Einzelbild herunterladen
 
  

Der M im euglischen Kabine«.

Britisch-kanadische Flottenfragen.

Die Sparpolitik des Schatzkanzlers Lloyd George steht mit den erhöhten Rüstungsfor^erungen des Marine­ministers Churchill in scharfem Gegensatze, und wenn es in der Kabinettssitzungauch zu einer vorlaungen Verftändiaung gekommen ist, wodurch die befürchtete Kabinettskrise verhindert wurde, so ist der vorhandene sm& itntfÄen den beiden Hitzköpfen der Regcerung auf

ÄW mew w Mistern. Der MiMM- vräiident Asauith, der schon so manche Klippe mit Ge­schick umging, mußte schleunigst vom französischen Meeresstrande an die Themse zurückkehren, um einen SÄ .Ä W“. ””i" W 81=06 menrae und Churchill verrammt hatten.

Schon beim Jahreswechsel eröffnete der ^^a^kunz- ler einen heftigen Feldzug gegen die neuen Flotten- riiftinm§niäne des Marineministers, der bekanntlich das rSßÄ

Wnnh ßieoröe nicht überzeugt war, daß er die Über- wiegende Zahl der Kabinettsmttalieder hinter sich» Wie, so würde er sich wohl vor zu schroffen Angriffen auf gen Marineminister gehütet haben. Ferner glaubte sich K ISSr ouf »1= M---I- M-N-'t S°S M--«. menfg stützen zu können, wenn er die Notwendigkeit der stnsckränkuna der Flottenausgaben betonte. Da As- gutth nicht wagt, den Flottenminister über Bord zu wer^n weil dieser sich in militärischen Kreisen eines großen Einflusses erfreut, so mußte der Kabinettsleiter einen vermittelnden Kurs steuern, um eine Katastrophe zu ^^M^lungsverschiedenheiterl imenglischer» Mim- stertuni und Parlament über den Weiterbau der briti­schen Flotte beanspruchen selbstverständlich in Deutsch­land besondere Aufmerksamkeit. Nachdem das „Flotten- feterjahr", das von englischer Seite angeregt wurSe, hauptsächlich an französischem Widersprüche in der glei­chen Versenkung verschwunden ist, in dem stcö schon das Flottenverhältnis von 10 : 16 zwcsche»» Deutschland und England befindet, sehen wir neuen Verstandigungsvor- schlagen der britischen Kabinette entgegen. Da Lloyd George verkündet hat, daß die englischen Beziehungen zu Deutschland gegenwärtig freundschaftlicher als seit langer Zeit seien und eine Kriegsgefahr zwischen den beiden Staaten als beseitigt gelten könne, dürfte es doch dem britischen Kabinett nicht schwer fallen, die richtigen Folgerungen aus der gebesserten Lage zu ziehen.

Marineminister Churchill verharrt bisher auf dem Standpunkt, daß die viel kanadischen Schiffe, auf die nicht mit Bestimmtheit zu rechnen sei, von England ge­baut werden müßten, um einen Stand von sechzig Pro­zent Neberlegenheit gegen Deutschland beizubehalten. Lloyd George vertrat hingegen die Ansicht, daß zwei Ersatzschiffe genügten. Das kanadische Unterhaus hat sich soeben gleichfalls mit der Flottenfraae beschäftigt, und es wurde dabei ausgesprochen, daß die Ablehnung der Flottenvorlage durch den Senat Kanada in Miß­kredit gebracht habe. Ministerpräsident Borden Betonte dagegen, daß Kanada die ganze Angelegenheit gern emer neuen Prüfung unterziehen würde, wem» die Machte irgendwelcher» Einschränkungen m den Rüstungen zil- stimmten. Die Frage, ob es sich um eine kanadische Sonderflotte oder eine Beteiligung an der britischen Reichsflotte handeln werde, könne erst durch die allge­meinen Wahlen entschieden werben.

Das ausweichende Verhalten Kanadas treibt natür­lich Wasser auf die Mühlerr Churchills, der immerfort behauptet, daß die drei kanadischen Schisse sür die Auf­rechterhaltung der Vormacht der englischen Flotte aus den Weltmeeren unbedingt notwendig seien. Das bri­tische Monopol der Plank ist allerdings nicht allein von Deutschland gefährdet worden, sondern die Flottenrü- Sen fast aller seefahrenden Nationen haben die welt- sche Lage Englands gründlich verändert. Die deutsche Kriegsgefahr ist auf englischer Seite nur ei e Folge überreizter Nerven gewesen, öle sich IM erfreu­licherweise ziemlich beruhigt haben. Eine politische Ver­ständigung zwischen Englarkb und Deutschland auf brei­ter Grundlage vermag den Briten die gestörte Ruhe und Sicherheit in der Weltpolitik wieder zu verleihen, und in dieser Erkenntnis handeln Lloyd George und Asquith.

