Einzelbild herunterladen
 

e

Me M LüMMst nach Deutschland kam.

Zu den Haussuchungen in Dresden.

Im Jahre 1907 wurde in der amerikanischen Stadt Irenton eine Fabrik von unbekannter Hand angezündet. Drei Tage später flogen im benachbarten Elkton drei Fabriken durch Dynamit in die Luft, und kurze Zeit nachher erschienen in Prinveton des Nachts etwa 150 maskierte Reiter, die mit ihren Revolvern die Einwoh­ner in Schach hielten, alle Drähte abschnitten, um dann ungestört einige Lagerschuppen in Brand zu stecken, wo etwa 50 000 Kilogramm Tabak lagerten. Die Urheber aller dieser Gewaltstreiche gehörten nach einer Fachzett- schrift einer Geheimgesellschaft an, einer jener Vereini­gungen, wie sie vorher in den Vereinigten Staaten als „Weißkappen" bestanden hatten. Die neue Gesellschaft nannte sich die „Nachtreiter von Kentucky und Tennessee", setzte sich ausschließlich aus Tabakpflanzern zusammen, und der Kampf, den sie führte, war gegen die „American Tobacco Company" gerichtet. Es war ein Kampf der Verzweiflung, der letzte Ausweg von Männern, die durch die genannte „Company" fast bis an den Ruin getrieben worden waren.

Um eine solche erbitterte Gegnerschaft verstehen zu können, muß man zurückgehen auf die Entstehungsge­schichte der „American Tobacco Company", die im Jahre 1890 beginnt. Damals taten sich fünf der größten ame­rikanischen Zigarettenfabriken zu einer Interessenge­meinschaft zusammen, die bald die Gestalt eines Trusts annahm. Das vorhandene Aktienkapital betrug etwa 25 Millionen Dollars, von dem 2 Millionen zur öffent­lichen Zeichnung aufgelegt wurden. Den Rest behielten die Gründer für sich. Alsbald setzte eine halsbrecherische Spekulation ein, deren Hintermänner die Trustleute Ja­mes B. Ducke, Anthony, N. Braöy, Peter B. Wiedner und Th. E. Ryan waren. Das zweite Kapitel in der Geschichte des Tabaktrustes beginnt mit der Gründung einer Tochtergesellschaft in London. Sie vollzog sich im Jahre 1902, und die neue Gesellschaft erhielt den Namen „British American Tobacco Co." Damit hatten die Trustleute in Europa Fuß gefaßt. Es währte nicht lange, bis sie auch England völlig „eingekreist" hatten, und ihre Augen richteten sich nach Deutschland.

Herr Jamas B. Ducke, der die Auslandsorganisa­tion übernahm, war berechnend und sah in die Zukunft. Es entging seinem Späherblicke nicht, daß der Zigaret- tenkonsum in Deutschland, im Gegensatz zum Zigarren- verbrauch, sich in ständig aufsteigender Linie bewegte. Während der letzten fünf Jahre trat etwa eine Verdoppe­lung des Zigarettenverbrauches ein. So trat denn Herr Ducke zuerst mit einigen deutschen Firmen in Verbm- dung. Die Firmen, die man beschuldigt, dem Trust an- zugehören oder unter seinem Einflüsse zu stehen, erhe­ben ausnahmslos gegen diesen Vorwurf lebhaftesten Protest. Man kämpft in Deutschland gegen den Trust. Sundertnndsechs Zigarettenfabriken haben sich als seine Gegner zusammengetan. Man weiß, wenn man in seine Hände gerät, dann beginnt eine Diktaturherrschaft auf dem Markte, bei der alle gebogen oder gebrochen werden. Diejenigen aber, die sich biegen, sinken herab zu willen­losen Untergebenen der fremder: Tabakleute, die mit ihrer Kapitals-Lawine alles unter sich begraben.

Der amerikanische Tabaktrust begann seme Wirk­samkeit auf deutschem Boden vor etwa dreizehn Jahren. Seit dieser Zeit hat er es durch die geschicktesten Manipu­lationen verstanden, bereits ein Viertel, wenn nicht so­gar schon 30 Prozent der gesamten deutschen Zigaretten- produktion unter feilte Kontrolle zu bringen.

