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Mann gelang es, das sinkende Schiff wieder zu erreichen. Sie klammerten sich eine Zeitlang an der Marsstange an. Drei wurden von einer «ngehenren Welle hinweg­geschwemmt, die fünf übrigen durch das Rettungsboot von Falmouth geretet. Ueber die Katastrophe wer­den noch

folgende Einzelheiten gemeldet:

»-*> London, 2. Februar. Das Unglück der deutschen ViermastbarkHera" ereignete sich um Mitternacht. Ein heftiger Südweststurm machte die Navigation fchwierig und so war es zu spät, auszuweichen, als vor dem Bug des Schiffes Klippen gesichtet wurden. Sofort wurde das Rettungsboot mit 21 Mann zu Wasser gelassen. Das Boot schlug aber um und 16 Mann, darunter der Kapi­tän, ertranken. Der erste und der zweite Offizier sowie drei Matrosen vermochten dieHera" wieder zu er­reichen. Der erste Offizier blies nun auf einer kleinen Pfeife, um die Aufmerksamkeit auf das Wrack zu lenken. Das Wasser stieg aber mehr und mehr, und da der Offi­zier sich nicht mehr frei machen konnte, gab er die Pfeife einem Kameraden. Dann verschwand er in den Wellen. Eine riesige Welle spülte hierauf den zweiten Offizier und einen Matrosen fort. Endlich kam das Rettungs­boot von Falmouth und brächte dre fünf Ueberlebenden an Land. Unter den Geretteten befinden sich drei Deutsche, und zwar der dritte Offizier W. Hoffmann, der Matrose A. Jarsen und der Schiffsjunge Bessier. Die geborgenen Seeleute haben bis zur Rettung furchtbare Stunden der Todesangst durchlebt. Die ganze Nacht hatten sie auf den Masten des sinkenden Schiffes verbringen müssen, bis Larsen, der furchtbar zugerichtet und schwer erkrankt ist, das Rettungsboot aus Falmouth gewahrte. Zwölf Leichen der ertrunkenen Seeleute sind bisher geborgen worden.

Noch ein deutsches Schiff verloren.

o-* London, 2. Februar. (B. Z.) Außer dem Ham­burger SeglerHera" scheint auch der Fischbaurpfer Doris" Bet Skye an -er Westküste von Schottland ge­sunken und die aus zehn Mann bestehende Besatzung umgekommen zu sein.

burger

Gericht und Recht«

Mutter und Sohn auf der Anklagebank. Ein Ge- wohnheitsschwinöler, der es trefflich versteht, durch ro­mantische Erzählungen hilfsbereiten Personen Gelder aus der Tasche zu locken, stand in der Person des Kauf­manns Johannes Schulz aus Wilmersdorf vor der 3. Strafkammer des Berliner Landgerichts. Mit ihm hatte sich seine 70jährige Mutter, die Witwe Marie Schulz, wegen Beihilfe zum Betrüge zu verantworten. Der An­geklagte ist schon wiederholt wegen ganz gleicher Schwin­deleien, wie sie ihm jetzt zur Last gelegt werden, vorbe­straft und verbüßt zurzeit eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren 3 Monaten. Seine Mutter hat lange Jahre rn Posen ein Blumengeschäft betrieben: sie ist, nachdem sie dort in Konkurs gegangen ist, nach Charlottenburg ver­zogen. Sowohl ihr Sohn, als auch sie selbst hatten hier Geschäftsleute, die sie kannten, und einige von ihnen sind gehörig geschröpft worden. Einer der Leidtragenden hat mehrere hundert Mark an den Angeklagten gegeben, als dieser ihm erklärte, daß er in augenblicklicher Ver­legenheit sei, aber ein größeres Gelddepot bei der Bank in England habe und über größere Besitzungen in Wit- tenberg und Leipzig verfüge. Um die Reise nach England machen zu können und dort das angebliche Depot zu erheben, wurden durch Vermittlung der Mutter dem Schwindler nochmals 200 Mark auf Nimmerwiedersehen eingehändigt. In einem anderen Falle erschien er bei einem Kaufmann, bei dem er wiederholt Einkäufe ge­macht hatte, und bewog ihn, durch die Mitteilung, daß er sein Portemonnaie mit 800 Mark verloren habe, ihm durch Hergabe von 500 Mark ausaugenblicklicher Ver­legenheit" zu helfen. Wieder ein anderes Mal bewog er einen Sattlermeister, bet dem er Kunde war, ihm 70 Mark zu leihen, indem er sagte, er sei aktiver Offizier und müsse einem Kameraden sofort aus einer dringen­den Verlegenheit helfen. Aehnlich lagen andere Fälle. Das Gericht verurteilte den Unverbesserlichen zusätzlich zu 4 Monaten, die Mutter zu 3 Wochen Gefängnis.

