Einzelbild herunterladen
 

Sersselder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- » - <t

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei l5fElöE^ Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. v

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knfchlutz Nr. 8

Nr. 22. Dienstag, den 27. Januar 1914.

Dem Kaiser Beil!

Dem Kaiser Heil, ihm der mit Kraft und Milde Den Herrscherstab im deutschen Lande führt! Dem Kaiser Heil! Ruft laut es, ihr Gefilde, Ihr Höhen, ruft's, mit Waldesgrün geziert!

Dem Kaiser Heil! Vereine deine Chöre, Allöeutschland, heut zu des Monarchen Preis! Des Kaisers Ruhm ist seines Volkes Ehre, Und ihm entkeimt des Glückes blühend Reis.

Dem Kaiser Heil! Gesegnet langes Leben! Mit diesem Wunsch umstehet seinen Thron! Dem Kaiser Heil! Ihm, den uns Gott gegeben, Reich' Lieb' und Treu' den schönsten Herrscher­lohn!

Dem Kaiser Heil! Und Heil dem Vaterlande, Das stolz und froh auf seinen Kaiser schaut, Denn Fürst und Volk umschlingen feste Bande, Und aller Heil es sei auf Gott gebaut!

Dr. M. Regel.

Wieder hat unser Kaiser ein Jahr seines Lebens vollendet. Millionen von Herzen senden heute an seinem Geburtstage ihre Wünsche zu den Stufen des Thrones empor, vieltausendstim­mige Hochrufe erklingen, und Festesfreude regt sich, wo Deutsche wohnen, und soweit die deutsche Zunge klingt, ist doch der Kaiser die Verkörperung des nationalen Gedankens. Kraftvoll werden die nationale Ehre und die wirtschaftlichen Inte­ressen des deutschen Volkes vom Kaiser gewahrt, in jeder Beziehung hat er die Macht und das Ansehen des Deutschen Reiches zur Geltung zu bringen gewußt, und ihm an erster Stelle haben wir es zu danken, daß uns der Friede erhalten geblieben ist.

Unser Kaiser ist der Hüter des Friedens. Mit großer Kraft und Weisheit hält er gleich dem großen Kaiser Wilhelm I. den Frieden auf­recht. Darum ist er auch emsig darauf bedacht, das beste Bollwerk des Friedens, die Wehrkraft zu Lande und zu Wasser, zu stärken. Wie sein erlauchter Großvater die Heeresorganisation sein eigenstes Werk nennen durfte, so kann unser Kaiser die Neuordnung unserer Kriegsflotte als seine Leistung und sein Werk bezeichnen. Klaren Auges erkannte er, daß bei den heutigen Macht- und Verkehrsverhältnissen Deutschland seinen Einfluß im Rate der Völker und seine Stellung auf dem Weltmärkte ohne eine Achtung gebietende Streitmacht zur See nicht würde be­

haupten können; ebenso klar aber stand ihm auch die Notwendigkeit vor Augen, sich bet den zur Verstärkung der Flotte notwendigen Forde­rungen auf das Unerläßliche zu beschränken, die Steuerkraft des Volkes tunlichst zu schonen und manchen vielleicht in seinem und seiner Berater Herzen schlummernden Wunsch zugunsten des ohne allzu große Opfer Erreichbaren zurück­treten zu lassen. Von demselben Bestreben hat sich der Kaiser auch jetzt wieder leiten lassen, als er vom Reichstage den notwendigen Ausbau unseres Landheeres verlangte. Die Bollwerke unserer Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Un­antastbarkett muß sich die Nation selbst aufrichten und die Opfer für die Wahrung ihrer Ehre und ihrer Interessen gern bringen. So fordert es das Vaterland, das ohne Frieden nicht gedeihen kann. Nur im Frieden erblüht das Glück eines Volkes.

