Einzelbild herunterladen
 
  

im Herbst zu stellen, ging Trentz «der ore französische Grenze, siel Werbern in die Hände und befand sich bald als Fremdenlegionär in Oran in Algier, von wo er nach drei Monaten nach Marokko verschickt wurde. Die Stra­pazen in der afrikanischen Gluthitze, die Strafen und die Behandlung veranlaßten Trentz, mit acht Kamera­den zu entfliehen. Was aus diesen geworden ist, weiß er nicht,- er selbst kam, nur mit Hemd und Hose bekleidet, schließlich nach dem spanischen Melilla, wo der deutsche Konsul sich seiner annahm und seinen Rücktransport in die Heimat veranlaßte. Aus einem im Jahre 1912 von Trentz an seine Eltern gerichteten Brief ging hervor, daß der Legionär nicht die Absicht hatte, sich dauernd dem Dienst in Deutschland zu entziehen. Das Kriegsgericht ließ deshalb Milde walten und verurteilte ihn zu der geringsten zulässigen Strafe von 43 Tagen Gefängnis.

Ein englisches Gegenstück zum Krupp-Prozeß. In England werden die Kantinen in den Kasernen an große Lieferanten verpachtet, die den Soldaten verkaufen, was die Armeeverwaltung nicht direkt liefert. Die Bewerbung um dieses Kantinengeschäft ist sehr scharf: die Firmen pflegen im Monat als Pacht 340 bis 400 Mark per hun­dert Mann zu zahlen: ob sie ihrer Verpflichtung, gute Qualität und zu mäßigen Preisen zu liefern, nachkvm- men, wird in erster Linie nach der Zahl der einlaufen­den Beschwerden beurteilt. In einem vor kürzern in London begonnenen Bestechungsprozetz behauptet die Anklage, daß die weltbekannte Firma Lipton jahrelang Quartiermeister und Feldwebel bestochen hat, um sich eine Bevorzugung in der Erhaltung des Kantinenge- schäftes zu sichern. Es wurden vor das Polizeigericht ge­laden der Geschäftsführer der Firma, Direktor Cans- sield, der frühere Vorstand der Abteilung für Militär- lieferungen, Direktor Minto, und sechs wettere Ange­stellte, ferner fünf Quartiermeister mit Offiziersrang und zwei Feldwebel. Im Verlaufe der Verhandlung gab der Vertreter der Anklage die Vorladung zweier wei­terer Angeklagten bekannt, deren einer Oberst Whitt- acker, früher Kommandeur des 2. Yorkshire-Jnfanterie- Regiments ist. Der Staatsanwalt verlas einen Brief, in dem gesagt wird, daß der Oberst von der Firma Lipton Limited Zahlungen erhalten habe. Zugleich erklärte der Anklagevertreter, er beabsichtige Zeugen zu laden, die beweisen würden, daß Oberst Whittacker, als das Regi­ment nach Sheffield ging, Verträge abgeschlossen hat, durch die die Firma Lipton unverhältnismäßig begün­stigt wurde.

3m Volareis.

Der Untergang der Geestemünder Fisch-ampfer „Alice Busse" und „Karoline Kühne" im Polareis bei Island.

Ueber den Untergang dieser beiden Dampfer liegt jetzt ein Bericht des Kapitäns Otto Tancrö vom Dampfer „Karoline Kühne" vor, der den Vorgang in folgender Weife öarstelll: Die Dampfer hatten am 16. bzw. 18. Dezember die Weser verlassen und trafen nach oft stür­mischer Fahrt am 2. Januar an der Nordostküste von Island ein, um dort zu fischen. Große Eismassen ver­anlaßten den Kapitän der „Karoline Kühne", im Jsa- jord Schutz zu suchen, in dessen Nähe er die „Alice Busse" and. Als aber auch hier große Eismassen Heranrückcen, uhr der Dampfer zurück. Er benachrichtigte zuvor noch einen englischen Frschdampfer. Der englische Dampfer erreichte klares Wasser, aber die in langsamer Fahrt folgende „Karoline Kühne" geriet in einen Schneesturm, der es unmöglich machte, auch nur einige Meter weit zu sehen. „Karoline Kühne" trachtete daher danach, in der Nähe der „Alice Busse" zu bleiben, die ihrerseits in dem Glauben war, daß sie die „Karoline Kühne" Hilfe leisten müsse, beim Wenden aber den Ruderschaft brach und nun hilflos wurde. Unter unsäglichen Mühen gelang es, die „Alice Busse" ins Schlepptau zu bekommen. Siber bald mußte auch die Maschine der „Karoline Kühne" stoppen, weil große Eismassen unter der Schraube saßen.

