Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
ÄrtW
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zögen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei J/u5|uUn Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“ Zernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 26. Sonnabend, den 31. Januar 1914.
Für Februar und (Därz
werden Bestellungen auf das Hersfelder Tageblatt von den Postanstalten sowie von unsern Austrägern und der Geschäftsstelle jederzeit angenommen. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld und die Orte, an denen wir Austräger haben,
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Bus der Heimat«
Wehrbeitrag! Fristablauf!
Die Frist zur Abgabe der Vermögenserklärungen läuft mit Sonnabend, den 81. Januar ö. Js. in Preußen ab. Jeder, der ein Vermögen von mehr als 20 000 Mk. oder bei einem Einkommen von mehr als 4000 Mk. ein Vermögen von mehr als 10 000 Mk. besitzt, sowie Jeder, der eine besondere Aufforderung erhalten hat, hat seine Erklärung so zeitig abzugeben, daß sie bis dahin in dem Besitz des Vorsitzenden der Veranlagungs-Kommission gelangt ist. Bei verspätet abgegebenen Erklärungen ist nach § 38 des Wehrsteuergesetzes ein Zuschlag von 5—IQo/o zu dem zu zahlenden Wehrbeitrag festzusetzen.
* (K eine Papierhanötücher in den D- Zügen!) Die in einzelnen D-Zügen der preußischen Staatsbahnen probeweise eingeführten Papierhand- tücher scheinen sich nicht bewährt zu haben. Sie sind wieder durch die bekannten kleinen Handtücher aus Baumwollstoff ersetzt worden.
- e- Hersfeld, 30. Jan. Am 22. kommenden Monats begeht die hiesige Metzgerinnung ihr fünfund- zwanzigjähriges Stiftungsfest und zwar durch Veranstaltung eines Balles abwechselnd mit theatralischen Aufführungen und Coupletvorträgen im Gasthof zum Stern. Die Vorbereitungen hierzu sind in vollem Gange, sodaß die Feier eine sehr schöne werden wird.
) :( Hersfeld, 30. Januar. In der gestrigen Schöffengerichtssitzung wurde, wie bereits mitgeteilt, auch eine Beleidigungsklage hiesiger Fabrikanten gegen einen Redakteur des Volksblattes in Cassel verhandelt, der in einem Artikel des Volksblattes in beleidigender Form unwahre Angaben über Lohn- und Wohnverhältnisse hiesiger Arbeiter gemacht hatte. Die Verhandlung zog sich infolge eingehender Beweiserhebungen sehr in die Länge und erreichte erst gegen 5 Uhr nachmittags ihr Ende. Das Urteil gegen den angeklagten Redakteur lautete auf 200 Mark Geldstrafe, Tragung der Kosten, sowie Veröffentlichung des Urteils in verschiedenen Zeitungen.
- a- Hersfeld, 30. Januar. Es scheint im Publikum noch wenig bekannt zu sein, daß die am 7. Februar 1910 dahier verstorbene Frau Agnes Gottlieb verschiedene Stiftungen ins Leben gerufen hat, deren Zinsen für mildtätige Zwecke Verwendung finden sollen. So führt eine dieser Stiftungen den Namen August und Agnes Gottlieb-Krankenstiftung mit einem Kapital von 25 000 Mk. Die Zinsen hiervon sollen alljährlich Verwendung finden für die Verpflegung und den Aufenthalt gebildeter verschämter Armen aus der Stadt Hersfeld in Krankenhäusern oder sonstigen Heilanstalten, wobei in erster Linie Verwandte, Freunde und Bekannte der Eheleute Gottlieb berücksichtigt werden sollen. Eine andere Stiftung ist bezeichnet mit dem Namen August und Agnes Gottlieb Blindenstiftung. Die Höhe dieses Stiftungskapitals beläuft sich auf 20 000 Mk. Die Testamentsbestimmung besagt, daß die Zinsen alljährlich Verwendung finden sollen für die Unterstützung unbemittelter blinder Personen aus der Stadt und dem Kreise Hersfeld. Auch für die Armen der Stadt Hersfeld hat Frau Gottlieb ein Kapital von 12000 Mk. ausgesetzt, von dessen Erträgnissen nur würdige Personen unterstützt werden sollen. Die Verwaltung der vorerwähnten Vermächtnisse ist dem Magistrat (Armenverwaltung) übertragen und sind etwaige Bewerbungsgesuche an die Armenverwaltung hier einzureichen. Aber es sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Zuwendungen aus den genannten Stiftungen nicht etwa als öffentliche Armenunterstützungen anzusehen sind.
