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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

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Zernsprech-Knschluh Nr. 8

Nr. 10. (Geltes Blatt)

Dienstag, den 13 Januar

1914.

Bus der Heimat«

*(BauernregelnimJanuar.) Sankt Paul schön im Sonnenschein, bringt Fruchtbarkeit an Ge- treid' und Wein. Ist der Januar naß, bleibt leer das Faß. Januar muß vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll gut sacken. An Vincenzi Sonnen­schein, bringt viel Korn und Wein. Morgenrot am 1. Januar deutet auf viel Gewitter im Sommer. Ist der Januar warm und naß, bleibt leer das Faß. Ein gelinder Januar bringt Kälte im Februar. Morgenrot am 1. Tag, Unwetter bringt und große Plag'. Wie das Wetter am Macarius war, so wird's im September trüb und klar. An Fabian und Sebastian, soll auch der Saft in die Bäume gahn. Ist Pauli Bekehrung hell und klar, so hofft man auf ein gutes Jahr. Wenn die Tage langen, kommt der Winter gegangen. Tanzen im Januar die Mucken, muß der Bauer nach dem Futter gucken Ist der Januar nicht naß, füllt sich des Winzers Faß. Ein schöner Januar bringt uns ein gutes Jahr. Januar warm, daß Gott erbarm! Wenn Gras wächst im Januar, wächst es schlecht das ganze Jahr. Nebel im Januar macht ein nasses Frühjahr. Sind die Flüsse klein, gibt es guten Wein. Am 10. Januar Sonnenschein, bringt viel Korn und Wein. Wie das Wetter am St. Vincent war, wird es sein das ganze Jahr.

* (VomPostscheckverkehr.) Im Reichspost­gebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckver­kehr Ende Dezember 1913 auf 86 400 gestiegen. (Zugang im Monat Dezember 1044). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Dezember 1913 gebucht 1652 Millionen Mk. Gutschriften und 1650 Millionen Mk. Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Dezember 1913 durchschnittlich 20.1,4 Millionen Mk. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Post- sparkassenamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der belgischen und luxemburgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden 8,8 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 3450 Uebertragungen in der Richtung nach und auf 18180 Uebertragungen in der Richtung aus dem Auslande.

8 Hersfeld, 12. Januar. Für den Landwirt wird die Frage nach der rationellen Anwendung der land­wirtschaftlichen Maschinen vonJahrzuJahr brennender. In dem Maße, wie die Benützung der Arbeits- und Kraftmaschinen an Boden gewinnt, steigt beim Leiter eines modernen Wirtschaftsbetriebes auch das Be­dürfnis nach maschinentechnischen Kenntnissen. Um diesem Bedürfnisse zu entsprechen, führt in richtiger Erkenntnis der bestehenden Verhältnisse dasKyffhäuser- Technikum, als das einzige Institut unter den höheren techn. Lehranstalten Deutschlands, alljährlich maschinen- technische Lehrgänge für praktische Landwirte durch. | Die hierzu geschaffenen Versuchsanlagen und Labora­torien werden von verschiedenen landwirtsch. Organi­sationen und Behörden zur Abhaltung von Sonder- kursen benützt u. a. betraut das Königl. Preuß. Ministerium für Landwirtschaft alljährlich den Leiter der Anstalt, Herrn Prof. Huppert, mit der Durch­führung eines Lehrganges für Direktoren und Lehrer landw. Schulen. Zu dem am 15. Januar 1914 be­ginnenden Lehrgang für praktische Landwirte können nur sofort erfolgende Anmeldungen Berücksichtigung finden. Ueber die Höhe der Ausgaben für Unterricht, i Wohnung und Verpflegung gibt das vom Sekretariate i herausgegebene Prospekt Auskunft.

