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Kaiser, Kanzler und Wahlreform.

Es besteht keine Kauzlerkrise.

Von parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: In der letzten Zeit fanden sich in einem Teil der Presse immer wieder Versuche, die darauf abzielteu, zwischen Kaiser und Kanzler künstlich ein gespanntes Verhältnis zu konstruieren. Alle Geschehnisse der inneren Politik des Reiches in jüngster Zeit haben als willkommene Gelegenheit herhalten müssen, um auf die Kluft zwischen den Anschauungen des Staatsoberhauptes und seines ersten verantwortlichen Ratgebers hinzuweisen. Als bei der Eröffnung des Landtages in der vom Kanzler verlesenen Thronrede der von vielen erwartete Hinweis auf das nochuneingelöste Versprechen" der Wahl­reformen fehlte, als der Reichstag anläßlich der Za- bern-Jnterpellation Herrn von Bethmann Hollweg ein Mißtrauensvotum" ausstellte, glaubten manche Leute, Les Kanzlers Stellung sei erschüttert, weil er in seinen Anschauungen nicht mehr mit denen seines Kaiserlichen Herrn übereinstimme. Alle diese Versuche müssen mehr oder minder als Stimmungsmache bezeichnet werden, bei der der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Von einer Verstimmung zwischen Kaiser und Kanzler aus Fragen der äußeren oder inneren Politik ist durchaus keine Rede. Ä o

Wie weit der Kanzler das Vertrauen des Kaisers genießt, kann von Außenstehenden überhaupt nur sehr schwer beurteilt werden, da der Kaiser sich über der­artige Fragen wohl kaum auslassen wird, es sei denn, daß dies im engsten Vertrauenkreise geschieht, über den hinaus solche Aeußerungen schon aus Gründen des Taktes, des gesellschaftlichen wie des- politischen, nie hinausdringen werden. Im Einvernehmen mit dem Kaiser will der Kanzler derart schwerwiegende Fragen, wie die der Wahlreform mit derjenigen Ruhe und dem sachlichen Ernst behandelt wissen, der diesem hochwich­tigen Gegenstand zukommt. Die Ereignisse der letzten Zeit haben leider vielfach das Anwachsen des Vergnü­gens an politischer Sensationslust in weiten Kreisen des Volkes erkennen lassen, die nicht zum Nutzen des Staa­tes dient und die auch dem politischen Leben nicht günstig sein kann. Wenn der Kanzler diesen Bestrebungen entgegentritt, so darf er für diesen Fall unbedingt auf die Zustimmung des Kaisers rechnen.

Nichts wäre verfehlter, als einen Gegensatz zu kon­struieren, der nicht vorhanden sein kann, weil ihm die Voraussetzungen mangeln. So erscheinen denn auch die scharfen Aeußerungen und Vorwürfe, die anläßlich der Landtagseröffnung von einem Teil der Presse gegen den Kanzler wegen jeglichen Fehlens einer Andeutung bezüglich der Wahlreform gerichtet wurden, als gänz­lich unberechtigt. Der Kanzler ist ein Mann, der alle bürgerlichen und politischen Ueberzeugungen versteht und achtet, ohne sich dadurch in seiner eigenen beeinflussen zu lassen. Selbstredend wird man ihm, wie jedem an­deren Bürger, das Recht der eigenenen Ueberzeugung auch zugestehen müssen, ohne daraus die Berechtigung herzuleiten, die anders geartete politische Ueberzeugung zugleich für die minderwertigere zu halten. Man darf auch nicht sagen, daß der Kanzler die Versprechungen des Kaisers nicht erfülle, auch dies wäre nur ein Ver­such, zwischen Kaiser und Kanzler Mißtrauen zu säen. Eine solche Behauptung wird zudem schon aus dem Grunde hinfällig, daß der Kaiser es niemals unter­nimmt, in diese Frage persönlich einzugreifen, sondern ihre Behandlung den zuständigen Stellen und dem Landtage überläßt.

Der Kanzler betrachtet es für seine vornehmste Pflicht, die aufgeregten politischen Gemüter zu beruhi­gen und darf in diesem Bemühen sich der vollsten Zu­stimmung des Monarchen versichert halten. Es wäre darum an der Zeit, derlei Versuche in der Presse end­gültig einzustellen, die ja doch nicht zum Ziele führen, weil sie weit über das Ziel hinausschießen.

Nach den Straßburger Urleilssprüchen.