Genesis und Recht#

Beantragung des Wiederaufnahmeverfahrens im Prozeß gegen Brandt. Aus Anlaß des milden Urteils im Krupp-Prozeß vor dem Oberkriegsgericht wider die Zeugleutnants Tilian und Genossen beabsichtigt der Verteidiger des Bureauvorstehers Maximilian Brandt, Rechtsanwalt Dr. Siegfried Löwenstein, betreffs der Verurteilung Brandts das Wiederaufnahmeverfahren zu beantragen. Er hat augenscheinlich deshalb der Ver­handlung vor dem Oberkriegsgericht als Zuhörer voll­ständig beigewohnt. Brandt wurde bekanntlich am 8. November 1913 von der 1. Strafkammer des Landgerichts Berlin 1 wegen fortgesetzter Bestechung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, die als verbüßt erachtet wurden. Direktor Eccius wurde seinerzeit wegen Beihilfe zur Bestechung zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist rechtskräftig, da weder die Staatsanwaltschaft noch die Angeklagten Revision eingelegt haben. Ob be­züglich Eccius auch das Wiederaufnahmeverfahren be­antragt werden wird, war bisher nicht zu erfahren.

Eine exemplarische Strafe für »wilde" Automobi­listen Hat das Landgericht in München gegen den Be­sitzer der dortigen akademischen Buchdruckerei F. Sträub ausgesprochen, der im August vorigen Jahres zwischen Kufstein und Kiefersfelden in Oberbayern mit seinem Automobil das neunjährige Töchterchen des Holzhand- lers Freyer aus München überfahren und getötet und ferner einem anderen 17jährigen Mädchen einen schweren Nervenchok verursacht hatte. Sträub, der in unzulässi­gem Tempo gefahren war, ist in Oesterreich sestgenom- Men und gegen 50 000 Kronen Kaution freigelassen wor­den. Der Gerichtshof hat nun den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu andert­halb Jahren Gefängnis verurteilt und, entgegen dem Antrag des Staatsanwalts, sofort verhaften lassen.

Vermischtes

Ein vernünftiger Entscheid. Gegen ihre Beranla- «zur Einkommensteuer hatte eine in Mill (Rhein- wohnende Gutsbesitzerin Klage erhoben. Die Klageschrift war dem Vorsitzenden der Einkommensteuer- Veranlagungskommission zugegangen, während sie be­stimmungsgemäß an den Vorsitzenden des Kreisaus­schusses zu richten war. Im vorliegenden Falle ist aber der Lanorat beides zugleich, sodaß die Klage in die rich­tigen Hände kam. Trotzdem wurde sie wegen unrichtiger Adressierung zurückgesandt, und als nunmehr die Adresse richtiggestellr wurde, war die vorgeschriebene Berufungs­frist verstrichen. Der Bezirksausschuß, an den sich die Klägerin wandte, setzte die Angelegenheit in den frü- heren Stand ein, sodaß jetzt der ordnungsmäßige In­stanzenweg durchgeführt werden kann. Der Bezirksaus­schuß begründete feinen Bescheid dahin, daß es nicht an­gebracht sei, eine Klage, die an die richtige Adresse ge­kommen sei, wegen nicht ganz ordnungsmäßiger Adres- fierung zurückzusenden.

Das Radiummouopol in den Vereinigten Staaten. Einer der Direktoren der Standard Chemical Company, Flannery, machte in der vom Kongreß eingesetzten Kom­mission, die über das von der Regierung geplante Ra- diummonopol berät, interessante Ausführungen. Er

' te sich scharf gegen die Absichten der Regierung, als schädlich für die schnelle Verbreitung des Heil­mittels ansehe. Ihm sei bekannt, daß einer der reich­sten Leute des Landes, ein hochbetagter Industrieller, den Plan habe, im ganzen Lande zwanzig Hospitäler zur unentgeltlichen Behandlung Krebskranker mit Radium zu bauen. Der Multimillionär habe zu diesem Zweck Sie Summe ruru 15 WiLionen Dollars aufgeworfen.

wendete

die er

Eine derartige hochherzige Stiftung würde vereitelt wer­den, wenn die Regierung das Radium aus dem freien Verkaufe zu ziehen in der Lage wäre. Flanneros Aus­führungen machten großen Eindruck auf die Mitglieder der Kommission. Man glaubt, daß der alte Rockefeller der Stifter ist.

