Hemmer Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^»^^ für den Kreis Hersfeld
Wetter Knisblatt
Brzugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
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Zernfprech-^nschluh Nr. 8
Nr. 21.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat«
Die Schneeverhaltnisse aus dem Knüll und Eisenberg
sind für den Schneeschuhsport auch am morgigen Sonntag noch ausgezeichnet geeignet. Während im Tale der Schnee noch ca. 25 cm hoch liegt, beträgt seine Höhe auf dem Knüll und Eisenberg mindestens 30 cm. Für den 25., 26. und 27. Januar haben sich über 50 Mitglieder des Wandervogelklubs „Freischar" aus Marburg zum Besuche des Knüll angemeldet. Außerdem wollen am morgigen Sonntag noch über 50 Herren aus Cassel und Göttingen eintreffen, um auf dem Knüll dem Wintersport zu huldigen. Da die Wetteraussichten die denkbar besten sind, klar unruhige Kälte, so wird sich am kommenden Sonntag auf dem Knüll ein recht reges Leben und Treiben entwickeln.
Wetteraussichten für Sonntag den 24. Januar.
Meist heiter, trocken, Frost, östliche Winde.
(Die Viehwirtschaft in Hessen-Nassau.) Nach der vorläufigen Zusammenstellung ergab die Viehzählung am 1. Dezember 1913 im Vergleich zu der Zählung am 1. Dezember 1912 folgendes Resultat: Pferde 89 520 (gegen 87 439 in 1912), Rindvieh 622 349 (585 233), Schafe 151490 (152 334), Schweine 767 495 (666 430), Ziegen 197 404 (185 616). Es zeigt sich demnach, daß bei allen Viehgattungen, mit Ausnahme der Schafe eine Vermehrung eingetreten ist. Die Verminderung der Schafe ist besonders vielfach darauf zurückzuführen, daß viele Gemeinden nach der Ver- koppelung der Gemarkung sich keine Schafherde wieder zugelegt haben. — Der Verkaufswert der im Jahre 1912 in Hessen-Nassau ermittelten Hauptviehgattungen ergab für Pferde insgesamt 132 610 000 Mark, für Rindvieh 254 021000 Mark, für Schafe 4 242 000 Mark, für Schweine 105 448 000 Mk. und für Ziegen 6133 000 Mark.
-h- Hersfeld, 24. Januar. Morgen Abend um 8u Uhr hält Herr Lehrer A. Lohrmann im hiesigen Burschenheim folgenden Vortrag: ,,Geschichts - bilderausden Jahren 1806—1812." Zu diesem Vortrag, der im Auguste Viktoriahaus in der Dippel- straße gehalten wird, sind auch die hiesigen Herrn Meister hiermit eingeladen.
§ Hersfeld, 24. Januar. Am 27. Januar, dem Geburtstage des Kaisers, hält das hiesige Postamt Schalterdienst stunden wie an Sonn- und Feiertagen ab. Ferner findet nur eine einmalige Orts- und Landbestellung statt.
Widdershause», 23. Januar. Nachdem der zum zweiten Mal zum Bürgermeister gewählte Landwirt Konrad Trieschmann wiederum nicht bestätigt worden ist, soll in der kommenden Woche die dritte Wahl stattfinöen. Es ist vorgeschlagen, als Bürgermeister den Einwohner Konrad Werner 1 und als Vizebürgermeister den Einwohner Ernst Weber zu wählen.
Weiterode, 23. Januar. Der bei dem Eisenbahnbau hier beschäftigte Arbeiter G., der schon mehrfach vorbestraft ist, verübte auf seine Hauswirtin einen Ueberfall. Nach einem Wortwechsel begann er die Frau am Halse zu würgen. Die Tochter aber kam der Mutter zur Hilfe und der Arbeiter ergriff die Flucht. Als am andern Morgen zu seiner Verhaftung geschritten werden sollte, nahm er Reißaus über die zugefrorene Fulda nach Breitenbach und Lüdersdorf und verschwand im Walde. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden.
