Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^D^, für den Kreis Hersfeld
Hersselder KreisblaN
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 19,
Freitag, den 23 Januar
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat«
* (Vollblutgestüt im Regierungsbezirk C a s f e l.) Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses bewilligte gestern mit den Stimmen der Deutschkonservativen, der Freikonservativen und der Fortschrittlichen Volkspartei gegen die Stimmen des Zentrums und der Nationalliberalen die in den Etat der Gestütsverwaltung eingesetzten 350 000 Mark zum Ankauf von Grundstücken zur Errichtung eines staatlichen Vollblutgestüts in Altenfeld im Regierungsbezirk Casscl.
* Januar hell und weiß — macht den Sommer heiß, lautet eine alte Bauernregel, die in der Mehrzahl der Fälle auch zutrifft. Somit dürfte für das kommende Sommerhalbjahr die Wetterprognose eine ziemlich günstige sein, da fast in allen Gegenden des Reichs starke Schneefälle niedergegangen und das Wetter von einer erfreulichen Stetigkeit ist, wenn es auch hin wieder ein paar Tage Tauwetter bringt. Im übrigen scheinen auch jene Wetterpropheten nicht recht behalten zu sollen, die uns im Herbst ein Andauern des diesjährigen Winters bis in den Mai hinein prophezeiten. Und so dürfen wir vielleicht damit rechnen — und wollen's im Interesse unserer Landwirtschaft hoffen — daß das neue Jahr in seinen kommenden Jahreszeiten allen Erwartungen entsprechen wird.
):( Hersfeld, 22. Januar. Morgen nachmittag von 3—5 Uhr findet im Hotel zum Stern ein öffentlicher Vortrag über chemische Wäsche zu Hause nebst praktischer Anleitung hierzu statt. Der Eintritt zu diesem Vortrag ist frei.
):( Hersfeld, 22. Januar. Als ein weiterer Punkt zu der am 4. Februar stattfindenden Kreistagssitzung kommt noch ein Antrag des Kreisausschusses hinzu, ein Betrag von 6000 Mark für Beschaffung eines Gutachtens zu bewilligen, nach welchem der Kreis Hersfeld an das Kraftwerk derEdertal- sperre angeschlossen werden soll. Auch soll für diesen Betrag ein Projekt zur Herstellung eines Stromverteilungsnetzes ausgearbeitet werden, um alle Teile des Kreises Hersfeld mit Elektrizität zu versehen.
Unterhaun, 20. Januar. Auf dem Wege nach Oberhaun scheute das Pferd des Postbestellwagens vor einem Schnellzuge und ging durch. Der Lenker des Gefährts, der 13jährige Sohn des Landbriefträgers Rosenkranz, wurde vom Wagen geschleudert und schwer verletzt.
-b- Heringe« (Werra), 20. Januar. Am Sonnabend, den 17. d. Mts. veranstaltete der Gesangverein „Liederkranz" hier ein geschlossenes Familienfest verbunden mit musikalisch-theatralischen Aufführungen. In recht feierlicher Weise konnte man dieses Fest begehen. Zudem wurde der Abend auch noch durch Gesangvorträge verschönert. Der Dirigent des Gesangvereins, Herr Lehrer Einschütz, hielt dabei eine kurze Ansprache und gab unter anderem den Gästen das noch nicht lange Bestehen des Vereins kund. Trotzdem kamen am genannten Abend nur reichhaltige und interessante Sachen zum Vortrag und von den der Einladung gefolgten Gästen wurde das Programm in erfreulicher Weise bewundernd ausgenommen. Nach Beendigung der Vorträge schloß man sich dem Tanze an. Recht flott und lebhaft wurde dem Tanze gefolgt und bis in die Morgenstunden bewegten sich die Lustigen. Möge es dem Gesangverein „Liederkranz" vergönnt sein, auch fernerhin Fortschritte auf seinem Gebiete zu machen und einen gemütlichen Familienabend bald zu wiederholen.
Salzuugen, 21. Januar. Der Kutscher Max Lützelberger wollte eine Fuhre Kohlen nach dem benachbarten Langenfeld fahren. Hierbei fiel er vom Wagen und erlitt fo fchwere Verletzungen, daß er schon nach kurzer Zeit starb.