Eine amerikanische Massen-Lynchjnstiz. Ein schreck­licher Vorfall hat sich kürzlich in der Stadt Williston im Staate Norö-Dakoto zugetragen, der beweist, daß Richter Lynch in Amerika noch immer umgeht und auf die blutigen Instinkte in den Massen des Pöbels auf­reizender denn je wirkt. Ein Farmer, namens Cleve

die blutigen Inst reizender denn t _ Culbertson, hatte sich mit einer benachbarten Farmer­familie Dillon tödlich verfeindet und den Mitgliedern derselben blutige Rache geschworen. Als die drei Söhne des alten Dillon eines Nachts durch deu Wald nach ihrer Farm zurückritten, knallten plötzlich aus dem Dickicht mehrere Revolverschüsse hintereinander, die trotz des Dunkels ihr Ziel nicht verfehlten und die drei jungen Farmer tödlich verletzten. Zwei von ihnen erlagen den mörderischen Schüssen auf der Stelle, der dritte wurde mit einer stark blutenden Wunde in der Brust ein paar Stunden später aufgefunden und hauchte im Elternhause sein junges Leben aus. Der Verdacht lenkte sich sehr bald auf Eleve Culbertson, dessen Feind schaft mit der Familie Dillon in der ganzen Umgegend bekannt war. Als man ihn verhaftete, gab der feige Moröbube seine Tat kaltblütig mit zynischen Worten zu, suchte sich aber später, als man ihn ins Gefängnis schaffen wollte, mit allen Kräften zu wehren und konnte nur mit schwerer Mühe überwältigt werden. Das Ge­richt verurteilte ihn nach kurzer Verhandlung zu le­benslänglichem Zuchthaus. Dieses Urteil entsprach aber in keiner Weise den Erwartungen der Menge, und man beschloß, wie immer in Amerika in solchen Fällen, der beleidigten Gerechtigkeit durch Lynchjustiz im Handum­drehen Genüge zu tun. 300 bis an die Zähne bewaffnete Bürger und Farmer fanden sich zur bestimmten Zeit am verabredeten Orte ein und stürmten das Gefängnis. Bei ihrem Eindringen versuchte ihnen der Sheriff Erick- son als Vertreter der Behörde das Ungesetzliche ihres Vorgehens klarzumachen. Aber man hörte gar nicht auf ihn, sondern sperrte ihn kurzerhand in eine Zelle. Da­nach drang die wütende Menge in die Zelle des Mör­ders, packte den sich wie ein Rasender Wehrenden und schleppte ihn in ein bereit stehendes Automobil. So­dann fuhr man mit ihm nach einer entfernten Brücke, an deren Pfeiler der Mordbube schleunigst aufgeknüpft wurde, wobei man seinen Körper noch mit Hunderten von Kugeln durchlöcherte. Da man nun schon einmal beim Lynchen war, so hatte die Menge, deren Wut keine Grenzen kannte, noch zwei Schwarze, die eben­falls eines Mordes schuldig waren, mitgenommen und sie ebenfalls nach demselben amerikanischen Verfahren vom Leben zum Tode befördert. ________________

schon einmal :, deren Wut

Preußen und Ungern im Aeldzug

Treue Kameraden.

der Erregung, die in Bayern über die Rede des Generals v. Kracht auf dem

Aus Anlaß mißverstandene „Preutzentage" menwirken der

entstanden ist, wird über das Zusam- bayerischen und preußischen Soldaten im deutsch-französischen Kriege von militärischer Seite

geschrieben:

