Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Sersfelhet
für den Kreis Hersfeld
KIMM
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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 11.
Mittwoch, den 14. Januar
1914.
I
Bus der Heimat«
* (Die Regierung und die Wandervögel.) Eine Umfrage über die „Wandervögel" und ähnliche Bestrebungen wird gegenwärtig durch eine Verfügung des Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten bei den höheren Lehranstalten veranstaltet. Die Ergebnisse der Umfrage sollen zu einer eventuellen Stellungnahme der Regierung die nötigen Unterlagen liefern.
* DieIagd aufHasen wird am 15. ds. Mts., diejenige auf Fasanenhennen am 18. d. Mts. geschlossen.
§ Hersfeld, 13. Januar. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unter dem 12. Januar geschrieben: Die jetzt eingetretene Kälte ist dadurch entstanden, daß von Nordeuropa her ein sehr starkes Hochdruckgebiet sich vorgeschoben hat. Aus ihm wehen nordöstliche Winde nach unserer Gegend. Sie führen uns eisige Luft zu, da die Temperaturen in Norwegen und Finnland sehr niedrig sind. Da die im Innern des Hochdruckgebietes lagernde kalte Luft naturgemäß sehr schwer ist, wird sich das Hochdruckgebiet wohl längere Zeit halten. Wir können also jetzt mit einer längeren Frostperioüe rechnen. Einige flache Ausläufer von südlichen Tiefdruckgebieten werden uns dabei wohl hin und wieder etwas Schnee bringen. Das Vorhandensein einer Schneedecke pflegt aber den Frost zu verstärken, da dann der abgekühlten Oberfläche durch die schlechtleitende Schneedecke hindurch nur sehr wenig Wärmeersatz aus den oberen Erdschichten zugeführt werden kann. Deswegen müssen wir trotz der zeitweilig auf- tretenden Bewölkung mit weiterer Zunahme des Frostes rechnen.
):( Hersfeld, 13. Januar. Beim hiesigen Standesamt kamen im Jahre 1913 291 Geburten zur Anmeldung und zwar 282 Lebendgeburten und 9 Totgeburten. Hiervon waren 150 männlichen und 141 weiblichen Geschlechts. Dieselben verteilen sich wie folgt: Stadt Hersfeld 260, Gemeinde Kalkobes 10, Gemeinde Heenes 10, Gemeinde Allmershausen 9, Landkrankenhaus (aus auswärtigen Gemeinden) 2. Die Zahl der Sterbefälle beläuft sich im Jahre 1913 auf 191 und zwar 86 männlichen und 105 weiblichen Geschlechts. Hiervon starben in der Stadt Hersfeld 123 Personen, in der Gemeinde Kalkobes 6, in der Gemeinde Heenes 5 und in der Gemeinde Allmershausen 7 Personen. Im Landkrankenhaus verstürben aus auswärtigen Gemeinden im ganzen 50 Personen. Die Zahl der Eheschließungen betrug im Jahre 1913 75 und verteilten sich wie folgt: Stadt Hersfeld 66, Gemeinde Kalkobes 4, Gemeinde Heenes 2, und Gemeinde Allmershausen 3.
):( Hersfeld, 13. Januar. Bereits am 15. ö. Mts. läuft die Frist zur Anmeldung zur Stammrolle ab, worauf alle Militärpflichtigen nochmals besonders aufmerksam gemacht seien. In früheren Jahren war dieser Termin später, was vielleicht von manchem übersehen werden könnte. Die Nichtanmeldung zur Stammrolle zieht Strafe nach sich.