Eschwege, 19. Januar. Der Eisenbahnassistent Dietrich versuchte heute früh auf das Trittbrett eines im Rangieren sich befindlichen Personenzuges zu springen. Hierbei glitt er aus und kam mit einem Fuß unter die Räder. Schwerverletzt verbrachte man ihn in eine Eschweger Privatklinik.
Caffel, 21. Januar. Frau Geheimrat Henschel schenkte dem hiesigen Vaterländischen Frauenverein für das von dem Verein gegründete Krankenhaus zum Roten Kreuz 50 000 Mk. und ihr Sohn, Geheimer Kommerzienrat Dr. ing. Carl Henschel, weitere 100 000 Mark.
Caffel, 21. Januar. Ein Maurermeister hatte als
Pächter einer Gemeindejagd während der Schonz« an einem Abend auf einen Hirsch geschossen, ohne das Tier zur Strecke bringen zu können. Vielmehr fand der stark schweißende Hirsch noch Kräfte genug, den Staatswald zu flüchten, wo er jedoch zusammen- brach und in der Nacht verendete. Wegen der Dunkelheit konnte der Jäger dem Tiere am Abend nicht mehr nachspüren. Er begab sich daher am nächsten Morgen frühzeitig in den Staatswald und schleifte den toten Hirsch in sein eigenes Revier zurück. Letztere Handlung stellte eine Jagdansübung auf einem Gebiete dar, wo er zu jagen nicht berechtigt war. Die Strafkammer verurteilte ihn zn dreihundert- dreißig Mark Geldstrafe. Die von ihm eingelegte Revision wurde gestern vorn Reichsgericht verworfen.
eit
Mittel gesetzlich bestimmt und solche, die den Bestimmungen nicht entsprechen, vom Handel ausgeschlossen werden sollen. (Beifall.) Weiter stimmten dem Anträge zu die Abgg. Brots und Dr. Becker (Ztr). und einstimmig nahm ihn das Haus au. Abg. Dr. v. Campe (Natl.) bat den Herrn Landwirtschaftsminister, beim Kultusminister dahin zu wirken, daß die in der Schweiz approbierten Tierärzte den Titel Dr. med. vet. auch in Preußen führen dürfen. Das Zentrum hatte einen Antrag eingebracht, die Staatsregierung zu ersuchen, ein großes, umfassendes Jnstitutzurwissenschaftlichen Erforschung sämtlicher auf milchwirtschaftlichen Gebiete anstretenden Fragen zu errichten. Nach kurzer Debatte und der Erklärung des Landwirtschaftsmtnisters, die Frage im Auge behalten zu wollen, wurde der Antrag der Agrar- kommission überwiesen. Abg. v. Pappenheim (kons.) begründet einen Antrag, dort, wo auf Antrag der Gemeindenreligiöse Unterweisung in denFortbildungs- schulen ausgenommen wird, die Genehmigung des Lehrplans lediglich aus diesem Grunde nicht zu ver- . sagen. Der Antrag sei notwendig, um das Selbst-
in
Wetzlar, 20. Januar. Auf der Strecke zwischen Wetzlar und dem benachbarten Steindorf ereignete sich gestern abend ein Automobilunfall, wobei der Lenker des Kraftwagens, der Werkführer Heinrich Prechtel derartige Verletzungen erlitt, daß er nach Einlieferung in das Krankenhaus in Gießen starb.
