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des Regiments 76. Wenn man die ganzen Kämpfe für Deutschlands Einheit mitgemacht, dafür gelitten und ge­blutet hat, dann ist man im Grunde des Herzens ein guter Deutscher. Es wäre geradezu frevelhaft, solche treuen Mithelfer, wie die Bayern waren, verletzen zu wollen. Meine ganze Gesinnung meinen braven Kame- raden gegenüber spricht dagegen.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt dazu: Wir glauben, daß durch diese Erklärung des Generals Kracht die nach der ersten Zeitungsmeldung berechtigte Erregung nicht nur in Bayern, sondern im ganzen Reiche beseitigt ist. Die in vielen Schlachten bewiesene Tapferkeit der Bayern braucht keinen Vergleich zu scheuen. Sie Zwei­feln auszusetzen, wäre ein Verstoß gegen den Geist der Waffenbrüderschaft, in der die Deutschen aller Stämme die staatliche Einigung der Nation mit ihrem Blute er­kämpften.

Vermischtes

Flieger-Zähigkeit. Es gehört eine große Dosis Be­geisterung für die deutsche Fliegerei dazu, nach einem schweren Sturz das Flügelroß wieder zu besteigen. Stiefvatter, Thelen, Krieger, Linnekogel sind Flieger, die, kaum vom Arzt notdürftig zusammengeflickt, frisch und fröhlich aufs neue sich in die Lüfte emporschwangen. Wunder geschehen auch in der Fliegerei. Stiefvatter schleppte seinen windelweich zerschlagenen Körper einst monatelang auf zwei Krücken wenige Schritte weit. Heute steuert er mit ungebeugter Kraft die Eindecker des Hohenzollernprinzen Siegisrnund. Einen sehr bösen Absturz erlitt am 10. Juli 1913 der Flugschüler Bruno Hoffmann auf einem Eindecker. Verstauchung der Wir­belsäule, Bruch des vierten Brustwirbelkörpers, Läh­mung der Sprache, so lautete die ärztliche Diagnose. Der Kunst des Professors Schütz im Krankenhause Britz ist es gelungen, den jungen, 25jährigen Mann vollständig zu heilen, nachdem Hoffmann zunächst im Streckverband, dann weitere zehn Wochen ganz in Gips gelegen hatte. Soeben genesen, hat sich Hoffmann, dessen Privatmittel verbraucht sind, an das Kuratorium der Nationalflug- spende mit der Bitte gewandt, ihn bis zum Feldpiloten ausbilden zu lassen. Das Kuratorium sagte zu. Bruno Hoffmann, an dessen Aufkommen jedermann gezweifelt, tummelt sich jetzt auf der Albatros-Taube über dem Flugplatz Johannisthal.

Eine Armee, die annonciert. In England, dem Lande der Militär-Freiheit, hat die Militärverwaltung die allergrößten Schwierigkeiten, genug Mannschaft für das Heer zusammenzutrommeln. Da geraten die hohen Herrn oft in die ärgste Verlegenheit, denn bei dem Freiwilligensystem heißt es Soldaten werben. Ist es da erstaunlich, wenn sich die Herren zum — Annoncieren entschlossen haben? Man sah und staunte — eine der letzten Nummern der „Daily Mail" nebst anderen Blat­tern ist mit einem Riesen-Titelblatt erschienen, das ein einziges Inserat der Armee enthält! An der Spitze steht: „Was die Armee bietet: Allen Junggesellen von tadellosem Charakter im Alter zwischen 18 imd 25 Jah­ren bietet die Armee gute Bezahlung, gute Verpflegung und glänzende Gelegenheit zu Sport und Spielen." Und das Rieseninserat ladet jedermann ein, die 32 Seiten lange Broschüre zu verlangen, die all die grandiosen Vorteile des Soldatenlebens verführerisch anpreist, als da sind: „Herrliches Futzball-, Criquet-, Hockey-, Bil- lardspiel, prächtige, farbenprunkende Uniformen, Gra­tisreisen nach Gibraltar, Malta, Aegypten, Hongkong, Indien, Westindien und Südafrika." Wahrend der Durchschnittsarbeiter-gewöhnlich höchstens 25 Mark pro Woche verdienen kann, erhält der gemeine Soldat im Verhältnis eine weit bessere Entlohnung, bekommt freies Quartier und fast freie Verpflegung, außerdem längere Ferien als der Zivilist. Und so hofft man denn, daß d e wunderschönen Farbendrucke, die goldenen Berge, die versprochen werden, die Qualität von Tommy Atkmv bedeutend verbessert werden. . _

