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** Ein elftSgiger Schlaf. Im Krankenhause zu Neapel liegt der Oesterreicher Sigale seit elf Tagen in einem lethargischer! Schlafe, ohne daß es bisher gelungen ist, ihn auf kurze Zeit zu wecken.

Die Aufständischen marschieren anf Mexiko. Wie aus Chihuahua gemeldet wird, will General Villa sich mit General Caranza zusammentun und mit ihm ge­meinsam in Stärke von 25 000 Mann nach der Haupt­stadt Mexiko marschieren, um einen entscheidenden -schlag zu führen. Wie aus Sanderson in Texas gemeldet wird, ist der Kommandeur der mexikanischen Freiwilligen, General Salozar, der hierher entkommen war, wegen Verletzung der Neutralrtät verhaftet worden.

Gericht und Recht«

Das Urteil im Spionageprozeß Richter. Das Reichs­gericht verurteilte den wegen Spionage angeklagten, aus Rußland stammenden Kaufmann Gustav Ferdinand Richter zu zwei Fahren Zuchthaus und fünf Fahren Ehrenrechtsverlust. Zwei Monate der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerecynet. Wie in der Urteils­begründung gesagt wurde, ist Richter gegen Bezahlung für den russischen Nachrichtendienst tätig gewesen. Nach- gewiesenermaßen hat er sich in einem Falle ein geheim­zuhaltendes Militürschriftstück verschafft mit der Absicht, dies dem russischen Nachrichtendienst zu übermitteln. Bei der Strafbemessung kam zu seinen Gunsten in Betracht, daß er Ausländer ist und die fraglichen Schriftstücke nur eine geringe Bedeutung hatten.

Schwere Verfehlungen eines ehemaligen Leutnants. Der Leutnant a. D. Franz Eisenblüiter aus Bromberg wurde von der Strafkammer wegen Unterschlagung von 645 Mark, die er als Kassierer der Raiffeisengenossen­schaft in Samter begangen hatte, zu drei Monaten Ge­fängnis verurteilt. Zur Verdeckung der Unterschlagung hatte er an dem Tage, an dem Revision stattfinden sollte, einen Einbruch verübt.

3er Gistmortprozetz hops.

Am Freitag erstattete der Sachverständige Gerichts­chemiker Dr. Popp (Frankfurt a. M.), eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der gerichtlichen Medizin, der die Leichen der Opfer Hopfs untersucht hat, ein umfang- reiches Gutachten, in dem er zunächst darauf binwies, daß der Giftmord eines der wichtigsten Kapitel der Kri- minalgeschichte ist, da er einen Meuchelmord öarstellt. Unter den verwendeten Giften hat von jeher das Sitten eine Hauptrolle gespielt. Der Sachverständige erklärt, er habe zahlreiche Leichen untersucht, in denen kein Arsen gefunden wurde; immerhin müsse mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß es aus der Natur ausgenommen werden könne. Der Sachverständige erklärt dann einge­hend, auf welche Weise Arsen aus Leichenteilen auSge- schieden und festgestellt wird. Er betont noch, daß er nicht nur den qualitativen Nachweis des Arsens an Lei­chen vorgenommen hat, sondern sich auch verpflichtet ge­fühlt habe, den quantitativen Nachweis zu erbringen. Die zu diesem Zweck angestellten Versuche haben ein halbes Jahr Zeit in Anspruch genommen. Der Sach­verständige geht sodann auf die

Schilderung der einzelnen Leichenbefunde

ein, und zwar zunächst auf den bei dem Vater des Hops, der im Jahre 1895 beerdigt wurde. Die Erde auf dem Frankfurter Friedhof ist stark arsenikhaltig und dieser Zustand des Bodens kann möglicherweise Einfluß auf die Beschaffenheit der Leiche in dieser Hinsicht ausgeübt haben. Der Sachverständige geht dann besonders auf die Untersuchung der Asche ein, die von der in Ofsen- bach verbrannten Mutter des Angeklagten herrührt und erklärt weiter, er habe bei der Mutter nur die reine Knochenasche untersucht, nicht aber die Gesamtasche. Stach einer Pause erfolgt zunächst die Vernehmung des Sach­verständigen Dr. Neißer. Er führte aus: Der An­geklagte hat.selbst zugegeben, daß er einer seiner Frauen Gift unter die Speisen gemischt habe. Dieser Vergif­tungsversuch an seiner Frau sei das erste Verbrechen dieser Art, das in Europa und wahrscheinlich auf der ganzen Welt verübt worden sei. Die Angaben Hopfs, wozu er die Kulturen gebraucht habe, sind

durchaus unglaubwürdig.

