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Herssel-er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Serchldn WW Wlatt

Dszugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 33. (Erstes Blatt) Sonntag, den 8. Februar 1914.

Bus der Heimat

§ Hersfeld, 7. Februar. In letzter Zeit haben die Klagen von unerfahrenen Erfindern über betrügerische und wucherische Ausbeutung durch gewissenlose Patent­agenten zugenommen. Bei Prüfung der Verhältnisse hat sich dann herausgestellt, daß ernste Mißstände vor­handen sind, durch die weite Volkskreise betroffen werden. Vielfach werden auch die Patent a g e n t e n mit den Patent- Anwälten, deren Tätigkeit durch besonderes Gesetz geregelt ist, verwechselt. Das Patentagentengewerbe ist nur ein freies Gewerbe, das allein gemäß § 14 und 15 der Reichs-Gewerbe-Ordnung der Anmeldung bei der Ortspolizeibehörde unterliegt und bei dem besondere Vorbedingungen und Berufs­kenntnisse nicht gefordert werden. Es wird daher dringend vor der betrügerischen Ausbeutung durch Patent a g e n t e n gewarnt.

-n- Hersfeld, 7. Februar. Am Sonntag den 1. Februar hielt der Begräbnis-Unter- stützungsverein hier seine diesjährige General­versammlung ab, welche gut besucht war. Aus dem Rechnungsbericht ergab sich, daß der Verein über ein Baryermögen von 6 469,35 Mk. verfügt und 191 Mitglieder zählt. Unter anöermwurde beschlossen, das Sterbegeld für die verheirateten Mitglieder von 60 auf 65 Mark zu erhöhen. Bei diesem Verein sind sämtliche Familienmitglieder so lange sie ledig sind, mitversichert: bei einem jährlichen Beitrag von 3 Mk. Es ist jungen verheirateten Leuten sehr zu empfehlen, dem Verein beizutreten, namentlich Mitgliedskindern, welche freien Eintritt haben. Zu näherer Auskunft ist der Vorstand gern bereit.

):( Hersfeld, 7. Februar. Wie bereits wiederholt bekannt gegeben, verkehren morgen aus Anlaß der vom hiesigen Chorverein veranstalteten Aufführung des OratoriumsManasse" auf der Hers - felder Kreisbahn verschiedene Sonderzüge, die es allen Bewohnern des Landeckeramts ermög­lichen, dieser Aufführung beizuwohnen. Gleichzeitig bieten die Sonderzüge allen Wanderfreunden Gelegen­heit, zu einem Ausflug in das Werratal, da der Abendzug erst gegen 9 Uhr hier in Hersfeld eintrifft. Wegen der genauen Fahrzeiten verweisen wir auf ben in der gestrigen Nummer abgedruckten Fahrplan.

):( Hersfeld, 7. Februar. Der Beamten-Ver- c i n hält heute abend um 8V2 Uhr in seinem Vereins­lokal (Lullusquelle) eine General-Versammlung ab, auf welche nochmals hingewiesen sei.

):( Hersfeld, 7. Februar. Morgen, Sonntag den 8. Februar, abends 8 Uhr findet im Kaiserhof die Generalversammlung des Evangel. Arbeiter­vereins statt, auf welche besonders aufmerksam gemacht sei. Alles nähere im Inseratenteil der heutigen Nummer.

