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Ventzelos in Berlin.

Anleiheversuche Griechenlands.

Der griechische Ministerpräsident Benizelos, der eine Hauptrolle in den Umwälzungen auf der Balkan- Halbinsel spielte und jetzt die Aufgabe lösen muß, das vergrößerte Vaterland gegen Angriffe zu sichern und wirtschaftlich auf feste Grundlagen zu stellen, hat auf seiner europäischen Rundreise auch am Strande der Spree Einkehr gehalten. Er traf hier auf fröhliche Festes­stimmung, und es war ihm vergönnt, an der Kaiser­lichen Geburtstagsfeier teilzunehmen. Die Königin der Griechen, die Schwester des Deutschen Kaisers, weilte schon seit einigen Tagen in Berlin und konnte einen freundlichen Empfang des griechischen Staats- mannes vorbereiten. Bentzelos hat eine vorzügliche Aufnahme in Berlin gefunden, obwohl er aus diploma- tischen Gründen bemüht war, Wasser in den Wein zu schütten, der im verflossenen Herbst von dem Griechen- könig auf die Bedeutung des deutschen Heeres getrun­ken wurde. Da Bentzelos Rom, Paris und London be­reits besucht hat und seinen Weg nach Petersburg nimmt, so konnte er nicht gut an der deutschen Reichs- bauptstadt vorliberreisen, ohne hier eine persönliche Rücksprache zu nehmen. n

Es kann wohl kaum einem Zweifel obliegen, day der Kreter immer in erster Linie beflissen war, seinen Hauptstützpunkt beim Dreiverband zu suchen, und er hat seine Zwecke damit im vollen Umfange erreicht. Da es sich für Griechenland jetzt darum handelt, die letzten Folgerungen aus seinen Siegen zu ziehen und mög­lichst viele türkische Inseln auf friedlichem Wege in sei­nen dauernden Besitz zu bringen, so sucht -der schlaue Grieche auch seine Arme nach der zweiten europäischen Mächtegruppe auszustrecken, um alle Hindernisse für seine Politik der Umschlingungdes Gesamtgriechentums aus dem Wege zu räumen. Benizelos wendet sich an ganz Europa und rückt dessen oft erklärte gemeinsame Interessen in den Vordergrund seines Programms. Dem kriegslustigen Enver Pascha verdirbt Bentzelos das Konzept gründlich, denn man ist in den Mittel­punkten der europäischen Politik nicht geneigt, einen abermaligen Brand im Südosten unseres Weltteiles zum Ausbruch kommen zu lasten.

Der König von Griechenland hat in Berlin einen günstigen Boden für die Aufnahme griechischer Wünsche geschaffen. Benizelos sucht jetzt die Früchte zu ernten. Außer mit dem Deutschen Kaiser und dem Auswärtigen Amte will der griechische Ministerpräsident mit dem deutschen Kapitalmärkte Fühlung nehmen. Der Abschluß einer Pariser Anleihe von 5000 Millionen Francs ge­nügt den geldbedürftigen Griechen noch nicht, sie möch­ten auch die deutschen Börsen noch etwas erleichtern. Ob die Absichten des Herrn Benizelos mit den jüngst geäußerten Sorgen des Reichsbankpräsiöenten zu ver­einigen sind, wird sich erst herausstellen müssen. Herr Havenstein ist der Ansicht, daß Deutschland nicht zu viel Kredit Leben darf — der uns in Zeiten der Krise oder eines Krieges gefährlich werden könnte. Aus solchen Bedenken ergebe sich die Zurückhaltung der Reichsbank und ihr Bemühen, fortgesetzt den Goldbestand, der die Grundlage aller Gelbbewegung sein muß, dauernd zu erhöhen.

Die griechischen Finanzverhältnisse liegen sehr im Argen. Die direkten Steuern in Griechenland sind sehr gering, während die indirekten Steuern äußerst drückend sind. Das Volk hat diese Steuern von den dringendsten Bedarfsartikeln zu entrichten. Es ist daher die Aufgabe der griechischen Regierung, eine Heilung der griechi­schen Finanzwirtschaft in Angriff zn nehmen. Bis dies geschehen ist, flößen die wirtschaftlichen Verhältnisse Griechenlands kein besonderes Vertrauen ein. Daß ein bulgarisch-türkisches Bündnis im Anzüge ist — wel­ches seine Spitze nach Griechenland richtet, unterliegt keinem Zweifel. Einmal werden die Griechen ihre Er­werbung voraussichtlich noch verteidigen müssen. Un­ter allen diesen Umständen wird sich der deutsche Gelö- tüBer Griechenland etwas spröde verhalten.

markt gegen Benizelos n

wird die politischen Kreise Deutschlands in erster Linie von der Aufrichtigkeit der Gefühle Griechen­lands für das Deutsche Reich überzeugen müssen, bevor dies sich sür seine finanziellen Pläne interessiert. Es wird sich bald zeigen, in welchem Matze dies dem Mi­nisterpräsidenten bet seinem jetzigen Aufenthalte in Berlin gelungen ist.