):( Hersfeld, 13. Januar. W i e schön bist du mein H e s s e n l a n d ! möchte man ausrufen, wenn sich uns von der Höhe des Eisenberges das hessische Berg- und Hügelland in seiner ganzen Schönheit auf- tut. Besonders zu der jetzigen Jahreszeit bietet sich ein Bild reizvollster Art,- die nähere und weitere Umgebung tritt im Winterkleide noch imposanter und herrlicher hervor. Wir besitzen in dem Knüllköpfchen mit seinen Ausläufern eine Gebirgspartie, die sich ^mnnten und geschätzten Punkten Thüringens und anderer Orte würdig zur Seite stellen kann. Scheinbar
mes von unserer einheimischen Bevölkerung gewürdigt, denn es sind bei so günstiger Zulterung, wie sie am Neujahrstage und am letzten Sonntage mit prachtvollem Sonnenschein bei leichtem ^rofl für die Touristik herrschte, doch nur wenig ^.E^len dort anzutreffen. Man braucht wirklich nicht m die Ferne zu schweifen," bekannte Winter- Iportplatze aufzusuchen, hier in unserer unmittelbaren Nahe, am Eisenberg und Knüll, bietet uns die Natur w unendlich viel schönes, daß wir uns dieses Vor- zuges treuen und mehr Touristik, auch zur Winterszeit, treiben sollten, und dadurch die Liebe zu unserer engeren Heimat und zum Sport zu bekunden. Darum frisch auf zum fröhlichen Wandern!
. 'ö- Malkomes, 12. Januar. Am gestrigen Sonn-
fWE.hlelt der hiesige Gesangverein seine dies- f?hrlge G eneral-Versammlung ab. Die Vor- wanoswahl hatte folgendes Ergebnis: Martin Hilmes-
™?$ Vorsitzender, Konrad Kreib-Malkomes ^^"-Ertreter, Heinrich Wenzel-Malkomes Kassierer, Schüler-Dünkelrode Schriftführer, Joh. Lotz- -E?mes Fahnenträger, Johs. Riebold und Philipp verwig-Malkomes Fahnenoffiziere. Ferner wurde
beschlossen am Sonntag den 25. Januar zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers eine Tanzbelustigung zu veranstalten.
Fulda, 11. Januar. In seiner letzten Sitzung setzte der Bezirksausschuß zu Cassel in der Ver- waltungsstrettsache der hiesigen Fleischerinnung gegen den Magistrat dieangefochtenenUntersuchungsgebühren um 48 Prozent herab.
Cassel, 12. Januar. Das Schwurgericht verurteilte heute die 28 Jahre alte Ehefrau Katharina Mühl- Hausen geb. Göbel aus Hundelshausen (Kr. Witzen- hausen) wegen fahrlässiger Brandstiftung zu 800 Mark Geldstrafe. Die Angeklagte war beschuldigt, am 14. September v. I. dadurch, daß sie glühende Holzkohlen stücke durch die Luken des Nachbarhauses des Weißbinders Windbeutel warf, einen Brand verursacht zu haben.
Salmünster, 11. Januar. Ein Landwirt von hier schoß, während seine Frau auf dem Hofe die Hühner fütterte, nach Spatzen. Er traf aber nicht die Spatzen, sondern seine Frau in den Fuß, sodaß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
Hungeu, 10. Januar. Tödliche Brandwunden erlitt im nahen Steinheim das 4jährige Kind des Weißbinder Beuler. Die Mutter war in den Stall gegangen, um das Vieh zu füttern. Ihr Töchterchen war inzwischen dem Feuer zu nahe gekommen, sodaß die Kleider Feuer fingen. Auf die Jammerrufe des Kindes eilte die Mutter in die Stube; beim Löschen erlitt sie selbst schwere Brandwunden. Das Kind erlag seinen Verletzungen.
Gießen,11. Januar. Frhr. Heyl zu Herrnsheim hat der Landesuniversität Gießen ein Kapital von 40 000 Mark zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiete des Rechts- und Wirtschaftslebens zur Verfügung gestellt. Die Summe soll u. a. zum Ankauf der Bibliothek des verstorbenen Professors der Staatswissenschaften Dr. Magnus Biermer für die Universitätsbibliothek dienen.
Einbeck, 11. Jan. Eine Arbeiterfrau aus Blanken- Hagen, die von der Northeimer Sparkasse ihre Ersparnisse in Höhe von 700 Mk. abgehoben hatte, verlor unterwegs das in lauter kleinen Scheinen ausgezahlte Geld. Der Wind verwehte die Scheine nach allen Richtungen, so daß nur ein Teil des Geldes wiedergefunden wurde.
