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Hers seid er Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld

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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag».

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 37.

Sonntag, den 1. Februar

1914.

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Für Februar und (Därz

werden Bestellungen auf das Hersfelder Tageblatt von den Postanstalten sowie von unsern Austrägern und der Geschäftsstelle jederzeit angenommen. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld und die Orte, an denen wir Austräger haben,

nur 50 Pfg.

pro Monat.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

* (Die Gemeindesteuern in Hessen- Nassau.) Nach denqetztveröffentlichten Mitteilungen über die im Rechnungsjahre 1911 erhobenen direkten und indirekten Gemeindeabgaben ergeben sich für die Provinz Hessen-Nassau folgende Ziffern: Die direkten Gemeindesteuern betrugen in den Städten 41,794 Millionen Mk., in den Landgemeinden 9,699 Mill. Mk., die indirekten Gemeindesteuern betrugen in den Städten 5,387 Mill. Mk., in den Landgemeinden 1,013 Mill. Mk. Die aufgebrachten Steuern sind demnach in den Städten Hessen-Nassaus fast 4V2mal so hoch, wie in den Landgemeinden.

Hersfeld, 31. Januar. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem 30. Jan. mitgeteilt: Während die Wetterlage seit dem neulichen Umschlag in den letzten Tagen immer noch unsicher war, insofern vorübergehend noch kalte Winde auftraten mit Schnee und leichtem Frost, hat die Wetterlage sich jetzt gefestigt. Die Tiefdruckwirbel, deren vorübergehend starkes Hereinbrechen den Um­schlag bewirkten, dehnen ihren Bereich langsam aber sicher weiter aus. Ueber Großbritannien fällt das Barometer immer mehr. Das bedingt kräftiges Ein­treten von südwestlichen Winden, die von wärmeren Meeresteilen stammen. Danach haben wir für eine Reihe von Tagen Fortdauer der vorwiegend trüben Witterung mit Regenfällen und weiteres allmähliges Steigen der Temperatur zu erwarten.

):( Hersfeld, 31. Januar. Die Vermutung, daß das am vorgestrigen Abend in dem Stallgebäude der Firma A. Rechberg ausgebrochene Feuer auf Brand­stiftung zurückzuführen sei, hat sich bestätigt. Die verdächtige Person wurde bereits gestern in Haft genommen und hat dann auch nach anfänglichem hartnäckigen Leugnen die Tat eingestanden. Der Mann ist starker Alkoholiker und bereits mehrfach von Deliriumsanfällen heimgesucht worden. Es ist daher wohl anzunehmen, daß er die verbrecherische Tat in einem Augenblick der Unzurechnungsfähigkeit begangen hat. Der Verhaftete wurde dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis zugeführt. Bei einer heute vorgenommenen Haussuchung fand man bei dem Ver­hafteten für einige hundert Mark Tuche, die derselbe jedenfalls bei der Firma Rechberg entwendet hat.

Hünfeld, 30. Januar. Am gestrigen Tage wurden durch den Herrn Lanörat von Jerin die den Feuer- wehrleuten Sattlermeister Ferdinand Hodes und Schlossermeister Georg Kraus beide zu Hünfeld ver­liehenen Rettungsmedaillen in feierlicher Weise über­reicht, nachdem schon zuvor die dem ebenfalls zur Feuerwehr gehörenden Maurer Karl Abel bewilligten 100 Mark zur Auszahlung gelangt waren.

Haina (Kloster), 29. Januar. Dem Pfleger T. wurde von einem ihm zur Aufsicht unterstellten Pfleg­ling ein Gefäß mit solcher Wucht gegen den Kopf ge­schleudert, daß er besinnungslos zusammenbrach.