H ):( Hersfeld, 12. Jan. Die Beliebtheit, deren sich " Belzerschen Leipziger Sänger hier erfreuen, sich auch gestern abend wieder, denn der weite .uaum der Turnhalle war ausverkauft. Es waren wieder recht vergnügte Stunden, welche die fröhlichen fLetpziger den zahlreichen Zuhörern bereiteten und s ' ^" d^' n°$ 12 ^r fand das reichhaltige Programm

Dorndorf (Rhön), io. Januar. Auf Schacht 2 der Gewerkschaft Donges, der von der Deutschen Schacht- baugesellichaftgegenwärtignochabgeteuftwird,ereignete V-^nschwerer Unglücksfall. Im Schacht ging ein Stuck Mauerwerk nieder und tötete ein Mann sofort, während zwei andere schwer und einer leicht ver­letzt wurde.

Hofgers «rar. 9. Januar. Die hiesige Großbuch- druckerei L. Keseberg ist, wie schon kurz gemeldet, in Konkurs geraten. Fast die gesamte Presse der Provinz beschäftigt sich mit diesem Faktum. Die Firma, Kese­berg, die wohl im Anfang ihrer Tätigkeit mit sagen wrr geringen Löhnen in Hofgeismar arbeiten konnte, bat die ganze Provinz mit sog. Schundpreisen über- schwemmt. Drucksachen wurden oft zu jedem Preise Eeriert, jedenfalls zu Preisen, mit denen das Übrige ^riictgewerde nicht konkurrieren konnte und wollte.

ueht, das Gewerbe kann den Ausgang derartiger einiger Firmen in aller Ruhe abwarten.

Corbach, 10. Jan. Am heutigen Vormittage wurde ein Mädchen aus Düsseldorf durch die Polizei in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert, das im Verdacht steht, ein vor etwa einem Vierteljahr ge­borenes Kind in der Abortgrube verschwinden zu lassen. Wie man hört, ist die Leiche darin gefunden und das Mädchen soll die Leiche als sein Kind an­erkannt haben. Die Obduktion wird ergeben, ob das Kind tot geboren ist, oder erst nach der Geburt seinen Tod gefunden hat.

Melsungen, 10. Jan. Heute in aller Frühe er­eignete sich hier ein recht trauriger Vorfall. Ein hiesiger Arbeiter K. kam in große Aufregung und vergaß sich so weit, das erst 8 Monate alte Kind zu ergreifen und gegen die Wand zu schleudern. Infolge des heftigen Anpralls fiel das Kind tot zu Boden. Infolge des Geschreis der entsetzten Mutter kamen die Nachbarn herbei, worauf bald die Verhaftung des Täters erfolgte.

Witzenhausen, 8. Januar. Von dem Lokaltermin inNonnenholz", der gestern in Gegenwart des Mörders Fuhrmann aus Hubenrode abgehalten wurde, werden noch einige interessante Einzelheiten bekannt. Entgegen verschiedener Meldungen auswärtiger Zeitungen, die bei F. eine vollständigeseelische Ge- brochenheit" konstatieren, ist F. im Gegenteil sowohl bei der Vernehmung als auch auf dem Transport nach Göttingen sehr redselig und guter Dinge ge­wesen. So antwortete er auf alle Fragen der Richter fließend und munter; seine Aussagen sollen unbe­dingt den Stempel der Wahrheit an sich tragen. Er habe, so erzählte er, auf dem Wege von Umschlag einen Mann kommen sehen und sei um nicht erkannt zu werden ins Gebüsch getreten. Der auf ihn Zukommende sei dann ins Gebüsch gekommen und als er dann den Förster K. erkannt, habe er auf etwa 3 Schritt Entfernung aus seiner Stockflinte einen Schuß abgegeben, nur aber, um den Förster zu erschrecken und dann Zeit zur Flucht zu gewinnen. Er habe sich nur auf Zureden seiner Frau gestellt, sonst wäre er nach kurz oder lang ins Ausland ent­flohen.Die paar Jährchen gehen schon herum," äußerte er auf dem hiesigen Bahnhöfe dem Bahnhofs­vorsteher gegenüber. Er hofft nach Verbüßung seiner Freiheitsstrafe seitens der Behörden wegen Erlangung eines Jagdscheines keine Schwierigkeiten zu haben, er wolle dann stets die Grenzenheilig" halten.

