurteilte gestern nach längerer Verhandlung eine ganze Familie, Mutter und zwei Söhne zum Tode. Die Frau hatte mit Unterstützung ihrer Söhne ihren Gatten im Schlaf ermordet: das Gericht kam zu der Erkenntnis, daß alle drei Personen sich öes Mordes schuldig gemacht haben und erkannte demgemäß auf Todesstrafe.
Vermischtes
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Gegen die Krouzeugin im Renterprozetz, Frau Evers, Zigarrenhandlung in Zabern, wird seitens der elsässischen Oppositionspresse weiter Frau infolge Boykotts, der von elf , _____
ihr Geschäft verhängt wurde, durch Aufträge aus Altdeutschland unterstützt wird, sucht man sie weiter geschäftlich zu schädigen. Der „Elsässer" verbreitete vor einigen Tagen eine Meldung, daß Frau Evers den Staub Saberns von ihren Füßen schütteln werde, sie habe ihr eschäst verkauft. Die Meldung ist erdichtet, wie die Frau mitteilt. Sie hat allerdings die Absicht, Zabern später zu verlassen: aus Existenzgründen ist ihr das heute jedoch nicht möglich.
Schreckenstat in religiösem Wahnsinn. In der würt- tembergischen Stadt Besigheim hat am Sonnabend ein junger Mann in einem Anfall von religiösem Wahnsinn seine Eltern Überfällen und schwer verletzt. Der 27jäh- rige Weingärtner Wilhelm Saussele schlug dort plötzlich seine Mutter mit einer Hacke auf den Kopf. Die Frau wurde tödlich verletzt. Als der Vater auf die Hilferufe der Ueberfallenen herbeikam und dem Wahnsinnigen die Hacke entreißen wollte, griff dieser zum Messer, wandle sich gegen seinen Vater und stach blindlings auf ihn ein, sodaß auch er gleichfalls schwer verletzt wurde. Einigen Nachbarn gelang es schließlich, den rasenden Wahnsinnigen zu überwältigen und der Polizei zu übergeben. Saussele hatte in der letzten Zeit Versammlungen einer " iiösen Sekte besucht. Als sich bei ihm die ersten An-
_ „ . ______ ...______ett Versammlungen einer religiösen Sekte besucht. Als sich bei ihm die ersten Anzeichen geistiger Störung bemerkbar machten, wurde er in einer Irrenanstalt untergebracht, aus der ihn sein Zater vor zwei Tagen wieder zurückholte, nachdem im
«SF des Kranken eine leichte Besserung eingetreten Als er einen Tag zu Hause war, kam der religiöse Wahnsinn bei ihm wieder zum Ausbruch.
, Raubanfall auf einen Kassierer. Ein schwerer Raubanfall, der augenscheinlich von langer Hand geplant war, ^urde Sonnabend früh auf dem Grundstück Hutten- straße 69 tn Berlin verübt. Dort wohnt der 37 Jahre alte Passiern Meyer, der bei der Berliner Paketfahrtgesellschaft in der Ritterstraße angestellt ist. Meyer pflegt seine Tagesemnahme des Abends mit nach seiner Wohnung M nehmen und erst am anderen Morgen im Geschaft n der Ritterstraße abzurechnen. Als er in früher Morgenstunde mit seiner Ledertasche über der Schulter von seiner Wohnung fortging und eben den So] überschritten hatte, sprang im Hausflur aus einer cke ein Mann hervor und versetzte ihm mit einem harten Gegenstand einen so wuchtigen Hieb über den Kopf, daß er zusammenbrach und für kurze Zeit das Bewußtsein verlor. Als er wieder zu sich kam, entdeckte er, daß der Attentäter mit seiner LeSertasche verschwunden war. Die Tasche enthielt 1200 Mark bares Geld und über tausend Quittungen. Der Räuber, den der Ueberfallene wegen der Dunkelheit kaum sehen konnte, hat ohne Zweifel die Gepflogenheit des Kassierers gekannt. Die Haustür hat er aufgekantelt und sie unverschlossen gelassen, um nach dem Ueberfall unbehindert entfliehen zu können.
