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Voincaree an -er Kaisertafel.

TttmmungsnmschwttNg in Paris.

Zwei Ereignisse, die die deutsch-französische»» Bezie­hungen berühren, stehen heute im Vordergründe der Pariser Betrachtungen, die ihre Wellen selbstverständ­lich auch nach Deutschland werfen müssen. Daß der Präsident der Republik zur Vorfeier des Geburtstages des Deutschen Kaisers auf der deutschen Botschaft speiste und auch an den nachfolgenden Einpfängen teilnahm, wird an der Seine vielfach dahin gedeutet, daß sich das Verhältnis zu dem östlichen Nachbar angenehmer zu ge­stalten beginnt. Wir nehmen im Deutschen Reiche stets gern von derartigen Kundgebungen Kenntnis, ohne daß wir die Tragweite augenblicklicher Stimmungen in Frankreich überschätzen.

Wenn ein französisches Blatt sich zu der Aeußerung aufschwingt: das Gastmahl vom 20. Januar bedeute of­fenbar eine methodische Vorbereitungsarbett in der Diplomatie des Dreibundes und des dreifachen Einver­nehmens, und sei bereits als eine Frucht der Berner Zusammenkunft zwischen deutschen und französischen Parlamentariern zu betrachten, so handelt es sich wohl um einen Ausfluß des leicht beweglichen französischen Gemütes. Gewiß war die Anwesenheit Poincarees auf der deutschen Botschaft ein Beweis des Bestrebens der französischen Regierung, die durchaus korrekten Bezie­hungen zwischen der französischen und deutsche»» Diplo­matie deutlich hervortreten zu lassen, doch eine halb- amtliche Note der französischen Regierung betont mit Recht, daß Präsident Poincaree in erster Linie der Höf­lichkeitsregel folgte, die man überall im Auslande be­obachtete und fügt hinzu, Kaiser Wilhelm habe wieder­holt und noch erst ganz kürzlich, auf der französischen Botschaft in Berlin gespeist.

Die fortdauernden Verhandlungen zwischen London und Berlin über asiatische und afrikanische Fragen, so­wie die Erklärungen des britischen Finanzministers über die wünschenswerte Einschränkung der Flotten- ausgaben haben in Parts eine merkbare Wirkung er­zeugt. Da sich die Erwartungen bezüglich eines „Stur­mes auf der Nordsee" verringern, so sagen tonangebende französische Politiker: Wir können auch anders! Mit der Ankündigung des Erscheinens Poincarees auf der deutschen Botschaft wurde gleichzeitig eine Meldung nach Berlin versandt, daß die Herren Ponsot und Sergent behufs Wiederaufnahme der deutsch-französischen Ver­handlungen über die kleinasiatischen Eisenbahnfragen noch im Laufe dieser Woche im Auswärtigen Amte in Berlin erscheinen werden. Wenn auf diesem wirtschaft­lichen Gebiete der Politik eine deutsch-französische Ver­ständigung gelingt, wie zu vermuten ist, so ist sie na­türlich weit höher zu veranschlagen, als der Austausch von Höflichkeitsbezeugungen.

Die michchafiliche Konjunktur.

Ein Urteil des preußischen Handelsministers.

Der preußische Hanbesminister Sydow entwarf aus dem Stiftungsfest des Vereins zur Förderung des Ge- werbeflettzes in Berlin ein Bild von der wirtschaftlichen Konjunktur Deutschlands.

Als Gründe für den Rückgang der Konjunktur seit den» vorigen Jahre führte er die lange Dauer der wirt­schaftlichen Störungen vom Balkan her, die Versteifung des Geldmarktes und die Bewegungen der großen Politik an, von denen namentlich der Baumarkt und daneben die Textilindustrie betroffen worden sei. Auf anderen wichtigen Gebieten der wirtschaftlichen Tätigkeit sei eine rückläufige Bewegung kaum eingetreten oder sie zeige sich doch in einem anderen LjchteLls ^nst bei wirtschaft-, lich rückläufiger Möninnktur/ Das treffe zu auf die Eisenindustrie, die schon wieder leise anzuziehen be­ginne, den Kohlenbergbau, der noch ein ganz gutes Jahr gehabt habe, und die Schiffahrt, die auch »m abgelaufenen Jahre voll beschäftigt gewesen sei. Der Außenhandel zeige ebenfalls günstige Zahlen und die Ernte sei gleich wie im Vorjahre gut gewesen.