Sogleich beim Ausbruch des Krieges bewährte sich Bayerns Vertragstreue im schönsten Lichte. Sowie die Kammer der Reichsräte und die Abgeordnetenkammer die zum Kriege notwendigen Kredite in heller Begei­sterung bewilligt hatten, traf auch schon ein Telegramm des «Königs von Preußen ein, in dem er dem König Ludwig mitteilte, daß die bayerische Armee zu der un­ter dem Kommando des preußischen Kronprinzen stehen­den III. Armee gehöre. Die Ankunft des preußischen Kronprinzen in München erregte ungeheure Begeiste­rung. Aller Partikularismus schien wie vom Erdboden verschwunden. Es bedarf keines Wortes mehr, daß sich Bayerns Truppen im Verlauf des Feldzuges in treff­lichster Weise bewährten und in zahllosen Kämpfen und Schlachten Schulter an Schulter mit ihren preußischen Kameraden den Sieg erzwängen. Und auch darüber herrscht bei allen, die den Feldzug mitmachen durften, nur eine Stimme des Lobes und der Anerkennung für das durchaus kameradschaftliche Verhältnis zwischen preußischen und bayrischen Soldaten.

Schon im Treffen bet Weißenburg am 4. August hatten die Bauern Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Sie waren es vor allem, die schon am frühen Morgen auf dem rechten Flügel vor den sturmfreien Mauern von Weißenburg den lebhaften Widerstand des Feindes zu überwinden hatten. Auch das II. bayerische Korps gab dem Treffen von Weißenburg durch sein tatkräftiges Vorgehen bet Bitsch und am westlichen Ufer der Dauer in vieler Hinsicht eine entscheidende Wendung. Unver­gessen sind noch die wackeren Taten der Bayern in der Schlacht bei Wörth am 6. August, wo baf II. bayerische Korps bald in. ein schweres Gefecht mit dem linken fran­zösischen Flügel verwickelt wurde. Auch die Schlacht bei Beaumont am 30. August bot bayerischen Soldaten reiche Gelegenheit, im Verein mit ihren norddeutschen Kameraden sich wacker auszuzeichnen. Hier war es be­sonders die bayerische Artillerie, die die Mttrailleusen der Franzosen auf dem Höhenzuge nördlich Beaumont bald zum Schweigest brächte. Bekannt ist auch der furchtbare Sturmangriff der Bayern auf Ferme Thi- baudine, während zu gleicher Zeit die Preußen Harno- terie erstürmten. Auch das erste bayerische Korps un­ter General v, d. Tann war am Ausgang dieser Schlacht mit Auszeichnung beteiligt.

Ebenso rühmlich war das Verhalten der bayerischen Truppen in den Kämpfen vor und bei Sedan. Be­kannt ist hier das Vorgehen der 5. bayerischen Brigade gegen Balan, wobei es ihr erst nach heftigem Kampfe gelang, den Schloßpark in Besitz zu nehmen. An den Kämpfen um Moncelle nahm die 5. bayerische Brigade lebhaften Anteil, und ihr ist es zu verdanken, daß dem Vordringen der Franzosen ein Ziel gesetzt werden konnte. In dem furchtbaren Ringen um das brennende Baceilles verrichteten die Bayern im Bunde mit Preu­ßen und Sachsen Minder von Heldentaten und trieben trotz heftiger Gegenwehr die Abteilungen des 12. Fran­zösischen Korps zurück. Die Zahl dieser Beispiele ließe sich noch leicht ins Ungemessene vermehren. Es sei hier nur noch an das prachtvolle Zusammenwirken der preu­ßischen und bayerischen Soldaten vor Paris und vor Orleans erinnert. Die Kämpfe um Orleans sind ja wie bekannt wesentlich durch die unaufhaltsame Bravour der Bayern unter General v. d. Tann entschieden wor­den. So haben Bayern und Preußen im Kriege allzeit treue Waffenkameradschaft gehalten, und keine der bei­den Armeen bedarf, ohne die geschichtliche Wahrheit zu verdunkeln, sich das alleinige Verdienst am endlichen günstigen Ausgang des Krieges zuschreiben.

~ neuestes Dom Cage.

Die Ostmarkenzulage abermals abgelehnt.

o*#> Berlin, 28. Januar. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission des Reichstags wurde die Ostmarken-

um

zutage, für 5W 1,2 MiMoüest ht Seit Etat Ver ReichSpüf und Tetegraphenverwaltung eingestellt sind, gegen Mi Stimmen der Konservativen, der Nationalliberalen der Fortschrittler gestrichen.

dem

Der Schaden im pommerschen Hochwassergebiet.