Jena, 12. Jan. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Familie des Glasarbeiters Ziegler. In Abwesenheit der Eltern spielten die drei- und fünfjährigen Kinder mit Streichhölzchen, die sich entzündeten und die Kleider der Kinder in Brand setzten. Als die Mutter von der Aufwartung heimkehrte, fand sie die Küche raucherfüllt. Das jüngste Kind war bereits erstickt. Das andere gab noch Lebenszeichen von sich und wurde in das Krankenhaus gebracht, wo es an einerschwerenRauchvergiftung krank darniederliegt.
Waldeck, 12. Jan. Der auf der hiesigen Domäne von einem Bullen gräßlich zugerichtete Dienstknecht Thiele ist im Krankenhaus zu Wildungen seinen Verletzungen erlegen. Der Verunglückte war über 25 Jahre auf der hiesigen Domäne beschäftigt.
Fronhausen, 11. Jan. Vor dem hiesigen Amtsgericht kam am Freitag das anfangs Oktober v. Js. auf der Rehbrücke verübte Attentat auf das in voller Fahrt befindliche besetzte Auto des Fabrikanten Herrn Joseph Kreuter in Gießen, zur Verhandlung. Der eine der Attentäter, H. W. aus Argenstein bei Marburg, der bei seiner Feststellung geständig war, leugnete späterhin hartnäckig, konnte jedoch an Hand verschiedener unwiderleglicher Tatsachen als schuldig befunden werden. Das Urteil lautete auf 9 Morrate Gefängnis, beantragt waren iv4 Jahre. Neben der Ruchlosigkeit der Absicht fiel für den Attentäter sein fortgesetztes Leugnen bei Bestimmung der schweren Strafe sehr ins Gewicht, zumal nur durch die Geistesgegenwart des Führers des Autos ein schweres Unglück vermieden wurde.
Arolsen, 11. Jan. Ein bedauerliches Mißgeschick traf den Kaufmann H. Sch. hier. Als am Freitag j nachmittag die Gymnasiasten aus der Schule kamen, entstand zwischen 2 Schülern eine kleine Rauferei. Der stärkere warf dann im Verlause derselben den schwächeren gegen eine große Schaufensterscheibe des kürzlich eröffneten Laden-Anbaues. Klirrend fiel die Scheibe zusammen. Im selben Augenblick war Kaufmann Sch. hinter dem Fenster beschäftigt. Ein schweres Stück Glas fiel ihm auf die Hand, verletzte dieselbe tark, schnitt 2 Sehnen durch, sodaß Kaufmann Sch. durch )ie Sanitätskolonne ins Krankenhaus überführt werden mußte, wo der Arzt sofort einen Verband anlegte.
Anbauversuche.
Der Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der von der Landwirtschaftskammer zu Cassel ernannten Ackerbaukommission zur Ausführung von Düngungsund Anbauversuchen schreibt:
Die Landwirtschaftskammer gewährt den landwirtschaftlichen Kreisvereinen für Anbauversuche besondere Beihülfen. Nachstehend wird der Bericht über den H a f e r s o r t e n-A n b a u v e r s u ch des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Hersfeld im Jahre 1913 in der eingesandten Form wiedergegeben.
„Der Versuch wurde auf einem an der Hauptstraße gelegenen etwas hängigen Grundstück des Herrn Otto Schimmelpfeng-Hersfeld ausgeführt.
Der Boden des Versuchsfeldes ist steiuiger schwachlehmiger Sand; ist durchlässig und nicht draintert. Die Ackerkrume besitzt eine Tiefe von 18—20 cm.
Vorfrüchte: 1911 Wickfutter, hierzu wurde schwach gekalkt; 1912 Weizen, schwach gedüngt mit Stallmist und Chilisalpeter.
Bodenbearbeitung: Im Spätjahr 1912 wurden die Weizenstoppeln flach gestürzt, dagegen konnte die tiefe Herbstfurche des anhaltenden Regenwetters wegen nicht mehr gegeben werden. Tief gepflügt wurde daher in diesem Frühjahr und zwar am 17. März. Vor der Bestellung wurde noch gewalzt und geeggt.