Vermischtes.

Erfreuliches aus dem Kapitel Zaberu. Von verschie­densten Seiten wird mitgeteilt, daß nationalgesinnte Kreise in Altdeutschland der Frau Evers, deren Zigar- rengeschäft in Zabern wegen ihrer dem Militär günstigen Zeugenaussage vor dem Kriegsgericht boykottiert wird, durch Bestellungen zur Hilfe kommen. So wurde bei einer Kaisersgeburtstagsfeier in Osterode eine Sammel-

en des

. ______ _______ ,________________________gen rssage vor dem Kriegsgericht boykottiert wird.

Peilungen zur Hilfe kommen. So wurde bei __________isersgeburtstagsfeier in Osterode eine Sammel­bestellung zugunsten der Witwe Evers von 4100 Stück Zigarren gemacht: außerdem verpflichtete sich jeder Be­steller, noch einen auswärtigen Bekannten zu der glei­chen Werbetätigkeit zu veranlassen. Aus Kreisen des Grundbesitzes im Osten wird Aehnliches gemeldet: die von dort ergangenen Bestellungen erfolgten zum Teil mit der Weisung, die bestellten Zigarren den Mann- kchaften der Kompagnie des Leutnants von Forstner zu senden. Auch bei einer Kaisersgeburtstagsfeier in Eutin wurde eine Sammlung für Frau Evers veranstaltet, die weit über 100 Mark ergab, und an der sich Personen aus allen Kreisen beteiligten: das Geld wurde Frau Evers mit der Bitte überwiesen, dafür Zigarren und Zigaretten an das Regiment 99 zu übersenden. Bei ei­ner Sammlung unter den Teilnehmern des Festessens zur Kaisersgeburtstagsfeier in Leopoldshöhe (Lippe) ka­men über 40 Mark zusammen, die der Frau Evers direkt zugegangen sind, um die einheimische Zigarrenindustrie nicht zu schädigen.

^.^^^Hlechter Gesundheitszustand in den französischen

In Paris laufen äußerst ungünstige Nach- ^'chten über den Gesundheitszustand der Soldaten in den ne^sch^öenen französischen Garnisonen ein. Trotz aller Vorsichtsmaßregeln wütet im 136. Infanterie-Regiment in St. Lo in Genickstarre, an der mehrere Soldaten be- rests gestorben sind. Die Seuche ist auch in Orleans aus- getreten und hat unter dem dortigen Artillerie-Regiment viele Opfer gefordert, ebenso in der Garnison von St. Etienne und in vielen südfranzösischen Städten. In Nantes herrscht unter dem dortigen 51. Infanterie-Re­giment eine außerordentlich schwere Scharlachepidemie, der verschiedene Soldaten zum Opfer gefallen sind. In Wtun sind im 29. Infanterie-Regiment 100 Fälle von Masern konstatiert worden, von denen bisher zwei töd­lich verliefen. In der Garnison Tartes endlich befinden sich 180 Soldaten des dort liegenden Regiments im Hv- wital. Man befürchtet, daß sie sämtlich von der Gemck- starre befallen sind.

