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ein beuget Oberst über deutsche Ssfiziere.

Der Dienst für Kaiser «ud Vaterland.

An leitender Stelle der Londoner „Daily Ntail" veröffentlicht der englische Journalist Frederic William Wile ein Gespräch, das er in diesen Tagen mit dem Obersten eines deutschen Garde-Regiments in Berlin führte, mit einem Offizier, von dem der Engländer sagt, daß er ein moderner freiheitlicher Mann sei und doch ein tiefgläubiger Verteidiger der Soldatenuniform. Wile sprach mit ihm über die jüngsten Ereignisse als Engländer und als Zivilist. Die Antwort, die er er­hielt, gibt er wieder, weil sie ihm geeignet scheint, „die Achtung aller Engländer zu finden, die beiden Parteien das gleiche Recht der Selbstverteidigung einräumen."

„Sie sprechen von England," erklärte der Oberst, „und sagen, daß dort derlei undenkbar wäre. Es ist auch undenkbar in jedem Lande, in dem der Soldat ein Ausgestoßener ist, in einer Gesellschaft, in der ein Offizier zugibt, daß er sich schämt, außerhalb der Kaserne seine Uniform zu tragen. In England bedeutet die Uniform nichts, in Deutschland alles. Sie wurde nicht vrn den Schöpfern der deutschen Armee als ein Kostüm erfunden, um der Eitelkeit von Grünspechten zu dienen, die diesen Rock von Zeit zu Zeit vielleicht anlegen. Er wurde entworfen als das Symbol der Souveränität des Staates. Er ist ein Wahrzeichen und die Verkörperung des Grundsatzes, daß unsere Armee unser alles ist, nichts anders als den Briten ihre Flotte.

Die ausländische Welt wirft dem deutschen Offizier vor, sich eine Stellung der Ueberlegenheit über seine Mitbürger anzumaßen. Wir fordern diese Stellung nicht gerade, aber wir leben in einem Militärstaate und ge­nießen sie zweifellos. Und das ist gut,' nicht um unserer unbedeutenden Persönlichkeiten willen, denn wir selbst zählen nicht; aber der Staat ist das Höchste und jene, die seine Livree tragen und seinen Dienst erfüllen, müssen eine Vorzugsbehandlung genießen.

Glauben Sie nicht, das Leben eines Deutschen Offi­ziers sei ein Reigen von autokratischem dolce far nienre. Er erhebt sich mit dem Morgengrauen und arbeitet täg­lich 10—12 Stunden für ein Gehalt, das ein Verkäufer oder ein Handlungskommis zurückweisen würde. Wir hatten kürzlich einen Kriegsminister, einen General, der so arm war, daß er seinen als Leutnants dienenden Söhnen nicht mehr als 40—60 Mark Monatszuschutz ge­ben konnte. Glauben Sie, daß eine Garnison wie Za- bern — und deren besitzen wir Dutzende — Luxus, Be­quemlichkeit und gesellschaftliche Freuden bedeutet? Sie haben zehn Jahre in Deutschland gelebt. Sahen Sie je einen „bevorrechtigten" deutschen Offizier aufs Grade­wohl den Säbel gegen Bürger ziehen, oder Frauen vom Bürgersteig drängen oder Kinder fortstotzen? Wir ha­ben gegen 35 000 oder 40 000 Offiziere. Zweifellos be­finden sich unter ihnen Hunderte von Snobs — Vielleicht nur ein angemessener Prozentsatz für andere Organi­sationen von entsprechender numerischer Größe. Haben Sie nicht öfter über die Ueberhöflichkeit deutscher Offi­ziere als über ihr Einherstolzieren gelächelt? Sie haben mit ihnen in den Kaisermanövern biwakiert: waren Sie nicht stets über diese demokratische Kameradschaft zwischen Offizieren und Mannschaften verwundert? Natürlich schnarren wir, weil wir Besehle geben: und das ist unser kleines Hilfsmittel, die Disziplin zu för­dern — unsere Art, französische und russische Freunde daran zu erinnern, daß die felsenfesten Grundsätze mili­tärischer Kraft noch im deutschen Heere leben . . ."

Kaiser und Reichstagspriisidium.

