6 er Kirche zu stellen, feiern jetzt in Brooklyn, Chicago »nd einer ganzen Reihe anderer amerikanischer Städte ihre Triumphe. Die Erfahrung hat ihnen recht gegeben, trotz aller Anfeindungen ist der erste Versuch auf der ganzen Linie von einem überraschenden Erfolg gekrönt morden.
Vor drei Wochen beschlossen die Vorkämpfer dieser modernen amerikanischen Kirchenreklame die Propagierung eines „Kirchgeysonntages". In den Städten und Stadtteilen wurden Arbeitskomitees eingesetzt, und nun machte man sich ans Werk, Stimmung für einen massenhaften Kirchenbesuch zu erzeugen. Man begann mit kleinen, sehr geschickt abgefatzten Zeitungsnotizen, die die Sehenswürdigkeiten, Annehmlichkeiten und geistigen Erbauungsmöglichkeiten der einzelnen Kirchen und Kapellen ins rechte Licht rückten, man spekulierte auf die Neugier jener, die sonst am Sonntag vormittag gewöhnlich dabeim bleiben. Inserate wurden aufgegeben und in geschickter Steigerung schwoll dann diese Kirchenreklame zu einer Hochflut an. Wenn der Bürger morgens seine tägliche Milchflasche in Empfang nahm, klebte an ihr eine Einladung zur Teilnahme an dem großen „Kirchgehsonntag,- wenn der Bäcker das Brot ablreferte, tauchte dieselbe Einladung wieder auf, ind den Straßen und in den Hauptverkehrszentren verteilte man die geschickt abgefaßten Aufforderungen.
Und dann kam der entscheidende letzte Schlag: zwei Tage vor dem großen Kirchgehsonntag trug die Post Hunderttausenden von Menschen eine besondere Einladung ins Haus. Die Zeitungen räumten dem Versuche lange Betrachtungen und Berichte ein, Reklamewagen und Reklame-Umzüge bewegten sich durch die Straßen, ja selbst das Telephon und den Telegraphendraht setzte man in größtem Stile in Tätigkeit, um säumige Kirch- gänger zu erreichen, zu mahnen und anzufeuern. Was mit einer derartigen Riesenreklame bei dem amerikanischen Publikum zu erreichen ist, zeigte der letzte Sonntag, der „große Kirchgehsonntag". In Brooklyn, wo der Kirchenbesuch sonst nicht ganz 300 000 Menschen erreicht, wohnten Über eine halbe Million der Sonntagsandacht Bet; in Chicago zogen wohl 1H Millionen Besucher in die Gotteshäuser, während sonst die Armee der Kirchenbesucher kaum % Million erreicht.
Und ähnlich erging es den meisten anderen Städten: überall wurde eine gewaltige Zunahme des Kirchenbe- suchs festgestellt. Mü freudiger Genugtuung sahen die Prediger die Bänke bis zu dem letzten Platz gefüllt, und der erzielte Erfolg hat dazu geführt, daß man nun beschloß, im Oktober regelmäßig einen großen nationalen Kirchgehtag abzuhalten und zu einer dauernd wieder- kehrenden Institution zu machen. So darf man denn erwarten, daß Onkel Sam, der schon so viele Rekords aufgestellt hat, nun auch den Rekord der Religiosität halten wird.
Gericht und Recht.
Die Dummen werden nicht alle. Vor dem Schwurgericht in Chrudim in Böhmen wurde ein Fall menschlicher Dummheit verhandelt, der Publikum, Geschworene und selbst den ernsten Senat zu herrlichem Lachen zwang. Der Held des Dramas war der Fleischer Fr. Biberle aus Trübau. Auf dem Bahnhof in Olmütz traf er ein den Zug erwartendes altes Mütterchen aus der Gegend von Landskron an. Er knüpfte mit diesem ein Gespräch an, in dessen Verlauf die Frau erzählte, aus dem Krankenhause zu kommen, wo man ihr nicht helfen konnte. In aller Eile promovierte der Fleischer zum Doktor und erbot sich, das Mütterchen in dessen Heimat zu behandeln. Gesagt, getan. Er kam, untersuchte und fand, daß dte Frau „im Gehirn eine Ader mehr habe", was durch — Odolinjektionen geheilt werden könne. Biberle spritzte das Mundwasser ein, zog die Behandlung mit dem „teuren Medikament" sehr in die Länge, sodaß er noch eine zweite Patientin bekam, der er gegen Lungentuberkulose vier Odolinjektionen für 400 Kronen machte. Im ganzen entlockte er den beiden Patientinnen 4500 Kronen, bis ihnen, wie man sagt, der Seifensieder aufging und sie Betrugsanzeige erstatteten. Biberle, der vorbestraft ist, war geständig und bekam für seine Odolkuren sechs Jahre schweren Kerkers.
