Einzelbild herunterladen
 
  

Koch, ein gewisser Jury, weigerte, das Essen zu bereiten, entließ ihn der Generalkonsul auf der Stelle. In dem Augenblick, als der Koch das Haus verlassen wollte, schoß er Valdrome mit zwei Redolverschüssen nieder. Der Mörder versuchte zu entfliehen, wurde jedoch verhaftet.

w- Drohender Generalstreik in Norwegen. Der norwegische Arbeitgeberverband hat sich an die Regie­rung gewandt, damit diese bis zum 7. Februar eine Ei­nigung zwischen ihm und der organisierten Arbeiter­schaft zustande bringe. In anderen Fall werden an die­sem Tage die jetzt gekündigten 6000 Arbeiter entlassen und weiteren etwa 40 000 Arbeitern gekündigt. Der Zwist ist entstanden durch den seit einigen Monaten ver­hängten Boykott organisierter Arbeiter über einen Grotz- mühlenbetrieb in Drontheim. Die Arbeiterschaft will, falls der Arbeitgeberbund nicht entgegenkommt, den Ge­neralstreik erklären.

w Feuer im Königsschlotz zu Brüssel. Freitag abend brach im Königlichen Schloß zu Brüssel infolge eines Schornsteinbrandes Feuer aus, das aber von der Feuerwehr gelöscht werden konnte, ehe es größere Aus- ehnung^ammhrwr ^ 3^. Beim Friedhof in Rhein- böllen wurde, wie der Draht aus Bingen meldet, ein Korbmacher aus der Gegend von Rheinböllen erfroren aufgefunden.

w Verhaftete griechische Finanzbeamte. Unter dem Verdacht schwerer Unterschleife sind der kürzlich abgesetzte Direktor der Bank von Athen, Matzas, der gleichfalls abgesetzte Vizedirektor Jlliopulos und der Verwaltungs­rat Empirikos verhaftet worden.

0-* Die allgemeine Bauausstellung in Berlin, die unter dem Protektorat des Staatsministers a. D. Pod- bielski steht, ist am Sonnabend vormittag in den Aus­stellungshallen des Berliner Zoologischen Gartens er­öffnet worden. Als bemerkenswerte Bauten verdienen verschiedene Konstruktionen für die Luftschiffahrt er­wähnt zu werden. _ ,

oh»> Der berühmte französische Bildhauer Rodin ist nach einer Drahtmeldung aus Paris an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. In Anbetracht seines hohen Alters gibt sein Zustand zu großen Besorgnissen Anlaß. ______________________________________

Der Geisteskranke am Kronprinzenpalais.

Vereitelter Angriff anf den Kronprinzen.

Freitag nachmittag zwischen 3 und X4 Uhr wurde vor dem kronprinzlichen Palais Unter den Linden tu Berlin ein tätlicher Angriff auf den Kronprinzen ver­sucht. Der Attentäter wurde jedoch an der Ausführung seines Anschlages durch das entschlossene Eingreifen des Postens verhindert. Es scheint, daß man es mit einem Geisteskranken zu tun hat.

Kurz nach 3 Uhr fuör das Auto des Kronprinzen auf der Rampe vor dem Palais vor, um vor dem Portale

um

auf der Rampe vor dem Palais vor, um vor dem Portale zu warten. Eine ziemlich große Menschenmenge sam­melte sich sofort vor dem Schlöffe an, um den Thron­folger zu sehen. Als der Kronprinz heraustrat, sprang mötzlich ein junger, verhältnismäßig gut gekleideter Mensch von etwa 25 Jahren auf die Rampe Humus und gelangte bis an Bett Wagen, in den der KMprmz soeben einsteigen wollte. Er hatte schon den Türgriff in der Hand, als der schnell hinzusprrngende Posten ihn ergriff und in das Schilderhaus hineindrängte. Hier hielt er ihn solange fest, bis zwei Schutzleute, die unten an der Rampe stationiert waren, hinzugeeilt waren, um ihn festzunehmen. Sie brachten ihn in die dem Palais gegenüberliegende Hauptwache, von wo aus er später in polizeiliches Gewahrsam übergeführt wurde.