Gersfeld, 20. Januar. Heute begann hier ein mehrtägiger Skikursus. Es beteiligten sich daran ca. 35 Lehrer aus dem Kreise Gersfeld, zu denen noch einige Herren aus Thüringen usw. kommen. Die Leitung'liegt in den bewährten Händen des Herrn Kantors Fenner (Brotterode) und des Herrn Lehrers Wittich (Klein-Schmalkalden); außerdem sind demselben noch zwei Meisterläufer für Sprung- und Schwunglauf aus dem Thüringer Wald beigegeben. Das Wetter ist vorzüglich und auch die Schneeverhältnisse sehr günstig, was wesentlich zur Begeisterung der Teilnehmer für diesen schönen, gesunden Sport beiträgt.
Caffel, 23. Januar. Ein gefährlicher Heiratsschwindler, der bereits sechzehn Jahre im Zuchthaus verbracht hat, stand heute in der Person des Schachtmeisters Peter Link aus Gelnhausen vor der Casseler Strafkammer. Im vergangenen Winter machte er auf Grund eines Heiratsinserats die Bekanntschaft verschiedener junger Damen. Er stellte sich als Husaren-Rittmeister vor, erzählte, er habe auf
Sonntag, den 25. Januar
Wtlhelmshöhe eine prächtige Villa und sei ^"ilhaber des Hessischen Bankvereins, und bestrickte zwei der Damen derart, daß sie sich mit ihm verlobten. Er ließ dann Verlobungskarten drucken und schickte Karten an das Offizierkasino in Leipzig und an das Offizierkorps der Zieten-Husaren. Eine der Damen betrog er dann um 990 Mk. Bei der zweiten blieb ein Betrug um 2000 Mk. beim Versuch. Das Gericht verurteilte den Heiratsschwindler mit Rücksicht auf seine hohen Vorstrafen zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und außerdem zu neunhundert Mk. Geldstrafe oder weiteren sechzig Tagen Zuchthaus.
Caffel, 23. Januar. Die Strafkammer verurteilte heute den Schmied Friedrich Ernst aus Cassel, der am 8. November seine Geliebte, die Frau eines hiesigen Arbeiters, und sich selbst in der Aue durch Revolverschüsse verletzt hatte, wegen schwerer Körperverletzung zu neun Monaten Gefängnis.
Caffel, 24. Januar. Nachdem mit den anderen Werken Richard Wagners sein Bühnenweihfestspiel „Parsifal" freigeworden ist, wird es auch auf der hiesigen Königlichen Bühne zur Aufführung gelangen. Die Vorbereitungen sind bereits seit Monaten im Gange, und die Proben haben begonnen. Die Erstaufführung des Werkes wird seinem Charakter als Bühnenweihfestspiel entsprechend in der Zeit des Osterfestes, voraussichtlich am Palmsonntag, statt- finden. Eine zweite Aufführung ist für den folgenden Mittwoch und eine dritte für den Ostersonntag vorgesehen.
Arenshausen, 22. Januar. Einen beträchtlichen Schaden erlitt ein Landwirt in Arenshausen infolge der strengen Kälte. Eine Sau hatte 12 Ferkel geworfen. Am anderen Morgen fand er deren acht im Stalle erfroren vor. Der Fall lehrt, daß man bei der Kälte auch auf den Schutz des Viehes sein Augenmerk richten muß.
Schwarz« (Saalebahn), 22. Jan. In der hiesigen Zellstofffabrik von Richard Wolff verunglückte der 50jährige Arbeiter Hermann Mackeldey dadurch tödlich, daß ihm ein Stück Holz mit aller Wucht gegen den Unterleib flog. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Verunglückte nach drei Tagen starb.