) :( Hersfeld, 30. Januar. Gestern abend gegen 6 Uhr entstand in dem Spanknöbelschen Hause in der
Bahnhofstraße ein Z i m m e r b r a n d, der jedoch von den Bewohnern des Hauses selbst gelöscht werden konnte. Verbrannt sind einige Möbelstücke, auch wurde der Fußboden, der bereits Feuer gefangen hatte, beschädigt.
) :( Hersfeld, 30. Jan. Der Landwirtschaftliche Kreisverein hält morgen nachmittag um 2 Uhr im Hotel zum Stern eine Vereinsversammlung ab, in welcher Herr Professor Dr. Helm- kampf aus Weilburg über die Anlage von Dauerweiden sprechen wird. Da dieses Thema bei unsern Landwirten großes Interesse finden wird, so dürfte ein Besuch der Versammlung sehr zu empfehlen sein.
):( Hersfeld, 30. Januar. Gestern abend gegen 9 Uhr brach in dem zu der A. Rechbergschen Tuchfabrik gehörigen Stallgebäude Feuer aus, das infolge der auf dem Boden lagernden Heu- und Strohvorräte sich schnell ausbreitete. Kaum hatte man die ersten Anzeichen eines Brandes entdeckt, als auch schon die Flammen aus dem Dachstuhl des Gebäudes hoch her- ausschlugen und den Himmel weithin mit blutigem Scheine färbten. Für die auf die Feuersignale sofort herbeigeeilte Feuerwehr war die Bekämpfung des Brandes recht schwierig, da sich in der Nähe keine Hydranten befanden und das Wasser erst durch lange Schlauchleitungen, teils über fremde Grundstücke hinweg, herbeigeleitet werden mußte. Auch war der Zugang zu dem Grundstück, das inmitten des großen Fabrikgrundstückes liegt, den meisten Feuerwehrleuten unbekannt. Nach ungefähr IV2 stündigem angestrengtem Arbeiten gelang es des Feuers Herr zu werden und dasselbe zu lokalisieren. Die in dem Stalle befindlichen Pferde konnten gerettet werden. Ueber die Entstehungsursache verlautet noch nichts bestimmtes, doch ist der Verdacht einer Brandstiftung gegen eine bestimmte Person nicht von der Hand zu weisen. Die eingeleitete Untersuchung dürfte bald nähere Aufklärung bringen.
