hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Weiber Sreisblott
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 9. (Erstes Blatt)
Sonntag, den 11. Jannar
1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Hus der Heimat.
* (6^/4 Stunden Frankfurt-Berlin.) Ab 1. Mai wird man von Frankfurt nach Berlin und umgekehrt in den schnellsten Zügen nur etwas über e3/! Stunden fahren. Es handelt sich dabei zunächst nur um den Vormittagszug Wiesbaden-Frankfurt- Berlin und den Gegenzug, der 2 Uhr 15 Min. mittags in Berlin abgeht. Er kommt jetzt 9 Uhr 23 Min., in Zukunft schon 9 Uhr 7 Min. abends in Frankfurt an. Endpunkt des Zuges ist Wiesbaden. Nun hat man um einen direkten Anschluß an den Berliner Zug in das Saargebiet, nach Lothringen und Paris zu schaffen, den bisher um 8 Uhr 35 Min. abends in Frankfurt abgehenden Schnellzug über Mainz-Gau-Algesheim- Saarbrücken-Metz-Paris auf 9 Uhr 15 Min. verschoben, sodaß eine neue direkte Verbindung Berlin-Frank- surt-Paris geschaffen ist. Der Zug kommt trotz der späteren Abfahrzeit genau wie jetzt in Paris an, nämlich um 8 Uhr 25 Min. vormittags westeuropäischer Zeit. Freilich ist die Verbindung Berlin-Köln-Paris noch immer wesentlich kürzer, aber die Reiseverbindung über Frankfurt wird ständig besser. Man läßt auch die Verbindung mit Rücksicht auf die an den Strecken liegenden zahlreichen Städte immer weiter ausgestalten. Die kürzere Fahrzeit bis Paris ist dem Entgegenkommen der französischen Eisenbahnen zu danken. Die Beschleunigung nach Berlin hängt mit der am 1. Mai erfolgenden Inbetriebnahme des Tunnels bei Elm zusammen, die Schnellzüge gewinnen dadurch durchschnittlich 12 Minuten an Fahrzeit. Die Fahrzeitersparnis kommt erst ab 1. Mai 1915 richtig zur Geltung, wenn die Umgehulwsbahn bei Bebra fertig ist, wodurch abermals 10 Minuten gewonnen werden.
* (Die Provinz Hessen-Nassau und die Viehseuchen.) Wie bereits berichtet, sind durch den Herrn Regierungspräsidenten erneut Schutzmaßregeln gegen die so gefürchtete Maul- und Klauenseuche angeordnet worden. Die neueste Statistik über die Seuche im Deutschen Reiche weist weder für den Regierungsbezirk Cassel noch für den Regierungsbezirk Wiesbaden einen Fall auf, so daß also die gesamte Provinz Hessen-Nassau zurzeit von der Seuche frei ist. Im Deutschen Reiche sind auf Grund der Statistik 112 Kreise verseucht, hiervon 260 Gemeinden und hiervon wieder 941 Gehöfte. — Die Schweineseuche und Schweinepest ist im Regierungsbezirk Cassel noch immer viel verbreitet und immer neue 8 alle kommen zur Anmeldung an den amtlichen tellen.
* (Der Zigarettenkonsum steigt.) Die Einnahmen aus der Zigarettensteuer lassen auch im verflossenen Jahr eine starke Zunahme erkennen,' von 19,7 Millionen Mark in den sieben Monaten April bis Oktober 1912 ist, wie die „Süddeutsche Tabakszeitung" berichtet, die Jsteinnahme auf 23,5 Millionen Mark in denselben Monaten 1913 gestiegen. Die Solleinnahme ist nach Abzug der Ausfuhrvergütungen bei der Zigarettensteuer von 24,2 auf 28,5 Millionen Mark, also um 17,8 Prozent gewachsen. Auch die Einnahmen der Besteuerung des inländischen Rohtabaks zeigen eine Zunahme. Hier hat sich die Jsteinnahme von 7,1 aus 7,6 Millionen Mark gehoben.
