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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^Z^ für den Kreis Hersfeld

HnrWn Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittag«.

Gratisbeilage^:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

KernspreG-Knfchlutz Nr. 8

Nr. 16.

Dienstag, den 20. Januar

1914.

Bus der Heimat.

Wie wertvoll abfallendes Laub für den Garten ist.

Der Garten wurde säuberlich gekehrt, das Laub aber fortgebracht, denn wir hatten nicht gelernt, wie nützlich es ist. Der Winter kam, und wir garten- unkundigen Großstadtleute hatten nichts, womit wir die frierenden Gewächse zudecken konnten. Nachbarn hatten im Spätherbst die empfindlichsten Gartengewächse ausgeputzt, alles Tote entfernt und um die Pflanzen Stäbe gesteckt. Als der Frost einsetzte, wurden dann die Zwischenräume mit dem trockenen Laub ausgefüllt. In dieser weichen warmen Umhüllung konnte weder Frost noch Nässe den Pflanzen etwas anhaben, das sahen wir wohl ein. Doch diese Einsicht kam zu spät, und unsere, nur mit Kiefernzweigen bedeckten Ge­wächse mußten unsere Dummheit mit dem Leben bezahlen.

War dies die erste Erfahrung, wozu das Herbst­laub im Garten Verwendung finden kann, so sollten ihr verschiedene andere folgen.

Ein alter Praktikus erklärte uus die vielfache Nützlichkeit. Er hatte in einer Ecke seines Gartens festgepackte Laubhaufen zu liegen, die feucht und ge­schlossen gehalten wurden, und die er von Zeit zu Zeit umsetzte. Die älteren davon, die ungefähr zwei Jahre lagen, bildeten bereits eine lockere, schwarze Masse, die als vorzügliche Lauberde zu den ver­schiedensten Gartenkulturen Verwendung fand.

Ferner benutzte er das Herbstlaub dazu, um früh­zeitig neue Setzpflanzen zu ziehen. An einer Stelle feines Gartens, die besonders geschützt gegen Wind und Wetter war, andrerseits von der Sonne besonders erwärmt wurde, hatte er Mitte März eine ungefähr 1/2 Meter tiefe, 1,20 Meter breite und 3 Meter lange Grube ausgeworfen, deren Ränder er mit einem Rahmen von Brettern steifte. Fast dreiviertel voll füllt er diese Grube mit dem Herbstlaub und siebte reichlich handhoch Erde darauf. Dieses Laubbeet bedeckte er mit Fenstern und hatte sich so eine ideale Stelle geschaffen, an der er Gemüse treiben und Pflanzen aus Samen ziehen konnte.

Diese Belehrung ist dem praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. O. entnommen, von dem Interessenten Probenummern kostenfrei er­halten können.

* (Das kurhessische Schützenbund-Fest.) Am 14., 15., 16. und 17. Juni werden sich in Cassel die hessischen Schützen ein Stelldichein geben. Der Kurhessische Schützenbund wird in diesen Tagen in dem neuen schönen Schützenhause in Schönfeld das Kurhessische Bundesschießen veranstalten. Da allein der Kurhessische Schützenbund 26 Schützenvereine mit über 1200 Mitgliedern vereinigt, außerdem aber Brudervereine aus allen Teilen Deutschlands Dele­gierte zu diesem Kurhessischen Bundesschießen ent­senden werden, so wird sich in Cassel ein sehr reges Leben in diesen Tagen abspielen. Einen Vorgeschmack hiervon dürfte auch die vom SchützenvereineGer­mania" in Cassel am 31. Januar in der Loge in der Cölnischen Straße angesetzte Veranstaltung geben, zu der sich die prominentesten Vertreter des kurhessischen Schützenwesens einfinden werden, um unter der Leitung des Herrn Valentin Häfner, deskurhessischen Schützenvaters", die nötigen Ziellinien abzugrenzen.