Waldeck, 9. Januar. Ein bedauerlicher Unglücks­fall ereignete sich heute abend auf dem hiesigen Bahn­höfe. Die hiesige Domäne wollte auf dem Bahnhöfe einen mit dem Güterzuge angekommenen Bullen abholen. Beim Ausladen wurde derselbe wild und stürzte sich auf einen der Männer und bohrte ihn mit den Hörnern auf. Beim Niederfallen trat er mit den Beinen auf die Brust, welche vollständig einge­drückt wurde. Hierauf stürzte er dem Bahnhof zu und wollte noch die Beamten angreifen, welche sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Zur Begleitung hatten die Männer noch einen Ochsen von der Domäne mitgebracht und vereint mit diesem liefen sie in das Feld. Eine Verfolgung war aber bis zur Stunde ohne Erfolg. Der Schwerverletzte wurde nun mit einer Tragbahre in das Stationsgebäude gebracht, wo ein Notverband angelegt wurde. Nach kurzer Zeit kam aber der telegraphisch herbetgerufene Arzt Dr. Münter von Wildungen mit einem Auto heran, welcher feststellte, daß außer sonstigen Verletzungen mehrere Rippen zerbrochen waren. Der Kranke wurde mit dem Auto nach Bildungen in das Krankenhaus überführt. Ob der Schwerverletzte mit dem Leben davon kommt, wird sehr in Zweifel gezogen. Der Schwerverletzte ist Hofmeister Thiele.

Frankfurt a. M., 11. Januar. Auf der Kleinbahn. Höchst-Königstein stießen heute vormittag auf der Station Münster zwei Personenzüge zusammen. Dre beiden letzten Wagen des einen Zuges, die glücklicher­weise nicht besetzt waren, trotzdem recht viele Sport­ausflügler in den anderen Wagen saßen, stürzten um. Der Materialschaden ist bedeutend. Ein Papagrer wurde leicht verletzt.

Groß-Gerau, 10. Januar. Ein schwerer Ueberfall wurde gestern nachmittag auf die beiden Söhne des Direktors der Zuckerfabrik Pillhardt hier ausgeführt. Der Fabrikarbeiter Emil Walther aus Eisenach war aus der Fabrik entlassen worden. Er klagte deshalb beim Gewerbegericht. Als der gestern stattgehabte Termin nicht zu seinen Gunsten ausging, erhob er auf der Straße einen Kanaldeckel und schlug damit auf den etwa 22 Jahre alten Sohn ein, der die Fabrikleitung am Gericht vertreten hatte. Der junge Mann brach bewußtlos zusammen und wurde in be­denklichem Zustande in das Krankenhaus gebracht. Der jüngere Bruder Pillharöts schlug nun mit einem Stock in der Absicht, seinen Bruder vor weiteren Angriffen zu schützen, auf Walter ein und verletzte auch diesen nicht ungefährlich. Walter wurde festge­

nommen und in das UntcrsuchungsgefängntsDrach Darmstadt eingeliefert.

Erfurt, 9. Januar. Der Regierungspräsident zu Erfurt hat eine Verordnung erlassen, wonach es den Standesbeamten des Bezirks von nun an verboten ist, den Zeitungen Auszüge aus den Standesamts­registern über Geburten und Verehelichungen zur Veröffentlichung zu überlassen. Die Verfügung hängt zusammen mit dem Kampfe gegen den Geburten­rückgang. Bei lebendigem Leibe verbrannte in der Zaubitzerschen Kalkbrennerei im benachbarten Windisch- Holzhausen der hochbetagte Kräutersammler Laube aus Erfurt. Um sich zu wärmen, kletterte er in unmittel­barer Nähe des Brennofens auf eine Leiter, stürzte ab und fiel direkt in die Glut. Man konnte nur die verkohlte Leiche herausziehen.