Der Trauriug der Geschiedenen. Das güldene Ring­lein des Mannes und der Frau soll aller Welt sichtbar andeuten, daß sie unlösbar, gleichsam wie durch eine Kette, bis ans Ende ihrer Tage miteinander verbunden sein wollen. Und beim weiblichen Geschlecht ist der Trau­ring gleichzeitig das Kennzeichen des Frauentums, das Achtung erheischt und Rücksicht. Wie aber, wenn es WW & sondern irdischer SMerspruch war, der Ästte& yy^im flut das y^ffAin dünn

einfach abstreift, entkleidet sich auch der fraulichen Würde, auf die sie doch immer noch einen Anspruch hat. Sie setzt sich, je nach ihren Jahren, der Verlegenheit aus, entweder für ein junges, unerfahrenes Mädchen oder für eine alte Jungfer gehalten zu werden. Deshalb fängt man jetzt in Paris damit an, besondere Trau­ringe für Geschiedene anzufertigen. Solch ein Ring be­steht aus zwei Teilen, zwischen denen ein Bruch erkenn­bar ist. Es scheint, daß die Ringe rasch einen starken Anklang gefunden haben, mehr aber bei den Frauen geschiedene Frauen gelten ja heutzutage für beson­ders interessant als bei den bösen Männern, die durchaus nicht täglich und stündlich an einen überwun­denen und meist wenig erfreulichen Abschnitt ihres Le­bens erinnert zu werden wünschen.

Eine Preisliste derschwarzen Hand". In Neuyork findet gegenwärtig ein langdauernder Prozeß gegen die schwarze Hand" statt, und bet diesen Verhandlungen sind schreckliche Dinge an den Tag gekommen. Ein Mit­glied der Bande, ein vielfacher Mörder, Dieb und Brand­stifter, der nach eigenem Geständnis eingeborener Ver­brecher" ist, zählte nämlich auf, was er in der letzten Zeit (er ist 24jährig) für Schandtaten begangen, und wie die schwarze Hand" ihn dafür bezahlt habe: eine Brand­stiftung in Neuyork hat ihm 600 Mark eingebracht, eine zweite in Brooklyn 100 Mark. Die Ermordung eines Chinesen war nur 4 Mark wert, ein Bornbenwurf brächte 200 Mark ein, ein weiterer 120, ein dritter 100. Für die Entführung einiger Mädchen wurde er mit 200 Mark be­lohnt, dann kam ein Bombenwurf, der sehr gut, nämlich mit 300 Mark, bezahlt wurde, hierauf ein schlecht be­zahlter nur 120, weiter ein Pferdediebstahl 100 Mark und schließlich noch ein Bombenwurf, der wieder 300 Mark einbrachte. Der Verbrecher zählte diese Ver­brechen mit zynischer Kaltblütigkeit auf und fügte noch hinzu, das Bombenwerfen sei ein besonders einträgliches Geschäft.

Das Gespenst im Dienst des Untersuchungsrichters. Schon oft sind die eigenartigen Methoden, deren sich die amerikanische Polizei zu bedienen beliebt, wenn es gilt, einen Untersuchungsgefangenen zu einem Geständnis zu zwingen, ein Gegenstand heftiger Kritik gewesen. Der dritte Grad" hat als eine spezifische Erfindung der amerikanischen Polizei traurige Berühmtheit erlangt. Allein die Behörden von Los Angeles sind jetzt noch weiter gegangen. Ihnen genügten die üblichen Mittel desdritten Grades" nicht. Das Mittel, durch ein er­barmungslos über Tage und Nächte ohne Unterbrech­ung fortgesetztes Kreuzverhör die seelische und körperliche Widerstandskraft des Untersuchungsgefangenen zu bre- chen, schien ihnen jedenfalls nicht ausreichend, und so kamen die Herren von der Polizei auf die originelle Idee, zur Erpressung eines Geständnisses die Gespen­sterfurcht anzurufen. Der Mann, an dem zuerst dieses neue amerikanische Hilfsmittel der Voruntersuchung an­gewandt wurde, ist der junge Chemiker J. H. Grondin, der in Verdacht geraten ist, seine Frau ermordet zu haben. Grondin erklärt, seine Frau habe mit Leuchtgas Selbstmord verübt, was seiner Zeit, Ende Oktober, auch nicht angezweifelt wurde, da der Gatte einen Brief seiner Frau vorweisen konnte, in dem sie ihren Selbst­mord durch die Reue über begangene Untreue erklärte. Als aber später eine junge Witwe in Los Angeles auf- tauchte, für die Grondin sich lebhaft zu interessieren schien, und als die Prüfung jenes Briefes durch Grapho­logen den Verdacht einer Fälschung nahelegte, verhaftete man den jungen Witwer. Es scheint, daß die üblichen Mittel desdritten Grades" fruchtlos blieben, jeden­falls bestritt Grondin jede Schuld. Um ein Geständnis zu erlangen, brächte die Polizei den Untersuchungsge- fanaenen schließlich in ein verdunkeltes Zimmer. Hier erschien dann unversehens ein in weiße Tücher gehüllter Geist", ein Gespenst, das mit Grabesstimme fragte: Warum hast Du mich ermordet?" Allein die Nerven des Gefangenen widerstanden auch diesem Angriff. Grondin gab keinerlei Zeichen von besonderer Erregung oder Furcht, und so verschwand dann, wahrscheinlich sehr enttäuscht, dieses sonderbare Gespenst, das sich im Dienste der Polizei und im Bunde mit dem Untersuchungsrichter von so geringer Wirkung erwiesen hat. Nun aber er­örtert Amerika mit Leidenschaft die Frage, ob solche Mit­tel nicht zu weit gingen oder ob es zulässig sein soll, daß die Polizei zur Ueber sührung Untersuchungsge­fangener auch die Schrecken der Geisterwelt sozusagen amtlich mobilisieren dürfte.