Die Schuldenwirtschast Europas.

161 Milliarden Schulden.

Wie der „Juf." von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sind vor Kurzem nationalökonomische Forschungen eines französischen Gelehrten bekannt geworden, die sich eingehend mit der Schuldenwirtschast der europäischen Staaten befassen. Aus den interessanten Ergebnisten die­ser Untersuchungen ist vor allem der Umstand Hervorzu- heben, daß sich die öffentliche Schuld aller Länder Eu­ropas auf die ungeheuer große Summe von 160 Mil­liarden 936 Millionen Francs belauft.

Untersucht man die Verteilung dreier fabelhaften Schuldenlast auf die einzelnen Länder, so ergibt sich auv

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

21) (Nachdruck verboten.)

Da die Ereignisse nochmals vor seinen Gedanken vorüberzogen, kniff er die Oberlippe zwischen den Zäh­nen fest. Als wäre es gestern geschehen! Fast jedes Wort lebte in feinen Erinnerungen auf.

Er hatte ihr Vorhaltungen gemacht; mit leiden­schaftlichen Worten hatte er es ihr erklärt, daß bei einem weiteren Verschwenden in der gleichen Art ein baldiger Ruin die Folge sein müsse. Und sie hatte nur die schö­nen Schultern, von denen der Duft ihres Blutes aus- ging, der seine Sinne verwirrte, hochgezogen. Und er bettelte sie an.

Und sie: „Du hattest mir ja alles geboten. Du hast mir keine Grenzen gestellt."

Zum ersten Male war er damals vor dieser kalten Stimme erschrocken: dann hatte er ihr erklärt, daß sie deshalb doch nicht seinen Untergang herbeiführen dürfe.

„Warum hast Du mir dann versprochen, was Du nicht halten kannst?"

„Weil ich Dich liebte! Kannst Du das nicht verste­hen? Weil ich glaubte, Du würdest auch etwas Liebe gewinnen können, Du würdest mir ein ganz bescheidenes Opfer bringen können. Es bleibt uns immer noch so mel, daß wir ohne Sorgen leben könnten."

Wie er noch alles genau wußte: Purgstaller hatte mit der rechten Hand beide Augen bedeckt.

An einem Wintertage war es gewesen: ihre Ge­stalt lehnte am Kamin, in dem einige Buchenscheite flackernd prasselten. Ihr Arm mit dem zurückgefallenen seidenen Aermel hatte sich auf den Marmorsims des Ka­mins aufgestützt.

^Deine Liebe hat mich nicht besiegt. Ich gehörte Dir, «M L» Mk M LKM Wd M« Schmuck versprochen

der Statistik, daß Frankreich alle europäischen«^ der an Schuldenlast bei weitem überragt. Wayrend s ch die Schulden der französischen Republik auf 33,079 Mil­liarden Francs beziffern, bleibt das Deutsche Reich, das an zweiter Stelle folgt, um rund 9 Milliarden hin­ter der französischen Schuldenlast zurück.9mmerl)tn har die deutsche Staatsschuld noch die überaus stattlichcHohe von 24,239 Milliarden. Ihr kommt annähernd die russische StucitSfÄuIÖ mit 24938 SJiilltoibcn (jIcictj♦ Es folgen dann nach der Höhe ihrer Schulden geordnet: Oesterreich-Ungarn, England, Italien, Spanien und die

die SchuldenlastEu- ropas seit Beginn d"s 19 Jahrhunderts zu verzeichnen hat, geht daraus hervor, daß noch um 1800 die europäische Schuldenlast nur 25 Milliarden betrug, im Jahre 182a schon auf 40 Milliarden, 1850 auf 47 Milliarden, 180/ auf 66 Milliarde»», 1888 auf 108 Milliarden und nun­mehr auf 161 Milliarden gestiegen ist. Auch was die Er­teilung der Schuldenlast auf den einzelnen Kopf der Be­völkerung anlangt, zeitigt die Untersuchung höchst be­merkenswerte Ergebnisse. Danach steht wiede^m der Franzose an erster Stelle, er hat 835 Francs schulden auf den Kopf zu tragen. Ihm folgt an Zweiter Stelle der spanische Bürger mit M9 Francs, w^renb der Deutsche mit 373 und der Russe mit 2( Francs an letzter Stelle figuriert.