Der findige Rekrut. Der Militärisch-Politischen Korrespondenz wird aus Bayern geschrieben: Unser
schaften aus sich herausgeheu und namentlich im Verkehr mit Vorgesetzten unbefangen und frisch reden. Bei der Besichtigung der Rekruten überzeugt sich der gestrenge Herr persönlich, wie dieser seiner Willeusmeinung bei der Ausbildung der Mannschaft Rechnung getragen worden ist: an zahlreiche junge Krieger stellt er kurze Fragen über ihre persönlichen Verhältnisse, über dienstliche Angelegenheiten, vaterländische und Regimentsgeschichte. Dabei erwischt er denn auch, wie es bei solchen Gelegenheiten immer geht, nicht eben gerade einen der L>chlauesten der Batterie, einen braven, biederen Gebirgler, dem aber die Zwiesprache mit einem so hohen Vorgesetzten ersichtlich wenig angenehm ist. Nachdem mehrfaches ruhiges Befragen an der wahrhaft beneidenswerten Seelenruhe des Befragten wirkungslos abgcvrallt ist, ergeht die Aufforderung, selbst tu militärischer Deutlichkeit irgend etwas zu sagen. Da endlich öffnet sich das Gehege der Zähne des Wackeren und langsam, aber laut und deutlich erschallt es: „Ich bitte den Herrn Oberst gehorsamst, abtreten zu dürfen!"
Für 20 000 Mark Radium int Kehricht. In einem Liverpooler Hospital wurde ein Glasröhrchen vermißt, das Radium im Werte von 20 000 Mark enthielt. Die Röhre war die Nacht hindurch einem Patienten an die erkrankte Wange gebunden worden. Als man sie am Morgen nicht finden konnte, wurde der Patient mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, weil man fürchtete, daß er sie verschluckt habe. Die Durchleuchtung ergab jedoch keine Spur, sodaß man annehmen mußte, die Röhre sei zu Boden gefallen und unbemerkt bei der Reinigung des Zimmers mit ausgekehrt worden. Es gelang, den Keh- richtwaaen noch aufzufinden. Nach einer stundenlangen sorgfältigen Durchsuchung des Mülls wurde dann auch das kostbare Radiumpräparat entdeckt.
Massenvesertionen in der amerikanischen Armee. Das zweierlei Tuch der amerikanischen Armee übt nach wie vor nur wenig Anziehungskraft auf die wehrfähige Jugend Dollarikas aus, obwohl der amerikanische Soldat bei hoher Löhnung und guter Behandlung wirklich nur ein Minimum von Dienst zu leisten hat. Der amerikanische Kriegssekretär Garrison hat dem Washingtoner Bundessenat einen Bericht vorgelegt, demzufolge der Bestand des stehenden Heeres um 9500 Mann hinter der etatsmätzigen Stärke zurückbleibt. Und dies, trotzdem die Militärbehörde mit allen Mitteln der Reklame Rekruten zu werben sucht. Nach dem Bericht des Kriegssekretärs beträgt die Stärke des amerikanischen Heeres zurzeit 79 986 Mann. Im vergangenen Jahre sind 4451 Soldaten desertiert, was den Kriegssekretär veranlaßt, von einem „erfreulichen Rückgang der Desertionen" zu sprechen. Als besonders bemerkenswert hebt der Kriegssekretär hevor, daß bei den Negerregimentern so gut wie gar keine Desertionen vorkommen.
Die feindlichen Suffragettenschwestern. Die englische Suffragettenbewegung dürfte eine Trennung in zwei Lager erfahren. Es ist nämlich zwischen zwei der bekanntesten Führerinnen der Frauenrechtlerinnen, den Schwestern Christabl und Sylvia Pankhurst, zu einem vollkommenen Bruch gekommen. Christabl erklärte in Uebereinstimmung mit ihrer Mutter, mit der bisher befolgten Methode der Gewalttätigkeiten brechen zu wollen und zu versuchen, das Ziel der Frauenbewegung auf friedlichem Wege zu erreichen. Ihre Schwester Sylvia dagegen widersetzt sich diesen Ansichten auf das lebhafteste und so sind denn die beiden Schwestern als Todfeinde auseinandergegangen. Diese Spaltung unter den Führerinnen dürfte auch zu einer Trennung im Suffra- gettenlager selbst führen, da beide Schwestern großen Anhang besitzen.