):( Hersfeld, 19. Januar. Am Mittwoch den 4. Februar findet im Saale des Landratsamts­gebäudes eine Kreistagssitzung statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderm die Regelung des Desinfektionswesens im Kreise Hersfeld, sowie ein Antrag einer Anzahl Ortseinwohner von Friedewald über Herstellung einer Verbindungsbahn zwischen der Grubenbahn der Gewerkschaft Herfa und der Hers­felder Kreisbahn über Friedewald.

):( Hersfeld, 19. Januar. Bei dem gestrigen Krönungs- und Ordensfeste entfielen auf den hiesigen Kreis folgende Auszeichnungen: Herr Oberst­leutnant G r a u p, Kommandeur der hiesigen Kriegs­schule, erhielt den Königl. Kronenorden 3. Klasse. Den Roten Adlerorden 4. Klasse erhielten die Herren Hauptleute Döring, Wetzerich und Cruse von der hiesigen Kriegsschule sowie Herr Forstmeister Schulz hier. Das Verdienstkreuz in Gold wurde Herrn Postsekretär Renke hier und Herrn Rentner Schuchard in Niederaula verliehen. Das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens erhielt der seit­herige Unterzahlmeister an der hiesigen Kriegsschule, Herr Weidmann.

):( Hersfeld, 19. Januar. In der letzten Nummer des Regierungsamtsblattes befindet sich eine Nach- weisung über die festgestellten monatlichen Durch­schnittsbeträge der höchsten Tagespreise für den

Zentner Hafer, Heu und Stroh mit einem Auf­schläge von fünf vom Hundert, welche für die Ver­gütung der im Monat Januar 1914 verabreichten Fourage maßgebend sind. Hiernach betragen diese Preise für Hersfeld für den Zentner Hafer 7.68 Mk., Heu 3.15 Mk. und Stroh 2.89 Mk. Die Berechnung des Durchschnitts der häufigsten Einheitspreise für Fleisch an den Normalmarktorten des Regierungs­bezirks Cassel in der zweiten Hälfte des Monats Dezember 1913 ergab für Hersfeld folgende Preise: für 1 Kilo Rindfleisch 1.84 Mk., Kalbfleisch 1.90 Mk., Hammelfleisch 1.80 Mk., Schweinefleisch 1.71 Mk. und Roßfleisch 60 Pfg.

):( Hersfeld, 19. Januar. Beim Schlittschuh­laufen stürzte gestern ein 13jährtger Schüler so un­glücklich, daß er einen A r m b r u ch erlitt.

):( Hersfeld, 19. Januar. Von dem Balkon eines Hauses wurden in der Freitag Nacht drei daselbst hängende Feldhasen entwendet.

-m- Scheuklengsfeld, 18. Januar. Am gestrigen Abend fand im Vereinslokal des Gesangvereins eine außerordentliche Generalversammlung statt. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf den Bericht über die Einnahmen und Ausgaben. Die alsdann vorzunehmende Vorstandswahl ergab die ein­stimmige Wiederwahl des seitherigen Vorstandes und zwar Kaufmann Daube als erster Vorsitzender, H. Pfaff als Stellvertreter desselben, Schuhmacher und Kaufmann Gutberlet als Kassierer, Ackermann Schmidt als Fahnenträger und Wenzel und Ley als dessen Begleiter. Es wurde dann noch beschlossen, daß der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers am 27. Januar im Gehebschen Saale gefeiert werden solle. Da in diesem Jahre der Verein auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken kann, so ist im Laufe dieses Sommers eine größere Festlichkeit geplant, zu der die Vorbereitungen bereits flott im Gange sind. Nach Erledigung der Tagesordnung blieben die Mit­glieder des Vereins noch bei einem Glase Bier in gemütlicher Stimmung beisammen.

Caffel, 18. Januar. Ein ernster Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem mit Steinen schwer beladenen Wagen erfolgte gestern abend in der Jhringshäuser Allee. Der Wagen konnte dem Auto nicht mehr ausweichen, worauf beide Fahr­zeuge mit großer Gewalt aufeinanderprallten. Der Wagen wurde stark beschädigt, die beiden Pferde mußten sofort getötet werden. Der Kutscher kam mit dem Schrecken davon. Als er sich wieder erholt hatte, war das Auto schon verschwunden.