Auf dem Arbeitsmarkt trete allerdirlgs bis zu einem gewissen Grade Arbeitslosigkeit in die Erscheinung, aber sie sei nach den aus den verschiedenen Landesteile»» vor­liegenden Berichten nicht allgemeiner, sondern nur lo­kaler Natur. Sie trete namentlich in größeren Zentren auf, wo die Bevölkerung reichlich zusammenströme, wie besonders in Berlin. Im ganzen lasse sich sagen, daß in Deutschland im Vorjahre mehr Arbeitsgelegenheit als Arbeiter vorhanden gewesen seien. Es werde daher eine bessere Verteilung der Arbeitskräfte anzustreben sein.

Im weiteren Verlauf seiner Rede warnte der Mi- nister vor unnötiger Hingabe von Geld an das Ausland. Man sollte sich darin mehr als bisher von politischen und wirtschaftlichen Interessen leiten lassen.

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

20) lNachdruck verboten.)

, "Aber Du? Wollen wir nicht lieber von Dir spre-

i entgegnete sie in der gleiche»» scherzenden Art. r die erste Heimsuchung. Ob Du eine solche gleichfalls bestehe»» würdest? Verlangen die Herren der Schöpfung nicyt immer nur von uns, daß wir unserer Liebe ein Opfer bringen? Tu»» sie es auch?"

Das ist also Deine Ueberzeugung?"

„Wirst Du nicht sofort treulos werden, wenn Dich ein Paar andere Augen angucken? Wirst Du selbst die Liebe rnchl sofort abschütteln, wenn die erste Versuchung an Dich fommt?"

„Nein! Diese Liebe bedeutet für mich das Leben. Und wie ich atmen muß, so muß ich diese Liebe besitzen. Deine Liebe!"

Dabei drückte er die zierliche Gestalt, die er an sei­nem Arm führte, enger an sich.

Und die beiden fühlten dieser» Augenblick wie einen Schwur, mit dem sie ihre Liebe und ihr Vertrauen be­siegelten.

Stnmm schritte»» sie nebeneinander. Nur in ihren Auge»! lachte das Glück des Augenblicks, der Sieg der jungen Liebe im Frühlingszauber, und die Blicke such­ten sich. Ein geflüstertes, seliges: „Du Liebster! Liebste!"

Und als sich ihre Wege dann trennen mußten, ein jubelndes: „Morgen wieder am Goldfischteich!"

Neuntes Kapitel.

Vor neunzehn Jahren!

Die Vergangenheit, die Michael Purgstaller tot gewähnt hatte, war mit jener Begegnung im Tiergarten wieder erstanden.

Diese neunzehn Jahre waren an diesem Weibe, der »r in seinem Wahne seine Zukunft und sich selbst ge- Ert hattx, nicht spurlos vorübergegangen, und er

Politische Rundschau«

Ueber den Gesetzentwurf znr Besserstellung der Alt- penstonäre und Althinterbliebenen ist nunmehr zwischen den beteiligten Reichsressorts und preußischen Ressorts eine Verständigung erzielt. Die Vorlage wird letzt dem preußischen Staatsministerium zur Beschlutzfaßung zu- gehen. Mit Beginn des Februar dürste sie an den Bun­desrat gelangen. Dem Vernehmen nach wird die Vor­lage den Forderungen der Altpensionäre nach u»»e»nge- schrünkter Gleichstellung ihrer Bezüge mit denen der Nenpensionäre nicht Rechnung tragen. Es dürfte dem Standpunkt des Reichstags entsprechend eine Berückstch- tigung der wirtschaftlichen Verhältnisse des einzelnen tn Frage kommen. ,

Anklage wegen Verleitung zu einem militärischen Komplott. Der Straßburger Staatsanwalt hat jetzt ye- gen den verantwortlichen Redakteur Kestle vom „Elsas- fer" Strafantrag wegen Verleitung der elsassischen Rekruten zu einem militärischen Komplott gestellt. Die Verhandlung wird anfangs Februar vor der Straßbur­ger Strafkammer stattfinden. _ . v

Die Generalversammlung des Bundes der Land­wirte findet in diesem Jahr am Montag den 16. Februar, mittags 12^ Uhr, in Berlin im Zirkus Busch und Zir­kus Schumann statt. o

Die Sonntagsruhe der Handlungsgehilfen. E»ne Jmmediateingabe an den Kaiser wegen der Sonntags­ruhe beschloß eine vom Deutsch-Nationalen Handlungs­gehilfenverein in Berlin einberufene Versammlung. Geschäftsführer Thomas iibte scharfe Kritik an dem Ver­lauf der Reichstagsdebatte und an den übrigen bürger­lichen Handlunasgehilfenverbänden, weil sie sich mit dem Ergebnis der Reichstagsverhandlungen zufrieden gege­ben haben. In der Jmmediateingabe soll im Interesse der kaufmännischen Jugend die völlige Sonntagsruhe für nötig erklärt werden. ~

Die deutsche Militärmisston. Eine Petersburger De­pesche meldet über Paris, daß jegliche effektive Kom­mandogewalt der deutschen Militärmission genommen sei. Die russische»» Forderungen seien sämtlich bewilligt worden. In russischen offiziellen Kreisen betrachte man die Angelegenheit der deutschen Mission nunmehr end­gültig als erledigt.

