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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld

Wllier Wlatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 24. Donnerstag, den SS Januar 1914.

Bus der Heimat«

* (Die Reisenden auf der Eisenbahn.) Der Eisenbahnminister hat in einem Erlaß an die ihm unterstellten Behörden darauf hingewiesen, daß aus den Kreisen der Reisenden neuerdings Klagen darüber erhoben werden, daß die Beamten (Stations- und Zugbeamten) sich nicht immer, wie gewünscht, um die Unterbringung der Fahrgäste bemühen, und es unterlassen, sie auf Wagen zu verweisen, in denen noch Plätze frei sind. Auch für die Zurechtweisung der Reisenden auf den Bahnhöfen insbesondere beim Eintritt von Aenderungen in der gewöhnlichen Fahr- ordnung werde nicht genügend vorgesorgt, was da­durch zum Ausdruck kommt, daß die Bediensteten es an der erforderlichen Zuvorkommenheit den Reisenden gegenüber fehlen lassen. Weiter sind Klagen darüber erhoben worden, daß die Abfertigung der Züge Ver­spätungen erleidet, da den Reisenden nicht schon vor dem Einlaufen des Zuges die Stelle bezeichnet wird, wo die Durchgangswagen nach bestimmten Stationen und die Wagen der einzelnen Klassen halten. Der Eisenbahnminister weist die Dienststellenvorsteher da­rauf hin, daß sie für das Verhalten der Bediensteten verantwortlich zu machen sind.

* (Paraden und Kaisermanöver 1914.) Zufolge Allerhöchster Bestimmung werden in diesem Jahre die Paraden und Kaisermanöver wie folgt stattfinden: die Parade des Gardekorps am 2. Sep­tember, die des 7. Korps am 5. September bei Münster, die des 8. Korps am 8. September bei Koblenz und die Kaisermanöver in der Zeit vom 14. bis 18. September. Das 11. Armeekorps, das be­kanntlich an dem Kaisermanöver beteiligt sein soll, wird demnach keine Kaiserparade haben. Das war von vornherein auch als das wahrscheinlichste anzu- nehmen. An den Kaisermanövern beteiligen sich be­kanntlich diesmal mindestens vier Armeekorps. Bei allen vier Korps Kaiserparade abzuhalten ist schon wegen der Zeiteinteilung und der späteren Zusammen- ziehung der Korps auf einem Manövergelände recht schwierig.

):( Hersfeld, 28. Januar. Der kürzlich in einer hiesigen Fabrik durch heißen Dampf verbrühte Lehrling ist infolge der dabei erlittenen Ver­letzungen g e st o r b e n.

);( Hersfeld, 28. Januar. Das anläßlich des Ge­burtstages des Kaisers gestern im Hotel Stern stattgefundene Festessen fand unter einer Be­teiligung von ca. 90 Personen statt. Herr Regierungs­rat Von atz feierte Se. Majestät den Kaiser in einer Ansprache und brächte das Kaiserhoch aus. Küche und Keller des Herrn Hoflieferanten R. Kniese boten wieder in altbekannter Weise das Beste. Auch das Festessen in der Lullusquelle fand unter reger Be­teiligung statt. Hier brächte Herr Oberpostsekretär Renke den Kaisertoast aus. Am Abend feierte der Kriegerverein unter starker Beteiligung in der Turnhalle den hohen Geburtstag durch einen Fest­kommers mit musikalischen und theatralischen Auf­führungen. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Herr A u e l, gedachte in kernigen Worten Sr. Majestät des Kaisers und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch. Musik- und Gesangsvorträge wechselten mit turnerischen und theatralischen Aufführungen ab, so daß der Abend einen recht schönen Verlauf nahm und die zahlreichen Gäste noch lange in bester Stim­mung zusammenhielt.