Raboldshausen, 30. Jan. In dem benachbarten Oberhülsa kam ein dortiger Einwohner bei Berech­nung seiner Wehrsteuer zu der Einsicht, daß er bisher zu wenig Steuern bezahlt und machte sich schwere Vorwürfe darüber und Gedanken über etwaige Strafe, sodaß er plötzlich wahnsinnig wurde und kaum zu bändigen war. Heute früh wurde er unter starker Bewachung der Jrrenheilanstalt Marburg zugeführt.

Gilfershansen bei Bebra, 30. Januar. Ein im Dienste der Eisenacher Betonbau-Firma Preller stehender achtzehnjähriger Arbeiter von hier wurde auf dem hiesigen Bahnhof heute vormittag um 10 Uhr von einer Arbeitslokomotive bei dem Versuche, diese zu besteigen, überfahren. Die Räder trennten dem

jungen Menschen ein Bein vom Rumpfe, so daß er unter den Händen des herbeigerufenen Arztes verstarb.

Fulda, 29. Januar. Gestern nachmittag wurde durch einen Gerichtsdiener im Gefängnis entdeckt, daß sich der gefährliche Einbrecher Hermann Kreß in seiner Zelle an seinem Halstuch aufgehängt hatte. Die Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg; er wurde sofort gefesselt und durch die Kriminalschutzleute nach der Strafanstalt Straßebersbach überführt. Der als Sachverständiger in einer heute beim hiesigen Schöffengericht anstehenden Strafsache geladene La­borant H. M. aus Schlitz war kürzlich mit 10 Mark Geldstrafe belegt worden, weil er dem in gleicher Sache angesetzten Termin aus unzureichenden Gründen fern geblieben war. Heute sollte er nun um 9 Uhr erscheinen. Er gab jedoch telephonisch Bescheid, daß er erst um 11 Uhr eintreffen werde. Da triftige Gründe nicht vorlagen, belegte ihn das Gericht mit 50 Mark Geldstrafe. Außerdem wurde die Verhand­lung auf Kosten des ausgebliebenen Sachverständigen auf einen noch näher zu bestimmenden neuen Termin vertagt.

Deisel, 29. Januar. Der Einwohner H. von hier hatte heute in Hofgeismar einige Besorgungen zu machen. Bei seinem Weggange erfreute sich seine Familie des besten Wohlseins. Ein entsetzliches Bild aber bot sich seinen Augen, als er gegen 4 Uhr nach­mittags zurückkehrte. Seine Frau und die zwei Kinder wanden sich am Boden vor Schmerzen, lagen in Krämpfen und waren dem Tode nahe. Alle drei hatten zu Mittag Kartoffelsalat von gestern gegessen, mit dem sie sich vergiftet haben mußten.

Ohrdruf, 30. Januar. Die im Herbst begonnenen Arbeiten zur Abholzung größerer Geländeflächen auf dem Truppenübungsplatz sind nahezu vollendet. An den Arbeiten waren mehr als 100 Arbeiter beteiligt. Durch die großen Abholzungen ist das Gelände viel übersichtlicher geworden als früher, so daß die Scharf- schießübungen der Artillerie nicht mehr durch den Wald beeinträchtigt werden können. Auch ist mit der Anpflanzung eines breiten Waldstreifens um den ganzen Platz herum begonnen worden; auf diese Weise soll das riesige Uebungsgelände nach und nach einen natürlichen Abschluß nach außen erhalten. Die Uebungen beginnen auf dem Truppenübungsplatz schon anfangs März. Demnächst wird sich auch der neue kommandierende General des 11. Armeekorps nach Ohrdruf begeben und die gesamten Anlagen des Truppenübungsplatzes in eingehender Weise besichtigen.

Nordhanse«. 29. Jan. Ein aufregender Vorfall ereignete sich bei der Kaiser-Geburtstagsfeier des Kriegervereins zu Rottleberede. Der Verwalter L., der, weil angetrunken, nicht zum Vergnügen zuge­lassen wurde, mußte aus dem Saale entfernt werden. Bei dem Handgemenge zog er sein Messer und schlitzte dem Zimmermann Köhler den Unterleib auf. Seiner herbeigeeilten Schwester versetzte der Jähzornige einen Stich in die Brust. Köhler wurde nach Nordhausen geschafft und liegt dort schwer darnieder. Sein Zu­stand ist bedenklich.