Türkische Kriegsbereitschaft. Im türkischen Kriegs- ministerium herrscht eine beunruhigende Tätigkeit. Der Kriegsminister hat den Kommandenten aller Armeebe­zirke den Befehl erteilt, die Reservetruppen der Jahr­gänge 1889 bis 1892 bereit zu halten, damit sie bei einem Konflikt ohne weiteres zur Verfügung stehen.

Kleine Hadiriditen«

Der Schutzversand gegen die Fremdenlegion be­schloß in seiner Hauptversammlung in München, Tafeln mit Warnungen vor Eintritt in die Fremdenlegion in den Bahnhöfen und Auswandererbureaus anzubringen und zu geeigneter Zeit umfangreiche Warnungsschriften zu verteilen. Zum Ort der nächsten Tagung wurde Ber­lin bestimmt.

Luftschiff „Sachsen" über Cuxhaven. Das im Charter der Marine befindliche Luftschiff „Sachsen" traf Dienstag vormittag von Hamburg aus über der Reede von Cux­haven ein und führte über Hafen und Reede ver­schiedene Manöver aus. Das Luftschiff nahm dann den Kurs über die Elbe nach Holstein hin. Seit der Todes- fahrt des „L 1" ist bis jetzt kein Luftschiff über Cuxhaven gesichtet worden.

Fallschirmversuche vom Zeppelinballon aus. Die Probefahrten des neuen „Z 7" sind nunmehr beendet. Dienstag vormittag wurden zum ersten Male vom Luftschiff aus Fallschirmversuche unternommen. Die Ex­perimente gelangen vorzüglich.

Tot eines Berliner Gelehrten. In der Klinik, in die er sich zum Zwecke einer Gallenstemoperation begeben hatte, ist am Dienstaa Professor Felix Wahnschaffe ge­storben, eine der bedeutendsten Lehrkräfte der Bergaka­demie. Der Tod trat infolge eines Herzschlages ein.

Infolge der anhaltenden Winterstrenge macht Madrid den Eindruck einer belagerten Festung. Allent­halben sieht man beladene Fuhrwerke stehen, deren Last­tiere nach einem Fall oder Knochenbrüchen haben ge­tötet werden müssen. Die Lebensrnittel werden knapp. Die Preise steigen enorm. Leichen von erfrorenen Sper­lingen liegen umher. Alle Theater sind geschlossen.

Zwei Kinder das Opfer einer Fleischvergiftung. Die beiden 12 und 14 Jahre alten Kinder der Fabrikarbeiterin Rojda in Hamborn erkrankten vor einigen Tagen unter verdächtigen Erscheinungen und stürben am Dienstag. Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß beide Kinder das Opfer einer Fleischvergiftung geworden sind.

Bei einem Ohnmachtsaufall erfroren. Eine jung­verheiratete Frau in Eckersdorf in Schlesien, die sich in gesegneten Umständen befand, wurde am Brunnen vor ihrem Hause erfroren aufgefunüen. Die Bedauernswerte scheint von einer Ohnmacht befalle»! worden zu sein und vermochte sich dann nicht mehr ins Haus zu schleppen.

hatte sie trotzdem bei der ersten Begegnung wieder er­kannt. Kein Blick ihrer graugrünen ruhelosen Augen hatte ihn gestreift. Ihn würde sie, auch wenn es anders gewesen wäre, nicht »»»ehr erkannt haben. Die Blattern- narben, sein bartloses Gesicht, die Furchen der nahen Fünfzig hatten aus dem lebensfrohen jungen Manne von einst einen anderen gemacht. Neunzehn Jahre lang war Purgstaller fast über die halbe Welt gekommen, und diese Frau hatte nie seinen Weg gekreuzt.

Hatte er sie gesucht?

Nein! Er schüttelte, ganz in diese Grübeleien über sein eigenes Leben versunken, den Kopf. Nein! Aber die Hoffnung hatte er immer besessen, sie würde doch noch einmal seine»! Weg schneiden.

Nun war er Michael Purgstaller! Aber darnals? Der Name, den zu tragen er ein Recht hätte, war längst vergessen, und der letzte Träger dieses Namens, er selbst, galt als verschollen, als tot. Daß dieser in Mi­chael Purgstaller erstanden war, wußte niemand.