Bayerns Glückwunsch ein lreues Bekenntnis zum Reich.

Die „Bayerische Staatszeitung" bringt einen offi­ziösen Artikel mit der Ueberschrift „Dem Kaiser", in welchem es heißt:

„Die Feier seines 25jährigen Regierungsjubiläums hat vor der ganzen Welt sichtbares Zeugnis davon ab­gelegt, welche reiche Ernte dem Kaiser aus der Saat hin­gebender Pflichterfüllung und umfassender Tätigkeit er­blüht ist, die er, den Blick unverrückbar auf die der Na­

tion gewidmeten großen Interessen gerichtet, auSgesät hat. An diesem denkwürdigen Tage, dem auch das Aus- land seine sympathische Anteilnahme bezeugte, ist das Bewußtsein der unlöslichen Zusammengehörigkeit, in dem die deutschen Bundesfürsten und Stämme sich ver­bunden fühlen, klar und freudig zum Ausdruck gekom­men. Der Ernst, mit dem die gesamte öffentliche Mei­nung sich zu diesem nationalen Empfinden bekannte, be­wies auch, daß die auf dem Schlachtfelde der Jahre 1870/71 in gemeinsamem, opfervollem Ringen erstrebte Eintracht niemand mit einem Eintagserfolg wird ver­gleichen können.

Dieses Bewußtsein unserer nationalen Stärke und inneren Geschlossenheit hat bei den Gedächtnisfeiern für 1813 wiederholt eine Belebung und Bekräftigung er­fahren. Im Zusammenhang damit ist anläßlich der Ver­abschiedung der Wehrvorlage der unbeugsame Wille Deutschlands zum Ausdruck gekommen, das mit so gro­ßen Opfern errungene Gut der nationalen Einigung gegen jeden Eingriff und gegen jede feindliche Konstel­lation zu schützen. Deutschland hat sich gewöhnt, im Kaiser den treuen Hort nicht nur unserer nationalen Einigung, sondern auch der verfassungsmäßigen Selb- ständigkeit der Bundesstaaten zu erblicken. Alle Gaue und Stämme des deutschen Vaterlandes entbieten daher dem Kaiser heute den Gruß vertrauensvoller Treue und Ergebenheit. Mit an erster Stelle steht unter ihnen das bayrische Volk mit seinem geliebten König. Es begleitet den Geburtstag des Kaisers mit dem von Herzen kom­menden Wunsch: Gott schütze, Gott segne und erhalte unsern Kaiser."

Politische Rundschau.

Graf Hertling über die Rüstungen. Der bayerische Ministerpräsident Graf Hertling hatte, wie aus London gemeldet wird, eilte Unterredung mit einem Spezialbe- richterstatter des „Daily Chronicle". Nach Mitteilung dieses Blattes sagte er in einem Gespräch über die Rü­stungsfrage, jeder mutige Staatsmann müsse anerken­nen, daß die wachsenden Rüstungen der europäischen Völker diesen solche Lasten aufbürden, daß in naher Zu­kunft eine finanzielle Krise drohe.

Ein neuer Antrag über die Abschaffung der Mili­tärgerichtsbarkeit. Die Fortschrittliche Volkspartei des Reichstages hat den Antrag gestellt, den sozialdemokra­tischen Antrag auf Abschaffung der Militärgerichtsbar­keit in der Form anzunehmen, daß die aktiven Militär­personen der bürgerlichen Strafgerichtsbarkeit bei straf­baren Handlungen unterstellt werden, die keine militä­rischen Verbrechen oder Vergehen sind, während für mi­litärisch stra bare Handlungen die Militärgerichtsbarkeit erhalten ble ben soll.

Eine erfolgreiche Maßnahme int Elsaß. Der neue Korpsbefehl des Kommandierenden Generals v. Deim- ling, wonach alle Lokale für Offiziere verboten sind, in denen Hetzblätter, wie der „Nouvelliste", das „Journal d'Alsace-Lorraine" usw. aufliegen, hat schon Wunder ge­tan. Ein großes Casee in Straßburg hat seinen Gästen erklärt, daß es diese Blätter nicht mehr halte: ein an­deres großes Casee beabsichtigt dem Beispiel zu folgen, weil man die Offizierskundschaft nicht gerne verlieren will.

