Droht eine europäische Zinanzkrise?
Hertlings Mahnung.
Der bayerische Ministerpräsident Graf Hertling nahm abermals gegen die Vergrößerung der Heereslasten Stellung und faßte seine Mahnungen in den Worten zusammen: „Jeder ruhige Staatsmann darf daraus kein Hehl machen, daß die wachsenden Rüstungen der europäischen Völker diesen solche Lasten aufbürden, daß in naher Zukunft eine Finanzkrisis droht. „Diese bemerkenswerte Aeußerung tat der erste Berater des Königs Ludwig von Bayern in einer Unterredung mit dem Vertreter eines großen englischen Blattes, und der Gedanke liegt nicht fern, daß Graf Hertling den Anlaß zu seiner Kundgebung in den augenblicklich im englischen Kabinett stattfindenden scharfen Auseinandersetzungen über die Steigerung der Flottenausgaben fand.
Vor Weihnachten nahm der bayerische Ministerpräsident auch Gelegenheit, in auffallender Weise zu betonen, daß es nunmehr im Deutschen Reiche mit der Vermehrung der Kosten für das Heereswesen vorbei sein müsse, weil die übrigen Staatspflichten sonst darunter litten. Diese entscheidende Stellungnahme des Bundesratsmitgliedes hat zu dunklen Vermutungen geführt, daß inl Schoße der Reichsregierung weitere Pläne zur Rüstungssteigeruug vorhanden seien, und daß sich Graf Hertling den ihm bekannten Absichten widersetze. Durch die an den Briten gerichteten Worte erhalten seine früheren Auslassungen erhöhte Bedeutung, und der Hinweis, daß in naher Zukunft eine Muauzkrise drohe, wenn den europäischer: Völkern immer größere Militarlasten aufgebürdet würden, verdient im Orient und Oecident B^D ""osteuropäischen Völkerschaften befinden sich schon seit Jahren in einem wahren Wettrennen nach der Pariser Börse, um die Mittel für ihre fortschreitenden Rüstungen aufzubringen. Das große Rußland holte Riesensummen von -er Seine, und sein Bedarf für Heer und Flotte will sich nimmer erschöpfen und leeren! Augenblicklich pochen Griechenland und die Türkei wieder heftig an die goldenen Tore der französischen Hauptstadt, und wenn auch wirtschaftlicher Bedarf in Frage kommt, so handelt es sich in erster Linie doch immer um Heeres- und Flottenvergrötzerungen. Da die Franzosen zugeknöpfter werden, so kommen die Goldsucher nach Berlin, aber auch Reichsbankpräsident Havenstein warnt vor zu großer Geldabgabe an das Ausland, weil wir unseren Finanzjulinsturm bei der Möglichkeit von Kriegszeiten nicht allzu sehr schwächen dürfen. _
Früher spielte England die Rolle des großen Bankiers, aber John Bull gebraucht sein Geld jetzt selbst für die Industrie und vor allen Dingen für die Erhaltung und Vergrößerung seiner Flotte und seines Heeres, da er bekanntlich auch viel für Anzeigen in den Tagesblättern ausgeben muß, um Rekruten zu suchen. Was Graf Hertling sagte, wird von Lloyd George ernstlich erwogen, denn der englische Schatzkanzler fürchtet gleichfalls die Finanzkrise in naher Zukunft. Er sucht seinen Amtsgenossen Churchill zum Flottenkompromiß zu drängen und hat ihm unter vier Augen die finanzielle Lage Englands auseinandergesetzt. Da Lloyd George uns Churchill Arm in Arm aus dem Kabinettsrat kamen, so vermutet man ein Kompromiß, doch die nächsten Tage werden erst zeigen, wie die es beschaffen ist.
Um die französischen Wehrkredite tobt ein gewalti- Ser Streit, dessen Ausgang noch ganz undurchsichtig ist. )er einmalige Aufwand soll nach der neuesten Veranschlagung 924 Millionen betragen, doch die dauernden Lasten türmen sich zu schwindelnder Höhe. Das hochgespannte Selbstgefühl der Franzosen wurzelte bisher in der Legende von der Unerschöpflichkeit des französischen Reichtums, aber nach mancherlei Anzeichen Hat die Schätzung in jüngster Zeit einen Stoß erlitten. Die Franzosen beginnen über das gewaltige Pfand der Freundschaft zu stöhnen, das sie den Russen darbringen müssen. Die Klemme, in der sich der französische Geldmarkt während des verflossenen Jahres wiederholt befunden hat, sprach nicht zugunsten der französischen Alleinherrschaft auf dem Weltkapitalmarkte. Die Anleihebesucher werden, wenn auch mit schwerem Herzen, schon öfters auf Berlin verwiesen, worüber auch Benizelos genau unterrichtet sein dürfte.
