Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Amtlicher Anzeiger
I Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * » «i
' ^gen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei
। Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 ’
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.
* Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 33.
Mittwoch, den 38. Januar
1914.
Bus der Heimat.
* (18. Thüringer F l ot t e n f a h r t.) Die Ortsgruppe EisenachdesDeutschenFlotten-Vereins ver- anstaltet im kommenden Sommer ihre 18. Fahrt an die Wasserkante undzwarnachBremen,Wilhelmshaven, Helgoland, Hamburg, Friedrichsruh, Lübeck, Kiel vom 17.—23. Juli. Preis 66 Mk. Bis jetzt wurden von Eisenach aus an die Wasserkante geführt: 4003 Personen (darunter 769 Damen.) Reisepläne wolle man gefl. von der Ortsgruppe Eisenach des Deutschen Flotten-Vereins, Wernickstraße 12, einfordern.
* (Die Tragweise von Ehrenzeichen. Es ist eine neue Verfügung an die Beamtenschaft ergangen über die Art und Weise, wie die neugeschaffenen Dienstauszeichnungen zu tragen sind. Die Verfügung besagt darüber folgendes: Sie sind an der Ordensschnalle vor den Kriegsdenkmünzen anzu- bringen. Die Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse findet in ihrer neuen Gestalt ihren Platz unmittelbar hinter der Dienstauszeichnung für den Dienst im aktiven Heere. Hinter der Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse sind nunmehr die Rote Adler-Medaille, die Kronenorden - Medaille und die Kriegerverdienstmedaille in dieser Reihenfolge an der Ordensschnalle zu tragen.
-s- Hersfeld, 27. Januar. Bei der am vergangenen Sonntag zu Fulda stattgefundenen Militär- Brieftauben-Ausstellung errangen von den hiesigen Vereinen die folgenden Preise; Kl. 1 Herr Hrch. Serfltng den 10. Preis, Klasse 3 derselbe den 1. Preis, Klasse 3 Herr Hrch. Schleicher den 2. Preis, Klasse 5 (Schönheitstiere) Herr Hans Siebert den 1. Preis und Herr Hrch. Schleicher den 6. Preist
):( Hersfeld, 27. Januar. Der Geburtstag unseres Kaisers wurde auch in diesem Jahre wieder in allen Kreisen der Bevölkerung festlich begangen. Nachdem bereits am Sonnabend abend der Evang. Arbeiterverein im Hotel Stern eine Feier abgehalten hatte, folgten am Sonntag der Postunterbeamtenverein im Hotel Stern und der Eisenbahnbeamtenverein in der Turnhalle mit ihren Feiern. Die Kriegsschule beging den Geburtstag ihres obersten Kriegsherrn am gestrigen Abend in festlicher Weise. Während in der evangelischen Kirche bereits am Sonntag der Festgottesdienst stattgefunden hatte, wurde derselbe heute vormittag in der katholischen Kirche abgehalten. In sämtlichen Schulen fanden Feiern statt. In der Aula des Königlichen Gymnasiums hatten sich zahlreiche Vertreter der Behörden, Bürgerschaft und Angehörige der Schüler zu einem öffentlichen Festakt versammelt, bei welchem Herr Oberlehrer Kropp die Festrede hielt. Auch im städtischen Lyzeum fand eine öffentliche Feier statt. Die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser hatten geflaggt. Am nachmittag fand im Hotel Stern ein Festmahl statt, an welchem die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, sowie zahlreiche Bürger teilnahmen. Herr Regierungsrat Dr. Bonatz brächte hierbei das Kaiserhoch aus. Bei dem Festessen in der „Lullus- quelle", an welchem ca. 45 Personen teilnahmen, hielt Herr Lehrer Heeger die Festrede.
hiesigen Kgl. Katasterinspektors Rübe aus Unvorsichtigkeit auf der Fulda in eine offene Stelle. Trotz tatkräftiger Hilfe seitens einiger Lehrer gelang es nicht, den Knaben zu retten. Er wurde unter die dicke Eisdecke getrieben und ertrank; die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.