Meiurbressen, 10. Januar. Schon wieder hat ein schwerer Unfall einen von hier im Steinbruch be­schäftigten Arbeiter betroffen. Dieser geriet zwischen zwei Wagen und trug schwere Verletzungen im Ge­sicht, an den Händen und Beinen davon.

Herrenhaus.

Das Preußische Herrenhaus nahm am Sonnabend die Kunde vom Tode des Äbg. Rogalla von Bieber- stein entgegen und ehrte das Andenken des Ver­storbenen in üblicher Weise. Auf der Tagesordnung stand der Antrag des Grafen Yorck von Wartenburg betr. die Wahrung der Stellung Preußens im Reiche. Graf Borck von Wartenburg führte aus, daß das Jubiläumsjahr 1913 leider keine neue nationale Be­geisterung erweckt habe. Die Demokratie und Krypto- Republikaner haben versucht, den monarchischen Staat zu schwächen. Sie verlangten Einführung deö all­gemeinen Wahlrechts und Unterstellung Preußens unter das Reich. Schon Bismarck habe sich aber stets gegen unitarische Bestrebungen gewandt. Der Reichs­tag hatte kein Recht, dem Reichskanzler ein Miß­trauensvotum auszusprechen. Preußens Stellung im Bundesrat dürfe nicht geschwächt, sondern müsse ge­stärkt werden. Es sei ein Unding, daß die Stimmen Elsaß-Lothringens nur zählen, wenn sie gegen Preußen abgegeben werden. Der Reichstag habe nur das Recht der parlamentarischen Kontrolle, er habe sich aber das Recht angeeignet, in die Exekution einzu- greifen. Die kleinen Anfragen im Reichstage legen die Gefahr nahe, daß die Subordination im Heere in Frage gestellt wird, denn die Soldaten brauchen sich nur an einen Parlamentarier zu wenden. Hinsichtlich des Falles Zabern wolle er nur feststellen, daß man sich dort provoziert fühlt über das LiedIch bin ein Preuße", während ungeniert die Marsellaise gesungen wurde. Dem Reichskanzler könne man nur dankbar sein für sein mannhaftes Eintreten für das Heer. Die Demokratie übersehe, daß von einer Herrschaft des Parlamentarismus nicht die Rede sein könne, daß dem hauptstädtischen Pöbel der preußische Staat sein Eigenleben nicht opfern dürfe. Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg wies auf die unausgesetzten Bemühungen Bismarcks hin, die Stellung Preußens im Reiche unverändert zu erhalten. Die Grundlagen dazu seien auch unverändert geblieben. Auch er (ö. Bethmann) werde niemals Gesetze einbringen, die nicht der Zustimmung des preußischen Staatsmini­steriums sicher wären. Das Schwinden der Autorität der Retchsgründer müsse zugestanden werden, aber auch der Geisteszustand sei ein anderer geworden. Damals stand das, was das Reich Preußen verdanke, jedermann klar vor Augen. Heute jedoch seien die Parteien oft nur die Vertreter materieller Interessen. Die innere Struktur Preußens werde von der des Reiches immer verschieden sein. Die Verfassung Elsaß-Lothringens berühre das Verhältnis der Einzel­staaten zum Reiche nicht. Der König von Preußen sei doch auch Deutscher Kaiser. Auch im Zaberner Falle werde Recht auch Recht bleiben. Das preußische Volk sehe in seiner Armee die Förderung seiner Macht und Stärke. Er (Redner) sehe es als seine Hauptaufgabe an, die Unversehrtheit dieses Volks­heeres unter Königlicher Führung aufrecht zu erhalten gegen jeden Ansturm. Das Preußentum müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten werden, nicht gegen, sondern für das Reich. (Beifall.) Damit schloß die Erörterung. Das Haus nahm den Antrag mit 184 gegen 20 Stimmen an und vertagte sich bis Februar.

Wetterausfichten für Dienstag den 13. Jannar.

Ziemlich heiter und trocken, zunehmender Frost, östliche Winde.