Die Ladeuinhaber und die Sonntagsruhe.
Aus der Hochflut der dieser Tage dem Reichstage anläßlich seiner Beratungen über den Sonntagsrnhege- setzentwurf zugegangenen Eingaben, Entschließungen und sonstigen Kundgebungen aus Interessentenkreisen verdient besondere Beachtung eine vom Dentschnationa- len Handlungsgehilfen-Verbande veranlaßte Bittschrift zugunsten völliger Sonntagsruhe, die die Unter) ctjrist von 41228 Ladeninhabern gefunden hat.
Ä Bittschrift ist, wie es heißt, mit großer Sorg- reitet worden. Ein Ausschuß selbständiger, dem Verbände als sonntagsruhefreundlich bekannter Kaufleute erließ unter Verteilung einer Aufklärungsschrift
Die Dame im Schleier.
Spionage-Roman von Matthias Blank.
26) (Nachdruck verboten.)
„Sehr gern! Er wird mit Freuden von fernem Steckenpferd erzählen. Kommen Sie nur gleich mit! Das heißt, wenn Sie gerade freie Zeit haben sollten." „Natürlich!"
Und die beiden schlugen den Weg ein, der nach der Wohnung von Marbergs führte.
Purgstaller war klug genug, die Begegnung jener Dame gar nicht mehr zu erwähnen,' er plauderte von der Stadt, aus der sie beide gekommen waren, erzählte von feinen Beobachturrgen in Berlin und erwies sich als ein Gesellschafter, dessen Gegenwart stets angenehm empfunden wird.
Purgstaller war auch in der denkbar besten Laune.
Ihm wurde nun eine Einführung bei dem General a. D. von Marberg auf das unauffälligste ermöglicht, sodatz er Gelegenheit sah, sofort mit seiner Aufgabe ein- zusetzen.
Aber das lebhafte Gespräch zwischen den beiden erlitt eine jähe Unterbrechung.
In der Lützowstratze war an den beiden ein Automobil vorbeigefahren, in dem eine Dame saß, die von Sobert Haßfeld gegrüßt wurde, und die seinen Gruß sehr lebhafter Weise erwiderte.
Diese Dame hatte auch Michael Purgstaller sofort wiedererkannt; sie war eben die gleiche gewesen, die zwei Tage vorher im Tiergarten unter mehreren Begleitern auf dem Fuchshengst an ihm vorbeigeritten war, in der er seine eigene Vergangenheit wieder hatte erstehen lassen, die einstmals vor neunzehn Jahren fein Verhängnis gewesen war. Einst Gräfin Lersbach! Ader fetzt?
Er zwang sich zur Ruhe und fragte in gleichgültigem Lüns: „Wer «« tzsuy iti Dame im Auto?"
einen Aufruf an ihre Berufsgenofsen, dem das Nnkam- mein der Unterschriften durch Prinzipals- und Gehilfenmitglieder des genannten Verbandes folgte. Es bandet sich demnach bei diesem Ergebnis um Namen, die nicht in einer Augenblicksstimmung unter die Bittschrift gesetzt wurden und die daher als wohlüberlegte Willenskundgebungen der Ladeninhaber geweitet werden mü|= sen. Nach der der Bittschrift beigegebenen Statistik stammen 2592 Unterschriften aus 142 Orten mit bis zu 10 000 Einwohnern, 3799 Unterschriften aus 116 Orten mit 10 000—25 000 Einwohnern, 5401 Zustimmungserklarun- gen kommen aus 68 Orten mit 25 000—50 000 Emwoh- nern, 5312 aus 32 Orten mit 50 000-100 00p Einwohnern und 24 059 aus Orten mit über 100 000 Einwohnern.
Man wird zugestehen müssen, daß diese Willensäußerung geeignet ist, die bisher fast überall noch vor- herrschenoe Annahme von der unentwegten Gegnerschaft der Ladeninhaber in Stadt und Land gegen die lückenlose Durchführung der Sonntagsruhe einigermaßen zu erschüttern.
Politische Rundschau«
Die diesjährigen Paraden und Kaisermanöver. Nach den soeben veröffentlichten Bestimmungen werden die Parade des Gardekorps am 2. September, die des siebenten Korps am 5. September, bei Münster, die des achten Korps am 8. September bei Coblenz und die Kaisermanöver in der Zeit vom 14. bis 18. September stattfinden.