Er will sie zu wissenschaftlichen Versuchen, besonders zu Färbungszwecken bezogen haben. Nun hat er aber nur giftige Bakterien bezogen, obwohl es von derselben Bak- teriengattung giftige und ungiftige Arten gibt. Hopf hat seiner Frau Typhusbazillen eingegeben und damit er­reicht, daß die Frau schwer an Typhus erkrankte. Seinen Zweck, sie zu töten, errreichte er aber nicht. Nun wußte er aber, daß sie gegen Typhus immun sei und bestellte deshalb Cholera- und andere Bazillen und wollte auch diese seiner Frau geben, um seinen verbrecherischen Zweck zu erreichen. Der nächste Sachverständige Dr. Mehl er erstattete ein Gutachten über den Tod der ersten Frau Hopfs, Josefa geb. Henel. Sachverständiger Dr. M a r x erklärte, daß sich die Todesursache der zwei­ten Frau mit Sicherheit nicht habe feststellen lassen. Sa­nitätsrat Dr. Rüdiger hält bei der zweiten Frau eine Arsenikvergiftung für vorliegend, bei der dritten Frau hat Hopf selbst eingestanden, daß er ihr Arsenik gegeben habe. Ebenso hat der Angeklagte der Frau Typhusbazillen beigebracht. Bei den Kindern verneinte der Sachverständige das Vorliegen einer Arsenikvergif­tung. Darauf wurde die Verhandlung vertagt.

Die Schuldfragen.

«a* In der Sonnabend - Verhandlung wurden die Schuldfragen formuliert. Wegen des Todes von Hopfs Eltern, seinem unehelichen Kinde und dem Kinde seiner zweiten Frau lautet die Schuldfrage auf Mord oder Mordversuch. Wegen des Mordes von Hopfs erster Frau auf Mord oderMordversuch oder Beibringung von Gift, das den Tod herbeiführte, und wegen des Anschlags auf die zweite und dritte Frau nur auf Mordversuch.

Vermischtes.

Wie man im Elsatz zur Franzosenzeitfranzösisch" sprach. Als Straßburg noch französische Kommandanten besaß, war einer von ihnen der Deutsch-Elsässer Ge­neral Reibel. Dieser hatte in seiner amtlichen Eigen­schaft oft die Bürgermeister kleiner elsässischen Städte zu empfangen und mit ihnen zu verhandeln, wobei sich natürlich die Stadtväter alle Mühe gaben, ihre An­gelegenheiten in möglichst korrektem Französisch vorzu- tragen. Reibel pflegte die Herren stets ruhig ohne irgend eine Unterbrechung anzuhören. Wenn sie aber fertig waren, vernahmen sie in der Regel zu ihrem nicht geringen Erstaunen aus dem Munde des alten schlichten Generals die echt elsässischen Worte:So, wänn ihr jedzt ferti sin, derno wolle wer schwätze, wie us der Schnawel gewachse isch. Jedzö saun (sagt) mer amol uf gut Elsässerditsch, wos ihr eijetlich welle."

Aus der Lokomotive irrsinnig geworden. Ein aufre­gender Vorfall hat sich auf dem Berliner Bahnhof West- ereignet. Der Lokomotivführer Raske hatte einen Güterzug vom Potsdamer Güterbahnhof nach Charlot- tenburg zu führen. Vor dem Bahnhof Westend müssen