Oberst v. Reuter begab sich zur Erholung nach Ober- kirch im Schwarzwald, wo ihm bisher über 2000 Glück­wunschtelegramme anläßlich seiner Freisprechung zugingen. Andererseits hat dagegen Oberst v. Reuter während der letzten zwei Wochen 1052 Karten und Briefe beleidigenden und unflätigen Inhalts erhalten. Der Statthalter Graf Wedel begibt sich am Donnerstag nach Berlin. Er kehrt am Montag, 19. Januar, nach Stratzourg zurück. Die Tatsache, daß zwei vom Vor­sitzer'den oes Straßburger Kriegsgerichts von Pelet- Nurbonne unmittelbar nach der Urteilsfällung am Sonnabend abgesandte Telegramme, das eine an die Adresse des Herrn von Jagow, das andere an Herrn von Oldenburg-Januschau, in Straßburger Blättern be­kannt gegeben worden sind, hat dem Reichspostamt zur Einleitung einer neuen Untersuchung Anlaß gegeben.

Die Zabern-Hetze erreicht, wie man derDeutschen Tagesztg? aus dem Elsaß schreibt, ihren Höhepunkt nicht

Die Same im Schleier?.

Spionage-Roman von Matthias Blank.

18) (Nachdruck verboten.)

Für Hatzfeld war die Zeit gekommen, zu der er sich bei der Prüfungskommission vorstellen mußte: er hatte an diesem Tage auch noch alle Vorbereitungen für die richtige Montierung der von ihm selbst hergestellten und unter seiner Leitung gearbeiteten Geschützmodelle zu treffen, die er sich durch die Bahn nach Berlin hatte schicken lassen: er mußte auch für eine richtige Lieferung nach dem Uebungsfelde von Döberitz sorgen.

An seinen beiden Geschützen, die er als Modelle hatte fertigstellen lassen, war von ihm alles in Ordnung befunden worden, ebenso an den durch ihn konstruierten Granaten, die wie ein Schraubengewinde aussahen und sich durch den ebenso konstruierten Geschützlauf drehen mußten. Er war vollkommen zufrieden, sodaß er mit allen Hoffnungen dem Prüfungstermine entgegensah. Aber müde hatte ihn der erste Tag doch gemacht.

Und als er durch den Trubel der Potsdamer Straße ging, um nach der im Westen gelegenen Wohnung seines Onkels zu gelangen, da hatte er zuerst nur das Gefühl, bald ausruhen zu dürfen.

Elektrische Wagen rasselten, Autoomnibusse ratter­ten, Automobile tuteten, Ausrufer lärmten, das wilde, chaotische Tohuwabohu des Großstaötlebens umflutete ihn. Fast verwirrend war das alles für ihn.

Er sehnte sich nach ruhigeren Straßen, Ruhe und Erholung, um nach der Hast ein wenig träumen zu können. Bisher hatten seine Gedanken da nur der Ar­beit, nur seinen Plänen gegolten. Nun durfte er auch wieder an sich selbst denken.

An sich selbst! Und dabei flogen seine Gedanken zu einem schmalen Gesichte mit blauen Augen und gold­blondem Haar.

etwa in den Hetzartikeln einzelner Blätter, sondern in Ansichtspostkarten französischen Fabrikates, mit denen das Elsaß seit Wochen überschwemmt wird. Es wäre sehr zu wünschen, daß alle, welche noch immer von dermißverstandenen elsässischen Volksseele", von der ruhigsten Bevölkerung der Welt" reden, diese Ansichts­postkarten zu sehen bekämen. Es existieren ihrer schon mehrere verschiedene Dutzende von Arten, aber alle haben in Bild und Text nur die gemeinste Beschimpfung der deutschen Uniform zur Absicht.

Politische Rundschau«

Zur Erörterung von Fragen auf dem Gebiete des Post- und Telegraphenwesens hat der Staatssekretär des Reichspostamtes für Sonnabend den 17. d. M. Ver­treter von Handel und Industrie und Landwirtschaft in das Reichspostamt geladen. Als Beratungsgegenstände bezeichnet der Staatssekretär folgende: Postkreditbriefe, Wünsche für den Weltpostkongretz in Madrid, Mitteilun­gen auf dem Gebiete der Funkentelegraphie, Mitteilun­gen auf dem Gebiete der Kabeltelegraphie.

Jm preußischen Abgeordnetenhanse haben die frei­konservativen Abgeordneten Dr. Arendt u. Gen. fol­gende Interpellation eingebracht: Zu welchen Ergeb­nissen hat die in der Verhandlung vom 12J13. Dezem­ber 1912 angekündigte Untersuchung darüber geführt, welche Gebiete kommunaler Aufgaben in den Gemein­den hauptsächlich zur Steigerung der Belastungsunter- schiede mitgewirkt haben und in welcher Weise ein Aus­gleich herbeigeführt werden kann? Die Fortschrittliche Volkspartei hat ihren Jniativ-Gesetzentwurf auf Ein­führung der geheimen Abstimmung bei den Gemeinde­wahlen wieder eingebracht.