Siebleben (Herzogtum Gothast 29. Januar. Der erwachsene Sohn eines hiesigen Beamten hat sich vor einigen Tagen wegen verletzten Ehrgefühls erschossen. Seine Mutter hatte ihm Vorwürfe gemacht, daß er erst in später Morgenstunde nach Hause gekommen war. Ohne ein Wort der Erwiderung begab sich der junge Mann in seine Schlafkammer und setzte seinem Leben ein Ziel.

Frankfurt a. M., 29. Januar. Den geschäftlichen Scharfsinn seiner Gattin hat ein Ehemann vor kurzem bewundern gelernt. Seine Frau kam zu Weihnachten, wie das so üblich ist, mit der Bitte um mehr Geld. Vielleicht könnte er ihr bis auf weiteres ein Zwan- zigmarkstück leihen. -Aber das kriege ich ja nie wieder," protestierte der Gatte,es rst nicht das erste Mal, daß ich Dir Geld geliehen habe." -Wetten wir um zwei Mark, daß ich Dir's im Januar wredergebe." Der Gatte beeilte sich, dies sportliche Angebot an­zunehmen. Vor wenigen Tagen stand die Gattin tiefbetrübt vor ihrem Mann.Schatz, ich habe die Wette verloren. Hier hast Du Deine zwei Mark!"

Eisenberg, 29. Januar. Der S^jährige Sohn Walter des Arbeiters Franz Werthase stürzte beim Rodeln und brach das Genick. Der Tod trat als­bald ein.

Mainz, 27. Jan. DasWiesb. Tagebl." berichtet: Gegen den Vizewachtmeister eines hiesigen Regiments, dessen Frau vor einigen Tagen plötzlich verstorben ist, ist Untersuchung wegen Mordes eingeleitet. Die noch junge Frau, welche bisher gesund und munter war ist plötzlich gestorben. Die Leiche wurde seziert und die Kleider, welche die Frau zuletzt getragen, wurden an den Gerichtschemtker Dr. Popp nach Frankfurt gesandt. 1

Abgeordnetenhaus.