Züge halten, um auf ein anderes Gleis geführt N werden, damit mehrere Eil- und D-Züge passieren Umueu. Obwohl R. die Strecke schon sehr oft befahren

hatte und genau Bescheid wußte, hielt er zum größten Erstaunen des Heizers seinen Zug nicht an. Trotz aller Warnungszeichen gab er immer mehr Dampf, sodaß der lange Güterzug in ziemlich schneller Fahrt auf ein Gleis zu hielt, auf dem im nächsten Augenblick ein Schnellzug berannaben mußte. Schließlich merkte der Heizer aus dem sonderbaren Verhalten und den Antworten des Lo­komotivführers,, daß dieser offenbar nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war. Er drängte ihn mit Gewalt von seinem Posten und gab Gefahrbremse. Es war die höchste Zeit. Unmittelbar vor der Weiche konnte der Güterzug zum Stehen gebracht werden und im nächsten Augenblick fauste der Eilzug vorbei. Auf die Meldung des Heizers wurde sofort der Bahnarzt zurate gezogen, der bei Raske plötzlich ausgebrochenen Irrsinn feststellte.

Wegen Schönheit des Amtes entsetzt. In Ports- mouth in Amerika herrscht die allergrößte Aufregung, die man sich denken kann. Hunderte von Frauen und Mädchen belagern das Gebäude, in dem sich die Poli­zeiwache befindet, und viele Vertreter der starken Männlichkeit haben sich dieser Belagerung angeschlossen. Am 1. Juli des Jahres 1913 wurde Vera Virginia Bash zur Polizistin eingesetzt, und sie versah ihr Amt mit großer Umsicht, mit Fleiß und Geschick, sodaß auch der böseste Wille zum Tadeln keinen Anlaß hatte. Miß Vera trug die außerordentlich kleidsame Uniform der weiblichen Polizisten und es geschah zuweilen, daß sich ein Jüngling Amerikas nach ihr umschaute. Sie aber blieb treu dem Amte, sie sah nicht nach links, nicht nach rechts, sie handelte wie jeder männliche Kol­lege gehandelt hätte, sie half den Kindern, zu deren Schutze sie angestellt war, sie führte alte Damen über die Straßen und paßte beim Gedränge auf, daß kein Mensch zum Schaden käme. Und alle Pflichterfüllung hat nichts geholfen, alle Taten, die der reizende Polizist vollbracht, gereichten ihm nicht zum Ruhme, nicht zum Gedenken. Am 1. Januar des Jahres. 1914 erhielt Miß Vera Virginia ihre Entlassung. Sie stürzte zum Chef, sie bat und drängte, ob sie denn auch nur ein­mal ihres Amtes nicht gewaltet habe, ob man denn ihr einen Borwurf machen könne, nein nichts lag vor, und der Chef sagte, daß der einzige Grund, weshalb man sie entlasse, ihre zu große Schönheit sei. Diese Schönheit aber mache sie für den Dienst in der Oeffent- lichkeit untauglich. Da half kein Flehen, kein Bitten, Miß Vera Virginia blieb entlassen. Nun kann man sich bei dem ausgesprochenen Solidaritätsgefühl der Amerikanerin, bet ihrem Rechtssinn wohl denken, wel­chen Sturm der Entrüstung es hervorrief, als das Ge­rücht bekannt wurde. Eine fleißige Arbeiterin, ein Mädchen, das sich schwer sein Geld verdient, ist ent­lassen worden, nur weil es schön ist. Das hat man seit der Entdeckung des gelobten Landes wohl noch nicht vernommen, das lassen die anderen Frauen nicht zu. Wann wurde ein Mann aus dem Dienste gejagt, weil er schön ist? Und so belagert man das Haus der Wache, verlangt stürmisch die Wiedereinstellung der schönen Polizistin, und verfolgt den Chef, wenn er sich auf der Straße sehen läßt, in dichten Scharen. Miß Vera Vir­ginia aber hat inzwischen achtzehn Heiratsanträge be­kommen.