Der Kampf um die Ostmarkenzulage. Während das Zentrum den Ostmarkenzulagen in jeder Form grund­sätzlich abgeneigt ist, wird von den Konservativen, den Nationalliberalen und der Fortschrittlichen Volksparkei ein Antrag aus Bewilligung der Ostmarkenzulage vor­bereitet, die laut der „Tgl. Rdsch." deu Zweck hat, der Regierung Gelegenheit zur Verteidigung dieser Vorlage zu geben.

Neue Generalobersten. Aus Anlaß des Geburts­tages des Kaisers sind die Generalinspekteure v. Hee­ringen und v. Kluck und der Generalstabsches v. Moltke zu Generalobersten befördert worden.

Kein Ankauf deutscher Panzerkreuzer durch die Türkei. Die von Petersburger Blättern verbreiteten Meldungen, daß die Türkei die neuen deutschen Panzer­kreuzer „Moltke" und „Göben" erworben habe, werdet, von zuständiger Seite als völlig unzutreffend bezeichnet. Es schweben nicht einmal Verhandlungen in diesem Sinne und es ist von türkischer Seite auch nicht einmal der Wunsch, diese Schiffe zu erwerben, geäußert worden.

Eine italienische Lnftslotte. Die italienische Heeres­verwaltung ist zurzeit eifrig mit der Schaffung einer Luftflotte für die Armee beschäftigt. Es ist bereits mit dem Bau von vier Ballons starren Systems von je 30 000 Kubikmeter begonnen worden. Der Ausbau der Luftflotte soll systematisch in der Weise fortgesetzt wer­den, daß sich Italien gegen Ende des Jahres im Besitz von sieben lenkbaren Luftschiffen befindet.

König Mfons will eine längere Auslandsreise unternehmen. Wie aus Paris gemeldet wird, hat König Alfons von Spanien während seines jüngsten Pariser Aufenthalts vertraulich mitgeteilt, daß ihm die Aerzte wegen seines Nasenleidens eine mehrwöchentliche See­

reise empfohlen haben, und daß er deshalb an einen Bs« such Argentiniens denke. Die Monate Juni und Juli sind für diese Reise bestimmt, an der der Ministerprä­sident und der Minister des Aeutzeren teilnehmen sollen. Es ist noch nicht bestimmt, wer in Madrid während der Abwesenheit des Königs, die etwa zwei Monate dauern dürfte, die Regentschaft führen wird.

Kleine Ilsldiricfifeii»

Ein Vermächtnis für den Kaiser. Der Kunstmaler Bahldick in Eutin vermachte letztwilltg dem Kaiser ein« halbe Million Mark zum Ausbau der Seemacht.

Ein neues Erholungsheim des Kaisers. Wie das „B. T." erfährt, wird der Kaiser unmittelbar neben dem Kindererholungsheim in Ahlbeck ein zweites Erholungs­heim erbauen lassen, das für Berliner Arbeiterinnen be­stimmt ist. Dieses wird für etwa 50 bis 60 erholungs­bedürftige Mädchen und Frauen aus dem arbeitenden Stande Platz haben.

Der größte Fleischereibetrieb Europas befindet sich / nicht etwa in einer Weltstadt, sondern in Essen. Zur Deckung des Riesenbedarfs für die Kantinen der Firma Krupp waren im verflossenen Jahre erforderlich: 2870 Stück Ochsen, Kühe und Rinder, 1434 Stück Bullen, 3071 Stück Kälber, 29 868 Stück Schweine und 1509 Stück Hammel. Im einzelnen verkaufte die Konsumanstalt 1460 000 Kilogramm Fleisch, 420 000 Kilogramm Speck, und neben anderen Wurstwaren 954 375 Stück Knack­würste. Ftir den Verkauf und die Zubereitung der Fleisch- und Wurstwaren sind 258 Personen tätig.

Ein Denkmal König Eduards in Paris. Montag nachmittag wurde in Paris das von einer Baugesell- schaft für die neue Eduarö-Vli.-Stratze gestiftete Reiter­standbild des verstorbenen Königs Eduard enthüllt.

Ein spanischer Militärflieger abgestürzt. Auf dem Militärflugplätze bei Madrid stürzte der Leutnant Ma- ximo Ramos, ein Sohn des Generals Ramos, aus einer Höhe von 300 Meter ab. Er war sofort tot.