) :( Hersfeld, 9. Jan. Die Tätigkeitder hiesigen -Wach - und Schließgesellschaft war auch im vergangenen Jahre wieder eine sehr mannigfaltige.
burch die Beamten der Gesellschaft 28 mal glühende Asche, die leicht hätte Brände verursachen können, gelöscht. In 786 Fällen mußten offenstehende Haustüren und Tore nach dem ersten Verschließen wreder gefchloyen werden und 472 mal mußten die
"^ch^ene Haustüren für diejenigen öffnen, welche den Hausschlüssel vergessen hatten. Brennendes
tn 305 Fällen gelöscht, 321 mal lose Pferde und Rmdvteh angebunden bezw. aus gefährlicher Lage befreit, 2r> steckengeRrebene Schlüssel abgeliefert, 97
Fenster in Erdgeschossen gemeldet und zum Schließen veranlaßt. Fabriken, Läden und Kontore wurden in 49 Fällen offen vorgefunden und 4 Wasser- ro|rbr^^e rechtzeitig bemerkt, sowie 9 mal offenstehende Wasserleitungen abgestellt. In 970 Fällen wurden Abonnenten zu einer bestimmten Stunde geweckt und 78 mal Personen und Obdachlose aus Häusern und Grundstücken entfernt bezw. der Polizei übergeben. Zwei Personen wurden beim Holzdiebstahl abgesaßt und zur Anzeige gebracht. Ferner wurden noch eine ganze Reihe kleiner Dienste geleistet.
* (Das Alter der Volksschullehrer.) Nach einer amtlichen Statistik, die vor einiger Zeit oem preußischen Abgeordnetenhause zuging, hatten
von den 82,216 Volksschullehrern in Preußen nur 3648, das ist 4,4 v. H. der Gesamtzahl, ein Alter von mehr als 60 Jahren. Auf jeden Lehrer kam ein Durchschnittsalter von 37Vb Jahren. Nur 15 v. H. der Lehrer erreichten ein Alter von 50 Jahren.
* (O bstbau an Ei senba hn st re cken.) Im Bereiche der Staatseisenbahnverwaltung find während der letzten Jahre an vielen Bahnstrecken Versuche mit der Nutzbarmachung von Böschungen und Trenn- stücken zur Anpflanzung von Obstbäumen gemacht worden, um bei den Eisenbahnbediensteten die Betäti- gung in der Obstbaumpflege anzuregen und ihnen den Erwerb guten Obstes zu erleichtern. Das allseitig bewiesene Interesse und die durchweg befriedigenden Ergebnisse haben den preußischen Eisenbahnminister veranlaßt, die Königlichen Eisenbahndirektionen durch einen weiteren Erlaß anzuweisen, die zur Förderung der Obstbaumzucht getroffenen Maßnahmen nicht nur fortzusetzen, sondern noch weiter auszubauen. Die Anpflanzungen sollen fortgeführt sowie weiter gefördert und die Erträge in den ersten 8—10 Jahren den mit der Pflege betrauten Bediensteten unentgeltlich überlassen werden. Für staatliche Haus- und Dienstgärten können Pflänzlinge aus bahneignen Baumschulen bezogen werden. Daneben soll die weitere Ausbildung des Personals in der Obstbaumpflege durch Teilnahme an Vorträgen und Lehrkursen unter Gewährung von Urlaub und freier Fahrt— den Arbeitern unter Fortzahlung des Lohnes — gefördert werden. Es ist zu erwarten, daß die Beteiligten die vorstehenden Anordnungen mit Freuden begrüßen und der Pflege der Obstbaumpflanzungen besondere Sorgfalt widmen werden.
) :( Hersfeld, 10. Januar. Heute nachmittag wurden die drei kürzlich hier festgenommenen F e l l d i e b e, welche in Cassel einen Ei i 'uch verübt hatten, gefesselt unter starker Begleitung nach dem Bahnhof gebracht, um mit dem um 3.54 Uhr hier abgehenden Zuge nach Cassel transportiert zu werden.
) :(Hersfeld, 10. Januar. Die Unterhaltungsbeilage „Nach Feierabend" wird erst der Montags- Nummer beigelegt.
