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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld

Zerrselder Wlott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Herusp-ec^-Anschluk Nr. 8

Nr. 17.

Mittwoch, den 31 Januar

1914.

Bus der Heimat.

* (Binsen der Schweine- und Kuh - preise.) In der zweiten Novemberwoche vorigen Jahres begann ein Sinken der Schweinepreise, das auch im neuen Jahre angehalten hat. Gestern gingen die Schweinepreise auf dem Frankfurter Markt gegen die Vorwoche wieder 3 bis 4 Pfennig zurück und wurden pro Pfund Schlachtgewicht für vollfleischige Schweine von 80100 Kilo 70 bis 72 Pfennig gegen 7275 Pfennig in der Vorwoche, für vollfleischige Schweine unter 80 Kilo 6971 Pfennig gegen 7275 Pfennig in der Vorwoche bezahlt. Auf dem Markte war ein so starker Auftrieb von Schweinen zu ver­zeichnen 2748 Stück und ebenso von Rindern 1548 Stück, wie es nur äußerst selten vorkommt. Ein ähnlich hoher Auftrieb von Rindern und Schweinen zu gleicher Zeit, nämlich 1568 Rinder und 2848 Schweine, war am 17. März 1913 zu verzeichnen. Nicht allein schlachtreife Schweine, sondern auch schlacht­reife Rinder, vor allem vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts stehen zurzeit auf dem Lande genügend. Infolgedessen sind auch die Preise für die letztere Gattung Tiere heute etwas in der Baissebewegung begriffen. Für die Konsumenten hat sich dies in den ländlichen Orten und mittleren Städten bereits fühlbar gemacht, da dort die Metzger schon für prima Schweinefleisch nur 80 Pfennig, für prima Rindfleisch den gleichen Preis pro Pfund fordern. In Handelskreisen nimmt man an, daß ein weiteres Sinken der Preise für Kühe folgen dürfte. Auch auf dem Montagsmarkt in Wiesbaden sind die Preise für Schweine um 23 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht durchschnittlich heruntergegangen. Den­noch find die in Wiesbaden am Markte bezahlten Preise 2 Pfennig pro Pfund höher als in Frankfurt.

):( Hersfeld,20. Januar. Zu der gestern nachmittag im Rathaussaale stattgefundenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlnng hatten sich 16 Mitglieder eingefunden. Außerdem war Herr Bürgermeister Strauß, sowie der erste Beigeordnete Herr Schimmelpfeng und das Mitglied des Magistrats Herr Jacob Seelig erschienen. Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker begrüßte zunächst die Anwesenden zu der ersten Sitzung im neuen Jahre und hieß besonders die drei neu gewählten Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung dieHerren L ö w e r, H i l sch e r t und Artur Rehn willkommen und ver­pflichtete die drei Herren mittelstHandschlags an Eides­statt auf ihr neues Amt. Es wurde dann zur Wahl des S tadtver ordnete nvo rsteher s und dessen Stellvertreters geschritten, deren Wahlzeit abgelaufen war. Beide Herren, Herr Apotheker Becker und Herr Professor K l i p p e r t, wurden für ihre Aemter, die sie bereits seit langen Jahren begleiten, einstimmig wiedergewählt. Herr Bürgermeister Strauß, welcher im Namen des Magistrats die drei neugewählten Stadtverordneten begrüßte und die Herren Becker und Klippert zu ihrer Wiederwahl beglückwünschte, nahm dann die Ver­eidigung des in den Magistrat neugewählten Herrn Kaufmanns Hirschberger vor. Die nächsten Punkte der Tagesordnung betrafen eine Reihe von K o m m i ss i o n s w a h l e n, so für die Gesundheits­kommission, für die Prüfung der Gas- und Wasser- werksrechnung, der Stadtkassenrechnung, der Vorbe- ratung für den neuen Voranschlag und für die Stadtschuldeputation. Zum Ausbau des Bodens im Dienstgebäude des Bezirkskommandos war ein Betrag von 406 Mark erforderlich, welcher bewilligt wurde. An Vertretungskosten für eine erkrankte Lehrerin am städt. Lyzeum wurden 191 Mark bewilligt. Für das Terain oberhalb der Bärengasse am Wende­berg war der F l u ch t l i n i e n p l a n festgelegt worden. Auf Antrag des Herrn Lorenz Mohr wurde jedoch eine Beschlußfassung ausgesetzt bis der Plan den Stadtverordneten zur Einsicht vorgelegen hat. Von feiten der Stadtverordnetenversammlung war vor einiger Zeit bei Neubenennung von Straßen der Wunsch geäußert worden, auch die von alters her bereits gebräuchlichen Namen der betr. Flur, in welcher die neue Straße liegt, zu benutzen. Hierauf war ein Schreiben des Magistrats eingegangen, in welchem die Neubennung ver­schiedener Straßen begründet wurde. Gleichzeitig war bemerkt, daß die Polizeiverwaltung allein be­rechtigt wäre, die Namen festzusetzen. Dieser Auf- faßung trat Herr Vorsteher Becker entgegen, indem er der Ansicht war, daß der Magistrat die Straßen­namen festzusetzen habe. Er beantragte deshalb, zu beschließen, die Stadtverordneten seien nicht der An­sicht des Magistrats, daß die Polizeiverwaltung die Straßennamen festsetze, und ersuchen den Magistrat hinsichtlich dieser Sache seine Rechte zu wahren. Herr Bürgermeister Strauß bedauerte, daß er über diese Frage augenblicklich keine genaue Auskunft geben könne, da er nicht gewußt hätte, daß dieser Punkt zur