Acht Personen durch Gas vergiftet. Ein schwerer Unglücksfall wurde in Marseille durch den Bruch einer Gasleitung verursacht. In einem Hause an der Rue Radeau wurden acht Personen bewußtlos aufgefunöen. Herbeigeeilte Aerzte konnten bei drei von ihnen nur den Tod feststellen. Die übrigen fünf befinden sich in Lebens­gefahr.

Explosion an Bord der „Mauretania". Montag abend entstand an Bord des großen englischen Dampfers „Mauretania" der in Liverpool im Dock liegt, eine Ex­plosion, durch die mehrere Personen verletzt wurden.

Vom Eise eingeschlossene Dampfer. Die Eisbrecher „Jermak" und „Wladimir" sind mit vier Damvfern in Riga eingelaufen. Zwanzig weitere Danrpfer stnd noch vom Eis eingeschlossen und befinden sich in Gefahr. Auf dem Meere herrscht ein heftiger Südweststurm.

Nachdem er Gift getrunken hatte, erschoß sich in ei­nem Hotel zu Luxemburg der Telegraphentnspektor Thielen aus Metz. Beträchtliche Unterschlagungen im Amt sollen die Ursache des Selbstmordes sein.

Millionennnterschlagnngen eines Pariser Bankiers. Der Bankier Jermain in Paris wurde wegen großer Unterschlagungen, die sich auf mehrere Millionen er- strecken sollen, verhaftet.

der Uebersall auf Heu-Mecklenburg.

Ueber die auch von uns seinerzeit gemeldeten Mord­taten in Neuguinea werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt:

Der Oberförster Deininger brach am 11. Dezember in Begleitung des Forstassessors Kempf von der im Sü­den von Neu-Mecklenburg gelegenen Regierungsstation Namatanai auf. Die Expedition war begleitet von elf schwarzen Polizeisoldaten und dreißig Trägern. Als man das Waldgebirge erreicht hatte, war alles ruhig. Es fiel höchstens auf, daß von den Eingeborenen unauf­hörlich große Signaltrommeln gerührt wurden. Die eingeborenen Träger, Leute aus den Küstendörfern, er­klärten, baß ihre Landsleute einen großen Festschmaus veranstalteten und durch das Trommeln ihre Freunde herbeirufen wollten.

Die Expedition hatte, da ihr die Friedlichkeit der Bevölkerung außer Zweifel stand, keine besonderen Si­cherheitsmaßregeln getroffen. Am 13., morgens 9 Uhr, erfolgte unerwartet ein Ueberfall. Die vier Polizeisol- daten der Spitze wurden durch Speerwürfe sofort ge­tötet. Der dahinter marschierende Oberförster Deintn- ger wurde, ehe er seine Browningpistole ziehen konnte, von zwei Eingeborenen festgehalten und mit einem Beil­hieb auf den Kopf niedergeschlagen. Die Wunde war ungefährlich, da er nur von dem Beilstiel getroffen wurde. Einer der Angreifer war der erst vor einigen Monaten von der Regierung eingesetzte Dorfhäuptling. Es gelang Deininger, dem Häuptling einen so furcht­baren Fußtritt gegen den Magen zu versetzen, daß er bewußtlos zusammenbrach. Der zweite Angreifer wurde von einem Polizeisoldaten erschossen. Forstassessor Kempf blieb unverletzt.

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

25) (Nachdruck verboten.)

Aber Robert Hatzfeld war durch diese Erklärung nicht klüger geworden.

„Ich kann darin seinen Sinn finden. Es geschieht doch nichts, das nicBt einem Ziele zustrebte?"

„Ein anderes Ziel kenne ich bei ihr nicht: nur das habe ich erkannt, datz sie gegen alle dann wieder teil- nahmölos und kühl wird, wenn sich erst einer zu einem leidenschaftlichen Geständnis hatte hinreitzen lassen. Sie betört ja alle, daß sie an nichts anderes mehr glauben als an ihre Liebe."

„War nicht auch mein Onkel einmal darunter?"

„Exzellenz von Marberg? Ja! Damals sehlte er nie bei uns: auch wir waren wiederholt eingeladen."

Und Robert Hatzfelds Urteil sah in der Baronin von Theben ein Weib, das kein Herz besaß, sondern nur einen maßlos gesteigerte,l Ehrgeiz: deshalb wollte sie alle vor ihrer Schönheit nieberzwingen, ohne einen zu erhören. An eine andere Möglichkeit dachte er nicht. Daß ihre Tochter ein anderes Herz besaß, daß sie yin- gebende Liebe entgegenbringen konnte, das wußte er. Und Mia von Theben sollte seine kleine Frau werben.