Im Reichstage wurde am Donnerstag die Schilde­rung der Aufnahme, die das Reichstagspräsidium beim Kaiser anläßlich der Gratulationscour gefunden hat, viel erörtert. Es ist üblich, daß, während die übrigen Gra­tulanten bei der Cour sich vor dem Kaiserpaar verbeu­gen und dann weitergehen. der Präsident des Retchstags und die beiden Vizepräsidenten etwas aus dem Zuge hervortreten und der Präsident dem Kaiser die Glück­wünsche ausspricht. Der Kaiser pflegte bisher mit ein paar Worten zu danken und den Präsidenten zu Sitten, seinen Dank dem Reichstage zu Übermitteln. Diesmal hat der Kaiser das, wie wir meldeten, unterlassen. Er begnügte sich mit einem Nicken des Kopfes. Dr. Kämpf konnte daher dem Reichstage auch nur berichten, daß er dem Kaiser die Glückwünsche übermittelt habe. Den Dank des Kaisers konnte er nicht überbringen.

Nach zuverlässigen Erkundigungen des „Berl. Lok.- Anz." kann von irgend einer Zurücksetzung des Reichs­tagspräsidiums keine Rede sein. Nicht Dr. Kämpf, son­dern das gesamte Präsidium des Reichstages war gleich den Präsidien der beiden Häuser des preußischen Land­tags zur Glückwunschcour vor dem Kaiser erschienen. Der Monarch begrüßte den Präsidenten Dr. Kämpf und die beiden Vizepräsidenten, Dr. Paasche und Dove. jeden einzelnen mit einem besonders freundlichen Kopf­nicken. Dagegen schüttelte er allerdings dem Präsidenten

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blauk.

28) (Nachdruck verboten.)

„Aber Mia! Wie kannst Du so törichte Gedanken haben?" Und da stand er ganz dicht neben ihr und ergriff ihre beiden Hände. „Ist das Deine Eifersucht? Glaubst Du denn, daß es irgend etwas geben kann, was uns zu trennen vermag, was zwischen uns ein Hinder­nis bauen kann?"

Da hob sie langsam den Kopf und suchte seinen Blick.

Lange schaute sie ihn an; stumm, ohne ein Wort zu sprechen, als wollte sie tief in sein Herz und in seine Gedanken sehen. Dann schüttelte sie den Kopf: „Nein! Es darf nichts geben!"

Und mit einer plötzlich aufwallenden Leidenschaft, über die sie nicht mehr gebieten konnte, schlang sie beide Arme um seinen Hals, und über ihre bebenden Lippen hasteten die Worte: „Aber oft quält mich eine unsag­bare Angst, von der ich Dir etwas erzählen möchte. Und ich begreife diese Furcht selbst nicht. Sie ist da, und ich muß sie wehrlos ertragen. Dann ängstige ich mich um Deinetwillen, als wärest Du in Gefahr, aus der ich Dich nicht retten kann."

„Das sind Hirngespinste!" beruhigte er sie und strich mit seiner Hand glättend über ihr weiches, gold­blondes Haar. „Das wird anders sein, wenn unsere Liebe erst kein Gcheimnis mehr sein muß. Willst Du, daß ich heute noch davon spreche?"

„Ich fürchte mich."

„Törichtes Kind! Aber das mußt Du mir erlauben: Wenn ich meinen Sieg vollständig errungen habe, dann werden wir beide Deine Mama bitten. Nach einem M^^Erfolge wird sie nicht mehr nein sagen! Willst

des Herrenhauses von Wedel unt> dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses Grasen Schwerin-Löwitz die Hände. Wenn man aber berücksichtige, daß Herr von Wedel frü­her der langjährige Hausmuttster des Kaisers war und daß Graf Schwerin-Löwitz als Vorsitzender des Deut­schen Landwirtschaftsrats dem Kaiser seit vielen Jahren intim bekannt sei, während er solche persönlichen Bezie­hungen zu Dr. Kämpf nicht habe, so werde man diesen Vorgang natürlich finden und ihm keinerlei politische Bedeutung beilegen oder ihn gar als eine kaiserliche Kundgebung gegen den Reichstag oder dessen Präsiden­ten hinstellen können.

Aehnlich ist die Darstellung, die das „Berl. Tagebl." von der Sache gibt. Dieses fügt hinzu, es sei eine etwas schranzenhafte Beurteilung, in der Unterlassung des Handreichens eine Demonstration zu erblicken. Es hieße doch auch dem Taktgefühl des Kaisers zu nahe treten, wenn man ihm unterstellen wollte, daß er sich ausge­rechnet die Gratulattonscour an seinem Geburtstage für eine Demonstration gegen den Reichstag ausgesucht habe.

Unerfreuliches aus dem Elsaß.