Ein neuer amerikanischer Millionenprozetz. In we­nigen Tagen wird ein neuer Riesenprozeß beginnen, der wegen der Persönlichkeiten, die darin eine Rolle spielen, und wegen der Riesensumme, die in Frage steht, äußerst interessant zu werden verspricht. Es han­delt sich um einen Prozeß um 40 Millionen, der von Verwandten des Ehepaares Fair gegen Frau W. K. Vanderbilt angestrengt ist. Das Ehepaar Fair kam, wie erinnerlich, im Jahre 1912 bei einem Automobil­unfall ums Leben. Frau Vanderbilt, die eine Ver­wandte des Herrn Fair ist, erklärte damals und ließ es durch Zeugenaussagen beweisen, daß Fair feine Gattin um einige Sekunden überlebt habe und mithin sie die Erbschaft anzutreten habe. Das Gericht entschied da­mals dem Anträge der Frau Vanderbilt entsprechend. Die Erben der Frau Fair fühlen sich nun in chren An­sprüchen geschädigt und erklären heute, daß Frau Van­derbilt die Zeugenaussagen gefälscht und absichtlich zum Teil die Leute zum Meineide bewogen habe. In Wirk­lichkeit sei nicht Frau Fair als erste gestorben sondern sie habe ihren Mann noch um einige Minuten überlebt. Das Gericht forscht noch nach, inwieweit die schweren Anklagen begründet sind. .

Napoleons letzter Abschied von Frau und Kind. Am 25. Januar 1814 reiste Napoleon zu seinen Trup­pen ab und begann damit persönlich den Winterfeldzug, während er vorher die militärischen Bewegungen nur von Paris aus geleitet hatte. Vorher nahm er von sei­ner Gattin Marie Luise, die er als Regentm zurückließ, in Anwesenheit der höchsten Würdenträger des Hofes und der Offizier der Pariser Nationalgarde feierlichen Abschied. Für den 23. Januar war die Zeremonie an­gesetzt, die sich zu einem ergreifenden Ereignis gestal­tete. Im Thronsaal der Tuilerien waren die Flügel­türen weit geöffnet. Eine Deputation der Nationalgarde erwartete ihren Herrscher. Zuerst traten die Großmar- schälle ein, dann die anderen Würdenträger in langem Zuge, und zuletzt erschien der Kaiser in einfacher, Ja­geruniform, mit dem Stern der Ehrenlegion auf der Brust: er führte die Kaiserin am Arm, die den kaum zweijährigen König von Rom trug. Eine tiefe feierliche Stille herrschte. Napoleon trat unter den Thronhimmel, und gegen die herkömmliche Gewohnheit setzte er sich nicht nieder. Unbedeckten Hauptes blieb er stehen. Dann richtete er eine packende Ansprache an die Versammlung. „Der Feind," so hob er mit fester, doch von einer in­nerlichen Rührung tiefbewegten Stimme an, „hat einen Teil französischen Gebietes mit Krieg überzogen. Ich eile, mich an die Spitze meines Heeres zu stellen und hoffe, ihn mit Hilfe Gottes und durch die Tapferkeit meiner Truppen über die Grenze zurückzutreiben. Ich gehe mit Vertrauen, denn ich lasse unter der Obhut meiner getreuen Stadt Paris das Teuerste, was ich auf Erden besitze, die Kaiserin und meinen Sohn!" Der Herzog von Conegliano überreichte darauf der Kaiserin eine schriftliche Antwort auf des Herrschers Ansprache, in der die Nationalgarde» Napoleon ihrer Treue und Ergebenheft versicherten und dem festen Glauben an seinen Sieg Ausdruck gaben. „Reisen Sie, Sire," heißt es in dieser Erklärung, „in Ruhe ab. Mit der starke ihrer Waffen, mit der Macht Ihres Genies vereinigen wir die Stärke des öffentlichen Geistes, die Macht des

