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Uchnowskys wirken in England

Die deutsch-englischen Beziehungen.

Vor einigen Tagen tauchten, wie gemeldet, in Par­lamentskreisen neben Gerüchten von einer angeblichen Kanzlerkrisis auch Meldungen aus, die von Unstimmig­keiten im Auswärtigen Amte zu berichten wußten, und seltsamerweise sollten diese ihren Grund in den schwe­benden Verhandlungen mit England haben, obwohl gleichzeitig versichert wurde, daß diese dem Abschlüsse sehr nahe seien.

Eine etwas seltsame Motivierung, denn eine Ver­ständigung mit England kann jedem deutschen Staats­manne nur recht sein, und man weiß ja auch, daß man bei uns im Auswärtigen Amte alles tut, um zu diesem Ziele zu gelangen. Hierbei finden unsere leitenden Stellen eine tatkräftige Unterstützung durch den Bot­schafter Lichnowsky, den man auf englischem Boden bald hier bald dort auftauchen sieht, überall bemüht, für Deutschland zu werben. Bemerkenswert ist dabei, daß aber auch der deutsche Botschafter vielfach der Umwor­bene ist, und gerade die englischen Händelskreise sind es, die es sich angelegen sein lassen, mit dem Vertreter Deutschlands in nähere Berührung zu kommen. Das ist echt kaufmännisch, indem man sich sagt, daß eine wirt­schaftliche Verständigung mit Deutschland auch dem eng­lischen Handel nur zum Vorteile gereichen kann, und aus diesem Grunde haben ja mehrfach Deputationen der englischen Geschäftswelt zu offiziellen Besuchen in Deutschland geweilt.

Diesmal hatte die Handelskammer von Bradford den Fürsten Lichnowsky zu einem Bankett eingeladen, bei dem selbstverständlich ergriff. Er betonte dabe

zu einem Bankett etngetaoen, , der Botschafter aüch das Wort Cim.m. ^ v^vuiv dabei, daß er mehr und mehr zur Ueberzeugung gelange, daß es keinen stärkeren An­hänger guter und freundschaftlicher Beziehungen zu allen Nachbarländern gäbe, als die englische Handelswelt. Der enorme Wert des englisch-deutschen Handels bilde

ein wertvolles Bindeglied zwischen beiden Ländern, und die fortschreitende Entwicklung beider Stationen mache die Fortdauer ungestörter freundschaftlicher Beziehun­gen notwendig. Weiter kam der Botschafter auch auf die beiderseitige Rivalität kurz zu sprechen, indem er bemerkte, das Wachstum der deutschen Industrie und des deutschen Handels sei kein Hindernis für freundliche Beziehungen beider Länder und die deutsche Industrie habe keine solche Konkurrenz und Eifersucht erregt, daß die Beziehungen unter der Handelsrivalität leiden müßten.

Das ist eine alte Wahrheit, und es wäre wün­schenswert, wenn man sie auch in England endlich er­faßte, soweit Deutschland in Frage kommt. Auf gutem Wege scheinen wir ja zu sein, aber Störungen sind nicht ausgeschlossen, und die politischen Treibereien gewisser Glieder der Triple-Entente sind emsig bemüht, ein gu­tes Verhältnis zwischen Deutschland und England zu hintertreiben. Er wäre dringend zu wünschen, daß die Engländer feindseligen Einflüsterungen gegenüber Deutschland ihr Ohr verschlössen und sich zu der Ueber­zeugung aufschwingen würden. daß von Deutschland nicht nur keine Gefahr drohe, sondern daß eine engere Anlehnung der englischen Politik an die deutsche nur von Vorteil für das britische Reich sein könnte.