Düngung: Am 22. März wurde mit der DUnger- streumaschine 40»/uige§ Kali und Thomasmehl und mit der Hand schwefelsaures Ammoniak gestreut und zwar in Mengen auf Vt ha gerechnet von 1 Ztr. 4Oo/oigem Kali, 2 Ztr. Thomasmehl und '/- Ztr. schwefelsaures Ammoniak.
Anfangs Juni wurde noch eine Kopfdüngung mit Chilisalpeter gegeben (30 Pfd. pro v« ha).
Versuchssorten: Angebaut wurde Schlanstedter Hafer, Beseler il, Svalöfs Ligowo und Petkuser Gelbhafer. Unter Berücksichtigung event, vorhandener Bodenunterschiede wurde jede Sorte auf iwet von einander getrennt liegenden Parzellen angebaut und zwar so, daß die 1. und 5. Parzelle Strubes Schlan- stedter, die 2. und 6. Parzelle Beseler n, die 3. und 7. Parzelle Svalöfs Ligowo und die 4. und 8. Parzelle Petkuser Gelbhafer trugen. Die Größe der einzelnen Parzellen betrug 8,3 Ar.
Absaat und Entwickelung der einzelnen Pflanzen: Die Aussaat erfolgte am 29. März auf 17,5 cm Reihenentfernung. Von dem feinkörnigen Petkuser Gelbhafer wurden nur ca. 55 Pfd., von den anderen drei Sorten 62—65 Pfd. pro Vi ha ausgesät. Der Aufgang der einzelnen Sorten und ihre Entwickelung in der ersten Zeit waren nicht ganz gleichmäßig. Während Strubes Schlanstedter Hafer die weitaus größte Triebkraft zeigte, blieb Petkuser Hafer anfänglich in der Entwickelung stark zurück; die beiden anderen Sorten standen in der Mitte. Im Laufe des Monats Mai war die Entwickelung des Petkuser Gelbhafers aber eine derartig günstige, daß er das Versäumte bald wieder nachgeholt hatte. Um das Unkraut (Hederich, Kornblume, Kornrade, Vogelmiere, Ackerdistel usw.) zu bekämpfen, wurde geeggt und mit der Handhacke gehackt. Bet der Besichtigung am 25. Juni hatte Ligowo bereits Rispen, beim Petkuser Gelbhafer brachen sie soeben hervor und bei den anderen Sorten staken sie noch in der oberen Blattscheibe. Infolge des günstigen Wetters und der im Juli noch reichlich niedergegangenen Regensälle wurde Ligowo ziemlich stark und Petkuser Gelbhafer weniger stark zum Lagern gebracht; nur ganz vereinzelte Lagerstellen zeigte Strubes Schlanstedter und vollkommen aufrecht stand Beseler n. Die Ernte fand am 30. August statt.
Ergebnis: In Bezug auf Körnerertrag stand Petkuser Gelbhafer an erster Stelle, dann folgten Strubes Schlanstedter, Beseler n und zuletzt Ligowo. Den höchsten Strohcrtrag erzielte Strubes Schlanstedter Hafer.
Die Korn- und Stroherträge waren bei den einzelnen Sorten auf v« ha umgerechnet folgende:
Körnerertrag Strohertrag linkt. Spreu) Petkuser Gelbhafer 17,56 Ztr. 25>/< Ztr.
Strubes Schlanstedter 16,66 Ztr. 30 Ztr.
Beseler II 15,84 Ztr. 27,6 Ztr.
Ligowo 15,06 Ztr. 23,75 Ztr.
Der Petkuser Gelbhafer hat also pro V< ha 90 Pfd. Körner mehr wie Svalöfs Ligowo gebracht.
Da das Resultat dieses einzigen Versuches noch nicht maßgebend sein kann, soll der Versuch noch einige Jahre und möglichst an zwei bis drei verschiedenen Orten des Kreises fortgesetzt werden.
Hersfeld, den 23. September 1913.
lgez.) F ü r st, Winterschuldirektor."
Wetteransfichten für Mittwoch den 14. Januar.
Wolkig, zeitweise Schneefälle, keine Temperatur- veränderung, östliche Winde.