Besprechung kam. Jedoch würde der Magistrat die Angelegenheit eingehend prüfen und dann wetteren Bericht erstatten. Herr Jean Rechbera wünscht bei Neubenennung von Straßen Berücksichtiguug der Wünsche der ortsangeseffenen Bürger. Herr Lorenz Moh-r ist ebenfalls für Beibehaltung alter Namen, die jedem Hersfelder geläufig sind. Herr Bürger­meister Strauß erläuterte kurz die Gründe, welche die Polizeiverwaltung zur Benennung der letzten Straßen, wie Gotzbertstraße, Lambertstraße, Brücken­müllerstraße, bestimmt hätten. Es sprechen zu diesem Punkte noch eine ganze Anzahl Stadtverordnete, wo­bei Herr Wilhelm Otto dem Wunsche Ausdruck gibt, daß die Lambertstraße wieder in Bärengasse umgeändert würde. Herr Vorsteher Becker ist jedoch der Ansicht erst die Entscheidung abzuwarten, wer zur Neubennung der Straßen befugt ist, womit die Stadtverordneten sich einverftanben erklärten. Gegen i/i6 Uhr wurde die Sitzung geschlossen.

):( Hersfeld, 20. Januar. Nach einer Bekannt­machung des Herrn Finanzministcrs in der heutigen Nummer ist die F r i st für die Abgabe der Ver­mögenserklärung zum Wehrbettrag so­wie auch ausnahmsweise die Frist zur Abgabe der Steuererklärung bis 31. Januar verlängert worden. Diese Verlängerung gilt auch für die Ab­gabe der Vermögensanzeige.

):( Hersfeld, 20. Januar. Wir möchten nicht ver­fehlen nochmals auf die heute abend im Saale des Hotel Stern stattfindende Versammlung des Bürgervereins für städtische Angelegenheiten hinzuweisen. Der Sekretär des Bundes deutscher Bodenreformer wird über das interessante Thema Fragen der modernen Gemeindeverwaltung, be­sonders die Bodenpolitik" sprechen. Auch Nichtmit- glieder des Bürgervereins sind als Gäste willkommen.

-r- Heringen fWerra), 19. Januar. Am 16. ds> Mts. gegen 10 Uhr Abends, ereignete sich hier ein eigenartiger Unfall. Ein hier beschäftigter Zimmer­polier war in einer Gastwirtschaft einquartiert. Nach- dem sich derselbe zum Schlafen begeben hatte, stand er nach etwa einer Stunde wieder auf und stellte sich an ein offenes Fenster. Bei dieser Gelegenheit stürzte er vom 3. Stockwerk auf das Dach des Tanzsaales und von da zum Erdboden herunter. Der Verletzte wurde dem Landkrankenhaus in Hersfeld überführt. Ob der Mann schlaftrunken gewesen ist, oder sich in einem anderen Zustande befunden hat, konnte bisher noch nicht geklärt werden.