Englischer Humor. Er braucht keinen Trost. Bragg- ly:Nun, und wie stehst Du mit Deiner Fran, alter Junge?" Jones:Sie kämpft doch fürs Frauen- Ptmmrecht, und da hat sie so viel Versammlungen, daß sie kaum eine Stunde am Tage zu Hause ist."Armer Kerl, da tust Du mir leid."Ach, nicht doch, so eine Stunde geht schnell vorbei." Hohe Einschätzung. Der berühmte Tenor:Ich bedaure unendlich, daß ich auf Ihrer Gesellschaft nicht singen kann, aber ich bin stock­heiser." Die Hausherrin:Ja, es ist sehr fatal, daß Sie nicht singen können, aber können Sie dann nicht vielleicht was anderes machen?"

Die koltbuser Sensation.

Zur Verhaftung der Staatsanwaltschaftsgattin Frau Ahrens.

Im Zusammenhang mit der viel besprochenen Af- färe des sogenannten Berliner Bankdirektors Leo Schiff- mann ist, wie wir meldeten, unter dem Verdacht der Beihilfe zu den betrügerischen Manipulationen des Grundstücksspekulanten Schifsmann die Gattin des Staatsanwalts am Cottbuser Landgericht Frau Hedwig Ahrens verhaftet worden. Sie war, wie sich heraus- stellte, seit einer Reihe von Jahren bei Schiffmann als Prokuristin tätig. Auch nach ihrer Verheiratung soll sie mit Schiffmann in Verbindung gestanden haben. Frau Ahrens, die jetzt im 27. Lebensjahre steht und eine geborene Fränkel ist, wurde in aller Stille von Cottbus nach Moabit übergeführt. Die Verhaftung der Frau Staatsanwalt erfolgte durch zwei hohe Berliner Ge­richtsbeamte. Die Herren erschienen spät am Freitag abend unerwartet in der Wohnung des Cottbuser Staatsanwaltes und wiesen dort dem Ehemann den Haftbefehl vor. Diesem blieb nichts anderes übrig, als sich darein zu finden, daß seine Frau den Gang nach dem Cottbuser Amtsgerichtsgefängnis antreten mußte. Die Ueberführung erfolgte so spät, daß man in Cottbus selbst von der ganzen Sache nichts gewahr wurde.

Das Doppelleben der Prokuristin.

Die Ermittelungen in den Schiffmannschen An­gelegenheiten, die jetzt nun seit länger als zwei Jahren geführt werden, hatten im Laufe der Untersuchung er­geben, daß als Mittäterin die Prokuristin Schiffmanns anzusehen sei. Das war ein Fräulein Fränkel, die seit Jahren selbständig die Korrespondenzabteilung bet Schiffmann leitete. Unmittelbar nach der Flucht Schiff­manns war sie spurlos verschwunden. Alle Bemühungen der Kriminalbehörden waren vergebens Fräulein Fränkel war nicht zu finden. Erst jetzt fand man sie sie war die Frau des Staatsanwalts Ahrens in Cottbus. Noch während ihrer Tätigkeit Bet Schiffmann hatte sie tat q»«r-ELett aht** Festlichkeit den damaligen Asses­

