Einzelbild herunterladen
 

SWöses zu Den Slraßburgec sirozeffen.

Keine Revision oder Berufung. Die Kabinettsorder vom Jahre 1820.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" ergreift in ihrer Donnerstag-Ausgabe das Wort zu den Prozessen gegen Leutnant v. Forstner und Oberst v. Reuter. Sie teilt hierzu mit, daß auf das Rechtsmittel der Revision im ersten, und das der Berufung im zweiten Prozeß verzichtet worden ist. Weiter läßt sie sich über die Gül­tigkeit der Kabinettsorder vom Jahre 1820 aus, die be­kanntlich in dem Reuter-Prozeß eine entscheidende Rolle gespielt hat. Es heißt in den offiziösen Ausführungen:

Aus Straßburg wird gemeldet, daß der zuständige Gerichtsherr in dem gegen den Leutnant v. Forstner an­hängigen Strafverfahren auf die Anwendung des Rechts­mittels der Revision gegen das freisprechende Urteil des Oberkriegsgerichts verzichtet hat. Für diese Entschließung des Gerichtsherrn war ohne Zweifel ausschlaggebend, daß nach den tatsächlichen Feststellungen des Oberkriegs- gerichts der Angeklagte einen drohenden tätlichen An­griff der auf seinen Befehl verhafteten Person abwehrte und sich dabei innerhalb der erlaubten Grenzen der Notwehr gehalten hat. Da eine Nachprüfung der Ent­scheidung des Oberkriegsgerichts in bezug auf die Wür­digung des Ergebnisses der Beweisaufnahme dem Re­visionsgericht nach dem Gesetz versagt ist, mußte das Rechtsmittel der Revision als aussichtslos erscheinen.

Wie wir weiter hören, wird auch in dem Verfahren Kden Obersten v. Reuter der Gerichtsherr auf Ein- g der Berufung gegen das freisprechende Urteil verzichten. Für diesen Verzicht mag gesprochen haben, daß die eingehende Beweisaufnahme vor dem Kriegs­gericht einwandfrei den guten Glauben des Angeklagten an eine ihm nach seinen Dienstvorschriften zustehende Berechtigung zu dem Einschreiten des Militärs ergeben hat, und daß er deshalb nach anerkannnten Rechtsgrund­sätzen straflos bleiben muß.

Es ist richtig, daß in der Dienstvorschrift über den Waffengebrauch des Militärs von 1899 Teile der aller­höchsten Kabinettsorder von 1820 verwertet worden sind, und zwar um das Notwehr- und Notstanösrecht des Militärs, sowie die Fälle, in denen die Anwendung des Militärhoheitsrechtes in Frage kommt, darzulegen. Aul. dieser Verwertung, die nach eingehenden Verhand- l.nger der beteiligten Ministerien im Jahre 1851 in allen seitdem erschienenen und veröffentlichten Neu- drucken der Vorschriften gleichlautend erfolgt ist, haben sich bis jetzt keinerlei praktische Unzuträglichkeiten er­geben. Nachdem sich indessen bei den jüngsten Ereig­nissen in Zabern Zweifel daran ergeben haben, ob die Vorschrift von 1899 die Befugnisse der Zivil- und Mili­tärbehörden richtig abgrenzt, ist vom Kaiser und König eine Nachprüfung der Dienstvorschrift angeordnet worden.

Die Straßburger Urteile rechtskräftig.

Wie das Wolffbureau von zuständiger Stelle erfährt, haben die Kriegsgerichtsurteile gegen Oberst v. Reuter und Leutnant Schad sowie gegen Leutnant v. Forstner infolge des Verzichts der Gerichtsherrn aus Einlegung eines Rechtsmittels nunmehr Rechtskraft erlangt.

Frankreich kann keineZeppeline" bauen.

Eingeständnis der Jngenieurkommission.

Eine interessante und erfreuliche Nachricht kommt aus Paris. Man erinnert sich des peinlichen Gefühls des Unbehagens, das man überall in Deutschland beim Bekanntwerden der Nachricht ernpfand, daß die Franzo­sen denZ. 4" nach seiner Landung in Luneville in allen Einzelheiten photographiert hätten. Man mußte umso- mehr einen Verrat des Zeppelinschen Systems fürchten, als zu gleicher Zeit bekannt wurde, daß das französische Kriegsministerium eine Jngenieurkommission berufen habe, die auf Grund der photographischen Kopien eine Nachbildung des Zeppelin-Luftschiffes zu konstruieren versuchen sollte.