):( Hersfeld, 28. Januar. Herrn Hauptmann Keller, Bezirks-Offizier hier, wurde der Charakter als Major verliehen. Herr Hauptmann von C o n s b r u ch, Lehrer an der hiesigen Kriegsschule, wurde zum überzähligen Major befördert. Herr Hauptmann Weidermann wurde unter Enthebung von seinem Kommando als Jnsp.-Offizier an der hiesigen Kriegsschule in das Feldartillerie-Regt. Prinz- Regent Luitpold von Bayern (Magdeb.) Nr. 4 und Herr Oberleutnant L u d e w i g vom Drag-Regt. Nr. 9 als Jnsp.-Offizier von der Kriegsschule Neiße an die hiesige Kriegsschule versetzt.

):( Hersfeld, 28. Januar. Seit längerer Zeit machte ein hiesiger Handwerksmeister die Wahrneh­mung, daß ihm fortgesetzt Geld aus seiner Kasse fehlte, und zwar meistens an Sonntagen. Der Meister legte sich nun am letzten Sonntag auf die Lauer und erwischte auch glücklich den Dieb in der Person seines Lehrlings. Wie sich dann herausstellte, hatte sich das Bürschchen Nachschlüssel machen lassen und hatte mit noch anderen Lehrlingen, die abwechselnd das Geld entwenden mußten, die Kasse geleert.

-r- Schenklengsfeld, 28. Januar. In würdiger Weise begingen gestern die hier in Schenklengsfeld stationierten Beamten derHersfelderKreis- bahn den Geburtstag Sr. Majestät des

Kaisers in dem festlich geschmückten Wartesaale zweiter Klasse. In einer schwungvollen von Be­geisterung getragenen Ansprache pries Herr Bahnhofs­vorsteher Mack Se. Majestät den Kaiser und brächte ein Hoch auf denselben aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Die Feier verlief in der schönsten Art und Weise und hielt die Festteilnehmer in gemütlichster Stimmung beisammen.

-h- Mengshausen, 27. Jan. Bekanntlich werden auf Anregen des Königlichen Landratsamtes zu Hers- felü in allen größeren Orten des Kreises Licht- bildervorträge gehalten. Auch hier fand am 26. d. Mts. ein Lichtbilderabend statt. Mit der Vorführung konnte man recht zufrieden sein. Der Apparat zeigte die Bilder klar und deutlich. Auch Herr Pfarrer Jacob bemühte sich, auf recht ver­ständliche Weise die Bilder zu erklären, sodaß alle An­wesenden einen Gewinn davon hatten. Bei ein­schlägigen Bildern wurden von Schülern Gedichte vorgetragen und zum Gedächtnis an die edle Königin Luise das Lied gesungen:Die Halm und Aehren winken." Die Neuerung, auf den Dörfern Lichtbilder- abende zu veranstalten, kann nur freudig begrüßt werden.

Aus der Rhön, 26. Januar. In der Nähe von Brückenau verunglückte der verheiratete Fuhrmann Joseph Ziegler beim Holzfahren in gräßlicher Weise. Auf einer eisigen Stelle kam das Gefährt ins Rutschen, Ziegler wurde dabei von einem Pferde getreten und zu Fall gebracht. Durch einen zweiten Hufschlag wurde ihm die linke Hand vollständig durchschlagen. Nun kam Ziegler unter das Holzfuhrwerk, erlitt einen komplizierten Beinbruch und wurde am anderen Bein, an den Schultern und an sonstigen Körperstellen erheblich verletzt.

Fulda, 26. Januar. Der Rangierer Röffert von Hanau, dem kurz vor Weihnachten auf dem hiesigen Bahnhof beim Rangieren beide Beine abgefahren wurden, ist im hiesigen Landkrankenhaus seinen Ser/ letzungen erlegen. Der Verunglückte war erst 85 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe und fünf un­mündige Kindern.

Caffel, 28. Januar. Zum Nachfolger des als Generalleutnant und Kommandeur der 18. Division nach Flensburg beförderten Generalmajors von Kluge wurde Oberst Gronau, der bisherige Komman­deur des vierten Garde-Feldartillerie-Regiments, zum Kommandeur der 22. Feldartillerie-Brigade in Caffel ernannt.