Oesterreichische Steuerpläne. In der gemeinsamen Konferenz des österreichischen Herrenhauses und des Ab­geordnetenhauses stellte im Namen des Abgeordneten­hauses der Abgeordnete Licht den Antrag, die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums auf 1600 Kronen festzusetzen. Dagegen soll die Besteuerung des Einkom­mens von 4800 bis 10 000 Kronen nach den Beschlüssen des Herrenhauses erfolgen. Bei Einkommen über 10 000 Kronen soll ein fünsprozentiger Zuschlag erhoben wer­den. Die Konferenz erklärte sich damit einverstanden.

Rampollas Nachfolger. Der Papst hat den Kardi­nal-Staatssekretär Merry öel Val zum Erzpriester an der Peterskirche und zum Präfekten der Kongregation der außerordentlichen geistlichen Angelegenheiten an Stelle des verstorbenen Kardinals Rampolla ernannt.

Delcassee kehrt zurück. Wie aus Paris gemeldet wird, ist am Montag im Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten Pomcaree der Direktor für politische und Handelsangelegenheiten im Ministerium des Aeutzern, Paleeologue, zum Botschafter in Petersburg ernannt worden. Paleeologue wird der Nachfolger Del- cassees, der auf seinen Wunsch endgültig nach Frank­reich zurückkehrt.

Kleine Radiriditen«

Ein Kunstmaler erfroren. Sonntag nachmittag ist in Hermsdorf bet Rehfeld in der Nähe von Freiberg (Sachsen) der Kunstmaler Werner Hieckmann aus Frei­berg neben seiner Staffelei im Walde erfroren aufge­funden worden. Hieckmann hatte noch im Kurhaus zu Hermsdorf gespeist und war in den Wald gegangen, um zu malen.

Bon Wölfen zerrissen. Aus Odessa wird berichtet, daß ein Rudel hungriger Wölfe eine Gesellschaft von acht Personen, die sich unbewaffnet in der Nähe von Grodno (Lithauen) über freies Feld wagten, überfiel und alle acht Personen zerriß.

Hungersnot im Kankasns. Ein Mitglied der Reichs- duma bereiste vor einiger Zeit den Kaukasus, um den Umfang der unter der dortigen Bevölkerung herrschen­den Hungersnot festzustellen. In drei Bezirken stehen die Bauern nach seinen Erklärungen vor dem Hunger- tode, da die Getreide- und Weinernte im Sommer durch die große Dürre vernichtet worden ist.

Ein italienisches Geschäft abgebrannt. Das Städt­chen Castelguglielmo bei Rovigo ist säst völlig abge- brannt. Die gesamte Bevölkerung, etwa dreitausend Menschen, sind obdachlos. Das Feuer ist in dem Postamt des Städtchens ausgebrochen.

Ein Schiffsarzt ermordet. Auf dem DampferBer­lin" des Norddeutschen Lloyds wurde ein italienischer Schtffsarzt, der bei den Auswanderern zu tun hatte, von einem Auswanderer ermordet. Die Beweggründe des Mordes sind noch nicht bekannt.

Auf der Untergrundbahn zerquetscht. Als Montag abend ein Berliner Untergrundbahnzug in der Station Kaiserhof in der Richtung nach der Friedrichstratze sich eben in Bewegung gesetzt hatte, versuchte ein Soldat noch aus einem Abteil zu springen. Er stürzte aus dem Zuge und geriet zwischen die Tunnelwand und einen Bahn­wagen. Der Mann wurde buchstäblich zerquetscht.

An der Potsdamer Straße stand er zögernd still. Als müßte er sich über den Weg entschließen.-Und dann bog er nach rechts ab an dem Kanal entlang.

Rascher war sein Schritt geworden, bis er zur Rauchstraße gekommen war. Dort suchte er. Und dann stand er still und blickte in den Garten hinein, in dem eine alte Villa stand, die in dem Baumgarten zu träu­men schien. Ein paar hellerleuchtete Fenster schauten wie Augen in die unterdessen hereingebrochene Nacht.

Ob sie hinter einem der Fenster war? Er lächelte: ihm war es dabei, als wäre nun erst dieser Tag voll­kommen.

