20 Zähre Schuhkruppe In deulsch-Sslafäka.
Ein koloniales Jubiläum.
Ueberall 5a, wo man in deutschen Landen sich des Besitzes unserer schönen Kolonien erfreut, wird man am 8. Februar gern der wackeren und heldenmütigen Männer gedenken, die in treuer Pflichterfüllung auf ferner Wacht im Osten Afrikas zu Deutschlands Ehr' und sM5m tätig sind. An diesem Tage wurde vor 20 Jahren durch Allerhöchste Kabinettsordre die kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika errichtet, die durch aufopfernde Waffentaten uns die endliche und dauernde Besitzergreifung des Schutzgebietes ermöglichte. Unzertrennbar mit den ruhmreichen Taten der Kolonialkrieger ist der Name Major von Witzmanns verbunden, der der eigentliche Schöpfer unseres ostafrikanischen Schutzgebietes ist.
Es ist nicht nur das mörderische ungesunde Tropenklima, das den Dienst der Schutztruppe in Ostasrika so unendlich mühevoll und schwer macht, sondern noch bis zum Jahre 1906 hatten ihre Angehörigen mit der Nieder- orückung großer Aufstände zu tun. Die klimatischen Verhältnisse verlangen nun, datz bei der Auswahl des Mannschaftsmaterials dem ungesunden Tropenklima unbedingt in erster Linie Rechnung getragen werden muß. So kommt es, datz wir in Deutsch-Ostafrika an der Seite deutscher Schutztruppler farbige Soldaten, die „Askaris" fechten sehen, zu deren Ehre man hervorheben muß, datz sie tüchtige und brauchbare Soldaten darstellen. Erst durch die Einrichtung einer ständigen Schutztruppe war eine friedliche kulturelle Arbeit in den neuerworbenen Gebieten ermöglicht. Nicht nur datz unter ihrem Schutze blühende Siedlungen entstanden, die Angehörigen der Truppe haben sich auch auf den verschiedensten kulturellen Gebieten betätigt, so im Ackerbau, in der Viehzucht, der Erbauung wohnlicher Stätten, der Wasserversorgung u. a.
So sehen wir, wie jeder einzelne Mann der Schutz- truppe vorn Offizier bis zum einfachen Gemeinen herunter gleichsam als Pionier für die innere Kolonisation des Landes Bahn schafft. Naturgemäß ist dazu die Erhaltung der Schlagfertigkeit besonders erforderlich, denn nur durch das höchst erreichbare Matz der Kriegstüchtig- kett können die Schutztruppen, ganz gleich ob in Ostoder Westafrika ihren hohen Anforderungen gerecht werden. Datz diese Aufgabe, dem Reich seine Schutzgebiete nach jeder Richtung hin zu sichern, der kaiserlichen Schutztruppe nicht allzu leicht gemacht wird, lehrt ein Blick auf das Stärkeverhältnis der Schutztruppe zur Kopfzahl der Eingeborenen, so müssen in Ostafrika 261 Europäer, davon 68 Offiziere, 42 Sanitätsoffiziere, 18 Beamte, 138 Unteroffiziere und 2472 farbige Askaris 7 500 000 Eingeborene in Schach halten. Wer einmal diese gewaltige Ueberzahl der Eingeborenen sich vor Augen hält, wird sich sagen müssen, datz eigentlich unsere Machtmittel in den Kolonien nur geringe sind.
Um so mehr ist zu bewundern und anzuerkennen, wie die Schutztruppe in den 20 Jahren ihres Bestehens mit verhältnismäßig geringen Mitteln Großes geleistet hat. Solange unsere Kolonialtruppen das Glück haben werden, Männer wie Witzmann, von Francois und Morgen an ihrer Spitze zu sehen, darf das Reich beruhigt seinen kolonialen Besitz in sicheren Händen wissen.' Und dieses befriedigende Bewußtsein, das wir allein dem Wirken der Schutztruppe verdanken, wird uns erneut am 8. Februar an die Dankbarkeit gegen all jene heldenmütigen Männer erinnern, die auf schwarzer Erde, fern der Heimat die schwarz-weiß-rote Flagge hochhalten und ihr Ansehen zu verschaffen wissen.
Belgien und die Schweiz im Znlunstskiege.
Die „Entscheidungsschlacht bei Brüssel".