Caffel, 26. Januar. Daß Ehrlichkeit nicht immer belohnt wird, wo es am Platze wäre, dafür spricht wieder ein tatsächliches Vorkommnis, das hier viel besprochen wird. Ein reicher Rentner, dessen Vermögen mehrere Hunderttausende von Mark beträgt, kam gestern Morgen vom Bankhause und spazierte die Königstraße hinauf, an der Ecke der Fünffensterstraße verlor er seine mit Banknoten vollgespickte Brieftasche, ohne daß er es bemerkte. Ein armer
Mann, der zufällig hinter ihm her ging, sah es von weitem, hob die Brieftasche auf, lief hinter ihm h und überreichte sie dem Besitzer. Dabei bemerkte d ehrliche Finder, daß die durch den Fall aufgesprungene Brieftasche mehrere Päckchen Hundert- und Tausend-
er
er
markscheine enthielt. Der Kapitalist nahm den Fund mit den Worten in Empfang: „Ja, das kann einem alten Mann von 70 Jahren passieren", drehte sich um und ging ohne ein Wort des Dankes und ohne Trinkgeld und Finderlohn zu geben, von dannen. Der drastische Vorfall wird dadurch noch verschärft, daß der ehrliche Finder ein armer Handwerksgeselle und Vater von sieben Kindern, der reiche Mann aber ein kinderloser Junggeselle ist.
derartige Beschleunigung erfahren, daß es schon zum Pfingstfeste seiner neuen Bestimmung übergeben werden kann.
Wetzlar, 25. Januar. Heute früh 5V« Uhr wurden in Wetzlar wie in den Nachbargemeinden Erschütte-
wie in den Nachbargemeinden Erschütterungen, verbunden mit donnerartigem Geräusch wahr
genommen. Die Erschütterungen und das Geräusch waren so stark, daß die Leute besorgt die Betten verließen. Wie es sich später herausstellte, handelte es sich um eine Explosion auf der den Buderuswerken gehörigen Sofienhütte, die dadurch entstanden war, daß glühendes Eisen in das Kühlwasser gelaufen war, ein nicht seltener Vorgang, der diesmal mit besonderer Heftigkeit auftrat, sodaß die Explosion stundenweit gehört und verspürt wurde. Verunglückt ist niemand; auch ist kein Schaden angerichtet worden.
Friedberg, 24. Januar. Einen Selbstmord, wie er nicht alltäglich vorkommen dürfte, verübte gestern abend der 16jährige Gärtnerlehrling Joseph Kletn- schmitt, der in Bad Nauheim beim Gärtnermeister Klee beschäftigt ist. Kleinschmitt, der elternlos ist, war als Lehrling seit etwa einem Jahre in Bad- Nauheim. Er kletterte an der Hochspannleitung hinauf und kam mit der Leitung in unmittelbarer Berührung, sodaß die Flammen stockwerk hoch aus ihm herausschlugen. Kleinschmitt wurde mehrfach herumgeschleudert und stürzte dann zur Erde. I Nähe beschäftigte Leute liefen hinzu und fanden ihn teilweise bis auf die Knochen verbrannt, sodaß die Fletschteile am Körper herumhingen. Er war noch bei Besinnung und wurde ins Hospital gebracht. Als Grund der Tat gab er an, daß er mehrfach geschlagen worden sei und deshalb sich das Leben haben nehmen
n der
Caffel, 26. Januar. Die Treppe hinuntergestürzt ist gestern vormittag in einem Hause der Müllergasse der frühere Polizeikommissar Pape, der wegen Beleidigung eines Zahlmeisters auf offener Straße im Wege des Disziplinarverfahrens mit Dienstentlassung bestraft worden war. Er erlitt eine schwere Schädel- I Frankfurt a. M.. 26. Januar. Gest ' ' Verletzung und wurde in bewußtlosem Zustande dem in seiner ganzen Breite zugefrorene Main zäm ersten Krankenhaus zugefuhrtz wo er auch heute vormittag WIe seit vielen Jahren als Wintersportplatz benutzt, dre Besinnung noch nicht wieder erlangt hatte. ________________________
wollen.
stern wurde der
):( Hersfeld, 27. Januar. Aus Aulaß des am Sonntag den 8. Februar von feiten des Chorvereins zur Aufführung gelangenden Oratoriums „Manasse" läßt die Hersfelder Kreisbahn in dankenswertem Entgegenkommen Sonderzüge verkehren, um auch den Bewohnern des Landeckeramts und des Werratals den Besuch dieses großartigen Werkes zu ermöglichen. — Wir kommen demnächst noch näher auf die Angelegenheit zurück.