-r- Hersfeld, 7. Februar. (Vom Vater­ländischen Frauen verein.) Am 22. Januar waren es 2 5 Jahre, seitdem die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins zu Hersfeld, Frau C. Engelhardt, dem Vorstand dieses Vereins an­gehört. Nachdem in der Generalversammlung am vorigen Donnerstag Herr Landrat v. Grunelius mit warmen Worten dieser 26jährigen verdienstvollen Wirksamkeit gedacht und Frau Engelhardt den Dank des Vereins für ihre hingebende, tatkräftige und opferfreudige Mitarbeit ausgesprochen hatte, veran- staltete gestern Abend im Haus der GesellschaftVer­ein" der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins elfte Feier zu Ehren seiner Vorsitzenden. Durch prächtigen Blumenschmuck hatten die Vorstandsdamen bem Zimmer ein festliches Gepräge gegeben. Bei Tijch hob der Schriftführer, Herr Pfarrer S ch e f f e r, die Verdienste, welche sich Frau Engelhardt um das Wachstum des Vaterländischen Frauenvereins, um die Erweiterung seiner Wohlfahrtseinrichtungen und die Durchführung seiner Aufgaben erworben habe, hervor und brächte ihr die Wünsche des Vorstandes für ein ferneres, erfolgreiches Wirken dar. Tief­bewegt dankte die Vorsitzende für die ihr zuteil ge­wordenen Ehrungen, versichernd, daß ihr als Hers­felder Bürgerin die im Dienst des Vaterländischen Frauenvereins gebotene Gelegenheit, für das Wohl ihrer Mitmenschen mit zu sorgen, die größte Freude sei. Weite Kreise unserer Stadt, welche die gemein­nützigen Bestrebungen des Vaterländischen Frauen­vereins kennen und schätzen, werden übereinstimmen in dem Wunsch, daß der Vorsitzenden noch lange ein gesegnetes Mitarbeiten an den Aufgaben des Vereins beschieden sein möge.

Bebra, 6. Februar. Heute morgen wurde ein an dem Bau der Umgehungsbahn beschäftigter Arbeiter am Hirschgraben, wo die Umgehungsbahn von der Hauptstrecke abzweigt, von einem nach Hönebach ab­gehenden Arbeiterzug umgerannt und lebensgefährlich

verletzt. Der Verletzte wurde in das Landkranken­haus nach Hersfeld überführt, wo er bald nach der Einlieferung verstarb.

Aus dem Werratal, 6. Februar. Im letzten Quartal 1913 erzielte die Kaligewerkschaft Sachsen- Weimar einen Reinüberschuß von 284 643 Mk. (im Vorjahre 199 812 Mk.). Als Ausbeute wurden pro Kux 150 Mk. ausgeschüttet. Im Jahre 1913 betrug der gesamte Reinüberschuß 1004117 Mk. (im Vor­jahre 830 907 Mk.) Die Kaligewerkschaft Alexanders­hall bei Berka erzielte im Jahre 1913 einen Rein­überschuß von 1675 000 Mk. (gegen 1480 669 im Vor­jahre). Im Kalibergwerk Dankmarshausen sind die Vorbohrungen beendet worden und zwar in einer Tiefe von 236 Metern. Es wird nun mit der Ab- teufung begonnen. Im Kalibergwerk Abteroda sind die Zementierungsarbeiten fast fertiggestellt, so daß auch hier die Abteufung fortgesetzt werden kann.

Küuzell bei Fulda, 4. Februar. Herr Gutsbesitzer Souchay dahier hat die vielfach prämiierte Doggen­rüdeAeson von der Rhön" für 1000 Mark an einen amerikanischen Züchter verkauft.

Fulda. 6. Febr. Gestern abend kam das Dienst­mädchen ernes hiesigen Restaurateurs mit ihren Klei­dern dem brennenden Ofen zu nahe. Im Nu hatten die Kleider Feuer gefangen. Hilfsbereite Personen erstickten die Flammen. Das Mädchen erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper und mußte sofort dem Landkrankenhaus zugeführt werden.

Eisenach, 6. Febr. Die Veranlagung zum Wehr­beitrag für Eisenach hat, wie dieTagespost" erfährt, die Tatsache ergeben, daß dank des Generalpardons viel mehr Vermögen zur Vermögenssteuer heran­gezogen wurde. Wie man vermutet, dürfte sich die Summe auf ungefähr 14 Millionen Mk. für Eisenach belaufen.

Heiligeuftadt, 6. Februar. In Heuthen brach ein Großfeuer aus, das vier Bauerngehöfte mit großen Vorräten und Maschinen einäscherten.