Eisenberg, 21. Januar. In hilflosem Zustande wurde in einer hiesigen Feldscheune vorgestern ein Handwerksbursche aufgefunden. Mittellos hatte er sich in den kalten Nächten die Scheune zum Nachtlager gewählt. Dabei sind ihm bet der strengen Kälte beide Beine erfroren. Der vollständig ermattete Mann wurde dem Krankenhause zugeführt. Sein Zustand ist sehr ernst.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag befaßte sich in mehr als sechsstündiger, vom Publikum und Abgeordneten stark besuchter Sitzung mit den Interpellationen der Sozial- demokraten und Fortschrittler über gerichtliche Behandlung der Zaberner Fälle. Die vorher auf der Tagesordnung stehende kurze Anfrage des Abg. Dr. Quarck (Soz.) über eine eventl. Ergänzung der Verordnung über den Handel mit Giften begegnete nur geringem Interesse und wurde vom Ministerialdirektor Dr. v. Joncquieeres dahin beantwortet, daß schon seit längerer Zeit geprüft werde, ob die Bestimmungen ausreichen. Nunmehr begründete Abg. Dr. Frank (Soz.) die sozialdemokratische Interpellation, was der Reichskanzler tun wolle, um Verfassmrg und Recht zu schützen gegen die Uebergriffe der Mrlitargewalt. Die Erledigung der Vorfälle in Zabern durch das Kriegsgericht sei keine juristische, sondern eine politische Angelegenheit. Als der Redner weiter behauptete, der Kronprinz stehe in intimer Freundschaft mit den Staatsstreichhetzern, und den Regimentsbefehl des Kronprinzen besprach, erhob die Rechte stürmischen Widerspruch, der die Linke zu anhaltenden Gegen- kundgebungen veranlaßte. Als Redner nach nahezu zwei Stunden endete, erhob sich Reichskanzler von Bethmann Hollweg und legte unter dem stürmischen Beifall der Rechten energische Verwahrung ein gegen die Angriffe auf den Kronprinzen, die nur den ganzen Haß der Sozialdemokraten gegen den soldatischen Geist offenbare. Abg. Dr. von Liszt (fortschr.) begründete die Interpellation der Fortschrittler, was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um den Gefahren zu begegnen, die durch Gerichtsverhandlungen erörterte Sachlage geschaffene Beunruhigung zu beheben. Redner gab eine ausführliche juristische Darlegung über die Gültigkeit der Kabinettsorder von 1820, hielt sie für ungültig, da sie durch die preußische Verfassung aufgehoben sei, und betonte, daß die Interpellation sich nicht gegen das Heer richte. Seine Partei wolle ein starkes Preußen und sei nicht gegen die Kommandogewalt der Krone. Nunmehr nahm
1914.
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg das Wort zur Beantwortung der Interpellationen. Er verbreitete sich zunächst über die rechtlichen Grundlagen der militärischen Notwehr gegen Angriffe und erklärte, daß eine Prüfung der Dienstanweisung, soweit sie sich auf das Einschreiten &£ Militärs beziehe, im Gange sei. Fest stehe, daß von einen. Sübelregimente in Deutschland keine Rede sein könne. Man sei bemüht gewesen, einen Gegensatz zwischen Nord und Süd zu schaffen, vergesse aber, daß keiner der Bundes- staaten bestehen könne ohne das einige Reich. Das Ringen von Orleans usw. habe gezeigt, was die bayerischen Soldaten geleistet haben. Nur eine Partei wünscht die Zaberner Vorfälle auszunutzen für ihre Ziele, die auf eine Demokratisierung des Heeres hinauslaufen und das Gefühl der Zusammengehörtg- keit von Heer und Volk zu stören. Das Heer dürfe kein Instrument für Parteikämpfe werden. Unter der Herrschaft der sogenannten Soldateska sei Deutschland groß und stark geworden. Den Glauben, daß unser Volksheer die Nation gesund erhalten werde und daß Pflichterfüllung und Pflichttreue notwendig seien, wenn Deutschlands Weltstellung aufrecht erhalten bleiben solle, dürfe man sich nicht rauben lassen, weil an einem einzigen Orte sich Dinge abgespielt haben, deren Wiederkehr kein Mensch wünsche. (Lebhafter Beifall.)