wir die Stärke des

NatWrlaLLüLÄL W

Hochmut der Fremden empört. Bald werden die Feinde die Torheit ihrer Unternehmungen und die Tämchung ihrer Hoffnungen einsehen. Sire, Sie haben Frankreich vor fünfzehn Jahren gerettet, Sie werden es auch dies­mal retten." Napoleon umarmte dann die Kaiserin mit vieler Zärtlichkeit: die hohe Frau weinte bitterlich, und der kleine König von Rom fing zu schreien an, da er den Kummer seiner Mutter sah. Eine tiefe Rührung hatte alle Anwesenden ergriffen, sodaß sie eine Weile still und fassungslos dastanden. Festen Schrittes verließ Napoleon den Saal: er hatte Frau und Kind zum letz­ten Male gesehen. Es war ein Abschied für immer.

Das Mausoleum des Prinzen Lulu. Aus Paris wird berichtet: Die Exkaiserin Eugente weilte dieser Tage in Malmaison, um die kürzlich von ihr angekaufte Liegenschaft zu besichtigen, auf der in der Avenue Mar- montel das zum Andenken an ihren Sohn errichtete Mausoleum eine neue Stätte finden soll. Die Ueber- führung des Mausoleums nach Malmaison soll in näch­ster Zeit erfolgen: und mit sichtlichem Erstaunen er­fahren die Pariser bet dieser Gelegenheit, daß sie in ihrer Stadt das Mausoleum des Prinzen Lulu beher­bergen. Es bildet einen graziösen kleinen Rundtempel, dessen Kuppel auf zwölf korinthischen Säulen ruht, und steht zurzeit auf einem schmalen Grundstück in der Ave­nue de La Bourdonnais, das der Exkaiserin gehört. Neben dem Mausoleum steht ein kleines Haus, eigent­lich eine Hütte, in der ein Gärtner wohnt: und hier fin­det man eine etwas über lebensgroße Büste des un­glücklichen Prinzen, der bekanntlich 23jährig in engli­schen Diensten im Kampfe gegen die Zulus fiel. Die Büste zeigt den Prinzen Lulu in englischer Offiziers­uniform: aus dem Sockel sieht man ein eichenlaubum- kränztes großes N. Nun wird das Bauwerk sorgfältig abgetragen und aus dem schnellebigen und schnellver- gessenden Paris nach Malmaison übergeführt werden.

Der Wolkenkratzerhut. Kein Tag ohne neue Mode­torheit. Die neueste, die die Herolde der Pariser Hut- künstler ausposaunen, ist, wie der „Konfekt." mitteilt, der „Wolkenkratzerhut". Besagter Wolkenkratzerhut mißt, wenn er sich in bescheidenem Umfange hält, 37 Zen­timeter: die durchschnittliche Höhe dieser Hutform be­trügt aber 60 Zentimeter und die allerkühusten Modelle „erheben" sich bis zu 136 Zentimeter. Man wolle sich dies anschaulich vorstellen: ein Frauenköpfchen, über­ragt von einem Turme, der vom Rande bis zur Feder- spitze über 1^ Meter mißt. Der Vergleich mit einem Turm ist übrigens nicht zutreffend, sondern der Wol­kenkratzerhut hält sich mehr an die Form der Pagode. Er steigt also in drei, vier oder fünf sich immer mehr verjüngenden Terrassen auf und die Krönung des gan­zen herrlichen Gebäudes bildet dann eine Aigrette oder aber eine lange schwarze Feder. Unpoetische Gemüter erinnert das Modell des Wolkenkratzers einigermaßen an einen lang ausgezogenen Lampion, wie er bei uns wohl zur Herstellung „venezianischer Nächte" angewandt wird. Wenn der Wolkenkratzerhut wirklich in Mooe kommt, und wer wagt nach dem, was wir in den jüng­sten Jahren im Reich der Mode erlebt haben, dies kühn- lich zu verneinen, so können wir allerlei erleben. In keinem Wagen, in keiner Eisenbahn, in keinem Kraft­fahrzeug, so wie sie jetzt sind, findet eine Dame mit diesem Hauptschmucke Unterkunft: und wenn sie auch nur von guter Mittelgröße ist, so wird ihr überhaupt das Durchschreiten von Türen bürgerlichen Umfanges zu einer großen Schwierigkeit werden. Also: andern wir unsere Wagen, unsere Eisenbahnen und machen wir Türen und Zimmer höher. So will es die Mooe des Wolkenkratzerhutes! m t

