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36t den deutschen Handel.

Eine Deutsche Gesellschaft für Welthandel.

In den letzten Monaten haben verschiedene Grün­dungen stattgefunden, die den Zweck verfolgten, den Warenaustausch zu vergrößern und weitere Absatzmög­lichkeiten zu schaffen. So trat der deutsch-österreichische Handelsvertragsverein ins Leben, ihm folgte ein ähn­licher Verein, der die wirtschaftlichen Beziehungen mit Rußland pflegen soll, ja man hat auch einen Verband gebildet, der sich die Aufgabe gesetzt hat, die wirtschaft­lichen Beziehungen zu Griechenland zu verbessern. Es besteht auch ein deutsch-argentinischer Zentralverband zur Förderung wirtschaftlicher Interessen, und nicht mit Unrecht, denn gerade mit diesem Lande Südamerikas verbinden uns ungemein rege wirtschaftliche Beziehun­gen, wie man dort überhaupt für Deutschland viel üb­rig hat.

Bekannt ist, daß zahlreiche Offiziere ihre Ausbil­dung in Deutschland erhalten und auch in Argentinien selbst eine ganze Anzahl deutscher Militärs als Armee­instrukteure fungieren. Welche Bedeutung man auch in offiziellen Kreisen diesen Beziehungen beimißt, geht da­raus hervor, daß an einem dieser Tage stattgebabten „Freundschaftsabend" auch hervorragende Persönlich­keiten der offiziellen wie der Handeswelt vertreten wa­ren. Exzellenz von der Goltz hatte es sich nicht nehmen lassen zu erscheinen und für das Reichsamt des Innern war Ministerialdirektor Lewalü zugegen, der in be­redten Worten der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien gedachte.

Alle diese Bestrebungen will man anscheinend jetzt zusammenfassen, indem man eine Zentrale für den deutschen Außenhandel geschaffen hat. Ursprünglich hieß es, man wolle einen deutsch-amerikanischen Wirt­schaftsverband gründen, bei den eifrigen Vorbesprechun­gen kam man aber zu der Einsicht, daß eine derartige Einrichtung nur einen Teil der deutschen Auslands­interessen umfassen würde, angesichts dieses Umstandes beschlossen die maßgebenden Kreise unter dem Vorsitz des Generaldirektors Ballin von der Hamburg-Amerika- Linie, einen den ganzen deutschen Auslandshandel um­fassenden Verband zu gründen. Dieser Verband soll den Namen „Deutsche Gesellschaft für Welthandel" füh­ren mit der Bestimmung, die Bestrebungen zur För­derung der deutschen Auslandsinteressen zusammenzu- fassen.

Einzelheiten der Gründung und besondere Bestim­mungen werden vorläufig noch der Oeffentlichkeit vor­enthalten, da man sich wohl über alle Punkte im ein­zelnen noch nicht ganz klar ist. Bemerkenswert ist je­denfalls, daß an dieser Gründung zwei feindliche Brü­der teilgenommen haben, der Zentralverband und der Bund der Industriellen, die bisher niemals unter einen Hut zu bringen waren. Es ist erfreulich, daß man sich jetzt auf neutralem Boden getroffen hat, und es wäre zu wünschen, daß dies auch bei anderen Gelegenheiten der Fall sein möge, es würde sicherlich zu nutz und frommen der Industrie und des Handels Deutschlands arksschlagen.

Die drille Säle des Wehrbeilrags.

In der Presse ist in letzter Zeit mehrfach die Mei­nung aufgetaucht, daß durch die unerwartet hohen Ver- mögenseinschützungen zum Wehrbeitrag die dritte Rate desselben, die im Jahre 1917 fällig sein würde, gege­benenfalls zum Ausfall käme. Davon kann, wie der „Jnf." geschrieben wird, natürlich, wie die Dinge lie­gen, in gar keiner Weise die Rede sein, und es muß diesem „schönen Wahn" auf das Energischste wider­sprochen werden. An den zuständigen Stellen ist nir­gends etwas von dem Ausfall der dritten Rate bekannt und selbst wenn man eine solche überhaupt als denk­bar in den Kreis der Erwägung ziehen würde, wäre heute der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen.

