Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
Herrscher Kreisblutt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 31.
Freitag» den 6. Februar
1914.
Hus der Heimat«
Wintersport.
Noch immer prangen die höher gelegenen Berge unseres Hessenlandes in ihrem winterlichen Märchengewande und laden zum Besuche ein. Mancher Skiläufer wird vielleicht Sonntag wieder den uns so bekannten und mit Recht beliebten Eisenberg aufsuchen! Diejenigen Skifreunde aber, die gern auch mal ein anderes Terrain kennen lernen wollen, finden hierzu die schönste Gelegenheit am kommenden Sonntag. An demselben veranstaltet nämlich der Wintersportverein Gersfeld seinen 2. Verbands-Wett- lauf im Rhöngebirge. Bietet schon die Rhön im Sommer herrliche Anziehungspunkte, so erfreut sie im Winterkleide uns Wintersportler erst recht. Die Wettläufe beginnen schon Sonntag morgen um 8 Uhr und werden zweifellos recht interessant und auch lehrreich werden. Wer sich deshalb die Veranstaltung mitansehen will, wird gut tun schon Sonnabend nachmittag nach Gersfeld zu fahren. Der in Betracht kommende Sprunghügel, der wohl die größte Anziehungskraft haben dürfte, befindet sich am Simmels- berg unweit Gersfelö bei Rodenbach. Der Sprunglauf beginnt Sonntag vormittag erst um 11.30 Uhr. Ski Heil denn für kommenden Sonntag! W.
*iVomTruppenübungsplatzOhröruf.) Aus dem ganzen Bereich des 11. Armeekorps werden jetzt eine große Anzahl Offiziersaspiranten, die als Einjährig-Freiwillige ihrer Militärpflicht genügthaben, zur Teilnahme an einem mehrwöchigen Offiziersaus- Hildungskursus einberufen und auf dem Truppenübungsplatz Ohröruf zu kriegsstarken Kompagnien zusammengeschlossen. Die Uebungen werden Anfang März beginnen und bis fast zum Osterfest dauern.
):( Hersfeld, 5. Februar. Im Sitzungssaale des Landratsamtsgebäudes fand gestern eine Sitzung des Kreistages des Kreises Hersfeld statt. Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Kreisausschusses Herr Landrat von Grunelius die Sitzung und hieß die Herren Abgeordneten willkommen. Er gedachte alsdann des verstorbenen Herrn Bürgermeisters Döring in Sieglos, der lange Jahre ein eifriges Mitglied des Kreisausschusses und des Kreistages gewesen sei. Die Anwesenden ehrten das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. — Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Prüfung der Ende vorigen Jahres stattge- fundenen Kreistagswahlen, und zwar war für den verstorbenen Herrn Bürgermeister Döring in Sieglos Herr Bürgermeister Großkurth in Unter- haun und für Herrn Amtsrat Freist, welcher sein seit langen Jahren innegehabtes Mandat niedergelegt hatte, Herr Domänenpächter Rabe von Pappenheim gewählt worden. Einwendungen gegen die Wahlen waren nicht eingegangen. Herr Landrat von Grunelius hieß die beiden neugewählten Mitglieder willkommen und führte sie in ihr Amt ein. — Da die Zivil- Einwohnerzahl des Kreises Hersfeld auf 37095 Personen angewachsen ist, war eine anderweite Einteilung der Kreistags- wahlverbände nötig. Es sind in Zukunft statt 20 Abgeordnete deren 21 zu wählen und zwar 5 Vertreter für die Stadt Hersfeld, 8 Vertreter des Großgrundbesitzes und 8 für die Landgemeinden. Bezüglich -er Einteilung wurden noch verschiedene Wünsche vorgebracht, doch wurde schließlich die Vorlage des Kreisausschusses ohne Aenderung angenommen. — Die Prüfung der Kreiskommunalkasscn- rechnung für das Jahr 1912 ist durch eine Kom- npssion erfolgt, die nur geringfügige Beanstandungen zu machen hatte, so daß der Kreistag dem Rechnungsführer Entlastung erteilen konnte. Die Rechnung schließt in Einnahme mit 1629418,21 Mk. und in Ausgabe mit 1622324,84 Mk. ab, so daß ein Kassenbestand von 7093,87 Mk. vorhanden war. — Ueber die Regelung des Desinfektionswesens