Der französische General Maitrot, der lange Zeit Chef des Generalstabes beim 6. Korps war und dessen Ansichten wohl die Auffassung der maßgebenden französischen Dienststellen Widerspiegeln dürfte, äußerte sich in bemerkenswerter Weise über den strategischen Aufmarsch der französischen und deutschen Streitkräfte bei einem Zukunftskriege. Er behauptet, daß sich im Laufe der nächsten Jahre die strategischen Aufmarschgebiete verschieben würden. Die französische Oberleitung würde den Anmarsch der Hauptkräfte von Lothringen in die Linie Verdun-Lille verlegen. Lothringen selbst würde vor einem feindlichen Gegenstoß durch einen verstärkten Festungsgürtel geschützt, hinter dem natürlich gleichfalls eine Armee zusammengezogen würde. Dementsprechend sei auch zu erwarten, daß Deutschland das Schwergewicht seiner Streitkräfte immer mehr nach Norden verlegen würde. Er rechnet dann mit einem Vormarsch der deutschen Armeen auf beiden Ufern der Maas. Diese Annahme begründet der General mit dem Hinweis auf den Ausbau der Befestigungen in Lothringen und weiter südlich.
Weiter sei dann eine Offensive beider Gegner zu erwarten, die unbedingt zu einer Entscheidungsschlacht auf dem wohlbekannten Kampfplätze südlich von Brüssel
Die Same im Schleie*.
Spionage-Roman von Matthias Blank.
32) ~ (Nachdruck verboten.)
»So geht es! Ich werde, um ja die größte Eile zu ermöglichen, selbst mit den Aufnahmen nach London reisen. Morgen früh werde ich dort eintreffen und mich mit den gewandtesten Köpfen in Verbindung setzen, damit eventuell auch die Zeichnungen mit nebensäch- lrchen Verschiedenheiten hergestellt werden, sodaß die «sache keine Anfechtung erhalten samt."
„So ist es am besten. Dann kann am dritten Tage die deutfche Patentbehörde bereits die Tatsache einer Patenterwerbung in Händen haben. Es handelt sich also noch um die Summen. Robert Hatzfeld hatte durch die Prüfungskommission für die ausschließliche, Deutschland allein zustehende Ausnutzung seiner Erfindung den Betrag von einer Million zugesichert erhalten."
„Gut! Sie gestehen zu, daß mir eine Reihe von Unkosten entstehen; aber ich sichere Ihnen zwei Drittel der genannten Summe zu, wenn das Unternehmen gelungen ist."
"Aber ich bin überzeugt, daß die englische Regierung eine grünere zumute anlegen wird."
»Sie vergessen, daß diese keine Möglichkeit hat, die Erfindung auf den wirklichen Wert zu prüfen."
„Die Kosten hierfür und die Arbeit sind ihr ja nun erspart worden.
Schließlich erklärte sich die Dame im Schleier mit der Summe von 800 000 Mark einverstanden, die ihr nach endgültiger Anerkennung des englischen Patentes auch durch die deutschen zuständigen Behörden angewiesen werden sollten.
,, Dann führte Frank Burnett die Dame im Schleier selbst aus seinem Zimmer.
Diese war auf die Straße gegangen und promenierte
führen würde. Offenbar schätzt Mättrot die Widerstandskraft der belgischen Armee sehr gering ein, die jetzt eine recht bedeutende Vermehrung erfährt und tüchtig organisiert wird. Ueber die Respektierung der belgischen Neutralität geht es unbekümmert hinweg. Die fran- zosenfreundlichen Belgier mögen sich aber merken, daß ein französischer General von der französischen Heeresleitung spricht!
Die Tätigkeit der Italiener, die zum Dreibünde holen würden, wird nach Ansicht des Generals darin bestehen, daß sie einfach „die Schweiz passieren" und Belfort und die linke Flanke der französischen Armee umgehen würden. Was wird die Schweiz hierzu sagen? So leicht dürfte den Italienern dieser Vorstoß wohl nicht werden, der angeblich drei französische Korps fesseln soll. Zurzeit nimmt der Verfasser an, daß die Hauptmacht der Deutschen sich in Lothringen in der Linie Metz- Diedenhosen-Trier konzentrieren und frontal vorgehen werde. Eine starke rechte Flügelgruppe (7 Korps und 2 Kavalleriedivisionen) würde durch Belgien südlich des Meeres vormarschieren und sollte die französische linke Flanke umfassen.
Politische Rundschau«
Der Termin des Rücktrittes des Grafen Wedel. Wie sich die „Nat.-Ztg." aus Straßburg melden läßt, hat der Statthalter Graf v. Wedel bei einer Straßburger Spe- öiteurfirma dieser Tage den Umzug definitiv für den 26. März bestellt. Graf v. Wedel beabsichtigt, nach Berlin überzusiedeln.