Abermalige Fristverlängerung z«r Bermögenser- klärung? Der Bundesrat hat, rote die „Kreuzzeitung meldet, in seiner Sitzung vom 24, d. M. beschlossen, die Landesfinanzbehörden zu ermächtigen, die Frist für die Abgabe der Vermögenserklärung bis zum 13. Februar zu verlängern. Bon dieser Erklärung haben . Württemberg und Sachsen-Altenburg Gebrauch gemacht. Von einer Entscheidung der preußischen Regierung ist noch nichts bekannt.
Eine Besserstellung der Unteroffiziere wird bekanntlich dadurch erreicht werden, daß vom 1. April ab Sie Dienstprämie nach zwölfjähriger Dienstzeit von 1000 auf 1500 Mark erhöht wird und im Falle des Weiterdienens diese Dienstprämie mit 4 Prozent verzinst wird. Um den Wünschen der Unteroffiziere noch weiter entgegenzu- kommen, wird zurzeit erwogen, ob es möglich sei, diese Dienstprämie in Höhe von 1000 Mark bereits nach vollendeter neunjähriger Dienstzeit gewähren zu können und den Zivilversorgungsschein in beschränktem Maße bereits nach zehnjähriger Dienstzeit erteilen zu können. Ein Abschluß dieser Erwägungen ist vorläufig nicht zu erwarten.
Der Präsident von Haiti als Flüchtling auf einem deutschen Kreuzer. Infolge Anwachsens der revolutio. nären Bewegung auf Haiti haben sich Präsident Oreste und Gemahlin am Dienstag auf den deutschen Kreuzer „Vineta" geflüchtet, nachdem in der Stadt Port au Prince ein Kampf ausgebrochen war. Die „Vineta" und der amerikanische Panzer „Montana" haben Matrosen gelandet.
Versetzung des österreichische« Generalstabschefs. Das bedeutsamste Ereignis des Marschallrates, der in der Wiener Hofburg am Montag unter Vorsitz des Kaisers Franz Josef abgehalten wurde, dürfte wohl die endgültige Versetzung des Generalstabschefs Conrad vvn Hötzendorf sein. Der Generalstabschef wird zum Armeeinspekteur ernannt, und zwar wird er voraussichtlich die dritte Armeeinspektion übernehmen. Die Versetzung Hötzendorfs erregt allgemeines Aufsehen, denn man will darin von neuem ein Zeichen des Gegensatzes zwischen Kaiser und Thronfolger sehen.
Kleine nadirlchten.
Begründung einer Reichsinvalidenstiftung durch ungenannte Spender. Ein schwäbisches Pfarrerpaar, das nicht genannt sein will, hat aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers eine Reichsinvalidenstiftung ins Leben gerufen, aus der den Veteranen neben der Reichsbeihilfe von 150 Mark eine Zulage von 50 Mark jährlich gewährt wird.
Ein Erholungsheim für Arbeiterinnen. Wie die „Vossische Zeitung" erfährt, beabsichtigt Geheimrat von Siemens in Berlin hinter dem vom Kaiser gestifteten Kindererholungsheim in Ahlbeck ein Erholungsheim für seine Arbeiterinnen erbauen zu lassen. Die Nachrccht eines Berliner Blattes, das Arbeiterinnenheim sei eine zweite Stiftung des Kaisers, ist demnach unzutreffend
Beim Filmen von einem Löwen angefallen. Der Deutsche Fritz Schindler, Mitglied einer kinematogra- phischen Expedition, ist am Sonnabend, während er einen Löwen aufzunehmen versuchte, bet Nairobi (Ostafrika) von der Bestie angefallen worden und den dabei erlittenen Verletzungen erlegen.
Grotzfeuer im Hafen von Neuyork. Durch eine riesige Feuersbrunst wurde am Montag die Werft der
„Die Baronin von Theden!"
Purgstaller hatte den Namen nie gehört,' er war ihm fremd. Aber daß diese die einstige Schauspielerin Ellen Weselly gewesen war, die er selbst dann zur Gräfin Lersbach gemacht hatte, das wußte er.
„Sie ist wohl in der Berliner Gesellschaft sehr bekannt?"
„Allerdings."
„Kennen Sie die Baronin von Theben näher?" forschte Purgstaller weiter.
„Nein! Eine Zufallsbekanntschaft."