Die Schiffe trieben nun bis Tagesanbruch. Als oann aber hohe Dünung mit Schneetreiben einsetzte, sah man ein, daß die „Alice Busse" nicht zu retten war. Unter außerordentlichen Schwierigkeiten gelang es, die Mann­schaft der „Alice Busse" an Bord des anderen Schiffes zu schaffen und von dem Dampfer freizubekommen. Wind und Dünung nahmen noch zu, und es war ein schauerliches Gefühl, in dieser Einöde den elementaren Gewalten so überlassen zu sein. Da kam die böse Mel­dung, daß der „Karoline Kühne" durch einen gewaltigen Eisstoß der Bunker eingedrückt sei und Wasser em- ströme. Bald wurde auch ein Ruderbruch festgestellt, und als dann auch bald noch der Bruch der Pumpe gemeldet wurde, war auch die „Karoline Kühne"' nicht mehr zu halten. Bald stand das Wasser schon im Fischraum und nach kurzer Zeit erloschen die Feuer.

Den 27 Schiffbrüchigen blieb jetzt nur übrig, einen Versuch zu machen, sich über die Eisschollen an Land zu retten. Es gelang ihnen mit vereinten Kräften — und nur dem Zufall, daß so viele Leute zusammen wa­ren, ist die Rettung zu verdanken —, das„große Boot auf eine Eisscholle zu schaffen. Auch die nötigsten Ge­rätschaften wurden mitgenommen: Planken und etwas Proviant. Bei der noch immer heftiger werdenden Dü­nung wurde die Scholle mehrfach unter Wasser gesetzt. Es gehörte aller Mut und alle Zähigkeit dazu, einzelne fast erstarrte Leute mit fortzuziehen. Als es etwas hel­ler wurde, sah man einen hohen Berg, und drei Stunden nach dem Verlassen des Schiffes hatte man Land erreicht und konnte das Boot auch ans Ufer schaffen. Nachdem dort von den geretteten Planken eine Schutzhütte gebaut und ein Feuer angezündet war, begaben sich fünf Mann auf die Umschau nach einer Siedelung, die bald auge- troffen wurde. Bald wurden die Schiffbrüchigen dahin geholt und freundlich ausgenommen sind dann nach Bo- lungarvik geführt, wo sie sich zwei Tage von ihren Stra­pazen erholten. Von da fuhren sie mit einem Motorboot nach Jsafjord, wo die Bevölkerung schon von dem Un­glück gehört hatte und die Leute die freundlichste Auf- naBme fanden, namentlich auch bei dem Leiter des eng- lischen Missionshauses.

Kapitän Tancrä berichtet auch über zwei unbekannte Fischdampfer, von denen man Raketenschüsse vernommen hat. Isländer Fischer berichten, daß ein Schiff vor ihren Augen gesunken sei, während von dem andern nichts mehr bemerkt wurde. Mit dieser Nachricht stimmen auch die vom Leuchtturm gemachten Beobachtungen. Der is­ländische Bergungsdampser „Geyer" wurde ausgesandt, kehrte aber nach vier Tagen zurück, ohne irgend etwas von den Schiffen bemerkt zu haben. Sie gelten als ver­loren. Auch in Grimsby lagen fünf Darnpfer, denen das Polareis furchtbar zugesetzt hatte.

