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ver Ermordung ver erste« Frau,

Josefa geb. Henel, zu. Wie bereits erwähnt, hatte der Angeklagte diese am 31. Juli 1899 geheiratet, und zwar in Niederhöchstadt, wo das Ehepaar zunächst in glücklicher Ehe lebte. Doch schienen die Vermögensverhältnisse nicht günstig, denn der Schwiegervater mußte öfters mit Geld aushelfen. Kurz nachdem Hopf seine Frau mit 20 000 Mark versichert hatte, erkrankte sie und starb nach sechswöchigem Leiden. Auch die Leiche dieser Frau ist ausgegraben und von dem Sachverständigen Chemiker Dr. Popp untersucht worden. Er hat in Knochen, Mo­der und Haaren Arsen festgestellt. Auf Befragen bestritt der Angeklagte auch in diesem Fall jedes Verschulden. Wenn in der Leiche Arsen gefunden wurde, so sei das darauf zurückzuführen, daß er seiner Frau aus deren ausdrücklichen Wunsch Arsen als Schönheitsmittel ge­geben habe, und zwar fünf Tropfen täglich, aufsteigend um ie einen Tropfen bis zu 12 Tropfen täglich. Der Vorsitzende ging dann zur Besprechung der schon aus- stthrlich dargestellten Vorgänge bei der Vergiftung der dritten Frau mit Bazillen ein und fragte den Ange­klagten, ob er etwa jetzt sein früheres Geständnis in dieser Sache zurücknehmen wolle. — Anaekl.: Nein, ich gebe ja zu, daß ich ihr Typhus- und Cholerabazillen un­ter die Speisen gemischt habe, aber ich bestreite, daß dies in der Absicht geschehen ist, die Frau zu beseitigen. Der Vorsitzende hielt nunmehr dem Angeklagten die diesem zur Last gelegte

Ermordung seines eigenen Vaters

vor. Die Behörde nimmt an, daß Hopf in dem Glauben, von seinem Vater im Testament bedacht zu sein (was sich später als trügerisch herausstellte), auch diesem Gift eingeflötzt und ihn dadurch aus der Welt geschafft zu haben. Jedenfalls wurde auch in der Leiche das Vaters, der im Jahre 1895 verstarb, durch die chemische Unter­suchung Arsenik festgestellt, das der tödlichen Dosis ent­sprach. — Der Angeklagte erklärte hierzu, daß sein Va­ter an einem Blasenleiden gestorben sei, jedenfalls nicht unter Symptomen, die auf eine Vergiftung hindeuteten. Zu dem weiteren Anklagepunkt, die

Tötung des unehelichen Kindes Richter hielt der Vorsitzende dem Angeklagten vor, daß das sei­nem Verhältnis zu der Haushälterin Elise Richter zu Wörsdorf, der jetzigen Witwe Mayer, entsprungene Kind nur wenige Monate gelebt habe und von Anfang an kränklich gewesen sei. Auch die Leiche dieses Kindes ist ausgegraben worden: Dr. Popp wies ebenfalls Ar­sen nach. Hopf erklärte, er habe nicht dem lebenden Kinde Arsen gegeben, sondern nur der Leiche Einspritzungen gemacht, und zwar, um den Fäulnisgeruch zu zerstören, er sei nämlich gegen Leichengeruch sehr empfindlich. Es folgte die Vernehmung des Angeklagten über den

Giftmordversuch an der zweiten Frau

Christine, geb. Schneider, die der Angeklagte am 28. März 1904 geheiratet hat. Schon vor der Hochzeit gab es Streitigkeiten, und zwar zunächst zwischen dem An­geklagten und seinen Schwiegereltern. Nach der Ehe­schließung erklärte Hopf seiner Frau, sie brauche keine Eltern mehr, und war auch bestrebt, sie zu isolieren und von anderem Verkehr fernzuhalten. Hopf betrieb mit ihr in Niederhöchstadt seine Hundezucht und schloß im März 1905, also ein Jahr nach der Eheschließung, bei der „Thuringia" einen Versicherungsvertrag genau wie bei seiner dritten Frau ab, und zwar in Höhe von 30 000 Mark bei einer jährlichen Prämie von 1332 Mark. Die bis dahin stets gesunde Frau erkrankte kurz nach Abschluß der Versicherung. Der behandelnde Arzt konnte keine bestimmte Diagnose stellen. Da inzwischen der An- ?eklagte ein Liebesverhältnis mit einer anderen ange- nüpft hatte. blieb Frau Hopf endgültig bei ihren El­tern und heiratete nach Scheidung der Ehe wegen Ehe-

