Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Kleider

für den Kreis Hersfeld

Wllitt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 18.

Donnerstag, den 22. Januar

1914.

Bus der Heimat.

* (Benachrichtigungszettel im Post- a u f t r a g s ö i e n st e.) Bei Postaufträgen mit dem VermerkeSofort zurück" oderSofort an N. in N." oderSofort zum Protest" sowie bei Postprotestauf­trägen, die schon nach dem ersten Versuche der Vor- zeiguug zu protestieren sind, lassen die Briefträger künftig einen gedruckten Benachrichtigungszettel zurück, wenn sie weder den Empfänger des Postauftrags oder dessen Bevollmächtigten antreffen, noch eine der sonstigen, zur Bareinlösung von Postaufträgen be­rechtigten Personen über das Vorliegen des Auftrags mündlich verständigen können. In dem Benach­richtigungszettel sind die Postaufträge näher bezeichnet mit dem Zusätze, daß ihre Anlagen bis zum Abend am Postschalter unter Vorlegung des Benachrichtigungs­zettels noch eingelöst oder angenommen werden können.

§ Hersfeld, 21. Januar. (Anmeldungneuer Fernsprechanschlüsse.) Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprech­anschlüsse, deren Herstellung in der Zeit vom 1. April (Beginn des ersten Bauabschnittes) bis Ende Juli gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an welche die Sprechstelle angeschlossen werden soll.

):( Hersfeld, 21. Januar. In einer Versamm­lung des Bürgervereins für städtische Angelegenheiten sprach gestern abend der Sekretär des Bundes deutscher Bodenreformer, Herr Rüppel aus Berlin, über Fragen der modernen Ge­meindeverwaltung, besonders die Bodenpolitik. Die hochinteressanten und äußerst fesselnden Ausführungen des Redners gipfelten vor allem in dem obersten Grundsatz der Bodenreformer, daß jede Gemeinde, ob groß oder klein, soviel Grundbesitz erwerben müßte, wie nur irgend möglich. Weiter müßte dann jede Gemeinde darauf bedacht sein, niemals ein Stück Boden dauernd aus der Hand zu geben. Um es der Allgemeinheit nützlich zu machen, zeigte Herr Rüppel die verschiedensten Wege, wie Eröbaurecht, Rentengut etc., Wege, die in der Praxis bereits von zahlreichen Gemeinden erprobt worden wären und zwar mit dem besten Erfolg. Redner führte eine ganze Reihe lehrreicher Beispiele an, wo Gemeinden durch Ver­folgung einer gesunden Bodenpolitik ganz bedeutende Vorteile erzielt hatten. Besonders könne eine Stadt mit großem Grundbesitz bestimmend auf die Boden­preise einwirken und der Bodenspekulation einen Riegel vorschieben. An den Vortrag, von dem alle Anwesenden sehr befriedigt waren, schloß sich noch eine recht rege Aussprache an, so daß die Versammlung erst gegen V2I Uhr zu Ende war. Man hätte wünschen können, daß dieser Vortrag vor einem viel größeren Kreis von Zuhörern hätte gehalten werden können, besonders wäre es für alle Mitglieder der städtischen Körperschaften recht interessant gewesen, diese Ausführungen und Ansichten zu hören. Es braucht ja nicht jeder gleich ein begeisterter Anhänger dieser Bodenreformer zu werden, aber manch wert­volle Anregung würde wohl jeder erhalten haben.

):( Hersfeld, 21. Januar. Am nächsten Sonnabend abend wird der Evangelische Arbeiterve rein im Saale des Hotel zum Stern den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers festlich begehen.

