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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Setsielher Sreishlntt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Hernsvrech-^lnschluft Nr. 8

Nr. 15.

Sonntag, den 18. Januar

l»14.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

Die Schneeverhällniffe im knüllgebiete

sind jetzt für den Skisport recht geeignet. Auf dem Knüll und auf dem Eisenberge liegt der Schnee über 30 cm hoch, in Schwarzenborn noch 27 cm. Unter der schwachen Neuschneeschicht liegt die Vt m hohe alte be­reits vereiste. Da auch der scharfe Nordostwind nachläßt, macht sich die Kälte von8 bis13 Grad weniger bemerkbar. Herrlicher Sonnenschein liegt tagsüber auf der Winterlandschaft. Der Schnee liegt jetzt fest, so daß die Zugangswege und Fahrstraßen nAch allen Seiten benutzt werden können.

'' Wetterausfichte« für Sonntag den 18. Januar.

Ziemlich heiter und trocken, Frost, östliche Winde.

8 Hersfeld, 17. Januar. Zur Wetterlage Jird. von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem i. Januar mitgeteiltz: Der Frost scheint jetzt seinen öhepunkt erreicht zu haben. Seit einigen Tagen schon breitet sich über Nordost-Europa ein Tiefdruck­gebiet immer mehr aus und drängt den Hochdruck n'gch Südwesten. Seither wehten nach unserer Gegend Ätz kalten Nordostwinde aus letzterem. Heute liegt der Hochdruckkern gerade über uns. Allmählig wird er nun wohl noch weiter nach Südwesten gedrängt werden, sodaß wir in den Bereich westlicher Winde kommen würden. Diese stammen zwar immer noch vom Nordmeer, aber immer doch schon vom Meer. Hier ist es aber nicht so kalt wie auf dem Festlande, von woher sie seither wehten. Der Frost wird also wohl langsam gemildert werden; nicht so stark zwar, daß wirkliches Tauwetter einträte, sondern er wird hur von Tag zu Tag nachlassen. Der Wiedereintritt so starken Frostes, wie wir ihn in den letzten Tagen Hütten, ist dann in der nächsten Zeit kaum zu erwarten.

. ):( Hersfeld, 17. Januar. Im Amtlichen A n - z e i g e r der heutigen Nummer ist eine Bekannt­machung des Herrn Finanzministers über die B e r - anlagungzumWehrbeitrag enthalten, welche auf die zwischen den Vorschriften des Wehrbeitrags­gesetzes und den entsprechenden Bestimmungen des preußischen Ergänzungssteuergesetzes bestehenden Ver­schiedenheiten aufmerksam macht. Wir möchten diese Ausführungen allgemeiner Beachtung empfehlen.

-k- Malkomes, 16. Januar. Bei der gestrigen Vergebung der Wasserleitung wurde Los 1 (Quellen- fassung und Behälter) dem Unternehmer Herrmann in Heimboldshausen in Verbindung mit dem Unter­nehmer Diel in Landershausen und Los 2 (Rohr­lieferung und Verlegung) dem Herrn Installateur H. Gesing in Hersfeld übertragen. Die Bauleitung liegt in Händen des Civilingenieurs J. Köhl in Fulda.

Riederaula, 15. Januar. Ein Landwirt aus Christerode hatte für 2 Ochsen, die er in Ottrau ab­geliefert hatte, den Kaufpreis einkassiert, um das Geld zur Sparkasse zu bringen. Als er im Eisenbahn­abteil sein Geld nachzählte, fand er zu seinem Schreck, daß ihm auf unaufklärliche Weise ein Tausendmark­schein abhanden gekommen war.

Schlitz (Oberh.) 16. Januar. Der dahier beschäftigte italienische Arbeiter Cordeschi ist, als er bei Sandlofs einen über die Fulda führenden Notsteg passieren wollte, ausgeglitten und in die hochgehende Fulda gestürzt; er ertrank.