Und sie — jenes Weib, das lachend mit den Offi­zieren und den andren Reiter»! so nahe an ihm vor­beigeritten war, daß der Staub von den Hufen ihres Pferdes seine Schuhe gestreift hatte, war es gewesen, die ihn vernichtet hatte, so vernichtet, daß er seinen alten Namen zu den Toten hatte werfen müssen.

Aber was war aus ihr geworden? Das Pferd war aus bester Zucht. Und das Reitkleid stammte aus einem der ersten Ateliers. Sie mußte reich geworden sein! Und welchen Namen mochte sie führen?. Den seinen? Ge­wiß nicht!

Und sie hätte es müssen! Sie war doch seine Frau, durch die Gesetze und das Wort des Priesters ihm ange­traut,- und hatte ihn doch vernichtet, die Gattin den Gatten. *

Aber wenn sie ih»! für tot gehalten hatte, wie er es der Welt gegenüber galt? Seine Schläfe hämmerten. So lange war die Vergangenheit tot gewesen, und da

Durch Explosion einer Dynamitkapsel umS Leben gekommen. Als der sechsjährige Knabe Raussin aus dem Dorfe Orsieeres im schweizerischen Kanton Wallis mit Stecknadeln eine Dynamitkapsel zu reinigen versuchte, platzte die Kapsel. Es wurde dem Knaben eine Hand »veggerissen und der Leib aufgertssen, sodatz er im Spital kurz nach seiner Einlieferung starb.

Ein Platzkommandaut gegen Ausschreitungen der Mode. Nach Blättermeldungen hat der Bndapester Platz- kommandant an die Truppenkommandanten, Militärbe­hörden und an die Chefs der Militärinstitute eine Ver­ordnung herausgegeben, in welchen den Offizieren und Militärbeamten der Befehl gegeben wird, ihre Damen von Mode-Exzentrizitäten zurückzuüalten. Die Offi- ziersdamen werden ersucht, sich innerhalb gewisser Grenzen in ihrer Kleidung zu bewegen.

Ein englisches Vollschiff vom Sturme vernichtet. Der Dampfer „Cormishman" »neidet auf drahtlosem Wege, daß er mitten auf dem atlantischen Ozean den aus fünf Mann bestehenden Rest der Besatzung des Dreimasters „Banshee" ausgenommen hat. Die „Banshee" war in einen furchtbaren Sturm geraten und hatte alles ver­loren,- auch der größte Teil der Besatzung war über Bord gespült worden. Seit 11 -Tagen trieb das Schift als steuerloses Wrack auf den Wellen des Ozeans.

Dreihundert Mensche»» in Japan verschüttet. Drei- Hurrdert Flüchtlinge sind bei Kagoschima durch einen infolge eines Bebens entstandenen Erdrutsch in einer tiefen Schlucht verschüttet worden. Etwa Hundert konnte» man noch lebend ausgraben.

General v. kracht und die Bauern.

In der bayerischen Abgeordnetenkammer protestier­ten am Dienstag bei der Beratung des Militäretats ein Zentrums- und ein liberaler Abgeordneter gegen die Aeilßerung des Generals v. Kracht bei dem Preußentage in Berlin über das Verhalte»» der bayerischen Truppen bei Orleans. Der Kriegsminister erklärte: Die durch die Presse gegangene Nachricht, »vonach General Kracht äußerte, daß die bayerische Armee sich bei Orleans zurückgezogen, die Preußen aber flott angriffen, muß mir als in tendenziöser Absicht entstellt erscheinen. Wenn sich aber die Nachricht als richtig erweisen sollte, so könnte ich eine so unerhörte Aeußerung nicht scharf genug brandmarken. Sie würde eine Verunglimpfung der glorreichen Erinnerungen der bayrischer» Armee ent­halten, die gerade in den Stampfen bei Orleans sich auf das Heldenmütigste geschlagen habe und sich mit nnver- gleichlichem Ruhm bedeckte. Ich müßte eine solche Aeußerung aus dem Munde eines so hohen Offiziers auf das tiefste bedauern und einen solchen Anwnrs gegen die bayrische Armee auf das entschiedenste zurückweisen.

Ein Brief des Generals an den Kriegsminister.