Berlin, 23. Januar. Nach Nachrichten aus Hochwassergebiet stehen im Kreise Cöslin allein 12 bis 18 000 Morgen Land unter Wasser und sind meist hoch mit Eis bedeckt. Hilfe tut noch immer dringend not.

Großer Brand in der Reichshauptstadt.

9-*- Berlin, 23. Januar. (B. Z.) Ein gewaltiger Dachstuhlbrand brach heute vormittag kurz nach 10 Uhr an der Ecke Großbeeren- und Horststraße aus. Der Dachstuhl bräunte völlig nieder. Ein Kind wurde noch im letzten Augenblick in Sicherheit gebracht.

Schwere Unfälle beim Sport in St. Moritz.

9-* St. Moritz, 23. Januar. (B. Z.) Bet dem großen Bobrennen auf der Krestabahn kippte an einer Kurve ein Bob um. Die Insassen, die Prinzessin Erika von Hohenlohe - Oehringen und Prinz Anton von Orleans, wurden herausgeschleudert. Erstere erlitt eine Quet­schung im Genick, der Prinz einen Nasenbeinbruch, dem Bremser des Schlittens wurde die Schulter ausgerenkt. Einen ähnlichen Unfall erlitt die Mutter der Prinzessin, e Prinzessin Friedrich Carl von Hohenlohe, die durch Umkippen eines Schlittens eine" Verletzung am Kme davontrug. Der französische Dramatiker Henry Bataill« erlitt ebenfalls Verletzungen. Ein anderer Herr stürzte 400 Meter tief ab und wurde bewußtlos ins Hospital gebracht.

Eine Interpellation wegen der Bazillenlieferunge»

6-* Wien, 23. Januar. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachten der Abgeordnete Ire und Genossen eine Interpellation betreffs des Verkaufs von gezüchteten Bazillen und Reinkulturen an den Gtft- mörder Hopf zu Frankfurt am Main von dem Krahl- schen Museum in Wien ein. Die Interpellanten fragen den Minister, ob er geneigt sei, sofort verschärfende Be­stimmungen über die Züchtung und den Verkauf von Bakterien und Reinkulturen zu treffen.

Hoffnung aus günstige Regelung der Jnselfrage.

9-* Paris, 23. Januar. Petit Parisien meldet, man habe in diplomatischen Kreisen den Eindruck, daß die Jnselfrage schließlich in günstigem Sinne geregelt werde. Griechenland werde den Türken Chios und Mytilene überlassen unter der Bedingung, daß es für die beiden Inseln, welche die Autonomie erhalten werben, einiae Teile der gegenwärtig von Italien besetzten Inseln erhält.

Giftmord aus Habsucht.

9e* Paris, 23. Januar. In Clary wurde eine Bäuerin verhaftet unter der Beschuldigung, ihren Vater und ihren Bruder mit Arsenik vergiftet zu haben, um die einzige Erbin eines reichen Onkels zu werden.

Streik ohne Ende in Portugal.

Lissabon, 23. Januar. Trupps beschäfttaungs- loser Arbeiter durchziehen die Straßen der Stadt und fordern die Kaufleute auf, die Läden zu schließen. An e Straßenbahner wird die Aufforderung gerichtet, die Arbeit niederzulegen. Militär zerstreute die Trupps.

NUN! in d

Liebesraserei eines russischen Gardeleutnants.

t-t Petersburg, 23. Januar. Der russische Garde­leutnant von Kolsakoff befand sich mit mehreren Freun­den und Freundinnen in einem Cafe und ließ die im Lokal konzertierende Zigeunerkapelle auf eigene Rech- g mehrere Stunden lang spielen. Eine Zigeunerin, sie er sich verliebt hatte, verfolgte er unaufhörlich mit Liebesanträgen. Als der Vater des Mädchens sich dieses verbat, schoß der Leutnant ihn obne weiteres nieder und verletzte das junge Mädchen gleichfalls durch mehrere Revolverschttsse. Auch auf die anderen Zigeuner, die auf ihn einstttrmten, feuerte er Schüsse ab, tötete einen von und verletzte zwei andere. Kolsakoff wurde ver-

ihn einst ihnen uv

haftet.