Millionennachlatz eines Bettlers. In einem Neu- yorker Krankenhaus starb ein Bettler namens William Smith, der vor wenigen Tagen dort eingeliefert worden war. Als man seinen Nachlaß näher untersuchte, fand man unter den Papieren des Verstorbenen ein mit Duddly Jatdine" unterzeichnetes Testament, in dem die letztwilligen Verfügungen über ein vier Millionen Mark betragendes Vermögen getroffen waren. Die po­lizeilichen Nachforschungen haben nun ergeben, daß Smith und Jardine tatsächlich identisch sind. Welche Gründe den Millionär zu seinem Doppelleben veranlaßt haben, ist noch nicht aufgeklärt. Man weiß nur, daß Jar- öine schon lange als Bettler durch Neuyork zog und auch in einem elenden schmutzigen Zimmer, für das er einen Dollar pro Woche zahlte, wohnte. Auch als Bett­ler Smith hat sich Jardine verheiratet und mit seiner Frau zusammen gelebt. Ja, der Ehe sind zwei Kinder entsprossen, ohne daß Jardine jemals seine Frau darüber aufgeklärt hätte, daß er Millionär sei. _

Afrikanische Kochkunst. Die Forschungsreisende Mrs. Dan Chauford erzählt in ihren Reiseerinnerungen aus Zentralafrika von mancherlei eigenartigen Gerichten, mit denen sie ihren Küchenzettel bereichern konnte. Un­ter diesen Leistungen der afrikanischen Kochkunst be­hagten ihr besonders gebackener Elefantenschinken, ge­röstete Rhinozerosfüße, gekochte Nilpferdzunge sie muß 48 Stunden in der Pfanne bleiben, wenn sie zart schmecken soll gerösteter wilder Esel, gebratener Affe. Auch geröstete Wasserratte, Kopf, Schwanz und alles in einem Stück gekocht, wurde ihr vorgesetzt, und ein Häuptling, der sie besonders erfreuen wollte, trak­tierte sie mit einem Ragout, aus taufenden von weißen Ameisen bereitet, die in ihrem eigenen Fett gebraten waren. Ein Spezialgericht der Mittelafrikanischen Küche ist auch mit Fett gekochtes Gras.

Wie die Franzosen jetzt den Louvre schützen. Nach­dem die Mona Lisa unter mehr oder weniger großen Feierlichkeiten wieder ihren Einzug in ihr altes Heim gehalten hat, sind von der Direktion des Louvre eine Reihe von Schutzmatzregeln ergriffen worden, um Än­liche Diebstähle unmöglich zu machen. Einem Mit­arbeiter desGaulois^ wurde darüber mitgeteilt, daß zunächst die Zahl der nächtlichen Rundgänge vermehrt worden sei, und zwar werden die Säle im Laufe einer Nacht jetzt dreizehnmal durchwandert. Man unterscheidet dabei drei große und zehn kleine Rundgänge. Die ersteren sind wahre Fußwanderungen für die daran be­teiligten Wächter, denn sie umfassen eine Strecke von mehr als fünf Kilometer und beschränken sich Nicht nur auf die Ausstellungssäle, sondern die Wächter durch­suchen auch jeden Mauervorsprung, jedes Bureau und jedes Nebengelaß des ausgedehnten Gebäudes. Außer­dem sind ständige Nachtposten ausgestellt, deren Plätze in jeder Nacht wechseln. Große Scheinwerfer erleuchten die Galerien mit blendendem Licht, alle Schlösser und abgeändert worden und der sogenannnte Genest, chlüs- fel, der für jede Tür paßte, und den nur die höchste und die niedrigste Stelle, der Direktor und der Kastellan besaß, ist endgültig abgeschaffft. Vor allem auch hat man das Augenmerk auf verschwiegene Seitengemacher geworfen, die den Dienern zur Verfügung standen, und statt ihrer einen großen, übersichtlichen, und keinen Win­kel aufweifeuden Raum eingerichtet. Diese Vorsichts­maßregeln bilden nur den Anfang. Um wertere zur Durchführung zu bringen, sind auch weitere Mittel nötig, die von den Kammern bewilligt werden müssen. Zunächst ist eine Vermehrung der Dienerstellen erfor­derlich, öennn wenn der Louvre auch jetzt fünfhundert Diener und Aufseher besitzt, so sind doch so viele im reinen Verwaltungsdienst tätig ganz abgesehen von den Kranken und Beurlaubten, daß zur ständigen Beaufsichtigung durschnittlich nur 75 verwandt wer- den können.

Temperatur und Wohlgeschmack.