Der Kronprinz zeigte sich über den Vorfall nicht im geringsten erregt. Wie amtlich festgestellt, ist der At­tentäter der am 7. Juli 1887 zu Colmar geborene Schneider Leopold Salomon, der in der Grenadierstraße 34 in Berlin wohnt. Salomon, der den Eindruck eines Geisteskranken machte, wurde von einem Kreisarzt auf seinen Geisteszustand einer Untersuchung unterzogen. In seinen konfusen Reden sprach er von einem Bruder heg Kronprinzen, den er um eine Untersetzung für seinen Lebensunterhalt habe bitten wollen. Der Schnei­der Leopold Salomon wurde als gemeingefährlich geistes­krank nach Wittenau transportiert.

Gericht und Recht»

Ei« Zivilist in Zaber« verurteilt. Der 57iährise Maurer und Fabrikarbeiter Hien in Zabern wurde we­gen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu einem Mo­nat Gefängnis verurteilt, weil er am 10. Novenrber vo­rigen Jahres während der Zaberner Straßenunruhen Gefangene befreit und zugleich Polizeibeamte tätlich an­gegriffen hatte. — Der Rekrut, der seinerzeit wegen un­befugter Bekanntgabe dienstlicher Mitteilungen an die Presse bezw. wegen Unterschretbens der bekannten Mit­teilungen an den „Elsässer" mit 43 Tagen Mittelarrest bestraft worden war, ist begnadigt worden. Er Hat von der ihm zuerkannten Strafe bereits 29 Tage verbüßt.

Todesurteil gegen eine« Frauenmörder. Das Schwurgericht in Altona verurteilte am Freitag nach 13- stünöiger Verhandlung den 27jährigen Emil Bohn, der am 22. November vorigen Jahres seine Geliebte Minna Meyer in Altona erstochen hatte, wegen Mordes zum Tode.

Vermischtes.

Farmen lande zr

Der Kaiser als Farmer. Es dürfte wenig bekannt sein, daß der Kaiser seit dem Frühjahr 1912 Farmbesitzer in Deutsch-Südwestafrika ist. Die beiden kaiserlichen Farmen Dickdorn und Kofis liegen mitten im Noma- lande zwischen dem Fischflusse und Leberslusse. Ueber die kuriose Entstehungsgeschichte dieser Farmen und die Art ihrer Anlage unterrichtet ein Aufsatz von R. S. ^if- senfeld in der bei der Deutschen Verlagsanstalt erschei­nenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer". Der Kaiser kaufte die beiden Farmen, von denen die größere, Dick- öorn, 15 556 Hektar und die kleinere, Kofis, 9964 Hektar umfaßt, von dem Buren Krabbenhoeft für 96 000 X und er hat bei dem Kaufpreis von 4 JL pro Hektar, wie man heute in „Deutsch-Weft" längst erkannt hat, ein sehr gutes Geschäft gemacht. Den Vorbesitzer freilich hatte das beträchtliche Gebiet noch viel weniger gekostet. Krabbenhoeft war nämlich folgendermaßen zu seinen Farmen gekommen: Hendrik Witboi hatte ihn aus ir­gendeinem nichtigen Anlaß zu Unrecht gefangen genom­men und sogar gezüchtigt. Der beleidigte Bure wandte Ach darauf an die englischen Gerichte und erhielt auch sein Recht. Das Urteil lautete, er solle als Genugtuung eine so große Strecke Landes bekommen, als er in vier Tagen zu umreiten imstande sei. Daraufhin stellte Krabben­hoeft in einer Landschaft, die ihm besonders günstig er­schien, in einer bestimmten Entfernung immer Knechte mit Aeservepferben auf, jagte in vollem Galopp über Las Land dahin, bis das Pferd ermüdet war, warf sich dann auf das nächste, und so ging es weiter vier Tage lang. Auf Liefe Weise gelang es ihm, einen recht großen Landkreis zu umreiten und zu seinem Eigentum zu machen. Die beiden Farmen, auf denen nach dem Wun-

leiten.

soll, tragen nun den typisch westafrikanischen landschaft­lichen Charakter: Oedland und üppiges Steppenland wechseln auf ihnen ab. Die alte niedergebrannte Buren­farm Kofis hat der Kaiser ausbauen lassen.