im Kreise Hersfeld hatte der Kreisausschutz im Interesse einer Besserung der Gesundheitsverhältnisse im Kreise eine Vorlage gemacht, nach welcher zwei Desinfektionsstellen, und zwar in Heimboldshausen und in Hersfeld, vorgesehen sind. Die einmalige Ausgabe für Beschaffung von Apparaten etc. beträgt 668 Mk. und die jährliche Unterhaltung 500 M. Der Kreistag war hiermit einverstanden und stimmte der Vorlage zu. — Die vom Kreisausschusse vorgesehenen Ergänzungen der Besoldungsgrundsätze für die Beamten der Kreisbahn fanden gleichfalls Annahme. — Der nächste Punkt war der wichtigste der Tagesordnung und betraf den Antrag des Kreisausschusses um Bewilligung von 6000 Mk. zwecks Herstellung eines Projekts zum Anschluß des Kreises Hersfeld an das Kraftwerk der Edertalsperre. Herr Landrat von Grunelius bezeichnete die Versorgung des Kreises Hersfeld von
größter Bedeutung für seine Entwicklung und führte ans, daß der hiesige Kreis als äußerster noch angeschlossen werden könnte, wenn dem Herrn Minister bis zum 1. Mai ein endgültiger Beschluß darüber vorliegt. Wenn der Kreis Hersfeld jetzt nicht zugreifen würde, dann kommt ein späterer Anschluß an die Edertalsperre nicht mehr in Betracht. Der Vertrag, dender Staat vorgelegthabe, seiaußerordentlich günstig, da hier nicht auf einen großen Gewinn gerechnet wird, sondern der Staat die Anlage als ein kulturelles Unternehmen betrachte. Der Kreisausschuß habe den Direktor der städtischen Elektrizitätswerke in Frankfurt a. M., Herrn Dr. Singer, für die Ausarbeitung eines Projekts, das bis zum 15. März abzuliefern sei, gewonnen. Nachdem von den verschiedensten Seiten die Angelegenheit auf das Freudigste begrüßt worden war, beschloß der Kreistag einstimmig, die geforderte Summe zu bewilligen. Es wurde sodann noch eine Kommission gewählt, welche den Kreisausschuß bei den weiteren Vorarbeiten unterstützen soll. — Der diesjährige Landwegebauetat sieht eine Ausgabe von 37 000 Mark zur Verbesserung der Landwege unseres Kreises vor, sowie eine außerordentliche Ausgabe von 5000 Mark zur Herstellung des Weges Lengers- Heringen. Bei dieser Gelegenheit wurden von verschiedenen Seiten Wünsche vorgebracht. — Die von den Gemeinden Philippsthal und Schenk- lengsfeld vereinnahmten Wanderlagersteuerbeträge sollen den betreffenden Gemeinden auf die Kreissteuern angerechnet werden. — Die Uebernahme der Aufgaben eines Zweckverbandes, der evtl. für die Landgemeinden des Kreises hinsichtlich des Krankenkassen- wesens gebildet werden müßte, wurde abgelehnt. Von einer Anzahl Ortsbewohner von Friedewald war eine Eingabe gemacht worden, umFrieöewalö vermittelst Verbindung der Herfacr Grubenbahn mit der Kreisbahn dem öffentlichen Verkehr mehr zu erschließen. Herr Landrat von Grunelius bedauerte, daß man in Friedewald noch immer glaube, daß der Ort bei Anlage der Kreisbahn aus bösem Willen Übergängen worden wäre und wies nochmals auf die Gutachten bedeutender Sachverständiger hin, welche die Unmöglichkeit dieses Projekts klargelegt hätten. Auch dieses Projekt der Verbindung der Grubenbahn mit der Kreisbahn stelle sich so teuer, daß eine Rentabilität ganz ausgeschlossen wäre. Herr Hoßbach bedauerte, daß es nichtmöglich sei, denzahlreichen Arbeitern v. Friedewald die Annehmlichkeiten des Bahnverkehrs zu verschaffen Der Kreistag beschloß über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. — An Stelle des verstorbenen Herrn Bürgermeisters D ö r i n g—Sieglos wurde Herr Bürgermeister Rößing in Kerspenhausen als Mitglied des Kreisausschusses gewählt. — Nachdem die letzten Punkte, welche Kommissionswahlen betrafen, erledigt waren, konnte Herr Landrat von Grunelius gegen 1 Uhr mit Worten des Dankes an die Herren Abgeordneten die Sitzung schließen.
