Die Solonialsahrt des Kronprinzen.
Ihre wirtschaftliche Bedeutung.
Der Kronprinz wird seine Studien im Moltke- zimmer des Generalstabsgebäudes am Körligsptaye auf sechs Monate unterbrechen, um seine Weltkenntnisse durch eine Fahrt nach dem schwarzen Erdteile zu bereichern. Die bisherigen Vermutungen über diesen Reiseplan haben setzt bestimmte Gestalt angenommen, und schon zu Anfang des Monats Juni wird das Geschwader in Wilhelmshaven die Anker lichten, das den Kronprinzen in die deutschen Schutzgebiete in Afrika führen soll. Mit Friktionen am Hofe und in der Politik kann man die längere Abwesenheit des Thronerben aus der Hauptstadt umsoweniger zusamenbringen, weil schon seit Jahren von der Fahrt die Rede war. Bei der jüngsten Tafel im Reichskanzlerpalais, an der das Kronprinzenpaar teilnahm, ist auch gewiß „ein völliger Ausgleich zwischen „Kanzler"- und „Kronprinzen"-Poli- ttk" zustandegekommen, soweit man davon ernstlich sprechen kann. Es soll dort heiter und vertraulich zugegangen sein.
Daß der Besuch der deutschen Kolonien durch den Kaisersohn nicht lediglich dem Vergnügen, sondern auch der Festigung des Zusammenhanges zwischen dem Reiche und den fernen Schutzgebieten dienen soll, versteht sich wohl von selbst. Nach dem Abschluß der Verhandlungen mit Ettgland wird sich die koloniale Tätigkeit der Deutschen auf afrikanischem Gebiete voraussichtlich weit stärker als bisher entfalten, und da unsere Kolonien gerade in der Zukunft für das deutsche Reich immer wichtiger werden, so kann man es nur willkommen heißen, daß der künftige Kaiser sich mit eigenen Augen über die in unseren Schutzgebieten vorliegenden Verhältnisse unterrichtet und somit sein Interesse dafür erhöht. Es heißt, daß der Kronprinz in Afrika das Bereich der deutschen Kolonien zeitweilig verläßt und englisches Gebiet betritt. Er kann dort einer gleich freundlichen Aufnahme sicher sein, wie er sie vor einigen Jahren in Indien erfuhr. Alle Zeichen lassen darauf schließen, daß ein englisch-deutscher Afrikavertrag zum Abschlüsse gelangen wird.
Für die Reise des Kronprinzen werden die um- fassendsten Vorbereitungen getroffen, und es wird vermutet, daß sich auch der Kolonialstaatssekretär Dr. Solf zeitweilig im Gefolge des Kronprinzen befinden wird. Außer militärischen Begleitern wird der Thronerbe Kenner der Kolonien um sich haben, die dort persönlich reiche Erfahrungen gesammelt haben. Daß das Waidmannswerk bei dem Aufenthalte des Kronprinzen in Afrika nicht zu kurz kommen wird, dafür bürgt feine Vorliebe für diesen Sport. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Jagdliteratur wieder durch die Erlebnisse des Koriprinzen im schwarzen Erdteil bereichert werden, wie es nach der indischen Reise geschah. Als Hauptsache aber wird es bezeichnet, daß der Thronerbe sich mit der Verwaltung des Landes und des wirtschaftlichen Ergebnisses befaßt. Es werden neue Anregungen über die Behandlung der Schutzgebiete gegeben werden, mit denen sich dann auch der Reichstag beschäftigen dürfte.
So viel steht fest: Steigt die Handelsbilanz unserer Kolonien, so brauchen wir sie weniger vom Mutterlande aus zu unterstützen als seither. In jedem Falle erwarten wir von der Kronprinzenfahrt nach den afrikanischen Kolonien erfreuliche volkswirtschaftliche Folgen.
Unsere Schutzlcuppen.
In diesen Tagen sind es 25 Jahre, daß der Grund zur deutschen Kolonialarmee gelegt wurde, wenn man von einer solchen angesichts der verhältnismäßig geringen Zahl unserer Truppen in den Schutzgebieten sprechen kann. Mag auch diese Periode verhältnismäßig kurz sein, so geziemt es sich wohl dieses Tages zu gedenken, denn wackere Taten sind in diesem Zeitraum verrichtet worden, und soweit deutsche Staatsangehörige in Frage kamen, hat es sich gezeigt, daß der alte Helden- keineswegs erloschen ist und daß unsere braven nnschaften auch unter den schwierigsten Verhältnissen ihren Mann gestanden haben.