Wenn auch in einem einzelnen Fall die Vermö­genseinschätzungen zum WehrbeUrag eine unerwartet große Höhe ergeben haben, so ist doch heute eine all­gemeine Uebersicht über das Gesamtergebnis der Steuer­einschätzungen durchaus noch nicht möglich. Allein schon aus diesem Grunde ist es verfrüht, sich Illusionen wie der oben genannten hinzugeben. Richtig ist es, daß der Generalpardon aus die Einschätzung der Steuerzahler einen nicht zu unterschätzenden Einfluß ausübt, aber man geht fehl, das günstige Ergebnis im Fall der Stadt Frankfurt auf den Generalpardon als alleinige Ursache zurückzuführen und nun ohne weiteres auf die Vermögenseinschätzungen überhaupt verallgemeinernd den Generalpardon als das wunderwirkende Mittel hinzustellen.

Da der Nationalwohlstand, wie man wohl behaup­ten darf, in der letzten Zeit eine durchschnittlich steigende Tendenz aufweist, so sind die Erscheinungen der viel höheren Steuereinschätzungen nicht so verwunderlich, als man gemeinhin anzunehmen geneigt ist. Jeder mit der

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

35) (Nachdruck verboten.)

„Vor solchen habe ich mich nie gefürchtet."

„Das hatte ich auch einmal gesagt! Aber das sind keine ehrlichen Feinde. Gegen diese kannst Du Dich gar nicht wehren, da sie wie in einer Tarnkappe stecken, die unsichtbar macht."

Berta von Marberg beobachtete Hatzfeld. Hatte sich an ihm etwas geändert? Seine Nervosität war die gleiche geblieben. Nur nach Briefen hatte er mehrmals gefragt. Nach einem Brief von ihr! So hatte Berta von Marberg ergänzt.

Schon zu sehr früher Nachmittagsstunde war Haß- feld fortgegangen. Wiederum wartete er.

Eine Stunde war über die gewohnte Zeit verstrichen, noch eine halbe. Aber Mia von Theden war nicht ge­kommen. Was bedeutete das?

Er mußte sich um jeden Preis Gewißheit verschaffen: er wollte nicht noch eine solche Nacht erleben, wie jene letzte gewesen war. Er sprang in einen Wagen und fuhr nach der Rauchstratze: ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, fchellte er. Das Dienstmädchen öffnete ihm und fragte ihn nach feinen Wünschen.

„Ich möchte die Baronin von Theden sprechen. Ist sie zu Hause? Nein? Auch Baronesse Mia nicht?"

„Nein! Beide sind gestern von Berlin abgereist!" „Abgereist?" wiederholte Hatzfeld tonlos, als könnte er den Sinn dieser Worte nicht erfassen.

„Ja! Sie haben keine Adresse hinterlassen."

„Auch nichts darüber, wann sie zurückkehren?" Nein!"

Wie ein Traumwandler schritt Robert Hatzfeld durch die Straßen. Verreist! Aber wohin? Warum? Sr wußte nicht, Me er LeiMgekommen war, merkte auch

Steuerveranlagung und Einschätzung einigermaßen Ver­traute wird bestätigen können, daß ein Vermögenszu­wachs von Jahr zu Jahr in kleinerem oder größerem Umfange festzustellen ist. Das soll nun nicht heißen, die Bedeutung des Generalpardons für den endlichen Aus­fall des Wehrbeitrages überhaupt verkennen zu wollen. Jedenfalls ist der Ausfall der dritten Rate, wie ihn einige Optimisten schon im Gemüte sehen, vor der Hand noch ein schöner Traum und nur als solcher zu bewerten.

Die Lehrfächer im Urteil der Schüler.

Kürzlich hat der Chemnitzer Volksschullehrer Artur Lode das Urteil seiner Schüler über die verschiedenen Lehrfächer eingeholt und dabei interessante Aufklärungen bekommen, die er in der Zeitschrift für pädagogische Psy­chologie mitteilt.

Zunächst geht aus den mehrfachen Befragungen her­vor, daß die 13= bis 14jährigen Schüler doch noch nicht recht wissen, was sie wollen. Sie geben einmal dies und ein andermal ein anderes Fach als Lieblingsfach in der Mehrzahl der Fälle an. Nur 18 Prozent der Befragten beharrten auf dem Anfangsurteil. Dagegen herrschte all­gemeine Uebereinstimmung über das unbeliebteste Lehr­fach. Es war das Singen. „Schuld" an dieser abfälligen Kritik war offenbar die Methode des Gesangunterrichts, das Tonleitersingen und Notenlernen, das den Knaben völlig zwecklos erschien, besonders, wenn sie nicht ge- sangeskundig waren. An zweiter Stelle herrschte allge­meine Mißstimmung gegen die Religionsstunoe. Diese Unlust entwickelte sich wohl weniger aus einem irreligiö­sen Empfinden heraus, als weil auch hier sehr viel Cho­räle, Sprüche, Vibelstellen auswendig gelernt werden müssen, und das mögen die Schüler nicht. „Es ist lang­weilig", begründeten sie ihr Urteil, und „ich schlafe da­bei ein".