Am Donnerstag," murmelte er leise und strebte dann erst mit mehr Ruhe seinem Ziele zu.

Sechstes Kapitel.

Michael Purgstaller war in das Bureau gerufen worden: er schloß die Tür hinter sich und sah sich dann nur einem Herrn gegenüber, der in Majorsuniform an dem Schreibtische saß und von verschiedenen Akten, die er offen vor sich liegen hatte, aufblickte: ein starkergrau­ter Vollbart und buschige Brauen, eine Menge feiner Fältchen an den Mundwinkeln und in den Augenecken ließen den Offizier mindestens fünfzigjährig erscheinen.

Purgstaller gehorchte einer Aufforderung, sich zu fetzen. Sein blatternnarbiges Gesicht ließ keinerlei Neu- gierde oder Ueberraschung erkennen, da er keinerlei Verständigung erhalten hatte, warum er nach Berlin ge­rufen worden war.

Er wartete in scheinbarer Teilnahmslosigkeit.

Seine grauen Augen irrten etwas unruhig umher, als wollten sie alles gleichzeitig sehen, und diesen war auch sicherlich nichts von allem entgangen, was im Zim­mer zu sehen war.

Sie sind Michael Purgstaller?" forschte der Offizier.

»Sie waren es doch, der den gefürchteten Scheckfäl­

Wegen einer ganz rtngewöyuilchen staffelt M MVK- tag abend der Brauer Gräfe in der Graudenzer Straß« zu Berlin verhaftet worden- Er hat seine 45 Jahre alte Ehefrau nach einem kurzen Streit einfach aus dem Fen­ster seiner im ersten Stock belegenen Wohnung auf den Hof geworfen, wo die Aermste mit schweren inneren und äußeren Verletzungen lieben blieb. Der Hof ist gepflastert.

Ein fünffacher Gistmörder vor Gericht.

Der Prozeß gegen den Artisten Hopf.

Vor dem Schwurgericht in Frankfurt begann am Montag unter großem Andrange des Publikums die auf mehrere Tage berechnete Verhandlung eines der größten Kriminalfälle der letzten Jahre, -er Prozeß ge­gen den wegen zahlreicher Giftmorde und Mordversuche angeklagten fricheren Kaufmann und Fechtlehrer Karl Hopf. Es sind etwa 50 Zeugen geladen, darunter die dritte Frau des Angeklagten, die die einzige noch le­bende und ihm unmittelbar Angehörige des Beschuldig­ten ist. Hopf ist ein mittelgroßer Mann mit stark er­grauten Haaren und Schnurrbart und macht seine An­gaben mit dumpfer und undeutlicher Stimme. Nach dem Eröffnungsbeschluß ist der Angeklagte verdächtig,

vier Morde und drei Mordversuche verübt zu haben, und zwar wird er beschuldigt, im Jahre 1895 seinen Vater, 1896 sein uneheliches Kind, 1902 seine erste Frau Josepha und 1906 sein eheliches Kind vorsätzlich getötet zu haben. Die Mordversuche soll er 1905 oder 1906 an seiner zweiten Frau, 1911 an seiner Mutter und 1912 endlich an seiner dritten Frau began­gen haben. Hopf erklärt, sich mit Tierheilkunde und bakteriologischen Studien abgegeben zu haben. Er ver­kaufte auch Heilmittel für Tiere. Ende Juli 1899 ver­heiratete sich Hopf mit Josepha Henel, die drei Jahre später verstarb. Zwei Jahre später heiratete Hopf zum zweitenmal, und zwar die Christine Schneider, die ihm am 24. Februar 1906 das Kind Elsa schenkte, das jedoch zwei Monate später bereits starb. Frau Hopf verließ im gleichen Jahre ihren Mann, da sie auf unerklärliche Weise erkrankte, sobald sie bei ihm in Niederhöchstadt war, um sofort wieder gesund zu werden, wenn sie für einige Zeit nach Frankfurt zu ihren Eltern zurückrehrte. Schon damals war der Verdacht aufgetaucht, daß Hopf an den merkwürdigen Krankheiten und dem Tode der ersten Frau die Schuld trage; ein von der Staatsan­waltschaft Wiesbaden eingeleitetes Ermittelungsverfah­ren mußte jedoch im Januar 1907 wegen Mangels an Beweisen wieder eingestellt werden. Kurze Zeit darauf wurde die Ehe Hopf-Schneiöer vom Landgericht Wies­baden wegen Ehebruchs des Hopf geschieden, der nach Frankfurt a. M. zog und hier als Fechtkünstler und Kraftmensch auftrat. Etwa ein Jahr später starb seine Mutter, und er erbte 27 000 Mark. Darauf heiratete Hopf die damals 30jährige Wally Sivice. Die kernge­sunde Frau erkrankte bald darauf auf unerklärliche Weise. Beobachtungen der Aerzte und Mitteilungen der Frau an ihren Rechtsbeistand veranlaßten diesen, gegen Hopf die