Gießen, 4. Februar. DerGieß. Anz." weiß folgende lustige Geschichte zu erzählen: Ein Student brächte durch seine schwungvollen Reden einen ver­mögenden hiesigen Bürger soweit, daß dieser trotz der heftigen Gegenreden seiner besseren Ehehälfte sich ent­schloß, dem Studenten 200 Mk. zu leihen. Die Zeit verging im Fluge, und noch immer hatte der Student, der jetzt schon auf einer anderen Universität weilte, das entliehene Geld nicht zurückgezahlt. Unterdessen hatte der Geprellte die bittersten Vorwürfe in seiner trauten Häuslichkeit ausgehalten. Als er jedoch dieser überdrüssig war, entschloß er sich zu folgendem Aus­weg : Er sandte an den Studenten 200 Mk. mit dem Bemerken, diese sofort wieder an ihn zurückzusenden, damit seine Frau endlich befriedigt wäre,' und siehe, nach wenigen Wochen schon sandte der Student 100 Mk. von dem geschickten Gelde an den hiesigen Bürger zurück mit dem Versprechen, den Rest baldigst folgen zu lassen. Bei Erhalt dieser 100 Mk. weinte die Frau vor Rührung über den ehrlichen Studenten.

Schmalkalde«, 5. Februar. Ein Rodelunfall er­eignete sich vorgestern abend auf der Waldhausstraße unterhalb des Waldhauses. Zwei besetzte Rodel fuhren in einen entgegenkommenden Pferdeschlitten der kein Licht hatte. Die Schlitten schlugen um und die Rodlerinnen kamen teils unter die Pferde zu liegen und wurden durch Huftritte verletzt, eine der Damen so schwer, daß sie sich sofort in ärztliche Be­handlung begeben mußte.

Unter-Merzbach, 5. Febr. Der Oekonom Andreas Deninger aus Memmelsdorf war gestern in Ebern als er seine Pferde einspannen wollte, von einem der Tiere derart an den Kopf geschlagen worden, daß er sofort bewußtlos zusammenbrach. Die Hirnschale soll ihm eingeschlagen sein, so daß er kaum mit dem Leben davonkommen dürfte.

Abgeordnetenhaus.

In der Fortsetzung der Besprechung des Justiz­etats beim Titel Ministergehalt führte Abg Dr. Bell- Essen (Zentr.) aus, es sei wünschenswert, dre Assessoren die keine Aussicht auf Anstellung haben, möglichst frühzeitig davon in Kenntnis zu setzen. Als eine Pflicht der Presse bezeichnete er die ruhige, objektive Berichterstattung bei Skandalprozessen. Der Jnstiz- minister ging nochmals auf den Dortmunder Fall ein. Die Lokalbehörden hatten richtig gehandelt. Bei einem in der Oeffentlichkeit verhandelten Prozeß wäre der Anwaltstand nicht gut fortgekommen. Die Justiz­verwaltung halte es jedoch durchaus für ihre Pflicht, die Ehre des Anwaltstandes gegen Angriffe zu schützen. Wenn die Preßberichte über eine zu liebenswürdige Behandlung von Angeklagten stimmen, so könne ein