Die Anpöbelungen von Militärpersonen nehmen immer noch kein Ende. Am 27. Januar kam es beim Kaiserwecken in Straßburg in der Nähe des Broglie zu einer wüsten Stratzenszene. Einige Blumenverkauser belästigten die vorbeiziehenden Spielleute des.Infante­rieregiments Nr. 132. Einer von den Burschen, die sämtlich angeheitert waren, schlug einem Trommler mit der Faust ins Gesicht. Mehrere Zivilisten waren über das schändliche Betragen der Blumenverkauser empört und prügelten die Radaubrüder gründlich durch. Einer von diesen erhielt eine Tritt in die Leistengegend, daß er zu Boden stürzte. Die Burschen wurden auf das Po­lizeirevier in der Brandgasse verbracht, wo ihre Perso­nalien festgestellt wurden. Der Mißhandelte gab hter an, daß ein Soldat ihn getreten habe. Es wurde aber durch Zeugen die Unwahrheit seiner Behauptung sofort fest­gestellt.

Dieser Borfall beweist wiederum, wie groß die Verhetzung der Bevölkerung ist und welche Ruhe das Militär bewah-en muß. In Mülhausen i. E. ver­suchten während des Zapfenstreiches am Vorabend von Kaisersgeburtstag halbwüchsige Burschen durch lautes Pfeifen gegen die Feier zu demonstrieren. Die Be­völkerung verhielt sich aber vernünftigerweise ruhig. Die Offiziere der Garnison Mülhausen haben die Einladun­gen zu einer Wintergesellschaft im Hause des Landge­richtspräsidenten Großmann sämtlich abgelehnt. Land­gerichtspräsident Grotzmann ist der Vater des Regie­rungsamtmanns Großmann in Zabern, der am 28. No­vember den Kreisdirektor Mahl vertrat und als Zeuge im Reuterprozetz gegen die Offiziere aufgetreten ist.

Die Verbreitung der hetzerischen Ansichtspostkarte und Flugblätter über die Zabernvorgänge hatte in der Zeitung trotz aller Verbote der Lokalbehörden im Reichs­lande geradezu gefährliche Dimensionen angenommen. Man legt sich dabei die Frage vor, woher das Geld für Verbreitung derartiger deutschfeindlicher Kundgebungen stammt? Schließlich hat die Straßburger Regierung in einem Generalerlaß an die Polizeibehörden zum schärf­ten Vorgehen gegen derartige Unruhestifter die Anwei- ung gegeben. Die betreffenden Karten und Blätter sind n großen Mengen überall im Lande bereits beschlag­nahmt worden.

Politische Rundschau.

Der Kaiser ist kein Pesfimist. Beim Festmahl zu Ehren des Kaisers Geburtstages in Danzig hielt der kommandierende General des 17. Armeekorps von Mackensen eine Rede, in der u. a. sagte: „Wie oft habe ich von dem Geburtstagskinde von heute ähnliche Worte gehört wie die: Gott sei Dank, daß ich kein Pessimist bin!"

I« der Budgetkommisfio« -es Reichstags kam am Donnerstag auch die Zaberner Affäre zur Sprache. Bon fortschrittlicher Seite wurde Auskunft verlangt über die Klagen betreffend Verletzung des Briefgeheimnisses bei dem Prozeß Reuter in Zabern. Staatssekretär Krätke führte aus, daß ihm von einer Verletzung des Briefge­heimnisses nichts bekannt sei. Wohl seien Karten ver­letzenden Inhalts ausgehändigt worden, die nicht aus- gehändigt werden durften. Die Schuldigen würden zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Aushändigung absichtlich geschehen sei. Ein sozialdemokratischer Redner erklärte, daß vor dem Gericht in Straßburg behauptet worden sei, daß nicht nur Schmähkarten ausgehändigt, sondern auch Karten anerkennenden Inhalts an Oberst Reuter zurückgehalten wurden. Hier hätte der Staats­sekretär seine Beamten in Schutz nehmen sollen. Staats­sekretär Krätke betonte energisch, daß er seine Beamten stets in Schutz nehme, sofern sie sich keine Versehen oder Verfehlungen zu schulden kommen ließen. Bis jetzt sei festgestellt worden, daß u. a. zwei Karten unflätigen

Sie nickte: „Was Du wünschest!"

Und da streiften seine Lippen die ihrigen; aber nur flüchtig war es geschehen, denn im gleichen Augenblick war von der Tür her eine kurze, unterdrückte Stimme zu hören gewesen, wie ein Erschrecken den Lippen einen Schrei erpreßt.

Beide hatten es gehört und sich losgelassen.

Ein hastiger Blick Robert Hatzfelds hatte einen Schatten forthuschen sehen.