Aus dem Bogelsberg, 16. Januar. Eine geradezu halsbrecherische Arbeit wird augenblicklich in den Fichtenwäldern des hohen Vogelsberges von Thüringer Waldarbeitern ausgeführt. Diese brechen von den Spitzen der hochragenden Fichten die Zapfen ab. Wenn ein Baumabgeerntet" ist, klettern die Leute nicht erst bqumab und baumauf, sondern sie schwingen sich wie die Eichhörnchen von einem Baum nach dem andern hinüber, wobei sie den abzuerntenden Baum an den Zweigen solange hin und her bewegen, bis er so nahe ist, daß der Sprung gewagt werden kann. Die Ernte der Fichtenzapfen fällt in diesem Jahre sehr karg aus, der Zentner kostet bts 300 Mark. Die

Bogelsberg gewonnenen Zapfen werden nach Groß-Tabarz in Thüringen versandt, wo sie für die Aussaatausgeklengt" werden.

Caflel, 16. Januar. Das Schwurgericht, das heute nachmittag seine erste diesjährige Periode beendet hat, verurteilte den 50 Jahre alten Gelegenheitsar­beiter Otto Rogalski wegen vorsätzlicher Brandstiftung jünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrver- i"si. Er hatte am 3. Januar d. I. eine große Scheune oes Rittergutsbesitzers Heydenreich in Malsfeld ange- zundet, und zwar um wieder ins Zuchthaus zu gelangen.

Ferner verurteilte das Schwurgericht den 32 Jahre alten Arbeiter Koch aus Cassel, der in der Nacht vom 16. zum 17. April v. I. während des Streiks der Möbeltransporiarbeiter den Fensterputzer Hellmuth durch einen Messerstich getötet hatte, zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis uud rechnete ihm auf die erlittene Untersuchungshaft drei Monate Ge­fängnis an.

Cassel, 16 Januar. Wegen fahrlässiger Tötung hatte sich heute der 17jährige Lehrling Ludwig D. aus Philippinendorf (Kreis Wolfhagen) vor der Straf­kammer zu verantworten. Am Sonntag den 25. Mai saß D. auf der Steintreppe vor dem Hause seiner Eltern. Er hatte ein geladenes Tesching über den Knien liegen. Plötzlich kam der gleichaltrige Freund des Angeklagten, Lehrling Fritz F., auf den Ange­klagten zu. D. sprang schnell auf, um den Freund zu begrüßen. Dabei rutschte das Tesching von den Knien, entlud sich und der Schutz traf den F. in den Kopf, so daß später der Tod eintrat, obgleich die Eltern des Angeklagten den Verletzten sofort in das Krankenhaus nach Wolfhagen bringen ließen. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten zu 4 Monaten Gefängnis und empfahl ihn der bedingten Begnadigung.

Heiligenstadt, 16. Januar. Das Großfeuer am Mittwoch, welches die Waren-Niederlage der Kolonial- warenfirma Ströver total vernichtete, hat auch den Tod eines Menschen indirekt veranlaßt. Der in der Nachbarschaft wohnende Bäckermeister Karl Huschen- beit, der schon längere Zeit kränkelte, hat sich durch das mächtige Feuer so erschreckt, daß sein Tod be­schleunigt wurde und H. gestern früh starb.

Mühlhausen i. Thür., 14. Januar. Vor dem Jugendgericht erschien das bereits wegen Diebstahls vorbestrafte 12jährige Schulmädchen Anna H. von hier. Sie soll von den Gräbern am Friedhof Blumen und Kränze gestohlen, ferner auf dem hiesigen Postamt verschiedenen am Schalter stehenden Personen die Portemonnaies mit Inhalt aus der Tasche gezogen haben. Die früh verdorbene Angeklagte gibt im ganzen 4 solche Fälle zu. Sie wurde zu 1 Jahr Ge­fängnis verurteilt.

