Verurteilung eines universttätSprofeflors. Die Strafkammer in Straßburg verurteilte nach dreitägiger Verhandlung den früheren Direktor der Straßburger Universitäts-Augenklinik, Professor Dr. Schirmer, gebürtig aus Greifswald, jetzt wohnhaft in Neuyork, wegen Vergehens gegen den 8 174, Bisset 3 des Reichsstrasge- setzbuches zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bei Annahme mildernder Umstände. Außerdem wurde einem Antrag des Staatsanwalts entsprechend die sofortige Verhaftung des Verurteilten wegen Fluchtverdachtes verfügt. In einem weiteren Falle wurde das Verfahren abgetrennt und auf unbestimmte Zeit vertagt.
Der Roman der Erzherzogslinder.
Wieder bietet, wie der „Jnf." aus Wien geschrieben wird, eine unebenbürtige Ehe eines Mitgliedes des Habsburgischen Kaiserhauses und das traurige Geschick der aus dieser „Mesalliance" hervorgegangenen Kinder der Kaiserstadt an der Donau reichhaltigen Gesprächsstoff und hat sogar vor kurzem zu einer Interpellation im Parlament geführt. Im Jahre 1887 führte Erzherzog Ernst von Oesterreich die Witwe des Advokaten Skublicz unter dem Namen einer Baronin von Wallburg heim. Aus dieser Ehe entsprossen vier Kinder, die Söhne Heinrich und Ernst und die Töchter Klothilde und Laura. Bis zum Tode der Baronin Wallburg im Jahre 1865 erzogen Erzherzog Ernst und seine Gemahlin ihre Kinder gemeinsam, nach ihrem Tode übernahm der Erzherzog bis zum Jahre 1873 die Erziehung seiner Kinder selbst. Stets wurden die Kinder als vollkommen eheliche behandelt und genossen entsprechend ihrem Range eine durchaus standesgemäße fürstliche Erziehung und Lebensführung. Die Mädchen wurden zur Ausbildung dem Kloster der englischen Fräulein zu St. Pölten übergeben, wo sie in der Aristokratenabteilung ihren Platz hatten. Von den Söhnen studierte Heinrich die Rechte, während Ernst als Offizier in die Armee eintrat.
Zwischen dem Bruder des Erzherzogs Ernst, dem Erzherzog Rainer, und ibm selbst bestand anfänglich ein gutes Verhältnis, dies änderte sich jedoch mit dem Jahre 1877, wo Erzherzog Rainer wegen angeblich schlechter Wirtschaftsführung seinem Bruder einen Vertrag auf- zwang, nach dem er die Schulden des Erzherzog Ernst in Höhe von 5 Millionen Kronen zu zahlen übernahm gegen die Verpflichtung Ernst's, auf den größten Teil seiner Apanage zeitlebens zu verzichten und alle ihm noch etwa in Zukunft anfallenden Erbschaften von vornherein abzutreten. Von der Zeit dieses Vertrags an beginnt für die Kinder des Erzherzogs Ernst ein wirkliches Martyrium. Sie erhalten als Vormünder die Sekretäre des Erzherzogs Rainer, sie bekommen ihren Vater nie mehr zu sehen und dürfen von ihm nur noch als von ihrem Wohltäter sprechen, der Glanz fürstlichen Lebens erlischt für sie.
Heinrich von Wallburg begeht Selbstmord, Ernst von Wallburg muß Schulden halber den Dienst quittieren, da Erzherzog Rainer jede Zahlung ablehnt, die 17 und 19 Jahre alten Mädchen müssen das vornehme Stift zu Pölten verlassen und in Innsbruck bei einer kleinen Beamtensrau als Mägde Stellung nehmen. Auf Wunsch oder besser auf Befehl ihres Vormundes muß Klothilde dann einen Arzt heiraten, den sie vorher nie zu sehen bekommen hatte. Als Mitgift erhielt sie von Rainer 40 000 Kronen. In zweiter Ehe heiratete sie den Major Edlen von Simicz. Frau von Simicz versuchte oft durch Vermittlung der Tante ihres Vaters, der Prinzessin Montleart, ein Wiedersehen mit ihrem Vater herbetzuführen, stets vergeblich, nicht einmal zu ihrem sterbenden Vater wurde sie zugelassen, und erst auf dem Totenbett durfte sie ihn Wiedersehen.