Die Reichstagsnachwahl in Offenburg-Kehl. Bei der Reichstagsersatzwahl für den bisherigen Abgeordneten Stadtrat Kölsch (ntl.), der sein Mandat bekanntlich nt$ergelegt hatte, erhielt Wirth (Ztr.), der zugleich badischer Landtagsabgeordneter ist, 12 259 Stimmen, Kölsch (ntl.) 9616 Stimmen und Redakteur Geiler in Mülhausen (Els., Soz.) 3032 Stimmen. Es hat somit zwischen Wirth und Kölsch Stichwahl stattzufinden. Bei der letzten Reichstagswahl erhielten Kölsch (ntl.) 8962, der Zentrumskandidat 11615 und der Sozialdemokrat 3705 Stimmen. In der Stichwahl errang Kölsch mit
12 712 Stimmen gegen das Zentrum, das 12 704 Stimmen erhielt, das Mandat.
Der Entwurf eines Luftverkehrsgesetzes wird dem Reichstage in den nächsten Tagen zugehen, nachdem er jüngst vom Bundesrat verabschiedet worden ist. Der Entwurf bringt zunächst Berkehrsvorschriften, um auch den Luftverkehr an bestimmte Verkehrssitten zu gewöhnen, bestimmt ferner, welche Strafen für Ueberschrei- tung dieser Vorschriften festzusetzen find, und regelt endlich die Haftpflichtfrage. Alle Luftfahrzeuge, die zur Aufnahme von Menschen bestimmt sind und die außerhalb der Flugplätze verkehren, sind von einem geprüften Flieger zu lenken. Die Anlegung von Flugplätzen ist von der Genehmigung der Behörden abhängig. Die gewerbsmäßige Beförderung von Personen durch Luftfahrzeuge ist nur nach behördlicher Genehmigung aeftattet. Für Schäden wird der Halter des Fahrzeuges haftbar gemacht. Der Umfang der Haftung ist den Bestimmungen des Kraftfahrzeuggesetzes nachgebildet.
Keine Versetzung von Deimlings. Wie die „T. R." hört, entsprechen die Gerüchte von einer bevorstehenden Versetzung des Generals v. Deimling von Straßburg nach Karlsruhe nicht den Tatsachen. Zu einer Versetzung des Generals v. Deimling liegt nicht der geringste Grund vor. Nach derselben Quelle wird Oberst v. Reuter sich nach Antritt seines neuen Postens persönlich beim Kaiser melden.
Die Kabinettsorder an Zorn von Bulach. In der Kabinettsoröer, durch die das Abschiedsgesuch des Staatssekretärs Zorn v. Bulach genehmigt wurde, heißt es laut dem „B. L.-A.": Auf Ihren an meinen Statthalter wiederholt gerichteten Antrag will ich Ihnen die nachgesuchte Entlassung aus dem Amte des Staatssekretärs für Elsaß-Lothringen in Gnaden hiermit erteilen und zugleich verleihe ich Ihnen als Zeichen meines unveränderten Wohlwollens und meines Dankes für Ihre langjährigen treuen Dienste die Königliche Krone zum Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub.
In dem Meinungsstreit über die Stellung der katholischen Kirche zn den christlichen Gewerkschaften ist eine entgegenkommende Erklärung des Breslauer Fürstbischofs zu verzeichnen. Kardinal Kopp hat zur Berichtigung seines Briefes an den Grafen Oppersdorf eine öffentliche Erklärung abgegeben, in der er versichert, daß er mit seinem Briefe an den Grafen von Oppersdorf den Bischof von Paderborn in keiner Weise habe verletzen noch in irgendwelche Ungelegenheiten bringen wollen. Damit ist die persönliche Zuspitzung des Streites beseitigt, die durch den Brief des Kardinals Kopp an den Grafen v. Oppersdorff herbeigeführt war; dem Bischof von Paderborn wird jetzt ausdrücklich bestätigt, daß er berechtigt war, den christlichen Arbeiterführern über die Auffassung des deutschen Episkopats von der bekannten
in scheinbarer, absichtsloser Nachlässigkeit durch die nächsten Straßen, wobei sie jene Gegenden bevorzugte, in denen ein stiller Verkehr war.
Und in einer Straße, in der ein Wagen oder eine Droschke nur selten zu sehen war, kam dann ein geschlossenes Automobil rasch an die Dame herangefahren, bei der es anhielt, worauf diese, ohne ein Ziel der Fahrt zu nennen, einstieg. Dann ratterte das Auto in solcher Schnelligkeit fort, daß es keinem Fußgänger und sicherlich auch keinem Radfahrer möglich gewesen wäre, nur für kurze Zeit zu folgen.