Rotenburg, 17. Januar. Heute Nacht verschied plötzlich im 69. Lebensjahre Herr Kantor Schmidt da- hier. 35 Jahre hat er an der hiesigen Volksschule als Lehrer gewirkt. Nach seiner Pensionierung be­hielt er noch sein Amt als Leiter der hiesigen Vor­schule bei, wo er gestern noch den Unterricht erteilte. Sein jähes Hinscheiden erregt in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung große Teilnahme.

Fritzlar, 15. Januar. Seit einigen Tagen schon ging durch die Stadt ein Gerücht über bedeutende Veruntreuungen, die sich ein städtischer Beamter habe zu schulden kommen lassen und zwar handle es sich um das städtische Elektrizitätswerk; ein Ballen Leitungsdraht war verschwunden. Gestern war nun ein Kriminalbeamter aus Cassel hier, der mit der hiesigen Polizei nach jenem Ballen in verschiedenen Häusern Nachsuche hielt und schließlich gelang es auch, einen Angestellten des städtischen Elektriz tats- werks zu überführen,' er soll, wie sich bei der Untersuchung ergab, schon länger unredlich gewesen sein man spricht sogar von unterschlagenen Tausenden! und zwar soll er die Stadt auf die verschiedenartigste und sehr schlaue Weise betrogen haben. Die Untersuchung ist eingeleitet und wird weitere Aufklärung bringen.

Gersfeld i. d. Nhön, 17. Januar. Die Schnee­treiben auf den ungeschützten Bergen des Rhön- gebirges waren in diesem Jahre von außerordentlicher elementarer Gewalt. Haushohe Schneewehen sind keine Seltenheit, während wieder andere Stellen kaum handhoch mit Schnee bedeckt sind. Nur mit großer Mühe unter Aufbietung zahlreicher Schneegraber konnte bei den letzten Stürmen der Verkehr über die Rhön einigermaßen aufrecht erhalten werden. Der Schneedruck in Verbindung mit Raufrost hat bereits unschätzbaren Schaden in den Wäldern angerichtet und noch täglich vergrößert sich der Schaden. Die Straßenbäume über die hohe Rhön sind in der Mehr­zahl schwer beschädigt durch Abbruch der Aeste und ganzer Kronen. Die diesen Herbst neuangelegte Tele­phonleitung Gersfeld-Wüstensachsen ist trotz aller Vor­sichtsmaßregeln auf dem Gebirgskamm total vernichtet. Einzelne Gebüsche und Bäume bilden von der Krone bis zur Erde reine Eispyramiden. In den Wal­dungen liegen 100jährige Bäume entwurzelt am

Boden, andere sind abgebrochen und zersplittert. Stellenweise liegen ganze Schläge zu Boden. Vielfach sperrten über die Waldstraßen liegende Bäume den Verkehr und die Waldwege sind kaum noch zu passieren. Das Winterbild ist gegenwärtig unbeschreiblich märchenhaft.

Abgeordnetenhaus.