Wir verfügen über drei Gruppen von Schutztruppen, die sämtlich in Afrika stationiert sind. Die ostafrikanische, die südafrikanische Schutztruppe und die von Kamerun. Vollständig aus Weißen setzt sich nur die südwestafrika- nische zusammen, und im Hinblick auf die unsicheren Verhältnisse im Lande dürfte es damit vorläufig noch -auf Jahre hinaus sein Bewenden haben, aber gerade diese Truppe ist es, die in die Lage gekommen ist, die schwierigsten Kämpfe durchzumachen, und ihre Taten werden in der Geschichte des deutschen Heeres unvergeßlich bleiben. Hunger und Durst leidend, von einem grausamen Feinde fortwährend bedroht, haben die Mannschaften tapfer ausgehalten, schwere blutige Kampfe mit größter Zähigkeit geliefert, bis endlich der
Die Dame im Schleier.
Spionage-Roman von Matthias Blank.
86) (Nachdruck verboten.)
Sechzehntes Kapitel.
Wie hatte das möglich sein können? Das war die er,te Frage gewesen, die sich in den Gedanken von Robert Haßfeld regte, während er noch auf das Schreiben ^Patentamtes starrte. Gab es eine solche Möglich- fett . Die Formel war die gleiche: unbedeutende Ab- weuhungen: eine Duplizität der Fälle. War er vielleicht um ferne Erfindung betrogen worden? In England war ine Patenteintragung erfolgt: am 6. Mai. Das war erst vor zwei Tagen geschehen.
Alles kam ihm in den Sinn, was er von englischen Agenten und Spionen gehört hatte. Sollte auch er ein Opfer dieses ^rpwnenunwesens geworden sein, wie es sein Onkel war, daran hatte er nie glauben wollen?
Berta von Marberg hatte es sehen müssen, daß et- was Außergewöhnliches vorgefallen war. Er hatte das Schreiben des Patentamtes in der Faust zusammenge- kNUllt.
„ . ist geschehen?" fragte sie und trat zu Robert Hatzfeld hm, der von seinem Stuhl aufsprang, das zerknitterte Schreiben ihr hinreichte und dabei mit vor Aufregung heiser klingender Stimme rief: „Da! Lies und sag', ob Du an solche Zufälle glaubst!"
Hastig ging er dabei auf und nieder, die Hände auf dem Rücken.
Berta von Marberg las das Schreiben, das sie dann auf den Tisch zurücklegte.
„Nein! Ich glaube nicht daran. Du bist um Deine Erfindung betrogen worden. Aber wirst Du diesen Betrug auch erweisen können?"
„Unbedeutende Abweichungen! Diese sind mit Ab- M gemacht Eben. UM vpr zwei Tagen ist erst die
Aufstaus niedergeschlagen war. Auch heute noch sind die Soldaten dort unten nicht auf Rosen gebettet. Auch der Frieöensdienst ist ein ungeheuer anstrengender und oft lauern Gefahren ringsum.
Die älteste Schutztruppe ist die ostafrikanische, aus den Mannschaften Wißmanns hervorgegangen, und auch ihre Kompagnien haben manchen Strauß im Kampfe gegen aufständische Eingeborene zu kämpfen gehabt. In ihr sind nur die Offiziere und der größere Teil der Unteroffiziere Weihe, während die Mannschaften mit Rücksicht auf das Klima ebenso wie in Kamerun aus Negern besteht. Die ostasiatischen Besatzungs- truppen können hier nicht mitzählen, sie gehören der Marine an, die sich aber gleichfalls in manchen Land- kämpfen trefflich bewährt hat. Für Samoa und die Inseln im australischen Archipel genügen die dortigen Polizeitruppen.
Unser Kolonialbesitz ist kein großer und darum wird auch die Stärke unserer Schutztruppen eine be- chränkte bleiben, das steht aber fest, daß sie stets dem deutschen Namen und den Traditionen unseres Heeres Ehre machen wird, auch in den fernsten Gegenden und unter den schwierigsten Verhältnissen.