friedlichem Wege zu
Mutige Selbsthilfe einer Ueberfallenen. Unweit von Venlo in der holländischen Provinz Limburg wurde in einer Bauernfamilie die Hilfe einer Pflegerin in Anspruch genommen. Nachdem die Frau ihre Dienste geleistet hatte, bat sie, da es spät geworden war, den Bauer, sie nach Haus zu begleiten. Der Mann wollte zuerst feine Frau nicht allein lassen, aber gab schließlich ihren dringenden Bitten nach. Kurze Zeit, nachdem beide das Haus verlassen hatten, drang ein mit einer Flinte bewaffneter uns maskierter Mann in die Wohnung und verlangte von der kranken Frau Geld. Sie gab vor, daß sie nichts im Hanse habe, aber der Einbrecher, der gut unterrichtet war, forderte 170 Gulden, die der Bauer bei dem Verkauf einer Kuh empfangen hatte. Schließlich zeigte die Frau die Stelle, wo das Geld lag. Der Einbrecher lehnte die Flinte an die Wand, um das Geld zu suchen. Diesen Augenblick benutzte die mutige Frau, um das Bett zu verlassen, die Flinte zu ergreifen und den Räuber zu erschießen. Später stellte sich heraus, daß der Getötete der Mann der Pflegerin war.
Was amerikanische Sindenten ansgeben. Die Frage, ob in der neuen Jugend an gewissen amerikanischen Universitäten der Hang zum Luxus nicht gefährliche Fortschritte gemacht hat, wird durch eine Gerichtsverhandlung, die am Montag in Chikago stattsand, wieder in Fluß gebracht und hat in der amerikanischen Presse bereits lebhafte Erörterungen hervorgerufen. Bei jenem Prozesse ergab es sich, daß der junge Mr. Henry Field, der Enkelsohn Marshall Fields, des reichsten Grotzkaufmanns von Chikago, als Student in England, und zwar an der Universität von Cambridge, jährlich rund 40 000 JL ausgibt. Man vergleicht mit dieser stattlichen Summe, die ein junger Student im Jahr für sich ausgibt, die Kosten der studentischen Erziehung in Amerika. Nach den angestellten Erhebungen gibt der junge College-Student in Amerika inklusive seines gesamten Lebensunterhaltes an den billigeren Colleges jährlich 1800—2000 .^ aus, und an den teuersten und vornehmsten Colleges beläuft sich die Summe, die das Collegejahr erfordert, auf 2400—3600 ^ In den meisten Anstalten wird sehr streng darauf gesehen, daß die Zöglinge keinen Aufwand tteiben. Dr. Stryker vom Hamil-
linge keinen Aufwand tteiben. Dr. Stryker vom Hamtl- tonkollege erklärt beispielsweise, daß er jeden Colleg- Schüler, der mehr als 2600 Jl im Jahre ausgibt, von der Anstalt ausweisen würde. Der Enkel Pierpont Mor- gans, der junge Junius Morgan, der am Harvard-College studiert, gibt jährlich, Wohnung und Unterricht eingeschlossen, rund 6000 Jt. aus. In dieser Summe figurieren die Beiträge für die Klubs mit 1000 X die Ausgaben für Theater und Oper mrt 600, die Ausgaben für Blumen mit 500 und das Kleidungsbudget mit 1200 ^. Damit ist der College-Etat des jungen Morgan etwa auf der gleichen Höhe wie der seiner meisten Kameraden von Harvard, wobei allerdings hinzugefügt wird, daß „viele Studenten, die eigene Automobile halten, mehr ausgeben". Im allgemeinen werden College-Schüler und Studenten, die größeren gesellscha tlichen Ehrgeiz, zeigen, an den amerikanischen Universitäten und Collegs sehr über die Achsel angesehen, und damit erklärt es sich auch, daß die Amerikaner für ihre Sohne in immer steigendem Maße ihren heimischen Hochschulen den Borzug vor den älteren englischen Univerntaten geben, an denen insbesondere die Söhne wohlhabender Eltern in Ge- foßr geraten einen Luxus und einen Aufwand zu trei- K Sie in Ä der Jugend als schädlich ange- sehen^verden. ^ Hausbesitzers: „Nicht a bisserl darf man sich mit den Mietsparteien abgeben. Borgestern hab ich dem Maler sein Buberl bewundert, heute am Ersten kommt er schon nicht mit dem Hauszins!"