„Und der Baron von Theben?"
„Sie ist Witwe."
Mehr fragte Purgstaller nicht, um nicht auffällig zu erscheinen. Ihren Namen wußte er ja nun. Außerdem hatten sie auch schon das Haus erreicht, in dem von Marberg wohnte.
Zwölftes Kapitel.
Berta von Marberg hatte den Nachmittagskaffee selbst serviert, wobei das Dienstmädchen nur die Kannen und Tassen bereitgerichtet hatte.
General von Marberg lehnte bequem in seinem Stuhle, das rechte Bein über das linke geschlagen, und zündete sich eben die unentbehrliche Zigarre an.
Der bläuliche Rauch qualmte auf.
Dann erst wandte er sich seinem Neffen zu: „Diesel- Herr — Herr —"
„Purgstaller!" half Robert Haßfeld nach, der am Tisch saß und mit dem silbernen Löffel, der das Fami- lienwappen von Marbergs eingraviert wies, in seiner Tasse rührte.
„Richtig! Purgstaller ist eine prächtige Person, ein eminent gescheiter Kopf. Er teilt mit mir die gleiche Meinung."
„Da seid Ihr wohl auch noch gemeinsam auSge- gangen?"
Manhafset Company ht Song SWMS üEeME ro stört. Die gesamte Wehr Neuyorks hatte stundenlang ah der Brandstätte zu tun, um des Brandes Herr zu wer- den. 30 nahezu vollendete Motorboote wurden ein Raub der Flammen, darunter eines, das allein einen Wert von 50 000 Dollars öarstellt.
Der Generalkonsul Robert von Mendelssohn in Berlin, Mitinhaber des Bankhauses Mendelssohn & Co., der weit über die Kreise der Finanzwelt hinaus, namentlich als Musikfreund bekannt geworden ist, erlitt Dienstag abend infolge eines Zusammenstoßes seines Automobils mit einem anderen einen schweren Unfall. Er trug eine erhebliche Kopfverletzung davon. Der Zustandes Verunglückten ist ziemlich ernst.
Ein Personenzug von Fluten weggespütt. Laut dem „Berl. L.-A." ging ein Post- und Personenzug aus Chicago mit hundert Passagieren in dem Überschwemmten Distrikt Santa Barbara bei San Franc:sco verloren. Ueber das Schicksal der Passagiere ist noch nichts bekannt.
Wahnsinnstat eines Fremdenlegionärs. In Moga- dor (Marokko) hat ein Unteroffizier von den Tirailleurs durch Gewehrschüsse fünf Personnen getötet, fünf verletzt und dann sich selbst getötet.
Petersburg im Hochwasser. Ein furchtbarer Sturm trieb in der Nacht zum Dienstag von der Seefette ungeheure Wassermengen in den Newafluß und die Kanäle: das Wasser stieg in Petersburg über normal und überflutete die Straßen und niedriggelegenen Stadtteile. Matrosen streiften auf Rettungsbooten die überschwemmten Straßeuzttge ab. Ueberall sind Asyle zur Aufnahme der durch Wassernot Vertriebenen in Bereitschaft gestellt.
Ueberfall auf eine Pilgerkarawane. Unweit Mekka wurde eine Karawane von Pilgern von zahlreichen bewaffneten Arabern überfallen. Sechzig Pilger sind getötet worden.
Im Banne von Verbrechern. Ein 23 Jahre alter Mensch in Neuyork erklärte vor dem Polizeigericht, eine italienische Bande habe ihn unter Todesdrohungen gezwungen, für sie achtzig Bomben herzustellen. Für jeden Mord sei ihm eine Prämie von acht Mark ausgesetzt worden.
Sie Stau im sielchsposlüiensl.
Die Beschäftigung der Frau im Beamtendienst ist heute keine Ausnahmeerscheinung mehr. Wie bei vielen anderen Behörden, hat die Beschäftigung der Frau auch im Reichspost- und Telegraphendienst sich bewährt und soll in Zukunft in noch erweitertem Umfange eingeführt werden. Im Fernsprechdienst, beim Postscheckverkehr und auf allen Postämtern kleineren Umfanges werdest Gehilfinnen eingestellt, die dauernd in diesen Dienst- zweigen beschäftigt werden sollen.