Das Nötigste. Herr Schmidt, der sein neues Auto selbst fährt, hat auf der Landstraße eine Panne und ar­beitet im Schweiße seines Angesichts an der Ausbesse- rnng des Schadens. Ein Mann, der vorüberkommt, fragt hilfsbereit: „Darf ich Ihnen zu Hilfe kommen, was ist das Nötigste? „Ach bitte, beantworten Sie doch die Fragen meiner Frau, während ich die Maschine in Ord­nung bringe."

Allzu wenig fürs Geld. „Waren Sie diese Woche im Theater?" „Jawohl." „Was haben Sie denn ge­sehen?" „Ein paar Schildpattkämme, Federn, eine Chiffonschleife und einen etwa hühnergrotzen ausge- stopsten Vogel."

Kaiser und Bauet.

Eine Episode von der letzten Nordlandfahrt.

Von der großen Volkstümlichkeit Kaiser Wilhelms selbst in den niedersten Kreisen des norwegischen Volkes gibt soeben die Stavanger Zeitung „Vestlandet" ein köst­liches (und überdies wahres) Geschtchtchen zum besten, durch das man zum ersten Male erfährt, wie der Kaiser auf feiner letzten Nordlandfahrt im Sommer des ver­flossenen Jahres seine wertvollen Kunstsammlungen durch eine Reihe altertümlicher Silbergegenstände be­reichern konnte, die er von einem einfachen norwegischen Bauern erwarb. Der „Kaufakt" soll, wie das Blatt ver­sichert, von überwältigender Komik gewesen sein und spielte sich etwa folgendermaßen ab:

Als Kaiser Wilhelm mit seinen Kriegsschiffen im letzten Sommer in Sognefjord lag, kam ein norwegischer Bauer aus dem Säterdal, der im Lande herumzogund alte Silbergegenstände aufkaufte, auf das Katserschiff. Er hatte oben in Säterdal u. a. eine silberne Kanne mit vielen Gravierungen von ganz besonderer Schönheit und hohem Kunstwert an sich gebracht und glaubte, daß dies etwas für Kaiser Wilhelm sein müsse. Er selbst hatte 500 Kronen dafür gegeben, und da er der Ansicht war, der Kaiser brauche es mit dem Geld nicht so genau zu nehmen, nahm er sich vor, einen recht guten Preis ür die Kanne zu fordern. Der Bauer hatte natürlich seine besten Kleider angelegt und diese so mit silbernen Ketten und Ringen überladen, daß er geradezu von Silber strotzte. Denn er war überzeugt, daß man sich in Gala werfen müsse, um mit dem Kaiser zu „handeln". .

Als er nun an Bord erschienen war — obendrein mit einem Dolmetscher — verlangte er sofort den Kaiser persönlich zu sprechen. Als das abgeschlagen wurde, er­klärte er: „Ich muß „ihn" nun trotzdem selber sprechen, denn ich will „ihm" eine ganz be onders seltene Kost­barkeit zeigen." Als auch das nichts nützte und ihm mit- geteilt wurde, daß er vielleicht mit einem Kammerherrn sprechen könne, erwiderte der Bauer: „Na ja, dann muß ich mich eben mit dem begnügen." Darauf kam ein sehr vornehmer Herr in strahlender Uniform zu ihm. Der Bauer glaubte, daß dieser Herr in einer so wundervollen Uniform wohl doch „er selbst" sein müsse und erkundigte sich vorsichtshalber erst bei dem Herrn, ob er wirklich nicht der „Er" sei. Als das fedoch verneint wurde, bat er, ob der feine Herr nicht so gut sein wolle, dem Kaiser die silberne Kanne zu zeigen und ihm zu sagen, daß sie ^Der ^Kammerherr verschwand mit der Kanne. Bald darauf erschien er wieder und teilte mit, der Kaiser wolle nur 800 Kronen zahlen. Der Bauer wand sich und ging bis auf 1000 Kronen herunter: mehr könne er Beim be­sten Willen nicht ablassen usw. Der Kammerherr ver­schwand von neuem und erklärte, als er wieder erschien, der Kaiser wolle 800 Kronen geben und keinen Oere mehr. „Ist „er" wirklich so geizig?" dachte darauf der Bauer und taute dann taut; .Na. dann mau .er" sie