Ös von Seiten des Angeklagten im Jahre 1909 einen wann Saeger. Sie starb aber schon zwei Jahre später angeblich an Tuberkulose. — Der Angeklagte er­klärte hierzu auf Befragen, daß seine Frau wirklich an Tuberkulose gelitten habe und nur daran gestorben sei. Auch über den Tod des Kindes Elsa Hopf will der An­geklagte nichts näheres angeben können. Zum Schluß der Vernehmung hielt der Vorsitzende dem Angeklagten noch den _

Giftmordversuch an seiner eigene« Mutter, der Witwe Auguste Hopf, vor. Diese starb am 6. No­vember 1911 im Alter von 78 Jahren. Hopf erbte da­mals 27 000 Mark, wovon er gleich 13—14 000 Mark Schulden bezahlte. Auch die alte Frau Hopf litt in den letzten Wochen vor ihrem Tode häufig an Erbrechen und Durchfall, während sie bis dahin kerngesund war. Hopf, der früher selten bei ihr war, erschien in der letz­ten Zeit fast täglich und nahm auch die Mahlzeiten bei ihr ein. Auch brächte er Obst und Wein mit. Die Lecche der Mutter ist im Offenbacher Krematorium verbrannt worden. Obwohl wissenschaftliche Erfahrungen darüber, ob in der Asche einer Leiche vor der Verbrennung ber- gebrachtes Arsen nachgewiesen werden kann, bisher nicht bestanden haben, ist die Asche ausgegraben worden und dem Gerichtschemiker Dr. Popp gelang der Nach­weis von Arsen in der Asche. Nach seinen Feststellungen muß Frau Hopf sogar eine erhebliche Menge Arsen kon­sumiert haben. Hopf bestreitet auch hier jede Schuld. Um 3 Uhr nachm. wurde die Verhandlung auf Diens- tag vertagt.___________________________________

Vermischtes*

Der Kaiser trainiert. Aus Potsdam wird der „Tgl. Rdsch." erzählt: Wer in der jüngsten Zeit bei klarem Wetter den Park Sanssouci durchstreifte, der konnte in dem Parkteile unweit der Freitreppe unterhalb der Maulbeerallee interessante Beobachtungen machen. Der Kaiser, der auf die Beweglichkeit und Widerstandsfähig­keit des Körpers den größten Wert legt, hat in Ueber­einstimmung mit seinen Leibärzten mehrere Wochen hin­durch eine Arbeitskur gemacht, die zwar große Anstren­gungen an ihn stellte, aber auch die erwarteten Wirkun­gen zur Folge hatte. Mitte Dezember begab sich der Kaiser, so oft er in Potsdam weilte. Tag für Tag um die Mittagszeit in die Parkgegend bei den neuen Hof­gärtnerhäusern, um hier mit eurem von der Hofverwal­tung gestellten Arbeiter gemeinsam schwere Holzarbeiten zu verrichten. Starke Holzstücke wurden gespalten, Stammstücke und Aeste zersägt, und schließlich trug der Kaiser mit seinem Partner das zerkleinerte Holz noch auf den Stapel. Manchmal kam auch die Kaiserin und sah ihrem Gemahl zu, der es mit seiner Kur sehr ernst nahm. Das tägliche Pensum wurde genau kontrolliert und der Mitarbeiter des Kaisers durfte am Abend das verarbeitete Quantum mit nach Hause nehmen. Manch­mal setzte auch der Kaiser nach dem Diner die Holzar­beit fort. In Potsdam erzählt man sich eine nette Anek­dote darüber. Als einmal in der Mittagsstunde der Kaiser die Art beiseite gelegt und sich entfernt hatte, erschien ein Beamter. Auf dessen Frage, ob der Kaiser noch da sei, gab der Holzhacker die Antwort: „Maiestat macht gerade Mittag, aber nach dem Essen kommt er wie­der und dann wird weiter gearbeitet!" Ab und zu wurde auch ein Adjutant eingeladen, mit Hand anzule- gen. Erst in der letzten Zeit stellte der Kaiser sein »Training" ein. Der alte Holzfäller im Walde war na­türlich auf seinen Partner nicht wenig stolz.