Am Freitag fuhr das Haus in der Beratung des Domänen-Etats fort. Abg Delins (Fortschr.) wünschte Aufteilung der Domäne bet Pretzsch a. d. Elbe. Abg. Dr. Wendlandt (natl.) erklärte sich mit der Verpacht­ung der Domänen Winne b. Schmalkalden und Nieder- Dingelsbach b. Eschwege einverstanden. Abg. Hojer (Soz.) meinte, die Bedingungen, unter denen die Arbeiter auf den Domänen leben, seien äußerst schlechte. Abg. Rehren-Hammelspringe (freik.) wies die gestrigen Ausführungen des Abg. Hoff zurück. Die Domänen- pächtcr seien meist sehr zurückhaltend in der Be- tätigung ihrer politischen Gesinnung. Abg. Dr. v. Kries (koni.) nannte die innere Kolonisation die wichtigste Aufgabe der Gegenwart, doch dürfe nicht vergessen werden, daß die Domänen als Großbetriebe ihre Berechtigung hätten, wie z. B., in der Saatgut­züchtung. Dem Anträge Boisly (natl.) könne er, als zu weitgehend, nicht zustimmen. Der Antrag wünschte, daß vor Abschluß von Pacht- oder Kaufverträgen über Domänen unter Zuziehung aller Interessenten erörtert werde, ob sich die Domäne zur Aufteilung im Wege der inneren Kolonisation eigne, oder ob sich nicht ihre Verpachtung in Einzelparzellen empfehle, Ver­käufen von Domänen zur ungeteilten Bewirtschaftung möglichst entgegenzuwirken. Abg. Boisly (natl.) be­gründete seinen Antrag. Der Landwirtschaftsminister bemerkte, daß die Domänenverwaltung der inneren Kolonisation genügend entgegenkomme. 1913 seien 19 Domänen mit 7545 Hektar aufgeteilt, 29 Domänen mit 11956 Hektar verpachtet worden. Nicht die Zer­schlagung des Großbesitzes könne das Ziel sein, sondern die Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Groß-, Mittel- und Kleinbetrieb. In der Provinz Sachsen, wo die Zuckerindustrie zum Rübenbau große Ländereien brauche, sei eine Siedelungsgesellschaft ge­bildet worden. Der Antrag Boisly sei gegenstandslos, da im allgemeinen schon danach gehandelt würde. Für Aufteilung der Domäne Schloß Wittin sprach sich Abg. Dr. Keil (natl.) aus. Dazu wurde vorn Regierungs­tisch erwidert, daß diese Domäne bereits bis 1924 ver­pachtet worden sei. Nach weiterer kurzer Aussprache wurde der Antrag aufZurückverweisung des Domänen- ankaufsfonds an die Kommission beschlossen und der Antrag Boisly an die Budgetkommission verwiesen. Abg. Dr. Röficke (kous.) forderte zum Besten der Weinberggüter, deren Lage sehr bedenklich sei, einen erhöhten Zollschutz. Er verfolgte die Annahme des Domänen-Etats. Sonnabend: Forstetat. Schluß 4 Uhr 15 Min.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag befaßte sich am Freitag zunächst mit kurzen Anfragen. Abg. Trendel (Ztr.) fragte, ob die Vermögensfeststellung für den Wehrbeitrag vom 31. Dezember 1913 auch für 1917 zugrunde gelegt werden würde. Unterstaatssekretär Iahn bejahte dies. Abg. Sittart (Ztr3 fragte, ob die Garnison von Zabern bald wieder vom Barackenlager Hagenau zurück verlegt werde. Generalmajor von Hohenborn antwortete, daß die Verlegung der Garnison keine Bestrafung dar- stelle, da auch andere Truppen auf Uebungsplätzen untergebracht seien. Eine Beantwortung der Frage könne aus diesem Grunde nicht erfolgen. Nunmehr setzte das Haus die Beratung des Etats des Innern fort? Abg. Weinhausen, wünschte sozialpolitische Be­wegungsfreiheit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und ein einheitliches Arbeits- und Angestelltenrecht. Die Herabsetzung der Jnvaliditätsgrenze sei not­wendig. Abg. Dornbek (Pole) trat für den Verhand­lungszwang bei Lohnkämpfen ein und lehnte den konservativen AntragaufEinschränkung'des Koalitions­rechts ab. Abg. Warmnth (Rp.s betonte die Not­wendigkeit eines Schutzes der Bauhandwerker an­der Heimarbeiter und wünschte ein Depositengesetz. Abg. Behrens (w. Vg.) erklärte sich für die Aufrecht­erhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik und hielt es für notwendig, die Landarbeiterfrage nicht zum Gegenstände politischen Haders zu machen. Innere Kolonisation sei zwar notwendig, jedoch sei sie kein Universalmittel gegen die Landflucht. Auch Abg. Dr. Becker-Hessen (wildlib.) trat für die Aufrechterhaltung der Schutzzollpolitik ein, die die Ursache des wirt­schaftlichen Aufschwunges Deutschlands sei. Das be- stritt Abg. Molkenbuhr (Soz.), der meinte, daß diese Wirkung kein Mensch nachweisen könne. Sonnabend Fortsetzung.

Wetteranssichte« für Sonntag den 1. Februar.

Meist trübe, zeitweise Niederschläge, wärmer auf­frischende Winde.