Was ihn etwas überrascht hatte, war die Beobach­tung, daß die Geliebte nie von ihrem Vater etwas er­zählte. Und als er danach fragte, erklärte sie ihm, daß sie diesen nie gekannt habe, und daß er vielleicht schon bald nach ihrer Geburt gestorben sei, wovon aber ihre Mutter nie etwas erzählt.

So wußten die beiden immer über neue Dinge zu plaudern und waren dabei selig, daß sie sich sehen durf­ten, daß die Hoffnung ihr Leben begleitete und ver­schönte.

Stets gingen sie voneinander mit einem Händedruck und feinem: «WiMrktzrv auf morgen!«

Die beiden waren in ihrem jungen Glück so sorglos, daß sie an keine Gefahr dachten, nur an ein Weiter­blühen, an ein immerwährendes Bestehen dieses Glückes glaubten.

Und da sie wieder voneinandergingen, während sein Blick sie noch begleitete, bis sie in die Rauchstraße ver­schwand, trat plötzlich eine Gestalt dicht an ihn heran, und eine fremde Stimme schreckte ihn auf: „Herr Hatz­feld! Sie sind immer noch in Berlin?"

Er hatte den Kopf dem Sprecher zugewandt und diesen sofort erkannt. Es war Michael Purgstaller.

Er begrüßte ihn sofort und stellte die Gegenfrage: „Wie aber kamen Sie nach Berlin?"

„Natürlich mit der Bahn. Vom Scherze übrigens abgesehen, ich will auch Berlin einmal kennen lernen. Seit drei Tagen bin ich bereits hier."

„So lange schon?" Die beiden schritten nebenein­ander weiter. „Sind Sie denn mit Berlin zufrieden?"

„O ja! So gründliche Kenntnisse will ich mir ja nicht erwerben, wie es durch Sie geschehen ist. Ich hatte Sie schon beobachtet. Darf man gratulieren?"

„Wozu?"

„Zu Ihren, Erfolge!"

„Woher wissen Sie, daß die Regierung zu kaufen bereit ist?"

„Ei, sieh mal an! Also auch dabei ein junger Sie­ger! Nein, gemeint habe ich etwas anderes. Jene zier­liche, elegante Dame, um die Sie wohl mancher beneiden dürfte."

„Ach so!"

Mehr antwortete er nicht: er verspürte gar keine Lust, etwas darüber auszuplaudern.

Michael Purgstaller aber besaß soviel Menschen- kenntnis, diese Stimmung zu erkennen, und er sprang deshalb sofort auf ein anderes Thema üBer, das eben durch eine der letzten Bemerkungen Hatzfelds so nahe- liegend wgr.

„Ihre Erfindung hat sich also vollends bewährt?" „Ja!"

„So werden Sie wohl nicht mehr lange hierbleiben?"

„Ich bin erst mit den notwendigen Zeichnungen und Beschreibungen für die Patenterwerbung beschäftigt: wenn diese ausgefertigt in meinem Besitze sein wird, erfolgt sofort die Unterzeichnung der Kanfbedingungen."

„Da haben Sie immer noch ein paar Wochen hier zu bleiben."

„Allerdings."

„Wohnen Sie im Hotel?"

„Nein! Ich bin Gast Bet meinem Onkel, dem Ge­neral a. D. von Marberg."

Der Name überraschte Purgstaller, da er dadurch die Möglichkeit am nächsten sah, der er entgegenstrebte, unö erfragte: „Ist das jener General von Marberg. der ein Opfer der englischen Spione war?"

„Ja! Was wissen Sie davon?"

„Sie wissen doch, daß ich mich aus Liebhaberei, so, wie ein anderer Marken sammelt, mit solchen inter- efmnten Fällen beschäftige. Ich hatte Ihnen doch schon einmal von meinen Ansichten über das Agentenwesen erzählt."

„Ja, damals im Klub, vor meiner Abreise."

„Richtig!"

. "Da sollten Sie erst mal mit meinem Onkel darüber sprechen. Wenn er davon reden darf, ist er gar nicht mehr zum Schweigen zu bringen."

„Aber weiß er deshalb, wer an ihm zum Verräter geworden war?"

„Nein! Aber er grübelt über nichts anderes nach." . , "Dann möchte ich ihn wirklich einmal hören. Mich interessiert der Stoff, die Materie. Wenn ich damit von v?el verlange, so würde ich Sie schon er« so ßauz zufällig die Bekarmtschasj Ihres Onkels machen dürfte."

(Fortsetzung folgt.)