Allgemeiner Kikcheusonutag in Berlin. Am letzten Sonntag waren die Gotteshäuser Groß-Berlins über- füllt. Der Kampf gegen die Kirche hatte einen Kampf für die Kirche ausgelöst. Um den Gemeindemitgliedern innerhalb des gewohnten Gottesdienstes die Slot der Kirche darzulegen, war ein allgemeiner Kirchensonntag veranstaltet. Die ebenfalls am Sonntag einberufenen 16 Kirchenaustrtttsversammlungen unterschieden sich da­durch von den bisherigen, daß die liberalen Geistlichen zur Teilnahme an der Diskussion eingeladen und zum Teil dieser Einladung gefolgt waren. Als sie sprachen, fanden sie jedoch nicht weniger Widerspruch als jüngst die Positiven. Wie mitgeteilt wird, sind in diesen Ver­sammlungen im ganzen 2343 Kirchenaustritts-Erklä- rungen abgegeben worden.

Ein neuer „Riesen - Schütte - Lanz" für das Heer. Ueber den Neubau des für Heereszwecke in Aussicht ge­nommenen Schtttte-Lanz-Luftschiffes wird der Korre­spondenz „Heer und Politik" aus Luftschifferkreisen ge­schrieben: Der neue Schütte-Lanz wird durch seine außergewöhnlichen Dimensionen, die den Abmessungen und Grötzenverhältnissen der Zeppelinschiffe angenähert sind, ausfallen. Er wird nämlich einen Rauminhalt von 24 000 Kubikmeter aufweisen. Naturgemäß wird der neue Typ des Schütte-Lanz auch auf Grund der mit dem ersten- Luftschiff gemachten Erfahrungen zahlreiche neue Verbesserungen zeigen. Die besonderen Konstruktions- eigentümlichkeiten des Systems, durch die es sich vom Zeppelintyp grundlegend unterscheidet, also das Holz­gerippe und die unstarre Aufhängung der Gondeln, wer­den bei dem Neubau beibehalten. Verbesserungen zei­gen sich vor allem in dem bequemeren Verbindungsgang und in zahlreichen Anordnungen, die mit Rücksicht auf die militärische Verwendbarkeit, so z. B. auf die Ar­mierung getroffen worden sind. Als besonders bedeu­tungsvoll für militärische Zwecke ist die Tatsache an- zusehen, daß die unstarre Aufhängung der Gondeln, die nur durch Seile elastisch ausgehäugt sind, bei harten Landungen den Stoß nicht aus das ganze Schiff über­tragen und daß Defekte der Gondeln immer lokalisiert bleiben.

Das Jubiläum des 75jährigen Bestehens der Eisen­bahnfahrkarte hätte kürzlich begangen werden können. In der guten alten Zeit mußte sich jeder Reisende auf der Post „einschreiben" lassen. Als nun die ersten Ei­senbahnen ihren Betrieb aufnahmen, da behielt man die­ses alte, umständliche System vorerst gleichfalls bei. Später wurde nur die Wagenklasse handschriftlich in das von der Eisenbahn gelieferte Formular (das auch den Ausgang und das Ziel der Reise, also patzartig, ver­merkte) eingetragen, und die dann nicht mehr in Be­tracht kommenden Preise für die übrigen Klassen wur­den ausgestrichen. Später kam ein Bahnhofsbeamter namens Edmondssohn auf de'n Gedanken, kleine, dünne Kärtchen könnten es auch tun anstelle der umständlichen Formulare. Die von ihm ausgewählten Pappkärtchen von 57 Millimeter Länge und 35 Millimeter Breite sind noch heute bei den Bahnverwaltungen aller Länder im Gebrauch, da sich das Format vorzüglich bewährt hat. Aber noch heute gibt es daneben auf manchen Eisenbahn­strecken die handschriftlich auszufüllenden unbequemen Zettel. Die Freifahrkarten der Eisenbahnbeamten sind heute noch, auch in Deutschland mehr oder minder große, paßartige Zettel.