Wer mochte es gewesen sein?

Mia von Theden flüsterte ängstlich: „Es hat uns jemand belauscht."

Haßfeld war rasch entschlossen: „Einen Augenblick gedulde Dich!"

Dann war er schon durch die offene Tür in den Korridor hinausgeeilt, ohne aber noch etwas sehen zu können. Sein Ohr hatte nur noch ein Geräusch er­lauscht, das dem Zuschnappen einer Türklinke glich.

Aber wo?

War es die Baronin von Theben gewesen? Oder Berta von Marberg oder das Dienstmädchen?

i Er wußte keine Antwort darauf.

Er war wieder bis an die Tür feines Arbeits­zimmers gekommen, als sich die des Speisezimmers öffnete; dort stand die Baronin von Theben.

Kaum hatte sie die Gestalt Hatzfelds bemerkt, als sie diesem sofort zurief: „Wo bleiben Sie so lange? Und wo ist Mia?"

, Diese war aus dem Zimmer Hatzfelds gekommen, I und ehe sie noch eine Entgegnung geben konnte, hatte ! Robert Hatzfeld für sie geantwortet: „Ich mußte die i Zeichnungen erklären."

„Ohne, datz ich daraus klug geworden wäre," un- ' terstützte sie ihn sosort, worauf beide ebenfalls das I Speisezimmer betraten.

I Und sie weilten nicht lange dort, als Berta von

Inhalts, obwohl sie als anzuhalten bezeichnet gewesen seien, zugestellt, und eine Karte anerkennenden Inhalts verspätet zugestellt worden seien.

Zunächst keine Aufhebung des Scheckstemvels. Das Reichsschatzamt hat die Petitionen und Eingaben betref­fend die Aufhebung des Scheckstempels abgelehnt mit der Begründung, daß die 3 Millionen, die der Scheck- stemvel abwirft, zunächst nicht entbehrt werden können, da die neuen Ersatzsteuern erst im Jahre 1916 ihre Voll- erträge abwerfen werden. Der Scheckstempel wird also erst zum 31. Dezember 1916 aufgehoben werden.

Frankreich rüstet weiter. Das französische Kriegs­ministerium bereitet einen Gesetzentwurf vor, der die Erhöhung der jetzt 89 Batterien zählenden elf Futzar- tillerie-Regimenter um weitere vier Regimenter, die Vermehrung der reitenden Batterien der Felbartillerie von 16 auf 30 und die Bildung eines neunten Genie- Regiments Vorsicht. Außerdem ist in Aussicht genom­men, die Festungspionierkompagnien der vier großen Grenzfestungen Belfort, Epinal, Toul und Berdun m Bataillone umzuändern, was eine weitere sehr bedeu­tende Stärkung des Geniewesens mit sich bringen würde. Nach einer jüngeren Bestimmung des Kriegsministe- riums sollen die Infanterie-Regimenter in Zukunft nicht stärker als 2660 Mann sein! Das heißt, die französischen Infanterie-Regimenter befinden sich schon im Frieden auf fast voller Kriegsstärke.

Kleine Iladirldifen.

Der neue Schatzmeister der Carnegie-Stift««-. An Stelle des verstorbenen Herrn Ludwig Delbrück hat, wie verlautet, der Kaiser Herrn Gustav Ratjen, Teilhaber der Firma Delbrück, Schickler u. Co., zum Mitglied des Kuratoriums und Schatzmeister der Carnegie-Stiftung ernannt.

Freiwilliger Tob eines Zwölfjährigen. Der zwölf­jährige Sohn des Lehrers Coors in Lehe, Schüler der Oberrealschule, hat sich auf der Geestebrücke vor den nach Cuxhaven abfahrenden Zug geworfen und wurde getö­tet. Er hinterließ einen Abschiedsbrief an seine Eltern.

Eine Lederfabrik niedergebrannt. Die Kostersche Le­derfabrik in Neumünster ist am Donnerstag vollständig niedergebrannt. Die Garnison Neumünster und die Kie­ler Feuerwehr, die mit einer Automobilsvritze herbeige­eilt war, leisteten bei der Eindämmung des gewaltigen Brandes wirksame Hilfe. Die 500 Arbeiter oer Fabrik sind beschäftigungslos geworden.

Ei« Brandstifter in den Flamme« ««gekommen. In Weilborf bei Salem am Bodensee zündete der in schlechten Verhältnissen lebende und dem Trunke ergx? bene Besitzer Hege sein Anwesen an und begab sich auf den Boden, wo er in den Flammen umkam. Das An­wesen wurde völlig zerstört. Hege war Vater mehrerer Kinder. Das Haus sollte zwangsversteigert werden.