Eigene Anstalten für kranke Verbrecher
fordern die „Hamburger Nachrichten" im Hinblick auf den Fall des Massenmörders Wagner: Wenn er auch für Lebenszeit in die Anstalt verwiesen doch eines Tages entweicht: welchen Schutz bietet dann die Staatsgewalt den von ihm Bedrohten? Und selbst wenn es gelingt, ihn festzuhalten: ist es gerechtfertigt, dieses Scheusal ebenso mit behütender Sorgsamkett zu pflegen wie andere Geisteskranke, die nichts verbrochen haben? Da klafft wieder die Lücke, auf die während der letzten Monate schon mehrfach hingewiesen worden ist. Auch der geisteskranke Verbrecher ist ein Verbrecher. Kann er nad) der geltenden Rechtsauffassung nicht die Strafe erleiden, die dem gesunden Verbrecher bestimmt ist, so darf er doch auch nicht wie ein Unschuldiger behandelt werden. Eigene Anstalten für kranke Verbrecher sind nötig: wie man erkrankte Untersuchungsgefangene als besondere Polizeigefangene in Krankenhäusern unterbringt, so müssen auch die geisteskranken Verbrecher in besonderen Anstalten verwahrt werden, in denen sie ärztliche Aufsicht genießen, in denen aber nicht nur der Pfleger, sondern auch der Sicherheitswächter für sie bestellt wird. Der Verbrecher, der geisteskrank ist, wird dadurch nicht weniger gefährlich: im Gegenteil, er ist noch gefährlicher und bedarf noch schärferer Ueberwa- chung als der gesunde, denn sein Trachten ist unberechenbar, und wenn er die Freiheit wiedergewinnt, so bedroht er die Menschheit mit schlimmeren Gefahren als der andere, der nur die Unbequemlichkeit der Strafe los- werden will. Die Bewohner des Vaihinger Bezirks und die menschliche Gesellschaft überhaupt vor dem Mafsen- mörfrer Wagner zu schützen, ist jetzt die Aufgabe der Staatsgewalt, die den irrsinnigen Verbrecher unter ihre Obhut nimmt.
Politische Rundschau.
Jtalienreise Kaiser Wilhelms? Wie ein Pariser Blatt aus Rom erfährt, wird Kaiser Wilhelm auf seiner Frühjahrsfahrt nach Korfu sich zunächst nach Italien be- geben und König Viktor Emanuel einen Besuch abstat- ten. In Rom wird ein offizieller Empfang stattfinden. Darauf wird sich der Kaiser nach Neapel begeben, um sich an Bord seiner Jacht „Hohenzollern" einzuschiffen.
Wiederherstellung der Ostmarkenzulage. Die Nationalliberalen und die Konservativen haben im Reichstage zur zweiten Lesung des Posthaushalts den Antrag gestellt, die von dem Haushaltsausschuß abgelebnte Ostmarkenzulage in einer Vollversammlung wieöerherzu- stellen. Auch die Fortschrittliche Volkspartei wird diese Anträge unterstützen resp, einen eigenen Antrag stellen.
Die Verstärkung der Zaberner Garnison unterbleibt.
Am 1. Oktober 1914 sollte die Zaberner Garnison eine Verstärkung durch eine Abteilung Artillerie erhalten. Nach den hierher gelangten Meldungen der Militärbehörde unterbleibt die geplante Verstärkung endgültig. Nach einer offiziösen Meldung trifft es zu, daß aus zwingenden militärischen Rücksichten, darunter auch solchen auf die Ausbildung, die Wahl eines anderen Standorts für die zweite Abteilung des Feldartillerieregiments Nr. 84 erwogen wird.
Der Reichsausschutz der deutschen Zentrumspartei hat sich in Berlin konstituiert. Als Vorsitzender wurde Abgeordneter Spähn, als erster stellvertretender Vorsitzender Porsch gewählt. Als zweiter stellvertretender Vorsitzender soll derjenige bayerische Abgeordnete fungieren, der von der Zentrumsfraktion der Zweiten bayerischen Kammer zum Vorsitzenden gewählt werden wird. Der Reichsausschuß beschloß einen Aufruf an die Mitglieder der Zentrumspartei zu richten, in dem es heißt: Das Zusammenwirken katholischer und nichtkatholischer Männer innerhalb der Zentrumspartei dient zur Erhal
Patenteintragung in England erfolgt. Aber durch wen bin ich um den ganzen Lohn meiner Arbeit und Erfindung hintergangen worden?"
Dabei ballten sich seine Fäuste, als könnte er damit den Schuldigen treffen.
Berta von Marberg dagegen bewahrte gerade jetzt ihre Ruhe: nur daß sich ihre Brauen zusammenschoben, ließ erkennen, wie lebhaft ihre Gedanken arbeiteten: „Eine Erregung nützt nichts. Nur ein ruhiges Ueber- legen kann schließlich zu einem Ziele führen. Ich wollte Dir gerne helfen, da Du anscheinend in unserem Hause ein Opfer des englischen Agentenwesens wurdest, dem auch Papa unterliegen mußte."