Die „Noröd. Allg. Ztg." veröffentlicht folgenden Brief des Generalleutnants Kracht an den Kriegsmini­ster: Bei der Hochachtung, die ich für meine alten Waf- fengefährten von der Loire bis an mein Lebensende em­pfinde und empfinden werde, ist es ganz unmöglich, daß ich etwas gesagt habe»» sollte, das die Bayern, bereit Ritterkreuz mit Schwertern zu tragen ich mir gut höch­sten Ehre anrechne, verletzen könnte. Es muß eine völ­lige Entstellung meiner Worte vorgenommen worden sein. Ich hatte mich über den vor» einem Vorredner ge­brauchte»» Ausdruck „Hegemonie" geärgert, weil ich kein Freund von solchen Schlagworten bin. Daran anknüp- send schilderte ich ganz kurz den Verlauf der Schlacht bei Loigny am 2. Dezember 1870. Daß ein Teil der Bayern dabei zurück mußte, war nichts Besonderes, da sie auf zu starke Kräfte gestoßen waren; das ist uns ebenso pas­siert am 9. Dezember 1870. Ich wollte nur an dem Vor­stoß der Brigade Kottwitz zeigen, daß wir stets in treuer Waffenbrüderschaft bereit sind, uns gegenseitig zu helfen, und daß derjenige, der in der Lage ist, helfend einzu- greifen, dies auch tun »nutz. Wenn man das als Hege­monie betrachten wolle, dann wäre ich damit einverstan- den. Das war so. ungefähr der Sinn meiner Worte.

Am 7. Dezember 1870 ging es uns, dem Regiment »6, bei Langlochere so ähnlich; da halfen uns wieder die Bayern in treuester Weise. So ging es an der Loire stets abwechselnd. Ich bin ein besonders treuer Ver­ehrer unserer bayrischen Waffenbrüder, die stets bereit wäre»», zu helfen. Ich bin daher im höchsten Grade empört, daß durch ungenügende Berichterstattung der S»nn meiner Worte anders gedeutet werde»» konnte. Die Dankbarkeit und Anerkennung für unsere braven und tüchtiger» Waffenbrüder, von der ich auch heute beseelt bin, wird von der ganzen 17. Division geteilt und lebt noch heute »n jeden» alten Soldaten. Meine alte 6. Kom­pagnie sandte bis jetzt noch an jedem Schlachttage von Lmgny dem hochselrgen Prinzregenten einen Hulöi- gungsgruß in Erinnerung an die gemeinsam verlebten schweren, aber siegreichen Kämpfe an der Loire.

von mir erwähnte Tatsache selbst ist in der Ge- »chichte des 1. bayrischen Armeekorps v. d. Sann (von Oberst Hellwig) genau beschrieben, auch in der Geschichte

sie in einem Gedanken erwacht war, wollte sie nie wie­der zur Ruhe kommen.

Michael Purgstaller war in feinem Hotelzimmer angekommen: er hatte für diesen Tag kein Verlangen mehr, nochmals auszugehen. Er lehnte in einem Schau­kelstuhl und starrte in die Dunkelheit hinein, die mit immer schwärzeren Schatten die Ecken füllte.

Einst! Kaunr fünfündzwanzigjährig, hatte er feinen Vater beerbt, er trug den Namen eines Grafen Lers- bach und war in der Wiener Gesellschaft eine der ein­flußreichsten Persönlichkeiten. Da hatte Ellen Weselly seinen Weg gekrerrzt. In einer Woyltätigkeitsvorstel- lung hatte er die talentvolle Schauspielerin mit der Me- deafigur zuin ersten Male gesehen. Sie war von allen gefeiert worden. Aber daß sie allen gegenüber bis zur Unnahbarkeit kühl blieb, so beherrschend, als fehlte ih­rem Herzen jede Wärme, das hatte ih»r gefesselt.

Darnit hatte die Geschichte seiner Liebe begonnen, wobei er nur eine flammende Leidenschaft gezeigt hatte. Je stürmischer sein Begehren war, desto sicherer blieb sie in ihrer Ruhe, die er in dem Rausche seiner Liebe für Reinheit gehalten hatte.

So hatte sich sein Liebeswahn gesteigert, daß er die Schauspielerin zur Gräfin Lersbach gemacht hatte, um so ihre Liebe, die er immer noch schlummernd in einem verschlossenen Herzen gewähnt hatte, an sich zu reißen. Aber sie blieb kalt. Auch als Gattin.

Nur die Gräfin Lersbach war sie geworben, und als solche kannte sie keine Grenzen. Sie verschwenvete ein Vermögen. Er selbst hatte nichts bemerkt; er freute sich, daß sie immer die schönste war, daß alle Schönheit nur ihm gehörte, daß die Juwelen mit ihren» Feuer gleich einer Kette von Sonnenstrahl er» ihren Hals um= schmückten. Bis der Zusaminenbruch gekomme»» war!

iFortsetzmlg folgt.)