In der Besprechung der Interpellationen bemerkte Abg. Fehrenbach (Ztr.), daß die Ausführungen des Reichskanzlers zum Teil auch von seinen Freunden gebilligt werden. Die Elsaß-Lothringer haben nur den Wunsch, ein starker Ast am deutschen Baume zu sein. Abg. Vassermann (natl.) billigte die Ausführungen des Kanzlers, daß die Befugnisse zwischen Zivil- und Militärgewalt abgegrenzt werden sollen. In kurzer eindrucksvoller Rede legte Abg. Graf von Westarp (kons.) den Standpunkt seiner Freunde dar, deren Auffassung vorn Verhalten des Militärs bestätigt worden sei. Die uneingeschränkte Kommandogewalt sei die festeste Säule des ganzen Staates. Die Anträge darüber bedeuten lediglich deren Aushebung bzw. ziehen sie vor das Forum des Reichstags. Dies könne die konservative Partei nicht mit- machen. Der so lebhaft angegriffene Preußentag sei keine Veranstaltung der konservativen Partei. Diese aber werde sich gegenüber den vielen Angriffen auf Preußen schützend vor die Verfassung stellen. (Beifall rechts.) Sonnabend Fortsetzung.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag begründete bei der Fortsetzung der Beratung des Landwirtschaftsetats Abg. Wenden (kons.) einen Antrag im Interesse der Küsten- und Hochseefischerei die Anlagen von Fischereihäfen an der Ostseeküste und in den Hafferrzu vermehren. Abg. Freiherr v. Maltzahn (kons.) betonte, daß die Förderung der fischereitreibenden Bevölkerung sowohl im Interesse der Landesverteidigung wie der Nahrungsmittelver- sorgung liege. Es müßten größere Mittel bereitgestellt werden. Die Abgg. Gerlach (Ztr.), Schmiljan (Fortschr.) waren mit dem Antrag einverstanden. Ein Antrag forderte im nächsten Jahre den Fonds Hebung der Fischerei überhaupt um 30 000 Mk. zu erhöhen zugunsten einer Propaganda für den Fischabsatz der Hochseefischereihäfen. Der Landwirtschaftsminister erklärte seine Bereitwilligkeit, den durch die Sturmfluten geschädigten Fischern zu helfen. Ueberhaupt würde seine Verwaltung dauernd für die Interessen der Fischereibevölkerung eintreten. Noch in dieser Session würde jedenfalls das Fischereigesetz vorgelegt werden können. Abg. v. Böhlendorf-Kölpin (kons.) wünschte Einstellung von Motorbooten und Dampfern für die Ostsee, wo sich kein einziger Fischereidampfer befände. Nach zustimmenden Worten der Abgg. Waldstein (Fortschr.), Dr. Rewoldt (freik.) wies Abg. Dr. Hahn (kons.) nach, daß der Wunsch nach Zöllen auf Hochseefische nicht aus agrarischen, sondern aus Interessentenkreisen stamme. Der Landwirtschaftsminister gab bekannt, daß mit Hamburg Verhandlungen ange- knüpftwordensind, zur Erzielung gemeinsamerSchritte in der Propaganda. Nach unwesentlicher Debatte wurden die Anträge an die Budgetkommission verwiesen. Die Abgg. Wolff-Metternich und Dahlem (Ztr.) traten sodann für die Rhein- und Flußfischer ein. Beim Kapitel Meliorationen trat Abg. Dr. Hahn (kons.) für den Bau von Eisenbahnen ein, der den örtlichen Instanzen überlassen bleiben müsse und für KostenheranziehungHamburgs an derFlußregulierung der unteren Elbe. Nach kurzer weiterer Debatte vertagte sich das Haus auf Sonnabend 10 Uhr. Schluß 3/4 6 Uhr.