solches Verhalten nicht gebilligt werden. Abg Delbrück (kons.) hielt eine Abschwächung der Eidesformel für vedenklich. Wer an Gerichtsstelle erkläre, er glaube nicht an Gott, dem mangele es meist an einer ernsten Lebensauffassung. Das Vorgehen der Behörden gegen die Postkarten mit Nacktdarstellungen halten er und seine Freunde für gerechtfertigt. Diese Art Kunst versetze den Geist nicht in eine bessere Welt. Mit den leidenschaftlichen Angriffen gegen die Justiz wolle die Sozialdemokratie die Richter beeinflussen und einschüchtern. Sie sollen nicht von oben, sondern von unten abhängig sein. (Lebh. Betf. rechts.) Abg. Castel (Fortschr.) bestritt mit Entschiedenheit, daß die be­schlagnahmten Postkarten der Erregung sinnlicher Triebe dienen konnten. Der Justizminister bemerkte auf eine Anregung, daß bei der Ausgestaltung der Dienstwohnungen große Rücksicht genommen werde, übermäßigen Luxus könne man freilich nicht in An­wendungen bringen. Abg. Haarmann (natl.) richtete seine Ausführungen gegen den Abg. Liebknecht, besten Ankündigung, zur Kruppaffäre neue Dokumente bei- zubringen, nicht ernst zu nehmen sei und wohl nur seinen Rückzug maskieren solle. Abg. Dr. Bredt (freikons.) machte kurze Vorschläge zu der Ausbildung der jungen Juristen. Ihm erwiderte Jnstizminister Dr. Beseler, die Ausbildung der Juristen sei so gründlich, daß sie in allen Verwaltungszweigen ebenso wie im privaten Leben ihr Auskommen finden könnten. Danach wurde die Besprechung geschloffen und das Gehalt des Ministers bewilligt. In der Einzelberatung brächte zunächst Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) kleinere Beschwerden vor. Abg. Hänisch (Soz.) forderte gegen einen katholischen Geistlichen in Dort­mund ein Strafverfahren, weil er ein 16jährigeS Mädchen zum Uebertritt in die katholische Kirche ver­anlaßt habe. Die Abgg. Dr. Bell und Grouomski (Ztr.) wandten sich gegen dies Verlangen, dem jedoch Abg. Dr. v. Campe die Berechtigung zusprach. Nach unwesentlicher Debatte vertagte dann das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag beschäftigte sich am Freitag nach Beantwortung einiger unwesentlicher Anfragen mit Wahlprüfungen. Die Wahl des Abg. Dr. Werner- Gießen (w. Vg.) wurde für gültig erklärt, über die Wahlen der Abgg. List (nl.), Graf Oppersdorf (b. k. F.) und von Bolko (kons.) Beweiserhebung beschlossen. Weiter sollten die Abstimmungen über die Resolutionen zum Gehalt des Staatssekretärs des Innern vorge­nommen werden. Es kam zu einer Geschäftsorb- nungsdebatte, da Abg. Groeber (Ztr.) vorschlug, nur über die Resolution Westarp (kons.) abzustimmen, die einen Gesetzentwurf gegen den Mißbrauch des Koa­litionsrechts verlange, alle übrigen Resolutionen aber zurückzustellen. Nach längerer Debatte beschließt das Haus, einen Teil der Resolutionen zu erledigen. Die zum Vereinsgesetz gestellten Resolutionen werden angenommen, die vom Grafen Westarp gestellte abae- lehnt, ebenso eine ähnliche des Abg. Bafsermann (nl.) ; die Resolution aber Behrens (w. Vg.), die Material über die Auswüchse des Koalitionsrechts verlangt, angenommen. Nunmehr setzte das Haus die Einzel- beratung des Etats des Innern fort. Beim Titel Unterstützungen für die Familien einberufener Mann­schaften wünschten die Abgg. Ranch (Soz.) und Erz- berger (Ztr.) Erhöhung der bisherigen Summe. Ministerialdirektor Dr. Lemald sagt ein entsprechendes Gesetz für 1915 zu. Beim Titel Reichsschulkommission empfahl Abg. Sivkovich (fortschr.) eine Resolution, die den Ausbau der Schulkommission zu einem Reichs- schulamt wünschte. Auch Abg. Dr. Ortmann (natl.) wünschte den Ausbau der jetzigen mangelhaften Or­ganisation. Abg. Schnlz-Erfurt (Soz.) lehnte jedoch die Resolution ihrer großen Zaghaftigkeit halber ab, obwohl es sich um eine alte sozialdemokratische For­derung handle. Abg. Dr. Marx (Ztr.) lehnte die Um­wandlung ab. Nach weiterer kurzer Aussprache wurde die Resolution angenommen. Sonnabend Fortsetzung.

Wandervorschläge für Sonntag.

a. V2 Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Giegen- berg - Kanzel-Friedlos-Fuldabrücke-Gellenberg- Solzfluß-Obersbera-Hersfeld (34 Std.)

b. V2Z agestour: Hersfeld-Bingartes-Johannis- berg-Hilperhausen-KerspenhäuserKuppe-Mengs- Hausen-Niederaula (34 Std.) Rückfahrt mit der Bahn.

Wetteransfichte« für Sonntag den 8. Februar.

Zunehmende Bewölkung, trocken, wärmer, Nacht- frost, Morgennebel, südöstliche Winde._________

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.