Einen Einblick in das Elend der Großstadt gewährt die Liste der Armenunterstützten von Charlottenburg. In dieser Stadt, die bekanntlich eine sehr stattliche Reihe von Millionären aufweist, waren u. a. auf Armenunter- stützung angewiesen: 3 Apotheker, 3 Chemiker, 4 Zahn­techniker, 3 Architekten, 4 Landmesser, 15 Ingenieure, 6 Schriftsteller, 8 Schausteller, 2 Sänger, 4 Kunstmaler, 6 Lehrer, 38 ehemalige Postbearnte, 51 ehemalige Eisen­bahnbeamte, 32 Stratzenbahnbeamte, 11 Schutzleute un6 59 Gastwirte. Unter den weiblichen Unterstützten be­fanden sich 15 Musiklehrerinnen, 10 Schauspielerinnen, Tänzerinnen usw., 2 Schriftstellerinnen und 55 Geschäfts­inhaberinnen und Händlerinnen.

Ein Vater als Mörder seines Sohnes bezeichnet. Gelegentlich der Totenschauverhandlungen, die im Gange sind, um den Mord des erwürgten fünfjährigen Knaben Willi Starchfield aufzuklären, dessen Leiche in einem Londoner Vorortzuge nefunden wurde, kam es zu einer aufregenden Szene. Eine Frau namens Sarah Wood erschien auf dem Zeugenstand, um auszusagen. Sie erklärte, Laß sie den Knaben in Begleitung eines

Sie erklärte, daß sie den Knaben in Begleitung eine* Mannes auf der Straße gesehen habe, etwa eine Stund: vor der Zeit, da der Mord ausgeführt worden sein muß. „Haben Sie den Mann seither wiedergesehen?" fragte der Obmann der Totenschaujury, ohne die Bedeutung seiner Frage auch nur zu ahnen. „Jawohl, ich habe ihn heute wiedergesehen," erwiderte Frau Wood mit großer Bestimmtheit. „Wo war das?" lautete die folgende Frage. „Hier im Gerichtssaal; es ist der Mann dort neben der Frau, die so sehr weint." Damit zeigte die Zeugin auf den Vater des ermordeten Knaben, der ne- öen der verzweifelten Mutter saß. „Um Gottes willen/ so fuhr die Mutter des Knaben in die Höhe, „sagen Sie das nicht. Es kann ja nicht sein!" „Das ist eine Lüge!" rief der Vater heftig. Der Totenschaurichter, der von dieser Wendung der Dinge außerordentlich erschüttert war, hielt es für das Beste, die Verhandlung zu ver­tagen. Der Vater des Knaben, ein Zeitungsverkaufer, lebt seit einiger Zeit getrennt von seiner Frau, die sich und ihr Kind durch Näharbeiten anständig in einem billigen Logierhaus ernährte. Er hatte vorb-"- <™a^ sagt, daß er sein Logis an dem Tage des £

um 4 Uhr nachmittags verlassen hätte, alio zu einer Zeit, als die Leiche des Knaben schon gefunden war.

>rher ausge- Mordes erst

Ei« furchtbares Famailendrama hat sich in der Fa­milie des vielfachen Millionärs Pupyschew in Moskau abgespielt. Pupyschew, als reicher, vielfacher Hausbesitzer in Moskau stadtbekannt, war mit den Jahren von einem geradezu krankhaften Geiz befallen worden, durch den er seine Kinder zum Selbstmord trieb. So verübte ,ein ältester Sohn, der Friedensrichter in Moskau war, we­gen des furchtbaren Despotismus des Vaters, der keine Grenzen kannte, vor sechs Jahren Selbstmord. Ihm folgte die älteste Tochter, weil ihr Vater ihr jegliche Eri- stenzmittel entzog. Zu Neujahr unternahm der ningste Sohn einen Selbstmordversuch, weil der Vater ihm alle Eristenzmittel entzog, da er ein armes Mädchen gegen den Willen des Vaters geheiratet hatte. Als Pupnschew von dem Selbstmordversuch des jüngsten Sohnes Konon hörte, schickte er ihm durch den Hausknecht 50 Mark, was die Frau Konons derart empörte, daß sie ihrem Schi gervater zu Neujahr einen Sarg als Geschenk zuschickte. Als der Schwiegervater hierauf die Frau Konons ver­haften lassen wollte und mit gerichtlicher Klage drohte, vergiftete sie sich, nachdem sie ihren Schwiegervater schriftlich beschuldigt hatte, daß er an ihrem Tode die Schuld trage. Konon nahm, als er den Tod feiner Frau erfuhr, gleichfalls Gift, sodaß Pupyschew durch feine Härte vier Menschen in den Tod getrieben hat.