Hanau, 15. Jan. Von der Strafkammer wurde die Spezereiwarenhändlerin Frieda Schmidt dahier, die total verdorbene Wurst feilgehalten hatte, zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Bei der nach erstatteter Anzeige vorgenommenen Untersuchung der Verkaufs­stelle wurde ein Quantum von 3 Kilogr. beschlag­nahmt. Die aus einer westfälischen Wurstfabrik be­zogenen Wurstwaren wurden dem hiesigen Nahrungs­mittelchemiker Dr. Braunmüller übergeben, welcher seststellte, daß das teils aus Kuheuter bestehende Blutwurstfüllsel, unter das beim Zubereiten sich auch Haare gemischt hatten, verdorben war. Um der Wurst den üblen Geruch zu nehmen, war sie stark gewürzt worden.

Halle a. S., 16. Januar. Eine lustige Papagei­geschichte hat sich kürzlich hier ereignet. In einer vielgelesenen Zeitung unserer Stadt prangte kürzlich folgendes Inserat:Papagei zu verschenken. Zu er­fragen vormittags von 8 bis 9 Uhr. L.-Straße Nr. soundsoviel. Bitte zweimal klingeln!" Unter vielen anderen las auch ein biederer Bürger, dessenLora" gerade das Zeitliche gesegnet hatte und deren Käfig noch verwaist dastand, das Inserat. Um nun der erste Bewerber zu sein, machte er sich schon am Abend vorher samt seiner Tochter und seinem Dienstmädchen, das letztere mit einem großen Korbe bewaffnet, auf, um den Papagei zu erlangen. Als er an des Hauses Pforte vorschriftsmäßig zweimal klingelte und memand reagierte, erfuhr er von Hausbewohnern, daß die Mieter der Wohnung zur Stunde in einem benach­barten Hotel ihre Hochzeit feierten. Doch unser Bürgersmann war zäh und samt seinen Rerngen zog er schnurstracks in das Hotel und ließ sich mitten vom Gänsebraten weg den Bräutigam herausholen. Der aber wußte nicht das mindeste von einem Papager. Zur Bekräftigung rief der anscheinend Verwirrte ferne Braut heraus. Auch die nächsten Angehörigen, welche nach dem enteilten Brautpaare recherchierten, konnten unserem Papageisucher nur bekräftigen, daß sich in ihrer gesamten Familie kein Vogel befände. Als man hinterher an der Hochzertstafel den schlechten Scherz besprach denn um nichts anderes handelte es sich _ verschwand still am unteren Ende der Tafel ein Gast. Am anderen Morgen begann das große Rennen und Hunderte von Menschen stellten sich ein, um den vielbegehrten Gratispapagei zu erhalten. Allein an der Flurtür prangten vorsichtiaerweise in großen Lettern die Worte:Hier ist kein Papagei zu verschenken!" Und der böse Schelm kam um seine Pointe....

Deutscher Reichstag.