sor Ahrens kennen gelernt, der sich in die hübsche junge Dame verliebte. Ohne seiner Vorgesetzten Behörde oder seinen Kollegen Mitteilung zu machen, ließ er sich mit ihr in London in aller Stille trauen. Ob Frau Fränkel- Ahrens auch noch nach ihrer Eheschließung sie ist jetzt etwa drei Jahre verheiratet bet den Trans­aktionen Schiffmanns mitgewirkt hat, ist noch Gegen­stand der Ermittlungen. Die Anklagebehörde nimmt es an: der Ehemann bestreitet es auf das allerentschiedenste. Jedenfalls wird als feststehend angenommen, daß Frau Ahrens alsProkuristin Fränkel" die treibende Kraft bet den zahlreichen Grundstücksschtebungen gewesen ist. Unter ihrer Aegide hatte Schifsmann nicht weniger als 40 Grundstücksgesellschaften, die er, jedenfalls in eigener Selbstironisierung, mehrfach mit zarten Mädchennamen benannte. Bei diesen Gesellschaften war teils Schiff­mann selbst, teils die Prokuristin, zumeist aber irgend­ein gänzlich mittelloser Strohmann der Geschäftsführer. Alle Gesellschaften arbeiteten mit Unterbilanz und gin­gen nacheinander in Konkurs. Daraus entwickelten sich zahlreiche Zivilprozesse. Bei ihnen trat Fräulein Fränkel als Zeugin auf. Wie verlautet, sollen aus die­sem Anlaß Verfahren wegen Meineids und Urkunden­fälschung eingeleitet worden sein. Der Frau Staats­anwalt Ahrens wird in zahlreichen Fällen Beihilfe zum Betrug vorgeworfen, und dies war der Hauptgrund, weshalb ihre Verhaftung angeordnet worden ist. Eine Beschwerde wegen ihrer Jnhaftnahme ist vorläufig er* folglos geblieben.__________________________________

Verwüstungen durch eine Gasexplosion.

ob* Leipzig, 2. Februar. In vergangener Nacht kurz vor 12 Uhr ereignete sich in dem Gebäude des deutschen Buchhändlerheims in der Hospitalstraße eine schwere Gasexplosion. Als die Küchenangestellten des Restau­rants Gutenbergkeller sich zur Ruhe begeben wollten, bemerkten sie einen starken Gasgeruch, dem sie nach- gingen. Als sie das Souterrain mit einer brennenden Lampe betraten, erfolgte eine Explosion. Eine mächtige Stichflamme brächte den Eintretenden schwere Brand­wunden bet und schlug bis zu den Parterreräumen empor. Insgesamt wurden vier Personen schwer und eine leichter verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Kellerräume bieten das Bild einer entsetzlichen Ver- witstnng. Fast sämtliche Fensterscheiben des Restaurants Gutenberg und in den nahe gelegenen Grundstücken Äen in Trümmer, ebenso die großen Schaufenster ger Läden. Die Feuerwehr war alsbald zur Stelle und unterdrückte den ausgebrochenen Brand. Die Ver­letzten wurden nach Anlegung von Notverbänden ins Krankenhaus übergeführt. Die Erschütterung war so stark, daß im oberen Saale tanzende Paare zu Boden stürzten. Das Unglück soll dadurch geschehen sein, daß der Gasdruckregler, der im Souterrain aufgestellt war, eine große Menge Gas hatte ausströmen lassen. Eine un­geheure Menschenmenge hatte sich in den anliegenden Straßen angesammelt. Das auswärts verbreitete Ge­rücht, daß ein Teil des Gebäudes eingestürzt sei, trifft nicht zu.

neueste Drahtnachrichten.

Eigener Ferniprechdienit.

Beim Erhängenspielen nms Leben gekommen.

ob* Berlin, 2. Februar. (B. Z.) Ein Tertianer des Joachimtalschen Gymnasiums in Templin wurde von Mitschülern in einer Schlinge hängend tot aufgefunden, die er mit einem Taschentuch und zwei Handschuhen aus- gepolstert Hatte. Dem Befunde nach sowie nach einer Aeußerung, die er Mitschülern gegenüber gemacht hatte, besteht die Annahme, daß der Knabe Erhängen gespielt hat. Irgend welche Gründe für einen Selbstmord liegen nicht vor.