Marburg, 26. Januar. Unter einem eigenartigen Mißgeschick hatte der gestern abend von den ver­einigten hiesigen Kriegervereinen in den Stadtsälen veranstaltete Kommers zur Feier des Geburtstages des Kaisers zu leiden. Trotz der vorgeschrittenen Zeit wurde der Kommers nicht begonnen, bis der Leiter der Veranstaltung die überraschende Mitteilung machte, daß infolge eines Mißverständnisses die bestellte Jägerkapelle ausgeblieben und eine andere Musik nicht aufzutreiben sei. Der hiesige Gesangverein Liederkranz sorgte daher durch gediegene Darbietungen für musikalische Unterhaltung.

Arolsen, 26. Januar. Der Kommandeur des in Arolsen garnisonierenden 3. Bataillons des Infan­terie-Regiments Nr. 83, Oberstleutnant von Soden- stern, chat einen an ihn ergangenen Ruf, die Leitung einer türkischen Kriegsschule in Konstantinopel zu über­nehmen, angenommen.

Eisenach, 27. Jan. Eine eigenartige Freundschaft schloß ein hungriger Hirsch mit einem Esel auf dem Dreiherrnstein bei Brotterode. Dort steht eine den Rennsteigwandern wohlbekannte Bergschänke. Vom Hunger gequält nahte sich ihr jüngst ein Hirsch und machte sich bald freundschaftlichst an einen Esel heran, der dem Wirte des Gasthauses gehörte. Merkwür­digerweise ließ er sich auch mit diesem gemeinsam in den Stall treiben, wo er dem Futter, das man ihm bot, reichlich zusprach. Bald hatte er sich jedoch über­fressen, so daß er dem Verenden nahe war und ge­tötet werden mußte.

Aus dem Vogelsberg, 26. Jan. Bei Frischborn stürzte einer der Tannenzapfenbrecher, die gegenwärtig für eine Thüringer Firma in den Waldungen des hohen Vogelsberges ihr Handwerk ausüben, aus einem Baume ab und war auf der Stelle tot

Eschwege, 27. Januar. Die Veruntreuungen des Kafsenassistenten Friedrich Hofmeister sind doch noch größer, als man angenommen hatte. Es hat sich in der von ihm verwalteten Krankenkasse 8 noch ein Fehlbetrag von 2000 Mk. herausgestellt. Bei einer nochmaligen Revision der Bücher hat sich ergeben, daß Hofmeister einen Posten von 2000 Mk. in Ausgabe gestellt hat, der in Wirklichkeit gar nicht ausgegeben ist. Hofmeister hat es verstanden, durch Schiebungen diese Veruntreuungen zu verdecken.

Aus Thüringen, 26. Jan. Gutsbesitzer Koch in Karlsdorf bei Weida in Thüringen hatte vor Jahren mit einem jungen Hunde ein Reh aufgezogen. Später war dann bei dem Reh der Freiheitsdrang erwacht, und eines Tages war es verschwunden. Darüber sind zwei Jahre vergangen. Die jetzige Kälte hat dem Tiere jedenfalls die Erinnerungen an die empfangenen Wohltaten im Kochschen Hause aufgefrischt. Es war schon einige Tage am Gartenzaun beobachtet worden. Der tierfreundliche Besitzer ließ nun nachts die Scheunentür öffnen, um dem Reh Unterschlupf zu geben. Aber davon machte es keinen Gebrauch. Kurz entschlossen setzte es, als die Kälte immer mehr zu- nahm, über den Gartenzaun und trottete in die Wohn­stube, wo es seinen früheren Platz auf dem Sofa wieder einnahm. Auch der Hund erkannte den früheren Spielkameraden wieder und zeigte über sein Erscheinen lebhafte Freude.

Hemfurth. 27. Januar. Der bet der Drahtseilbahn beschäftigte Monteur Böhmer stürzte bei einem Aus­flug von einem Felsen aus nahezu 20 m Höhe ab und erlitt schwere Verletzungen.