Ein Kurpfuscher Junkers aus Rheydt. der ein fünfjähriges Mädchen, das an Diptheritis litt, falsch behandelte, sodaß das Kind starb, wurde wegen fahr- lässiger Tötung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Vermischtes«
Ein uetter Vater und Erzieher ist der in Groß-Lich- terfelde bei Berlin wohnhafte Z>, der seinen elfjährigen Sohn systematisch zum Diebe erzogen hat. Z. ging in folgender Weise zu Werke. Er suchte in Begleitung seines Sohnes die verschiedensten Geschäfte auf, verwickelte die Verkäufer in Gespräche und seinem Sohne befahl er dann stets, währenddessen zu stehlen, was er erreichen konnte. Mit Vorliebe suchte Nahrungsmittel- und Konservengeschäfte auf. Am Mittwoch wurde in einem Geschäft in der Chausseestraße der Sache ein Ende bereitet. Der kleine Z. wurde erwischt, und ins Gebet genommen, gestand er die Erziehungsmethode des Vaters ein. Da der Knabe das strafmündige Alter noch nicht erreicht hat, so wird er nicht zur Rechenschaft gezogen werden können.
Eine aufregende Filmaufnahme im Löwenkäfig führte in Berlin zu einer gefährlichen Szene. In dem Filmdrama gerät ein Flüchtling schließlich in eine Löwengrube. Um diesen Vorgang naturgetreu wiederzu- K^ben, fand im Etablissement „Seeterrassen" im Vorort ^Wfenberg, wo der Dompteur Busch mit seinen sieben
zurzeit sein Heim aufgeschlagen hat, im Löwen- rÄ-A?^<A"^öme des Films statt. Der Rumäne Misu spielte. Da Misu sich ständig in unmittelbarer Nähe
Bewegen mußte, wurde kurz vor dem Ende der Aufnahme ein Löwe unruhig und setzte zum Sprünge auf den Künstler an. Trotzdem spielte Misu ar<51^“e doch hätte der Akt einen dragischen Abschluß gefunden, wenn nicht im letzten Augenblick der Dompteur hinzugesprungen wäre, um die Bestie wieder gefügig zu machen. Von dem Personal konnte Misu dann in Sicherheit gebracht werden. Eine anwesende Frau fiel in Ohnmacht.
Begleiterscheinungen des Lehreransstandes in Eng- ^nd In der Grafschaft Herefordshire smd bis jetzt 58 Schulen vorläufig geschlossen worden, da sämtliche Lehrer in den Ausstand getreten sind. Neue Rektoren sind für einige der Schulen ernannt worden, sie können aber augenblicklich ihr Amt noch nicht antreten. Die Aufsichtsbehörden sind der Ansicht, daß in kurzer Zeit sämtliche Schulen ihren vollen Lehrerstab wieder haben werden. Aber auch die aufständischen Lehrer rechnen mit einem Sieg auf der ganzen Linie. Recht nette Zwischenfälle spielten sich in dem Städtchen Rotz ab. Die Mädchen- und Kinderschulen sind geschlossen, aber für die Knaben sind genügend Lehrkräfte vorhanden. Als die Knaben zur üblichen Zeit in ihren Klaffen erschienen und heraus- fanden, daß nur sie allein unterrichtet werden sollten, But&ta_ fi6-Bätiü66i Lütt äs»« «Wahl von ihnen
mußte im Klassenzimmer eingeschossen werden. Sie entwischten jedoch durch die Fenster und raunten freudestrahlend durch die Straßen davon. Der Pfarrer von Leo- bury, der Mitglied der Schulaufsichtsbehörde ist, hatte sich am Dienstag eine halbe Stunde vor Schulbeginn in der Schule eingefunden. Als die Schülerinnen paarweise auf dem Schulhofe erschienen, rief er sie gleich ins Klassenzimmer hinein, sodaß die Lehrerin das Schulgebäude unbehindert betreten konnte. Am Montag hatte sie ein wenig erbauliches Abenteuer mit den Schülerinnen zu bestehen, die sie buchstäblich zur Schule hinauswarfen. Allerdings waren am Dienstag von den zweihundert Schülerinnen nur hundert zur Schule gekommen. Die übrigen sind in einen „Sympathiestreik" mit ihrer früheren Lehrerin getreten.