Her Wert eines gebrochenen Herzens.

Zehn Millionen für ein nicht eingehaltenes Eheversprechen.

Alles wird teurer, auch die gebrochenen Herzen, und die Londoner Schauspielerin Markham, die von einem hohen Adeligen für ihr gebrochenes Herz, will sagen: Bruch des Eheversprechens, eine runde Million Mark gefordert und bekommen hatte, was damals als Riesen­summe galt, wird mit einem gewissen Neide hören, daß eine in Amerika ansässige österreichische Baronin von Kalinowski ihr Herz mit dem zehnfachen Betrage, 2% Millionen Dollar, also 10^ Millionen Mark, bewertet, die sie von James Hurley in St. Louis fordert und viel­leicht auch bekommt. Der New Aork Amertkan, der von diesem außergewöhnlich hohen Preis für ein gebrochenes Herz Mitteilung macht, wirft dabei die gewiß zeitge­mäße Frage auf, wieviel ein gebrochenes Herz denn überhaupt wert sei, und kommt durch Vergleiche mit an­deren Entschädigungen für ein vernichtetes Leben, für ausgestoßene Singen, abgefahrene Beine usw. zu ganz markwürdigen Ergebnissen.

Es ist durchaus nicht einzusehen, warum ein ganzes Menschenleben weniger wertvoll sein soll, als ein ge­brochenes Herz, und doch hat Frau Katharina Trask als Entschädigung für ihren getöteten Gatten, einen Mil­lionär, nur 240 000 Mark bekommen. In Neuyork hat sogar einmal ein Richter entschieden, daß ein Menschen­leben nur 6 Cents, also etwa 25 Pfennig, wert sei. Bet diesem merkwürdigen Schadenersatzprozeß handelte es sich um einen jungen Studenten, der getötet worden war, und feine Eltern mußten sich mit 6 Cents begnügen. Nun weiß man ja, daß in den Vereinigten Staaten ein Menschenleben mehr oder weniger keine Rolle spielt, und so wird man sich nicht wundern, wenn man er­fährt, daß ein amerikanischer Richter den Eltern eines getöteten Kindes die trostreiche Entscheidung zuteil wer­den ließ, ein Säugling „habe überhaupt keinen Wert".

Dabei ist in einem anderen Prozesse das Leben eines Säuglings auf 10 000 Dollars, 40 000 Mark, angesetzt worden. Einzelne Körperteile haben ihren „Verlierern" in einzelnen Fällen ganz erhebliche Summn bracht: in der Liste des erwähnten Blattes finden sich z. B. 25 000 Dollars für ein abgefahrenes Bein neben 0,0 Dollar für ein anderes Bein, 20 000 Dollars neben 50 Dollars für ein Auge und 14 000 Dollars für eine Niere. Eine Schauspielerin hat einmal für ein verstüm­meltes Augenlid als Schadenersatz 30000 Mark bekom­men, denn der Richter meinte, ein Mann könne ausse­hen wie er wolle, er machte doch seinen Weg, eine Frau aber nicht, und eine Schauspielerin schon gar nicht.

Wenn man diese Zahlen überflregt, versteht man zwar noch immer nicht, warum ein gebrochenes Herz, das nach dem Gebrochenwerden sich doch noch recht gut er­holen kann, besonders wenn der Unfall in früher Ju­gend eintritt, 10 Millionen Mark wert se n soll, wäh­rend ein ganzes Leben gar nichts wert ist. Es steht aber zu erwarten, daß die Baronin ihre 10 Millionen bekommt, besonders darum, weil die Amerikaner dann wieder einen neuen Rekord an sich gerissen hatten.

In lobender See.

Die Rettung der Bewohner von Damkerort.