Bon der Eber, 21. Januar. Von einem recht verwaltungsrecht der Gemeinden zu wahren. Nicht tragischen Geschick, das zur Warnung dienen möge, obligatorischer Religionsunterricht, sondern Durch- ist ein junges Mädchen in Rodenbach, Kr. Franken- tränkung des gesamten Unterrichts mit ernst religiösen berg, betroffen worden. Das Mädchen war von einem Geist. Abg. Dr. Kaufmann (Ztr.) bezeichnete den Ball, wo es flott getanzt haben soll, früh morgens Antrag als eine minimale Abschlagszahlung. Notvergnügt nach Hause und zu Bett gegangen. Es war wendig sei der obligatorische Religionsunterricht. Der der Mutter ausgefallen, daß die Tochter mittags gegen Landwirtschaftsminister betonte, daß ein Zwang zur 12 Uhr noch nicht aufgestanden war. Als man sich Beiwohnung des Religionsunterrichts nicht geübt nach ihr umsah, die Ursache zu erfahren, antwortete werden könne, dagegen solle den Gemeinden die Er- öas Mädchen: „Es ist ja noch ganz finster und über- laubniserteilung nicht verweigert werden. Abg. Haupt noch nicht Tag!" Der herbeigeholte Arzt stellte Dr. v. Campe (natl.) bezeichnete die Feststellung des fest, daß sie erblindet war. Das Mädchen wurde als- Lehrplanes als Sache der Schulaufsichtsbehörde und bald in die Augenklinik nach Marburg gebracht, wo nicht die der Gemeinden. Die Abgeordneten Grane sie bis jetzt noch weilt und noch nicht genesen ist. (Fortschr.) und Hoffmann (Soz.s lehnten den Entwurf
Werleshanfen, 21. Januar. In der im Werra- ^- Abg. Marx (Ztr.) ^Ate aus. daß überall da, tale gelegenen Burg Ludwigstein werden, wie bereits I ^ ^r A"^/iä'Mn^ in der Mehrhert sci öie Sozia l- kurz berichtet, zurzeit größere Jnstandsetzungsarbeiten I A^okratte keinen Boden fände. Abg. Frhr. v. Richt« vorgenommen, weshalb der Zutritt für das Publikum I ^/Em .^ons) sprach den Wunsch aus, dag Liberale und während dieser Zeit gesperrt ist. Seit längerer Zeit I Orthodoxe öusamenstehen möchten und sagen wir schweben Verhandlungen zwischen der Regierung in ^^^u uns des Evangeliums Jesu Christu nicht. Caffel und dem Vorstand des Altwandervogels Abg. Dr. v. Campe (natl.) wandte sich gegen den (A. W. V.), Bund für Jugendwandern in Göttingen, dlbg. Marx, der kein Recht habe, Angriffe auf den zwecks Ueberlassung der Burg als Herberge für die weiteren
durch das malerische Werratal ziehenden Horden als Abatte beteiligten sich^. ferner der Abg. Stycynski Ferienheim für alle deutschen Wandervögel und als und der Abg. Frelh^r von Zedlitz (sreik.), die Treffpunkt und Versammlungsort. Die Instand- “rrs^)^ setzungsarbeiten stehen mit dieser Angelegenheit in St^S S^Lf^ ^.^n,.^
Zusammenhang. Auch geschichtlich ist die Burg Lud- ^/ßlich mit grEer Mehrheit angenommen,
wigstein sehr interessant. Die Landgrafen von Hessen I Donnerstag 11 Uhr Fortsetzung. Schluß ^b Uhr. erbauten sie zum Schutze der Schiffahrt auf der Werra, — F>——
die hier besonders durch die Ritter von Hanstein auf USUfJCnCr KS1CD51QÜ.
Burg Hanstein (der Ludwigstein liegt dem Hanstein | Der Reichstag setzte am Mittwoch die allgemeine Aussprache des Etats für das Reichsamt des Innern fort. Erster Redner war Abg. Weilnböck (kons.), der besonders die Zollpolitik besprach. Er betonte, daß die konservative Fraktion die Bestrebungen der Reichsleitung für den Schutz der nationalen Arbeit stets unterstützen werde und gab der Hoffnung Ausdruck, >। daß die Regierung auf dem Gebiete des Seuchen- anschtreßeno ^u^e§ an den bisherigen Maßnahmen festhalten werde. Wenn der Staatssekretär sagte, daß Umstände
gegenüber am anderen Ufer der Werra) gefährdet war. Wann die Erbauung erfolgte, steht nicht fest. Urkundlich wird der Ludwigstein zuerst 1416 erwähnt. Bald ein Jahrhundert liegt die Burg unbenutzt und unbewohnt. Sie ist es wert, einem idealen Zweck zu dienen. Um einen Burghof, der an einen mittelalterlichen Marktplatz erinnert, gruppieren sich rechts Herrenhaus mit Freitreppe und daran anschließend
die übrigen Baulichkeiten.