Unterdessen war Frank Burnett beim Packen seines Koffers, um noch in der Nacht über den Kanal zu kommen.
* * *
Mit einem ziemlichen Katzenjammer war Artur Greve erwacht. Die Sonnenstrahlen füllten das Schlafzimmer bereits bis in den verborgensten Winkel.
Artur Greve hatte Kopfschmerzen; die letzte Nachtsitzung hatte doch etwas zu lange gedauert. Wenn auch der Wein, den dieser Michael Purgstaller hatte bringen lassen, von ausgezeichneter Qualität gewesen war, so war es doch nicht vorteilhaft gewesen, ein bestimmtes Quantum zu überschreiten.
Und Artur Greve hatte zuviel getrunken. Er spürte das an seinem „Haarweh", wie der Franzose diesen Zustand so bezeichnenderweise nennt. Er konnte nicht auf- stehen; er blieb im Bette liegen und starrte mit offenen Augen vor sich hin. Dabei grübelten seine Gedanken sprunghaft über alle möglichen Fragen hinweg.
Wie war er überhaupt in sein Zimmer gekommen? Daran konnte er sich schon gar nicht mehr erinnern. Hatte ihn Michael Purgstaller hergebracht? Und wovon hatten sie eigentlich gesprochen? Einige Erinnerungen dämmerten auf; war nicht auch der Name einer Dame im Schleier gefallen? Hatte er selbst etwas davon erzählt?
Enzyklika des Papstes diejenigen Mitteilungen zu machen, auf die sie sich nachher der Oeffentlichkeit gegenüber sowie kürzlich in dem Prozeß gegen sozialdemokratische Redakteure beriefen.
Rußlands Balkanpolitik. Während die türkischen Blätter neulich auf Grund einer Aeußerung des Groß- wesirs meldeten, daß man in der Frage der armenischen Reformen dicht vor der Einigung stehe, verlautet jetzt, daß int letzten Augenblick Rußland eine neue Forderung gestellt hat. Es verlangt jetzt angeblich, daß die Hälfte der Beamtenschaft und der Gendarmerie aus Armeniern besteht. Es ist zu erwarten, daß durch diese neue Forderung eine lange Verzögerung in der Durchführung der Reformen eintreten wird.
Kleine Hadiriditenr
Das neue Militärluftschiff „Schütte-Lanz 2", das bei der Luftschiffwerst in Mannheim in Auftrag gegeben wurde, ist soweit ferttggestellt, daß noch im Laufe dieser Woche mit den Probefahrten begonnen werden kann. Die militärische Abnahmekommission weilt bereits seit einigen Tagen in Mannheim. Nach Beendigung oer Probefahrten wird das Schiff nach Liegnitz übergeführt werden.
Berlin bewilligt keine Mittel für die Arbeitslose«. Im Ausschuß der Berliner Stadtverordneten zur Borberatung des sozialdemokratischen Antrages über die Bewilligung von 500 000 Mark zur Unterstützung von Berliner Arbeitslosen wurde dieser Antrag am Dienstag abgelehnt.
Eine Belohnung von 1000 Mark hat der Regierungspräsident in Hannover auf die Ermittelung des Mörders der fünfjährigen Hildegard Wildhagen ausgesetzt. Der Verdacht der Täterschaft lenkt sich auf den Arbeiter Bergmann, der wegen mehrerer Angriffe auf Kinder vorbestraft ist und auch in der Nähe des Fundortes der Leiche wohnt. Bergmann ist dem Gerichtsgefängnis zugeführt worden. Die Nachforschungen werden aber auch nach anderen Richtungen eifrig fortgesetzt.
Brand einer chemischen Fabrik. In der Bochumer chemischen Fabrik entstand am Dienstag kurz nach Feierabend infolge einer Explosion ein großer Brand, durch den die Salpetersäurefabrik und das Salpeterlager vernichtet wurden. Personen sind dabei nicht verunglückt.
Ueber einen Zwischenfall in Colmar wird der „Straßburger Post" gemeldet: Am Montag ist ein Rekrut des Dragonerregiments Nr. 14 von einem unbekannten Zivilisten in die Hand geschossen und von einem Offizier in ärztliche Behandlung gebracht worden. Die Kugel ist noch nicht entfernt worden. Die nähere Aufklärung des Vorfalles bleibt abzuwarten.