Wie gemeldet wurde, ist ein Teil der Bewohner von Damkerort an der Ostseeküste, d e ebenso wie dw Laaser Fischer schon für verloren gehalten wurden, nach -Ltein- ort, ein Teil nach dem am Bukower See gelegenen Ort See Bukow geflüchtet und inzwischen geborgen worden. Trotz des Wachsens der Flut am Sonnabend und schon in der Nacht zum Sonnabend hatten die Damkerorter ruhig in ihren Häusern ausgehalten. Im Notfall gab es für sie zwei Rettungswege. Sie konnten durch das Tief,

SaS unter normalen Verhältnissen kaum einen wtei Tiefe hat, nach Steinort entkommen, oder mit ihren Booten über den Bukower See das feste Land erreichen. Das Einbrechen der Ostsee überraschte jedoch alle und schnitt ihnen die Rettung fast völlig ab.

Einer der Fischer, der aus dem Dorfe die Milch in die Nachbarorte brächte, vermochte das Tief noch vier­mal zu kreuzen. Er brächte hauptsächlich die älteren Frauen und Kinder auf seinem Gefährt unter und schaffte sie durch die Fluten. Bei der letzten Fahrt wollte er seine eigene Frau und die Kinder eines Nach­barn fortbringen. Die Strömung im Tief war jedoch so reißend geworden, daß sich Untiefen gebildet hatten, und die Pferde den Boden unter den Füßen verloren hatten. Sie scheuten infolgedessen und suchten das Ufer wieder zu erreichen. Dabei wurde das Gefährt umge- morsen, mib sechs Personen stürzten in die eiskalten Fluten. Vom Ufer aus warf man Bretter und Stricke in das Wasser, und dem beherzten Eingreifen einiger junger Männer gelang es, die mit den Wellen kämpfen- den Frauen und Kinder zu retten.

Da nun aber die Flucht für die Bewohner abge­schnitten war, suchte man alles zu tun, um der Sturm- jlut Widerstand zu leisten. So gut es gehen wollte, wurden die Häuser, kleine Fischerkaten, abgestützt, und die Familien flüchteten auf den Boden. Das Kleinvieh, Ziegen, Schweine, Hühner wurden ebenfalls dort in Sicherheit gebracht. Die Kühe schaffte man auf die Dünen, wo die Tiere, die bis an den Leib im Wasser standen, festgemacht rourben/ Tag und Nacht harrten die bedauernswerten Leute in der furchtbaren Kälte, im Schneesturm, durchnäßt und frierend aus. Die Lebens­mittel begannen ihnen knapp zu werden, und dazu war nicht die geringste Aussicht auf Hilfe von draußen vor­handen.

Am Sonnabend abend entschlossen sich drei Fami­lien, ihr Hab und Gut in Stich zu lassen und sich den Booten anzuvertrauen. Es bestand für die Fischer nur die eine Möglichkeit, im Schutze der Landzunge und der nach der See gelegenen Dünen entlang zu segeln und einen der auf dem festen Lande gelegenen Orte anzu- laufen. Das war jedoch auch wieder mit Schwierig­keiten verknüpft, da die Ueberschwemmung alle den Leu­ten sonst bekannte Marken hinweggerissen hatte. So irrten sie stundenlang umher, bis sie schließlich, von der Strömung mitgerissen, am Südufer des Bukower Sees landeten. Wie sie erzählten, waren die Boote hundert­mal in Gefahr, von dem schweren Eisgang zermalmt zu werden. Der Schneefall, der während der Nacht ange- halten hatte, hatte die Unglücklichen fast erstarren lassen.

«* neuestes vom Cage«

Bon der Kronprinzenvilla in Langfuhr.

»s* Danzig, 13. Januar. (B. Z.) In den nächsten Tagen wird der Hoshalt des Kronprinzen in Langfuhr aufgelöst werden. Die Möbel, die seinerzeit verschie­denen Schlössern entnommen waren, werden an ihre frühere Stelle zurückgebracht werden. Ein Teil wird nach Cassel geschickt werden, um dort für die Ausstattung des Schlosses Verwendung zu finden, das Prinz Joachim während seiner Dienstzeit beim dortigen Husaren-Regt- ment beziehen wirb. Dort wird auch ein Apartement hergerichtet werden, das der Kaiserin für einen Besuch bet ihrem jüngsten Sohne als Wohnung dienen soll.

Das Präsidium des preußischen Abgeordnetenhauses

»e* Berlin, 13. Januar. Im Abgeordnetenhause wurde heute auf Vorschlag des Abg. Freiherrn v. Zedlttz das bisherige Präsidium: Graf von Schwerin - Löwitz, Präsident, Dr. Porsch erster und Dr. Krause zweiter Vizepräsident, wiedergewählt.