Vermischtes«

Die Katze als Verkehrshindernis. Ein für die Men­schenmenge, die Dienstag abend durch die festlich tllumt- nierte Leipziger Straße zu Berlin flutete, sehr belusti­gender Vorfall ereignete sich zwischen 10 und 11 Uhr tn dem Schaufenster eines bekannten Schlächtermeisters. Eine Katze hatte sich in den Laden eingeschlichen und sich über die in dem erhellten Schaufenster aufgeschichteten NVMarrn Hergemacht. Bor dem Fenster staute sich

bald eine den Verkehr hindernde starke Menschenmenge, die unter schallendem Gelächter dem Souper der nächt­lichen Räuberin zusah. Schließlich griff die Polizei ein, die den Laden öffnen ließ und die vierbeinige Diebin unter dem Jubel der Zuschauer aus dem Wurstpara­diese vertrieb.

Bernsteinschöpfen an der Ostseeküste. Die Sturm­flut hat das Meer so gründlich aufgewühlt, daß die Bo­denschätze der Ostsee hochgehoben und ans Land gewor­fen oder doch in die Nähe der Küste geführt wurden. Zu den Bodenschätzen des Meeres zählt der Bernstein, das Gold der Ostsee. Dieses zu bergen sind nun die Fischer bei der Arbeit. Im allgemeinen ist der Kahlberger Fischer und Küstenbewohner nicht fürs Wasser. Er kann es nicht begreifen, daß die Menschen zu Sommerszeiten ein Vergnügen daran finden, sich im Wasser zu tum­meln. Der Fischer von echtem Schrot und Korn hat so etwas sein Leben lang nicht getan und wird es auch nicht tun. Daß er trotzdem alt und grau wird, ist ihm der Beweis dafür, daß es auch ohne Seebäder geht. Nur notgedrungen beschäftigt er sich mit dem Meer, das ihm Nahrung und Erwerb gibt. Der Fischfang ist gegen­wärtig bei den Kahlberger Fischern vernachlässigt, um so mehr blüht das Bernsteinschöpfen. Eine schwierige und unangenehme, aber desto lohnendere Arbeit. Bis an den Banch müssen die Fischer ins Wasser gehen, um mit ihren Käschern und Netzen den Tang aufzufangen. Wenn sie dabei auch die^arvßen Wasserstiefel anhaben, die gut verpicht sind, so soll es bei dieser Arbeit doch kalte Füße geben und manchmal sogar einen kalten Bauch, der durch entsprechende Mittel wieder aufzuwärmen ist. Bei dem Bernsteinschöpfen werden Stücke bis zu Faust­größe geborgen, Stücke, die hoch bezahlt werden. In­folgedessen kümmern sich die Fischer wenig oder gar nicht um die Bernsteinmengen, die am Strande lagern, weil ie in der Hauptsache aus kleineren Stücken bestehen, die ie daher gern den Kahlbergbesuchern überlassen. Sollte das Bernsteinschöpfen nicht mehr lohnen, dann erst machen sich die Fischer auf die Strandsuche.

Eine „Millionenstiftnng" Karl Mays. Der Reise- und Jugendschriftsteller Karl May, dem es bekanntlich in den letzten Jahren seines Lebens an Anfeindungen nicht gefehlt hat, hat außer der schon gemeldeten Stif­tung zugunsten von Journalisten und Schriftstellern und zugunsten solcher jungen Leute, die studieren wollen, noch eine zweite Stiftung errichtet — eine wahre „Mil- lionenstiftung!" Karl May hat nämlich seiner Vater­stadt Hohenstein-Ernstthal tausend Mark vermacht. Die Zinsen und Zinzeszinsen sollen so lange aufgehäuft werden, bis das Kapital eine Höhe von einer Million Mark erreicht hat. Die einzige Milderung dieser sonder­baren Stiftung besteht darin, daß die Zinsen zur Hälfte auch schon dann verwendet werden können, wenn sie eine Höhe von 1000 Mark erreicht haben werden. In der letzten Stadtverordnetensitzung in Mays Geburts­orte war man wegen der eigenartigen Bedingungen von der Stiftung nicht sehr begeistert, und es erscheint frag­lich, ob sie angenommen wird.

Wie Kronprinz Rudolf starb.

Zur 25. Wiederkehr des „Dramas von Mayerling."