Zur Beratung standen am Freitag zunächst kleine Anfragen. Auf eine Frage des Abg. Hofrichter (Soz.), ob es richtig sei, daß einem jungen Mann in Köln der Einjährigenschein entzogen worden sei wegen sozialdemokratischer Betätigung, antwortete General­major Wild von Hohenborn, daß die Sache noch der Prüfung unterliegt und daher eine Erklärung noch nicht erfolgen könne. Abg. Trendel (Ztr.) wünschte zu wissen, ob in diesem Jahre mehr russische Futter­gerste als sonst eingeführt worden sei, die als Brau­gerste verwendet worden sei, unter Umgehung der höheren Zollbestimmungen. Der Regierung, erklärte darauf ein Regierungskommissar, sei davon nichts bekannt; Umgehungen seien auch nicht auzunehmen. Nunmehr trat das Haus in die Beratung des schleunigen Antrages der bürgerlichen Parteien ein, der die Hinausschiebung des Termins zur Abgabe der Vermögenserklärung für den Wehrbeitrag bis Ende Februar und durch eine amtliche Erklärung dieBeseitigungderZweifelsfragen des Gesetzes wünscht. Abg. Erzberger (Ztr.) führte zur Begründung aus, daß die bei der^Versicherungsaefellschaften einlausenden Zweifelsfragen so schwerwiegender Art seien, daß eine Hinausschiebung des Termins dringend geboten erscheine. Die Feststellung des Ertragswertes durch manche Steuerbehörden müsse scharf gerügt werden. Auch über manche andere Zweifelsfragen müsse Klar­heit geschaffen werden; das Opferjahr 1913 dürfe 1914 nicht in das Gegenteil Umschlägen. Reichsschatzsekretär Kühn erklärte hierauf, daß er nicht in der Lage sei, die Stellungnahme des Bundesrates zu diesem An­träge wiederzugeben. Bei der Festsetzung der Frist für die Abgabe der Steuererklärung mußten die Interessen des Reiches und der Einzelstaaten berück­sichtigt werden. Für das Reich komme tn Betracht, daß die Zahlung der ersten Wehrbeitragsraten nicht zu lange hinausgeschoben werden könne. Ebenso müsse bald eine Uebersicht über das Erträgnis des Wehrbeitrages vorliegen. Der Schwerpunkt hin­sichtlich der Fristverlängerung liege im Grundbesitz. Bei einer Reihe von Bundesstaaten sei es eine Lebens­frage, ob die Veranlagung zum Wehrbettrag gleich­zeitig mit der Veranlagung über das Vermögen er­folge. Der Schatzsekretär verbreitete sich sodann eingehend über einige Zweifelsfragen und schloß mit der Versicherung, daß er überall Aufklärung schaffen und Entscheidung treffen und der Oeffentlichkett davon Kenntnis geben werde. Abg. Dr. Blunck (Fortschr.) hielt die Erklärung des Reichsschatzsekretärs nicht für ausschlaggebend. Wenn das Gesetz nicht klar sei, so sei dies Schuld des Bundesrats. Abg. Nupp-Baden (fonf.) betonte, daß alle Zweifel geklärt werden müssen. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Erzberger (Ztr.) wurde der Antrag einstimmig angenommen und das Haus setzte darauf die Beratung des Gesetzentwurfs über die Sonntagsruhe im Haudelsgewerbe fort. Abg. Dr. knarrt (Svz.) meinte, die Sonntagsruhe sei der Angelpunkt der Sozialpolitik Deutschlands. Seit 1899 seien die Angestellten immer wieder vertröstet worden. Auch die Abg. Birkenmayer (Ztr.), Marquart (nl.), Thumann (Elf.) traten für die möglichste Sonn­tagsruhe ein. Im weiteren Verlaufe der Erörterung ergriff u. a. noch Abg. Graf Posadowsky (b. k. F.) das Wort, der ein einmaliges Ausruhen in der Woche im Kreise der Familie als die beste Sonntags­heiligung bezeichnete. Was nütze alle Jugendpflege, wenn im späteren Alter die Kräfte verkümmern müssen. Schließlich wurde der Entwurf einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Sonn­abend: Etat des Innern.

Eingesandt.

Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.

Aufs neue plant die Stadt die B e b a u u n g des P l a tz e s a m R a i n ch e n. Es ist wohl ein Bedürfnis, daß die Stadt für geeignete Geschäftsräume für ihre Verwaltung sorgt, das kann sie aber nicht durch einen Neubau an dieser Stelle. Dem augenblicklichen Bedürfnis würde wohl abgeholfen werden, in 5 bis 1 o Jahren würde sicher aber derselbe Mangel an Geschäftsräumen eintreten wie heute. Die Stadtver- ordneten-Versammlung hat in richtiger Erkenntnis dieses Umstandes früher wiederholt die Errichtung eines Baues an dieser Stelle abgelehnt und wir hoffen, sie wird von dieser Ueberzeugung nicht ab­weichen.

Die Stadt verfügt über recht geeignete andere Bauplätze, auf denen auch ein angemessener auf lange Zeit hinaus ausreichender Neubau aufgestellt werden kann. .

Dieser Bau wird nicht teurer kommen als ein Bau auf dem räumlich sehr engen Platze am Ratnchen.

Mehrere Bürger.