- h- Allmershaufe«, 30. Januar. Der hiesige Gesangverein begingam24.Januarsein S t i f t u n g s - f e st verbunden mit der Geburtstagsfeier Sr. Maj. des Kaisers. Herr Lehrer Schindewolf, als Dirigent des Vereins, toastete in seiner kraftvollen Rede mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unsern Kaiser. Mehrere Männerchöre und einige Einakter wurden von Mitgliedern des Vereins unter allgemeinem Beifall zur Darbietung gebracht. Nach Beendigung der Feier, die in jeder Beziehung einen angenehmen Verlauf genommen hatte, vereinigten fich die Festleilnehmer, auch zahlreiche auswärtige bis zum frühen Morgen zu einem schwungvollen Tänzchen.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag die Beratung des Gestütsetats fort. Abg. Hofer (Soz.) behauptete, daß bei Remonteankäufen Rücksicht auf die politische Gesinnung genommen würde und daß die kleinen Besitzer geschädigt würden. Ihm trat Abg. v. Pappenheim (kons.) entgegen; seine Vorwürfe enthielten eine schwere, durch nichts begründete Beleidigung der Remontekommission. Auch gegen den Abg. Wachhorst de Wente sprach er, der es als seine Lebensaufgabe betrachte, Zwietracht zu säen, zwischen Groß- und Kleinbesitzer. Im ähnlichen Sinne sprachen sich die Abgg. Johannsen und Rehren (freikons.) aus. Abg. Freiherr v. Marenholtz (kons.) wünschte, daß in jedem Jahre möglichst frühzeitig der Pferdebedarf bekannt gegeben werden möchte. Abg. von Bonrn- Stornmarn (freikons.) erbat größere Berücksichtigung bei den Ankäufen der kleinen Besitzer an Stelle der Händler. Der Landmirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer bemerkte, daß der Kriegsminister nach Kräften bemüht sei, direkt vom Züchter zu kaufen, doch ganz fei der Händler nicht zu entbehren. Die Vorwürfe der Herren Hofer und Wachhorst de Wente seien in jeder Beziehung ungerechtfertigt und können nicht durch Tatsachen belegt werden. Demgegenüber blieb Abg. Hofer (Soz.) bei seinen Behauptungen. Abg. Wachhorst de Wente (natl.) führte ebenfalls erneut aus, daß die kleinen Besitzer sich zurückge,etzt fühlen und bemerkte, daß der Abg. v. Pappenheim unrecht habe mit seinen Angriffen. Namens der Nationalliberalen nahm Abg. Dr. Lohmann den Abg. Wachhorst de Wente in Schutz, der sich in keinerlei Gegensatz zu seiner Fraktion befände. Abg. Hoffmann (Soz I stellte sich auf den Standpunkt des Abg. Hofer. Aba Dr Hahn (fonf.) wies es als unerhörten Vor- wurf zurück, daß die Offiziere der Remontekommiffion sich von anderen als sachlichen Gründen leiten laßen. Die Behauptung des Abg. Wachhorst de Wente, daß wohl die hannoverschen Jungen, nicht aber die Pferde gut genug seien für die. Armee, sei falsch. Davon habe er sich erst heute in einer Berliner Kaserne überzeugen können. Herr Wachhorst de Wente betrachte
die hannoverschen Verhältnisse vom parteipolitischen Standpunkt aus, daraus ergebe sich der Versuch, die Groß- und Kleinbesitzer in Gegensatz zu bringen. Abg. Wachhorst de Wente verwahrte sich gegen die Anschauung, als ob er dem ehrenwerten Offizierkorps Vorwürfe machen wollte. Herr v. Zedlitz habe Herrn Dr. Hahn schon früher einen politischen Klopffechter genannt, das unterschreibe er. Abg. Dr. Hahn erwiderte: Herr von Zedlitz habe die nationalliberale Partei-Fraktion Drehscheibe genannt, die Vorwürfe heben sich also auf. Im übrigen müsse Abg. Wachhorst de Wente ein sehr schlechtes Gewissen haben, daß er so lebhaft geworden sei. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wurde die Genehmigung zum Ankauf des Gutes Altenfelde erteilt, das einen Teil vom Gestüt Graditz aufnehmen soll und der Gestüts- Etat genehmigt. Beim Domänen-Etat verwahrte Abg. von der Osten sich dagegen, daß die Einnahmen des Domänen-Etats für andere Zwecke verwertet würden, dies widerspreche dem Budgetrecht des Landtages. Abg. Weißermel (fonf.) warnte vor einer zu hohen Pachtgebühr der Domänen. Die Lage der Pächter sei durchaus nicht glänzend. Die Abgg. Glattfelder und Dahlem (Ztr.) wünschten eine Hilfsaktion für die notleidenden Winzer. Ihnen antwortete der Minister, daß leider dazu aus dem Domänen-Etat nicht die Mittel genommen werden könnten und verwies dann auf seine kürzlich gemachten Ausführungen über die Bekämpfung der Weinbergschädlinge. Wünsche über Verbesserungen des Nordseebades Norderney brachten die Abgg. Schulze-Pekkum (fonf.), Fürbringer und Dr. Arning (natL) vor. Freiherr von Schorlemer erklärte, daß das Bad elektrisiert werden würde und stellte eine Ermäßigung der Kurtaxe in Aussicht. Norderney solle aber nicht Lurusbad werden, sondern das alte vornehme Familienbad bleiben. Nach weiterer unwesentlicher Debatte vertagt sich das Haus auf Freitag: Fortsetzung. Schluß 4v< Uhr.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag setzte am Donnerstag die Erörterung des Etats für das Reichsamt des Innern fort. Abg. Hoesch (fonf.) betonte, daß der Aufschwung unserer Volkswirtschaft nur durch die Fortschritte der Landwirtschaft möglich gewesen sei, die ihrerseits diese Fortschritte den Schutzzöllen zu danken habe. Allerdings wären die Zölle ohne das Einfuhrscheinsystem für dieLandwirtschaftbesonders desOstens ergebnislos. Die Reden der Abgg. Böhme und Hestermann können nur dazu führen, die Nachbarländer zum Zollkampf aufzufordern. In der inneren Kolonisation, für die Frhr. von Wangenheim und der Bund der Landwirte tätig gewesen seien, lägen die Verhältnisse keineswegs einfach. Viele Verhältnisse seien dabei zu berücksichtigen. Um die Hebung der Landwirtschaft haben die Konservativen die größten Verdienste: daher wolle man auch ihnen gegenüber Gerechtigkeit walten lassen. (Beifall.) — Abg. Hestermann (Hosp. d. Nl.) forderte Schutzzölle für Obst, Gemüse und Hopfen und betonte, daß das Zusammengehen des Deutschen Bauernbundes mit der Linken unvereinbar mit den Interessen der Landwirtschaft sei. Bedauerlich sei der Zwiespalt der bürgerlichen Parteien, die sich zum Kampfe gegen den inneren Feind zusammenfinden müssen. - Abg. Bruhu (Rfpt.) wünschte kräftige Unterstützung des Mittelstandes. Abg. Dr. Erdmann (Soz.) wandte sich gegen die christlichen Gewerkschaften und sprach von einem Terrorismus der Kirche gegen das Koalitionsrecht. Abg. Giesberts (Ztrü antwortete unter lärmendem Widerspruch der Sozialdemokraten, daß das Schild der christlichen Gewerkschaften rein sei und die sozialdemokratischen die Einigkeit unter den Arbeitern gestört haben. Abg. Schwabach (natl.) wünschte eine Denkschrift über die Verhältnisse der Staatsarbeiter. - Staatssekretär Dr. Delbrück sagte eine solche zu. — Abg. Vogt-Hall (W. Vgg.) sprach sich für Aufrechterhaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik und der Einfuhrscheine aus. — Freitag Fortsetzung.
Wandervorschläge für Sonntag.
a. Für Skiläufer die bekannte Eisenbergwanderfahrt.
b. Vr Tagestour: Hersfeld-Wippershainer Höhe- Hüttenbachgrund-Dünkelrode-Malkomes(2r/LStd.) Mit der Kreisbahn zurück.
c. Tagestour: Hersfeld-Sorga (mit der Bahn oder zu Fuß)-Breitzbachsmühle-Alte Friedewalder Straße-Friedewald-Nadelöhr-Hönebach (4>/2 bis 51/2 Std.) Von hier mit der Bahn über Bebra zurück. (Auch als Sktwanderfahrt geeignet.)
Wetterausfichten für Sonnabend den 81. Januar.
Starkes Tauwetter, meist trüb, zeitweise Regenfälle, weitere Temperaturzunahme, Westwinde.