Der 30. Januar d. I. ist in der befreundeten Donau­monarchie ein Tag nationaler Trauer. 25 Jahre find verstrichen, seit Kronprinz Rudolf, der Stolz und die Hoffnung seines Vaters und seines Landes, der Lieb­ling seines Volkes auf entsetzliche, bisher noch im Dun­keln liegende Weise aus dem Leben schied. In allen Teilen des deutschen Reiches nahm die Bevölkerung den innigsten Anteil an dem schweren Unglück, das den verehrten Kaiser Franz Joseph und die verbündete Monarchie eines vielverheißenden Sohnes und Fürsten beraubte. Darum dürfen gewiß die Erinnerungen an die näheren Umstände, unter denen das Furchtbare ge­schah, in diesen Tagen des Gedenkens allgemeiner Be­achtung sicher sein. Der Korrespondenz „Heer und Po­litik" wird dazu geschrieben:

In der Oeffentlichkeit durften die Wiener^ ihren Kronprinzen zum letzten Mal bei einer Spazierfayrt im Prater am 27. Januar 1889 begrüßen. Am Abend des­selben Tages noch nahm Kronprinz Rudolf mit feiner Gemahlin Stefanie an einer zu Ehren des Geburtstages Kaiser Wilhelm II. in der Wiener deutschen Botschaft stattfindenden Gesellschaft teil. Sie verlief in angeregle- fter Weise und erreichte ihren Höhepunkt, als Kau er Franz Joseph selbst noch spät erschien, um durch seine Anwesenheit dem Fest zu Ehren seines Freundes und Bundesgenossen eine besondere Weihe zu verleihen. Es berührt tragisch, wenn man sich vorstellt, wie sich hier Vater und Sohil in herzlichster Weise gegenüberstanden, ohne daß auch nur der Eine oder der Ändere von dem fürchterlichen Geschick, das sich bald erfüllen sollte, die geringste Ahnung hatte.

Dieser Gesellschaftsabend im Deuttchen Botschafts­palais sollte die letzte Begegnung des Kaisers mit sei­nem einzigen Sohne sein. Den getroffenen Dispositio­nen gemäß, begab sich Kronprinz Rudolf am nächsten Tage mit seinem Schwager, dem Prinzen Philipp von Coburg-Gotha und dem Grafen Josef Hoyos zur Jagd nach Mayerling. Am 29. Januar sollte er wieder tn Wien eintreffen, um an einem Fannttendiner beim Kai­ser teilzunehmen. Statt besten fam aus Mayerling ein Brief, in dem er seine Abweienheft durch ein leichtes Unwohlsein zu entschuldigen bat. Erzherzog Karl Lud­wig hatte für den 30. Januar, ebenfalls ein Essin im intimen Familienkreise vorbereitet, zu dem das Kaiser- und das Kronprinzenpaar erscheinen sollten. Der Erz­herzog erkundigte sich jedoch telegraphisch vorher in Mayerling, ob auf die Teilnahme des Kronprinzen zu rechnen sei. Dieses Telegramm blieb überhaupt unbe- aiitivortet.b n^ mcm unruhig zu werden, und der Prinz von Coburg erhielt den Auftrag, sich in Mayer­ling nach dem Befinden des Kronprinzen zu erkundigen. Er schickte ein Telegramm, das Krankheit des Kron­prinzen vorschützte und eine Teilnahme an dem Diner daher nicht rötlich erscheinen ließ. An diesem Tage aber war Kronprinz Rudolf bereits 3 Uhr früh von seinem Kammerdiener tot aufgefuüden worden. Ueber das rätselhafte Drama von Mayerling bestehen die ver- schiedensten Visionen. , Die Gräfin Larisch,. eine Nichte der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, die mit allen Vorgängen am österreichischen Kaiserhofe aufs Genaueste vertraut ist, wird in kurzer Zeit ihre Memorien er- scheinen lasten in denen sie angeblich das Geheimnis von Mayerlina aufklären will. Die Memorien erschei­nen augenblicklich in Fortsetzungen in einer amerika­nischen Leitung, und aber bis zu diesem Punkt noch nicht voraedrungen. Man wird trotz der Stellung der Gräfin Larisch Zweifel haben dürfen, ob ihre Mftteilun- gen" wirklich den Sachverhalt wiedergeben, da die ein­zigen authentischen Zeugen des Vorganges rißt am

Leben geblieben sind.