- l- Hersfeld, 10. Januar. Seit Juli vorigen Jahres wird der Vertrieb des Hersfelder Lullusbrunnen von der neugegründeten Lullus- brunnen-Gesellschaft m. b. H. geleitet. Der Versand ist gegenüber dem gleichen Zeitraume im Jahre 1912 auf weit über das Fünffache gestiegen. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Aerzteschaft dem Lullusbrunnen als Heilwasser bei allen Magen- und Darmkrankheiten, Darmträgheit, Hämorrhoiden, Fettleibigkeit, Leberleiden, Gallensteinen, Gicht und Zuckerkrankheit sowie als Vorbeugungsmittel, u. a. gegen Blinddarmentzündung, erhöhtes Interesse ent- gegenbringt. Tatsächlich ist aber auch der Hersfelder Lullusbrunnen die einzige Glaubersalzquelle Deutschlands laut Analyse und Heilwirkung gleich Karlsbad in Böhmen.
) :( Hersfeld, 10. Januar. Herr Gerichts- aktuar Wieganö am hiesigen Amtsgericht wurde zum Am t s ae rich ts s e kr e tär ernannt und vom 1. April d. Js. an in dieser Eigenschaft nach W a n f r i e d versetzt. — Herr Gerichtsaktuar Hesse in Rotenburg a. F. wurde unter Ernennung zum Amtsgerichtssekretär nach Neukirchen (Kreis Ziegen- hain) versetzt, und Amtsgerichtssekretär Ruppel von da nach Meerholz (Kr. Gelnhausen). — Amtsgerichtssekretär S i p p e l wurde von Bieber (Kreis Gelnhausen) nach Homberg (Bez. Cassel) versetzt.
) :( Hersfeld, 10. Januar. In dem zweiten Blatte der heutigen Nummer beginnen wir mit einem von Herrn Steuersekretär Fenner hier verfaßten Artikel „Wie berechne ich mein wehrbeitrags- pflichtigesVermögen?" Dieser Artikel, welcher sich nur auf das notwendigste beschränkt und für jeden leicht verständlich ist, da er nur für die Praxis geschrieben, wird dazu beitragen, der in der breiten Menge des steuerpflichtigen Publikums herrschenden Unkenntnis der neuen Bestimmungen abzuhelfen. Man wird gut tun, den Artikel, dessen Schluß am Montag folgt, aufzubewahren, er wird bei Abfassung der Erklärung wertvolle Dienste tun.
) :( Hersfeld, 10. Januar. Am nächsten Mittwoch den 14. Januar, abends 6 Uhr, hält der Z w e i g - verein Niederaula des Knüllklubs im Steinschen Saale zu Niederaula seine Jahreshauptversammlung ab, an welche sich ein gemeinschaftliches Essen anschließt.
Hessisch-Lichtenart, 8. Januar. Ein 8 Jahre alter Schulknabe, Sohn der Familie Justus Gump hier- i selbst, muß sich wohl beim Schlittschuhlaufen übermäßig abgehetzt und aufgeregt haben, denn plötzlich fiel der muntere Knabe auf der Straße gestern um Und blieb bewußtlos liegen. Ins Haus der Eltern |
getragen, konnte der herbeigerufene Arzt nur den inzwischen eingetretenen Todinfolge eines Herzschlages feststellen. ^
Cassel, 9. Januar. Die Strafkammer verurteilte heute den 32 Jahre alten Schreiber Wilhelm Rhein aus Cassel, der bei ^dem hiesigen Husaren-Regiment gedient hatte, dann aber ein abenteuerliches Leben führte und mehrere Jahre in Frankreich gelebt hat, wegen Verletzung des § 143 zn zehn Monaten Gefängnis. Rhein war bei einem Industrieunternehmen in der Jhringhäuser Allee tätig und hatte mehrere Arbeiter zu verleiten versucht, mit ihm nach Naucy zn fahren und in die Fremdenlegion einzutreten. Tatsächlich hatten schon sechs junge Leute gekündigt. Das fiel in der Fabrik auf, und nach dem Grunde ihres Austritts gefragt, gaben sie an, mit Rhein nach Nancy fahren und Offiziere in der Fremdenlegion werden zu wollen. Dadurch kam die Sache zur Kenntnis der Behörden und Rhein wurde sofort verhaftet. Er entschuldigte sein Vorhaben damit, daß er in Frankreich nur Gutes von der Fremdenlegion gehört hätte.
