Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei M[$|u||tt Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 '
für den Kreis Hersfeld
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§ernsprech-5lnschlutz Nr. 8
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Nr. 20. Sonnabend, den 24. Januar 1914.
Bus der Heimat«
Wintersport.
Wohl viele, wenn nicht alle Freunde des Wintersportes hatten sich, als Jupiter Hibernus im Dezember mit dem Schnee in unserem schönen Hessenland so auf sich warten ließ, wenig von diesem Winter versprochen, zumal ja auch die Winter der letzten Jahre uns hier im allgemeinen keinen Schnee brachten. Aber dieses Mal sind sie angenehm enttäuscht, denn reichliche Mengen von Schnee sind gefallen und schöne Schlittschuhbahnen sind bei der starken Kälte dieses Monats entstanden. Wenn auch die Straßen Hersfelds nur noch ganz wenig oder gar keinen Schnee mehr aufweisen, so liegt doch auf den höheren Bergen noch reichlich Schnee, der die Ausübung des Wintersportes sSkilaufen und Rodeln) gestattet. Wir Hersfelder Skifreunde brauchen vorläufig noch nicht die Rhön oder den Thüringer Wald aufzusuchen, denn wir können den uns liebgewordenen Sport in viel bequemerer und billigerer Weise auf dem Eisenberg ausüben. Und daß die hiesigen Skifreunde diese gfinstigen Verhältnisse zu schätzen wissen, haben die letzten Sonntage bewiesen, die dem Eisenberg eine ganz nette Anzahl Gäste brachten. Da die Lust und Liebe zum Skisport auch hier bei uns immer größer wird und von Jahr zu Jahr mehr Skifreunde gewinnt, so ist es wohl angebracht, wenn den hiesigen Skifreunden von den vom Deutschen Skiverband vor längerer Zeit herausgegebenen „12 Geboten für den Skilänfer" einige auch für unsere hiesigen Verhältnisse passenden Gebote unterbreitet werden. Dieselben sind sehr empfehlenswert und lauten:.
1 Edel, herrlich und kühn ist der Schneeschuhsport. Tue drum und dulde nichts, was deine Kunst bei Nebenmenschen in Verruf und Mißachtung bringt.
2. Uebe Rücksicht auf deine Sportgenossen und andere Menschenkinder im Eisenbahnwagen und im Gasthaus, auf der Landstraße und dem Ziehwege wie auf weiter Flur! Dein Geleitwort sei überall: „Nimm Rücksicht auf Andere."
3. Anderen zur Last fallen zu müssen, bringt dir Schimpf und Schande. Wage dich an keine Wanderfahrt, der du körperlich und geistig nicht gewachsen bist.
4. Gibt dir die Natur aus ihrem unerschöpflichen Born als Lohn für deine Kunst frischen Lebensmut und neue Lebenskraft, so erprobe sie nicht an fremder Leute Besitz, und wenn es nur an einem mühselig hergestellten Holzzaun wäre. Denke draußen wie daheim: Heilig ist das Eigentum.
5. Widerfährt einem Wandergenossen ein Unfall, triffst du auf einen, dem die Kraft versagt, verlasse ihn nicht!
6. Verlasse gastliche Stätten (Skihütten pp.) wie du wünschest, daß geladene Gäste dein eigenes Heim verlassen! Gebrauche das Hausgerät schonend und zweckentsprechend, lösche Feuer und Licht, reinige alles, was du benötigt hast! Schließe Tür und Fenster!
7. Führt dich dein Weg durch den Wald, schone Baum und Strauch mehr noch wie zur Sommerszeit! Bist du in eine scheinbare Lichtung geraten, so zertritt die jungen Bäumchen der Anpflanzung nicht!
8. Sitzest du im Gasthaus, wo Fremde dir zuhören, so schneide nicht auf mit Taten, deren du oder deine Freunde sich schämen müßten, gar wenn du diese gar nicht vollbracht hast! Ski Heil! W.