Beliebt waren dagegen die Fächer vor allem, die für das Leben wichtig sind, bei deren Beherrschung man später vorwärts kommt. So Zeichnen und Rechnen. „Denn man kann einen guten Beruf bekommen." „Ich brauche es im Leben." Aus idealeren Gesichtspunkten heraus werden andere Fächer als Lieblingsfächer ange­geben. Geschichte ist sehr beliebt, weil man „erzählt be­kommt", oder „weil man gern von Krieg und Helden hört". Die Mädchen stimmen mit den Knaben in ihren Urteilen ungefähr überein. Sie sind begeistert für Ent­decker und große Männer. Sie lesen gern, weil sie da­durch „Neuigkeiten" erfahren. Natürlich wird das Tur­nen überall gleich hoch geschätzt.

Die individuellen Abweichungen kommen dadurch zustande, daß der Schüler diejenigen Fächer, in denen er etwas leistet, bevorzugt. „Ich komme mit vorwärts." „Ich kann antworten." Umgekehrt wird ein Lehrgegen- stand dadurch mißliebig, daß der Schüler in ihm nichts leistet.

Politische Rundschau.

Besuch Kaiser Wilhelms bei Kaiser Franz Josef. In Wiener Hofkreisen verlautet, daß Kaiser Wilhelm anläßlich seiner Reise nach Korfu, die für den März dieses Jahres in Aussicht genommen ist, auch Kaiser Franz Josef in Schönbrunn einen eintägigen Besuch abstatten wird.

Das Preußische Landesökonomiekollegium faßte am Freitag nach längerer Erörterung einen Beschluß, in dem der Landwirtsckastsminister in grundsätzlicher Ueber- einstimmung mit den gärtnerischen Fachverbänden ge­beten wird, für einen ausgleichenden Zollschutz der gärt­nerischen Produkte Sorge zu tragen.

2406 Strafverfahren wegen Zuwiderhandlungen ge­gen das Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz sind nach amtlichen Ermittelungen im vergangenen Jahre in Preußen anhängig gemacht worden. Dazu kommen noch 544 Verfahren, die schon im Vorjahre anhängig, aber noch nicht erledigt waren. Infolgedessen schwebten ins­gesamt 2950 Verfahren, das bedeutet gegen das Vorjahr eine Steigerung um 456. Von den neuen Verfahren wurden sogleich 80 Fälle zur gerichtlichen Entscheidung abgegeben, von denen 11 Fälle durch Freisprechung er­ledigt wurden. In den übrigen Fällen wurde auf Strafe erkannt. Dabei wurden Geldstrafen von insgesamt 26 922 Mark verhängt. Die Zahl der Strafverfahren ist naturgemäß in den einzelnen Regierungsbezirken au­ßerordentlich verschieden. An der Spitze steht der Regie­rungsbezirk Potsdam, zu dem bekanntlich auch die Ber­liner Vororte gehören.

Bei der Gedenkfeier der Befreiung der Stadt Schles­wig von der dänischen Herrschaft hielt u. a. der Vertreter des Fürsten Leopold zur Lippe, Flügeladjutant Haupt­mann v. Natzmer, folgende Ansprache: Wo deutsches Blut fürs Vaterland geflossen ist, diese Stätte ist ge­weiht für alle Zeit. Es ist nötig, in heutiger Zeit allen Nationen immer wieder zuzurufen: Deutschland eins für die Ewigkeit. Ob Sonne, ob Frost: eins und unteil­bar, Nord, Süd, West, Ost! Mag dies zu einer Zeit, da man versucht, Unterschiede und Spaltungen innerhalb

die prüfenden Augen seiner Kusine nicht.

Aber so oft sie mit irgendeiner Frage die Wunde sehen wollte, an der er litt, immer gab Haßfeld eine ausweichende Antwort.

Doch Berta von Marberg glaubte an eine Möglich­keit ihrer eigenen Hoffnungen, wenn erst diese Liebe Haßfelds ersticken würde: deshalb wollte sie etwas er­pressen. Hatzfeld wich allen Versuchen aus und blieb allein. Er mußte mit seinen Gedanken erst selbst zur ihrer Abreise gegeben?