Eine Milliarde Mark hinterlassen.

9!* Nenyork, 23. Januar. (B. Z.) Der im Juni v. Js. verstorbene amerikanische Eisenbahnmagnat Brady, dessen Vermögen man auf etwa 60 Millionen Dollar geschätzt hatte, hat in Wirklichkeit über 200 Mil­lionen Dollar, also eine Milliarde Mark, hinterlassen.

Berliner Getreide- und Viehmarkt.

In der am 21. Januar abgelaufenen Berichtswoche neigte die Preisbewegung am Getreidemarkt nach un­ten. Auf Wetzen waren die großen Weltverschiffungen, welche der starken Ausfuhr Nordamerikas zu einem gu­ten Teil zuzuschreiben sind, von drückendem Einfluß, obwohl die Schätzung des argentinischen Exportüber­schusses und auch der anfangs so glänzend angesehenen australischen Ernte weiter ermäßigt wurde. In Deutsch­land macht sich zwar andauernd Begehr für den Export geltend, andrerseits mehren sich aber die Zufuhren be­sonders aus der Provinz Sachsen und Schlesien, sodaß die Preise am Berliner Markt etwa 1 bis 1% nach- gaben. Roggen wird wegen des drohenden Zolles wei­ter in umfangreichem Maße von russischen Händlern gekauft und Ware macht sich ziemlich knapp. Gleich­wohl konnte sich der Preisstand voll behaupten. Man ist der Ansicht, daß die Ablieferungen der Landwirtschaft an Roggen bet der letztjährigen großen Ernte in kurzem einen größeren Umfang annehmen dürften. In Hafer ist neues Ausfuhrgeschäft schwieriger geworden, jedoch ist aus früheren Abschlüssen noch viel Ware nach dem Auslande zu senden, sodaß wohl nur Eisschwierigkeiten die Ursachen sein dürften, wenn der Export sich etwas gemindert hat. Feinere Sorten sind sowohl von Ex­porteuren wie von Jnlandshänölern begehrt, während mittlere und geringe Ware nur schwer Käufer findet. Das Geschäft in russischer Futtergerste war bet man­gelnder Unternehmungslust recht still. Mais schwankte ein wenig im Preise, zeigte aber schließlich etwas festere Tendenz. Die Notierungen für Lieferung im Mai stell­ten sich schließlich wie folgt: Weizen 198,50, Roggen 162,50, Hafer 156,75, Mais 142.

Preise des städtischen Schlachtviehmarktes. Ochsen: vollfl., ausgemäst., höchst. Schlachtw. 88—91 X, junge fletsch., nicht ausgem. und ältere ausgem. 85—89 X, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 79—83 X Bullen: ausgewachsene, höchst. Schlachtwertes 86—91 X, vollfl. jüngere 80—86 X mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 79—83 x Färsen: vollfl. ausgem. Färsen höchst. Schlachtwertes 80—83 Kühe: vollfl., ausgem. höchst. Schlachtw. bis zu 7 Jahren 77—81 X ältere ausgem. und wenig gut entwickelte jüngere 78 bis 78 X mäßig genährte Kühe und Färsen 68—70 X gering genährte Kühe und Färsen bis 72 X Jungvieh: gering genährtes 78—82 X Kälber: Doppellender fein­ster Mast 143—156 X, feinste Mastkälber 120—122 X, mittlere Mast- und beste Saugkälber 103—118 X, ge­ringere Mast- und gute Saugkälber 91—102 X, geringe Saugkälber 73—91 X Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel 94—98 X, ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 82—90 X, mäßig genährte Hammel u. Schafe 71—81 X Schweine: Fettschweine über 3 Ztr. 67—68 X, vollfleischige 240 bis 300 Pfd. 66—68 X, 200- 240 Pfd. 66 67 X 160—20< Pfd. 65—66 x unter 160 Pfd. 62—64 X, Sauen 68 bis 65 X