„Ruhe! Wie soll man in solchen Augenblicken ruhig sein können?"
Berta von Marberg setzte sich und schwieg für ein paar Augenblicke, um Hatzfeld dadurch zu zwingen, seine Gedanken ebenfalls zu sammeln. Dann fragte sie: „Wir müssen früh beginnen. Gab es, ehe Du nach Berlin kamst, eine Gelegenheit, das Geheimnis Deiner Erfindung zu entdecken?"
„Nein! Ich hatte deshalb keine abschließenden Auf- zerchnungen gemacht. Ich benützte nur Bruchstücke mit Angaben, deren eigentlicher Sinn nur mir bekannt sein konnte. Die emzelnen Formen hatte ich mit Chiffern
d ? ^/«sowenig erraten werden konnten. Die Geschütze selbst wurden unter meiner Leitung von Ar- beitern ausgeführt. Niemand, kein Fachmann hatte Einblick. Um mich zu schützen, hatte ich nur eine mir allein bekannte Geheimschrift in Anwendung gebrachst"
gönnte es immerhin noch eine Möglichkeit Ä der von Dir hergestellten Patronen gekommen?^ ®emett Geschützen verwendest, abhanden
„Nein. Ich hatte alle selbst konstruiert und mit Nummern versehen."
-Dann kann es nur in Berlin geschehen sein!"
tung des Friedens unter den christlichen Konfessionell und der Förderung gemeinsamer Interessen. Das Zeir- trum ist eine grundsätzlich politische, nicht konfessionelle Partei und soll es bleiben, wie sie es war. Seine Anhan- aer müssen in sozialen und wirtschaftlichen Organisationen tatkräftig Mitarbeiten, um den wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung von Land und Volk zu fördern, unD müssen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß gegenüber der stetig wachsenden Macht der staats- und re- ligionsfeindlichen Sozialdemokratie die christlich-nationale Arbeiterbewegung nur dann voll zur Geltung kommen kann, wenn alles bintangehalten wird, was ihre Einigkeit und ruhige Entwicklung gefährdet.
Einberufung russischer Laudwehrmänner. Ein Befehl des Kaisers von Rußland ordnet an, baß im ganzen Reiche mit Ausnahme des Gouvernements des Weichsel- gebiets die Landwehrmänner des ersten Aufgebots, die bei der Einberufung von 1911 und 1913 direkt zur Landwehr gezählt wurden, im laufenden Jahre zu vierwöchi- gen Waffenübungen einzuberufen sind.
Keine bulgarische Kriegslust. Der Sofioter Kor- respvudent des „Matin" erklärt, vom Kriegsminister autorisiert worden zu sein, alle beunruhigenden Gerüchte über kriegerische Absichten Bulgariens zu dementieren. Es ist nicht richtig, daß die im Ausland lebenden bulgarischen Reservisten Einberufungsordre erhalten haben.
Kleine üadiridifeib
Neue Ausschreitungen gegen Forstner. Leutnant von Forstner weilte am. Sonnabend vorübergehend in Zabern, vermutlich um wegen seiner Uebersiedeluna nach Bromberg seine Angelegenheiten zu ordnen. Als er gegen Mittag in Begleitung von zwei Kameraden die Hvhbarrstratze passierte, schloß sich ihm ein Haufen von etwa 50 Kindern an, aus deren Mitte auch wohl Rufe gehört wurden. Die Gendarmerie war aber alsbald zur Stelle und verhinderte jede Ausschreitung.
Ein Seeoffizier beim Turnen tödlich verunglückt. In Wilhelmshaven hat sich beim Turnunterricht der jungen Seeoffiziere ein Unglücksfall ereignet. Der Oberleutnant zur See Freiherr von Beaulieu-Marconnay stürzte vom Reck ab und blieb tot liegen. Der Verunglückte war 25 Jahre alt und ist erst vor kurzem zum Oberleutnant befördert worden.
In einem Anfall von Wahnsinn beging Sonntag abend in Berlin ein Straßenbahnführer eine schreckliche Tat. Er schnitt sich die Kehle durch und verletzte sein noch nicht zwei Jahre altes Kind und sich selbst durch mehrere Schüsse lebensgefährlich. Zuvor hatte er Feuer in seiner Wohnung angelegt.