§ Hersfeld, 23. Januar. Da infolge des früheren Schlusses des Lehrgangs an der hiesigen Kriegsschule diesmal am 27. Januar ein Festgottesdienst mit anschließender Paradeaufstellung nicht stattfinöet, so wird die kirchliche Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers mit dem Hauptgottesdienst am Sonntag den 25. Januar verbunden.
):( Hersfeld, 23. Januar. Die Fuldataler Militär- briestauben-Reisevereinigung, zu welcher auch die beiden hiesigen Reisevereinigungen gehören, veran- staltet am kommenden Sonnabend und Sonntag den 24. und 25. d. M., zu F u l d a ihre erste Militär- Brieftanben-Ausstellung. FürJuteressenten ist dieselbe von großer Wichtigkeit, werden doch 450 Stück Tauben gezeigt. Außerdem werden auch Geräte, Apparate zur Schau gestellt. Am Sonnabend nachmittag um 2 Uhr erfolgt die Eröffnung der Ausstellung, .am Sonntag vormittag 9 Uhr ist großer Vortrag über Zucht und Dressur der Brieftauben. Die Ausstellung findet im Evangelischen Vereinshaus zu Fulöa statt.
Fulda, 22. Januar. Der Durchstich im Distel- rasen-Tunnel ist gestern erfolgt. Damit nähert sich einer der interessantesten Tunnelbauten seiner Vollendung.
Mels««gen, 21. Januar. Der Landrat unseres Kreises, von Aschoff, ist zum Oberregierungsrat er
nannt und gleichzeitig als Dezernent für Kirchen- und Schulsachen zur Regierung nach Coblenz versetzt worden. Landrat von Aschoff hat sich infolge seiner vornehmen Gesinnung und strengen Gewissenhaftigkeit bet allen Kreisbewohnern, die mit ihm amtlich oder gesellschaftlich zu tun hatten, warme Sympathien erworben.
Borken, 22. Januar. Auf dem Heimwege ist der auf dem Rittergut Lembach beschäftigte Arbeiter Hausmann von der Kälte übermannt worden. Die Beine und auch der untere Teil des Körpers waren ihm vollständig erfroren. Der Bedauernswerte wurde nach dem Krankenhause Hephata überführt.
Gelnhausen, 21. Jan. Durch das Ausströmen von Gasen aus einer schadhaften Leitung wurde das Dienstmädchen des Justizrats Faber bewußtlos. Eine allein noch in der Wohnung anwesende alte Dame bat sofort den in seinem Bureau anwesenden Justizrat telephonisch um Hilfe, sank aber selbst nach wenigen Worten bewußtlos nieder. Der Anruf aber hatte trotzdem genügt, daß man sofort in die Wohnung eilte, diese aufbrach und die beiden Frauen noch rechtzeitig vor dem sicheren Tode retten konnte. Den Aerzten gelang es nach längeren Bemühungen, beide Frauen, die ins Krankenhaus geschafft werden mußten, ins Bewußtsein zurückzurufen. Ohne den Fernsprecher wäre menschliche Hilfe vergebens gewesen.
Hanau, 21. Jan. Vor der Strafkammer hatte sich gestern wegen fahrlässiger Tötung der Holzschneidereibesitzer Kailing aus Neudorf bei Bad Orb zu verantworten. Sein 2V2 Jahre altes Kind war von dem Getriebe der Transmission erfaßt und getötet worden. Er wurde freigesprochen.
Wiensen, 25. Januar. Beim Düngerfahren ging auf dem Felde dem Knecht Ernst Mönckemeyer das Gespann durch. Trotzdem M. die Pferde mit aller Kraft zu zügeln versuchte, gingen die rasenden Tiere über ihn hinweg. Mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen wurde der Bedauernswerte auf dem Felde aufgefunden und in die Göttinger Klinik geschafft.
Paderborn, 22. Januar. Bei dem Abbruch der alten Eisenbahn-Hauptwerkstätte stürzte heute vormittag eine Wand ein, wobei ein Zimmerpolier getötet und ein Arbeiter schwer verletzt wurde.
Abgeordnetenhaus.