Das konnte doch nicht möglich sein, daß diese Liebe eine so plötzliche, grausame Wendung genommen haben sollte, ein Ende, da er erst an einer Erfüllung gearbeitet hatte? Verreist! Beide, nachdem er doch unmittelbar vor dem Siege stand, nachdem sie bei ihm gewesen waren, Mia von Theden mit ihrer ihm zugeflüsterten Sehnsucht, die Baronin mit aller Liebenswürdigkeit, die doch auch ihm gegolten hatte.

Am nächsten Morgen wiesen die Augen Haßfelüs dunkle Schatten. Ziemlich schweigsam war das Früh­stück eingenommen worden.

Erst gegen Ende erklärte Robert Hatzfeld, ohne da­bei aufzublicken, als fürchtete er, die Wahrheit könnte in seinen Augen gelesen werden: „Die Baronin von Theden ist ja verreist!"

„Was? Woher weißt Du das?" forschte von Mar­berg, während seine Tochter, die eben das Zimmer ver­lassen wollte, auf der Schwelle stehen blieb.

„Ich weiß ss nicht mehr, wer es erzählt hat."

„Möglich ist es schon. Die Baronin reist viel. Ich begreife ja nicht, warum sie es tut. Gründe wird sie schon haben. Wohin ist sie denn?"

„Das wurde mir nicht gesagt."

„So! Lange bleibt sie jedenfalls nie von Berlin fort. Hast Du schon Sehnsucht nach ihr? Gehörst Du vielleicht schon zu den vielen, von denen ich einmal er= zählte?"

des deutschen Vaterlandes schaffen zu wollen, in alle Welt verkündet sein! Was deutsch ist, denkt, fühlt, bleibt deutsch! Durch deutsches Blut gekittet, die deutsche Nord­mark: Hurra!

Eine Rüstuugskundgebung der schwedischen Bauern. 31 000 Bauern aus 24 Provinzen Schwedens defilierten am Freitag vor dem König in Stockholm, um ihre Zu­stimmung zu der Vermehrung der Rüstungen auszu- drücken. 40 000 wettere Bauern sandten telegraphische Zustimmungserklärungen. Der König hielt im Schloß­hofe eine Dankrede. Er betonte die Notwendigkeit der erforderlichen Hebung der Schlagfertigkeit der Armee und der Stärkung der Marine und rief Gottes Segen auf Land und Volk herab. u

Die Russen wollen nicht in Frankreich bestellen. Der Pariser „Temps" weiß von einer neuen schrecklichen Mär zu berichten. Wie sein Petersburger Berichterstat­ter meldet, ist eine große Bestellung der russischen Re­gierung auf Eisenbahnschienen und Weichen nicht wie erwartet, an die französischen Firmen vergeben. Die französischen Werke sollen sehr vorteilhafte Angebote ge­macht haben. Trotzdem seien, wie der Berichterstatter meldet, 1900 Weichen an deutsche und englische Firmen in Auftrag gegeben worden. — Wieweit es sich um voll­endete Tatsachen oder nur um ein Alarmsignal der Pa­riser Blätter handelt, steht noch dahin.

Rumäniens Rolle auf dem Balkan. Im Gegensatze zu den Auslassungen der Wiener und Budapester Presse über die Entwicklung der Dinge auf dem Balkan, die eine weitgehende Besorgnis hinsichtlich der künftigen Politik Rumäniens enthalten, will man in Berliner diplomatischen Kreisen wissen, daß diese Besorgnisse we­nigstens in dem Maße, in welchem sie in jener Presse zutage treten, nicht begründet seien, da seitens Rumä­niens Versicherungen vorlägen, die eine Bindung der rumänischen Politik in einem österreich-fetndlichen Sinne als ausgeschlossen erscheinen ließen Die Bestre­bungen .Rumäniens seien lediglich auf die Aufrechter­haltung des Bukarester Friedens gerichtet und würden sich auf keinen Fall als eine Förderung etwaiger russischer Ansprüche deuten lassen.

Kleine fiadiridifen.

Der beglückwünschte Oberst von Reuter. Oberst von Reuter hat, der „Allgemeinen Evangelischen Kirchenzei- tung" zufolge, nicht weniger als 73 000 briefliche und te­legraphische Glückwünsche aus Anlaß seiner Freispre­chung erhalten.

Zaberner Nachklänge. Major a. D. Schäffer in Za- bern, dem bekanntlich vom Kreisöirektor Mahl ein Waf­fenschein verweigert worden war, hat dem „Elsässer" zu­folge mehreren Mitgliedern des Zivilkasinos in Zabern eine Forderung auf Pistolen zugehen lassen. Der Ehren­handel ist nach Angabe des Blattes im Verfolg der Za­berner Angelegenheit entstanden. — Dem Zaberner Ge­meinderate liegt ein Antrag vor auf Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den scheidenden Kreisöirektor we­gen dessen Eintreten für die Interessen des Bürgertums der Stadt.