Die hohe Bedeutung, welche die richtige Tempe­ratur der Schmeckstoffe für den Wohlgeschmack der Ge- nutzmtttel hat, ist erst in neuester Zeit von der Wissen­

schaft erkannt worden. Besonderer verdienst hat sich der Letter der Weinbauschule in Geisenheim, Wort- mann, erworben, der in einer wissenschaftlichen Arbett die richtigen Temperaturen für den Wohlgeschmack der verschiedenen Weine festgelegt hat. Jetzt gibt nun Wilhelm Sternberg in der Zeitschrift für physikalische und diätische Therapie einen Ueberbltck über die ge­samten Erfahrungen auf diesem Gebiete.

Alle Liköre schmecken am besten eiskalt; dieselben Liköre von Zimmertemperaturen schmecken schlecht. Um­gekehrt nimmt der professionelle Koster bei vergleichen­den Geschmacksproben z. B. von Kognak, ein großes Glas warmen Wassers, in das er den Kognak oder die betreffenden Getränke gießt, die geprüft werden sollen. Dann treten die einzelnen Schmeckstoffe und Riechstoffe deutlicher für sich getrennt hervor. Warmes Wasser ist gewissermaßen die Lupe des vergleichenden Schmeckers. Kalte hingegen deckt alle einzelnen we­niger gefälligen Schmeckstoffe.

Aehnliche Erfahrungen, die sich leicht nachkontrol­lieren lassen, geben die berufsmäßigen Köche an. Speck, der durchaus nicht zu gesalzen schmeckt, erscheint warm unvergleichlich mehr gesalzen. Ebenso tritt der salzige Geschmack bet geschmolzener Butter mehr hervor. Teebutter", die zum heißen Tee genossen wird, muß ungesalzen sein. Rühreier scheinen leicht versalzen. Dasselbe kann man beim Schinken beobachten. Schinken erwärmt, erscheint leicht versalzen. Ebenso scheint er fein geschabt leicht versalzen. Jede Eisspeise enthält viel Zucker, so viel, daß genau dieselbe Eisspeise er­wärmt, also die warmeCreme" genannte Flüssigkeit vor der Gefrierung höchst unangenehm süß erscheint und nicht zu genießen ist. Ebenso erscheint die Süße der Eisspeisen auch nachher, nach dem Schmelzen, in­tensiver, namentlich Eiskaffee erscheint unangenehm, ja widerlich süß vor dem Gefrieren. Anderseits erfordern selbst die rohen Früchte, eiskalt ^frappiert", eine Methode der Darreichung, die in Spanten besonders üblich ist, erheblichen Zusatz von Zucker, sodaß diese Methode für Mastkuren zu verwenden ist.

Eine andere alltägliche Erfahrung unterstützt diese Beobachtung. Kalte Fleischgerichte bedürfen eines be­sonderen Zusatzes von Gewürzen, wenn sie genußreich sein sollen. Das von der Mittagsmahlzeit Übrig- gebliebene Fleisch schmeckt auch am Abend noch sehr gut oder selbst den nächsten Tag wird es noch gerne kalt gegessen, wenn nur für pikante Saucen oder we­nigstens für hinreichenden Salzzusatz gesorgt ist. Das Fleisch erfordert eben kalt größere Mengen von Ge­schmacksmitteln. Rohe reife Früchte, die angenehm süß schmecken, nehmen einen allzu säuerlichen Geschmack an, wenn sie warm oder auch nur etwas angewärmt ge­nossen werden. Gar gekocht, schmecken die reifen Früchte von angenehm süßem Geschmack geradezu sauer, sodaß auch Kompotts reichlichen Zusatz von Süßmitteln be- anspruchen. Freilich tritt bei anderen Genußmitteln der Genuß gerade bei hoher Temperatur besonders hervor. So schmeckt z. B. der Kaffee recht heiß am besten.

UrojeS Tilian und Genossen.