meinetwegen für 800 Kronen haben." Darauf wurden ihm die 800 Kronen für die alte holländische Prachtkanne ausgezahlt, die einmal im 17. Jahrhundert nach Sciter- dalen gefummen war. Auch an eine Anzahl Damen und Herren des Gefolges auf der „Hohenzollern" ver­kaufte er von seinen silbernen Sachen: diese „handelten" aber von dem verlangten Preise nichts „ab", wie es der Kaiser getan hatte. Auch für den Kaiser wurden dann noch einige Stücke erworben.

Als der Bauer.nun wieder von Bord ging, sagte er, wie er später erzählte, zu sich selbst: „Es war trotzdem ein guter Handel, ich hätte aber doch nicht gedacht, daß „er" so geizig ist".

Sie Sicherheit auf Dem Meere.

Aus London meldet der Draht: In der Schluß­sitzung der Konferenz für die Sicherheit des Lebens aus dem Meere erklärte der Vorsitzende Lord Mersey, daß der Wortlaut der Konvention am Montag von den mei­sten europäischen Staaten und den Vereinigten Staaten von Nordamerika unterzeichnet worden sei und 74 Ar­tikel enthalte. Er erklärte, es sei vorgesehen, einen internationalen Dienst zu schaffen, um den Eisgang tm Nordatlantischen Ozean zu beobachten und dort trei­bende Wracks zu zerstören. Die Konvention lege den Kapitänen aller Schiffe die Pflicht auf, auf schnellstem Wege alle gefährlichen Eisberge und Wracks zu melden. Ferner setzt die Kvuvention eine Anzahl Schiffsbau- vorschriften fest. Die Bauvorschriften gelten für alle neu hinzukommenden Schiffe. Die Konvention sieht ferner vor, daß alle Handelsschiffe, gleichviel ob sie Passagiere an Bord haben oder nicht, drahtlose Telegraphie an Bord haben müssen. Sind 50 und mehr Passagiere an Bord, so schreibt die Konvention vor, daß die Schiffe eine genügende Anzahl Rettungsboote führen müssen, um 75 Prozent aller an Bord befindlichen Personen anfzu- nehmen. Für die übrigen 25 Prozent müssen entweder Flöße oder andere Rettungsmittel vorhanden sein.

brand einer dänischen Kirche.

»^ Kopenhagen, 21. Januar. Die Methodistenkirche in der Rüdensgasse wurde heute früh durch ein gewal­tiges Feuer völlig vernichtet. Der Brand entstand gegen 2 Uhr in den Heizungsanlagen, verbreitete sich schnell über die ganze Kirche und bald bildete das ganze Gebäude mit dem Turm ein gewaltiges Flammenmeer. Um 3 Uhr stürzte das Dach zusammen. Die Trümmer fielen ins Innere der Kirche. Kurz vor 4 Uhr stürzte auch der Turm mit lautem Getöse ins Flammenmeer. 24 Kinder konnten aus dem zur Kirche gehörenden Kinderheim noch rechtzeitig gerettet werden. Die Kopen- hagener Feuerwehr war mit sämtlichen Zügen zur Stelle, mußte sich aber darauf beschränken, das auf der anderen Seite gelegene Marinedepot vor den Flammen zu schützen. Durch die große Hitze war in dem Depot ein Tuchballen in Brand geraten. Es gelang aber. hier das Feuer noch im Keime zu ersticken. Viele kostbare Ge­räte sind mitverbrannt.