Das Krönung«- und Srdenssesl

wurde am Sonntag im Berliner Königlichen Schlosse nach alter Sitte gefeiert. Nach 11^ Uhr begaben sich der Kaiser und die Kaiserin im feierlichen Zuge mit gro­ßem Vortritt, dem die Pagen voranschrttten, von den drei Marschällen geleitet, nach dem Rittersaal. Hier wa­ren bereits die Ritter des Schwarzen Adlerordens und die aktiven Staatsminister versammelt. Die Majestäten traten von den Thron-Baldachin, die Prinzen und Prin­zessinnen neben diesem zu beiden Seiten, die Hofstaaten Kenüber. Die neuen Ritter und Inhaber des Roten erordens, des Kronenordens und des Hausordens von Hohenzollern hatten in alphabetischer Reihenfolge Aufstellung genommen und defilierten nunmehr. Wäh­rend dieser Kur stellte der Präses der General-Ordens- Kommission die neuen Ritter namentlich vor. Hiernach schritt der Hof wiederum in feierlichem Zuge zur zweiten Parade-Vorkammer, wo die Damen des Wilhelm-Or­dens, des Luisen-Ordens, des Frauen-Verdienst-Kreu- zes und der Roten-Kreuz-Medaille den Zug erwarteten,' auch hier wurden die neu Dekorierten vorgestellt. Un­terdessen füllte sich der weite Rundbau der Schlotzkapelle mit den zum Gottesdienst geladenen und befohlenen Herrschaften, besonders den im Laufe des letzten Jah­res Ausgezeichneten. Kurz nach 12 Uhr nahte der Hof. Der Domchor stimmte den 84. Psalm an: „Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth." Hof- und Dom­prediger Bits predigte über Psalm 34, Vers 4. Das Niederländische Dankgebet, von Gemeinde und Chor ge­sungen und vom Bläserkorps begleitet, schloß die kirch- liche Feier. Der Hof verweilte nach dem Gottesdienst

Die Dame im Setzleiev.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

18> (Nachdruck verboten.)

»Ja, so ist es! Zu Mama flüstern alle irgend leise Worte, die ich nicht hören soll. Sie ist ja schön, gescheidt! Sie tragt Kleider, die rauschen und knistern. Und ich? Das Asihenputtel! Sonst nichts. Wer kümmert sich um mich? Man hat einen Gruß für mich und ist froh, wie- si? ist" Mes!" "^ Mama! Immer Mama! Für

„Nein, das dürfen Sie gewiß nicht sagen. Ein klein

A^^^n doch. Wollen Sie mir nicht glauben, daß ich um Ihretwillen gekommen bin, daß ich froh wäre, wenn alle anderen fort sein würden?"

„Warum sind Sie denn hier? Alle sind doch da, weil Mama es will. Nur zu ihr kommen sie." hier "nur' Sie suchen/^ ^nen begegnen. Ich werde

„Dann dürfen Sie nie wieder hierher kommen! Alle rts^hnß 8?? Sie könnten nichts anderes sehen, als daß ich das Aschenputtel bin."

^Oerich will Sie doch sehen, Ihre Stimme hören." SoÄ "ÄÄ W Mx'"' °E tin 6«“

Und Mia von Theden beugte sich vor und flüsterte mit aWnDer Stimme; „Mama, die Sie sucht! Deshalb Mirs™ Sie nicht wiederkommen, wenn Sie mich finden

. , werde nie wieder an einem Donnerstag hier sein. Mein Wort! Aber, wenn ich mit Ihnen plaudern möchte —?

Ganz nahe waren schon die Schritte.

m Da flüsterte sie hastig: „Morgen um drei Uhr, am Goldftschteich."

noch für kurze Zeit im Marinesaal, während die letzte Hand an die Tafeln gelegt wurde. Gegen tausend Per­sonen speisten an des Königs Tisch.

Auszeichnungen erhielte« «. a.:

Den Roten Adlerorden erster Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe Admiral von Pohl, c^hef des Admiralstabes der Marine, ^en Roten Adleroroen erster Klasse mit Eichenlaub von Coerper, Adnnralchef der Marinestation der Ostsee, von Heeringen, Admiral­chef der Marinestation der Nordsee, D. Voigts, Wirk­licher Geheimer Rat, Präsident des Evangelischen Ober- kirchenrats. Den Stern zum Roten Adlerorden zweller Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone Dr. Hammann, Wirkl. Geh. Legationsrat. Vortrag. Rat tm Auswärtigen Amt, Heinke, Wirkl. Geh. Oberfmanzrat, Generaldirektor der direkten Steuern, Dr. Lewald, Di­rektor im Reichsamt des Innern. Den Roten Adleror- den dritter Klasse mit der Schleife Oberst Reuter, Kom­mandeur des Jnf.-Regts. Nr. 99.

Politische Rundschau.

Das Reich und der Sport. Die »Norddeutsche Allge­meine Zeitung" schreibt in ihrem „Rückblick über die Ablehnung des Kostenbeitrages zu den Olympischen Spielen 1916 durch den Haushaltsausschutz des Reichs­tals: „So empfindlich der Entgang des mit Sicherheit erwarteten Zuschusses unsern Turn- und Sportvereinen sein würde, er wäre zu verschmerzen und würbe sicher aus freiwilligen Spenden gedeckt. Unerträglich aber will es scheinen, datz der Deutsche Reichstag einem überall im deutschen Lande mit freudiger Zustimmung aufge­nommenen Unternehmen sein Interesse versagen und abseits stehen sollte, wenn die Jugend aller Kulturnatto- nen zu uns zu Gaste kommen will. Man wird hoffen dürfen, datz das Plenum dem bedauerlichen Vorschläge der Budgetkommission nicht folgen wird.