Seit dem Tode des Erzherzogs Ernst konnte sie niemals beim Kaiser oder beim Erzherzog Rainer eine Audienz erlangen. Im Jahre 1913 beschritt endlich Frau von Simicz, um ihrer bitteren Not und den furchtbaren Verhältnissen ein Ende zu machen, den Rechtsweg, bisher anscheinend erfolglos. Man hofft, daß durch die Interpellation im Parlament der Angelegenheit eine andere Wendung gegeben werden wird, und besonders verspricht man sich viel von dem persönlichen Eingreifen des Kaisers, der nach der Lektüre des Pro- zesses sofort dringende Informationen einforderte.
Vermischtes.
Enttäuschte Millionenerben. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt amtlich: im November v. I. ging die Nachricht von einer Millionenerbschaft Fremann durch die Blätter. Ein schönes junges Mädchen namens Ziemann sollte vor vielen Jahren aus Tuchel in Westpreußen nach Amerika gegangen sein und dort ihr Glück gemacht haben. Jetzt sei sie als Witwe eines Generals mit Hinterlassung eines Vermögens von weit über 20 Millionen Mark in Chattanooga in den Vereinigten Staaten gestorben. In ihrem Testament habe sie die Familie Ziemann reich bedacht. Es wurde sogar behauptet, daß der deutsche Konsul in Atlanta eine arme Kätnerwitwe August Ziemann, die mit 6 unversorgten Kindern in Tuchel lebt, von der ihr zugefallenen Erbschaft benachrichtigt habe, und daß der älteste Sohn zur Regelung der Angelegenheit nach Amerika auf dem Wege sei. Leider ist an der Geschichte von der Millionenerbschaft kein wahres Wort. Die reiche Generalin aus Tuchel hat garnicht gelebt. Die zahlreichen Personen, die auf gründ einer vermeintlichen Verwandtschaft mit ihr aus die angeblichen Millionen Anspruch erhoben, haben sich also vergebliche Hoffnungen gemacht.
, „ Im Backofen verbrannt. Ein furchtbarer Unglücks- sall trug sich in Plossig (Kreis Torgau) zu. Dort hatte A bes Gutsbesitzers und Gemeindevorstehers Ernst Bachmann Feuer im Backofen gemacht, um Brot zu backen. Irgend etwas ist dabei im Ofen nicht in Ordnung gewesen und die Frau kroch deshalb mit dem Oberkörper in den Backofen Hinein. Im Ofen ist sie nun vermutlich von einer Ohnmacht befallen oder von einem Herzschlaa betroffen worden, konnte nicht mehr zurück und wurde von den Flammen ergriffen. Leider wuroe ihr Ausbleiben von dem auf dem Hofe tätigen Dienstpersonal nicht gleich bemerkt, und als man sie endlich auffand, war die Frau schon eine Leiche, ihr Oberkörper war völlig verbrannt.
Auch ein „Tauschgeschäft". In einer angesehenen Familie in Halle war plötzlich aus dem Schmuckkasten die wertvolle goldene Uhr der Hausfrau verschwunden. Das Dienstpersonal geriet in Verdacht, und schließlich verständigte man die Kriminalpolizei. Eine für alle Teile sehr peinliche Untersuchung begann. Jeder Wohn- genosse wurde in ein scharfes Kreuzverhör gezogen, ohne jeden Erfolg. Da fiel einem der Beamten das auffallend verschüchterte, gedrückte Wesen des neunjährigen Söhn- chens des Hauses auf. Er nahm das kleine Bürschchen ins Verhör und hatte absonderlichen Erfolg. Nach langem Zögern gestand der Junge ein, die Uhr entwendet zu haben, um dafür — drei „sehr seltene" Reklamemarken zu erhalten! Es gelang schließlich, das seltene „Tauschgeschäft" wieder rückgängig zu machen, der andere „Kontrahent" war ein Junge gleichen Alters, der sehr t«agif<& darauf bestand, die drei wertvollen Reklame
marken erst zurückzuerhalten, ehe er die Uhr wieder herausgab.