):( Hersfeld, 21. Januar. Ein erfreulicher Z u - wachs der Skifreunde konnte am vergangenen Sonntag konstatiert werden. Bereits zu dem Früh- zuge 6.52 Uhr hatte sich eine größere Anzahl Läufer eingefunden, um von Station Frielingen aus den Aufstieg zum E i s e n b e r g anzutreten. Nach kaum 20 Minuten Wanderung konnten die Bretter ange­schnallt werden, und ein Langlauf mit Hindernissen begann. Eine Anzahl durch Schneelast gefällte Bäume versperrten den Weg und nun konnten Anfänger und geübtere Fahrer Findigkeit und Gewandheit im Hindernisnehmen beweisen. Bald war jedoch der Abhang unterhalb der Jagdhütte, ein ideales Uebungs­feld, erreicht und hier wurde dann fleißig geübt. Nach erfolgtem Aufstieg zum Plateau des Berges bot besonders der Abhang zum Hersfelder Weg eine günstige Abfahrt. Eine Stärkung im Anbau des Borgmannsturmes unterbrach auf kurze Zeit den edlen Sport, um dann wieder frisch fortgesetzt zu werden. Eine flotte Abfahrt nach Oberaula beschloß die Tour. Die Schneeverhältnisse waren im allge­meinen befriedigend, wenn auch einige besonders ge­schätzte Abfahrtstellen, wie nach Salzberg, wegen zu starker Vereisung nicht befahren werden konnten. Mit Ski Heil für nächsten Sonntag!

):( Hersfeld, 21. Januar. Gleich wie im Vorjahre wird der Turnverein Hersfeld auch in diesem Monat wieder einen Familienabend für seine

Mitglieder veranstalten, und zwar am kommenden Sonnabend abend in den Räumen der Turnhalle. Theatralische und musikalische Darbietungen etc. mit einem anschließenden Tänzchen werden den Abend ausfüllen.

):( Hersfeld, 21. Januar. Die Landwirtschafts­kammer bestimmte als Termin für die Bezirks- t i e r s ch a u, die diesmal in Hersfeld stattfinden wird, die Tage vom 3. bis 5. Juli. Sie bewilligte gleich­zeitig 3000 Mk. zur Vorbereitung der Schau.

):( Hersfeld, 21. Jan. Herrn August Linde­mann von hier wurde unter Ernennung zum Steuersupern umerar die bei der hiesigen Königl. Einkommensteuer-Veranlagungskommission neu gegründete zweite Steuersekretärstelle übertragen.

):( Hersfeld, 21. Januar. In der vergangenen Nacht wurden in den Fabrikgebäuden der Firmen Aug. Gottlieb und Jean Rechberg eine große Anzahl Fensterscheiben zertrümmert. Die Täter konnten bereits ermittelt werden. Es sind mehrere junge Leute, die den unüberlegten Streich, der ihnen teuer zu stehen kommen kann, im Uebermut verübten.

-h- Niederaula, 20. Januar. Am 17. d. Mts. hielt der Ziegenzuchtverein Niederaula eine Generalversammlung ab, die außer von 5, von 37 Mitgliedern besucht war. Nachdem die Sitzung durch den Kassierer, welcher vom Vorsitzenden beauftragt war, eröffnet worden war, erbat sich der Schriftführer Haßenflug das Wort und schildert in kurzen scharfen Zügen die Bestrebungen des Vereins. Er besprach die Rentabilität der Ziege im Verhältnis zu der Kuh, welch erstere man mit RechtBeamtenkuh" neune. Die Milch stände im Verhältnis betreffs Qualität sowie Quantität weit über der Kuhmilch und hätte bei Untersuchung 6,8«/o Fettgehalt aufgewiesen, während es Kuhmilch bei 34°/o schon bewenden ließ. Wenn gleich der Bund der Landwirt-' in seinem Organ die Ziege als empfänglicher für Krankheiten Hinstelle, so könne durch berühmte Professoren nachgewiesen werden, daß es eine gesundere Milch als Ziegenmilch überhaupt nicht gäbe und bei den Schlachtungen der Tiere prozentual noch nicht die Hälfte der Ziegen im Verhältnis zum Rindvieh beanstandet werden könnte. Nachdem sich die Wahl des Vorstandes vollzogen hatte, die so ziemlich alles beim alten bewenden ließ, wurde vom Schriftführer die Eintragung des Vereins empfohlen und nach Auskunft kleinerer Fragen an­genommen. Weiter erklärt sich der Schriftführer von selbst bereit, sich mit verschiedenen Versicherungen über Unfall und Krankheit der Ziegen in Verbindung zu setzen. Für den zu schlachtenden Bock wurden 18 Mkl gelöst. Zn Punkt 5 nahm ebenfalls der Schrift­führer das Wort und empfahl das Deckgeld der Ziegen von 75 auf 60 Pfg. zu reduzieren, denn man solle den Mitgliedern in weitgehendster Weise entgegen kommen und lieber den Nichtmitgliedern den Preis um 10 Pf. erhöhen. Hätte sein aufklärendes Rundschreibeu auch annähernd 20 neue Mitglieder gebracht, so sei doch zu wünschen, daß sich alle dem Verein anschließen möchten. Auch Punkt 5 wurde angenommen. Nachdem Punkt 6, welcher eine kleine Statutenänderung empfahl, erledigt war, blieben die Mitglieder noch in fröhlicher Stimmung zusammen bis die nötige Wärme des Vereinszimmers versagte und die Anwesenden vorzogen, die Haia aufzusuchen.