Man muß sich z« helfen wissen. Eine Londoner Wochenschrift erzählt folgende kleine Geschichte: Die Nacht war bitter kalt, und der Herr Polizeiwachtmeister beglückwünschte sich im stillen, daß er keinen Straßendienst mehr zu machen habe. Plötzlich tritt der Schutzmann Pooke ins Revierzimmer. „Wieso unterbrechen Sie Ihren Rundgang?" fragte streng der Wachtmeister. „In der Nebukadnezarstraße ist ein Pferd tot hingefallen," sagt der halberfrorene Pooke. „Also schreiben Sie schnell Ihren Bericht, aber verbummeln Sie keine Zeit damit!" Pooke setzt sich hin und schreibt mühselig. Nach einer Weile sieht er auf: „Herr Wachtmeister, wie schreibt man Nebukadnezar?" „Das müssen Sie selbst wissen!" brummt zornig der Wachtmeister. Pooke sitzt eine Weile grübelnd, dann steht er ratlos und kops- schüttelnd auf, zieht seinen Mantel wieder an nnd setzt seinen Helm auf. „Wo wollen Sie denn hin? Sie haben doch Ihren Bericht noch nicht fertig!" „Ach, Herr Wachtmeister," erklärt der Schutzmann Pooke resigniert, „ich will das tote Pferd lieber in die Nachbarstraße schleppen, es liegt nicht weit von der Ecke . . ."
Bei einer schwäbischen Besichtigung. Gefecht in vollem ®ang; der Angriff des Bataillons wird mit Elan nach vorn getragen. Eine Kompagnie in Reserve: Se. Exzellenz befinden sich beim Kompagniechef, der des Momentes zum Einsetzen seiner wackeren Schar harrt. Da gibt er auch schon den Befehl: „Herr Leutnant I., verlängern Sie rechts mit Ihrem Zug," und dieser, ein 35jähriger stattlicher Reserveleutnant — stürmt mit seinen rauhen Kriegern davon, ihnen kaum die erwünschten Atempausen gönnend. Er stürmt weiter, nicht achtend des verheerenden Feuers, das ihm ein neuer Gegner in die rechte Flanke sendet. Ist das ein Reserveleutnant, Herr Hauptmann?" fragt die ob dieses Schauspiels erschütterte Exzellenz den zu einer Eissäule erstarrten Kompagniechef, der mit einem „Zu Befehl, Exzellenz" die unheilvolle Frage bejaht. Mit einem: „Da schlag' ein Donnerwetter drein," galoppiert Exzellenz von dannen, um dem nichtsahnenden Zugführer Taktik beizubringen. „Welche Uebung machen Sie, Herr Leutnant?" leitet er seine Standpauke schon von weitem mit brüllender Stimme ein, doch als ihm ein gut schwäbisch gesprochenes: „Die letfchte!" als Antwort entgegentönt, wendet er, jeglicher grimmen Vorsätze schon von vornherein entwaffnet, sein Pferd einem anderen Teil des Gefechtsfeldes zu, mit einem malitiösen Lächeln daran denkend, wann es auch für ihn einmal heißt: „Die letschte Uebung."