Sie kleinen Könige von Mexiko.
Die Einzelstaaten Mexikos, deren Zahl sich mit dem Bundesdistrikt auf achtundzwanzig beläuft, bilden in gewissem Sinne Reiche für sich, sodaß die Gouverneure sich in der Rolle kleiner Könige gefallen dürfen. Die von dem verjagten Präsidenten Porfirio Diaz eingesetzten waren in den meisten Fällen alte Waffengenossen von ihm, die für die ihm geleisteten Dienste belohnt und versorgt werden mußten. In Hinsicht auf autorratische Willkür ahmten sie häufig genug ihrem Herrn und Meister mit einem Eifer nach, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Der Nepotismus stand bet vielen von ihnen in der schönsten Blüte, Vergünstigungen, die allem Recht und politischem Anstand Hohn sprachen, gehörten in mehr als einer der Provinzhauptstädte zur Tagesordnung.
Unter dem ^cifmautel der Verfassung, die längst zum öffentlichen Gespött geworden war, wurde früher und wird auch heute und) nach allen Regeln der Kunst tyrannisch regiert. Die mexikanischen Gefängnisse, die an Greueln in der ganzen zivilisierten Welt wohl nicht ihresgleichen haben, wissen ein erschütterndes Lied davon zu fingen. In Nucatan wurden einmal 300 Männer ins Gefängnis geworfen, die das Verbrechen begangen hatten, sich öffentlich mit der Politik des neuen Gouverneurs in Widerspruch zu setzen.
Es gibt übrigens auch rühmliche Ausnahmen von der traurigen Regel. So berichtet Henry Baerlein in seinem jüngst veröffentlichten Buche über das „Land der Unruhe" von einem mexikanischen Gouverneur, der von dem besten Willen beseelt war, seine „Untergebenen" zu beglücken. Er hatte politische Ideale, die einem König von Utopien Ehre gemacht hätten. Ein anderer pflegte zum Tode verurteilte Verbrecher am Abend vor ihrer Hinrichtung im Gefängnis zu besuchen, ihnen Trost zu- zusprechen und sie mit den feinsten Zigarren zu regulieren. Aber er gab noch ein besseres Herz zu erkennen, indem er ihre Kinder auf eigene Kosten erziehen ließ. Auch von einem Original unter den mexikanischen Statthaltern hören wir. Da war einer von unverfälschter eingeborener Abstammung mit so schläfriger Natur, daß ihm nach einer Viertelstunde die Augen zufielen, ob er jemand anredete oder angeredet wurde.
Uebrigens regieren die „Könige" dieser amerikanischen angeblichen Republik zuweilen über Gebiets die echte Herrscher neidisch machen könnten — der Staat Chihuahua umfaßt annähernd 228 000 Quadratkilometer, Samora fast 200 000.__________________________________
** neuestes vom Gage«
In der Herrentoilette erschossen.
o-fr Berlin, 9. Februar. (B. Z.) In einem Nacht- cafee im Norden der Stadt gerieten in der Herrentoilette zwei Besucher namens Schmidt und Rothheuler wegen eines Mädchens in Streit. Plötzlich zog Schmidt einen Revolver hervor und gab auf seinen Nebenbuhler einen Schuß ab, der tödlich wirkte. Schmidt wurde verhaftet.
Anf der Strecke getötet.
Berlin, 9. Februar. (B. Z.) Der Streckenwärter Mädel wurde in der vrgangenen Nacht, als er die Strecke revidierte, bei der Station Pankow-Nteder- schönhausen von einem Zuge erfaßt und getötet.