Und der Kaiser will ein glückliches Volk. Unter dem mächtigen schützenden Dache des Deutschen Reiches hat das deutsche Volk wunder­bare Fortschritte gemacht, und diese Fortschritte finden auf allen Gebieten bei unserem Kaiser ein tiefes Verständnis und unablässige Förde­rung. Ueberall sucht er vorhandenen Mängeln und Uebelständen abzuhelfen; überall bemüht er sich, die Schwachen emporzuheben, den Be­drängten zu helfen, die materielle und sittliche Kraft seines Volkes zu erhöhen. Wie seinen unmittelbaren Vorgängern auf dem Kaiserthron liegt auch unserem Kaiser die Arbeiterwohlfahrt sehr am Herzen. Darum ist er aber auch ein Feind derjenigen, die aus der Schürung der Unzufriedenheit ein Gewerbe machen, denn sie wollen das niederreißen, was der Kaiser auf. baut. In dieser Beziehung gebührt dem Kaiser besonderer Dank für das befreiende und auf­klärende Wort:Strenge Bestrafung jedem, der es wagt, den friedliebenden Nachbar an frei­williger Arbeit zu hindern!" Mächtige Gegner sind am Werke, die darauf ausgehen, unserem Volke Vaterlandsliebe und Religion aus dem Herzen zu reißen.

Umsomehr Anlaß haben wir an einem Tage wie dem heutigen, uns mit erneuter Liebe um den Thron unseres Kaisers zu scharen und aus vollem Herzen einzustimmen in den aus dem preußischen Wahlspruch zur Losung Deutschlands gewordenen Ruf: Mit Gott für König und Vaterland, mit Gott für Kaiser und Reich!

Bus der Heimat«

):( Hersfeld, 26. Januar. Eine schreckli che Mordtat ereignete sich gestern abend gegen 8 Uhr im Hause No. 9 an der Friedloser Straße. Hier wohnte der Packer Konrad Roth, der erst im Sommer v. Js. zum zweiten male geheiratet hatte. In dem­selben Hause wohnte auch der Metzger Friedrich Dänzel, welcher mit der Frau des Roth, einer geborenen Kiem aus Sorga, früher ein Verhältnis gehabt hatte. Seit einiger Zeit hatte nun Roth gegen den Dänzel wegen Beleidigung eine Klage anhängig gemacht, in der am nächsten Donnerstag Termin sein sollte. Dänzel hat nun schon die ganze Zeit geäußert, wenn diese Klage nicht zurückgezogen würde, so werde er die beiden Eheleute Roth ums Leben bringen. Am gestrigen Sonntag abend versuchte nun Dänzel aber­mals bei den Eheleuten vorzusprechen, um sie zur Zurücknahme der Klage zu bewegen. Diese hatten aber die Tür versperrt, da sie vor dem Dänzel gewarnt worden waren. Dänzel jedoch drückte die Tür ein und stach sofort mit einem großen Messer auf die Frau und den Mann ein. Hierbei erlitt die Frau so schwere Stiche in den Hals und Kopf, daß sie bereits auf dem Transport nach dem Landkrankenhause verstarb. DerEhemann wurde ebenfalls durch Kopf- undHalsstiche schwer verletzt und in das Landkrankenhaus gebracht. Als nun der Vater des Dänzel, welcher in demselben Hause wohnte, seinen Sohn abhalten wollte, erhielt er ebenfalls noch einen Stich in die Hand. Der Mörder entfloh dann nach dem Bahnhöfe zu zwischen den dort lagernden Holzstößen, so daß ihn seine Ver­folger aus den Augen verloren. Dänzel war aber

inzwischen auf die Bahngeleise gelaufen und hatte sich vor den gerade ausfahrenden Personenzug ge­worfen, welcher ihm das rechte Bein vom Körper trennte. Erst die markerschütternden Schreie des gräßlich verstümmelten Mannes machte die Leute auf ihn aufmerksam. Der Verletzte wurde ebenfalls nach dem Landkrankenhause gebracht, wo er bei voller Be­sinnung vernommen werden konnte. Die gerichtliche Sektion der ermordeten Frau findet heute nach­

mittag statt.