Die Soldaten-Epidemien in Frankreich. Trotz der Ausgabe beruhigender Noten durch das französische Kriegsministerium verzeichnen Privatdepeschen der Pariser Blätter zahlreiche neue Epidemien in den franzö- sischen Garnisonen. In St. Dis starben drei Mann der dortigen Jägerbataillone (zwei waren in der vorigen Woche gestorben). Der Scharlach forderte in Rambouillet bei Parts einen Toten bei den zwölften Kürassieren. In St. Etienne starb ein Mann an Gehirnhautentzündung, in Belfort einer an Scharlach. Die Militärärzte von St. Diö sind Tag und Nacht beschäftigt, die Lazarette sind überfüllt. Viele Kranken liegen auf dem Erdboden auf Matratzen. Die Epidemien werden vielfach den alten vermoderten, schlecht gebauten Kasernen oder flüchtig hergestellten neuen Baracken zugeschrieben. Wie dem „Berl. Lok.-Anz." aus Paris gemeldet wird, will die Sanitätsbehörde nicht glauben, daß diese auffällig häufigen ansteckenden Krankheiten in diesem Jahre auf die geringe Widerstandsfähigkeit der zum ersten Male in Dienst gestellten Zwanzigjährigen zurückzuführen seien.
Witzige Einbrecher. Eine bemerkenswerte Dosis von Kaltblütigkeit und gutem Humor bewiesen, wie die „Dresd. N. N." zu berichten wissen, zwei gutgekleidete Gauner, die eines Abends in ein Haus bei London etn- brachen. Ihre Geistesgegenwart ermöglichte ihnen, nicht nur das Haus unbehelligt zu verlassen, sondern sogar die ganze Beute mitzunehmen. Das Haus war abends zeitweilig unbewacht, und die Einbrecher benutzten den Moment, um sich in die Wobnuug einzuschleichen. Nach einiger Zeit kam der Sohn des Hauseigentümers zurück und sah Licht im Speisezimmer, das jedoch erlosch, als er die eiserne Gartenpforte hinter sich zuschlug. Als er das Speisezimmer betrat und das elektrische Licht auf- drehte, sah er zwei Herren in vollster Seelenruhe in Lehnstühlen an dem Kaminfeuer sitzen. „Was suchen Sie hier?" fragte der Hausherr. „Was suchen Sie denn hier?" war die Antwort des einen der beiden Männer, der ein wenig angeheitert zu sein schien. „Das ist unser Haus und ich wohne hier," erläuterte der verdutzte Jüngling. „Was ist das für ein dummer Scherz? Das ist doch meine Wohnung!" replizierte entrüstet der Fremde. Dann sah er sich im Zimmer um und schien erst zu bemerken, daß er nicht „zu Hause" sei. Nun erklärte er, daß er eine Straße weiter in einem ganz ähnlichen Hause wohne, daß sein Hausschlüssel zufällig in das Schloß dieses Haustores gepaßt und daß er in seinem Rausch einen unverzeihlichen Fehler begangen hätte, für den er vielmals um Entschuldigung bitte. Sein Partner, der die Komödie gleichfalls vorzüglich spielte, begann ihm jetzt bittere Vorwürfe über seine Dummheit und seinen Rausch zu machen und schrie, daß er in ärgster Verlegenheit sei, daß das eine unglaubliche Takt- losigkeit sei usw. Dann machten sich die beiden jungen Leute unter tausend Entschuldigungen auf den Weg. Der Verdacht des jungen Haussohnes war durch die gelungene Komödie der beiden Gauner besänftigt worden. Erst später entdeckte er, daß die geistesgegenwärtigen Einbrecher eine Menge Juwelen und Wertgegenstände mitgenommen hatten, noch dazu in seinem eigenen Ueber- zieher!
deutsche Miere in Frankreich gelandet.
Die Landungs stelle bei Luueville.