Ueber ein anderes Großfeuer meldet der Draht:

e* Duisburg, 21. Januar. Gestern abend 9 Uhr brach in dem Gebäude der Speditionsfirma M. Zietsch- mer am Hafen infolge Kurzschlusses Großfeuer aus, das erst heute früh gelöscht werden konnte. Fünf große Schuppen mit Lagergütern, Zettungspapier, Mineralöl, Heu usw. sind den Flammen zum Opfer gefallen. Der Schaden wird auf 300 600 Mark geschätzt.

es* neuestes vom Lage.

Ungültigkeit eines Reichstagsmandats.

w> Berlin, 21. Januar. Die Wahlprüfurrgskom- miffion des Reichstags erklärte heute die Wahl des Ab- georörreten von Halem (Reichspartet), Vertreter des Wahlkreises Marienwerder-Schwetz, für ungültig.

Geheimnisvolles Verschwinden eines 5jährigen

Mädchens.

te* Hannover, 21. Januar. Große Erregung ruft hier das Verschwinden eines 5jährigen Mädchens, der Tochter Hildegard des Arbeiters Wildhagen, hervor. Man nimmt an, daß das ausfallend hübsche Kind einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Auf die Wiederauf- findung des Mädchens hat der Regierungspräsident eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Bis jetzt hat man keine Spur von dem Kinde gefunden.

Verzweiflungstat einer Mutter.

w Solingen, 21. Januar. Die Frau des Fabrik­arbeiters Thomsen schnitt gestern abend ihren drei Kin­dern im Alter von vier Monaten, drei Jahren und fünf Jahren die Kehle durch und versuchte sich dann selbst das Leben zu nehmen. Die Frau wurde schwer verletzt auf der Straße aufgefunden und in ein Krankenhaus ge­bracht. Das Motiv der Tat sollen eheliche Zwistig- keiten sein.

Tod einer Hundertachtjahrige«.

Bromberg, 21. Januar. (B. Z.) Im Alter von 108 Jahren starb hier die Lehrerswitwe Henriette Krisle. Die Greisin war bis zu ihrem Tode noch Verhältnis-

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Gerüsteinsturz auf einer Eisenhütte.

^ Zabrze, 21. Januar. (B. Z.) Beim Bau des neuen Hochofens auf der Donnersmark-Grube stürzte durch Nachgeben der eisernen Träger ein Gerüst zusam­men. Fünf Arbeiter stürzten in die Tiefe. Drei wurden lebensgefährlich, zwei leichter verletzt.

Der Winter in Rußland.

Noworassisk, 21. Januar. Infolge der ununter­brochenen Regens und der Schneestürme sind die Berg­ströme über die Ufer getreten. Sie haben im Gouverne­ment abermals große Verheerungen angerichtet. Auch Verluste an Menschenleben sind zu beklagen. Auf dem Schwarzen Meere wüten heftige Stürme.

Schadenersatzklage gegen einen Bischof.

os» Paris, 21. Januar. (B. Z.) Der Tanzmeister und „Tangoprofessor" Stilson hat gegen den Bischof von Paris eine Schadenersatzklage von 100 000 Francs an­gestrengt, da er durch das Tangoverbot des Bischofs in seinen Einnahmen empfindlich geschädigt sei.

Plötzlicher Tod eines englischen Kapitäns.

London, 21. Januar. (B. Z.) Hier wird der plötzliche Tod des Kommandanten des englischen Tor­pedobootszerstörers „Thrawsher", des Kapitäns Hamil- ton Gordon, lebhaft besprochen. Wenige Stunden bevor man ihn in seiner Kabine tot auffand, war er noch in bester Stimmung gewesen.

Gegen eine Vermehrung der britischen Flotte.

o-* London, 21. Januar. Ein hervorragender Ab­geordneter der liberalen Partei erklärte gestern in einer Versammlung, daß eine zum Schutze der britischen In­teressen ausreichende Flotte erhalten bleiben müsse, aber nicht mehr. Der Staatssekretär von Schottland sagte in einer Versammlung, die Flotte müsse so stark erhalten werden, daß die britischen Häfen und die Inseln sicher seien. Jede weiter Vermehrung würde aber falsch sein.

Bluttaten eines eingeborene« Soldaten.

Ade«, 21. Januar. Der Oberst und ein einge­borener Offizier des hiesigen indischen Infanterie-Regi­ments 109 sind gestern von einem eingeborenen Soldater erschossen worden.