Des Prinzen von Wales Herzensnöte. Trotzdem der jugendliche Prinz von Wales sehr streng exogen

avie-

wird, ist auch er nicht dem Schicksal der meisten Sterb­lichen entgangen: er hat seine erste Liebe gehabst seine erste Liebe mit all jener träumerischen Ahnsucht, die das Vorrecht der Jugend ist. Eine Zeitschrift erzählt, wie im vergangenen Jahre die Königin Alexandra mit freudiger Rührung beobachten mußte, daß ihr junger Enkel sie in schöner Anhänglichkeit Tag um Tag be­suchte, ja es kamen Tage, an denen der junge Prinz bei der Großmutter sogar zweimal vorsprach. Die Jntmtion der Frau flüsterte ihr zu, daß dahinter doch etwas be­sonderes stecken müsse, und schließlich löste sich curch das Rätsel: eines schönen Tages war vom ^chrelbtrsche der Königin Alexandra die Photographie der Lady Dalkeith verschwunden. Der junge Prinz hatte auf die Dauer der Versuchung nicht widerstehen können, die Photo­graphie mitzunehmen: er war sterblich in die schöne Host oame verliebt, die seine Mutter sein körmte Schließlich schüttete er vertrauensvoll der Königin Mary sein Herz aus, und eine Zeitlang hänselte man den Prinzen nicht wenig wegen seiner „kleinen unglücklichen Leidenschaft ,

wenig ^gen seiner „kleinen, uiiglü

er wurde mit seinem „Unglück" auch tapfer und schnell fertig, aber das Schicksal legte ihm einen neuen Hinter­halt Während er mit seinem Erzieher auf der Jagd war, brach ein heftiger Regen heresir, der den Punzen zwang, im nächsten Landhause Obdach zu suchen. Es war das Gutshaus eines reichen Peers, man empfttm den künftigen König mit offenen Armen, aber das Schönste war doch das Geplauder mit den beiden Töchtern des Hauses. Die eine entzückte den jungen Prmzen so, daß er am nächsten Tage einen Dankbesuch machte und seit­dem wöchentlich, ja öfter vorsprach. Alles wäre auch gut aeaanaen wenn der junge Prinz nicht im Ueberschwang Amens Herzens seinem Studiengenossen Lord WenLover einen Brief geschrieben hätte, in dem er dem Freund beichtete, wie entzückt er von seiner Schwester , sei und wie tief er sie verehre. Der Brief fiel in die Han.de des Erziehers die königliche Familie wurde verständigt, Meunigst berief man den jungen Prinzen nachSan- dringham, und das unschuldige Idyll war zu Ende.

Carnegie über „die Pflichten des reichen MauneS". Der Milliardär Carnegie hat sich in London durch eine Edisonsche Sprechmaschine kinematographisch stir die Nachwelt verewigt. Carnegie sprach üBvr die fpfhdnen des reichen Mannes gegenüber dem^Geimmwe^en^uns

Beispiel zu

Für seine

saate- Zunächst ist es die Pflicht des Reichen durch ein ein aLs Leben seinen Mitbürgern ein WteMu setzen, und alles Auffällige. zu vermeiden. Fürseine Nachkommen soll er in mäßiger Weise Fürsorge treffen, und schließlich soll er allen verbleibenden Ueberichutz an Reichtum als ein ihm gegeRnes^Darlehen^betrachten, das er zum Segen und zur Wohlfahrt seines Volkes ver- "^D?e Anleihe. Den geistlichen Scharfsinn seiner Gattin hat ein Ehemann vor kurzem bewundern gelernt. Seine Frau kam zu Weihnachten, wie das so üblich ist, mit der Bitte um mehr Geld. Bielleicht kö^ er ihr bis auf weiteres ein Zwanzigmarkstück leihen. „Aber das krieae ich ja nie wieder," protestierte der Gatte, „es ist nicht ^öas erstemal, daß ich Dir Geld geliehen habe.