Diese Jngenieurkommission hat ihre Arbeit nun mit einem kläglichen Fiasko einstellen müssen. In einem Bericht an das Kriegsministerium gibt die Kommission, deren Arbeiten man in Frankreich mit der größten Hoffnung entgegengesehen hatte, unumwunden zu, daß die Zeichnungen und Photographien, die man von dem in Luneville gelandetenZeppelin" ausgenommen hatte, zur Verwertung für einen Nachbau des Zeppelin-Typs völlig unbrauchbar sind. Man wird sich nach diesem Em- geständnis, das für Deutschland nur höchst angenehm sein kann, in Frankreich wieder den Versuchen mit dem starrenSpieß-System^ zuwenden müssen. Für jeden Fachmann war aber von vornherein klar, daß die Sach­lage so und nicht anders sich gestalten müßte. In den Kreisen der deutschen Luftschiffskonstrukteure und -In­genieure, besonders in den Kreisen der technischen Mit- arbeiter des Grafen Zeppelin selbst, teilte man jene Be­fürchtung, daß die Franzosen durch die unfreiwillige Landung in Luneville unerwünschte Aufschlüsse über die

Die Dame im Schleier.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

16) lNachdruck verboten.)

"Nein! Wie kommst Du auf solche Vermutung?" "Ich sehe es Dir an! Weißt Du, wie Du mir er­scheinst?"

Wie?"

Wie der Brautwerber, der bereits die weiße Binde angelegt hat, der schon Gäste geladen hat, und die Braut dabei erst fragen muß, ob sie denn seine Braut sein will.

. Weshalb machst Du mit mir gerade solche Scherze?" Seine Antwort hatte unwillig ge­klungen, ohne daß er es empfunden hätte, daß dieser Ton das von «einer Cousine gehegte Mißtrauen noch steigerte.

Das ist kein Scherz. Bist Du erregt, weil Du heute Gast der Baronin von Theben sein wirst?"

Keine Ahnung! Das ist mir gleichgültig. Was bedeutet ein solcher offizieller Abend? Da wird ein Schwärm von Gästen anwesend sein, unter denen ich verschwinden werbe."

"Wer kann es wissen? Die Baronin von Theben liebt es, einzelne zu bevorzugen."

Da nun von MarSerg in das Zimmer gekommen war, wechselte sie rasch:Hat sich die Prüfungskommis­sion eigentlich schon entschieden?"

,»9lo$ nicht endgültig. Es müssen noch Proben auf Schützengräben bei großer Entfernung gemacht werden."

Uttb der General a. D. beteiligte sich mit seiner ganzen Lebhaftigkeit an diesem Gespräch.

Am Abend war Robert Hatzfeld wiederholt vor den Spiegel hingetreten, ehe er sich entfernte; und mehr als eine Halbe Stunde vor der bestimmten Zeit war er be- «ttS in -rr Rauchstratze, fobaß er dort so lange auf und

Konstruktionsgeheimnisse unserer deutschen Luftkreuzer, nur in sehr geringem Maße. Der Bericht der Ingenieur- kommission und die Einstellung ihrer vergeblichen Ko­pierungsversuche sind der beste Beweis dafür, daß die Franzosen aus der Landung in Luneville wenig oder nichts lernen konnten. , . ,

Ganz natürlich, denn das Geheimnis der Erfolge Zeppelinfcher Luftschiffe liegt weniger in den sinnrei­chen Konstruktionseinzelheiten, als vielmehr in der ge­nialen Konzeption, aus der heraus das Luftschiff gebo­ren, und in der Summe der Erfahrungen über die der Graf und sein Stab technisch geschulter Mitarbeiter in unvergleichlich reichem Matze verfügt. Im übrigen hatte es nicht erst der Landung in Luneville bedurft, um die Franzosen ein Zeppelinluftschiff in allen seinen Teilen kennen lernen zu sehen. In der Tages- und Fachpresse ist die Konstruktion der Zeppeline in großen Umrissen und mit genauesten Einzelheiten so oft beschrieben wor­den, daß die französischen Ingenieure danach schon, langst einen französischen Zeppelintyp hätten bauen können, wenn sie nur dazu imstande gewesen waren. Auch die natürlich dem Ausländer in gleicher Weise wie dem In­länder zustehende Berechtigung, sich an Passagterfahrten in den Luftschiffen der Delag zu beteiligen, hatte, wenn es nur auf ein äußerliches Ersafsen und Nachbilden da­bei ankäme, hingereicht, um Frankreich einen gleichwer­tigen Luftschifftyp zu beschaffen.