Zwei deutsche Offiziere, die am Dienstag mit ihrem Flugzeug von Straßburg nach Metz fliegen wollten, verirrten sich unterwegs und hatten dann das Mißgeschick, auf französischem Boden zu landen. Glücklicherweise hat der Vorfall weiter keine Aufregung hervorgerufen. Wie aus den bisher vorliegenden Meldungen ersichtlich ist, haben sich die Franzosen unseren Offizieren gegenüber ebenso korrekt benommen, wie diese den dortigen Behörden gegenüber. Die Meldungen über die Landung lauten:
Einer der der Landung
Ein deutsches Flugzeug mit zwei Leutnants landete Dienstag nachmittag 12% Uhr zwischen Chanteheut und Croismare, etwa neun Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Die Offiziere erklärten dem Unter- präfekten von Luneville, daß sie von Straßburg nach Metz fliegen wollten, nachdem sie Saarbrücken passiert hatten, die Richtung verloren und landen mußten, ohne zu wissen, wo sie sich befinden. Bei der Landung wurde das Flugzeug beschädigt, deutschen Offiziere begab sich sofort nach nach dem Bürgermeisteramt von Croismare, um Beistand zu verlangen, da das Flugzeug, ein Zweidecker, bei der Landung stark beschädigt worden war. Der Bürgermeister verständigte sofort telephonisch die Militär- und Zivilbehörden von Luneville. Um 2 Uhr begaben sich zwei Generale der Garnison von Luneville nach Croismare, um die beiden deutschen Militärflieger zu vernehmen.
Das Flugzeug war mit Oberleutnant Prestien, im Badischen Futzartillerie-Regiment Nr. 14. und dem Leutnant G e r n e r, im lothringischen Fußartillerie-Regiment Nr. 16, besetzt. Ein zweites Flugzeug, das unter Führung des Leutnants Thelen gleichfalls nach. Metz aufgestiegen war, ist nachmittags auf dem Flugfelde bet Metz gelandet. Die deutschen Offiziere folgten auf ihrem Fluge von Straßburg nach Metz der Eisenbahn und bogen, als sie in Saarburg angekommen waren, irrtümlich nach rechts ab. Ihren Irrtum bemerkten sie erst, als sie Luneville im Tale vor sich liegen sahen. Sie gingen sofort nieder. Der Unterpräfekt ließ den Apparat, der von einer Abteilung Artilleristen und Gendarmen bewacht worden war, demontieren.
Rückkehr der Flieger nach Deutschland.
Die beiden deutschen Offiziere wurden um 6 Uhr abends von dem Brigadekommandeur, General Bann, zum Bahnhof Avricourtgeleitet. Das Flugzeug wird mit der Eisenbahn nach Metz gebracht werden.________
dauerwellrekord eines deutschen Fliegers.
14 Stunden in der Luft.
te* Berlin, 4. Februar. (B. Z.) Der Flieger Langer von der Luftfahrzeug-Gesellschaft hat den französischen Dauerrekord gebrochen, indem er vierzehn Stunden ununterbrochen sich in der Luft aufgehalten hat. Er war gestern früh 8 Uhr in Johannisthal aufgestiegen und landete erst nach 10 Uhr abends wieder auf dem Flugplätze. Meist hielt er sich über dem Flugplätze auf, t e t U weise kreuzte er auch über Frredenau und Stealitz. Mit diesem Fluge hat Langer den Rekord des Franzosen Fournier glänzend geschlagen. Er gab an, daß er in den Abendstunden sehr stark unter der Kalte gelitten Hebe, war aber trotz des langen Fluges verhältnismäßig frisch. Er hat 1400 Kilometer zurückgelegt, während Fournier, der Inhaber des Flugweltrekords, nur 730 Kilometer hinter sich brächte. , _ _ , t
Bruno Langer steht im 21. Lebensjahr und stammt aus Boetzow in Mecklenburg. Er lernte im Mai 1912 in Johannisthal bei den Rumplerwerken fliegen. Sein Pilotenzeugnis datiert vom 17. Mai 1912. Schon nach kurzer Zeit ging er zu den Wrightwerken über, deren Doppeldecker er längere Zeit mit Erfolg steuerte. Er
befaßte sich hauptsächlich mit der Ausbildung von Ute- gern und nahm an Wettbewerben fast nicht teil. Seit einiger Zeit hat er sich planmäßig auf Dauerflüge vorbereitet. Am 27. September 1913 stellte er mit einem Fluge von 9 Stunden und 57 Sekunden einen neuen, bis dahin von Viktor Stöffler gehaltenen deutschen Dauerrekord auf. Im Oktober vorigen Jahres bewarb er sich um die großen Preise der Nationalflugspende und führte einen sehr kühnen Ueberlandflug von Johannts- thal nach Jnsterburg aus. Als er von dort weiter flog, kam er in einen Sturm von 25 Sekundenmetern und
bet Pr.-Stargard landen.