-r- Hersfeld, 27. Januar. Am Sonntag abend fand seitens des hiesigen Burschenheims im Saale des Vereinshauses ein sehr zahlreich besuchter Vortragsabend statt. Etwa 80 junge Leute, zahlreiche Meister, sowie der größere Teil des Lehrerkollegiums der gewerblichen Fortbildungsschule waren erschienen. Herr Lehrer Lohrmann sprach in ivsstündiger Rede über die Zeit von 1806 bis 1812. Der sehr gut öar- gestellte Vortrag wurde von allen Anwesenden mit großem Interesse angehört. Herr Hallen- öerger dankte dem geschätzten Redner im Namen der Zuhörer, dankte hierbei auch den Herren Meistern für ihr zahlreiches Erscheinen. Herr Töchterschullehrer Löwer hatte zur Unterstützung des Vortraaes eine Karte gezeichnet, für die ihm ebenfalls verbindlichst gedankt wurde. Anschließend daran gedachte Herr Hallenberger des Geburtstages unseres Kaisers, feierte ihn als Friedenskaiser und schloß mit einem Hoch auf den Landesherrn in das alle Anwesenden freudig ein- stimmten. Die Versammlung nahm nach allen Seiten hin einen guten Verlauf.
Melsnngen, 26. Jan. Heute nachmittag Val Uhr fuhr beim Schlittschuhlaufen der 9jährige Sohn des
Laasphe, 25. Januar. Ein tragischer Unfall ereignete sich in der vorvergangenen NachtinderGießerei der Charlottenhütte in Niederschelden. In der Pause zwischen 12 und 1 Uhr begaben sich einige Arbeiter, darunter der 21jährige Karl Debus aus Niederschelden, zum Ausruhen in den Gasofen, der seit Mittwoch außer Betrieb war. Debus war weiter hineingekrochen, als seine Kameraden, und hatte sich Hin- | 5>tcni gelegt. Nach Wiederbeginn der Arbeit um 1 Uhr ^6e erste wurde er vermißt, und nach einigem Suchen fand man ^"tz.^nrai ihn tot im Gasofen. I Schäften a
Abgeordnetenhaus
Am Montag stand auf der Tagesordnung die Interpellation Dr. Wagner über die bei der Dienst- boten-Versicherung hervorgetretenen Mißstände. Abg. Dr. Wagner (freikons.) bemerkte in seiner Begründung, die Dienstboten-Versicherung sei eine Mittelstandsfrage ersten Ranges. Die Versicherung in den Orts- ffen verursache zu hohe Kosten, die die Herr- lUein zu tragen hätten. Wünschenswerter ____ , , , , wäre die durchgängige Angliederung an Landkranken- Felsberg. 24. Jan. Wieder einmal hat „Brun- I kassen. Handelsminister Dr. Sydow erkannte die Hilde", der Polizeihund des Wachtmeisters Körber, mancherlei Schwierigkeiten an und die oft wünschens- hier in hervorragender Weise seine Tüchtigkeit gezeigt, werte Errichtung von den im Gesetz vorgesehenen Einem hiesigen Einwohner waren nachts 5 Enten Landkrankenkassen, wo die Ortskrankenkassen zu aus dem Stalle gestohlen, welche durch den Hund in wünschen übrig lassen. Das Gesetz sei vielfach sehr dem eine halbe Stunde entfernt liegenden Böddiger I vieldeutig, darum sollten die Landesbehörden nach ermittelt und dem Eigentümer wieder zugeführt seinem vernünftigen Sinn fragen und dann ent-
en und
werden konnten. — Wegen ungebührlich achtungswidrigen Benehmens wurde ein hiesig wohner, welcher als Zeuge vor das hiesige Amtsgericht geladen war, zu 11 Tagen Gefängnis verurteilt.