Der Bericht der Pariser Jngenieurkommission hat aber insofern etwas Erfreuliches für uns, als er alle Befürchtungen, die sich an die Luneviller Landung knüpften, ein für allemal aus der Welt schafft, anderseits die unbedingte Ueberlegenheit Deutschlands im Luft­schiffbau dokumentiert.

Politische Rundschau«

Ein Kabinettsrat beim Kaiser. Der Kaiser konfe­rierte am Donnerstag vormittag im Neuen Palais bei Potsdam mit dem Reichskanzler Dr. von Betymann Hollweg und hörte die Vorträge des Kriegsministers, Generalleutnants v. Falkenhayn, des Chefs des General­stabes der Armee, General der Infanterie v. Moltke, und des Chefs des Militärkabinetts, General der In­fanterie Freiherrn von Lyncker.

Aerzte nnd Krankenkassen. Nachdem auf zahlreichen Plätzen die auf Grund des Berliner Abkommens znn- schen Aerzten und Krankenkassen eingeleiteten Verhand­lungen gescheitert sind, steht, wie aus gutinformierten Aerztekreisen mitgeteilt wird, nunmehr zu erwarten, daß die im Reichsamt des Innern gepflogenen Verhandlun­gen nicht zur Basis des neuen Vertragsschlusses dienen werden. Vielmehr dürften hierfür erst in allernächster Zeit neue Verhandlungen eingeleitet werden.

Militärische Maßnahmen in den Reichslanden. Die Vorgänge in Zabern dürften eine eingehende Prüfung verschiedener militärischer Fragen im Gefolge haben, die im Verlauf der Verhandlungen über diese Augelegenheit hervorgetreten sind. Daß man von dem früheren Brauch, die Elsatz-Lothringer außerhalb der Reichslande dienen zu lassen, abgeganqen ist. hat die bedenkliche Erscheinung gezeigt, daß die Reservisten des 99. Regiments aus der Umgegend von Zabern sich an den Kundgebungen in der Stadt beteiligten. Man wird daher, wie in militärischen Kreisen verlautet, vermutlich wieder zu der alten Uebung zurückkehren.

Ein deutscher offiziöser Nachruf für den Admiral Graf Jto. DieNordd. Allgem. Zta." widmet dem die- er Tage verstorbenen japanischen Admiral Grafen Jto olgenden offiziösen Nachruf: Die japanische Marine hat mrch den Tod des Grafen Jto ihren Großadmiral ver­loren. Die glänzende Laufbahn des Verstorbenen fällt mit der Entvicklung der japanischen Flotte zur Seewehr eines modernen Großstaates zusammen. Graf Jto hat seinem Baterlanöe Dienste geleistet, deren Gedächtnis aus der Geschichte Japans nicht verschwinden wird. Ueber die Grenze seiner Heimat hinaus genoß Graf Jto in Marinekreisen Ansehen und Wertschätzung.

Präsident Wilsons Kampf gegen die Trusts. Präsi­dent Wilson erklärte den Senatoren, er begünstige die Schaffung einer Handelskommission, welche die Auflö­sung der Trusts leiten soll. Ferner müsse das Ketten- system in den Aufsichtsräten unmöglich gemacht und die persönliche Haftbarkeit der Trustgründer festgelegt wer­den. Die Führer der Demokraten stimmen Wilson zu.

Kleine Dadiriditen«

Tragischer Tod eines Berliner Geistlichen, Don­nerstag morgen wurde der Universitätsprofessor Frei­herr Hermann von Soden, Pfarrer an der Berliner Jerusalemskirche, als er auf der Untergrundbahn einen schon in der Fahrt befindlichen Zug besteigen wollte, durch die Bewegung des Zuges weggestotzen und mit dem Kopf an die Tunnelwand geschleudert. Er erlitt eine Gehirnerschütterung, an deren Folgen er nach eini- gen Stunden starb.

nieder promenierte, bis er den ersten Wagen an der Villa der Baronin Theben vorfahren sah.

Dann erst betrat auch er das hellerleuchtete Vestibül der Villa.

Er fühlte seine Befangenheit, als er die Baronin von Theben in sehr reicher, schwerer Gesellschaftstoilette erkannte, die eben mit einigen Gästen in Uniform plau­derte; aber mit der Gewandtheit der Dame von Welt hatte sie ihn begrüßt und auch gleich vorgestellt. Dies hatte sie mit einem Hinweise auf seine Erfindung getan, worauf er sofort in ein Gespräch gezogen wurde.