mußte schließlich völlig erschöpft 1
Der Pfeildoppelöecker „Roland", den Langer benutzte, ist ein Erzeugnis der Parsevalgesellschaft. Der Doppeldecker hat eine Spannweite von 13 Metern, eine Länge von 9 Metern und ein Gewicht von 650 Kilo-
gramm. Der Antrieb erfolgt durch den von einem 100- pserdigen Mercedes-Motor angetriebenen Heine-Propeller. Die Tragflächen haben ein Areal von 42 Quadratmetern, die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 100 Kilometer in der Stunde.
** neuestes vom Cage
Zwei Reichstagsabgeordnete in Berlin verunglückt.
»«* Berlin, 4. Februar. Heute vormittag 8X Uhr wurden die beiden Vertreter der Zentrumspartei im Reichstage, die Abgeordneten Hebel (Schwaben 4) und Pütz (Schwaben 2), beide in der Mittenwalder-Stratze wohnhaft, an der Kreuzung der Blücher- und Mitten- walder-Stratze von einer Autodroschke angefahren, zur Seite geschleudert und schwer verletzt. Beide wurden dem Hedwigskraukenhause zugeführt.
Unser Verhältnis zu England.
►* Berlin, 4. Februar. Bei der Beratung des Etats der kaiserlichen Marine in der Budgetkommission des Reichstags wurde unser Verhältnis zu England und dann die Frage der Luftflotte erörtert. Staatssekretär von Jagow erklärte: Unser Verhältnis ju England kann als recht gut bezeichnet werden. Die Entspannung und Annäherung schreitet fort. Die Beziehungen zwischen den beiden Kabinetten seien durchaus vertrauensvoll. Staatssekretär von Tirpitz erklärte: Was die marine- technische Seite betrifft, so habe er seinen Ausführungen vom vorigen Jahre nichts hinzuzufügen, aber auch nichts abzustreichen. Er betone auch jetzt wieder, daß die von England angebotene Relation von 16 : 10 auch heute noch annehmbar sei, daß dagegen der nur gelegentlich einer Wahlrede erwähnte Fetertagsgedanke nicht verwirklicht werden könne.
o»* London, 4. Februar. Staatssekretär Grey hielt abend bei einem von der Handelskammer tn
gestern abend
Manchester gegebenen Diner eine Rede, in der er die Wichtigkeit der Erhaltung der offenen Tür betonte. Der Minister kam ferner auf das Flottenbudget zu sprechen und sagte, die vermehrten Ausgaben irgend eines Landes auf dem Kontinent müßten stimulierend auf die Flotten- ausgaben Englands wirken, wo man immer bedeuten müsse, daß die Flotte dasselve sei, wie die Armee für die Mächte auf dem Kontinent.
Eisenbahnunfall anf Bahnhof Braunschweig.
»s* Braunschweig, 4. Februar. Auf dem hiesigen Hauptbahnhof ist heute nacht eine aussahrende Lokomotive einem von Magdeburg kommenden Güterzuge in die Seite gefahren. Fünfzehn Wagen entgleisten. Der Heizer des Güterzuges namens Lumann wurde von
dem Packwagen nahezu erdrückt. Ein Schaffner trug eine leichte Fletschwunde davon. Die ausfahrende Lokomotive ist stark beschädigt. Führer und Heizer sind unverletzt geblieben.