Ueber die Einbringung von Anträgen mit dem Ziele, die Rechte des Militärs bei Unruhen einzuschränken, fanden am Sonnabend im Reichstage Besprechungen zwischen dem Zentrum und den liberalen Parteien statt. Zu einer endgültigen Entscheidung ist es noch nicht ge­kommen, da die Formulierung der Anträge Schwierig­keiten macht. Es wird auch darauf hingearbeitet, ge­meinsame Anträge einzubringen. Auch die Sozialdemo- kraten bereiten ähnliche Anträge vor, die sich auch auf die Reform des Militärstrafrechts beziehen.

Zur Bildung eines Preutzenbundes fand Sonntag nachmittag im preußischen Abgeordnetenhaus ein sehr zahlreich besuchter Preutzentag statt. Es gelangte etne Resolution zur Annahme, in der es heißt: „Der Preu­tzentag sieht in den in neuerer Zeit immer mehr hervor­tretenden Bestrebungen, welche eine Schwächung der auf christlicher und monarchischer Grundlage erwachsenen Macht Preußens durch Demokratisierung unserer ge­samten öffentlichen Einrichtung zum Ziele haben, eine schwere Gefahr für die Zukunft des Deutschen Reiches. Jeder Ansturm der Demokratie auf die Stellung Preu­ßens und auf die durch die Reichsverfassung garantierte Selbständigkeit der Bundesstaaten ist zurückzuweisen. Zu diesem Zwecke ist der Zusammenschluß aller derje­nigen, welche unser geliebtes Preußen gegen Angriffe der Demokratie verteidigen wollen, mehr denn je eine dringende Notwendigkeit.

Die Beratung der neuen Zabern-Jnterpellatione« wird tm Reichstage erst am kommenden Donnerstag oder Freitag stattfinden, da der Reichskanzler sich ge­sundheitlich nicht ganz wohl fühlt.

Die Befugnisse des Generals von Liman. Einer

Petersburger Meldung der „Temps" zufolge ist die rus­sische Regierung mit der Angelegenheit Liman von San­ders, der bekanntlich zum Marschall des türkischen Hee­res ernannt wurde, noch immer nicht zufrieden. Ruß­land soll die Absicht haben, sich eine genaue Aufklärung über den Umfang der dem deutschen General zuerteil­ten Befugnisse zu verschaffen. Der „Temps" fügt hinzu, daß Deutschland diese Anfrage noch nicht beantwortet habe. 1

Kleine fladiridifen«

Der dritte Sohn des Kronprinzen, der vier Jahre alte Prinz Hubertu? von Preußen, ist an Keuchhusten erkrankt. Der Prinz war schon in den letzten Tagen seines Danziger Aufenthalts krank, aber erst in Berlin hat sich herausgestellt, daß er an Keuchhusten leidet. Der Prinz befindet sich im kronprinzlichen Palais in Berlin und wird von den übrigen Kindern des Kron­prinzen streng abgesondert gehalten.

Die erste Reise des Riesendampfers „Vaterland". Der neue Riesendampfer der Hamburg-Amerika-Linie „Vaterland" ist auf der Werft von Blohm u. Voß soweit fertiggestellt worden, daß jetzt der Termin für die erste Ausreise festgesetzt werden konnte. Die erste Ausreise des „Vaterland" nach Neuyork findet am 4. Juni st Der neue Dampfer übertrifft in seinen Grötzenverm„. nisten den „Imperator" um ein Beträchtliches.

„Ah, hier ist der Ausreißer!" Es war die Stimme der Baronin von Theden.

Mia von Theden ballte das Taschentuch zwischen den Fingern zusammen und hatte die Unterlippe zwi­schen den Zähnen eingeklemmt.

Robert Hatzfeld hatte alle Ruhe gefunden: „Ich hatte mich eben verabschiedet. Das gleiche muß ich nun auch Ihnen gegenüber tun, meine Gnädigste, wobei ich kaum so dankbare Worte finden werde, wie ich mich Ihnen gegenüber dankbar fühle."