Neue Gäste waren nachgefolgt. In dem großen Saale, dessen Wände alte, verblatzte Gemälde wiesen, waren Büffetts errichtet, die nur pikante Genüsse boten, und an denen außerdem noch je nach Wunsch Bier, Wein oder Sekt geschenkt wurde.

An diesen großen Saal grenzte ein Musikzimmer, auf der anderen Seite ein Rauch- und Spielzimmer, damit die Wünsche aller Anwesenden je nach Veranla­gung Erfüllung finden konnten. Etwa vierzig Gäste mochten es sein, die sich eingefunden hatten, viele in Uniformen, manche in Frack und Ordensauszeichnungen, wahrscheinlich einflußreiche Regierungs- oder Berwal- tungsbeamte.

Dagegen sah Haßfeld gar keinen Vertreter der Fi­nanz ober Jnbustrie; für solche schien die Villa Theben nicht offen zu sein.

Die geladenen Damen, meist die Frauen von an­wesenden Herren, ließen die Mode der letzten Tage se- hen, meist sehr geschmackvoll gekleidet, viele mit prunk­vollem Schmuck, bei dem Perlen und Juwelen vorherr- fchend waren.

Eine Menge Namen schwirrten an das Ohr Haß- er den einen gehört hatte, da war ein zweiter an sein Ohr gehuscht, daß er ersten wieder vergaß und den zwei- ren nutzt verstaub.

BolkSkonzerte veS Berliner Königlichen Dpern- hauses. Mit Genehmigung des Kaisers wird der Chor des Königlichen Opernhauses an den Abenden, an de­nen im Opernhause die Sinfonie-Konzerte der König­lichen Kapelle stattfinden, unter Leitung des Professors Hugo Rüdel Konzerte zu volkstümlichen Preisen in großen Sälen Berlins und in Kirchen veranstalten.

Nach Veruntreuung von 42 000 Mark Hypotheken- gelder, die er zum Abschluß einer Hypothek empfangen hatte, sowie weiterer 20 000 Mark einkassierter Miets- gelder sind Moses, genannt Moritz Goldschmidt, Mit­inhaber der Firma M. Goldschmidt u. Co., Haus- und Hypothekenmakler, in Hamburg sein im Geschäft an­gestellter Bruder und ein anderer Bruder geflüchtet. Es besteht der dringende Verdacht, daß die veruntreute Summe bedeutend größer ist.

Kälteferien" hatten am Freitag die Schüler der Königlichen Schulen in Berlin. Der Unterricht siel aus, um den Schülern und Schülerinnen Gelegenheit zur Ausübung des Schlittschuhsports zu geben. Die städtischen Schulen wurden von dieser Regel nicht be­troffen.

Von Mühlrädern zermalmt. Der Klempnerlehrling Fischer aus Dessau wollte in der Jonttzer Mühle in der Nähe des Räderwerkes Reparaturarbetten ausführen. Er geriet ins Getriebe und wurde buchstäblich zer­malmt.

Das Museum in Lttuebnrg bestohlen. In der Nacht zum Montag wurde im Museum zu Lüneburg ein Einbruchsdiebstahl verübt. Den Dieben fielen etwa 600 alte Münzen im Gesamtwerte von etwa 4000 Mark in die Hände. Es sind meist Gold- und Silbermünzen ge­stohlen, während die wirklichen Seltenheiten der Samm­lung unberührt geblieben sind. Als Täter kommt ein Museumsbesucher in Betracht.

Raubüberfall auf offener Straße. Auf offener Straße wurden der Kassierer Löwy und der Kontorist Grünspan von der Eisenfabrik Blumental in Tetschen überfallen. Es wurden ihnen Geldbeutel abgenommen, die zweitausend Kronen Bargeld enthielten. Die Täter sollen entlassene Arbeiter sein.

Neberfälliger deutscher Dampfer. Wegen des DampfersDania" der Hamburg-Amerika-Lmie, der mit dreihundert Passagieren von den Azoren nach Ha­vanna unterwegs ist, hegt man, da er seit Montag über­fällig ist, lebhafte Besorgnisse.