Ein Bahnmeister auf der Strecke überfahre«.

»s* Berlin, 2. Februar. (B. Z.) Der Bahnmeister Moenkegrameten wurde heute morgen, als er auf einer Dräsine die Strecke revidierte, vom Berlin-Cölner Schnellzuge bei Schönhausen überfahren und getötet.

Amerikanische Gelder für die Türkei.

ob* Frankfurt a. M., 2. Februar. Wie dieFranks. Ztg." aus Konstantinopel meldet, liegt eine amerikani­sche Anleiheofferte über sieben Millioyen Pfund Ster­ling vor, die an der Pforte günstig beurteilt wird. Wie das Blatt erführt, soll hinter der Offerte wesentlich die Standard Otl Company stehen, die sich wichtige Petro­leumgerechtsame in Mesopotamien sichern will.

24 Todesopfer.

os* Dortmund, 2. Februar. Im Laufe der letzten 24 Stunden wurden auf Zeche Minister Achenbach zwei weitere Tote geborgen, sodaß die Zahl der Todesopfer der Katastrophe bis jetzt 24 beträgt. Es sollen sich noch ein oder zwei Bergleute unter den Trümmern befinden. Das Beileidstelegramm des Kaisers aus Anlaß des Unglücks auf Zeche Minister Achenbach wurde auf den Zechenplätzen und an den Eingangstüren durch Anschlag bekannt gegeben. Die Beerdigung der Opfer soll heute nachmittag stattfinden.

Bergmanns Tod in der Grube.

ob* Dortmund, 2. Februar. (B. Z.) Auf der Zeche Vereinigte Wtehrdalbank in Kruckel bei Annen gerieten drei Bergleute unter fallendes Gestein. Alle drei fanden ihren Tod.

Oberst v. Reuter «ud Leutnant v. Forstner versetzt.

ob* Stratzburg, 2. Februar. Es bestätigt sich, daß Oberst v. Reuter, Kommandeur des 99. Infanterie-Re­giments als Kommandeur des Grenadier-Regiments Prinz Carl von Preußen, 2. brandenburgisches Nr. 12, nach Frankfurt a. O. und Leutnant v. Forstner in das Infanterie-Regiment Graf Schwerin, 3. pommer- sches Nr. 14 in Bromberg versetzt worden ist.

Ein Streik englischer Volksschullehrer.

ob* London, 2. Februar. In Herefordshire brach heute ein Streik der Volksschullehrer aus. Mehr als 230 Lehrer haben bereits gekündigt und 50 Schulen sind geschlossen worden, während in vielen anderen der Un­terricht wegen Mangels an Lehrkräften eingeschränkt werden mußte. Die Ursache des Streiks liegt in den miß­lichen Gehaltsverhältniffen.

Furchtbare Explosion in einer Sprengstoffabrik.

o^ Neuyork, 2. Februar. Eine Katastrophe, die auf eine ganz außergewöhnliche Ursache zurückzuführen ist, hat sich gestern in Sisterville im Staate Virginia er­eignet. Hier befinden sich die Werkstätten der Aoung Torpedo-Company, deren Speicher zahlreiche Massen von Sprengstoffen enthalten. Gestern fiel ein Meteor­stein auf einen Schuppen, in dem sich 500 Liter flüssiges Nitroglyzerin befanden, sodaß unmittelbar darauf eine furchtbare Explosion entstand. Die Erde wurde in einer Tiefe von 100 Meter und in einer Breite von 80 Meter aufgerissen. Sämtliche Gebäude 'er Fabrik wurden zer­stört. Im Umkreise von 50 Kilometern wurden die Fensterscheiben der Häuser zerbrochen. Ein Mann, der sich in einer Entfernung von einigen Kilometern von der Unglücksstelle befand, wurde von umherfliegenden Steinen getroffen und getötet. Sonst sind Opfer au Menschenleben nicht zu beklagen. Dagegen ist der Ma­terialschaden ungeheuer arob.