Wildungen, 3. Februar. Der Monteur Böhmer, der auf einem Sonntagsausflug nach der Talsperre durch einen Absturz verunglückte, ist seinen schweren Verletzungen erlegen.
Cassel, 7. Februar. Landgerichtsdirektor Schulte aus Düsseldorf wurde im Park zu Wilhelmshöhe erschossen aufgefunden. Der Verstorbene hat sich zuletzt in einer Kuranstalt aufgehalten.
Frankfurt a. M., 3. Februar. In Produzenten- und Händlerkreisen nimmt man an, daß der Monat Februar einen allgemeinen Preisrückgang auf dem Viehmarkt bringen würde, teils infolge der Vermehrung des Angebots, teils infolge der stockenden Nachfrage. Dies ist auf dem gestrigen Viehmarkt in Frankfurt nicht eingetreten. Vor allem haben die Schweine, die auf allen Märkten, besonders in Mitteldeutschland, in den letzten drei Monaten einen jähen Preissturz vollführten, wieder im Preist etwas angezogen, zirka 1—2 Pfennige pro Pfund Schlachtgewrcht gegen die Vorwoche.
Abgeordnetenhaus.
Am Mittwoch begann das Haus die zweite Beratung des Justizetats zu der ein Antrag Aronsohn (Fortschr.) vorlag, der um die Vorlage emer Denkschrift über die Gefängmsarbert ersucht sowie über ihre Art, den Umfang und die Löhne. - Abg. Bartscher (Ztr.) beklagte die hohen Stempelsteuern, die eine Belastung des Mittelstandes darstellen. — Abg. Lieber (Natl.) bat um Rücksicht bei Zwang-versteigerungen auf die Lage der Gläubiger bei der Wertberechnung der Grundstücke. - Abg. Mathis (Natl.) wünschte die Uebernahme der Prüfungsgebühren für die -Beamten auf die Staatskasse. Vom Regierungstisch wurde erwiderte, daß das nicht angängig sei. Außerdem wären die Gebühren sehr gering. — Abg. Viereck (freik.) führte aus, die Steigerung der Einnahmen durch die
Gefängnisarbeit schade dem gewerbetreibenden Mittelstand. — Abg. Dr. Schmitt-Düsseldorf (Ztr.) schlug vor, die Gefangenen mit dem Sortieren von Altmaterial zu beschäftigen. — Abg. Boisly (Natlh und Abg. Wenke (Fortschr.) äußerten sich gleichfalls gegen die den Handwerkern durch die Gefängnisarbeit bereitete Konkurrenz. — Abg. Hammer (kons.) bemerkte, daß sogar ein Gefängnis eine Dampfmaschine angeschafft habe. Sehr zu beklagen sei, daß die Heeresverwaltung den Gefängnissen Arbeiten in Auftrag gäben, weil die Handwerker nicht zu Zuchthauspreisen liefern könnten. Eine Trennung zwischen Strafvollstreckung und Strafvollzug sei nötig. Die Juristen wissen oft nicht, was dem praktischen Leben fromme. — Abg. Liebknecht (Soz.) wünschte, daß auch Arbeiter, nicht nur Unternehmer zu den Beiräten für die Gefängnisarbeit zugezogen werden möchten. Jnstizminister Dr. Beseler ging kurz auf die verschiedenen Wünsche ein. Er betonte, daß im allgemeinen nur da, wo keine Konkurrenz für andere Arbeiter entstehe, für den freien Markt gearbeitet werden solle. Er hoffe, daß der Minister des Innern die Zustimmung zur Ausarbeitung der Denkschrift geben werde. Der Antrag Aronsohn wurde alsdann angenommen und die Einnahmen bewilligt. — Abg. Jtschert (Ztr.) übte scharfe Kritik an dem Vorsitzenden im Prozeß Knittel, der die nötige Objektivität habe vermissen lasten und