Demission der reichslündischen Regierung.

Das gesamte Kabinett tritt zurück.

In der Kommissionssitzung des elsässischen Land­tags gab am Mittwoch auf eine Anfrage des Abgeord- -reten Haub Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach

w

die Erklärung ab, die gesamte Regierung von «na« Lothringen habe ihre Konsequenzen aus den Zaberner Vorfällen gezogen. Eine Entscheidung sei noch nicht ge­troffen.

Zu der Nachricht von der Gesamtdemission der reichsläudischell Regierung schreibt der „Lokalanzeiger": Wenn die Mitglieder der Straßburger Regierung sich von der Empfindung leiten lassen, daß nach allem, was vorgefallen ist, die unbedingt erforderliche Einheitlich- kett der Verwaltung in Zukunft nur nach einem umfas­senden Personalwechsel denkbar ist, und wenn sie des­halb dem Statthalter und damit dem Kaiser ihre Aem­ter zur Verfügung stellen, so gereicht diese Entschließung ihnen zur Ehre. Sie schaffen auf diese Weise freie Bahn für die Verwirklichung der Zusage des Reichskanzlers vom letzten Freitag, daß Elsaß-Lothringen durch eine feste und einheitliche, eine ruhige und gerechte Führung der Staatsgeschäfte wieder in normale Bahnen zurück« gebracht werden möge.

Die „Vossische Zeitung" schreibt: Man sagt, er wolle sterben: — man sagt es vorn Statthalter, vom Staats­sekretär Zorn v. Bulach und von den Unterstaatssekre- tären Mandel und Petri. Ob sie ehedem immer einen glücklichen Griff bewiesen haben, muß dahingestellt bleiben: in ihrer Verteidigung der Zivilgewalt gegen die bewaffnete Macht haben sie sich als rückgratfeste Männer gezeigt und deshalb sind sie bereit, mit ihrem Amt für ihre Meinung einzutreten.

Das „Berl. Tageblatt" bemerkt: Der Rücktritt wäre, um den richtigen Eindruck zu machen, besser in dem Augenblick erfolgt, wo von Berlin ans bekanntgegeben wurde, daß im Falle Rotfilter auf das Rechtsmittel der Revision und im Falle Reuter auf das der Berufung verzichtet werde.

Charakteristisch ist die Stimme der „Berl. Morgen­post". Sie äußert: Die Reaktionäre jubeln. Südlich des Mains wird man dem Treiben der echtpreußischen Leute in den Reichslanden mit Ingrimm zusehen.

** neuestes vom Gage«

Tragischer Selbstmord eines Ehepaares.

»-^ Berlin, 29. Januar. Aus Verzweiflung darüber, daß er die nach langem Suchen endlich gefundene Arbeit wieder verloren hatte, nahm der Arbeiter Döbler in Reinickendorf Lysol zu sich. Seine Frau entriß ihm die Flasche, eilte auf die Straße und trank ebenfalls Lysol, sodatz sie bald darauf starb. Der Mann wurde in hoff­nungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht.

Ein geriebener Betrüger verhaftet.

oe» Berlin, 29. Januar. (B. Z.) Der MassenbetrugS- versuch gegen Arbeitslose, der Anfang November hier Aussehen erregte, dürfte jetzt aufgeklärt werden. Die Berliner Kriminalpolizei hatte den Polizeibehörden durch den Tagesbericht des Schwindlers Personalien und Handschrift zugehen lassen. Jetzt ist es gelungen, den Mechaniker Friedrich Deimer zurzeit in München als den wahrscheinlichen Täter festzunehmen und zu ver­haften.