Vacha. 19. Januar. Die Folgen der Einleitung der Kaliabwässer aus den Kalibergwerken des Werra- tales und der Rhön in die Werra machen sich auch im jetzigen Winter bemerkbar. Während die Werra in ihrem Oberlauf infolge der strengen Kälte auf weite Strecken hin mit Eis bedeckt ist, ist sie im Mittel- und Unterlauf fast noch gänzlich eisfrei. Diese Erscheinung ist darauf zurückzuführen, daß das Werra- wasser durch die Kaliendlaugen aus den Kaliberg­werken ziemlich salzhaltig geworden ist und daher sich nicht mehr so leicht mit einer Eisdecke versieht als in früheren Jahren, in denen an manchen Stellen das Eis so stark war, daß sogar Wagen es passieren konnten.

Caffel, 18. Jan. ImHanuschsaal" tagte heute nachmittag die Parteitagsversammlung der deutsch- sozialen Partei für den Regerungsbezirk Cassel. An dem sehr zahlreich besuchten Parteitage nahmen auch die Reichstagsabgeordneten Ludwig Werner (Hers- feld-Hünfeld-Rotenburg), Dr. Werner-Gießen fGießen- Grünberg), Herzog fRinteln-Hofgeismar-Wolfhagen), Rupp (Marburg-Frankenberg-Kirchhain) teil. Von der endgültigen Aufstellung deutschsozialer Kandidaten für die kommenden Reichstagswahlen wurde vorerst noch abgesehen; man hat allerdings vor, in sämtlichen kurhessischen Reichstagswahlkreisen eigene Kandidaten aufzustellen und wird auf jeden Fall an der Kan­didatur des Amtsgerichtsrats Lattmann-Schmalkalden für den Wahlkreis Fritzlar-Homberg-Ziegenhain fest­halten. Um für die Reichstagswahlen eine kräftige Propaganda durchführen zu können, wurde beschloßen, einen deutschsozialen Landesverband für Kurhesien zu begründen und Oberlehrer Reinicke-Casiel als ersten, Gutsbesitzer Wittich-Römersberg als zweiten und Oberpost-Sekretär Rabe als dritten Vorsitzenden zu wählen. Ein großer Stab von Vertrauensmänner soll gewonnen und über alle Kreise so verteilt werden, daß eine ganz intensive Klein- und Propagandaarbeit sofort ausgenommen werden kann.

Wiesbaden, 19. Januar. Ein schwerer Raubmord ist heute in der Mittagsstunde in der Jahnstraße hier verübt worden. Die Frau des Küfers Valentin Schweitzer wurde mittags gegen 1 Uhr, als ihr Mann zum Essen heimkehrte, am Bettpfosten hängend auf- aefunden. Als des Mordes verdächtig kommt ein Schlafbursche in Betracht, der seit 8 Tagen bei

Schweißers wohnte. Er war stellenlos, von Beruf angeblich Dreher und wollte aus Cöln stammen. Vor dem Morde hat zwischen dem Burschen und seinem Opfer ein Kampf stattgefunden.

Eisenach, 19. Januar. Unter der Führung eines Offiziers und mehrerer Unteroffiziere ist jetzt vom hiesigen 94. Infanterieregiment ein größeres Kom­mando in den Thüringerwald entsandt worden, damit die Mannschaften im Schneeschuhlauf ausgebildet werden. Die Uebungen finden bet Friedrichroda statt. Auch andere Thüringer Regimenter entsenden jetzt ebenfalls größere Kommandos in das Gebirge.

Abgeordnetenhaus.