nicht nur über den Angeklagten, sondern auch allgemein über die Reserve- und Landwehroffiziere abfällig gesprochen habe. Der Fall beweise aber, daß auch Richter vor Gericht nicht anders behandelt werden wie andere Menschen, daß es keine Klassenjustiz gäbe. Justizminister Dr. Beseler schilderte die Maßnahmen zur Prüfung der Assessoren,- die Prüfungen erfolgen deshalb so streng, um geeignete, gute Kräfte an die rechten Stellen zu bringen. Im Falle Knittel habe der Vorsitzende allerdings Fehler gemacht, doch setzt der Minister in die Richter das Vertrauen, daß das ein Einzelfall sei. Abg. Boisly (natl.) wünschte für die Staatsanwälte größere Selbständigkeit, damit sie nicht von der Meinung ihrer Vorgesetzten beeinflußt würden. Abg. Gruudmauu (kons.) erklärte namens seiner politischen Freunde sich einverstanden mit der vorgesehenen Vermehrung der Beamtenstellen. Für die Referendare schlägt er eine Ausbildung in der Landwirtschaft vor, damit sie auch diese Verhältnisse kennen lernen. Größerer Schutz vor Geisteskranken und Sittlichkeitsverbrechern sei nötig. Der Justizminister bemerkte, daß die neue Strafprozeßordnung diesen Wünschen Rechnung tragen werde. — Donnerstag 11 Uhr Fortsetzung. — Schluß 4^ Uhr.
Deutscher Reichstag.
In der Sitzung vom Mittwoch nahm das Haus zunächst mit Bedauern Kenntnis von dem Unfall, den die Abgg. des Zentrums Pütz und Hebel erlitten. In der Fortsetzung der Etatsberatung wurden die Resolutionen besprochen, die über die Handhabung des Reichsvereinsgesetzes zum Etat des Innern gestellt und von der allgemeinen Erörterung abgetrennt worden waren. Zentrum, Polen und Sozialdemokraten beantragten im wesentlichen Aufhebung des Sprachen- paragraphen, Beseitigung des Verbots der Teilnahme Jugendlicher an politischen Versammlungen. Abg. Dr. v. Laszemski (Pole) begründete den Antrag der Polen und meinte, der Sprachenparagraph sei ein Ausnahmegesetz gegen die Polen. Der jetzigen Rechts- Verwirrung müsse ein Ende gemacht werden. Abg. Legten (Soz.) bedauerte, daß bet Schaffung des Gesetzes die Liberalen versäumt hätten, es so zu fassen, daß jede polizeiliche Schikane ausgeschlossen gewesen wäre. Abg. Marx (Ztr.) hielt den Sozialdemokraten vor, daß sie selbst daran Schuld seien, wenn die Gewerkschaften zu politischen Vereinen gestempelt würden. Denn Parteiführer haben immer wieder erklärt: Gewerkschaften und Parteien seien eins! Die radikalpolnische Bewegung sei zum guten Teil dem Sprachen- paragraphen zu verdanken. Auch die Jugendlichen müssen gebildet werden, damit sie im Leoenskampf bestehen können. Ministerialdirektor Dr. Lewald betonte, daß die Ausführungsbestimmungen auf dem Boden des Vereinsgesetzes stehen und vom Wunsche getragen seien, das Gesetz in einer schikanenfreien Weise auszuführen. Abg. v. Veit (kons.) bezeichnete den Sprachenparagraph als notwendig und betonte die Notwendigkeit, die Jugendlichen vom politischen Leben fernzuhalten. Donnerstag: Fortsetzung.
Wetteransfichten für Freitag den 6. Februar.
Ziemlich heiter, vielfach dunstig und nebeltch, trocken, Nachtfrost, ruhig.