Wetten wir um zwei Mark, daß ich Dir's im Januar Liedergebe?" Der Gatte beeilte sich, dieses sportliche Angebot anzunehmen. Vor wenigen Tagen stand die Gattin tiefbetrübt vor ihrem Manne. »Schatz, ich habe üiL Wette verloren. Hier hast Du Deine zwei Mark!

Der GIfimörder Hopf im Gefängnis.

Mit Ketten an die Wand gefesselt.

Am Sonnabend ist die Frist abgelaufen, die dem wegen Mordes zum Tode verurteilten Karl Hopf zur Anmeldung der Revision zustand. Bis jetzt ist ein An­trag von Hopf nach dieser Richtung hin noch nicht gestellt worden. Die plötzliche Neberführung von dem Polizei- gefängnis nach der Strafanstalt Preungesheim hat auf Hopf einen niederschlagenden Eindruck gemacht. Der Mann, der seine uächsten Verwandten kalten Herzens dahinsiechen sah, ist jetzt, da er das Ende vor Augen siehst in seinem Innern nicht mehr so ruhig wie er sich noch immer den Anschein geben will.

Hopf ist in den paar Tagen nach seiner Verurtei­lung mehr gealtert, als in der monatelangen Unter­suchungshaft. Nach seiner Ankunft in Preungesheim ant Samstag nachmittag zog man ihm seine Zivilkleider aus und die Anstaltskleiouttg an. Die besonderen Ab­zeichen lassen ihn sofort als schweren Verbrecher erken­nen. Er wurde tu die gleiche Zelle gebracht, in der andere schwere Verbrecher ihrer letzten Stunde entgegensahen. E<n kleiner Raum von kaum fünf Quadratmetern bildet seine letzte Wohnstütte, wenn er nicht durch den König begnadigt wcrd, was aber nach dem Tatbestand und der seither geübten Praxis wohl als ausgeschlossen gelten kann. Ein eisernes Bett, an der Wand und am Boden fest vernietet, ist die einzige Einrichtung der Zelle. Hops ist an beiden Armen und an dem einen Bein mit Ketten an die Wand gefesselt. Es ist ihm nicl)t möglich, die bei­den Hände zusammenzubringen. Die Ketten bieten ihm nur so viel Spielraum, daß er sich auf das Bett legen oder setzen kann. Wenn ihm die Pfahlzeiten in die Zelle gebracht werden, wird ihm die eine Hand aus der Fessel befreit. Nach dem Essen wird er wieder angeschlossen. Während der Essenszeit sind stets zwei Aufseher bei Hopf in der Zelle. Sonst ist er immer allein, wenn sich nicht der Anstaltsgetstliche bet ihm befindet, um ihm Trost zuzusprechen.

Am Nachmittag wird Hopf in dem Gefängnishof eine Stunde spazieren geführt. Zu beiden Seiten schrei­ten Gefangenenaufseher, die ihn gefesselt fithren. In der Nacht ist die Zelle erleuchtet. Mehrere Aufseher halten abwechselnd an der Türe Wacht und müssen Hopf durch das kleine Beobachtungsfenster ständig unter Allfsicht halten. Am Tag über sitzt Hopf, dumpf vor sich ytn- brütend. meist auf seinem Bett. Während der Mahl­zeiten läßt er ab und zu ein paar Worte fallen. Nachts schläft er wohl einige Stunden, sein Schlaf ist aber un­ruhig und er hat den Arzt auch bereits gebeten, ihm ein Mittel gegen seine Nervosität zu geben. Der Arzt soll ihm darauf erwidert haben, daß es gegen eine derartige innere Unruhe kein Mittel gibt. Den guten Appetit, den Hopf noch während seiner Untersuchungshaft und selbst in den Pausen der Gerichtsverhandlung zeigte, hat er vollständig verloren, er verzehrt die Gefängniskost, die ihm offenbar nicht besonders mundet, nur zum Teil.

Aus verschiedenen Aeußerungen Hopfs kaun man entnehmen, daß er trotz seines Entschlusses noch immer mit dem Gedanken spielt, Revision einzulegen. Von der Verteidigung werden keine Schritte mehr in dieser Rich­tung unternommen, solange Hopf nicht selbst den Wunsch dazu äußert.

Zecstörle Hoffnungen eines Erfinders.

Das Ende des Veeh-Luftschiffes.