Am Donnerstag wurde die Beratung des Landwirtschaftsetats fortgesetzt. Abg. Leinert (Soz.) trat für den Ausbau der Haushaltungsschulen auf dem Lande ein. Der Unterricht für die Arbeiterbevölkerung müsse unentgeltlich sein. Abg. Brors lZtr.) trat für Ausgestaltung der landwirtschaftlichen Winterschulen im Rheinland, Abg. Rewoldt (freik.) für die Erhaltung der Landwirtschaftsschule in Eldena ein. Von den Abgg. Dr. Varenhorst (freit.) und Dr. Arning wurde erneut die Frage über die Führung des schweizerischen Titels Dr. med. vet. aufgerollt. Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer sagte zu, sich mit dem Kultusministerium in Verbindung zu setzen, das vielleicht Entgegenkommen zeigen würde. Bisher habe die Regierung an dem Grundsatz der Maturitätsprüfung festgehalten, dem jene Herren meist nicht genügten. Die Abg. Wenke (fortschr.) und Meyer-Diepholz (natl.) bemerkten, daß über die Ausführungsbestimmungen in der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche vielfach Beschwerden erhoben werden. Die Abtötung des Viehes werde meist immer nur bei Kleinbesitzern vorgenommen. Der Landwirtschaftsminister erwiderte, daß die Abschlachtungen Erfolge gezeitigt hätten, und daß nur da abgetötet würde, wenn ein Umsichgreifen der Seuche damit verhindert werden könne. Er müsse energisch protestieren gegen die Unterstellung, daß lediglich bei den kleinen Besitzern abgeschlachtet würde. Von der Abschlachtung der Zuchttiere sei Abstand genommen worden, da das einen großen Nachteil für die Besitzer bedeuten würde, denn der Wert dieser Tiere lasse sich in Geld nicht schätzen. Abg. Baerecke (fonf.) bemerkte, daß die Vor- würfe gegen die landwirtschaftliche Verwaltung unbegründet seien. Die Konservativen träten entschieden für eine gleichmäßige Behandlung von Groß- und Kleinbesitz ein. Abg. Dr. Mugdan (fortschr.) wünschte erneut gleichmäßige Behandlung, um jeden Verdacht der Bevorzugung zu vermeiden. Abg. v. Pappenheim (fonf.) wandte sich gegen den Abg. Wenke. Beschuldigungen, wie er sie erhoben habe, um Groß- und Kleinbesitz zu verhetzen, seien sehr durchsichtiger Tendenz, die entschieden zurückgewiesen werden muffe. Abg. Dr. Roesicke ersucht um schärfste Anwendung der bestehenden Bestimmungen auch dem Ausland gegenüber. Denn es stehe fest, daß die Seuche aus dem Auslande eingeschleppt worden sei. Abg. GoebellZtr.) gab der Befürchtung Ausdruck, daß in Oberschlesien die Einfuhr lebender Schweine ganz verboten werden
könne, das verneinte jedoch Unterstaatssekretär Köster. Beim Kapitel Förderung der Viehzucht wird die Regierung ersucht, eine Denkschrift vorzulegen über die zur Hebung der heimischen Viehzucht getroffenen Maßnahmen. Ferner wird die Regierung ersucht, die Lage des Fmkerstaudes zu bessern. Dazu brachten die Abgg. Wachhorst de Wente (natl.), Ecker-Winsen (natl.), Möll (fonf.), Brors (Ztr.) besondere Wünsche vor. DerLandwirtschaftsministersagte diesen Wünschen zum Teil Berücksichtigung zu. Die Hebung der Geflügelzucht liege der Verwaltung ant Herzen, und er werde gern beim Finanzminister für Einstellung größerer Mittel eintreten. Abg. von Goßler (fonf.) erklärte seine Zustimmung zu dem nationalliberalen Anträge. Dem Wunsche der Imker auf Herabsetzung der Menge des steuerfreien Zuckers sei Rechnung zu tragen. In ähnlichem Sinne sprachen die