Schwerer Unfall bei einer Ballonfüllung. Als am Sonntag in Essen ein von Herrn Krupp gestifteter Freiballon fast ganz gefüllt war, ritz ein Windstoß ihn aus den Händen der die Haltetaue haltenden Mannschaften. Ein Arbeiter, der in die Taue verwickelt war, wurde mit in die Höhe gerissen und stürzte aus etwa zehn Metern Höhe herab, und zwar so unglücklich auf eine Eisenröhre, daß er beide Unterschenkel brach.
75 Jahre laug Haushälterin derselben Familie. Eine ungewöhnlich pflichttreue Dienerin ist die 89jäh- rige Haushälterin Gertrud Finkamp, die jetzt 75 Jahre in den Diensten der Familie des Rentners Franz Froitz- heim in Bedburg (Rheinland) steht.
Unredliche Eisenbahnangeftellte. Wegen fortgesetzter schwerer Diebstähle von Etzwaren, Zigarren, Tuchen usw. bei der Güterabfertigung in Cottbus sind einige Eisenbahnangestellte verhaftet worden. Die Diebstähle sollen sich auf mehrere Jahre erstrecken. Die Untersuchung ist im Gange.
Eine ganze Familie in den Flammen ««gekommen. Aus dem russischen Städtchen Auten wird gemeldet, daß dort in der Nacht das Wohnhaus des Beisitzers Prze- mieniecki völlig niedergebrannt ist. Das Feuer wurde erst bemerkt, als das Haus vollkommen in Flammen gehüllt war. Der 61jährige Besitzer, seine 46 Jahre alte Frau und seine beiden 12 und 6 Jahre alten Töchter sind in den Flammen umgekommen.
Die Revolutionsdrnckerei im Mädchengymnasium. Die Rigaer Polizei entdeckte im Mädchengymnasium des Fleckens Madon die leitende Zentrale der revolutionären Bewegung in Riga. Acht Schülerinnen wurden verhaftet und alle übrigen werden von geheimen Agenten beobachtet. Es wurde ferner eine geheime Druckerei entdeckt, in der die Schülerinnen revolutionäre Aufrufe hatten drucken lassen.
Aeue Erfolge deutscher Flieger.
18 Stunden in der Luft.
Der Flieger Jngold, der Sonnabend früh um 7 Uhi 35 Minuten in Misthaufen im Elsaß im Wettbewerb für den Städteflug der Nationalflugspende gestartet war, ist Sonnabend abend um 11 Uhr 55 Minuten bei Fürstenried in Bayern gelandet. Er hat während der ganzen Zwischenzeit auf seinem Aviatik-Pfeil-Doppel- decker, also 16 Stunden 20 Minuten in der Luft ver-
„Was ist mir Damit gedient? Weiß ich deshalb, wer es getan haben kann?"
„Vor drei Tagen hast Du Deine Patentschrift eingereicht?"
„Ja!"
„Hast Du Deine farbigen Aufzeichnungen irgend jemanden sehen lassen?"
„Nein!"
„Wo hattest Du diese aufbewahrt?"
„In dem Schreibtisch eingesperrt."
„Hast Du das Versperren einmal vergessen?"
„Nein!"
„Aber nach allem, wenn Du an die Möglichkeit einer Duplizität nicht glaubst —"
Robert Hatzfeld unterbrach sie mit hastender Stimme: „Nein! Die genaue Uebereinstimmung der chemischen Formel meiner Sprengstoffmittel kann auf keinem Zufall beruhen."
„Gut! Dann kann Dir die Erfindung also nur aus Deinem Arbeitszimmer entwendet worden sein."
„Aber ich vermisse kein Blatt."
Da huschte über das Gesicht von Berta von Marberg doch ein flüchtiges Lächeln: „Das braucht nicht notwendig zu sein. Du darfst nicht vergessen, was Papa schon erlebt hat. Deine Zeichnungen und Notizen brauchen ja nur in einem günstigen Augenblicke, wobei ein paar Minuten ausreichend sein konnten, photographiert sein." •
„Ja! So kann es möglich gewesen sein. Aber es kam kein Mensch in mein Zimmer. Ich hatte den Schreibtisch stets versperrt, so oft ich fortgegangen war."
„Kannst Du Dich an keine Ausnahme entsinnen9 Haft Du Deine fertigen Aufzeichnungen nicht für ganz kurze Zeit offen liegen lassen?"
(Fortsetzung folgt.)