tränkung des gesamten Unterrichts mit ernst religiösen
Geist. Abg. Dr. Kaufmann (Ztr.) bezeichnete den
Wiesbaden, 21. Januar. Die gerichtliche Leichen- eintreten können, die zu einer Aenderung der Zollöffnung der ermordeten Frau Liesbeth Schweizer hat gesetzgebung führen würden, so müßten das seine ergeben, daß der Täter die Frau am Halse gewürgt (des Redners) Freunde bedauern. Weitergehende und ihr erhebliche innere und äußere Verletzungen Sperrmaßregeln gegen das Ausland seien notwendig, beigebracht hat. Da an der Nase, an den Händen, um das Eindringen der Maul- und Klauenseuche zu sowie auf dem Fußboden sich Blut befand, ist wohl verhindern. Zu bedauern sei, daß die großen Städte anzunehmen, daß der Täter, der angebliche Drechsler nicht langfristige Lieferungsverträge für Fleisch abge- Karl Müller, seine Kleider mit Blut befleckt hatte, schloffen haben. Der Hopfen-, Tabak- und Gemüsebau In einem hinterlassenen weißleinenen Hemd des habe ein Anrecht auf ausreichenden Schutz. Was die Mörders befinden sich die Buchstaben H. K. Der innere Kolonisation anlange, so müsse sie in ver- Täter hat ferner verschiedene Pappschachteln usw. mit nünstiger, nicht sprunghafter Weise erfolgen. Nur Signatur aus Köln und Düsseldorf hinterlassen. die Beibehaltung der jetzigen Wirtschaftspolitik könne
_ „ , ____ ~ . Deutschland auf der nationalen und wirtschaftlichen
Franksurt a. M., 21. Januar. Der zum Tode H^h«, erhalten. (Beifall rechts.) Ministerialdirektor
verurteilte Grftmörder Karl Hopf hat vorlaung mich Minex erklärte, daß der Seuchenschutz in derselben
keine Revision gegen das Urteil angemeldet. Die Wms<> weiter gehandhabt werde wie bisher. Abg.
Einspruchsfrist verfallt erst am kommenden Sonnabend. Gothein (fortschr.) hielt eine Ruhepause in der Sozial-
--------------------------------------------------- politik für notwendig und nannte die Wirtschafts-
_r i politik eine Politik der nationalen Knute. Die Zölle
HhnßOrdnßlßDhöUS. haben lediglich eine entsetzliche Steigerung der Boden-
preise bewirkt. Der Großbetrieb entvölkere das Land Das Preußische Abgeordnetenhaus setzte am Mitt- und schädige damit den militärischen Nachwuchs: des- woch die Beratung des landwirtschaftlichen Etats fort, halb müsse innere Kolonisation gefordert werden. Abg. Dr. Faßbender (Ztr.) begründete den Antrag: Redner bemängelte die Darstellung des Staats- Die Staatsregierung zu ersuchen, ein Gesetz zu schaffen, sekretärs, daß die Wirtschaftspolitik ausschlaggebend das zum Schutze der Landwirtschaft und des reellen für die allgemeine Entwicklung unserer wirtschaftlichen Handels die Mißstände beseitigt, die im Handel mit Verhältnisse sei. Ministerialdirektor Müller führte ‘ * an Hand zahlreichen statistischen Materials aus, daß
diese Darstellung des Staatssekretärs aufrecht erhalten werden müsse. Abg. Dr. Arendt (Rp.) führte aus, daß bei Einführung der Zölle niemand sich hätte
glich eine entsetzliche Steigerung der Boden- ürkt. Der Großbetrieb entvölkere das Land
Futter- und Düngemitteln und Sämereien bestehen. Nachdem die Abgg. v. Keffel (fünf.), Lieber (Natl.), Dr. Varenhorst (freikons.), Ehlers (Fortschr.) dem Antrag zugestimmt hatten, erklärte Landwirtschafts- , , „ . _ ...
minister Freiherr v. Schorlemer-Liefer, daß den einen solchen wirtschaftlichen Aufschwung träumen Wünschen der Antragsteller jedenfalls nachgegeben lassen, der nun von allen Seiten anerkannt werde, werden könne, und daß die in Frage kommenden 1 — Donnerstag Fortsetzung.
Nachdem die Abgg. v. K
Dr. Varenhorst (freikons.1