Politische Rundschau.

Bayern, Preußenbund und Reichstag. Nach einer Berliner Meldung soll in bayerischen Reglerungskresten verlauten, daß im Reichstage sowohl von festen des preu­ßischen Kriegsministers, wie von feiten des Reichskanz­lers zu den auf dem Berliner Preußentage gefallenen Aeußerungen über die bayerische Armee Stellung ge­nommen werden würde. Dadurch wolle man Bayern eine Genugtuung geben, und infolgedessen wurden wei­tere Schritte der bayerischen Regierung in dieser Ange­legenheit vorläufig unterbleiben. _

Wegen Steuerhinterziehung oder falscher Steuer­deklaration sind im Jahre 1913 in Preußen 918 584 Mark Strafen festgesetzt worden. Zur Untersuchung kamen 2441 Fälle. Ferner wurden 172 Falle den Gerichten übergeSen, die auf 194,444 Mark Geldstrafe erkannten. Im Anschluß an das Strafverfahren sind an Nachsteuer zur Einkommensteuer 529,062 Mark, an Ergnnzungv- steuer 5531 Mark in Preußen festgesetzt worden. Stra­fen und Nachsteuer ergaben die Summe von 1657 621 Mark. Von Erben wurden 2 077 257 Mark Nachsteuern angefordert.

Eine neue Preutzentag-Debatte in München. In der bayerischen Abgeordnetenkammer kam es am Mitt­woch beim Militäretat zur erneuten Debatte über den Preußentag. Alle Parteien des Hauses beteiligten sicy daran. Abg. Günther (lib.) sprach als Mitkämpfer an der Loire über die Rede des Generals von Kracht, besten nachträgliche Entschuldigung nicht glaubhaft klinge. Abg. Beckh (kons.), früher aktiver Offizier, versuchte un­ter großer Unruhe des Hauses und unter fortgesetzten höhnischen Zurufen die Rede des Generalleutnants von Kracht zu verteidigen. Freiherr von Freyberg (Ztr.) erklärte, die ganze Situation auf dem Preußentag sei eine bedauerliche gewesen: insbesondere bedauerlich seien die Bestrebungen des Preutzenbundes zu einer Zeit, in der sich erwiesen habe, daß der vielgepriesene Preußengeist in mehr als 40 Jahren in den mit deut­schem Blut erkämpften Reichslanden seine Aufgabe nicht zu lösen vermocht habe.

Die Folgen der Zaberner Borfalle. Gelegentlich der letzten Ministerkonferenz in Stratzburg, die der Statthalter Elsaß-Lothringens einberufen hatte, teilte dieser, laut der „Rhein.-Westf. Ztg.", das Ergebnis sei­ner Berliner Reise mit. Darnach ist mit dem Rücktritt der leitenden Personen in der elsaß-lothringischen Re­gierung erst nach Abwicklung aller mit dem Fall Zabern zusammenhängenden Angelegenheiten, etwa Ende Früh­jahr, zu rechnen. Mit Ausnahme des Finanzministers werden sämtliche Stellen neu besetzt werden.

Die Beantwortung der neuen Zabern-Jnterpella- tionen im Reichstag wird, wie verlautet, mit Rücksicht auf den Geburtstag des Kaisers erst nach diesem Tage, etwa Mitte der nächsten Woche erfolgen, voraussichtlich

am 29. Januar.

Das Zentrum im preußischen Abgeordnetenhause ersucht um Vorlegung eines Gesetzentwurfes, durch den für die Stadtverordnetenwahlen Preußens und für die Wahlen der Gemeindeverordneten der preußischen Land­gemeinden die geheime Wahl eingeführt wird.

Die amtliche Veröffentlichung des vielbesprochenen deutsch-englischen Vertrages, der hauptsächlich die Rege­lung wirtschaftspolitischer Fragen in Kleinasien und Afrika zum Gegenstände hat und seit Juli 1913 so gut wie abgeschlossen ist, wird Anfang März gleichzeitig in Berlin und London erfolgen. Sie dürfte zum Teil die Form einer erschöpfenden in den beiderseitigen Parla-

hattest. Deshalb! Und wenn Du dieses Versprechen nicht

halten kannst, dann —" Sie hatte plötzlich geschwiegen.

„Dann — was dann?"

Mit weitoffenen Augen hatte er sie angestarrt.

„Nichts! Aber ich kann ohne all dieses nicht leben.