Marburg, 16. Januar. Der Heilkundige B., in Wabern wohnhaft, hatte in Kirchhain, ohne dazu be­rechtigt zu sein, Sprechstunden abgehalten. Wegen Vergehens gegen das Gewerbegesetz angeklagt, wurde er heute zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Gieboldshause», 20. Januar. Das dreijährige Söhnchen des Arbeiters Schild riß die Kaffeekanne vom Tisch herunter. Der brühheiße Inhalt ergoß sich über das Kind, das schwer verletzt wurde.

Buhla, 20. Januar. Rittergutsbesitzer Teubert, der dieser Tage mit seinem Fuhrwerk auf einer Aus­fahrt verunglückte, ist den dabei erlittenen schweren Verletzungen erlegen.

Abgeordnetenhaus.

Das Preußische Abgeordnetenhaus beriet am Dienstag zunächst in erster Beratung den Gesetzent­wurf über die Erweiterung des Stadtkreises Danzrg. Nach Zustimmungserklärungen der Abgg. Dr. 0. Kries (kons.), Menzel (natl.), Gerlach (Ztr.), Münsterberg (Fortschr.) und Modrow (fretfonf.) wurde der Entwurf der Gemeindekommission zur weiteren Beratung uber- wiesen. Der Gesetzentwurf über die Zuständigkeit der Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten für die öffentliche Beglaubigung einer Unterschrift wurde in dritter Lesung angenommen. Bei der Fortsetzung der Debatte über den Landwirtschafts-Etat brächte Abg. v. Morawsky-Dzierzykraj (Pole) Beschwerden vor

über die Auflösung einer landwirtschaftlichen Ber" sammlung in Posen. Abg. Horsch (kons.) betonte, daß nur ein kleiner unerheblicher Rückgang in der Schaf­zucht zu verzeichnen sei, während sonst sich die Schweine- und Rindviehbestände bedeutend vermehrt Hütten. Die Viehverwertungsgenossenschaften seien durchaus in der Lage, die Fleischversorgung zu übernehmen, wenn sich nur die Kommunen mit ihnen in Verbindung setzen wollten. Abg. Dr. Schifferer (Natl.) nannte den freisinnigen Abg. Hoff caprivischer als Caprivi. Eine wirksame innere Kolonisation sei nicht möglich bei Aufhebung der Futtermittel- oder Viehzölle. An den bewährten Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik dürfe nicht gerüttelt werden. Abg. Graf Moltke (freikons.) bemerkte, ein Beweis für die Richtigkeit unserer Wirtschaftspolitik sei die Vermehrung des Viehbestandes. Nachdem Abg. Brors (Ztr.) über die langsame Feststellung der Wildschäden Klage geführt hatte, bezweifelte Abg. Dr. Pachnicke (Fortschr.), daß wir uns dem Ziel der Fleischversorgung im Jnlande nähern. Die Vermehrung des Viehbestandes halte nicht Schritt mit dem Anwachsen der Bevölkerung. Aufhebung der Futtermittelzölle sei nötig, das ver­lange auch der Bauernbund. Mittwoch 11 Uhr Fortsetzung. Schluß IVt Uhr.