Tödlicher Unfall im Kaltschacht.
Schwerin, 4. Februar. (B. Z.) In dem Kali- bergwerk Lübtheen wurden bei Sprengarbeiten drei Bergleute tödlich verletzt. -
Der Massenmörder Wagner kommt in die Irre«, anstalt.
** Heilbronn, 4. Februar. Die Strafkammer hat in Uebereinstimmung mit der Königlichen Staatsanwaltschaft beschlossen, das Verfahren gegen den Lehrer Wagner aus Legerloch einzustellen und Wagner in eine Irrenanstalt zu bringen. Der Beschluß der Strafkammer stützt sich auf die psychiatrischen Gutachten eines Tübinger und eines Straßburger Professors. Die beiden Gutachten kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, daß Wagner zur Zeit der Begehung der Mordtaten ohne allen Zweifel an Verfolgungswahn gelitten hat. Dieser Auffassung ist das Gericht beigetreten und der Angeklagte ist dem Anträge des Staatsanwalts gemäß außer Verfolgung gesetzt. Da der Geisteskranke aber als gemeingefährlich anzusehen ist, wurde seine dauernde sichere Unterbringung in einer Irrenanstalt angeordnet.
Der Mörder des Leipzigers Sigall.
oe* Stuttgart, 4. Februar. Nach dem Polizeibericht ist der angebliche Ingenieur Wolf, bekannt durch den am 30. Januar an dem Leipziger Kaufmann Sigall in San Remv verübten Mord, als der am 22. September 1894 zu Thann imOberamtsbezirk Ludwigsburg geborene Mechaniker Albert Wolf amtlich ermittelt worden. Er war bis vor kurzem in dem väterlichen Geschäft tätig. Seine angebliche Frau ist gleichfalls aus Stuttgart. Wolf hatte sich als Sohn eines reichen Ananasplantagenbe- sitzers in San Remo ausgegeben und auf Kosten von ihm Geschädigter auf großem Fuße gelebt. Wahrscheinlich sind noch mehr Leute, als bisher festgestellt sind, von ihm geschädigt worden.
Desertion deutscher Ulanen.
os*- Parts, 4. Februar. (B. Z.) Einer Pariser De- peschenagentur zufolge fallen zwei deutsche Ulanen von Saarburg gestern abend zu Pferde und in voller Uniform in Blamont angekommen sein. Sie hätten sich aus dem dortigen Bureau für die Fremdenlegion anwerben lassen und seien wegen angeblich schlechter Behandlung desertiert.
Neue Unruhen in Portugal.
os* Paris, 4. Februar. Nach einer Meldung des „Journal" sind gestern abend in Lissabon neue große Unruhen ausgebrochen. An sechs verschiedenen Stellen der Stadt explodierten Bomben. die großen Materialschaden anrichteten. Ueber Verluste an Menschenleben ist noch nichts bekannt. Man nimmt an. daß die Urheber der Attentate verabschiedete Eisenbahnanaestellte sind, zumal die Gesellschaft der Eisenbahnen gestern an allen Mauern der Stadt große Plakate anschlagen ließ, auf denen sie ihren Entschluß bekannt gibt, die entlassenen Arbeiter nicht wiedereinzustellen. Man befürchtet, daß die anderen Arbeiter sich mit ihren entlassenen Kameraden solidarisch erklären und die Arbeit niederlegen werden. Weiterhin wird aus Oporto gemeldet, daß in den Zentralhallen eine Bombe explodierte, die schweren Schaden verursachte und mehrere Personen verletzte.
Wertvolles Geschenk für ein Museum.
o*» Neuyork, 4. Februar. Ein reicher Amerikaner namens William Riggs, der seit vielen Jahren in Europa wohnt, hat dem Metropolitan-Museum in Neuyork seine berühmte antike Waffensammlung geschenkt, die Sachverständige auf 25 Millionen Mark schätzen. Die Sammlung weist berühmte Stücke, wie z. B. Waffen- stücke Ludwigs XIII., Karl von Bourbon u. a. auf.