Amtsrichter Knittel versetzt. Der durch den Glei- witzer Beleidigungsprozetz bekannte Amtsrichter Knit­tel wurde, wie der „Oberschlesische Anzeiger" meldet, von Rybnik nach Strehlen versetzt.

Deutsche Flugzeuge für Japan. Die gegenwärtig in Deutschland weilende javanische Militär-Studienkom­mission, die alle größeren deutschen Flugplätze eingehend besichtigt hat, hat mehreren Firmen eine größere Liefe­rung übertragen. Es handelt sich um 50 Apparate, Ein­decker in Taubenform und Pfeildoppeldecker, die bis zum Sommer dieses Jahres abgeliefert sein müssen.

Das Steuermehr «ach dem Generalpardon. Nach einer oberflächlichen Berechnung der bisher in Berlin eingegangenen Einschätzungen zur Wehrsteuer ist festge­stellt, daß in Berlin mindestens vier Millionen Mark an Steuern mehr eingehen werden, als nach der vorjäh­rigen Veranlagung zur Staatseinkommensteuer zu er=

rigen Veranlagung zur Staatseinkommensteuer zu er­warten war. Die Ergänzungssteuer wird vermutlich ei­nen noch erheblich höheren Ertrag ergeben.

Geheimer Sauitätsrat Dr. Goetz, der greise Vor­sitzende der Deutschen Turnerschaft, befindet sich nach der schweren Blutvergiftung, die die Amputation des lin­ken Armes nötig machte, auf dem Wege der Besserung Er unternimmt bereits bei gutem Wetter Ausfahrten, und auch der prächtige Humor des alten Herrn stellt sich wieder ein, obwohl gerade ihn, den unentwegten alten Turner, der Verlust des Armes besonders schwer getros­ten hat.

Eine Weltreise im Automobil. Der Petersburger Automobilist Nagel ist von seiner Weltreise zurückge­kehrt. Der Sportsmann unternahm vor zwei Monaten von Petersburg aus eine Tour durch Westeuropa nach Nordafrrka. In Asrika durchfuhr er Algerien und an­grenzende Länder und in der Sahara kam er bis zur Oase Biskra. Durch Italien und Frankreich kehrte Na­gel wieder nach Rußland zurück. Er hat insgesamt 15 300 Kilometer zurückgelegt.

„Ganz gewiß nicht! Ich habe die Sache nur fc nebenbei erwähnt."

Und dann war nicht mehr davon gesprochen worden. Aber mit dem Kommen einer jeden Post wartete Robert Hatzfeld auf eine Nachricht. Es befand sich aber wieder nichts darunter, als die Nachmittagspost dieses Tages gebracht wurde, als ein Einschreibebrief des Kaiserlichen Patentamtes.

Robert Haßfeld hatte sich enttäuscht in eine Nische gesetzt, eine Zigarre angezündet und das Schreiben des Patentamtes aufgerissen. Er vermutete eine Empfangs­bestätigung seiner Eingabe.

Aber als seine Augen dann über die Zeilen hin- hasteten, da krallten sich seine Finger in das knisternde Papier ein. Betrogen ihn seine Augen? Träumte er das? Aber Wort um Wort las er zum zweiten Male:

„Sehr geehrter Herr! Ihre Zeichnungen und Nie­derschriften zur Patenterwerbung Ihrer neuen Geschütz­konstruktion bei neuen Geschossen mit neuem Spreng­stoff und regulierbarer Einstellung wären wohl dieser Tage geprüft worden. Es ist uns aber heute eine eng­lische Patenterwerbung, bereits gesichert und patentamt- lich geschützt, zugegangen, die der Ihren bis auf einige unbedeutende Abweichungen ähnlich und in der chemi­schen Formel für den Sprengstoff sogar die gleiche ist. Es handelt sich zweifellos um eine Duplizität der Fälle, wie sie ja vorkommen können. Wir bedauern daher, eine Patenteintragung Ihrer Erfindung ablehnen zv müssen, da diese dem schon urheberrechtlich geschützter englischen Patente entspricht, dessen Eintragung am 6. Mai dieses Jahres erfolgt ist. So sehr wir Ihr Miß­geschick bedauern, so können wir nicht anders urteilen, da das bereits eingetragene englische Patent Vorrechte besitzt. Das Kaiserliche Patentamt."

(Fortsetzung folgt.)