Marburg, 8. Januar. Die 20 Jahre alte Krankenwärterin Gertmann aus Hailer hatte vor einiger Zeit in der hiesigen Entbindungsanstalt einem Kinde das Leben gegeben. Dasselbe war ihr nach ihrer Entlassung übergeben worden, doch war sie später ohne das Kind in ihrer Heimat angekommen und hatte die widersprechendsten Angaben über den Verbleib desselben gemacht. Nunmehr haben die Ermittelungen der behördlichen Organe festgestellt, daß sie das Kind in den Main geworfen hat und dasselbe ertrunken ist. Die Mörderin wurde darauf verhaftet und in das Gerichtsgefängnis abgeführt.
Eisenbach (Kreis Limburg,) 9. Januar. Gestern nachmittag 2 Uhr fand im hiesigen Gemeindespritzen- Hause die Sektion der Leiche des von seinem Sohne erschossenen Landmanns Peter Seck IV durch den Kgl. Kreisarzt Geh. Medizinalrat Dr. med. v. Tesmar aus Limburg statt. Zu der Sektton war ein Vertreter der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden erschienen. Auch wurde der des Vatermordes verdächtige Peter Seck jun. aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Camberg vorgeführt. Die Sektion ergab den Tod durch Erschießen. Der Verhaftete, der bisher hartnäckig geleugnet hatte, gestand während der Sektion die Tat ein. Er gab zu, die beiden tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Nach der Sektion wurde er nach dem Untersuchungsgefängnis in Wiesbaden abgeführt. Wie noch bekannt wurde, weilten am Montag abend, als die Tat geschah, außer dem verhafteten 25jährigen Sohne des Ermordeten seine 48jährige Frau und seine 14 und 7 Jahre alten Töchterchen in dem Hause. Die Frau lag krank zu Bette und wollte anfangs von den beiden Schüssen nichts gehört haben. Später gab sie jedoch zu, einen Knall gehört zu haben. Entgegen anders lautenden Meldungen sei festgestellt, daß die Frau bisher nicht verhaftet wurde. Der ermordete Peter Seck sen. hatte am Montag einen Gang zur Apotheke nach Nieder- selters unternommen und war in schwer angetrunkenem Zustande zurückgekehrt. Uebrigens soll der Getötete ein ordentlicher Mensch gewesen sein, der erst durch feine Familienverhältnisse zum Alkohol getrieben worden sei. Die Erregung über die Untat ist in der hiesigen Gemeinde außerordentlich groß.
Vom Main. 8. Januar. Ein wackerer Schuster in Großlaudenoach verpflichtete sich auf Grund einer Wette, binnen 90 Minuten 18 Handkäse mit dem nötigen Brot zu vertilgen. Er löste seine Aufgabe fpielend in 35 Minuten. Weil er aber noch „hungerte", verzehrte er sodann in einer anderen Wirtschaft noch eine gehörige Portion Wurst nebst dem üblichen Salat. Dann war er satt.
Leutnant Don §mflntr smMoW.
(Letzte Fernsprechmeldung.)
Straßburg, 10. Januar. In der heutigen Verhandlung gegen Leutnant von Forstner wurde der Angeklagte freigesprochen. Bekanntlich handelte es sich um eine Anklage wegen der bekannten Dettweiler Vorgänge.
Schneeverhältnisse vom Knüll und Eisenberg.
(Fernsprechmeldung.)
Der Schnee liegt ca. 30 cm. hoch, ist leicht gefroren und daher zum Skilaufen gut geeignet.
Wetteransfichte« für Sonntag den 11. Januar.
Wolkig, zeitweise heiter. trocken, kalt, Nachtfrost, nördliche bis nordöstliche Winde.