Anzeige wegen Mordversuchs

zu erstatten. Nach anfangs geheimen Ermittelungen wurde dieser darauf am 14. April vorigen Jahres fest­genommen. Bei der Haussuchung fanden sich eine ganze Reihe von chirurgischen Instrumenten und Gegenstän­den, die zu mikroskopischen und chemischen Versuchen dienen. Ferner wurden gefährliche Gifte, wie Arsenlö­sungen, Morphium, Strychnin, Zyankali, Kokain und mehrere Phiolen- und Bakterienkulturen gefunden. Ebenso wurde eine fleißig benutzte medizinische, toxiko­logische und bakteriologische Literatur beschlagnahmt. Dem Angeklagten wurde zunächst der Mordversuch an seiner dritten und letzten Frau Wally Sivice aus Dres­den vorgehalten. Die letzte Ehe war zunächst glücklich, Hopf gab seiner Frau ausreichend Geld und erfüllte ihr jeden Wunsch. Im Juli v. I. verreiste Frau Hopf ei­nige Tage zu Bekannten, bei der Rückkehr bemerkte sie aus verschiedenen Spuren, daß ihr Mann Damenbesuch bei sich gehabt hatte. Da diese Entdeckung zu Zwistig- keiten führte, versuchte Hopf wiederholt, seiner Frau Gift in die Speisen zu mischen. Im Diakonissenhaus schwebte die Frau dann acht Wochen hindurch in stän­diger Lebensgefahr, doch besserte sich ihr Zustand schließ­lich. Der Angeklagte hat bereits im Laufe der Vor­untersuchung ein teilweises Geständnis dahin abgelegt, daß er seiner Frau Gifte gegeben habe, um sie zu er­morden. Er gab auch zu, er habe sie nur geheiratet, um sie hoch zu versichern und dann durch Gift zu töten. Auch bestritt er nicht, daß er seiner Frau

Typhus- und Cholera-Bazillen unter die Speisen gemischt habe. Von seiner Festnahme wurde Hopf am 14. April v. J. völlig überrascht. In seiner Tasche hatte er ein Fläschchen Zyankali. Dem Kriminalinspektor ge- ' genüber gab er an, er hätte dieses Gift genommen, wenn er nicht so plötzlich festgenommen worden wäre. Die 1 Verhandlung wandte sich dann

scher Schellendorfs, der der Deutschen Bank einen Scha­den von nahezu einer Million zugefügt, entlarvt hatte?"

Ich hatte dabei etwas Glück."

Ist es richtig, daß Ihnen die Festnahme der beiden internationalen Einbrecher und Kassenräuber Jwa- nowski und Fawel gelungen war?"

Es war nicht so gefährlich gewesen."

Auch die Fälschung der Hunderpfundnoten, die fast in der ganzen Welt verbreitet worden waren, hatten Sie entdeckt und die Fälscher in ihrem Schlupfwinkel ge­stellt?"

Ja! Das ist erst vor kurzem geschehen."

Sie sind schon mehrere Male in Sachen herange- zogen worden, die eine öffentliche Erledigung der An­gelegenheit nicht geboten erscheinen ließen?"

Allerdings! Es ist mein Beruf, mich in anderer Leute Angelegenheit zu mischen. Ich mache einen De­tektiv."

Es ist mir Ihre Diskretion schon von mehreren Behörden bestätigt worden."

Sehr erfreut!"

Es scheint Sie gar nicht zu interessieren, weshalb ich Sre nach Berlin kommen ließ?"

Doch!" nickte Michael Purgstaller, während er ichernbar interesselos in eine Zimmerecke blickte, wo nichts als ein paar Landkarten zu sehen waren.

Aber Sie fragten nicht?"

Wozu auch? Sie werden es mir ja doch sagen." Diese ruhige und die Situation vollständig beherrschende Art Mrgstallers mußte den Offizier für ihn einnehmen.

Erst die Bestätigungen und Versicherungen von verschiedenen Seiten haben mich veranlaßt wenigstens ^."^^ ^M?" Rücksprache zu nehmen. Ohne Ver­bindlichkeit."

Purgstaller nickte nur.

Und unter strengster Verschwiegenheit."

(Fortsetzung folgt.)