Eine Arbeiterkolonne «Verfahren.

w= Berlin, 29. Januar. (B. Z.) In der Nähe des Bahnhofs Etchkamp fuhr gestern eine Lokomotive in eine Gruppe von Arbeitern hinein. Während es den meisten Arbeitern gelang, noch rechtzeitig zur Seite zu springen, wurden -er Kolonuenführer Baumann und der Arbeiter Becker von der Maschine erfaßt und so schwer verletzt, daß sie bis Beute mittag das Bewußtsein noch nicht wie- dererlangt hatten. ... ,

Beim Spiel mit dem Revolver getötet.

te Stettin, 29. Januar. Beim Spiel mit einem Re­volver hat der 25jährige Lithograph Becker seine 22jahrige Braut Elsa Pieper bet ihrem Eintritt in sein Zimmer erschossen. Das Mädchen stürzte in die Schlafe ge- troffen tot zusammen. Becker wurde verhaftet. Die Po­lizei nimmt einen Unglücksfall an.

Ein Musketier als Mörder vor dem Kriegsgericht.

»-^ Thorn, 29. Januar. Bor dem Kriegsgericht be­gann heute die Verhandlung gegen den Musketier Straskewitz außer wegen zweifachen Mordes, Brand­stiftung und versuchten Totschlags wegen einer Reihe schwerer Diebstähle. Bei einem Einbruch in Charlotten- burg hatte der Angeklagte zweimal auf einen Gastwirt geschossen und einen Kanonier mit dem Revolver bedroht.

Hinrichtung zweier Mörderinnen.

Ratibor, 29. Januar. Heute früh wurden auf dem Hofe des hiesigen Gerichtsgefängnisses die unverehelichte Haushälterin Franziska Zimmer aus Natzelwitz, welche ihren Stiefvater ermordet hatte, und die Besitzersfrau Josefa Kubacka aus Czenerwionka, die ihren Mann er­mordet hatte, hingerichtet.

Das Ende einer unglücklichen Ehe.

w Grünberg i. Schl., 29. Januar. Der frühere Nachtpolizetbeamtc Siemon, der von seiner Ehefrau ge­trennt lebt, kehrte von auswärts hierher zurück, stieg mittels einer Setter in die Wohnung seiner Frau ein, erschoß dies« sowie seinen vierjährigen Sohn und tötete sich dann selbst.

Streik der spanischen Schiffskapitäne.

Paris, 29. Januar. Wie aus Barcelona ge­meldet wird, haben die Kapitäne der Handelsmarine be­schlossen, in acht Tagen in den Astsstand zu treten, da die Schiffahrtsgesellschaften ihre Forderungen nicht bewilligt haben. _ „ .

Erdbeben in Argentinien.

Buenos Atres, 29. Januar. Eine Depesche aus Mendaza berichtet von unterirdischem Donner und zwei starken Erdstößen, welche die Bevölkerung in Schrecken versetzte. Ob Schaden angerichtet wurde, ist noch nicht bekannt. ,

Eine ungesunde französische Garnison.

w> Paris. 29. Januar. Nach einer Meldung aus Luneville hat das Kommando des 20. Armeekorps gegen die Verwaltung des städtischen Wasserwerkes Straf­anzeige erstattet, weil die Wasserprobe mit Lauge in be­trügerischer Absicht keimfrei gemacht worden sei, wührend in dem zum Gebrauch bestimmten Wasser die Keime nicht zerstört seien. In der Garnison von Luneville seien in den letzten Tagen ungewöhnlich viele Typhusfülle vorgekommen.

Bandei und Verkehr»

Ein Tagesverdienst von 2 400 000 Mark. Den höch­sten Handelsgewinn, der je innerhalb 24 Stunden er­zielt wurde, dürfte die Finanztransaktion ergeben haben, die neulich die beiden Neuyorker Bankfirmen Kühn, Loeb & Co. und William A. Read & Co. durchführten. Der Staat von Neuyork hatte in diesen Tagen einen Stock von 4üproäentfgen Bonds im Nominalwert von 204 Millionen Mark zur öffentlichen Versteigerung ge­bracht. Die beiden, zu einem Syndikat vereinten Bank­firmen überboten die Konkurrenten und erhielten mit einem Gebot von etwas über 420 Mark für den auf 400 lautenden Bond den Zuschlag. Am nächsten Morgen brachten sie die Papiere an den Markt und verkauften sie im Laufe von zwei Stunden mit einem Nutzen von 2 400 000 Mark.