Von einem Wilderer erschossen.
o-* Nanmburg, 9. Februar. In der letzten Nacht wurden in Eckartsverga Polizei und Gericht alarmiert. Der Forstläufer Schmrtt hatte sich mit schweren Schußwunden nach Frankroda geschleppt und teilte mit, daß | er und der Revierförster Ludwig im Walde mit Wilderern znsammengetrvffen seien, die auf beide Beamte gefeuert hätten. Ludwig sei getötet worden. Von der Gerichtskommission wurde die Leiche Ludwigs im Walde gefunden. Der Arzt konnte nur noch den bereits etn- getretenen Tod feststellen. Etwa zehn Meter von der Leiche entfernt lag ein erlegtes Reh. Der getötete Förster war Familienvater.
Der Tod beim Schlittschuhlaufen.
«-♦> Königsberg, 9. Februar. Auf dem Eise des Frischen Haffs brachen gestern beim Schlittschuhlaufen zwei Söhne des Fischers Camstigalt im Alter von 13 und 10 Jahren ein und ertranken. Auf dem Wallgraben bet Königsberg brachen gestern zwei junge Leute im Alter von 15 und 18 Jahren ein. Der jüngere ertrank.
Ein nordischer Meerflug geplant.
e-* Kopenhagen, 9. Februar. Vertreter der Aerq- nautischen Gesellschaft von Dänemark, Norwegen, Schweden und Deutschland versammelten sich gestern in Kopenhagen, um nähere Bestimmungen über den im nächsten Sommer in Aussicht genommenen nordischen Asteerflug zu treffen. Der Start wird am 22. August in Warnemünde erfolgen. Die Ankunft in Kopenhagen findet noch am gleichen Tage statt. Am 23. August werden die Flieger den Flug nach Aarhus fortsetzen und von dort nach Christiania fliegen. Spätestens am 30. August müssen sie in Christiania eintreffen.
o-f Konstantinopel, 9. Februar. Der Kommandant des türkischen Fliegerkorps Hauptmann Fethi sowie der Fltegeroffizier Leutnant Nort sind mit je einem Fluggast gestern zu einem Fluge nach Kairo aufgestiegen.
Kundgebungen gegen Danew.
»-*- Sofia, 9. Februar. Als der frühere Ministerpräsident Dr. Danew gestern in einer Versammlung sprechen wollte, wurde er mit dem Rufe empfangen „Nieder mit dem Verräter!" Es kam wiederholt zu so heftigen Kundgebungen, daß die Polizei einschretten mußte. Schließlich konnte Danew, fortgesetzt unterbrochen, einen einstündigen Bortrag halten.
Ein Fliegerpreis von vier Millionen.
w- London, 9. Februar. (B. Z.) Das Komitee der Panama-Weltausstellung hat ihren Plan für den Rund- flug um die Welt einer Revisivll unterzogen. Der Preis für den Flieger ist auf vier Millionen Mark erhöht und die Dauer des Fluges von 90 auf 120 Tage verlängert worden.
Ein Mord ans Eifersucht.
»e* Neuyork, 9. Februar. kB. Z.) Am Sonnabend wurde die von ihrem Manne, einem reichen Automobil- besitzer, getrennt lebende Frau Elisabeth Manning in Newark von unbekannter Hand getötet. Als Täter wurde ein 19 Jahre altes Mädchen entdeckt. Das junge Mädchen, eine gewisse Hazel Herdmann, hatte nach- der Tat eine Sublimatlösung zu sich genommen und wurde sterbend ins Krankenhaus gebracht, wo sie in der Todesstunde ein Geständnis ablegte. Sie erklärte, daß sie sich in Manning verliebt habe und daß sie die Frau tötete, um Manning heiraten zu können. Bei dem Anblick der Leiche der Frau sei sie jedoch so sehr erschreckt worden, daß sie beschlossen habe, aus dem Leben zu scheiden.
Tausend Menschenopfer einer Ucberschrvemmnug.
** Rio de Janeiro, 9. Februar. Nach den letzten Meldungen aus der Provinz Bahia sind bei den großen Ueberschwemmungen über tausend Personen ums Leben gekommen. Die Eisenbahnen sind teilweise beschädigt. Auch der Sachschaden im Ueberfchwemmungsgebtet ist sehr groß.