Genug gesehen. Der Arzt eines Tiroler Landstädtchens benutzt zu Botengängen den alten, stadtbekannten Botengänger, den Treffernaz. Eines Tages hat der Naz bei dem Arzte etwas abzugeben. Er entledigt sich seines Auftrages, bleibt jedoch in der Türe stehen, dreht sein Hütl hin und her und wartet. „Was willst Du denn, Naz?" fragt der Arzt. Der Naz wutzelt seinen Filz immer eifriger und legt endlich los: „I moan, Bader, i seh allweil schlechter, tätst mir nicht leicht für die Augen was geben?" Der Arzt untersucht die Augen des Naz und meint: „Mein lieber Naz, Du mußt halt die vielen Vierteln lassen: wann Du das Trinken nicht lassen tust, kannst gar leicht ums ganze Augenlicht kommen." — „Js a G'spaß, Bader?" meint mißtrauisch der Naz. „Na, na," sagt der Arzt darauf, „das ist gar kein G'spaß, mein lieber Naz, wannst nicht mit dem Saufen aufhörst, wirst bald nichts mehr sehen. Ueberleg' Dir das nur." Der Naz bedankt sich und geht. In den nächsten Tagen hat er wieder beim Arzte etwas zu tun. „Na," meint der Arzt zu ihm, „Naz, hast Dir die G'schicht überlegt?" Der Naz steht bei der Tür und schmunzelt: „Ja, ja, Bader, t hab mir's schon überlegt. Weißt, i bin schon rechtschaffen alt. G'sehn hob i schon mei Lebtag gnui, aber trunka noch ntt."
Die Behandlung der Apfelsine bei ihrer Verpackung und Versendung ist die denkbar zarteste und vorsichtigste. Keine andere Frucht wird so delikat gehanöhabt. In den großen Versandhäusern Floridas, dem Paradies der Orangen, haben alle Leute, die mit den Apfelsinen hantieren, weiße Handschuhe zu tragen, damit die Haut der Frucht nicht von den Fingern beschmutzt oder von den Nägeln zerkratzt und beschädigt wird. In jedem der Packzimmer hängt eine große Tafel mit der Aufschrift: „Jede irgendwie zweifelhafte Apfelsine ist sofort auf die Seite zu werfen!" Minderwertige Apfelsinen dürfen also nicht in die Verpackung kommen. Schon beim Pflücken der herrlichen Früchte tragen die Arbeiter die weißen Handschuhe. Uebrigens werden die Orangen gar nicht wie andere Baumfrüchte gepflückt oder heruntergeschüttelt, sondern mit einer Art großen Schere einzeln vom Zweig geschnitten. So gelangt die duftige Orange in schönster, sauberster Form in den Wett- Handel.
Wie ein Butterhäudler das Brot wog. Aus Wien wird folgende Schnurre erzählt: Ein Bäckermeister bezog seine Butter seit langer Zeit von einem Bauery. Eines Tages schien es ihm, daß die Butterklumpen, welche jeder drei Pfund wiegen sollten, das verlangte Gewicht nicht hatten. Er fing deshalb an, Klumpen für Klumpen zu wiegen, und konstatierte, daß sie sämtlich weniger wogen. Der Bäcker verklagte den Bauern. Im Termin fragte ihn der Richter: „Haben Sie eine Wage?" „Ja, Herr Richter!" „Und Gewicht?" „Nein, das habe ich nicht." „Wie wiegen Sie denn Ihre Butter?" „Ganz einfach so," antwortete der Bauer, „seitdem der Bäcker die Butter von mir kauft, kaufe ich auch mein Brot bei ihm, den Laib zu drei Pfund. Diese Laibe dienen mir als Gewicht für meine Butterklumpen. Wenn nun das Gewicht nicht richtig ist, so ist das nicht mein Fehler, sondern der seinige." Daraufhin wurde die Klage des Bäckermeisters kostenpflichtig abgewiesen.
*. neuestes vom Gage.
Beileidstelegramme an den Lloyd.
Bremen, 6. Februar. Aus Anlaß des Todes des früheren langjährigen Vorsitzenden des Aussichtsrates des Norddeutschen Lloyd, Geo Plate. ging bet der Direktion des Lloyd vom Chef des Zivilkabinetts des Kaisers, Wirklichen Geheimen Rat von Valentini. ein in überaus herzlichen Worten gehaltenes Beileidstelegramm des Kaisers ein. Außerdem sandten Beileidstelegramme der Großherzog von Oldenburg, Prinz Heinrich von Preußen und Staatssekretär von Tirpitz.