Deutscher Reichstag

Der Reichstag befaßte sich am Dienstag zunächst mit einer kurzen Anfrage des Abg. Erzberger (Ztr.) betr. der Vereinigung Berliner Schutzmänner, die vom dortigen Polizeipräsidenten verboten wurde. Ministerialdirektor Lewald erwiderte, daß die Ange­legenheit zum Beamtenrecht gehöre und für den Reichskanzler kein Anlaß zum Einschreiten vorliege. Auf eine Ergänzung der Anfrage empfahl Geheimrat Lewald, die Frage bei der Etatsdebatte zur Sprache zu bringen. Nunmehr feftfe das Haus die allgemeine Erörterung des Elulo für 'das Reichsamt des Innern fort. Abg. Krätzig (Soz.) meinte, daß alle Reformen nur auf dem Papier stehen und verlangte eine Regelung der Rechtsverhältnisse auf dem Lande. Die Landarbeiter seien widerstandslos der Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer ausgesetzt. Man gehe mit den Leuten wie mit Vieh um. Nunmehr ergriff der Staatssekretär, Dr. Delbrück das Wort, um in einer längerer Rede Stellung zu nehmen zu den in der Erörterung behandelten Fragen. Der Staats­sekretär führte aus, daß die sozialpolitische Gesetzgebung mit der Reichsversicherung zu einem gewissen Abschlüsse gelangt set. Kein Gesetz sei so sorgsam vorbereitet worden wie das der Krankenversicherung. Im Reichs­amt des Innern sei mit fieberhafter Hast gearbeitet worden. Hervorgehoben müsse werden, daß die Selbst­verwaltung Bürgerrecht gewonnen habe. Auch zum Schutze der Arbeiter geschehe jetzt viel Umfassenderes als früher. Eine Grundlage für die Rechtsfähigkeit

* * ~ür die

neue

der Berufsvereine sei noch nicht gegeben. Fitz Tätigkeit auf sozialpolitischem Gebiete haben sich Wege geöffnet, bei denen auch neue Ziele empor- wuchsen.

Eine verständige Sozialpolitik sei eine Kraftquelle für das Deutsche Reich, müsse in den Grenzen des Möglichen bleiben und auch im Einklang stehen mit der allgemeinen Wirtschaftspolitik. An dem großen Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens sei auch der Arbeiter stark beteiligt; das beweise die Ein­kommensteuer- und Sparkassenstatistik. Trotz der letzten an Krisen reichen Zeit sei die finanzielle Be­reitschaft des Reiches größer als je; das sei ein schlagender Beweis für den guten Stand der gesamten Volkswirtschaft. Der Stqatssekretär ging dann aus­führlich auf die Zollpolitik des Reiches ein und stellte dabei fest, daß auch im Auslande eine Verteuerung der Lebensmittel eingetreten sei. Im Reiche sei eine erhebliche Steigerung des Viehbestandes zu verzeichnen. Erst die Wirtschaftspolitik habe den Ausbau der Sozialpolitik möglich gemacht und demgemäß liege kein Anlaß vor, an den Grundlagen unserer be­währten Wirtschafts- und Zollpolitik zu rütteln. Es bestehe auch nicht die Absicht, dem Hause eine Novelle znm Zolltarif vorzuschlagen. Der Staatssekretär schloß seine fast zweistündige Rede mit der Ver­sicherung, daß Wirtschafts- und Sozialpolitik weiter- zuführen die Aufgabe sein werde. (Lebh. Beifall.) Abg. Chrysant (Ztr.) besprach die Lage des Mittel­standes und forderte Unterstützung desselben durch die Behörden und Verbot des heimlichen Waren- Handels der Beamten. Ministerialdirektor Dr. Caspar teilte dazu mit, daß auch vom Reiche ein Verbot des Beamtenhandels ergangen sei. Abg. Dr. Böhme (Bbdü begrüßte den Aufschwung der Viehzucht. Mittwoch Fortsetzung der Erörterung.

Wetteraussichten für Donnerstag den 22. Januar. Wolkig, meist trocken, Frost, nordwestliche Winde.