Das Liebespaar auf den Schienen.

Berlin, 13. Januar. (B. Z.) Zwischen der Sta­tion Schönwald und Muhlenöeck oer Reinickenöorf-Lte- benwalder Bahn wurden gestern abend von einem Zuge der etwa 20 Jahre alte Willi Paslack aus Schöneberg und das Dienstmädchen Kunzig überfahren. Das Mäd­chen wurde schwer verletzt. Paslack ist inzwischen im Krankenhause seinen Verletzungen erlegen. Es handelt sich um eine Ltebestragöüie.

Hinrichtung einer Mörderin.

Cottbus, 13. Januar. Heute früh 7^ Uhr wurde auf dem Hofe des hiesigen Zentralgefängnisses die Frau Minna Köckeritz aus Drebkau, die am 28. Juni v. J. vom Schwurgericht wegen Ermordung des mit ihr in wilder Ehe lebenden Arbeiters Carl Fröhlich zum Tode verurteilt worden war, durch den Scharfrichter Schwtetz aus Breslau hingerichtet.

Schwarze Pocken ans Rußland eingeschleppt.

^ Ren salz a. O., 13. Januar. Ein junger Kauf­mann, der kürzlich von einer Geschäftsreise aus Ruß­land heimgekehrt war, erkrankte an den schwarzen Pocken. Seitens der Behörde sind alle Vorsichtsmaß­regeln getroffen worden.

Unterschlagungen eines Registrators.

Münden, 13. Januar. Der Registrator Th. der städtischen Kassen in Münden, dem die Magtstrats- kasse unterstellt war, hat sich in Göttingen der Polizei gestellt und eingestanden, Unterschlagungen ver­übt zu haben. Er hatte das Kranken- und Unfallver­sicherungswesen unter sich und hat die Unterschlagungen im Laufe der Jahre verübt. Um eine Entdeckung zu ver­hüten, sollen auch falsche Eintragungen gemacht worden sein. Die Polizei und der Magistrat in Münden wur­den sofort benachrichtigt. Th. spielte in vielen Vereinen eine große Rolle.

Unglücksfälle in der Schweiz.

w Zürich, 13. Januar. Aus allen Teilen der Schweiz treffen Hiobsposten über Unfälle ein, die das Unwetter verursacht hat. In St. Antonten im Kanton GraUbünden fegte eine Lawine einen Knecht und zwei Ställe mit acht Rindern und zwei Pferden hinweg. Bet Beatenberg im Kanton Bern wurde ein 13jähriges Mäd­chen von einer Lawine in einen Abgrund gerissen und verschüttet. Auf dem Bodensee kenterte ein Boot mit vier Personen, von denen zwei ertranken. Die beiden an­deren, die sich am Boote festhielten, erstarrten.

Eine Franzer-Deputation bei Kaiser Franz Josef.

Wien, 13. Januar. Der Kaiser empfing heute vormittag 11 Uhr im Schlosse eine Abordnung des Of­fizierkorps des seit dem Jahre 1849 seinen Namen tra­genden Königlich preußischen Kaiser Franz Grenadier- Regiments Nr. 2 in besonderer Audienz. Oberst Frei­herr von Raitz überbrachte dem Kaiser die Huldigung des Regiments zu dem 65jährigen Jnhaberjubiläum und überreichte als Huldigungsgabe eine Bronzestatue eines Grenadiers des Regiments in der Uniform von 1814. Später empfing der Kaiser den Kommandeur des preußischen Husaren-Regiments Nr. 16 in Schleswig, Oberstleutnant Ludenhoff, in besonderer Audienz.

Zuspitzung der Lage i« Britisch-Südwest.

w- Kapstadt, 13. Januar. Die Lage hat sich in den letzten 24 Stunden bedeutend verschlechtert. Die Ge­werkschaften betreiben eine eifrige Agitation. Die Hafen­arbeiter von Kapstadt sind offen zum Streik aufgefordert worden. Es sind strenge Maßnahmen zur Aufrechter­haltung der Ordnung getroffen worden. Auch aus Jo- hannisburg lauten die Nachrichten ernst.