Gefahr fift die Deutschen in Tampico.
»^ Hamburg, 6. Februar. Der Gesandte in Mexiko hat den am 5. Februar in Puerto angekommenen Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie „Apiranga" für die Aufnahme oder Wegschaffung der in Tampico anwesenden Deutschen requiriert, da die Stadt von den Rebellen und einer Blatternepidemie bedroht wird.
Das Befinden des verunglückten Zentramsparlamen» tariers.
0-* Berlin, 6. Februar. (B. Z.) Das Befinden des verunglückten Reichstagsabgeordneten Hebel erregt noch immer Besorgnis. Er hat nicht gut geschlafen und wird stark vorn Husten gequält. Er hat Schmerzen, die auf innere Verletzungen hindeuten. Das Befinden des Abg. Pütz hat sich weiter gebessert.
Eine Lokomotive beim Znsammeuprall ««gestürzt.
»** Berlin, 6. Februar. (B. Z.) Zwischen den Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf fuhr eine Maschine gegen einen aussabrenden Güterzug. Die Lokomotive stürzte um, wobei der Lokomotivführer schwer verletzt wurde. Einige Wagen des Güterzuges wurden stark beschädigt.
Drei Fahrzeuge ineinandergefahren.
»**- Potsdam, 6. Februar. (B. Z.) Auf der Red- lrtzer Chaussee fuhr heute morgen ein Automobil auf den Milchwagen eines Rittergutes. Beide Wagen wurden stark beschädigt. Die Insassen erlitten leichte Verletzungen. Gleich darauf fuhr ein zweites Automobil auf die beiden Fahrzeuge auf. Die drei Gefährte fuhren so ineinander, daß sie erst durch die Feuerwehr auseinander- gebracht werden konnten. Die Insassen des zweiten Automobils wurden ebenfalls leicht verletzt.
Ein Fuhrwerk vom Zuge ttberfahren.
»■*> Liegnitz, 6. Februar. (B. Z.) Der Personenzug 924 Überfuhr heute früh zwischen Neuhof und Liegnitz das Fuhrwerk des Stellenbesitzers Börner mit drei Insassen. Davon wurde eine Person sofort getötet, zwei wurden schwer verletzt. Der Personenzug nahm die Verletzten auf und 6ntdürfte nach Liegnitz. Dort ist inzwischen der Führer des Fuhrwerks gestorben. Die Schranke war nicht geschlossen, außerdem herrschte zur Zeit des Unglücks dichter Nebel.
Straßenbahnunfall in Cöln.
w> Cöln, 6. Februar. Am Hohenzollernring stießen gestern abend zwei Straßenbahnzüge zusammen. Der eine war in ein totes Verbindurrgsgleis geraten und dadurch dem anderen mit voller Kraft in die Flanke gefahren. Mehrere Personen wurden schwer verletzt, einige erlitten leichte Verletzungen.
Ein Frachtdampfer durch Kollision gesunken.
»-#> Paris, 6. Februar. Aus Lissabou wird gemldet: Der Postdampfer der Neuen' südatlantischen Schrsfahrts- gesellschaft „Lutetia" stieß mit dem griechischen Frachtdampfer „Dimitri" in den portugiesischen Gewässern zusammen. Der „Dimitri" sank, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Die „Lutetio", die beträchtliche Havarie erlitten hat, kehrte nach Lissabon zurück.
Genickstarre in einer französischen Garnison.
o-* Paris, 6. Februar. Nach einer Blättermeldung aus Le Maus erkrankten einige Soldaten der Garnison heftig an Genickstarre.
Die russische Agitation in Ungarn.
w> Budapest, 6. Februar. Im Verlaufe der Gerichtsverhandlung im Ruthenenprozeß in MarmareS- ziget sagte der Grenzdetektiv aus, der russische Agent Bobrinski habe ihn beauftragt, gebildete Ruthenen an- zuwerben, damit sie in Rußland zum orthodoxen Glauben übertreten, darin ausgebildet würden und später nach Ungarn zurückkehrten. Weiter soll Bobrinski die Aeußerung getan haben, Rußland werde nicht eher demobilisieren, als bis die russische Fahne auf den Karpaten wehe. Bobrinski bestreitet, die Aeußerung getan zu haben. Bobrinskis Vereidigung wurde abgelehnt und ihm freigestellt, abzuretsen.