150 000 Mark für die Opfer der Sturmflut. Beim ständigen Komitee zur Unterstützung der durch das Hochwasser des Ostsee Geschädigten sind bis jetzt über 150 000 Mark eingegangen. Weitere Spenden sind sehr erwünscht. Das Bureau ist Berlin, Altenstraße 10.
Zwischenfall bei der Beerdigung eines Veteranen. Am Montag sollte in dem Dorfe Walle bei Verden der Veteran Johann Hinrich Oelkers, Mitkärnpfer von 1866, mit militärischen Ehren beerdigt werden. Dem Trauerzug sollte ein Kranz, den der Herzog von Cumberlano gestiftet hatte, voraufgetragen werden. Daraufhin verweigerte sowohl die Kapelle des Verdener Artillerie-Regiments ihre Mitwirkung, als auch der Kriegerverein das offizielle Trauergefolge. Oelkers, der Mitglied des Kriegervereins war, mußte ohne die üblichen krie- gerifchen Ehrbezeugungen beigesetzt werden.
Eine Bauernschlacht in Sibirien. In Südsibirien entstand zwischen Bauern und Kirkissen eine Schlägerei. Etwa dreihundert Mann nahmen mit Heugabeln, Beilen und Flinten bewaffnet an dem Kampfe teil. Sechzehn Personen wurden getötet und sechzig mehr oder minder schwer verletzt.
Gericht und Recht«
Die Anklage gegen den Grafen Mielzynski. Gegen den Grafen Mielzynski, der noch immer im Amtsge- rrchtsgefängnis in Grätz in Untersuchungshaft sitzt, ist letzt von der Staatsanwaltschaft Meseritz Anklage erhoben worden. Sie lautet auf Totschlag in zwei Fällen. Die Verhandlung wird vermutlich noch in der Schwur- gerichtsperiode d. M. stattfinden. Ob die Verhandlung m Meseritz, dem Sitze des zuständigen Landgerichts, oder in Grätz stattfinden wird, ist noch nicht' endgültig bestimmt.
Eine Verurteilung wegen diplomatischer Spionage. In dem Berliner Prozeß gegen den Korvettenkapitän Rüdiger Freiherr v. d. Goltz wurde am Dienstag der Angeklagte der Anstiftung zum Vergehen gegen den § 93 des Militärstrafgesetzbuches (diplomatische Spionage- für schuldig befunden und zu drei Monaten Festungshaft verurteilt unter Anrechnung von einem Monat der erlit- tenen Untersuchungshaft. Ein Vergehen wegen Verrats ulilitärischer Geheimnisse hielt das Gericht nicht für festgestellt.
Er verwünschte seine Unvorsichtigkeit, wenn er sich wirklich dazu hatte hinreitzen lassen. Er mußte doch mit Frank Burnett weiter arbeiten! Aber dieser Michael Purgstaller hatte doch ebensoviel getrunken. Dann konnte er auch alles wieder vergessen haben. Und schließlich bot sich ihm immer die Möglichkeit, alles als Flunkereien zu bezeichnen.
Denn Frank Burnett konnte ihn fallen lassen! Damit aber würde er eine Existenz verlieren müssen, die ihm ein bequemes Leben gesichert hatte.
Jedenfalls mußte er vorsichtig sein, und in diesem Provinzler, dessen naive Art ihn zu solchen Sprechereien gereizt hatte, die Ueberzeugung wachrufen, daß seine Reden, wenn er sich noch daran erinnerte, nur auf den zurückzuführen und erfunden waren.
Er erinnerte sich dunkel daran, daß dieser Purgstaller für diesen Tag seinen Besuch zugesichert hatte. Dann wurde er ja hören können, ob diese Nacht so arg schlimm gewesen war.
Am Nachmittag war Michael Purgstaller bei Artur Greve erschienen.
Greve fühlte anfangs einige Verlegenheit, gewann dann aber sehr rasch wieder seine Sicherheit, da er die verlegene Art, in der sich Michael Purgstaller zu zeben verstand, für echt hielt.
... . Purgstaller jammerte über einen schweren Kopf; in drese Klagen stimmte auch Greve mit ein, der für seinen Besucher durch seine Hausfrau Kaffee servieren ließ. Dabei erklärte er: „Wir hatten eben um ein paar Flaschen zuviel. Das Hülsebrechen ist uns beiden nicht gut bekommen. Da wird Ihnen von dem gestrigen Gewinn nicht allzuviel geblieben sein."
„O doch! Ich habe heute morgen erst bemerkt, daß mein Gewinn noch größer war, als ich gestern angenommen hatte."
(Fortsetzung folgt.)