Wie bereits mitgeteilt worden ist, ist die Luftfchiff- bau-Gesellschaft Veetz, die sich den Bau von Luftscyiffen nach dem System des Ingenieurs A. P. Veeh-Apolda zur Aufgabe gesetzt hatte, in Liquidation getreten. Mit großen Hoffnungen wurde das Unternehmen 1910 in München begonnen. Der Erfinder: erklärte damals: Seit zehn Jahren befasse ich mich mit der konstruktiven Durcharbeitung meines Luftschiffes,' das Ziel meiner Arbeit ist die größtmöglichste Sicherheit — auch im Sturm und Gewitter —, Manövrierfähigkeit und die Möglichkeit des Jnderluftbleibens auch bei Verletzungen der Ballonhülle.

Die Hoffnungen des Erfinders und seiner Mitar­beiter, daß sich der Veeh-Luftschtfftyp gegenüber den Zep­pelins, Parsevals und „S. - L." - Schiffen durchsetzen würde, haben sich bisher nicht erfüllt. Der Systemerfin- der, Albert Paul Veeh, liegt — wie der „Düsseldorfer Sportzeitung" von unterrichteter Seite geschrieben wird — auf den Tod erkrankt im Hospital,' nachdem er Ver­mögen und Gesundheit an die Durchführung seiner Lttsischiffbau-Jöee gesetzt hat. 400 000 Mark hat nach der­selben Quelle der Bau des Versuchs-Luftschiffes gekostet,- 20 000 Mark von diesem Betrage hat das vreußische Kriegsministerium bsiqesteuert. Die Bewilligung der unter gewissen Voraussetzungen in Aussicht gestellten Summe von 50 000 Mark macht das Kriegsministerium davon abhängig, daß noch einige Probefahrten bestimmte Leistungen erweisen. Die „unterrichtete Seite" hofft, daß die Heeresverwaltung den wetteren Ausbau des Beeh- Typs selbst in die Hand nehmen möchte, „den die Ge­sellschaft lediglich aus Gründen wirtschaftlicher — nicht etwa technischer Natur — nicht hat vollenden können."

Es wird in der Zuschrift ferner hervorgehoben, daß die in Ltauidation befindliche Gesellschaft sich wahrschein­lich, um die Ansprüche ihrer Gläubiger und Angestellten zu befriedigen, entschließen wird, ausländisches Kapital zu interessieren. Es ist zweifellos zu bedauern, wenn eine brauchbare Luftschiff-Konstruktion an das Ausland verloren geht,' anderseits ist der Standpunkt des Kriegs- mtntsteriums das erst Leistungen sehen will, ehe es wei­ter hilft, auch richtig. Das Kriegsministerium verfügt in den Z.-, S. L.- und P.-Schiffen über brauchbare Ty­pen, die keiner Besonderen Unterstützung mehr bedürfen. Es ist begreiflich, daß es unter solchen Umständen eine besondere Unterstützung von dem Nachweis besonderer Leistungen abhängig macht. Zu hoffen aber ist, daß sich privates Kapital wenigstens in solchem Umfange für das Unternehmen, das bereits so hohe Summen aufgewandt hat, findet, um die vom Kriegsministerium geforderten Probefahrten durchzuführen.

Bandei und Verkehr.

Die vorläufigen Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1913 im Deutschen Reiche liegen nunmehr vor. Es wurden gezahlt: 20 944 258 Stück Rindvieh, 25 591 794 Schweine. 5 504 195 Schafe und 3 585 697 Zie­gen. Es bedeutet dies gegenüber der Zählung vom 2. Dezember 1912 eine Zunahme von: 762 237 Stuck Rinü- vteh gleich 3,8 Prozent, von 3 668 087 Schweinen gleich 16,7 Prozent und von 125 301 Ziegen gleich 3,7 Prozent. Die Zahl der Schafe hat um 299 250 Stück gleich 5,2 Prozent abgenommen. Der Rindviehbestand ist absolut zwar der Höchste, der je festgestellt wurde, ist aber gegen­über früheren Zählungen nicht im Verhältnis zur Ein­wohnerzahl gestiegen. Denn auf 100 Einwohner kommen heute 31,3 Stück Rindvieh, im Jahr 1912 30,4 und im Jahr 1907 83,1 Stück. Der Schweinebestand hat eben­falls seinen höchsten Stand erreichst sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Bevölkerung.