Gericht und Recht#

Bestrafung wegen Verletzung des Amtsgeheim­nisses. Ein praktischer Arzt in Cöln wurde vom Schöf­fengericht zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Er hatte mit einem Kaufmann, den er früher behandelte, Diffe­renzen wegen der Honorarzahlung. Der Arzt sprach mit einem benachbarten Handwerksmeister über diesen Fall und teilte ihm ausführlich mit, an welcher Krankheit er den Kaufmann behandelt habe.

Der Pastorssohn als Kirchenränber. Vor dem Schwurgericht in Crefelö stand unter der Anklage des schweren Diebstahls und des Totschlagsversuchs der Pastorssohn August Brocks aus Riga, der nach wieder­holten Opferstocksdiebstählen durch den Geistlichen der katholischen Kirche zu Fischeln bei Crefeld ertappt wer­den konnte. Infolge mehrerer vorgekommener Diebstähle in der Kirche hatte der Ortspfarrer einen Opferstock der Kirche durch eine elektrische Leitung mit dem Pfarrhofe verbunden. Als am 2. Januar nachmittags die Klingel ertönte, ging der Kaplan Kirelip zur Kirche und schloß sie ab, sodatz der Einbrecher gefangen war. Der Pfarrer Dr. Wahlen ging nun, während der Kaplan die Polizei holte, mit dem Küster in die Kirche, um den Räuber fest­zunehmen. Letzterer gab sofort einen Schutz auf den Pfarrer ab, verletzte ihn aber nur leicht. Auch der Küster, der sich auf den Dieb gestürzt hatte, erhielt einen Schutz in den Arm, doch gelang es dem Pfarrer, den Burschen festzuhalten, bis die Polizei erschien. Das Urteil lautete wegen schweren Diebstahls im Rückfall, versuchten Tot­schlages und Körperverletzung auf zwölf Jahre Zucht­haus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizei­aufsicht.

150 000 Mark veruntreut. Ende vorigen Jahres wurden in der Maschinenbau-Aktiengesellschaft Balcke & Co. in Bochum Veruntreuungen in Höhe von rund 150 000 Jl. aufgedeckt, die dem bei der Firma angestell­ten Buchhalter Ehmke zur Last gelegt wurden. Ehmke, der viel in Sportkreisen verkehrte und für sich und an­dere Rennwetten in grötzerem Umfang abschlotz, wurde auf einer Berliner Rennbahn vom Platze weg verhaftet. Der noch verhältnismtzig junge Angeklagte war im vollen Umfange geständig. Er will das veruntreute Geld beim Spiel und am Toto verloren haben. Auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme wurde der Ange­klagte zu vier Jahren sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilt. Der Staats­anwalt hatte fünf Jahre Zuchthaus sowie 10 000 Mark Geldstrafe beantragt.

Aber die, um derentwillen er gekommen war, sollte er am längsten vermissen; überall hatten seine Augen das Goldblond chres Haares gesucht. Er mußte gleich­gültige Gespräche anhören, mußte antworten, Höflich­keiten erwidern, während seine Gedanken von allen fortgeflogen waren, um in irgendeinem Winkel die Geliebte zu entdecken.

Als sie dann auch erschienen war, wandte sich ihr keine sonderliche Aufmerksamkeit zu; sie trug ein sehr einfaches Kleid in hellrosa, während ihr einziger Schmuck ein schwarzes Band in ihrem Haar und eine dunkle Rosenknospe war.

Hatzfeld war ziemlich weit von ihr entfernt, um sie als erster begrüßen zu können; auch hatte ihn ein reich dekorierter Regierungsrat in eine politische Auseinan­dersetzung gezogen, sodatz er nicht fortkonnte.

Er dachte nur an Mia von Theben; nur bei ihr Blicke; er sah, wie sie nur eine flüchtige Be- fa."?- wie sie das Mauerblümchen im eigenen Hauie zu fern schien, während die Baronin von Theben von allen gefeiert wurde.

nutzte sehen, wie schließlich Mia von Theden al- am Flügel lehnte und mit großen Augen, in denen brennende Sehnsucht zu erkennen meinte, zu- ^b Mutter die Huldigungen aller für sich beanspruchen konnte.

fühlte Haßfeld ein Mitleid für sie aufsteigen; er sollte ihr sagen, wie für ihn alle Anwesenden nichts Be* k wie sehr er unter allen nur sie suchen wollte. ^f,fn^ "St langer unter den vielen die Einsame sein!

Entschuldigung hatte er sich von dem Regie- ^Ssrate frei gemacht. Aber bei dem hastenden Gehen gehalten?" Enlon würbe er burch einen Zuruf zurück-

(Fortsetzung folgt.)