Du allein trägst die Verantwortung!"

„Ich? Warum?"

„Weil Du mich daran gewöhnt hattest. Jetzt be­

deutet das alles für mich das Leben."

Und so schwach war er gewesen, daß er es nicht zu hindern vermochte, wie in ihren Händen das letzte

Geld zerrann.

Dann war erst das Furchtbarste gekommen, jene

Tat, über die er fast wahnsinnig geworden wäre. Wie ein Verzweifelnder hatte er sich bisher immer wieder an ihrer Schönheit berauscht, um zu vergessen. Wenn sie Dich liebt, so wird sie sich besinnen! Das war seine

Illusion gewesen. Und nie hatte er sich mit solcher ver­zehrenden Leidenschaft an sie geklammert, wie in den Tagen, da sein Vermögen vollends an den Launen der kalten Schönheit zerrann.

Da war sie zu einem Balle erschienen: ein Kollier der schönsten schwarzen Perlen lag um ihren Hals.

Um dieser schwarzen Perlen willen hatte sie ihn verraten.

Er mußte schweigend alles auf sich nehmen. An

Italien hatte sie verschiedene Geheimnisse, die ihm als Gesandtschaftssekretär bekannt waren, verkauft.

Als er, da die Sache Staub aufgewirbelt hatte, zur Rechenschaft gezogen war, da hatte er sofort geahnt, aus । welche Weise seine Papiere in Kopien an Italien verhan­delt waren. Für diese schwarzen Perlen, die ihren Hals schmückten!

Aber er schwieg! Und er tat, was Männer tun. Er trug die Schuld für sie!

Ein Jahr war er auf der Festung. Und die msti- Tischen Ehrenzeichen waren ihm mit Schimpf abgeris­

menten erteilten Auskunft über die polttische TragwM des Abkommens annehmen.

Kleine Hadiricfifen«

Tödlicher Absturz eines Fliegers. Auf dem Flug­plätze Schleißheim bei München ist Mittwoch mittag der Militärflugschüler Alfred Schweizer aus Nürnberg bei zu scharfem Nehmen einer Kurve aus einer Höhe von 80 Bieter abgestürzt und auf der Stelle tot liegen ge­blieben. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert.

Ein ungleiches Ehepaar. Das große Ereignis der Wintersaison in Neuyork ist die Vermählung des Her­zogs Don Arturo de Durazzo mit Elisabeth Hannan. Die Dame, die mit ihrem riesigen Reichtum bisher viel Gutes für die Armen Neuyorks getan hat, ist dreißig Jahre älter als ihr Bräutigam, der nur 24 Jahre zahlt.

Gransamkeiten in einem russischen Gefängnis wur­den gelegentlich einer Gerichtsverhandlung in der Ab­teilung des Gefängnisses für politMe Gefangene in Saratow ans Tageslicht gebracht. Eme Anzahl wegen politischer Umtriebe verhafteter Personen, die wegen Fluchtversuches vor Gericht standen, sagten aus, daß sie diesen Fluchtversuch nur vorgespiegelt hätten, um in an­dere Zellen tibergeführt zu werden. Die Zellen seien derart überfüllt, daß es an Bewegungsraum und fri­scher Luft mangele. Der größte Teil der dort Unterge­brachten sei dem Tode verfallen. Von 130 Gefangenen seien 100 gestorben und die anderen hatten schweren Schaden an ihrer Gesundheit genommen.

Sechs Kinder erfroren. In einer Felsenhöhle bei Weiper! in Böhmen fand man sechs Schulkinder im Alter von 7—12 Jahren erfroren auf. Die Kinder wa­ren auf dem Heimwege vom Schneesturm überrascht woi^n. ^g^omiediener als Leichenschänder. Der Die­ner des Pathologisch-anatomischen Instituts in Graz, Valentin Steinklauber, soll nach einer erstatteten Anzeige einen schwunghaften Handel mit Goldzähnen getrieben haben, die er den zu anatomischen Zwecken im Fnststut befindlichen Leichen abnahm. Auch mit den von Leichen abgeschmttenen Zöpfen soll der Verhaftete gehandelt ^'^^Furchtbare Folgen einer Dampfkesselexplofion. In der Howick Halle zu Ottawa, in der ein Volksfest statt- fand, wurde der Dampfkessel schadhaft. Durch sein Platzerr wurden vier Personen und zwanzig Pferde in Stücke gerissen und viele Anwesende verletzt..