Der Franenmörder Schmidt znm Tobe verurteilt.
»-*> Neuyork, 6. Februar. Im zweiten Prozeß gegen den ehemaligen Kaplan Schmidt wegen Mordes an seiner Geliebten wurde der Angeklagte des Mordes für schuldig befunden. Darauf steht die Todesstrafe.
Berliner Getrewe- und Viehmarkt.
Die am 4. Februar abgelaufene Berichtswoche hat besonders einschneidende Preisveränderungen am Getreidemarkte nicht gebracht. Eine kleine Abschwächung ist zwar festzustellen, jedoch zeigt sich auch genügend Widerstandskraft gegen stärkere Rückgänge. Der Preisstand des Weizens hat eine Stütze an den Verhältnissen des Weltmarktes. Argentinien, aus dessen Wetzenernte erst so große Hoffnungen gesetzt wurden, bereitet immer neue Enttäuschungen. Es hat verhältnismäßig nur geringe Mengen trotz günstiger Verfrachtnngsgelegenheit zum Versand gebracht, und der Exportüberschuß dieses südamerikanischen Landes wird jetzt kaum noch auf 1% Millionen Tonnen geschätzt. Australien hat in seinen Weizenverschiffungen bedeutend nachgelassen. Das teilweise Versagen dieser beiden Expongebiete hat Nordamerika benutzt, um seine Forderungen zu erhöhen. Man ist jetzt gespannt, ob Südrußland mit größerem Angebot auf dem Markte erscheinen wird. Allerdings dürfte nach den bisherigen Proben viel minderwertiges Material von dort geliefert werden. Für Deutschland spielt noch immer die Kauflust der Exporteure eine wesentliche Rolle und läßt es zu erheblicheren Preisermäßigungen auch bei reichlicherem Angebot des Inlandes nicht kommen. Roggen wird für dle Ausfuhr sowie seitens der nur schwach versorgten inländischen Mühlen schlank ausgenommen, sodaß am Berliner Markte vergleichsweise wenig auf Abladung zum Verkaufe kommt. Hafer war im Zusammenhang mit der Wirkung der großen Jnlandsernte trotz bedeutenden Exports schwächer. Mais findet genug Käufer, sodaß der Preisstand behauptet blieb, obwohl von den Laplatastaaten und von der Donau viel Ware angeboten wurde. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Mat- lteferung wie folgt: Weizen 198,75, Roggen 160,75, Hafer 156,—, Mais 141,75.
Preise des städtischen Schlachtvieh-Marktes. Ochsen: vollst., ausgemäst., höchst. Schlachtw., 84—90 X junge fletsch., nicht ausgem. und ältere ausgem. 80—85 X mäßig genährte junge und gut genährte ältere 74—79 JL Bullen: ausgewachsene, höchst. Schlachtw. 79—84 X vollst, jüngere 75—79 X mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 72—75 ^ Färsen: vollst. ausgem. Färsen höchsten Schlachtw. 77—78 Kühe: vollst., ausgem. höchst. Schlachtw. bis zu 7 Jahren 75—79 X ältere ausgem. und wenig gut entwickelte jüngere 69—75 X mäßig genährte Kühe und Färsen 64—66 Jl. Jungvieh: gering genährtes 70—74 Jl. Kälber: Doppellender feinster Mast 140—154 X feinste Mastkälber 117—120 X mittlere Mast- und beste Saugkälber 103—113 X geringere Mast- und gute Saugkälber 95—105 X geringe Saugkälber 76—95 Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel 86—92 X ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 78—84 X mäßig genährte Hammel u. Schafe 67—81 .^ Schweine: Fettschweine über 3 Ztr. 67,— X vollfletschige 240 bis 300 Pfd. 65—67 X 200—240 Pfd. 65—66 X 160—200 Md. 63—65 x unter 160 Pfd. 62—63 X Sauen 62-64