Zur zweiten Beratung stand am Montag der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Das Haus beschloß die Fragen der inneren Kolonisation aus der Generaldtskussion auszuscheiden iinb die Besol­dungsfragen nicht beim Etat, sondern beim Eingang der Beamtenbesoldungsnovelle zu behandeln. Nach kurzen Bemerkungen des Wbß. Goebel (Ztr.) wurden die Einnahmen beivilligt. In der Generaldebatte be­klagte Abg. Dr. Busse ikons.) den niedrigen Stand der Getreide- und Zuckerpreise. Unter den Viehseuchen habe der Landwirt schwer zu leiden. Landwirtfchasts- minister Freiherr von Schorlemer-Lieser zerstreute die Befürchtungen, daß Rußland seine Grenzen für die Saisonarbeiter schließen könne, da aber der Zuzug doch einmal aufhören könne, sei innere Kolonisation und Ansehung ländlicher Arbeiter zu empfehlen. Nur Berlin beziehe noch russisches Fleisch, langfristige Lieferungsverträge hätten sich mit den Gemeinden und Städten nicht abschließen lassen. Abg. Walleu­born tZtr.) wünschte Beibehaltung der Schutzzölle und einen ausgedehnten Seuchenschutz. Abg. Ecker- Winsen inatl.) trat für Vermehrung der Kleinbetriebe und Beibehaltung des Zollschutzes ein. Abg. Johannsen ifrk.) wandte sich gegen das Verlangen der Freisinnigen, die Zölle, besonders die Futtermittelzölle aufzuheben. Abg. Hoff fFortsch.) meinte, daß unter der Caprivischen Aera die Dörfer aufgeblüht sind. Der Großgrundbesitz hindere die Vermehrung der bäuerlichen Betriebe. Abg. Dr. Braun (Soz.) bemerkte, wie der Herr Minister von einem Tiefstand der Getreidepreise reden könne, wenn es als eine der wichtigsten Ausgaben bezeichnet werde, für billige Nahrungsmittel zu sorgen. Die Einfuhrscheine müßten aufgehoben werden. Dienstag Fortsetzung. Schluß 6 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Montag die allgemeine Aussprache über den Etat des Innern fort, hob jedoch zunächst die am Sonnabend gefaßte Entschließung, vorerst die Sozialpolitik zu besprechen, wieder aus. Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren (Ztr.) besprach die gegen­wärtige schlechte Konjunktur und gab der Meinung Ausdruck, daß der Niedergang bald zu Ende sei. Auch der Geldmarkt habe sehr zu leiden. Daher sollte man die ausländischen Anleihen fernhalten, damit die Liquidität der deutschen Volkswirtschaft erhalten bleibe. Die Vermehrung des Viehbestandes widerlege die Behauptung, daß die hohen ZMK zur Verminderung des Viehbestandes führen. Hoffentlich werde die Produktionsstatistik bald vorgelegt. Abg. Keinath (natl) sah einen Beweis für die Gesundheit unserer Volkswirtschaft in dem Widerstände gegen die sinkende Konjunktur. Eine Beseitigung des Scheckstempels sei notwendig, um den bargeldlosen Verkehr zu fördern. Weiter erkannte Redner den großen Fortschritt in der Sozialpolitik an, die nicht entnervend auf das Volk wirke, sondern stärkend und dem Auslande als Vorbild diene. Die Behauptung, daß seine Freunde der Landwirtschaft den ihr gebührenden Zollschutz nicht zukommen lassen wolle, sei als ein Märchen zurückzuweisen. Abg. von Graefe (fonf.) betonte, daß er unter Sozialpolitik nicht die Fürsorge für eine einzelne Klaffe, sondern eine Fürsorge für alle Be- völkerungskreise verstehe. Ein übertriebenes Tempo müsse vermieden werden, soll nicht die Industrie schwer bedroht werden. Die Wohnungsverhältnisse seien auf dem Lande nicht schlechter als in den Städten. Die Krankengesetzgebung sei sogar den Fortschrittlern zu viel geworden. Die Jugendfürsorge müsse gesetz­lich geregelt werden. Redner bekannte sich als Freund des Organisationswesens, das eine notwendige Er­scheinung der wirtschaftlichen Entwicklung sei. Jedoch müsse der Koalitionszwang bekämpft werden. Seine Freunde seien für eine kräftige Mittelstandspolitik und eine Sozialpolitik unter der Devise: Jeder Ar­beiter ist seines Lohnes wert. iBeifall rechts.) Abg. Pospiech (Pole) bemängelte die Verfolgung polnischer Arbeiter. Dienstag Fortsetzung.

Wetterausfichten für Mittwoch den 21. Januar.

Wolkig, meist trocken, Frost, östliche Winde.