Schon im vorjährigen Etat der Reichspost- und Telegraphenverwaltung hat eine erhebliche Vermehrung der Stellen für weibliche Beamte stattgefunden, und in den Reichsetat für 1914 sind nun abermals 1500 neue Stellen für Post- und Telegraphengehilfinnen eingesetzt worden — in der Tat eine überraschend schnelle Ausdehnung des Beamtinnentums. Diese erfolgreiche Beschä - tigung der Frau im Dienst der Reichspost ist durch die Entwicklung des Post- und Telegraphenverkehrs herbeigeführt worden und in der Eigenart zahlreicher Dienstzweige begründet. Man kann sich das Telephon, die Schreib- und Rechenmaschine von einem anderen als dem weiblichen Personal bedient nicht mehr recht vorstellen.
Unter etwa 350 000 im Beamtenverhältnis stehenden Personen bei der Reichspost- und Telegraphenverwaltung werden jetzt rund 28 000 Beamtinnen gezählt. Das hat in den Kreisen der mittleren, namentlich aber der unteren Beamtenschaft Beunruhigung hervorgerufen und auch bei den Mtlitäranwärtern Aufsehen erregt. Man befürchtet eine Benachteiligung der männlichen Anwärter von zahlreichen Beamtenposten. Indessen liegt ein Grund zu der Befürchtung, daß die Einstellung weiblicher Kräfte innerhalb der Reichspost- und Telegraphenverwaltung einen unverhältnismäßigen Umfang annehmen und zu einer Verdrängung der männlichen Beamten führen könnte, nach einer Zuschrift an den „Berl. Lok.-Anz." nicht vor. Wie in allen industriellen und anderen Privatbetrieben, bedingt die moderne Technik auch in den Bureaus der kommunalen und Staatsverwaltungen für gewisse Leistungen ausschließlich weibliche Kräfte.
Die Annahmebedingungen für den Beruf der Post- und Telegraphengehilfin sind jetzt erleichtert worden. Falls eine Bewerberin nicht das Reifezeugnis einer Höheren Mädchenschule bezw. einer Handels- oder Fort- mldungsschule besitzt, wird sie zur Feststellung ihrer Kenntniße, die mindestens einer tüchtigen Volksschulbildung entsprechen müssen, einer Prüfung unterzogen. In dieser sind die hinreichende Fähigkeit, richtig zu schreiben und über ein gegebenes Thema einen deutschen Aussatz anzUfertigen sonne ausreichende Kenntnisse im Rechnen und in der Geographie nachzuweisen. Vorbedingung für eine Anstellung ist ferner eine einwandfreie
„Natürlich! Wo soll man schließlich so einen Provinzler, der er trotz allem ist, hinbringen? In einer Weinstube waren wir bis zwei Uhr morgens."
In scherzendem Tone wandte sich seine Tochter an :hn: „Und wie viele Spione habt Ihr gefangen?"
M ^Au^Erlich glaubst nicht daran. Du bist doch stets Klügste. Aber er ist überzeugt. Er glaubt, daß man eigentlich heute noch den Burschen herausfinden müßte, von dem ich betrogen worden war. Ich habe ihm natürlich alles erklärt und gesagt, was durch mich in der Angelegenheit geschehen ist. Leider ohne Erfolg! Dabei hat er Fragen gestellt, an die ich bisher noch nicht ge- da/ht. Schlau! Sehr schlau! Er hat alles wissen wollen. Vielle:cht findet er auch etwas. Ein Unbeteiligter hat gerade in diesen Dingen oft mehr Glück."
Von Marberg war in der besten und frohesten Stim- wung, da er einen Menschen gefunden hatte, der seinen L:eblingsideen nicht nur bereitwillig zugehört, sondern auch noch die gleiche Meinung darüber ausgesprochen hatte.
Berta von Marberg blieb ziemlich wortlos. Robert ^tßfeld war es ausgefallen, daß unter ihren großen, schwarzen Augen dunkle Schatten lagen, die nur die Spuren schlafloser Nächte sind. Sollte seine Kusine lei- dend sein?
Er hatte sich vorgenommen, einmal danach zu fragen, hatte aber bald wieder diesen Vorsatz vergessen. Er hatte außerdem keine lange verfügbare Zeit, da er eben vor der nahen Vollendung seiner Zeichnungen für die Patenterwerbung war.
Deshalb suchte er bald wieder sein Zimmer aus, wo ^"k einem Reißbrett ausgespannt die sehr sorgfältig aus- geführten Zeichnungen waren, während auf dem Schreib- ttsch auf losen Blättern die chemischen Formeln seiner Zprengltoffmischung und die sonstigen Angaben seiner Konstruktionen niedergeschrieben waren.
(Fortsetzung folgt.)