Jmmenhausen, 27. Januar. Der Maurer Friedrich Siebert, dem am Sonnabend im Reinhardswald durch einen auf ihn stürzenden Baum der Schädel zer­trümmert und das Gehirn bloßgelegt wurde, ist infolge der schweren Verletzungen im Krankenhause Wolfs­anger bei Caffel gestorben.

Schönstein, 27. Januar. Einer seltsamen, plötzlich aufgetretenen Halsschwellung ist der in den besten Mannesjahrcn stehende und seit kurzerZeit verheiratete Förster Bosse von hier zum Opfer gefallen. Kaum von dem in Jesbera stattgefundenen Holztermin nach Hause gekommen, klagte er über Halsschmerzen, die ihm so arg zusetzten, daß eiligst Dr. S. aus Treysa geholt werden mußte. Dieser nahm im Beisein des Dr. H. aus Jesberg den Luftröhrenschnitt vor, der auch sehr gut gelang. Der Bedauernswerte erlitt aber einen Blutsturz, der seinem Leben ein jähes Ziel setzte.

Burgsinn, 26. Januar. In dem Dampfsägewerk der Firma Fidel Fischer und Sohn in Fellen kam die 17jährige Maria Katzenberger aus Aura mit ihrem Kopfe der Transmission zu nahe, wurde bei den Haaren von derselben erfaßt, so daß ihr fast sämtliche Haare mit der Kopfhaut herausgerissen wurden. Die Bedauernswerte wurde ins Distrtktskrankenhaus Gemünden verbracht.

Lengenfeld u. St., 26. Januar. In der hiesigen Filiale der Zigarrenfabrik Bernholm & Schmidt Leipzig, auf dem Grundstück des Buchbinders Har- öegen, wurde in der Nacht zum Sonntag ein Einbruch verübt. Es wurden an fertigen Zigarren etwa 58000 Stück gestohlen. Bis jetzt ist der Täter noch unbe­kannt.

Ladenbnrg, 27. Januar. Der 13 Jahre alte Sohn des Straßenwarts Sauer von hier geriet gestern nach­mittag beim Spiel auf einer Eisplatte am Neckar durch Loslösen derselben in den Strom. Die Eisplatte war aber nicht tragfähig genug, sie zersprang und der Junge versank vor den Augen der um seine Rettung bemühten Leute in den Wellen.

Gieße«, 27. Januar. In Ockstadt versuchte der Knecht Karl Weber und dessen Geliebte ihre Dienst­herrschaft, den Landwirt Meuser und seine Familie zu vergiften, weil sie ihr Liebesverhältnis nicht dulden wollte. Da die Kinder die Annahme der mit Gift vermischten Speisen verweigerten, wurden diese unter­sucht und ein starker Zusatz von Salzsäure festgestellt. Das Mädchen wurde in ihrer Heimat Dillenburg ver­haftet. Es gab an, daß der Knecht der Urheber des Anschlags fei; der Knecht leugnet jedoch hartnäckig.

Bad Nauheim, 26. Januar. Die Stadtverwaltung will eine neue Kanalisation für zwei Million Mark durchführen. Da an den Vorteilen dieser kostspieligen Anlage das dem Staat gehörige Bad teilnehmen wird, hat sich die Gemeinde an die hessische Regierung ge­wandt, um eine entsprechende Verteilung der Lasten zwischen Staat und Stadt zu erreichen.

Eingesandt.

Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.

In der gestrigen Nummer der Hersf. Ztg. ist der Bau, welcher den Platz am Rainchen schmücken soll, abgebildet, und man kann nur sagen, daß der neue Bau sich dem alten sehr gut anpaßt. Es ist vieles darin vorgesehen und es wäre vielleicht auch noch möglich, einem allgemein geäußerten Wunsche bei dieser Gelegenheit nachzukommen und an dieser Stelle, wo der Hauptverkehr ist, eine öffentliche Bedürfnis­anstalt zu errichten. L.