„Sie wollen doch nicht schon gehen?"

„Die Pflicht ruft. Sie wissen, daß uns Männer die Pflicht oft ungalant macht."

Dabei hatte er ihre Hand an seine Lippen geführt. Und er ging.

Die Baronin blickte nach seinem Weggange mit ihren graugrünen Augen auf ihre Tochter: „Was war hier geschehen?"

„Nichts, Mama!"

„Was hat er mit Dir gesprochen?"

„Er hat sich verabschiedet."

„Höre! Ich will nicht, daß Du ihn vielleicht von hier forttreibst. Hast Du mich verstanden?"

„Ja, Mama!"

Aber als Mia von Theden dann allein war, da hasteten heiße, unterdrückte Worte über ihre Lippen- »Ich will nicht, daß Du auch mit ihm spielst, wie mit den andern."

Achtes Kapitel.

Um drei Uhr am Goldfischteich.

Robert Hatzfeld dachte an nichts anderes mehr- trotzdem für die gleiche Stunde eine entscheidende Unter­redung im Interesse seiner Erfindung angesetzt war, ließ £ ^eser mit einer Ausflucht entschuldigen, ehe er das Rendezvous versäumt hatte.

Sie hatte ihm ein Rendezvous gegeben. Um drei Uhr

Seit fünf Tage« i« tiefem Schlaf. In Einbeck liegt seit vergangenen Dienstag ein junges Mädchen in tiefem Schlafe. Es stand im Begriff, auszugehen, als es plötz­lich von einem Unwohlsein befallen wurde, sich aufs Sofa setzte und einschlief, ohne bis heute zu erwachen. Nahrungsmittel müssen ihm daher künstlich eingeflötzt werden. Sonst ist das Mädchen völlig gesund.

-er Waschwanne tödlich verbrüht. Einen furcht­baren Tod fand das 1^ Jahre alte Söhnchen Max des Arbeiterehepaares Juva aus der Detmolder Straße zu Wilmersdorf. Während sich die Mutter einen Augenblick abwandte, um das Feuer in der Kochmaschine zu schä­ren, fiel der Kleinste beim Spielen rücklings in einem mit kochendem Wasser gefüllte Wanne und verbrühte sich am ganzen Körper so schwer, daß er nach wenigen Mi­nuten starb.

Grotzfener in einem Eisenbahnmagazin. Kurz nach Mitternacht brach am Sonntag im Magazin des Eisen- bahnmaschinenamts am Lehrter Bahnhof zu Berlin aus noch unaufgeklärter Ursache Feuer aus, das in den Vor­räten von Polster- und Wollstoffen reichliche Nahrung fand, sich schnell über das ganze dreistöckige Gebäude ver­breitete und auch auf einen angrenzenden Wasserturm Übergriff. Erst nach mehrstündiger angestrengter Arbeit konnte die Gewalt des Feuers gebrochen werden. Bei den Löscharbeiten erlitt der Brandmeister Grabow schwere Verletzungen.

Zwei internationale Juwelendiebe wurden in Mün­chen festgenommen, die seit mehreren Jahren ein sehr reiches englisches Ehepaar auf seinen Reisen verfolgt und von ihnen Juwelen im Werte von einer halben Million zu erpressen versucht hatten. Der eine Erpresser wurde nachts in seinem Hotel verhaftet. Sein Genosse, der in einem anderer: Hotel wohnte, wurde ebenfalls festgenommen.

Kein Komplott gegen König Konstantin. Die König­lich bulgarische Gesandtschaft in Berlin dementiert die von der „Agence ü'Atbenes" verbreitete Nachricht, daß ein Komitee in Sofia die Ermordung des Königs Kon­stantin von Griechenland beschlossen habe, und bezeich­net sie als eine vollständig grundlose, tendenziöse Er­findung. _ .

Ein harter Ausweisungsbefehl. Aus Kursk in Ruß­land wurde vor ein paar Tagen die Frau des Zahn­arztes Kogan mit ihren Kindern ausaewiesen, da sie nach Ansicht der Polizei nicht wohnDerechtigt ist. Wegen der großen Kälte ließ Frau Kogan ihr zweijähriges Kind bei einer befreundeten Familie zurück. Sofort nach ihrer Abreise erschien dort ein Polizeibeamter und er­klärte, auch das Kind müsse Kursk verlassen,' geschehe dies binnen drei Tagen nicht, so werde die Polizei das Kind zwangsweise abschieben.