Untaten chinesischer Räuber. Die chinesische Inland- mission hat Telegrannne aus Ltuanschow in Anhui er­halten, wonach 2000 bewaffnete Räuber fast die ganze Stadt geplündert und verbrannt haben. Der britische Missionar sei mit Frau und Kind nach Lucho geflohen. Die römisch-katholischen Missionare sollen noch in Liuan- schow weilen und unversehrt sein.

Wahlrechtsdemonftrattonen i« Braunschweig. Don­nerstag nachmittag hielten die Sozialdemokratin in Braunschweig Versammlungen ab, um gegen das Dreiklassenwahlrecht zu protestieren. Nach Schluß der Versammlungen zog eine nach Tausenden zählende Menschenmenge nach dem herzoglichen Schloß, wobei sie versuchte, unter Hochrufen auf das allgemeine Wahlrecht in den Schloßhof einzudringen. Letzterer war abgesperrt, Am Steinweg kam es zu einem ZUsammenWMMMu- den Demonstranten und -er zusammengezogenen Schutz- mannschaft. Die Polizei säuberte den Sreinweg. Zahl­reiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

Große Unterschlagungen eines Kaffenbote«. Der Kaffenbote Mierlow aus Breda war nach Unterschlagung von über hunderttausend Mark flüchtig geworden uno hatte einen Reisegenossen mitgenommen. Dieser Freund kehrte am Sonntag nach Cöln zurück und übergab den Behörden 22 000 Mark. Er erklärte, er sei mit dem Flüchtling zuerst nach Antwerpen und dann nach Parts gereist. Dort habe er sich von Mierlow getrennt. Mier­low habe die Absicht geäußert, über Barcelona nach Venezuela zu gehen. , ~

Ermordung eines Altertumshändlers. In Biberach (württemb. Donaukreis) wurde der 63jährige Antiquitä­tenhändler Carl Bauer in seinem Anwesen ermordet. Dem alten Mann waren von einem Holzbildhauer na­mens Herberts zwei altertümliche Bilder zum Kause angeboten worden. Als der Händler den Ankauf av- lehnte, verlangte der Holzbildhauer Geld und drang, als ihm dieses verweigert wurde, mit einem Revolver und einem Dolch auf den Händler em, der drei Schüsse und siebzehn Mesierstiche erhielt. Der Mörder wurde m einem Lehnstuhl im Hause tot aufgefunden. Er hatte durch einen Schutz in den Kopf Selbstmord verübt.

Marberg mit dem Dienstmädchen erschien, die zusammen das Teegedeck auflegten. , , ,

Suchend betrachtete Haßfeld die beiden, aber er fand nichts, was ihm auffällig erschienen wäre. Nur als Berta von Marberg die Teetasse vor chm niederstellte, klirrte sie leise in ihrer Hand, die gezittert haben mußte.

Und da er irgendeine gleichgültige Frage stellte, ant­wortete sie ihm, ohne ihn anzublicken.

Den Tee schenkte Berta von Marberg ein.

Neben der Baronin von Theben saß von Marberg; bie Worte, meist ein Geplänkel von Koketterie und Spott, gingen lebhaft hin und her.

Am stillsten war Mia von Theben, während sich Berta von Marberg ebenso lebhaft an allen Meinungs­verschiedenheiten beteiligte.

Die Stimmung war dabei so animiert, daß niemand darauf achtete, wie spät es geworden war.

Nur als sich die Baronin von Theden für ein paar Augenblicke aus dem Zimmer entfernt hatte, wandte sich die ganze Aufmerksamkeit Mia von Theden zu.

Bon Marberg, der kaum ein paar Worte mit ihr gesprochen hatte, fragte sie: „Sie werden sich hier wohl wieder häufiger fehen lassen? Sie sind nämlich auch sehr vermißt worden."

„Ich? Das gilt wohl mehr Mama."

„Nicht doch! Die Jugend läßt sich nicht so ohne weiteres in den Schatten stellen."

Aber als dann die Baronin von Theden wieder er­schienen war, hatte von Marberg Mia von Theben auch wieder vergeffen.

Diese selbst war damit am zufriedensten, wenn sie nur zuhören durfte.

So war es dunkel geworden, bis die Baronin von Theden mit ihrer Tochter bie Wohnung verließ; dabei hatte sie von allen das Versprechen abgefordert, eine Einladung für einen intimen Fünfuhrtee anzunehmen.

(Fortsetzung folgt.)