Vom Panamakanal. Oberst Göthals erklärte, daß tm Culebraeimchnitt, wo kürzlich ein Erdrutsch erfolgte, das H^Erdveden auf Än Neuen Hebriden. Am 1. Januar fanden auf der Insel Ambrum (Neue Hebriden) von neuem furchtbare vulkanische Ausbrüche statt. Hunderte von Eingeborenen wurden von den Lavastromen abge- schnitten, während es etwa siebenhundert anderen gelang, zu entkommen.__________ .

das Urteil im Tilian-Vrozeß.

In dem Prozeß gegen den Zeugoffizier Tilian und Genossen verurteilte am Mittwoch das Oberkriegsgericht in Berlin die Zeugleutnants Schleuder und Hinst wegen erschwerten militärischen Ungehorsams und pas­siver Bestechung zu je sechs Wochen verschärftem Stuben­arrest, den Feuerwerker Schmidt wegen erschwerten militärischen Ungehorsams und Bestechung zu vier Wochen gelindem Arrest, den Zeugleutnant H o g e we­gen erschwertem militärischen Ungehorsams zu drei Wochen verschärftem Stubenarrest. Bei Schleuder, Hinst und Schmidt sind je vierzehn Tage, bei Hoge sieben Tage auf die Untersuchungshaft angerechnet worden. Bezüg­lich des Angeklagten Tilian wurde wegen der Be­stechung auf Freisprechung erkannt, im übrigen wurde das Verfahren eingestellt. — Bezüglich des Angeklagten Pfeiffer hat der Gerichtshof nicht mit Sicherheit für nachgewiesen erachtet, daß er Nachrichten dem Brandt ge­geben und sich bestechen habe lassen. Er wurde deshalb freigesprochen.

Das Urteil vom 5. August hatte folgendermaßen gelautet: gegen Tilian auf zwei Monate Gefängnis und Dienstentlassung, gegen Schleu­der und Hinst auf je vier Monate Gefängnis und Dienst- entlastung, gegen Schmidt auf 244 Monate Gefängnis und Degradation, gegen Drüse auf drei Wochen gelinden Arrest, Hoge 43 Tage Festungshaft, Pfeiffer sechs Mo­nate Gefängnis und die Unfähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes für ein Jahr.

Gericht und Recht«

i , Gnadengesuche an den Kaiser bildeten den Gegen­stand eines Meineidprozesses vor dem Gnesener Schwur­gericht. Die Korbmacherehefrau Jeske hatte für vier Gnesener Arbeiterfrauen Gnadengesuche an den Kaiser eingereicht, obwohl es ihr wegen ihrer Vorstrafen poli-

sen worden. Und da er endlich frei geworden, mußte er erfahren, daß die Gräfin Lersbach mit dem italienischen Gesandten, an den sie ihn verraten, Wien verlassen hatte.

Zuerst hatte er geglaubt, mit dem Schimpf, der ihn getroffen hatte, nicht mehr leben zu können. Aber da chm dieses letzte zur Kenntnis gekommen war, da war er von diesem Vorsatz frei geworden. Deshalb sterben? Sterben um einer Torheit, um einer Schlechtigkeit wil­len, mit der er nichts gemein hatte?

Da war er Michael Purgstaller geworden, der in den Kolonien von Togo und Ostafrika ein neues Le­ben begonnen hatte: krank war er dann nach Deutsch­land gekommen und hatte jenen Beruf angefangen, in dem er durch seine Lebenskenntnis, sein Können und seine Erfahrungen so bedeutende Erfolge errungen hatte.

Jenes Weib aber hatte er in seinem Gedächtnis ge­strichen geglaubt. Und nun war er ihr begegnet. Die Erscheinung war die gleiche geblieben: alle in ihrer Nähe . beherrschend, trotzdem sie fast vierzig Jahre alt sein »nutzte. Was mochte ihr Schicksal gewesen sein, seit sie ! ihn verraten und betrogen hatte, seit sie jenem italieni­schen Gesandten gefolgt war?

Was kümmerte es ihn? Graf Lersbach gehörte zu den Toten, Michael Purgstaller aber hatte jenes Weib nie gekannt.

Eine schlaflose Nacht hatte er verlebt.

In der stillen Einsamkeit des Hotelzimmers konnte er von den Schatten der Vergangenheit nicht frei werden: deshalb war er schließlich fortgestürmt, um sich - in dem Strudel des Grotzstadtlebens zu betäuben. In : einem Kabaret in der Friedrächstratze war er bis drei Uhr morgens: dann saß er in einer Likörstube am Zoologischen Garten.

(Sortfetzung folgt!