Das Haus begann am Sonnabend seine Sitzung mit der Beratung der Verordnungen zur Bekämpfung der akuten spinalen Kinderlähmung in den Regie­rungsbezirken Hannover und Wiesbaden. Die Krank­heit ist 1909 zum ersten Male aufgetreten. Die Ur­sachen sind unbekannt. Nach kurzen Bemerkungen der Abag. Dr. Faßbender jZtr.), Arning (Natlib.) und eines Negierungskommissars wurden die Vorschläge erledigt. Es folgte die erste und zweite Beratung eines Gesetzentwurfes betreffend die Zuständigkeit der Gertchtsschreiber der Amtsgerichte für die öffentliche Beglaubigung einer Unterschrift. Abg. Delbrück (ÄonfJ erklärte seiner Freunde Zustimmung zu dem Entwurf. Doch befürchtete er die Schmälerung des Einkommens der Aktuare. Abg. Bartkcher (Ztr.) bemerkte, daß der Entwurf dem Interesse des Publikums entspräche, er und die Abgg. Viereck (freikons.), Boisly jNatl.) und Bäerwald (Fortschr.) stimmten dem Entwurf zu, dessen erste und zweite Beratung damit beendet war. Zu dem Entwurf eines Wohnungsgesetzes bemerkte Handelsminister Dr. Sydow, das Problem, den minder- bemittelten Kreisen billige Wohnungen zu schaffen, sei ein halbes Jahrhundert alt und durch die starke Industrialisierung entstanden. Die Regierung habe versucht, den Arbeiterwohnhausbau zu fördern. Der neue Entwurf entspräche einem alten Wunsche des Hauses, er solle die Wohnungsfrage lösen helfen, die eine Kulturfrage ersten Ranges sei. Abg. v. Haffel skons.) vermißte in dem Entwurf die Berücksichtigung der unterschiedlichen Verhältnisse auf dem platten Lande und der industriellen Städte. Daß die Woh­nungsfrage auf dem Lande nicht so schlecht sei, daS beweise die erheblich stärkere Anzahl gesunder Soldaten gegenüber den Städten. Bestimmungen, die für das Land nicht passen, müssen in Fortfall kommen. Die Konservativen seien gern zur Mitarbeit bereit, würden aber das Interesse des Mittelstandes vertreten. Abg. Dr. Würmeling (3tr.) wünschte eine Kommissions­beratung für den seinen Freunden sympathischen Entwurf. Abg. Künzer (Natlib.) gab der Erwartung Ausdruck, daß der Entwurf nur eine Abschlagszahlung bedeute und zur Schaffung der Regelung des Real- kreüits. Abg. Lüdicke (fretfonf.) wünschte, daß aus der Kommission ein Gesetz herauskommen möge, das den Interessen der Mieter und der Hausbesitzer ge­recht werde. Ministerialdirektor Dr. Freund zerstreute die Befürchtungen, daß das Gesetz der Polizei bei Festsetzung der Baufluchtlinien zu große Rechte ein­räumen würde. Abg. Dr. Flesch (Fortichr.) bemerkte, daß auf dem Lande die Wohnungsfrage ebenso brennend sei wie in den Städten. Die schlechten Ar­beiterwohnungen seien der Grund der Abwanderung vom Lande. Abg. Hirsch sSoz.) erklärte, daß seine Freunde an der Verbesserung des Gesetzes Mitarbeiten wollen, das Endziel müsse aber ein Reichswohnungs­gesetz sein. Eine Lösung der Wohnungsfrage könne nur unter gleichzeitiger Lösung der Grund- und Bodenfrage erfolgen. Darauf wurde ein Schlußantrag angenommen und der Entwurf einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Montag: Landwirt- schaftsetat.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag begann am Sonnabend die Be­ratung des Etats für das Reichsamt des Innern. Zunächst sollte die Sozialpolitik zur Erörterung ge­langen. Abg. Schmidt-Berlin (Soz.) bezeichnete die Arbeitsverhältnisse in der schweren Industrie als gänzlich ungenügend. Seit 1895 sei nichts mehr für den Schutz jugendlicher Arbeiter geschehen. Als Redner bemerkte, Arbeitern gegenüber werde Klassen­justiz geübt, rügte Vizepräsident Dr. Paasche diesen Ausdruck. Abg. Doormann (fortschr.) führte aus, daß noch nie soviel sozialpolitische Arbeit geleistet worden sei wie in den letzten zwei Jahren. Dabei sei diese Arbeit noch nicht abgeschlossen. Der Tarifvertrag sei auf dem Siegeszuge und eine Regelung des Tarif­rechts werde sich nicht länger umgehen lassen. Bon einem Stillstände auf sozialpolitischem Gebiete könne keine Rede sein; dieses sei beim jetzigen Staats­sekretär in besten Händen. Darauf vertagte sich das Haus auf Montag: Fortsetzung.

Wetteransfichten für Dienstag den 20. Januar.

Wolkig, zeitweise Schneefälle, etwas wärmer, öst­liche Winde.