anderen Redner. Der Lanowtrtschaftsmintster gab bekannt, daß eine Novelle zum Nahrungsmittelgesetz in Vorbereitung sei, die den Eigenschaften des Honigs ge- recht werden solle. Den Imkern sollen durch die Landwirtschaftskammern Mittel bereit gestellt werden. Abg. Lienewitz (fonf.) trat für Hebung der Ziegenzucht ein. Nach Annahme des nationalliberalen Antrages vertagte sich das Haus auf Freitag. Schluß 1/25 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Das Haus setzte am Donnerstag die allgemeine Aussprache über den Etat des Innern fort. Abg. Rowicki (Pole) führte Beschwerde über die Verfolgung polnischer Vereine. Abg. Dr. Haegy (Elf.) hielt die Beibehaltung der bisherigen Wirtschaftspolitik für notwendig und wünschte besondere Vergünstigungen für die Reichslande. Reichsbankpräsident Havenstei« erklärte die Angriffe gegen die Diskontpolitik der Reichsbank für unberechtigt. Ein Nachlassen der Anspannung sei zu erwarten. Aber immer müsse es der Reichsbank überlassen bleiben, den Zeitpunkt der Diskontherabsetzung zu bestimmen. Abg. Dr. Werner- Gießen (w. Vg.) forderte entschiedene Maßnahmen gegen Konsumvereine und Warenhäuser und kräftige Unterstützung des Mittelstandes. Abg. Heine (Soz.) bezeichnete die Forderung nach Einschränkung des Koalitionsrechtes als volksfeindlichen Trieb. Volksbildung und Organisation seien die einzigen Mittel gegen Streikausschreitungen. Die Polizei nehme von vornherein Partei gegen die Arbeiter. Der Re- gierungsentwurf der Strafgesetzreform sei eine Gefahr für das staatsbürgerliche und das Koalitionsrecht. — Freitag: Interpellation über die Vorgänge in Zabern.
Wandervorschläge für Sonntag.
1. Für die Anhänger des Skisportes.
Früh 6.52 Uhr mit der Bahn bis Frielingen, von hier Wanderfahrt über das Jagdhaus zum Eisenberg; auf dem Plateau desselben Uebungsfahrten, dann, entweder Abfahrt nach Oberaula oder wieder nach Frielingen. Rückfahrt mit der Bahn.
2. Für die Touristen und Wanderfreunde:
a. 12 T a g e s t o ur: Hersfeld-Frauenberg-Falken- blick-Gittersdorfer Waldweg-Hählgans; Reckeröder Straße-Meisebach-Hersfeld. (2 bis 3 Std.)
6. 1/2 Tagestour: Hersfeld-Wehneberg-Mittel- kopf-Tann-Hohe Buche-Rotenburg. (4 Std.) Rückfahrt mit der Bahn.
Der Winter.
Die Schneeflocken fallen Und kalt weht der Wind, Froststarrend die Erde Die Sonne entschwind.
Der Himmel ist umwölbet
Im fahlen Schein, Es kehrt mit Gefolge Der Eiskönig ein. Wildschäumende Rosse Am Schlittengefähr, Im blitzenden Mantel So braust er einher.
Und wo er hinschreitet Nach altem Brauch, Die Erde erstarret Im eisigen Hauch.
Mit ihm im Gefolge
Die Eistöchterlein, Ihre Kronen blitzen Im Mondenschein.
Die Flocken, sie fallen Ohn' Rast ohn' Ruh Sie decken die schlummernde Erde zu.
Sie lieget wie im schweren Traum,
Die Elfen huschen von Baum zu Baum.
Die schlafenden Bäume Sie neigen sich tief, Ihnen ist's als ob Eiskönig sie rief.
Sie lächeln im Traume, Wie sind sie beglückt, Eistöchterlein hat sie Mit Rauhreif geschmückt!
Sie blitzen und glitzern Wie Diamantenschein, ES tanzen ein Reigen Die Eistöchterlein.
Und wenn wir des Morgens, Vom Schlummer erwacht Und rufen erstaunt, „Was geschab diese Nacht!"
Da huscht über die Erde, Ganz leise und sacht, Schneemännchen steht in der Ecke Und schmunzelt und lacht, „Eiskönig" hat euch Den Winter gebracht!
Mathilde Sauer.