Madrid im Schnee. Während des ganzen Sonntags herrschte in Madrid heftiges Schneetreiben, das viele Verkehrsstörungen zur Folge hatte. Die Wege nach den Friedhöfen waren durch den Schneefall so unwegsam geworden, daß der normale Bestattungsdienst vollstän­dig versagte und Automobile zu Hilfe genommen wer­den mußten.

Nachdem er sich finanziell ruiniert hatte, vergiftete sich in Odessa der ehemalige Millionär und Gutsbesitzer Hoffmann. Seine Frau beging gleichfalls Selbstmord, nachdem sie erfahren hatte, daß Hoffmann sämtliche Kost­barkeiten, die sie besaß, versetzt hatte.

Neuer Erdbebenschrecken in Japan. Aus Kagoshima wird gemeldet, daß der Vulkan mit neuen schrecklichen Eruptionen eingesetzt hat. Auf der Insel Sakuraschima ist infolge der Ausbrüche, die die ganze Nacht hindurch andauerten, ein großer Teil der Einwohnerschaft, die zurückgekehrt war, von neuem in wilder Flucht geflüch­tet. Der Wind trägt finstere Wolken von Asche und Schlacken nach der Stadt.

Gericht und Recht

Der Giftmörder Hopf zum Tode verurteilt. Nachdem die Geschworenen Sonnabend nachmittag im Prozesse gegen den Fechtlehrer Hopf auf „Schuldig" erkannt hatten, verkündete in der sechsten Nachmittags­stunde der Vorsitzende des Gerichtshofes nach kurzer Be­ratung das Urteil dahin, daß der Angeklagte wegen Mordes in einem Falle zum Tode, wegen Mordversuchs in mer Fällen zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. In den übrigen Fällen wurde der Angeklagte freigesprochen. Der Angeklagte war bei den Ausfüh­rungen des Staatsanwalts und seines Verteidigers ganz teilnahmslos geblieben und saß völlig apathisch da. Er saß in sich versunken auf der Anklagebank, drehte den Zuhörern und Zeugen den Rücken zu und richtete dauernd seinen Blick auf den Boden. Als ihn der Vor­sitzende am Schlüsse der Verhandlung fragte, ob er noch etwas zu erklären habe, schnellte er empor, stützte sich auf die Barriere der Anklagebank und sagte ruhig und । gelassen: „Ich habe nichts mehr zu sagen." Die Ge- !tatt. : ichworenen zogen sich darauf zur Beratung zurück, nach- )alt- । dem der Vorsitzende ihnen eine fast einstündige Rechts- _______belehrung hatte zuteil werden lassen. Nach eineinhalb-

am Goldfischteich. Er summte dies immer vor sich hin wie ein Lied. Er zweifelte auch nicht mehr, daß sie ihn liebte: er hatte doch die Eifersucht aus ihren Worten ge­hört, und wo die Eifersucht war, mußte auch die Liebe sein.

Und schon lange vor der verabredeten Zeit bummelte er im Tiergarten.

Es war ein prachtvoller Frühlingstag. Die Kasta­nien hatten die weißen Blütenkerzen aufgesteckt, die Lin- den erfüllten mit ihrem herben Dufte die Luft, in den Blumenbeeten zeigte sich die bunte Farbenpracht von Narzissen, Hyazinthen, Tulpen und anderen Frühlings­blumen.

Als ihm dabei manches junge Menschenpaar vegeg- net war, das gleichfalls der Berliner Frühling zur ersten Liebe in den Tiergarten gelockt haben mochte, da summte er das Lied vor sich hin:

„Dulde, gedulde dich fein, Ueber ein Stündelein

Ist deine Kammer voll Sonne."

Dann würde auch er den Frühling im Herzen tra- gen, den Sonnenschein der Liebe.

- Am Goldfischteich saß er auf einer Bank,- die Sonne warf ihre Strahlen über das Wasser hin, in dem die gol- öen und silbern schimmernden Rücken der Fische auf- Ä wenn sie vergnügt durch die Sonnenwärme durch das Wasser Hinschossen.

L^Eine ^f^ ^"^ ®° letzte der Frühling ein. Mit

Da sah er ihre Gestalt näherkommen. Er war sofori aufgesprungen und ihr entgegengeeilt. Die Hand, die sie A^e, drückte er fest und führte dann öle nicht von Handschuhen beengt waren, an imT Jpp™%üW Cr ^ Wärme ihres Blutes an feb _ ich Ihnen dankbar sein, daß Sie gekom-

sind? (Forts. folgte