einem vernünftigen Sinn fragen und dann ent
„ .cheiden. Die letzte Entscheidung läge dann bet den
rde ein hiesiger Ein- Oberversicherungsämtern. Er würde jedenfalls gern das hiesige Amtsge- die Hand bieten zu einer vernunftgemäßen Hand- ‘ habung und Ausführung des vieldeutigen Gesetzes. _ . ., .. M Abg. Dr. Hahn (kons.) wies darauf hin, daß wenn die
Duderstadt, 24. Aun. Einem Em^hner N. eines Dienstboten in die Ortskrankenkassen übernommen benachbarten Dorfes wurden 3o00-Mars würden, sie das hohe Risiko der industriellen Arbeiter
Er hatte das Geld von der Sparkane ab Ach oben, um mitzutragen hätten. Die Lasten würden dem Mittel- bei der Veranlagung zum Wehrbeltrag anzugeben, er |tanö fühlbar aufgebürdet. Eine bessere Verteilung habe keine ausstehenden Kapitalien müsse platzgreifen. Unter den jetzigen Zuständen
müssen von der ^oche Wind bekommen haben. Ge- näherten wir uns immer mehr der Soztaldemo- stohlen sind aber nur 3a00 Mk. 1in.Gold und Silber. kratisierung. (Abg. Hoffmann (Soz.) rief dazwischen: Das Papiergeld haben die Diebe unberührt gelüsten. I Dann essen Sie nur noch rote Grütze!) Die hätte Witzenhausen, 26. Januar. Die Verhandlungen Herr Hoffmann im Kopf, antwortete der Redner, und gegen den Mörder Fuhrmann konnten noch nicht fortfahrend appellierte er an die bürgerliche Gesell- angesetzt werden, da sich Fuhrmann zur Beobachtung I schuft, Einfluß S» suchen auf die Ortskrankenkassen- seines Geisteszustandes zur Zeit in der Göttinger I mahlen, damit die Kasten den jozialdemokratftchen Irrenanstalt befindetWahrscheinlich wird der Prozeß Händen entrissen werden könnten. Abg. Dr. Pieper erst in der Frühjahrsperiode, die am 30. März be- I (Zir.) hielt es für zweifelhaft, ob Privatabonnements- f p vereine billiger arbeiten können als die Ortskassen.
ginnt, verhandelt. Abg. Dr. Cremer (nl.) stellte sich auf den Boden der
Eisenach, 26. Januar. Mit der Inbetriebnahme | Reichsversicherungsordnung und ihrer großen Ge- neuen Wartburghotels, die am^l. April d. Js. | Hanken und konnte der Meinung nicht zustimmen,
vcrvunuc". Abg. Dr. Cremer (nl.) stellte sich auf den Boden der
Eisenach, 26. Januar. Mit der Inbetriebnahme I Reichsversicherungsordnung und ihrer großen Ge- des neuen Wartburghotels, die am 1. April d. Js. danken und konnte der M<' erfolgen soll, hat der provisorische Wartburggasthof, daß damit ein Fehler gemacht fet Die Dienstboten- der sich etwa 30 Meter tiefer an dem nach der Stadt- Versicherung sei eine soziale Tat ersten Ranges. Abg. feite gelegenen Abhänge des Berges erhebt, seinen Dr. Mugdan (fortschr.) wünschte endliche Ruhe in der Zweck erfüllt und wird wieder niedergelegt werden, ganzen Angelegenheit, damit auch dieser Zweig der Es dürfte nun weitere Kreise interessieren zu erfahren, Krankenversicherung sich entwickeln könne. Die Haus- daß dies von Architekt und Zimmermeister Gunkel frauen haben zum größten Teil sich damit einver- hier nach dem ihm patentierten zerlegbaren System I standen erklärt. Abg. Braun (Soz.) bezeichnete die mit einem Kostenaufwandevon 70—80 000 Mk. errichtete l bisherige familiäre Dienstbotenfürsorge als unzu- Gebäude vom Gothaischen Staate angekauft, worden länglich und meinte, daß von allgemeinen Mißständen ist, um es auf dem Groyen Jnselsberge auntellen zu keine Rede sein könne. Abg. Dr. Arendt (frk.) zeigte lassen. Dort soll es neben dem Gothauchen Gasthof sich vom Verlaufe der Erörterung befriedigt. Die seinen Platz finden, und in der Hauptsache der Unter- Meinung der O.............
bringung von Schulen, Vereinen und Wandervögeln der Auffassung dienen, wozu seit langem schon ein sehr fühlbares | antraa wurde Bedürfnis vorlag. Mit dem A
einung der Oeffentlichkeit neige sich mehr und mehr - i w^ ^~}„\\^ der Rechtsparteien zu. Ein Schluß- , feyr fühlbares I antrag wurde darauf angenommen und das Haus -----„ bbruch des Gasthauses vertagte sich auf Mittwoch: Landwirtschaftsetat.
soll unmittelbar nach Ostern begonnen werden. Die I
Transport- und Aufstellungsarbeiten sollen eine I