-r- Hersfeld, 26. Januar. (Familienabend desTurnvereins.) Am vergangenen Sonnabend Abend hielt der Turnverein feinen angekündigten Familienabend in der Turnhalle bei guter Beteiligung ab. Der Verlauf des Abends war ein schöner. Kuplets und sonstige humoristische Aufführungen wechselten mit turnerischen Vorführungen der Damenabtetlung und der Altersriege ab. Sehr beifällig ausgenommen wurden die Uebungen einer Riege der Damenab- teilung am Barren, wohl das erstemal, daß ein veritables Turngerät hierzu seitens der Damen be­nutzt wurde. Die Uebungen selbst wurden durchweg gut ausgeführt. Zwischendurch wurde fleißig das Tanzbein geschwungen. Die ganze Veranstaltung verlief in schönster Weise und fand erst in vorge­rückter Stunde ihr Ende.

):( Hersfeld, 26. Januar. Herr Superintendent Feyerabend hier wurde mit der Versehung der Metropolitanatsgeschäfte der Klasse Sontra beauftragt.

):( Hersfeld, 26. Januar. Die Einnahmen, welche den Gemeindekassen des Regierungsbezirks Cassel aus dem V e r k a u f des im Jahre 1913 geernteten O b st e s zugeflossen sind, belaufen sich aus 161372,98 Mk. Hier­von entfallen auf den Kreis Hersfeld 2029,05 Mk. Den höchsten Betrag erzielte der Kreis Hofgeismar mit 15498,95 Mk. und den niedrigsten der Kreis Gersfeld mit 212,20 Mk.

§ Hersfeld, 26. Januar. Ueber die A u s s i ch t e n der milderen Witterung schreibt die Wetter­dienststelle Weilburg in ihren Voraussagen für heute: Der nordwestliche Tiefdruckwirbel ist ostwärts gezogen, hat sich aber gleichzeitig südostwärts ausgebreitet, so daß in Nordwestdeutschland schon überall südwestliche Winde eingetreten sind. Das festländische Hochdruck­gebiet ist dadurch südwärts verschoben worden, hat sich jedoch zugleich noch verstärkt. Von Westen her naht ein neuer Wirbel, der das Hochdruckgebiet wahr­scheinlich noch weiter zurückdrängen wird. Dann würde auch unser Bezirk in den Bereich der auf den Höhen schon wehenden Süüwestwinde kommen. Wir hätten dann morgen zunehmende Bewölkung und milderes, wenn auch zunächst noch vorwiegend trockenes Wetter zu erwarten.

-b- Heringen (Werra), 24. Januar. Auf Schacht Heiligenroda" 2 zu Springen ereignete sich gestern ein schwerer U n g l ü ck s f a l l. Ein in der Grube beschäftigter Hauer aus Tiefenort war in Gegenwart von anderen Arbeitern beim Salzsprengen tätig. Beim Anzünden der Zündschnur wurde derselbe von einem anscheinend zu früh abgegebenen Schuß getroffen und derartig verletzt, daß er kurz darauf starb. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit 4 Kindern.

-m- Breitenbach a. Herzb., 24. Januar. Bei der am Freitag, den 28. d. Mts. durch das Königl. Amts­gericht Oberaula abgehaltenen Versteigerung hiesiger Ziegelei erhielt Oekonom Albertsmann aus Rom- mershausen den Zuschlag mit 20 000 Mk. Höchstgebot. Die Ziegelei, die schon seit etwa 34 Jahren außer Betrieb gesetzt war, wird jedenfallsnochdiesenSommer wieder in Betrieb genommen.

Wetterausfichte« für Dienstag den 27. Januar.

Trüb, vorläufig nuraeringe Niederschläge, wärmer, auffrischende westliche Winde.