In der Berufungsverhandlung gegen die im Zu­sammenhänge mit der Affäre Brandt im vorigen Sommer verurteilten Zeugoffiziere Tilian, Schröder, Hinst, Hoge usw. wurde am Freitag nad) Wiederher­stellung der Oeffentlichkett mit der

Vernehmung der Angeklagten

begonnen. Oberintendantursekretär Pfeiffer erklärte, er sei mit Brandt seit längerer Zeit befreundet. Brandt habe ihm einmal zu Weihnachten 100 ^. geschenkt, aber auf seine Frage bestritten, daß er ihn damit zum Ver­rat militärischer Geheimnisse verleiten wolle. Er habe niemals Brandt Mitteilungen gemacht, die er in seiner Eigenschaft als Beamter des Kriegsmtntsterinms er­fahren habe. Er begreife nicht, wie Brandt behaupten könne, seine Quelle über Vorgänge im Kriegsministe- rium sei er. Er verumte, daß Brandt durch diese Be­hauptung seinen richtigen Gewährsmann schonen wolle, da er, Pfeiffer, doch von der Polizei beobachtet werde und kompromittiert sei. Zeugleutnant Hoge erklärte, er habe Brandt lediglich Mitteilungen gemacht, wenn er ihn gefragt habe, ob das, was er erfahren habe, rich­tig sei, habe also im wesentlichen nur das bestätigt, waS Brandt schon wußte. Dies habe er getan, weil Brandt ihm förderlich sein wollte, aber ohne das Bewußtserm irgendein Geheimnis zu verraten. Er habe sich auch niemals von Brandt traktieren lassen. Ein Darlehen von 1000 X das er wegen eines Unglücksfalles in seiner Familie habe aufnehmen müssen, habe er mit Zinsen voll zurückgezahlt. Feuerwerker Schmidt hat Brandt auf seine Fragen Mitteilungen gemacht, da es ihm be­sannt war, daß es der Firma Krupp gegenüber keine Staatsgeheimnisse gebe. Er habe sich allerdings einige Male seine Zeche bezahlen lassen, weil er befürchtete, daß Brandt als ehemaliger älterer Kamerad eine Ab­lehnung verübeln würde. Die Verhandlung wurde da- rauf auf Sonnabend vormittags 10 Uhr vertagt.

An englisches Unterseeboot gesunken.

Dreizehn Mann Besatzung verloren.

Das englische UnterseebootA. 7" ist am Freitag bei Plymouth gesunken. Das verunglückte Schiff ist emeS der ältesten Unterseeboote der englischen Kriegsflotte. Es ist mit einer Serie von acht anderen Booten gleicher Art im Jahre 1904 vom Stapel gelaufen, verdrängt 180 bis 207 Tonnen Wasser und trägt eine Besatzung von elf Mann. , z

Das UnterseebootA. 7" manövrierte mit anderen Unterseebooten in der Bai von Lawsand, die ungefähr sechs Meilen von Plymouth entfernt ist. Nach einigen Manövern merkte man, daß des Unterseeboota. 7" fehlte. Es sind 12 Mann und ein Leutnant an Bor». Von Plymouth wurde Hilfe gesandt. Rettungsboote sind sofort nach der Unfallstelle abgegangen. Einem Schiff der Unterseebootsflottille ist es um 5 Uhr nachmittags ge­lungen, mit der Besatzung in Verbindung zu treten. Sie waren sämtlich am Leben.

Das gesunkene UnterseebootA. 7" liegt nach späte­ren Meldungen 81 Meter unter Wasser. Bis 8 Uhr abends waren die Bemühungen, das UnterseebootA. 7" zu heben, erfolglos. Obwohl erklärt wird, daß die Be­satzung von Unterseebooten dieses Typs 12 Stunden unter Wasser leben könnte, hat man in amtlichen Kreisen alle Hoffnung aufgegeben. Um 9 Uhr abends wurden die Rettungsarbeiten eingestellt. Als Taucher zuerst hinabstiegen, klopften sie an den Rumpf des Untersee­bootes und empfingen Antwort von der Besatzung. AlS sie aber um 6 Uhr zum zweiten Male Hinabstiegen, empfingen sie auf ihr Zeichen keine Antwort. Man glaubt, daß die Ursache des Unglücks In einem Versagen der Pumpen zu suchen ist, die die Wasserbehälter leer- pumpen sollten.

Die englische Marine ist damit wieder von einem jener schweren UngtückSfälle betroffen worden, wie sie bet allen Seemächten sich bereits ereignet haben und wie sie leider auch ferner nicht ganz ansbleiben können, wett ja der schwere Seedienst von jedem Mann an Bord die äußerste Hingabe bei jeglicher Uebung erfordert.